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Wie er die Widersprüche lebte und als Politiker um sozioökomische Lösungen rang, mahnt uns, die politischen Urteile über seine Tätigkeit sorgfältig abzuwägen. Sein Fleiß und Pflichtbewusstsein, die gründliche Arbeitsweise, geistige Disziplin und ansprechende Intellektualität, die Fähigkeit, an alle Klassen, Schichten der Gesellschaft nebst den Eliten nachdrücklich die Frage der Gerechtigkeit zu richten, das Bemühen, Politik auf Vertrauen, Wahrheit und Recht zu gründen, verdienen hohe Wertschätzung.

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner gestaltete strategisch und finanzpolitisch von 1893 bis 1907 im Reichsschatzamt und Reichsamt des Inneren die Sozialpolitik und -gesetzgebung. Natürlich war dies ein konfliktreicher Prozess, der auf Unterstützung, Ablehnung und Widerstand stieß. Es war längst fällig, was 1904 die renommierte Zeitschrift Jugend aus München aussprach, die Kollegen Reichstagsabgeordneten missbrauchten ihn öfter als Prügelknaben. Die Sozialdemokraten verliehen ihm, nach dem das Zolltarifgesetz vom 25. Dezember 1902 in Kraft trat, den Titel "Vater des Brotwuchers" und der "staatlichen Massenausplünderung". Der Vorhang in der Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky senkte sich am 22. Oktober 1900 zu Boden, da taufte ihn schon sozialdemokratische Opposition auf 12 000-Mark-Graf.

Großes Eröffnungs-Ballet: Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes Arthur Graf von Posadowsky-Wehner jongliert mit der Tabak-, Bier, Schnaps- und Weinsteuer. "Miquel", flüstert der Souffleur.

Großes Eröffnungs-Ballet. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Heft 218, Stuttgart, den 1. Dezember 1894, Titelblatt.

Vom Wahnsinn des Militarismus befallen, treibt der Staat immer neue, höhere Steuern ein und ist gezwungen, sie auf die Schultern derjenigen zu verteilen, die am wenigstens im Stande sind sie zu tragen: Billig-Löhner, Arme, Schwache. Die indirekten Steuern stiegen im Reich laut Karl Bachem (1894) von 1872 bis 1893 von 240 auf 680 Millionen Mark.

Über den Sturz des in Kreisen der Großindustrie und im unsozialen Junkertum verhassten Staatssekretär des Inneren und Stellvertreter des Reichskanzlers im Juni 1907 freute sich niemand mehr als seine politischen Gegner. Und auf die konnte er sich verlassen! Als Widerpart in der Sozialpolitik (1906/07). Auf dem Neuen Weg zum Wohnungsbau (1910) lagen genügend Stolpersteine. Die breite Nutzung des Erbbaurechts (1911/1920) - für ihn die geeignete Methode - verhinderte die German Gier.

Posa forderte, oder sollte man vielleicht besser sagen, empfahl als Tribut an die politische Klugheit, die gerechte Behandlung des Arbeiters und das Recht auf Wohnung, drängte dabei ebenso darauf, dass die Leistung der besitzenden Klasse, beispielsweise bei der Übernahme von Lasten in der Sozialgesetzgebung, anerkannt wird.

Sein Konzept des demokratischen Verfassungsstaates bekämpften oder ignorierten deutschnationale "Parteifreunde". Andere redeten 1930, so der preußische Justizminister, leichtsinnig der Durchbrechungstheorie das Wort.

Nach dem sich Deutschland 1923 von der Ruhrkrise, Reichsexekution in Sachsen, Thüringen und Hamburger Aufstand etwas erholt hatte, nahm er den Kampf gegen die Verlogenheit der Inflations- und Aufwertungspolitik der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und alle Schwankenden und Opportunisten unterschiedlicher politischer Provenienz auf, die das Prinzip der Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Eigentums verraten. So wie Minister Hans Schlange-Schöningen (1886-1960), der 1932 den Schutz des Privateigentums als "Spitzfindigkeit" deklarierte, dem nachzurennen, keinen Sinn (mehr) macht und nun im Ehrenhain der Guten der Christlich Demokratischen Union (CDU) thront, während der Streiter gegen die Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit der Inflations- und Aufwertungspolitik der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) als "Gegner der Weimar Republik" etikettiert. Posadowsky kapitulierte nicht vor dem Unrecht und übernimmt die Initiative zur Gründung der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP). Als ihr Ehrenvorsitzender und ab 1928 als Mandatsträger im preußischen Landtag, unterbreitet und drängt er auf eine volkswirtschaftlich vernünftige Geld- und Aufwertungspolitik. Nicht müde, unternehmen die Saalordner des Großkapitals alles, um sie zu zerstreuen. Gegenüber seiner staatspolitischen Fundamentalkritik an den Notverordnungen (1931/32) stellte man sich schwerhörig. Eindringlich warnt er vor Indolenz, Gleichgültigkeit, Selbstbetrug und Tabuisierung wichtiger gesellschaftlicher Probleme in der öffentlichen Sphäre.

 

 

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932)
an den Kipp- und Verzweigungspunkten der Geschichte

 

Überblick

Konservative Werte und Fortschritt + Antisemitisch und -rassistisch + Am Sockel des Denkmals + Lebensdaten

 

Der Landrat

Die Provinz PosenLandrat + in Wongrowitz und Rawitsch - zum Schutz der Ostgrenze (Bismarck) + Wahlkampf in Blottwitz + Ernährungslage - Bodenfrage - ArbeitskräftewanderungErster Hauptsatz der Sozialpolitik Arbeitsethos, Disziplin und Ordnung

 

 

Die Ära Posadowsky: 12. August 1893 bis 24. Juni 1907

Im Reichsschatzamt + Moloch Militarismus + Der Neue Kurs + Reichstagswahlen 15. Juni 1893 + Revirement  + "Miquel", ruft der Souffleur dem Staatssekretär zu  + Marx, Engels und Miquel + Etat für 1884/95 + Ernennung von zum Reichsschatzsekretär + Umsturzvorlage + Reichsfinanzreform + Staatssekretär des Inneren + Einkreisung + Der "Sozialismus ist ihm ...." + Handelspolitiker + Zollgesetz + Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky + Zuchthausvorlage +  Bekämpfung der Sozialdemokratie: Annäherung an die Sozialdemokratie - Wie noch kein Staat der Welt! - Christliche Arbeiterbewegung - Ist die Überwindung der Sozialdemokratie überhaupt möglich? - Recht und Freiheit + Neue Impulse + Menschenbild + Kernsätze der Sozialpolitik + Wollte oder durfte er nicht? + Staatssekretär für Sozialpolitik + Kellerfest des HottentottenblocksKolonialpolitik und Weltstellung + Reichstagswahlen 1907 + Bülow-Schlächterei + Der Sturz

 

Die Wohnungsfrage als soziale Frage

 

Im Reichstag

Reichstagsabgeordneter.... alle in einem Boot + Friedensresolution 1917Kundgebung zur 7. Kriegsanleihe am 28. September 1917

 

Evolution und Revolution

Jede Zeit ist eine Sphinx + Kühlmann-Episode + Deutschtum und Auslandsdeutsche + Überfordert + Entwicklung und Wandlung + Popularität der Staatsform Reichskronen-Rede 1919

 

Intermezzo bei der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP)

Oppositionsführer + OstjudenKapp-Putsch + Austritt aus der DNVP + FürstenentscheidGegen Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit

 

Die anstrengende Republik

Teilen macht immer weniger Spaß. Verantwortung der Elite + Materialismus des Besitzes + SubventionenBürgersinn und VerantwortungRechtsbewusstsein wider Durchbrechungstheorie + Gedenkstein + Provinziallandtag + Reichspartei (VRP) + GeldpolitikMan hörte kaum die Sätze + Diese Politik ist nicht mehr erträglich

 

Unser gemeinsames Erbe

Der Abschied der Naumburger von Graf Posadowsky + Rechtsbewusstsein + Der Posadowsky-Codex + Sozialstaat auf der Grundlage einer technisch-ökonomisch leistungsfähigen Volkswirtschaft + Der Deutschland-Plan

 

Quellen

 

 

 

Wozu viele konservative Politiker weder willens noch fähig waren, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner schafft es. Aus Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahlen rechnet er am 15. Januar 1919 in der Reichskrone (Bild) von Naumburg mit der Welt-, Flotten- und Kolonialpolitik von Wilhelm II. ab. Vielleicht nicht in umfassender Weise, denn er bleibt gewissen Schöpfungen des Deutschtums treu. Trotzdem. Tiefgründig, weitsichtig und kritisch analysiert er die verhängnisvollen Fehler der zurückliegenden Epoche der Staatspolitik. Im Geist vereint mit dem konservativ-reformfreundlichen Bürgertum macht er sich auf den Weg in die Republik. Und darauf kam es in dieser Stunde der Geschichte an.

Der aus Schlesien stammende Politiker imponiert durch eine klare Sprache, die Phrasen und Leersätze meidet, keine politischen Urteile scheut und eine beeindruckende analytische Kraft entfaltet.

Von Bernhard von Bülow (1849-1929), seit Oktober 1897 Staatssekretär des Äußeren und ab 1900 Reichskanzler, damit Posadowsky´s Vorgesetzter, erzählt man es ganz anders. "Schöne Reden" hielt er, daran mangelte es nicht, referiert über Eugen Richter am 14. September 1898 dessen Flotten-Reden im Reichstag. "Aber schließlich fragt man sich", so der linksliberale Politiker, "was hat er denn eigentlich gesagt?" Eine solche Kritik hörte man über Posadowsky nicht.

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1894)

Dem politischen Gegner tritt er achtungsvoll, bisweilen auch humorvoll gegenüber. Sachlich, systematisch, dass heißt vom Standpunkt einer liberal-konservativen Politik gewichtet, konkret und ohne persönliche Anfeindungen, parliert er am 13. Dezember 1897 vor dem Reichstag als Staatssekretär des Inneren die Rede von August Bebel. So erleben die Reichstagsabgeordneten nicht nur ein hartes Ringen politischer Kontrahenten, sondern eine Sternstunde der Parlamentskultur. Den Gewerkschaften, die den Unternehmern in England verbieten wollen, arbeitersparende Maschinen anzuschaffen, wirft der Ministerielle vor, zu Streikvereinen zu verkommen. Der Arbeiterführer moniert, was bereits im Streit um die Miquel`sche Finanzreform zum Tragen kam, dass die steigenden indirekten Steuern für die Arbeiter eine hohe Belastung darstellen. Und er warnte davor, auf die jetzigen Einnahmen, künftige Ausgaben zu begründen, worauf Posadowsky erwidert, dass die "Preise der nothwendigen Verbrauchsgegenstände sind ausnahmslos gesunken, die Löhne aber sind gestiegen."

Wer ihn kannte, achtete und bewunderte ihn. "Seine Hauptstärke war", bescheinigt ihm das Zeugnis der Volksstimme aus Magdeburg vom 25. Juni 1907, "die fleißige Durchdringung der zahlreichen Einzelheiten seines Ressorts, verbunden mit einer gewissen Nachdenklichkeit, also einer in preußischen-deutschen Regierungskreisen höchst seltenen Eigenschaft." Paul Wittko (1866-1958) verherrlichte ihn als einen Menschen, der nichts weniger als ein "typischer Junker" war.

 

 

Konservative Werte und Fortschritt  zurück

"Posadowsky war ein Fremdkörper in der wilhelminischen Regierungswelt," lautet der Befund des Berliner Tageblatts vom 24. Oktober 1932, "in die ihn das Schicksal gestellt hatte. Sein Ernst und sein reines Wollen hat stets in allen politischen Lagern, und oft am meisten bei den Gegnern seiner konservativen Anschauungen, Anerkennung gefunden." Die Nationalkonservativen standen, resümiert im April 1919 Gustav Stresemann, dem demokratisch werden des Weltzeitalters ablehnend gegenüber. Es ist deshalb verdienstvoll, wenn sich Posadowsky vom liberal-konservativen Standpunkt Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat vereinigt. Das Rechtsbewußtsein wird zu einem konstituierenden Elemente der Rechtsordnung. In verschiedener Form versucht er dem wachsenden Bedürfnis des Bürgers nach Transparenz und Selbstbestimmung Rechnung zu tragen. Er akkreditiert die Grundrechte und das Forum der öffentlichen Meinung. Untertanenbewußtsein und Feindbilder sollen überwunden werden. Als notwendiger denn je, erachtet er das Weiterbestehen einer selbständigen Kirche und die Wahrung der Religionsfreiheit.

Doktor Andreas Grieser (1868-1955), ehemals Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium und 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, charakterisiert ihn treffend als einen Politiker, der konservative Ideen und Werte organisch mit der Modernen verbinden kann. Das war eher ungewöhnlich, zumindest doch eine bemerkenswerte Fähigkeit. Oft anerkannt und beliebt bei den Liberalen und beim Zentrum, nicht aber bei den Konservativen der wilhelminischen Zeit, dessen Ideologie verbraucht. Viele seiner Ideen reiben sich mit dem alten, konservativen Welt- und Gesellschaftsbild.

 

 

Antisemitisch und -rassistisch  zurück

"Wer wirklich auf  christlichen Boden steht," erklärt am 18. Januar 1912 Graf Posadowsky auf einer Wählerversammlung im großen Volkshaussaal (Bild) zu Jena, "der muß wahre Toleranz üben gegen jede Religion und jede Konfession (….). Ich gestehe das ganz offen, dass ich deshalb ein Gegner der antisemitischen Agitation bin (….)." Indes war die Deutschnationale Volkspartei, der er von 1919 bis (wahrscheinlich) 1921 angehörte, stark antisemitisch orientiert. Dagegen unternahm Doktor Max Naumann (1875-1939), 1922 bis 1932 Herausgeber der Zeitschrift Der nationaldeutsche Jude" eine bemerkenswerte Attacke. Im Dezember 1921 rief der von ihn geleitete Verband nationaldeutscher Juden zur Versammlung, wo nichtjüdische Deutsche aus allen Lagern eingeladen und sehr willkommen waren. Es erschienen unter anderen der deutschnationale Friedrich von Oppeln-Bronikowski (1873-1936), der sich energisch gegen den antisemitischen Rummel in der Partei wandte und scharfe Kritik an Ludendorff übte. Ebenso wollten einige andere die antisemitische Agitation nicht mitmachen, darunter der Abgeordnete Ritter, Clemens von Delbrück (1856-1921) und Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Aber, kommentiert am 10. Dezember 1921 der Vorwärts (SPD), "das geistige Wesen der Deutschnationalen wird .... nicht von Delbrück und Posadowsky präsentiert, sondern von [Reinhold] Wulle [1882-1950]."

 

 

Am Sockel des Denkmals   zurück

Bevor wir ihn, wogegen er sich stets entschieden verwahrt hätte, auf den Denkmal-Sockel hieven, noch die Frage, war er stets die Kraft, die nie das Böse schafft?

Als er 1897 in das Reichsamt des Inneren eintrat, hieß es in sozialdemokratischen Kreisen, dass er dem Volke bisher immer "mehr Steuern aufgeholfen hat". Auf Proteste bei der arbeitenden Klasse stieß die Zollgesetzgebung und die durch sie bedingten "künstlichen Teuerungen". Das Reichsamt bereitete unter seiner Leitung mit großem Fleiß und einiger öffentlicher Aufmerksamkeit das Zollgesetz vor, dass der im Reichstag Ende 1902 verabschiedete. Die Sozialdemokraten nannten ihn "Vater des Brotwuchers". Schlimmer noch für sie war, dass es "kein Attentat auf die Arbeiterklasse" gab, "bei dem dieser Mann nicht die Hand im Spiele hat." "Bei den schmutzigsten Scharfmachern" bettelte er dafür "um lausiges Geld" (LVZ 24.6.1907). Er war der "berüchtigte 12 000-Mark-Graf [= Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky], der Sklave des Herrn Bück und des Zentralverbandes der Großindustriellen; der Vater des Wuchertarifs und der staatlichen Massenausplünderung" (LVZ 6.2.1906).

Leider zeigt der Staatssekretär, wirft ihn 1897 August Bebel vor, "..... das lebhafteste Mitgefühl für die Schmerzen der Junker" und "mögen dieselben noch so kühn und anmaßend sein, niemals wird ein Wort des Tadels oder der Klage aus seinem Munde kommen; immer wird er diesen gegenüber die Dinge von der schönsten wohlwollendsten Seite betrachten."

Rosa Luxemburg interveniert 1899 gegen sein heftiges "Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht".

1930 verdächtigt ihn der Zeitzer Volksbote in Verboten - Verweigert - Abgelehnt, dass ihm noch immer "die Errungenschaften der Republik arg im Magen" liegen. Für die Meldung gabe es einen Anlass: Die Sozialdemokraten hatten sich über die ausbleibende Unterstützung für eine Veranstaltung geärgert. Nun machte die Nachricht ihre Runde, und bestätigte, was alle eh schon zu wissen glaubten, er ist ein Gegner der Republik. Natürlich ist die inkriminierte Aussage falsch. Und wie sich noch herausstellt, ist dies keine Lappalie, sondern eine Tendenz, die den Triumph der nationalistischen Bewegung in der Stadt Naumburg (Saale) begünstige.

Oftmals wirkte er etwas steif und unnahbar, doch nie unaufmerksam oder unfreundlich. Die Naumburger begegneten ihn mit Ehrfurcht und freundlichem Respekt. "Zu meiner Zeit saß in der Kurie der schlesische Graf von Posadowsky-Wehner", rekonstruiert Hans-Gert Kirsche 2006 die Begegnung mit ihm, "seinerzeit Böttichers Nachfolger im Reichsamt des Inneren und später Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. Er sah aus wie der leibhaftige Weihnachtsmann, denn er trug einen riesigen weißen Vollbart vor sich her, und war in der Stadt, wo man ihn häufig auf den Straßen sah, sehr beliebt. Als er [am 23. Oktober] 1932 starb, folgte fast ganz Naumburg seinem Sarge, es war wie ein Staatsbegräbnis."

 

Biographisches  zurück

 

2006 erschien von Joachim Bahlcke der Aufsatz: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Und Simone Herzig veröffentlichte 2012: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im deutschen Kaiserreich.

Darüber hinaus existieren von Leopold von Wiese (1909), Martin Schmidt (1935) oder Karl Erich Born (1957) wissenschaftliche Arbeiten zum Leben und Werk von Posadowsky-Wehner. Ihnen mangelt es, wie Simone Herzig 2012 (47) nicht umhin kam festzustellen, an wissenschaftlicher Objektivität.

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner  wurde am 3. Juni 1845 als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Graf von Posadowsky und seiner Ehefrau Amalie, geborene von Plötz, in Groß-Glogau geboren. 1864 verlässt er das hiesige Evangelische Gymnasium mit der Reifeprüfung und studiert in Berlin, Heidelberg und Breslau Jura und Cammaralia. Im Jahre 1867 erfolgt an der Universität Breslau die Promotion zum "Dr. jur.". Dann Auskulator dem Stadtgericht in Breslau. Nachdem er in der schlesischen Hauptstadt das zweite juristische Staatsexamen abgelegt hatte, verlässt er den Justizdienst. Im Kreis Gnesen erwirbt die Familie das Gut Welna. Hier sammelt der Jung-Akademiker praktische Erfahrungen und Kenntnisse bei der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes. 1871 wechselt Posadowsky als Regierungsreferendar und -assessor wieder in den preußischen Staatsdienst nach Posen. Im gleichen Jahr heiratet er Elise von Moeller, die Tochter eines Präsidenten eines Appellationsgerichts. Gemeinsam ziehen sie zwei Söhne und zwei Töchter groß. Ein Sohn verstirbt früh.

 

 

Die Posener Zeit   zurück

Von 1873 bis 1885 ist Graf von Posadowsky in der 28 992 Quadratkilometer großen Provinz Posen als Landrat tätig. Otto von Bismarck charakterisiert sie am 16. September 1895 anläßlich des Empfangs der Posener Huldigungsdeputation auf Schloß Varzin mit den Worten:

Elsaß ist zum Schutze Süddeutschlands,
P o s e n  zum Schutze der Ostgrenze des deutschen Besitzes notwendig. 
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Seit 1873 steht er dem Kreis Wongrowitz (Regierungsbezirk Bromberg) vor. Hier leben und wohnen 54 787 Einwohner. Von 1877 bis 1885 regiert er als Landrat den Kreis Rawitsch (Regierungsbezirk Posen) mit 48 850 Einwohnern (Stand 1905).  zurück

Das Posener Land atmet ungestillte Gegensätze, durchzieht tiefe Friktionen: National vom Kulturkampf aufgebürstet, ökonomisch unterentwickelt, durch unkontrollierte Einwanderung in den Arbeitsmarkt mit ethnischen Konflikte belastet. Von ihm, dem Landrat, verlangt dies Einfühlungsvermögen, viel Augenmass und kluge Verhandlungen. Er strebte nach sozialen Ausgleich und verlor die Verantwortung für das Ganze nicht aus den Augen. Ein Posadowsky urteilt nicht nach Oberflächlichkeiten oder von Schlagworten gelenkt! Und sagt von sich - und ich vertraue ihm:

"Ich bin stets
für Achtung und Anerkennung
der polnischen Eigenart,
die mir wohlvertraut ist." (V&R 225)

1930 lässt er den Preußischen Landtag an seinen Erfahrungen teilnehmen:

"Ich habe 25 Jahre unter Polen gelebt und kenne sie ganz genau. Ich kenne ihre guten Eigenschaften, aber auch ihre Schattenseiten ...."

Erste Eindrücke über die Verhältnisse  zurück vermittelt die Erzählung von Pfarrer Carl Gratza (1820-1876) zur Durchführung der Reichstagswahlen am 10. Januar 1874 in Blotnica Strzelecka, deutsch Blottwitz. Wie üblich richten die Verantwortlichen zu diesem Anlass ein Wahllokal ein. Gleich am Eingang befindet sich die Wohnung des herrschaftlichen Wirtschaftsbeamten Dworafek, der offenbar dazu berufen, die eintreffenden Wähler, welche zur Abstimmung in das dazu bestimmte Zimmer gehen wollten, vorher mit einem Schnaps zu traktierten (= Berichtssprache). "Der Wahlvorsteher Graf von Posadowsky-Wehner ging während des Wahlaktes hinaus und sagte zu Denen, welche im Hausflur und vor dem Hause standen:

"Ihr bekommt nicht Waldstreu, nicht Holz von mir zu kaufen, wenn Ihr für den Fürsten Radziwill, aber nicht für den Herzog v. Ujest stimmen werdet.""

Einer nach "strengeren Beurtheilung hinneigende Mehrheit" erkannten bei der Wahldurchfüchrung in Blottwitz klar eine Beeinflussung der Bürger durch den Wahlvorstand. Es betraf sowohl die Gewährung von Genussmitteln unmittelbar vor der Wahl und wie natürlich die Drohung mit Nachteilen unter Missbrauch dienstlicher Obliegenheiten nach der Wahl. (Gatza 1874)

Herzog von Ujest gewann das Reichstagsmandat, musste es aber nach Prüfung durch Wahlprüfungskommission des Reichstages 1875 niederlegen, nachdem diese die Wahl für ungültig erklärt hatte. Am 24. September 1875 wurde die Wahl wiederholt. Herzog von Ujest verlor gegen Carl Gratza von der Deutschen Zentrumspartei.

 

Ernährungslage -
Bodenfrage - Arbeitskräftewanderung  zurück

In der Ernährungslage fder Landkreise Wongrowitz und Rawitsch fokussiert sich wie unter einem Brennglas ihre sozio-ökonomische Lage. Noch immer war sie gravierend schlechter als in den fruchtbaren Gegenden von Ost- und Westpreußen oder Pommern. Meist bestand die Kost der Landarbeiterfamilien aus Milch und Mehlsuppe, Erbsen und Sauerkraut, namentlich Kartoffeln. Fleisch und Brot gelangt weniger auf den Tisch als anderswo. Statt der acht bis zehn wöchentlichen Fleischmahlzeiten der Landarbeiter, erhält das Gesinde günstigenfalls vier.

Fast verschwunden war, erhebt 1892 der von Max Weber gezeichnet "Schlussbericht über die Provinz Posen" die Bereitschaft zum Grunderwerb, weil die Besitzlosen zwar den Kaufpreis für den Boden, nicht aber das Baukapital abtragen konnten. "Entscheidend ist ferner bei den Polen die Untüchtigkeit der Frauen. So tüchtig das polnische Mädchen als Arbeiterin ist, so untüchtig ist sie als Frau." Zugeteilt auf dem leichten Boden im Kreis Mogilno, ging es den Parzellenbesitzern nicht gut. Auch im Kreis Gnesen haben sie nur auf besseren Boden bestand.

Offenbar kommen die Bestrebungen zur Parzellierung, also der Seßhaftmachung, nur schwer voran und werden durch die widersprüchliche soziale Lage ausgebremst. Oftmals bestand wohl die Neigung zum Sparen, was jedoch später regelmäßig zur Überschuldung führte und sich deshalb nicht fortsetzte.

Bedingt durch hohe Branntweinpreise, nahm die Trunksucht ab. Uneheliche Geburten, Feld- und Forstdiebstahl sind eine alltägliche Erscheinung. Das Inzestverhältnis entschärft sich durch den starken Zustrom ausländischer Landarbeiter.

Die Zeit, als nach 1873 deutsche Wanderarbeiter Lebensansprüche in die slawische Bevölkerung trugen, wurde verdrängt durch die Invasion billiger, besonders russischer Arbeitskräfte aus dem Osten. Die Landwirte im Osten sind g e z w u n g e n, hält Posadowsky am 13. Dezember 1896 im Reichstag August Bebel vor, grosse Massen von ausländischen Schnittern und Erntearbeitern heranzuziehen. Sie bargen die Ernte der großen Güter, vernichteten in der Masse praktisch den Bestand freier Tagelöhner, drückten objektiv das Lohnniveau und verdrängten die einheimischen Arbeitskräfte. Es begann, was man die Sachsengängerei nannte, die Abwanderung der einheimischen Landarbeiter zur Zuckerrübenernte in die preußische Provinz Sachsen.

Es ist der kapitalistische Weg in der Landwirtschaft, der die Überlegenheit des Großbetriebs zur Geltung bringt. Nachdem Karl Kautsky (1854-1938) in der Schrift "Die Agrarfrage" (1899) die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Formen und Größen des landwirtschaftlichen Betriebes untersucht und die ökonomische Überlegenheit des Großbetriebes darlegte, wies er dann auf den Vorteil des Kleinbetriebs hin, den größeren Fleiß und die Sorgfalt des Arbeiters sowie Bedürfnislosigkeit des kleinen Landwirts.

 
Kulturkampf, Deutschtum, Germanisierung  zurück

Die polnische Gefahr ist noch größer als die russische, erklärt Altkanzler Otto von Bismarck am 16. September 1895 beim Empfang der Posener Huldigungsdeputation auf Schloß Varzin und stachelt damit den deutschen Chauvinismus zum Kampf wider die Polen, zur Kollision mit dem Adel und der polnischen Geistlichkeit an. "Es scheint," kommentiert am 27. September 1894 das Volksblatt aus Wien, "der alte Kanzler kann ohne "Reichsfeinde" nicht leben, hat er keine, so malt er sich welche."

In beiden Landkreisen, die Posadowsky von 1873 bis 1885 in der Provinz Posen regierte, überwog die polnisch-sprachige Bevölkerung. Von den 54 787 Einwohnern im Landkreis Wongrowitz waren  78 Prozent Polen, 20 Prozent Deutsche und 2 Prozent Juden. Von den 48 850 Einwohnern (1905) im Landkreis Rawitsch waren 26 781 Bürger polnischsprachig.

Zwischen 1885 bis 1887 wurden in den preußischen Ostprovinzen, von rücksichtslosen und antisemitischen Ausfällen begleitet, 35 000 Polen ausgewiesen. "Germanisation geht vor dem Recht, vor der Kultur und vor der Wohlfahrt der polnischen Bevölkerung," berichtet am 13. Dezember 1897 der Jurist Sigismund von Dziembowski-Pomian (1858-1918) dem Deutschen Reichstag. "Daran glaubt nicht bloß die polnische Bevölkerung, sondern diese Auffassung besteht auch auf deutscher Seite."

Das Deutschtum war bereits zu Posa´s Zeiten in der Minderheit und bot keine wirkliche Stütze. Ihm drohte der Totalverlust. "Dicht bei Posen liegen Dörfer", erinnert sich 1920 der ehemalige Landrat, "deren Frauen bei festlichen Gelegenheiten zwar noch die alte Bamberger Tracht tragen, aber ihr Deutschtum in Sprache und Sitte vollkommen verloren haben."

Auf dem Hintergrund des Kulturkampfes um die preußische Kirchen- und Schulpolitik entstanden zwischen Bürger und Staat immer wieder Spannungen, die oft in alltägliche Dinge hineinspielten oder sie in unterschiedlicher Stärke überlagerten. "Die polnisch-nationale Bewegung wurde durch den Kulturkampf in einer für den preußischen Staatsgedanken gefährlichen Weise gestärkt." "Graf Posadowsky suchte die Kulturkampfgesetze in sachlicher, das religiöse Gefühl der katholischen Bevölkerung möglichst schonender Weise durchzuführen", urteilen 1925 (388 / 390) in Deutscher Aufstieg Doktor Hans von Arnim und Professor Doktor Georg v. Below. Gleichzeitig "bemühte er sich, ohne Ansehen der Nationalität, die wirtschaftlichen Interessen der Kreisbevölkerung zu fördern, und fand hierfür dankbar Anerkennung."

Die Idee "große Inseln des Deutschtums im polnischen Meer" (Bülow) zu schaffen, wurde nicht aufgegeben. Kaum hatte Posadowsky-Wehner im Juni 1907 den Regierungsapparat verlassen, da brachte Bülow am 26. November desselben Jahres im preußischen Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Gesetzes ein, das es erlaubte, polnischen Grundbesitz zu enteignen.

 

 

Der Erste Hauptsatz der Sozialpolitik   zurück

 

Veröffentlichungen
(Auswahl)

Altersversorgung der Arbeiter
1883

Geschichte des schlesischen uradligen Geschlechts der Grafen Posadowsky
1891

Geschichte des schlesischen adligen Geschlechtes der Grafen Posadowsky-Wehner, Freiherren von Postelwitz
1891

Luxus und Sparsamkeit
1909

Die Wohnungsfrage als Kulturproblem
1910

Weltwende.
Gesammelte politische Aufsatz von Graf Posadowsky
1920

Volk und Regierung im neuen Reich
1932

 

August Bebel wirft am 15. Dezember 1897 (252) im Reichstag Posadowsky vor, "sein ganzes Herz ist ein heiß agrarisches Herz". Es ist wahr, die Landkreise Rawitsch und Wongrowitz prägt die landwirtschaftliche Produktionsweise. Mag man dies beim Streit um das Koalitionsverbot der Arbeiter, in den Posadowsky tief involviert war, nicht als Vorteil einbringen wollen, so ist es für die Wahrnehmung und Gestaltung der sozialen Frage der arbeitenden Klasse kein Nachteil. Denn wie in der Industrie steht in der Landwirtschaft d i e  A r b e i t  mit ihren Opfern, Anstrengungen, Mühen und Artefakten im Mittelpunkt. Zunächst muss sich dem Gebot ökonomischer und sozialer Vernunft folgend, die Sozialpolitik ihren Trägern zuwenden. Aus den ökonomischen Verhältnissen in Wongrowitz und Rawitsch häutet sich bei Arthur Graf von Posadowsky-Wehnerdie Einsicht, dass das Lebensniveau der Landarbeiter und des Gesindes, einschließlich ihrer Familien, mehr vom Kulturstand als direkt von der Fruchtbarkeit des Bodens abhängt. Er   schöpft daraus den Ersten Hauptsatz der Sozialpolitik:

Wenn man die Kultur eines Volkes heben will, dann muss man die wirtschaftlichen Lebensbedingungen und den geistig-sittlichen Stand der großen Masse zu ergründen und zu heben suchen.

Geprägt von den sozial-ökonomischen Erfahrungen der Posener Zeit wird er einst in Berlin entschieden für die Sozialpolitik als Kulturaufgabe eintreten. Wenn es sich anbietet, verweist er im Plenum des Reichstages auf die "schlechten Verhältnisse des Ostens". In der Beratung am 28. November 1893 zum Etat- und Anleihegesetz hören die Abgeordneten: Wenn sie nur zwei Jahre, unter diesen Verhältnissen gelebt hätten, dann würden sie ganz anders denken.

Unvoreingenommen und mit hoher sozialer Sensibilität ausgerüstet, geleitet von christlichen Werten, betrachtet und analysiert Posadowsky die soziale Frage, ohne sie einzunivellieren, zu kaschieren oder bewußt zu entstellen. Als Landrat, Staatssekretär und besonders ab 1928 als Landtagsabgeordnter des Preußidchen Landtags wendet er sich den ökonomischen Bedürfnissen der einzelnen Klassen, Schichten und Gruppen, den verschiedenen Interessen der Landwirtschafts- und Industrieverbände und Organisationen zu. Nichts weist dabei auf eine moralische oder politische Abwertung der arbeitenden Klasse und Unterschichten hin. Sozialstatistiken nach Art Ludendorff`scher Kriegsberichterstattung sind Tabu. Es gilt der Grundsatz:

"Die Kultur eines Volkes ist nicht nach dem Lebensstande der oberen Volksklassen, sondern nach den Daseinsbedingungen der zahlenmäßig überwiegenden Masse zu beurteilen. Auf dieser Auffassung ist unsere staatliche Sozialpolitik aufgebaut." (V&R 127)

 

Arbeitsethos, Disziplin und Ordnung   zurück

Das Ganze über das persönliche Interesse stellen. Bescheidenheit im täglichen Leben üben. Vorangehen! Nicht aber ins Rampenlicht drängen. Dabei zusammen mit den Bürgern und Mitarbeitern anschauliche und greifbare Vorstellungen von der Zukunft entwickeln. Vor allem: Wie kann man besser werden? So läst sich sein Arbeitsethos umschreiben. Zudem lernte er sich als Landrat, geschickt in konfliktreichen Räumen zu bewegen und konnte dabei die Kenntnisse in der administrativen Leitung und Organisation von Verwaltungsprozessen vervollkommnen.

Disziplin und Ordnung, darauf spielt im November 1932 das Posener Tageblatt an, führen bei ihm ein strenges Regime. Seiner Beliebtheit war das nicht immer zuträglich. "Selbst eine Arbeitskraft ersten Ranges, galt er als außerordentlich scharf hinsichtlich seiner Anforderungen an die ihm unterstehende Beamtenschaft. Wer von seinen Leuten nicht am Morgen pünktlich mit dem Glockenschlage an seinem Pulte saß, hatte nichts zu lachen, und wie ein Flugfeuer verbreitete sich bald nach seinem Dienstantritte in Posen von Mund zu Mund die Kunde, dass einer der Räte der Landeshauptmannschaft, der eines Morgens etwa verspätet zum Dienst gekommen war, in seinem Dienstzimmer auf dem Tische die Visitenkarte des neuen Chefs vorgefunden hat."

Bisher besorgten die Mitglieder des Oberpräsidiums der Regierung die Geschäfte der Provinzialverwaltung, ohne dass die einzelnen Verwaltungsgebiete untereinander organisch verbunden waren, wodurch die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung schweren Schaden erlitt. Im Jahre 1885 gelang es einzelnen Verwaltungszweigen der provinziellen Selbstverwaltung dieselbe Persönlichkeit voranzustellen. Die Wahl des provisorischen Leiters der Verwaltung Posens fiel 1885 auf Graf Posadowsky. 1900 erhielt er den Titel "Landeshauptmann" verliehen.

Abgeordneter konnte er schlecht bleiben, da ihn die Arbeiten zur Reorganisation der Verwaltung voll in Anspruch nehmen. 1889 wurde er als Landesdirektor der Provinz Posen gewählt. "Der neue Landeshauptmann", erinnert sich die Posener Zeitung 1932, "hatte keine Zeit zum Besuch von Gesellschaften, und wenn er selbst wohl oder übel doch einmal einen Empfang geben musste, hörte man hinterher Gäste von sehr großer Schlichtheit der Bewirtung raunen."

Von 1882 bis 1885 repräsentiert Posadowsky-Wehner im Preußischen Abgeordnetenhaus für die Freikonservative Partei den Wahlkreis Lissa-Rawitsch-Fraustadt. Er ist Mitglied der Generalsynode der evangelischen Kirche Preußens und der Provinzialsynode sowie des Consistorium der Provinz Posen.

 

Abschied

Inzwischen war Deutschland zum System der gesetzlichen Sozialversicherung übergegangen. Der Reichstag verabschiedete am 6. Juli 1884 das Unfallversicherungsgesetz, am 15. Juni 1883 das Krankenversicherungsgesetz (Pflichtmitgliedschaft!) und am 22. Juni 1889 das Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung. Bis zum Rücktritt von Reichskanzler Bismarck am 20. März 1890 blieb die Frage der Selbstbeteiligung und Selbstverwaltung, die er nicht befürwortete, strittig.

Bald wird Posa vom Kaiser nach Berlin gerufen. Damit die öffentliche Reputation über seine Arbeit in der Provinz aus Anlass seines Abschieds nicht zu grandios ausfällt, rührt die Posener Zeitung (JV 4.10.1893) nochmal seine Spar-Künste auf. "Die Beispiele beziehen sich durchweg auf das Gebiet der Schule, auf dem in einer Reihe von Fällen Gehaltherabsetzungen für die Lehrer vorgenommen wurden, so für die Lehrer an den Provinzial-Taubstummenanstalten, sowohl bezüglich der Gehaltssätze als auch des Wohnungsgeldzuschusses; selbst den älteren Taubstummenlehrer seien die von 5 zu 5 Jahren ihnen zustehenden Gehaltserhöhungen von 300 Mark um 100 bis 200 Mark gekürzt, teils der Bezug um einige Jahre hinausgeschoben worden."

 

 

Staatssekretär des Reichsschatzamtes  zurück

Karikatur zur Militärvorlage

"Militärvorlagen werden überflüssig, wenn alle Streitigkeiten durch Delegierte ausgefochten werden."

Der Wahre Jacob. Nummer 183, Stuttgart 1893, Titelblatt

Bereits in den 80er Jahren  zurück  durchlief Deutschland, als die Militärgesetze von 1880 und März 1887 verabschiedet, eine Rüstungswelle. Darauf folgte im Februar 1888 das Gesetz zur Erweiterung der Kriegsdienstpflicht. Angeblich musste mit einer Revanche von Frankreich für die Annexion von Elsass-Lothringen gerechnet werden.

Dem "Moloch des Militarismus" (Eugen Richter) wollen nicht alle Bürger Opfer bringen. Weihnachten 1893 schreckt Minna Kautsky (1837-1912) die Bürger mit der Nachricht auf: "In allen Kulturstaaten, namentlich auch in unserem Deutschland bereiten sich gewaltige Umgestaltungen vor." "Niemals war die innere Lage kritischer. Die Frage des Militarismus drängt gebieterisch zur Entscheidung." Zum Neujahrstag 1894 begrüßt der Vorwärts (Berlin) in Europa

12 Millionen Soldaten.

Nicht bei allen Bürger löst  zurück  diese Nachricht Freudentaumel aus, weshalb die Politiker nur schwerlich bei der Wahrheit bleiben können, wenn es sich darum handelt, dem Militarismus mehr oder weniger feindliche Wählerschaft für die Bewilligung neuer Militärforderungen geneigt zu machen. Also ist der Neue Kurs, von dem so viel die Rede ist als Posadowsky nach Berlin kommt, der alte und der heisst: "Schwindel bleibt Trumpf". (Vorwärts 29.3.1893) Ursprünglich bezeichnete der "neue Kurs" neue Elemente in der Politik von Kanzler Leon von Caprivi (1890-1894) und war 1890 von Wilhelm II. geprägt worden.

Bald beginnt die Flottenrüstung, die finanziert werden muss. Wilhelm II. begreift das Heer als die einzige Säule auf dem das Reich steht. Charakteristisch für diese Zeit ist, sagt 1899 (689) Eugen Richter, "dass der Blick fast hypnotisiert ist auf die Marine, dass man Macht, Kultur, Wohlstand einzig und allein für abhängig erblickt von der Vermehrung der Flotte, von der Steigerung des Marine-Etats und dass dagegen alle übrigen Bedürfnisse weit zurücktreten." Als künftiger Staatssekretär muss sich Posadowsky in diese Staatsideologie einspannen, die Militärpolitik finanzieren helfen und absichern.

Moses in der Wüste beschwört
den Felsen um Wasser.
Oberpriester Miquel: Die Anzapfung ist gelungen - gelobt sei die Börse, das Bier und der Branntwein bis in die Ewigkeit, Amen! ( = Bilderunterschrift im Original)Von links nach rechts:
Johannes von Miquel (1828-1901), Preußischer Finanzminister und Reformer,
Leo von Caprivi (1831-1899), Reichskanzler von 1890 bis 1894,
Helmuth Freiherr von Maltzahn (1840-1923), Sekretär des Reichschatzamtes von 1888-1893.
Der Wahre Jacob. Titelblatt. Nummer 175, Stuttgart, den 10. April 1893

Um die Heeresvorlage von 1892  zurück  entwickelt sich eine politische Krise. Reichskanzler Leo von Caprivi will die Wehrpflicht von zwei auf drei Jahren verringern, was auf harte Ablehnung bei den Nationalkonservativen und weiten Kreisen des Militär stösst. Besonders Wilhelm II. pocht auf die Annahme einer dreijährigen Dienstzeit, was den Kanzler in eine aussichtslose Lage manövriert, da dies bei allen Parteien auf erheblichen Widerstand stößt. Caprivi gelingt es nicht mit Unterstützung des Reichstages, die Erhöhung der Heeresstärke auf 500 000 Mann zu beschließen. Er ordnet  zum 6. Mai 1893 die Auflösung des Reichstages und für den 15. Juni 1893 die Durchführung von Neuwahlen an.

Zum Wahltag tut Fürst Bismarck öffentlich kund, dass die Fortsetzung des Auflösungskampfes der Interessen Deutschlands nicht günstig ist und die Regierung versuchen sollte, die notwendige Verstärkung des Heeres in anderer Weise als bisher im Reichstag zu erreichen (sprich zu finanzieren). Womöglich ist diese ein versteckter Hinweis auf die notwendige Reorganisation der Zahlung der Matrikularbeiträge. Jedenfalls möchte das Reichsschatzamt nicht als Konkursverwalter agieren. Die Lösung dieser Aufgabe war wesentlicher schwieriger als sie zunächst ohnehin im Lichte der Finanzpolitik und den Kabalen des Reichstages erschien.

 

 

Verteilung der 397 Abgeordnetensitze
gemäss den Ergebnissen der Reichstagswahl
am 15. Juni 1893

 

SPD
Zentrum
NLP
DtVP
Minderh.
DRP
FVp
44
96
52
11
28
28
24
   
FVg
BB
DHP
DKP
Antisem.
Minderh.
 
13
4
7
72
16
28
 
             

Wahlbeteiligung: 72 Pozent

Zentrum - Deutsche Zentrumspartei

NLP - Nationalliberale Partei

DtVP - Deutsche Volkspartei

FVp - Freisinnige Volkspartei

DRP - Deutsche Reichspartei

DHP - Deutsch-Hannoversche Partei

SPD - Sozialdemokratische Partei Deutschland

FVg - Freisinnige Vereinigung

NLP - Nationalliberale Partei

Antisemiten - Antisemitenparteien

DKP - Deutschkonservative Partei

BB - Bayerischer Bauernbund

Minderh. - Minderheiten

 

Anmerkung: Die Deutsche Freisinnige Partei spaltete sich 1893 in Freisinnige Volkspartei und Freisinnige Vereinigung, die als Wahlvereinigung 1893 bei den Wahlen zum Reichstag 14,8 Prozent der Stimmen erhielten. (Hofmann, Seite 30 bis 53)

 

Lediglich die Sozialdemokraten und Parteien der Antisemiten, verraten die Wahlergebnisse, verzeichnen Stimmengewinne. Das Feld der Mittelparteien reißt auf. Die konservative Wählerbasis magert ab. Das Gerede von Königs- und Gottestum wirkte auf viele überholt und abgeschmackt. Nur knapp gewannen die Kartellparteien - Deutschkonservative, Nationalliberale und Freikonservative - die Reichstagswahlen.

 

Reichskanzler Leo von Caprivi zurück meldet dem Kaiser im Hochsommer 1893, dass der unentbehrliche Freund Bismarcks, Freiherr von Maltzahn, als Staatssekretär des Reichsschatzamtes, zurücktreten will. Paul Wittko erzählt 1925, dass er als Nachfolger drei Namen nannte, die alle im Vorfeld ausschieden. Angeblich schlug dann der Kaiser selbst den Grafen Posadowsky vor, weil er von ihm so viel Gutes gehört hatte. Ein besonderes persönliches Verhältnis, erzählen viele Jahre später am 3. März 1930 die Danziger Neueste Nachrichten, lag dem nicht zu Grunde: "Für den Grafen, den der Kaiser unter Außerachtlassung anderer Vorschläge aus eigener Initiative zum Staatssekretär berief, hat er niemals besondere Sympathien gehabt. Das kam auch äußerlich zum Ausdruck. Selten nur befahl Wilhelm II. Posadowsky zum Vortrag, und nur ein oder zweimal ist er in ins einem Hause gewesen!"

"Der gräfliche Reichsschatz-Sekretär," raunt der Vorwärts aus Berlin am 13. August 1893, "ist politisch ein völlig unbekannter Mann." Andere Zeitungen äußern sich ähnlich. Etwas versteckt, verbarg sich dahinter die Frage: War er wirklich der Richtige für diese Aufgabe? An seiner Leistungsfähigkeit bestanden keine Zweifel. Und an der Treue zur Krone? Auch da bestand kein Anlass zur Sorge. Der Stallgeruch passte. Die Familie entstammt dem schlesischen Uradel und der Vater war königlicher Oberlandesgerichtsrat. Sohn Arthur bildete und festigte als Referendar, Gutsverwalter, Landrat und Abgeordneter der Freikonservativen Partei im Preußischen Abgeordnetenhaus das konservative Standes- und  Selbstbewußtsein weiter.

Glaubt man Paul Wittko (1925), dann verdankt Posadowsky die überraschende Ernennung als Staatssekretär des Reichsschatzamtes

am 12. August 1893

einem Konflikt zwischen Helmuth Freiherr von Maltzahn (1840-1923) und dem preußischen Finanzminister Johannes von Miquel (1828-1901). Maltzahn der das Amt rund fünf Jahre leitete, stand nicht in Übereinstimmung mit der geplanten Finanzreform.

Im Januar 1894 stehen Steuererhöhungen an. Posadowsky soll helfen, sie einzutreiben. Heer und Marine dürsten nach Geld. Die Kosten für die wachsende Bevölkerung müssen eingeplant werden. Da möchte der Staat nicht auf wackligen Füßen stehen. Niemand will eine große Pleite sehen. Geld muss her. Hierzu müssen die Matrikularbeiträge zwischen Ländern und Bund geordnet werden. Der Haushalt muss solide finanziert werden. Das scheint nicht so einfach zu sein. Vorsorglich wies die SPD-Reichstagfraktion bereits am 3. Januar 1893 in ihrer Nothstands-Interpellation an den Herrn Reichskanzler darauf hin, dass alles unter den Bedingungen allgemein gedrückter Erwerbsverhältnisse, also andauernder Arbeitslosigkeit und vielfach herabgesetzter Arbeitslöhne realisiert werden muss. Und Herr Maltzahn war daran gescheitert, 30 Millionen zu beschaffen, lässt der Reichstagsabgeordnete Eugen Richter von der Freisinnigen Volkspartei am 30. Januar 1894 als Bemerkung fallen. Posadowsky Ernennung ist umweht vom Scheitern der Heeresvorlage, der Aufösung des Reichstages am 6. Mai 1893 und verbunden mit der Hoffnung, dass Fröhlichen-so-Weiterwirtschaften in der deutschen Finanzpolitik zu beenden.

 

Am 1. Oktober 1893 tritt das neue Militärgesetz in Kraft, was sich die Nationalliberalen als Großtat anrechneten und beim Volk den Glauben nährten, dass sie auf einige Zeit von weiteren Belastungen der Landesverteidigung verschont blieben. Und schon erscheint am Horizont der Auftrag für die nächste Wehrvorlage. Tirpitz unterbreitet dem Kaiser am 3. Januar 1896 den Vorschlag zum Bau zweier Hochseegeschwader. Am 23. November 1893 legt die Regierung dem Reichstag eine Militärvorlage vor, die im Sommer darauf angenommen wird (W. J. Mommsen 63). "Keinen Mann, keinen Groschen", agitierte die Sozialdemokratisches Partei.

 

Revirement.  zurück

Philipp zu Eulenburg (1847-1921), quasi mit dem Kaiser befreundet, legt am 20. März 1894 eine Denkschrift zur Umgestaltung der deutschen Regierung vor. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Adolf von Marschall von Biberstein soll gehen. Bernhard von Bülow muss übernehmen. Miquel als "Bindeglied zwischen der Regierung und den rabiat gewordenen Agrariern" darf bleiben. Caprivi`s Kanzlerschaft wackelt. (Röhl 55f.) Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst soll ihn ablösen. Am 29. Oktober 1894 ist er der erste Katholik und Süddeutsche in diesem Amt. Die personelle Erneuerung ist ein Triumph über die Politik des Ausgleichs und der Agrarzölle des Vorgängers, stärkt das persönliche Regiment des Willehlm II.

 

 

"M i q u e l" ruft der Souffleur  zurück

An dieser Stelle wird das chronologische Prinzip leicht durchbrochen. Es hat Vorteile, wenn zunächst das Verhältnis von Posadowsky und Johannes von Miquel (1828-1901) erörtert wird. Es bietet tiefe Einblicke in die verschiedensten Problemlagen und das Ringen unterschiedlichster Gruppen um die Ausrichtung der Finanzpolitik.

Großes Eröffnungs-Ballet. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Heft 218, Stuttgart, den 1. Dezember 1894, Titelblatt.   zurück

Die Anregung hierzu gab Der Wahre Jakob. Im Dezember 1894 feierte er auf der Titelseite die

Grand pas du Finanzreform

ab. Begleitet von einem Großen Eröffnungs-Ballet jongliert ein Equilibrist namens Arthur Graf von Posadowsky-Wehner temperamentvoll mit Tabak-, Bier-, Schnaps- und Weinsteuer. Derweil poppt im Hintergrund eine schmucke Tanzgruppe auf. Ihre Kostüme tragen die Namen der Länder Baiern, Württemberg, Preussen, Sachsen, spielen also auf die Misere der Matrikularbeiträge an. Die Körpersprache der Damen deutet nicht darauf hin, als ob sie bald ihre Drehungen aufführen wollten.

"M i q u e l",

flüstert der Souffleur.

 

Etwa ab 1893 standen Posadowsky und Miquel standen in einem produktiven und konstruktiven Verhältnis. Betrachtet man ihre Herkunft und den Berufsweg, war dies nicht unbedingt zu erwarten. Miquel war bereits vier Jahre Tod, in Frankfurt am Mai am 8. September 1901 einem Schlaganfall erlegen, als Posadowsky am 12. Dezember 1905 (239) den Reichstagsabgeordneten über ein Gespräch von ihnen in ernster Stunde folgendes erzählt:

"Wie sie wissen, war Herr von Miquel ein Mann von großer praktischer Erfahrung, und einer gewissen geschichtsphilosophischen Auffassung. Er sagte mir bei dieser Gelegenheit. Wir brauchen in Deutschland den Sieg des Radikalismus, wie er von der äußersten Linken vertreten wird, zunächst nicht zu fürchten; denn Deutschland hat so viele verschiedene geistige, soziale und wirtschaftliche Zentren dank seiner Geschichte, dass diese einen festen Rückhalt gegen den Ansturm des Radikalismus bilden; die Lage der Regierung kann erst dann eine gefährliche werden, wenn sie in schlechte Finanzen gerät, wenn sie infolgedessen zu abhängig wird vom Parlament, und wenn sie Staatsausgaben, die das Land und ihre Stellung erfordert, nicht mehr leisten kann. Meine Herrn, mir scheint hierin eine tiefe Wahrheit zu liegen."

 

Wozu will der Souffleur mit dem Stichwort "M i q u e l" dem Staatssekretär des Reichsschatzamtes verhelfen? Entsteht mit der Ernennung von Posadowsky zum Reichsschatzsekretär ein neues politisches Tandem? Miquell als Vertreter der Industriellen und Posa mit dem Hang zu den Agrariern?

 

Marx, Engels und Miquel
zurück

In den vierziger Jahren war Johannes von Miquel (1828-1901) Mitglied des Bundes der Kommunisten. 1882 gründete er den Deutschen Kolonialverein mit. Seit 1890 ist er preußischer Finanzminister.

Marx schreibt am 13. Juli 1851 an Friedrich Engels in Manchester: Miquel hat aus Göttingen geschrieben. "Mehrmalige Hausdurchsuchungen bei ihm. Man fand nichts."

"Lieber Marx", antwortet am 20. Juli 1851 Friedrich Engels aus Manchester: "Der Brief von Miquel gefällt mir. Der Kerl denkt wenigstens .…"

Am 6. April 1856 bittet Miquel in einem Brief an Marx um Aufklärung über das
Verhältnis der proletarischen Partei zu den bürgerlichen Parteien in einer künftigen
Revolution in Deutschland.
Nach seiner Ansicht ist alles zu vermeiden, was die Bourgeoisie erschrecken könnte.

In der Antwort vom Juli d. J. beharrt Marx darauf, einen schonungslosen Kampf gegen die Bourgeoisie zu führen.

Marx aus London am 26. August 1856 an Engels in Manchester: "Ich habe auch einen Brief aus Paris von Miquel erhalten. Er wollte herkommen, aber erst Cholera, dann Blutsturz, worauf die Ärzte ihm den Rat gaben, gefälligst das Seereisen bleibenzulassen und sich so rasch als möglich zu Land nach Haus zu machen. Pech."

Marx erhält am 5. Februar 1857 von Miquel ein Angebot an der Hamburger Zeitschrift "Das Jahrhundert" mitzuarbeiten.

Marx aus London am 23. Mai 1857 an Engels in Manchester: "Einliegend auch Brief von Miquel. Ich verstehe in der Tat seine Theorie
von "NichtÜberproduktion", aber "Mangel an Zahlungsmitteln für die Produktion" nicht…. "

Ludwig Kugelmann fügt seinem Brief an Marx vom 19. Februar 1865 einen Brief von Johannes von Miquel bei. Marx' "Kritik
der Politischen Ökonomie" enthalte, sagte am 22. Dezember 1864 Miquel darin, "wenig wirklich Neues" und die Schlußfolgerungen
seien auf die sozialpolitischen Verhältnisse Deutschlands nicht anwendbar.

Am 9. März 1867 tritt Johannes Miquel im konstituierenden Norddeutschen Reichstag für die Gründung des Norddeutschen Bundes als einheitlichen Zentralstaat unter der Vorherrschaft
Preußens ein.

Als Abgeordneter des Norddeutschen Reichstages warnt Miquel 1871 über den Arzt Louis Kugelmann (1828-1902) aus Hannover vor einer Einreise von Marx nach Deutschland, weil ihm dort die Verhaftung droht.

17./18. September 1879, Karl Marx, Friedrich Engels: Zirkularbrief an Bebel, Liebknecht und Bracke:
"Da lobe ich mir doch den Kommunisten
Miquel, der seine unerschütterliche Überzeugung von dem in einigen
hundert Jahren unvermeidlichen Sturz der kapitalistischen Gesellschaft dadurch bewährt, daß er tüchtig drauflosschwindelt, sein Redliches zum Krach von 1873 beiträgt und damit für den Zusammenbruch der bestehenden Ordnung wirklich etwas tut."

Friedrich Engels bewertet "In der Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfs 1891" die Diagonal-Karriere von Miquel als Ausnahme: "Es ist doch undenkbar, daß unsre besten Leute unter einem Kaiser Minister werden sollten wie Miquel."

Als preußischer Finanzminister lehnt Johannes von Miquel, meldet die Jenaer Volksblatt am 17. Juni 1893, die Reichseinkommensteuer ab, plädiert aber für die Einführung einer Reichserbschaftsteuer.

 

(a) "Miquel" könnte das Codewort für den Auftakt zu einer umfassenden Finanz- und Steuerreform sein. Johannes von Miquel (1828-1901) ist der Nachfolger von Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein im Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt a. M. (1880 bis 1890) und erarbeitet sich den Ruf eines Meisters strengen Einnahmen-Ausgaben-Kontrolle. 1890 ernennt ihn Reichskanzler Leo von Caprivi zum preußischen Finanzminister. 1891/93 führte er das System der Einkommen-, Gewerbe- und Vermögensteuer ein. Durch das preußische Kommunalabgabengesetz vom 14. Juli 1893 erhalten die Gemeinden erstmals Grund- und Gebäudesteuer. Es ist die große Steuerreform von 1891/93, die das deutsche Finanzsystem bis heute prägen. Das Einkommensteuergesetz vom 24. Juni 1891 mit den progressiven Steuertarifen, posount Miquel hinaus, sei d i e  neue Steuergerechtigkeit. Die weniger bemittelten sozialen Klassen, so lobt der Finanzminister das Gesetz, werden durch die abgestufte Einkommen- und Erbschaftssteuer von Steuerbürden entlastet.

Der Einkommensteuer-Satz liegt für Jahreseinkommen von 900 bis 1 050 Mark zwischen 0,62 Prozent und für Einkommen über 10 000 Mark bei zu vier Prozent. 97 Prozent der Steuerpflichtigen, legt Miquel den Abgeordneten zur Beratung des Etat- und Anleihegesetz am 28. November 1893 vor dem Reichstag dar, verfügen in Preußen über ein Einkommen von 900 bis 8500 Mark, nur drei Prozent gelten als Reich.

Miquel triumphierte und überspielte geschickt, wo die Progression erst richtig einsetzen musste, aber völlig fehlte, nämlich nach oben. In seiner Denkschrift "Finanzreform" (1893), kritisieren die Sozialdemokraten, übersetzt er "Reform" mit "Steuererhöhung". "Es wurmt den alten Kommunisten [Miquel] gewissermaßen heute noch," lästert am 11. November 1893 der Vorwärts aus Berlin, "dass mit dem ungerechten aller Steuersysteme in Preußen-Deutschland nicht schon viel, viel früher begonnen worden ist."

(b) "Miquel" wäre auch als Stichwort für das Thema Reichseinkommensteuer brauchbar. Zwar lehnte er diese als preußischer Finanzminister ab, war aber immerhin, meldet die Jenaer Volkszeitung am 17. Juni 1893, für die Einführung einer Reichserbschaftssteuer. Die Idee der Reichseinkommensteuer tauchte ab und an in den Debatten auf, wurde dann, warum auch immer, offiziell aus verfassungsrechtlichen Gründen, aber nicht verwirklicht. Als Ersatz beschliesst im Dezember 1893 der Reichstag das Gesetz zur Änderung der Reichsstempelabgabe, vorgelegt vom bayerischen Finanzminister Doktor Freiherr von Riedel und nach Verteidigung durch Staatssekretär Doktor Graf Posadowsky.

(c) Als Wilhelm II. in der Kronrats-Sitzung am 17. März 1892 verlangte, dass Schulgesetz im Sinne nationalliberaler Forderungen grundlegend zu ändern, protestierte Reichskanzler Leo von Caprivi, weil er ein solches ohne Zutun des Zentrums als wertlos ansah, was eine schwere Regierungskrise in Preußen auslöste, da schlug sich Miquel auf die Seite der konservativen Eliten und wirkte auf eine Sammlungsbewegung von Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen hin. Hierbei entfaltete der "geheime Mentor" des Kaisers einen großen Einfallsreichtum. Zum Beispiel wollte er das Wahlsystem, durch Einführung einer Altersgrenze, Sonderstimmen und was ihm sonst noch möglich erschien, dazu nutzen. (Alles W. J. Mommsen 58ff. + 68)

Sollt der schlesische Sparfuchs vielleicht im Bündnis mit, ja mit wem nun, mit der Sammlungsbewegung und dem Reichsfinanz-Künstler Miquel, die Steuerreform bewerkstelligen?

"Tatsächlich schien Posadowsky [dann als Staatssekretär des Inneren] die vom preußischen Finanzminister Johannes von Miquel eingeleitete "Sammlungspolitik" zu unterstützen. In seiner ersten längeren sozialpolitischen Reichstagsrede am 13. Dezember 1897 stellte er sich gegen die bisherige, insbesondere vom (1896 abberufenen) preußischen Handelsminister von Berlepsch betriebene Sozialpolitik." (Bahlcke, Ostdeutsche Biographien)

 

 

Etat- und Anleihegesetz 1894/95  zurück

Das Reichsschatzamt koordiniert und organisiert das Etat-, Zoll- und Rechnungswesen und installierte sich in Berlin Wilhelmstraße 61 / Wilhelmplatz 1.

 

Die erste wichtige Aufgabe des neuen Staatssekretärs besteht in der Verabschiedung des

Etat- und Anleihegesetz für 1894/95.

Zur Eröffnung der 2. Sezession des am 15. Juni 1893 gewählten Reichstages hält der Kaiser

am 16. November 1893

die Thronrede. Darin bringt er seine Erwartungen zum Ausdruck, dass die Schwankungen in den Überweisungen der Matrikularbeiträge (Abgaben der Länder an den Zentralstaat) beseitigt und die Einzelüberweisungen in ein festes Verhältnis gebracht werden. Die Missstände um die Matrikularbeiträge, von denen, wie Eugen Richter sagt, dass Volk nichts weiss, aber dessen Lasten sie tragen, soll abgestellt werden. Der Reichstagsabgeordnete erklärt am 30. Januar 1894 die bisherigen Schwierigkeiten: "Im Namen der Einzelstaaten hatte man immer die neuen Reichssteuern eingeführt, nachher aber hat man den Ertrag der Einzelstaaten entzogen und dem Reiche zugeführt und zwar in Form der Erhöhung der Matrikularbeiträge."

Die Beendigung der unglückseligen Praxis im Umgang mit den Matrikularbeiträgen nannte man Finanzreform, rekapitulieren 1925 (391) Doktor Hans von Arnim und Professor Doktor Georg v. Below. Das Ziel war ein stabiles Gleichgewicht zwischen den Leistungen des Reiches an die Bundesstaaten und der Länder an das Reich herzustellen, was wiederum eine bessere Finanzausstattung erforderte. Umgehend begann man nach neuen Möglichkeiten zu suchen, finanzielle Mitteln abzuschöpfen. Zur Stärkung des Finanzwesens, kam die Bildung eines Reichsministeriums ins Gespräch, was aber verworfen wurde.

 

Graf Posadowsky leitet die erste Beratung zur Festsetzung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend des Reichshaushaltsgesetzes 1894/95

am 27. November 1893 im Deutschen Reichstag

mit einer Rede ein.

 

 

Der Reichshaushalt


Etat für 1894/95: 1.330.429.358 Mark

Verwaltung des Reichsheeres

482.066.828 Mark
(Erhöhung um 31.812.546 Mark)

einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

41.721.523 Mark
(minus 2.753.717)

einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats

99.353.270 Mark
(minus 51.848.063 Mark)
 
 

Verwaltung der kaiserlichen Marine

51.369.307 Mark
(Erhöhung um 3.116.668 Mark)

einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

22.904.030 Mark
(Erhöhung um 1.978.800 Mark)

einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats

6.152.800 Mark
(minus 466.200 Mark)
   

Zum Vergleich andere Ausgaben

   

Reichstag

423 853 Mark

Auswärtiges Amt:

10.323.840 Mark
(Erhöhung um 187.935 Mark)

plus einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

4.827.000 Mark
(Erhöhung um 620.800 Mark)

Reichsschatzamt

360.528.435 Mark
(Erhöhung um 6.292.595 Mark)

plus einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

161.400 Mark
(Erhöhung um 57.220.Mark)

 

 

Die Gesamtrechnung weist einen Fehlbetrag von 5 1/4 Millionen Mark aus. Durch Erhöhung der Matrikularabgaben an das Reich wandelte sich dieser in einen kleinen Überschuss von 7 4/5 Millionen Mark. Trotzdem befriedigte Posadowsky diese Art und Weise der Finanzierung nicht, weshalb er vorschlägt, dass Reich durch die Bewilligung neuer Einnahmequellen finanziell zu emanzipieren.

Auf die Rede des Staatssekretärs folgt ein Vertreter des Zentrums.

Gefährliche Ladung

"Vom gefählichen Gespenst erschreckt.
Der Esel springt zur Seite,
Geb` Acht, Du schlauer Treiber du,
Das ist der Anfang
der Pleite."
(= Text unter dem Bild):

Auf den Säcken steht "Börsensteuer", "Weinsteuer" und "Tabak-Fabrikatsteuer" geschrieben.

Der Wahre Jacob, Nr. 1919, Stuttgart 1893, Tiitelblatt.

Hinweis: Die Grafik wurde unter Beachtung ihrer inhaltlichen Aussage beschnitten und bearbeitet.

Danach betritt für 1 ½ Stunden August Bebel die Tribüne. Ihn löst der Kriegsminister ab, der einiges zu tun hat, um die Keulenschläge des SPD-Frontmann wieder zu richten.

Zur Debatte stand nach Eugen Richter, Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei, eine Einnahmesteigerung von 114 Millionen Mark. Am nächsten Tag (1893,126) rechnet er vor, dass es dem Volk alles Zusammen 100 Millionen Mark kosten wird; 60 Millionen für die Heeresvorlage und 40 Millionen für das Reich. Dazu kommen die schweren Lasten der indirekten Steuern, die sich mit der Militarisierung des Staates weiter erhöhen. Von 1872 bis 1893 stiegen sie von 240 auf 680 Millionen (Karl Bachem 1894).

Eugen Richter wirft am 30. Januar 1894 im Reichstag die Frage nach der Steuergerechtigkeit auf: "Die Steuern, über welche das Reich verfügt, treffen vorzugsweise die minderbemittelten Klassen, und die Hauptausgaben des Reiches sind solche für Militär und Marine." Dafür tragen sie eh schon die schwere Last. "…. und umso ungerechter ist es gerade die indirekten Steuern, welche ebenfalls von diesen Klassen getragen werden, noch zu erhöhen."

Posadowsky, vermutlich etwas unter dem Eindruck von Richter stehend, erhält erneut das Wort und schlägt vor, dass bei Annahme der Vorlage, entschieden werden müsse, auf welche Interessengruppen sich die Lasten verteilen sollen.

Obwohl der Etat um 20 Millionen Mark angewachsen, muss er in Reichstagssitzung am 14. März 1894 feststellen, dass es bisher , nicht gelungen ist, die Kosten für die Militärvorlage auszugleichen. Eine Majorität des Hauses ist sich einig, dass die Kosten dafür in Höhe von 47 Milionen Mark gedeckt werden sollen. (Posadowsky 1907, 193).

 

Die Reichsfinanzreform  zurück  rrr

Zur ersten Beratung der Reichsfinanzreform

am 29. Januar 1894,

erklärt Staatssekretär Posadowsky vor dem Reichstag:

"Die Reform des Reichsfinanzwesens ist eine politische und finanzielle Notwendigkeit. Die Matrikularbeiträge sollen nur ein Notbehelf sein, bis das Reich von seinen eigenen Einnahmen leben kann."

Sie ist nicht unumstritten. Und so konzentrieren sich die Ausführungen zunächst auf die grundlegenden Reaktionen in diesem Haus.

Die erste Gruppe lehnt die Reichsfinanzreform ab. Sie wollen stattdessen eine weitere Anhebung der indirekten Steuern und eine Reichseinkommensteuer einführen. Letzteres ist gegenwärtig undurchführbar, weshalb eine weitere Auseinandersetzung mit diesem Plan unterbleibt.

Die zweite Gruppe lehnt die Reichsfinanzreform ab, weil sie auf ungünstige volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen trifft. Es kriselt.

Eine dritte Gruppe von Abgeordneten steht dem Vorhaben freundlich gegenüber. (Nach Posadowsky 29.01.1894, 908)

Welche Steuererhöhungen kommen überhaupt in Frage?

Börsensteuer. Sie lehnt Posadowsky mit Rücksicht auf die allgemeine Lage in der Wirtschaft und Handel ab. Wir dürfen uns nicht verhalten "wie jener der den Baum fällt, um die Früchte zu pflücken". Der Berliner Börse vertrauen ausländische Kapitaleigner ihre Werte an. Wenn das Geschäft nicht lohnend, werden sie diese herausziehen.

Wehrsteuer. Ihr sollen die aus dem Militärdienst freigemachten unterworfen werden. Vielleicht wäre es möglich, wenn man für die Bemesung eine Einkommensgrenze einzieht. Dies bedeutet aber, eine Prüfung ihrer Einnahmen, was nach aller Erfahrung zu aufwendig ist und kaum einen angemessenen Ertrag erwarten läst. Viel schwerer wiegt noch das Los dieser Steuerpopulation. In welchen Zustand befinden sich die Entlassenen, fragt Posadowsky?

Wird man einen Kellner mit einem tauben Ohr einstellen?

Nimmt man einen Jäger, der schielt?

Wer will einen Bediensteten, der stammelt.

Und wer soll einen Gesellen mit einem steifen Finger beschäftigen?

Er möchte keine Blinden, Lahme und Taube zur Wehrsteuer heranziehen.

Liebesabgaben. Sie sollen die landwirtschaftlichen Betriebe aufbringen, könnten damit aber überfordert sein. "Diese sogenannten Liebesabgaben stellen aber nichts dar als eine Ermäßigung gewisser Steuern für in ihrer Produktion beschränkte Industrien", argumentiert Posadowsky am 12. Dezember 1901 in der ersten Beratung zum Zolltarifgesetz. "Wenn man das Liebesabgaben nennt, muss man auch die Befreiung der untersten Volksklassen von der Einkommensteuer eine Liebesabgabe nennen. (Sehr gut! rechts.)"

Posa rät inder Reichstagssitzg am 29. Januar 1894 dringend von der Erhebung der Liebesabgabe ab. Hierbei stützt er sich auf einen Erfahrungsbericht von einem Grundbesitzer, der für den Zeitraum von 1881 bis 1893 die kritische wirtschaftliche Lage in Osten Deutschlands analysiert. Diese Methode gerät in Verruf. Das Reichsamt des Inneren führte am 7. Juni 1898 zur Vorbereitung der Handelsverträge "Erhebungen zur Feststellung der Ergiebigkeit der Landwirtschaft" durch, um zu beweisen, was bewiesen werden sollte, nämlich, dass die Landwirtschaft nicht rentabel ist. Hieraus folgte die Schlußfolgerung, dass die Getreidezölle erhöht werden müssen. Dazu ermittelte der Deutsche Landwirtschaftsrat zusammen mit den Vorständen der Landwirtschaftskammern solche Landwirte, die "in natürlicher technischer und sozialer Beziehung" ein "typisches" Bild von der Landwirtschaft entwerfen können. "Mit der Produktionstatistik hat er - gelinde ausgedrückt - keine Ehre eingelegt, die Erhebungen über die gewerbliche Kinderarbeit sind zu einem Schlage ins Wasser geworden." (Enqueten 4.10.1900)

Die Haltung und Reaktion von Posadowsky zu den Agrariern nahmen die Sozialdemokraten öftger mit Befremden auf. Es waren nicht nur Äußerlichkeiten, bisweilen rhetorische Kleinigkeiten, die das Bild vom junkerfreundlichen Staatssekretär befestigten. Vielmehr gründt ihr politisches Urteil auf der Analyse der sozioökonomischen Verhältnisse und darauf basierenden Sozialstrukturen in der Landwirtschaft. Ein Konzentrat davon bietet im November 1894 der SPD-Parteitag mit der Resolution der Agrarfrage, wo es heißt:

"In Preußen-Deutschland kämpft die landwirtschaftliche Unternehmerklasse, die sich dem Wesen von den großgewerblichen Kapitalisten sich nicht unterscheidet, mit dem Landadel. Dieser Landadel erhält sich nur künstlich durch Liebesabgaben, Schutzzölle, Ausfuhrvergütungen, Steuervorrechte."

Inseratensteuer, quer zu den Interessen der Stellensucher und schwer zumutbare Belastungen für dejenigen, die Todeansanzeigen aufgeben müssen. - Abgelehnt!

Tabaksteuer. Vielen Ortes war ein Unwillens über die Einführung der Tabaksteuer zu spüren. Wiederholt berichtet der Vorwärts (Berlin) über Proteste gegen die Tabaksteuer, zum Beispiel in der Ausgabe vom 14. November 1894 mit dem Tabakarbeiter Wildemann aus Stuttgart. Genosse von Elm tourte Anfang November mit dem Vortrag durch Württemberg "Die Tabaksteuer und ihre Folgen". Letzich ist eine ein Protest gegen die hohen Steuern. Die indirekten Steuern müssen, lehrt Karl Bachem (30.01.1894), im richtigen Verhältnis zur Belastung der mittleren und oberen Klassen durch die direkten Steuern stehen. Er lehnt es deshalb ab, neue indirekte Steuerhöhung zum Zweck zu bewilligen, Erhöhungen der direkten Steuern in den Einzelstaaten zu vermeiden.

Biersteuer. Hiergegen opponieren die Bayern. "Ich habe aber die Überzeugung," sagt Posadowsky am 23. März 1895 im Reichstag, "die Bierschlange wird immer wieder ihr drohendes Haupt erheben."

Weinsteuer. Württemberg macht Einwände geltend. Der Wein darf als Luxusartikel nicht frei bleiben, hält der Bevollmächtigte zum Bundesrat für das Königreich Preußen und preußische Finanzminister Doktor Johannes von Miquel (1894, 921) dagegen. Etwas narzistisch aufgeplustert, betont er: Wir vertreten die öffentliche Meinung.

Zuckersteuer. Die Debatte hierum, ist ein Beispiel dafür, dass es in dieser Diskussion auh viel Leerlauf gab. Warum sonst meldet sich Posadowsky am 12. März 1897 im Reichstag mit folgden Beitrag zu Wort: "Welchen tatsächlichen Wert diese postume Debatte über die Zuckersteuer haben soll, ist mir bis jetzt nicht ganz klar geworden, weil gar kein Abänderungsantrag vorliegt." (Quelle Zuckersteuer)

 

Miquel stürzt sich mit großer Emphase auf die Große Finanzreform und überbringt den Reichstagsabgordneten die frohstimmende Botschaft, dass alle, außer den Freisinnigen, im preußischen Abgeordnetenhaus vertretenen politischen Richtungen dies ebenso tun. Eine Ablehnung, warnt er, würde den Überhang der Matrikular-Beiträge vergrößern und die Einzelstaaten könnten den Föderativen Staat dann nicht mehr als Wohltäter empfinden. Die Sozialdemokraten nehmen seine Aktivitäten nicht so positiv auf, wie man es allgemein erwarten würde. Denn der aufgebrachte Gesamtbetrag an Steuern beträgt lediglich 94 Millionen Mark, was nicht mal die Kosten der Militärvorlage deckt. Miquel könnte, äußert am 16. November 1893 der Vorwärts (Berlin) seine Befürchtungen, zum Konkursverwalter werden und prohezeiht: Bald setzt das fröhliche Weiterwirtschaften ein: borg hier, borg da.

In mehreren Sitzungen debattiert der Reichstag weiter über Steuererhöhungen.

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner und Johannes von Miquel (1828–1901), 1890 von Reichskanzler Leo von Caprivi zum preußischen Finanzminister berufen, treiben Steuern ein.

Text im Bild:
"Im Frühling tauchte unter sie mit allen Bösen.
Und unsre Steuerzahler sangen frohe Lieder.

Doch mit des Herbstes Nebeln kehrt die Alte wieder,
Um uns von unserm "Überfluss" zu erlösen".

Venus die Auftauchende. In: Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Nummer 213. Stuttgart, den 25. September 1894, Seite 1784

Bald wird, kündigt im September 1894 Der Wahre Jacob anm "Venus die Auftauchende" den Steuerzahler vom Überfluss befreien. Steuermann Posadowsky (1894, 909) kennt die Stromschnellen der Reichssteuerfinanzreform. Er weiß genau, selbst im Lager der Patrioten, also bei den Bürgerlichen, besteht die Gefahr, dass die Stimmung umkippt und die "Unzufriedenheit ins Unangemessene steigt". Der Mann auf der Brücke fürchtet die sozialdemokratischen Wähler. Ihnen kann das Herz im Leibe lachen. Sie brauchen den Baum gar nicht mehr zu schütteln, "die Früchte fallen ihnen schon durch den Sturm der Parteien in den Schoss".

Die erste Lesung über das

Gesetz zur Finanzreform

erfolgt am 23. Februar 1895. Posadowsky leitet sie im Reichstag mit einem Referat ein.

"Über die Belastung der schwachen Schultern", hört die Ostdeutsche Rundschau (26.2.1895) aus Wien, "werde jetzt allgemein geklagt; es wird sogar von schulterschwachen Millionären gesprochen."

Am 13. Mai 1895 erhält die Finanzreform zusammen mit der an diesem Tag vorgelegten Tabaksteuer-Vorlage, einst ausdrücklich auf der Finanzministerkonferenz am 26. November 1893 als ihr Rückgrat bezeichnet, ein schlichtes Begräbnis. Resigniert packt Posadowsky gegen nachmittags 3 Uhr seine mächtigen Aktenstöße in eine schwarze Ledermappe, berichtet das Voralberger Volksblatt aus dem Deutschen Reichstag. Bald darauf verkündete der Präsident, dass die Vorlage in allen Teilen abgelehnt sind.

Rückblickend auf die Periode als Staatssekretär des Reichsschatzamtes, bescheinigt ihm Eugen Richter von der Freisinnigen Volkspartei am 13. Dezember 1897 im Reichstag, dass durchaus der Vorsatz zu erkennen, in der Verwaltung zu vereinfachen, möglichst viel Klarheit und Durchsichtigkeit zu erreichen. Das war keine einfache Sache, weil die Etatplanung in den letzten Jahren gegenläufige Tendenzen aufwies.

 

 

Umsturzvorlage  zurück

Karikatur zur Umsturzvorlage

"Nachdem der Schäfer gefesselt, können die Schafe bequem geschoren werden."

Links auf dem Bild Arthur von Posadowsky- Wehner, rechts Johannes von Miquel und am Baum gefesselt der Widerstand gegen die Umsturzvorlage.

Der Wahre Jacob. Nr. 221, Stuttgart 1895, Titelblatt

Am 17. Dezember 1894 liegt dem Reichstag die Umsturzvorlage vor, der Entwurf eines Gesetzes, betreffend Änderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuches, des Militärstrafgesetzbuches und des Gesetzes über die Presse. Auf "Umsturz" stehen fünf Jahre Zuchthaus. Undemokratisch war vor allem die damit einhergehend gesetzlich gestützte Willkür, die ein gewaltiges Explorations- und Tätigkeitsfeld erhielt. Der Reichstag verhinderte dies, indem er die Vorlage am 11. Mai 1895 in zweiter Lesung ablehnte.

Unter dem Einfluss der mit der Umsturzvorlage verbundenen heftigen ideologischen Kämpfe, verschlechterte sich die Haltung des Kaisers gegenüber dem Parlament und den Parteien zusehends. (W. J. Mommsen 83)

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Staatssekretär des Inneren  zurück

Seine Majestät der Kaiser beruft am 1. Juli 1897 allergnädigst Dr. jur. Graf Arthur Adolph von Posadowsky-Wehner zum Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren und beauftragt ihn mit der allgemeinen Vertretung des Reichskanzlers nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878. Seine Majestät der König ernennen ihn allergnädigst zum Staatsminister und Mitglied des Staatsministeriums. In der Eigenschaft als Stellvertreter leitet er den Bundesrat. Als preußischer Minister ohne Portefeuille ist er gleichzeitig stimmberechtigtes Mitglied des preußischen Staatsministeriums und Kurator der Reichsbank.

Von 1880 bis Juli 1897 lenkte die Institution ein Anhänger und Unterstützer der Caprivischen Handelsverträge, deshalb bei den Großgrundbesitzern ziemlich unbeliebt. Schließlich vergass Karl Heinz Boetticher, geboren am 6. März 1808 in Naumburg an der Saale, zum Abschluss einer Sitzung das Kaiserhoch auszubringen. Sein Nachfolger hält, prophezeit am 15. Januar 1898 der Vorwärts (Berlin), alle möglichen "Staatsinterventionen zugunsten seiner agrarischen Klassengenossen für nöthig". Da durften sich die Agrarier freuen, dass künftig die Zolltarife mehr zu ihren Gunsten ausgestaltet werden.

Das Reichsamt des Inneren realisiert zum Teil traditionelle Aufgaben des Innenministeriums und ist zuständig für die Sozial-, Arbeits- und Gesundheitsschutzpolitik sowie - in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt - für die Handelspolitik. Ihr neuer Amtsinhaber verspricht am 13. Dezember 1897 (176) vor dem Reichstag, "dass Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern", "soweit es sich um berechtigte Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter handelt".

 

 

 

                                                  Eisenwalzwerk.

Adolph von Menzel (1815-1905). Öl auf Leinwand. 158 mal 254 Zentimeter. Entstanden von 1872 bis 1875. Standort: Alte Nationalgalerie, Berlin.

Von 1873 bis 1893 verdoppelte sich die Roheisenproduktion in Deutschland. Die Arbeiterklasse wächst schnell. 1873 beträgt die Zahl der Beschäftigen in Industrie und Handwerk 4,7 Millionen. 1913 sind es 10 Millionen. Deutschlands Einwohnerzahl erhöht sich von etwa 40 Millionen im Jahr 1870 auf 67 Millionen im Jahr 1913.

 

 

Es wird nicht so einfach, dass Wohl der arbeitenden Klasse zu fördern. Der von vielen, besonders im städtischen Bürgertum begrüßte Neue Kurs steht im Zeichen der gefährlichen industriellen und landwirtschaftlichen Plutokratie, welche jetzt im Reich das Heft fest in der Hand haben. Ihn prägen der Unternehmer und Reichstagsabgeordnete Carl Ferdinand Stumm (1836-1901) und das exponierte Mitglied der Reichspartei Georg von Kanitz (1842-1922). "Das sagt zur Kennzeichnung wahrlich genug", stellt der Vorwärts (Berlin) am 3. Juni 1898 fest.

Passend dazu, im Juni 1896 der Abgang von Hans von Berlepsch (1843-1826) aus dem Amt des preußischen Staats- und Handelsministers. "Berlepsch hat gehen müssen," kommentiert umgehend das Znaimer Wochenblatt (Wien), "weil seine eifrige Befürwortung positiver Sozialreformen nicht mehr in das gegenwärtige politische System passt." War dies das Ende des Neuen Kurses? Unter seiner Ägide wurden in den Betrieben neue Sicherheitsvorschriften eingeführt, die Sonntagsarbeit verboten, die Kinderarbeit zurückgedrängt und die Arbeitszeit für Frauen und Jugendliche reduziert. (Schmidt 2007, 20)

Im Geist der Frankfurter Zeitung hallt bis 1932 nach, dass der neue Staatssekretär einer temporeichen Fortführung der Sozialpolitik und Erweiterung des Koalitionsrechts zunächst kühl gegenüberstand. Wollte (oder sollte?) er lieber den Kampf gegen die Sozialdemokratie aufnehmen? "Von Posadowsky wurde eine Sozialpolitik erwartet," analysiert Joachim Bahlcke (Kulturstiftung) die Anforderungen an ihn, "die als Konsequenz der politischen Entwicklung der neunziger Jahre nach dem Programm einer "Sammlung der bürgerlichen Kräfte" nur noch Kampfinstrument gegen die Sozialdemokraten sein sollte." Das trifft sich mit Aussagen des Berliner Volksblatts vom 3. Juli 1897, dass behauptet, seine politischen Anschauungen passen in den allerneuesten Kurs, an den der Graf schaffend beteiligt. Dabei "hat er seinen "guten Willen", dem Volke mehr Steuern auzuhelfen, mehrfach bewährt." Auch war er bemüht den Junkern weiter entgegenzukommen. Graf Posadowsky antwortet darauf vor dem Reichstag am 13. Dezember 1897:

"Ich meine überhaupt, wir sollten uns beschränken, hier im Reichstag nicht fortgesetzt neue sozialpolitische Gesetze zu planen, sondern zunächst einmal die vorhandenen Gesetze weiter ausbauen und in ihrem Wirkungskreise ausdehnen. Wenn wir auch nur die sozialpolitischen Gesetze, die bestehen, weiter ausbauen wollen, so, kann ich Ihnen versichern, ist das schon eine Riesenarbeit."

"Einen Grund zur Unzufriedenheit," räumt Posadowsky am 13. Dezember 1898 vor dem Reichstag ein, "glaubt man darin gefunden zu haben, dass die Sozialgesetzgebung zum Erliegen gekommen ist." "Eine Kulturnation", antwortet er, "kann die soziale Gesetzgebung gar nicht zum Stillstand bringen, ein Stillstand der sozialen Gesetzgebung wäre ein Stillstand der fortschreitenden Gesittung des Deutschen Reiches überhaupt."

Die Bilanz der Sozialpolitik der letzten Jahre "ist sehr mager", rechnet ihn am 1. Februar 1906 der SPD-Reichstagsabgeordnete Richard Fischer (1855-1926) aus Berlin vor. "Die Reform des Gewerbegerichtsgesetzes vom 29. September 1901, die Revision der Seemannsordnung vom 2. Juni 1902, das Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903, das Notgesetz zur Krankenversicherung vom 23. Mai 1903, das Gesetz über die Kaufmannsgerichte vom 6. Juli 1904, die dürftige Berggesetznovelle in Preußen vom Sommer 1905 und ein paar Bundesratsverordnungen für Arbeiterschutz. Das ist alles!"

 

 

Einkreisung  zurück 

Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow (1900-1909) will in der Außenpolitik freie Hand, um Deutschlands Wirtschaftskraft zu stärken. Ihm sind die vom Staatssekretär des Reichsmarineamtes Alfred Tirpitz (1849-1930) vorgelegten Pläne zur Flotten-Hochrüstung recht. Am 14. November 1906 formuliert er vor dem Reichstag die These von der Einkreisung durch Frankreich, Großbritannien und Russland und deutet an:

"Die entente cordiale ohne gute Beziehung der Weltmächte zu Deutschland wäre eine Gefahr für den europäischen Frieden. Eine Politik, die darauf ausginge, Deutschland einzukreisen, einen Kreis von Mächten um Deutschland zu bilden, um es zu isolieren und lahmzulegen, wäre eine für den europäischen Frieden bedenkliche Politik."

Am 29. Juni 1913 verabschiedete der Reichstag in dritter Lesung die Wehrvorlage, womit die Friedensstärke des Heere um 117 267 auf 661 478 Mann erhöht wird. Deutschland ist nicht aggressiv, aber eingekreist! Ob Flottenrüstung, Erhöhung der Friedensstärke des Heeres oder Weltpolitik - alles konnte begründet werden.

Wir dürfen nicht wegschauen. Jetzt kommt Deutschland DER CHAMPION, der "soll alles Unrecht in der Welt bekämpfen, soll über all mit der gepanzerten Faust hineinfahren, wo in der Welt etwas los ist und wo man glaubt, dass jemand in das Unrecht von anderen Staaten gesetzt ist." (Eugen Richter 1899, 705)

Die Einkreisungs-These durchdrang das außenpolitische Denken. Kaiser Wilhelm II., außerstande die komplizierte Risikostrategie des Generalstabes zu durchschauen, wähnte sich als unschuldiges Opfer einer angeblich von langer Hand vorbereiteten Einkreisungspolitik der Entente (W. J. Mommsen 221).

Bühlow´s Einkreisungs-These nahm die Form einer Zwangsjacke an, aus der sich zu befreien, dazu frei in der Luft an einem Seil hängend, wie es am 8. Dezember 1915 Harry Houdini vorführte, vielen nicht gelang. So steht dann Posadowsky am 24. August 1924 im Kreuzgang an der Nordwand im Dom vor der steinernen Gedenktafel zu Ehren der im Krieg gefallenen Domschüler und es schweift sein Blick zurück in das Jahr 1914: "der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde  r i n g s u m."

 

 

.... der "Sozialismus ist ihm
nach wie vor völlig verschlossen"  zurück

Um 1900 flammte in Deutschland mit dem Bau und der Etablierung städtischer Warenhäuser eine öffentliche Debatte über Vor- und Nachteile moderner Kapitalassoziationen auf. Mehr als einmal beklagte sich der kleine Mittelstand über ihre rüde Art, die viele Existenzen zerstörte. Angeblich versuchte man dieses Problem, durch eine entsprechende Steuergesetzgebung zu bewältigen, was sich zugegebenermaßen als wirkungslos herausstellte. Als Staatssekretär des Inneren wollte er die modernen Triebkräfte der Wirtschaft nicht hemmen oder zu alten Bewegungsformen der Wirtschaft zurückkehren, räumte allerdings am 13. Dezember 1905 in der Reichstagsdebatte zwangslos ein:

"Und gestehe ohne weiteres: diese Assoziation des Kapitals hat sehr düstere Seiten und ist für den Mittelstand eine große Gefahr!" "Ich bin der Letzte, der ein Loblied auf sie singen will …."

Klassengegensätze

Auf den mitgetragenen Schildern steht von links nach rechts: "Arbeiter werden nicht angenommen", "Arbeit" und "Brot".

Klassengegensätze. Der Wahre Jacob, Nummer 19, Stuttgart 1894, Titelblatt

Und was wird aus dem Mittelstand? Zwar merkt der Staatssekretär an, dass einiges geschehen muss, um ihn in seiner technischen und kaufmännischen Ausbildung zu heben und ihn möglich zu machen. Gleichwohl wirkt es unsicher, klingt nach vertrösten. Von Anti-Trust-Gesetzen hört und ließt man nichts. Derweil entartet der Kapitalismus ohne Wettbewerbsordnung und verliert den Charakter einer Marktwirtschaft. In monopolistischen Marktformen obliegt die Preisbildung den Mächtigen, die Rechte des Konsumenten werden beschnitten und die Regeln des fairen wirtschaftlichen Wettbewerbs ruiniert. All dies spielt in der Debatte am 13. Dezember 1904 keine Rolle. Dafür aber die Position der Sozialdemokraten, die an der Konservierung veralteter Wirtschaftsformen kein Interesse zeigen und deshalb den Staatssekretär noch anfeuern. Sie wollen alle Kräfte freimachen, "die heute noch gebunden sind" und stehen den modernen Assoziationen nicht feindlich gegenüber. Noch immer möchten sie aber den Kapitalismus beseitigen, weil die Privatbetriebe "nur Rücksicht auf den Vorteil der Kapitalbesitzer" und "nicht die Rücksicht auf das Interesse der Gesamtheit" nehmen.

"Das begreift Graf Posadowsky nicht. Seine Einsicht ist äußerst kurzsichtig."

"…. die positiv schöpferische Kritik des Sozialismus ist ihm nach wie vor völlig verschlossen", urteilt am 16. Dezember 1904 der Vorwärts aus Berlin.

 

 

Handelspolitiker  zurück

Am 8. Januar 1901 hält Posadowsky auf dem Deutschen Handelstag die Eröffnungsrede. Waren es nur Repräsentationspflichten, die ihn hierherführten? Durchaus nicht. Vieles hatte sich geändert, welt- und handelspolitisch. Deutschland will Weltpolitik treiben. "Graf Bülow kennt keine Grenzen an als die Endgrenzen der Welt", befürchtet 1898 (701) Eugen Richter (als Reaktion auf seine Rede vom 14. September 1899).
"Wir müssen verlangen," sagt Freiherr von Bülow aus Anlass der ersten Beratung zum Entwurf des Flottengesetzes am 6. Dezember 1897 (60) vor dem Reichstag, "daß der deutsche Missionar und der deutsche Unternehmer, die deutschen Waren, die deutsche Flagge und das deutsche Schiff in China" geradeso geachtet werden, wie diejenigen anderer Mächte." "Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch

unseren Platz an der Sonne. (Bravo!)"

Immer mehr "Kulturstaaten", beklagt Staatssekretär Posadowsky in der Reichstagsrede am 6. Dezember 1897 (58), sind bestrebt durch eine protektionistische Handelspolitik, die Märkte nach außen abzuschließen. Infolge dessen wird die Lage der Kaufleute immer schwieriger, die zu leiden haben nicht nur unter der europäischen Konkurrenz, sondern auch unter dem "Konkurrenzneid der einheimischen Produzenten". Bei ihren Unternehmungen erhielten sie keinen Schutz. Bei Hilferufen an das Auswärtige Amt konnte die Heimat keine Schiffe schicken oder doch nicht in der Anzahl, die in den verschiedenen Fällen als notwendig erachtet werden musste.

Wird aber der deutsche Export aber wirklich von Jahr zu Jahr immer schwieriger? Im Jahr darauf läuft es nach Auskunft von Posadowsky am 8. Februar 1898 nicht so schlecht: Die deutsche Ausfuhr stieg von 1889 bis 1899 um 900 Millionen Mark, also durchschnittlich jährlich um 80 Millionen. Die deutsche Handelsbilanz weist jährlich für etwa 1.900 Millionen Mark Rohstoffe aus, wovon laut Posadowsky (6.12.1897) ein großer Teil im Veredlungsverkehr besteht.

Die Reichstagsrede vom 6. Dezember 1897 markiert den Wandel des handelspolitischen Denkens von Posadowsky. Sie steht im Zeichen der Ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die deutsche Flotte. Die zur Debatte stehende Vorlage reicht bis in das Jahr 1904 und soll die Kosten für die Flottenrüstung in Höhe von 32 Millionen Mark sichern. Kann das deutsche Volk die Last überhaupt tragen, fragt Posadowsky?

Begriffe wie "Kulturstaaten", "Konkurrenzneid" oder die Verniedlichung von Kreuzern als "Schiffe" lassen erahnen, wohin das driftet. Wir wollen keinen Krieg - was Gott verhüten möge, beteuert er (59) vier Wochen nach Jiaozhou (Kiautschau).

Die deutsche Okkupation von Jiaozhou 1897, Kosten 1898 10 Millionen Mark (Richter 1898, 691), markiert den Übergang zu einer ehrgeizigen, politisch und militärisch-aggressiven Weltpolitik. Zwei Jahre zuvor tauchten Pläne von Wilhelm II. zum Bau einer großen Schlachtenflotte auf. Seit dem chinesisch-japanischen Krieg wachsen die deutschen Begehrlichkeiten gegenüber dem geschwächten China. Den Vorwand zur Intervention bot am 1. November 1897 der Mord an zwei katholischen Priestern in der Provinz Shandong. "[Staatssekretär des Äußeren Bernhard Fürst von] Bülow rechtfertige die Okkupation auf dem chinesischen Festland mit dem Argument, dass die deutsche Industrie, die den amerikanischen Markt über kurz oder lang doch verlieren werde, ein größerer Absatz in Ostasien ermöglicht werden müsse." (W. J. Mommsen 2005, 94 bis 96)

Trickreich um kurvt Posa die Schwierigkeiten. Kurzum wandeln sich die Kosten der Landesverteidigung in Ausgaben "zum Schutz unsere Industrie und unseres Handels".

Dass die Verstärkung der Marine "der Anfang einer gewissen Aggressivpolitik" sei, bezeichnet er als einen Irrtum seines Vorredners. Irrt er oder sein Widersacher?

Wilhelm II. erteilt am 3. Juli 1900 aus Anlass des Stapellaufs von "SMS Wittelsbach" in Wilhelmshafen den Auftrag:
"die schärfsten Mittel rücksichtlos anzuwenden". (Vorwärts, 5.Juli 1900)

Um dem Nachdruck zu verleihen, inszeniert sich in den Weltmeeren, gut umsorgt von von 650 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, die "SMS Wittelsbach" (11.775 Tonnen Wasserverdrängung) mit 24-, 15- und 8,8 Zentimeter Schnellfeuerkanonen, zwölf Revolverkanonen und sechs Torpedorohren. So lässt sich Außenhandel treiben, war 1897 die Meinung. Um dem Volk die letzten Bedenken zu nehmen, verweist Posadowsky auf die "maritime Defensionsakte" (59), wonach die Regierung zum Bau von Schiffen einfach eine Summe zur Verfügung gestellt bekommt, über die sie frei disponieren kann. Und wenn das, wie er ausführt im "klassischen Land des Parlamentarismus" üblich, muss man sich in Deutschland nicht weiter um die demokratische Entwicklung ängstigen.

Auf dem Handelstag herrscht nicht der aggressive Ton der neuen deutschen Welt- und Handelspolitik, wie ihn vorzugsweise die nationale Großbourgeoisie anschlägt. Einfach und unzweideutig die Botschaft des Staatssekretärs. Zumindest an diesem Tag wird sie gut angenommen: Die deutsche Industrie und der deutsche Handel müssen "den Kampf um den ausländischen Absatz" in Zukunft in noch höheren Maße wie bisher" bestehen. Als Mittel nennt er nicht Schutzgebiete, Kartelle oder Flottenrüstung, sondern vertraut auf die "Hilfe des deutschen Erfindergeistes". Dies bedarf aber eines Ausgleichs der wirtschaftlichen Interessen.

 

 

Zollpolitik  zurück

Im Ergebnis eines komplizierten und langwierigen Gesetzgebungsverfahren beschloss am 13./14. Dezember 1902 der Reichstag das Zolltarifgesetz und den Zolltarif. Begonnen hatte es Anfang des Jahres, beobachtete der Vorwärts (Berlin), mit dem Ausbruch der Zollwut, als Posadowsky und Genossen sich schlechterdings nicht dabei beruhigen konnten, dass irgendein Produkt ohne erhöhten Zollschutz blieb. "So haben sie die Zölle da gesteigert, wo sie ausdrücklich erklären mußten, dass aus den Kreisen der Interessenten keine Anträge gekommen sein." Ein Vorwurf, den Posadowsky am 12. Dezember 1901 in der ersten Beratung zum Zolltarifgesetz ausdrücklich zurückweist.

Gewöhnlich reden bürgerlichen Handelspolitiker gerne über den Freihandel als Quelle von Wohlstand und Glück. Doch in der praktischen Politik geben sie oft dem Protektionismus den Vorzug. Typisch für diese Strategie des internationalen Handels ist, dass eine soziale Klasse die Vorteile geniesst, während andere schwere Nachteile erleiden. Als Folge der Zollgesetzgebung musste die arbeitende Klasse höhere Lebensmittelpreise tragen. Nicht nur sie, natürlich! Aber ihr Arbeitslohn richtet sich im Unterschied zu anderen Einkommen, nicht direkt an den Lebensmittelpreisen aus, sondern bildet lediglich die Nachfrage von Arbeitskräften ab. Den ArbeiterInnen blieb nur, lästerten damals die Sozialdemokraten, das teuerste Brot der Welt zu essen. Auch das Fleisch, noch immer für die meisten Familien ein Luxusgut, verteuerte sich.

An der Zollpolitik entzündete sich viel Kritik. Posadowsky wehrt sich dagegen, in der Öffentlichkeit als Gegner von Handel und Industrie hingestellt zu werden. "Der Roheisenzoll", verteidigt er sich am 12. Dezember 1901 im Reichstag, "ist in Zeiten industrieller Kreisen eine Notwendigkeit, um eine Überschwemmung des deutschen Marktes mit Roheisen zu verhindern." "Nein, wir verfolgen mit den Industriezöllen das handelspolitische Ziel, dem deutschen Arbeiter vermehrte Arbeitsgelegenheit zu geben." Weiter verweist er in der ersten Beratung zum Zolltarifgesetz auf den Erfolg der Bismarckschen Schutzzölle von 1878: Der Verbrauch der Baumwolle ist um das Doppelte gestiegen. 1901 erreicht die deutsche Roheisenproduktion fast die Höhe von England.

Das Zentrum unterbreitete den Vorschlag, die Mehreinnahmen der Reichskasse aus den agrarischen Zöllen, zur Einrichtung einer Arbeiterwitwenpensionskasse zu verwenden. Wie Sentimental, applaudiert am 9. April 1902 Franz Mehring im Bericht über "Posadowskys Osterfahrt", dass die Regierung einen letzten Tropfen für das Krüglein der Witwe retten soll, während doch ihre abenteuerliche Weltpolitik die Kassen immer leerer fegt.

 

 

Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky  zurück

Karikatur zur Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky

"Man werfe oben 12000 Mark hinein und ein fertiges Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter fällt unten heraus."

Der Wahre Jacob. Jahrgang 17, Heft 376, Stuttgart 1900, Seite 3395

1899 erhält das Reichsamt des Inneren vom Zentralverband deutscher Industrieller Propaganda-Geld. Begonnen hatte die Affäre mit der Anfrage von Ministerialdirektor Erich v. Woedtke (1847-1902) an den Geschäftsführer des Zentralverbandes deutscher Industrieller Henry Ariel Bueck, ob sie die Finanzierung von Agitationsschriften gegen die Sozialdemokratie unterstützen könnten. Bueck übermittelt das Anliegen an den Geheimen Finanzrat und stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralverbandes Jenke. Der empfahl nach Prüfung, das Verlangen nicht zurückzuweisen.

Am 22. Oktober 1900 veröffentlicht die Leipziger Volkszeitung die Niederschrift des Geschäftsführers des Zentralverbandes deutscher Industrieller vom 3. August 1898. Ihr ist zu entnehmen, dass die Industriellen dem Reichsamt 12 000 Mark zur Agitation für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse spendeten. Das nicht erlaubte Propaganda-Geschäft fliegt auf, als ein Archivar vom Geschäftsführer Bueck heimlich die zugehörige Korrespondenz an den "Vorwärts" (Berlin) weiterleitete. In Wien unkt am 25. Oktober 1900 die Freie Presse, dass Posadowsky "mit dem Verlust seines hohen Postens büßen" muss. Aber er distanziert sich in Berlin einfach öffentlich von seinem Ministerialdirektor, worauf der demissionieren muß und zum Direktor des neugeschaffenen Reichsaufsichtsamts für Versicherungswesen aufsteigt.

 

 

Zuchthausvorlage und Richtungswechsel  zurück

Staatssekretär Arthur Graf von Posadowsky-Wehner versandte am

11. Dezember 1897

aus dem Reichsamt des Inneren ein geheimes Rundschreiben an die Regierungen der deutschen Einzelstaaten. Darin legte er ihnen nahe zu prüfen, ob gesetzliche Maßnahmen gegen das Streikrecht und die Koalitionsfreiheit angezeigt sind, Zitat:

"In letzter Zeit ist in der Tagespresse und Fachliteratur wie in Vereinsversammlungen die Frage lebhaft erörtert worden, ob nicht angesichts der durch die Arbeiterbewegung der letzten Jahre gelieferten Erfahrungen von der Gesetzgebung ein erhöhter Schutz gegen Missbrauch der durch § 152 der Gewerbeordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit zu verlangen sei."

Rosa Luxemburg (1871-1919), klagt ihn in der Schrift Sozialreform oder Revolution? (1899) an, ein Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht begehen zu wollen.

Karikatur zur Zuchhausvorlage

Der Text unter dem Bild lautet: "Unverschämtes Proletengesindel! Das möchte ich sehen, der mich hindern könnte, wenn ich arbeiten wollte."

Zuchthausvorlage. Simplicissismus, 4. Jahrgang. Nummer 13. 24. Juni 1899

Unbedingt neu war der rein politische Inhalt der Aktion vom 11. Dezember 1897 nicht. Wilhelm II. propagierte bereits am 17. Juni 1897 in Bielefeld den

"Schutz der nationalen Arbeit aller produktiven Stände und die Kräftigung des gesunden Mittelstandes".

Unternehmer und Regierung beunruhigte die zunehmenden Aussperrungen und Ausstände der Jahre 1896 und 1997. Besonders der Hamburger Hafenarbeiterstreik 1897/98 machte ihnen das politische Abteuer bewußt. In einer Eingabe des Zentralverbandes deutscher Industrieller an den Reichskanzler legte dieser unumwunden dar, dass es diesen Streik nicht gegeben hätte, wenn man jetzt ihren Vorschlag "Schutz der Arbeitswilligen gegen die Tyrannei der Streikenden" folgt.

Wilhelm II. kündigte am 6. September 1898 in der Oeynhausener-Rede die Gesetzesvorlage für 1899 an. Sie sah vor, wenn jemanden daran hindert seine Arbeit zu tun, oder gar zum Streik anreizte, ihn mit Zuchthaus zu bestrafen. Darüber entbrannte eine heftige öffentliche Diskussion. Unter anderen wendet sich 1899 Friedrich Naumann (1866-1919) in einem Vortrag gegen die Zuchthausvorlage.

Der Verfasser des Rundschreibens vom 11. Dezember 1897, Graf von Posadowsky, bittet freundlich um Äußerung, damit beim nächsten Zusammentreffen im Reichstag eineneue Vorlage vorgestellt werden kann.

Kommentar zur Veröffentlichung der Zuchthausvorlage im "Vorwärts", Berlin den 15. Januar 1898

Den Sozialdemokraten gelang es, das Dokument in die Hände zu bekommen und am

15. Januar 1898

im Vorwärts und zu veröffentlichen. Es war ein schwerer Schlag gegen die Unterdrückung der Sozialdemokratie und dem Versuch die Dynamik der Sozialpolitik auszubremsen. Der Reichstag lehnt den Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse vom Mai 1899 mit einer übergroßen Mehrheit gegen die Stimmen der Konservativen ab.

Posadowsky scheiterte und vollzog nach kurzer Zeit einen Richtungswechsel (Bahlcke 2006). Er sucht jetzt in sozialen Fragen mit der SPD und Arbeiterbewegung ehr den Ausgleich. Unter seiner Ägide werden bedeutende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen realisiert:

Im Juli 1899 erfolgte mit Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der SPD die einheitliche Festlegung der Höhe der Invalidenrenten.

"Es war", triumphiert er am 6. Februar 1906 (1049) vor dem Reichstag, "aber der große Fortschritt der deutschen Sozialgesetzgebung, das an die Stelle der Armenpflege ein eigenes Recht und eine gewisse Leistung des Arbeiters trat, eine Rente …."

Novelle der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1801.

Bestehende Arbeitsschutzbestimmungen werden verschärft. Das Mindestalter für nichtschulpflichtige Kinder in gewerblichen Betrieben beträgt jetzt 13 Jahre. 14jährige Jugendliche dürfen höchstens 6 Stunden und 16jährige maximal 10 Stunden täglich arbeiten. Sie dürfen nicht zwischen 20.30 Uhr und 5.30 arbeiten. Die Höchstarbeitszeit für Frauen beträgt 11 Stunden. Verbot für Nachtarbeit und Beschäftigungsverbot an Vorabenden von Sonn- und Feiertagen nach 17.30 Uhr. Kinderarbeit unter 13 Jahren ist verboten. Die Bestimmungen über die Sonntagsarbeit für alle Beschäftigten werden präzisiert. Der Mutterschutz, die Bedingungen für Nachtarbeit, Arbeit an Sonn- und Feiertagen in der Industrie und auf dem Bau werden verbessert.

Siehe auch Gesetz, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Mai 1908.

Gesetze zu den Gewerbe- (1901) und Kaufmannsgerichten (1904)

Ihre Einrichtung soll die Arbeitskonflikte friedlich regeln. Sie erkennen den Arbeiter als gleichberechtigten Vertragspartner des Unternehmers an, die im Ergebnis des Bergarbeiterstreiks von 1905 weitere Rechte erringen.

Erweiterte Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903

Finanzielle Förderung des Baus von Arbeiterwohnungen

1903 Verlängerung der Zahlung des Krankengeldes von 13 auf 26 Wochen.

Novelle zum preußischen Bergbaugesetz vom 14. Juli 1905

(Unter Verwendung der Ergebnisse von Albin Gladen 1974, u.a. Seite 85f.)

Im Zeitraum von 1900 bis 1903 trägt die SPD Reformen zur Sozialversicherung und Regelung der Arbeitszeit sowie zum Verbot der Kinderarbeit und Verbesserung des Mutterschutzes mit.

Joachim Bahlcke blickt auf seine Tätigkeit in den ersten Jahren im Reichsamt für Inneres so zurück: "Mit seinem neuen Kurs im Reichsamt des Innern und der Unterstützung von Seiten des Zentrums begann Posadowsky eine Reihe durchgreifender sozialpolitischer Reformen. Die Alters- und Invalidenversicherung sowie die Krankenversicherung wurden verbessert, der Bau von Arbeiterwohnungen gefördert, die Schiedsgerichte einheitlich organisiert, der Mißbrauch gewerblicher Kinderarbeit mit höheren Strafen bedroht."

Die Universität Berlin ehrt die Verdienste von Posadowsky-Wehner auf dem Gebiet der Sozialpolitik mit der Verleihung eines Ehrendoktors der Theologie. Von der Universität Giessen erhält er den Ehrendoktor der Medizin zuerkannt. Sein akademischer Titel lautet jetzt: Dr. jur., Dr. theol. h.c., Dr. med. h.c. .

 

 

Bekämpfung der Sozialdemokratie (Posadowsky-Wehner)   zurück

Feinden vertraut und glaubt man nicht. Wir haben Feinde, die wir hassen müssen, und Feinde, denen wir einst nahegestanden. Einigen von ihnen, möchte man besser nie in die Hände fallen. Es gab auch Feinde, von denen erhielt man Hilfe. Uns begegnen Feinde von gestern, heute und morgen. Wir kennen Feinde der Menschheit, der Republik- und des demokratischen Zusammenlebens.

Sind die Sozialdemokraten Posa´s Feinde?

Feinde sind sie nicht.  zurück  Das können sie, wenn es auch manchmal anders erscheint, nicht sein. Wenn Posa die soziale Frage als Ausdruck der ökonomischen Lebensform der Produzenten (einschließlich ihrer Familien und Unterhaltsbedürftigen) begreift, die wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der arbeitenden Klassen anerkennt und in die Gesellschaft einpflegt, heißt dies nichts anderes als: Er nähert sich im Streit mit der Sozialdemokratie, deren materialistisch-ökonomischen Denkweise an. Ihren Forderungen muß er deshalb nicht zwangsläufig erliegen. Denn er setzt noch andere Schwerpunkte bei der Lösung der sozialen Frage. Sogleich entfalten sich die Unterschiede und Gegensätze. Ihn grämt zurück, wie er sich mehrfach anvertraut, dass die Sozialdemokraten mit der Revolution spielen und nicht anerkennen, "was der Staat und die bürgerliche Gesellschaft für die arbeitenden Klassen bisher schon getan haben". Deshalb kontert er am 13. Februar 1897 (173) im Reichstag:

"Die Rede des Herrn Bebel hat sich weiter auf Grund des Leitmotivs entwickelt: die Arbeiter finden keine genügende Brücksichtigung im Reich und in den Einzelstaaten. Da sagt Herr Bebel in der Volksvertretung eines Reichs, welches für die Besserung der Lage der arbeitenden Klassen durch die soziale Gesetzgebung in einer Weise gesorgt hat, wie noch kein Staat der Welt. (Sehr gut! rechts und links. Zurufe bei den Sozialdemokraten).

Es ist noch keinem Staat in der Welt gelungen, uns das nachzumachen, was wir für die arbeitenden Klassen gethan haben. (Lebhafter Beifall.)"

Endlich sagts mal einerzurück  könnte - als er dies hörte - sein Parlamentskollege Adolf Stoecker (1835-1909) gedacht haben. Ihn stört schon längere Zeit, "Das in manchen Kreisen eine üble Stimmung gegen uns herrscht .... " Den studierten Theologen aus Halberstadt, Begründer der antiliberalen, antisozialistischen Christlich-Sozialen Bewegung, ärgert dies, macht ihn etwas fassungslos und fragt: "Wodurch ist diese hervorgerufen?" Er hat da so eine Vermutung, die folgende Beobachtung stützt: "Für die Arbeitgeber fehlt in der Sozialdemokratie jede Anerkennung." Daher könnte es sein, droht er am 12. Februar 1906 (1212) im Reichstag an, dass in Kreisen der Staatsmänner, die Lust zu Reformen vergeht.

Darauf lässt sich der Staatsekretär nicht ein. Offenbar beurteilt er die Lage und Fähigkeit der Arbeiterbewegung zu reagieren, anders ein. Er fragt (1906):

"Wie kommen wir trotzdem bei der Schaffung einer Arbeiterpartei voran, "die innerhalb des gegebenen Staates", des "bürgerlichen, des monarchischen Staates" steht? Wir haben, den "allerdringendsten Grund die christliche Arbeiterbewegung zu unterstützen".

Wenn Posadowsky die Stärkung der christlichen Arbeiterbewegung erstrebt, assistiert ihn (am 12. Februar 1906) Stoecker wieder: "Und wenn die Herren von der äußersten Linken mit einer diabolischen Klugheit immer so tun, als ob sie allein die Interessen der Arbeiterwelt verträten, und die anderen Arbeiter glauben machen, daß das wirklich so sei, - wir im Reichstage sollten das nicht nachmachen, sondern immer unterscheiden zwischen der Arbeiterwelt und der Sozialdemokratie, die in ihren Interessen gar nichts miteinander zu tun haben. (Sehr richtig! Rechts)" Hierauf antwortet am 14. Februar (1906) August Bebel im Reichstag: "Den Kampf mit Herrn Stoecker und Konsorten nehmen wir gerne auf. Er soll sich uns nur stellen ...."

"Gegen die Kritik seiner ursprünglichen Verbündeten im konservativen Lager lenkte Posadowsky in die Bahnen der Politik des "Neuen Kurses" zurück, die 1896 abgebrochen worden war", fasst die Entwicklung Joachim Bahlcke (Kulturstiftung) zusammen. "Als Ziel schwebte ihm eine Trennung von Sozialdemokratie und Arbeiterbewegung über die christlichen Gewerkschaften vor, die sich im Jahre 1901 zum "Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands" zusammenschlossen."

Als Kandidat des Reichstages  zurück  für den Wahlkreis Bielefeld prägt er im November 1911 in einer Wahlkampfrede den moralischen Imperativ des Klassenkampfes:

"Die Sozialdemokratie ist nur geistig und sittlich zu überwinden. Dazu gehört aber viel Ruhe, Gerechtigkeitsliebe und Uneigennützigkeit der besitzenden Klassen. Wer Recht erringen will, muß selbst Recht haben und vor allem Freiheit des Individuums."

 


Rede
vor dem Reichstag 1905


hören
(1: 46 Minuten, mp3)

Überwindung der Sozialdemokratie und des Materialismus

Geistige und sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes durch Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit

Trotz Wahlrecht kann die Herrschaft der besitzenden Klassen aufrechterhalten werden

 

Posadowsky hält  zurück  am 12. Dezember 1905 (241)
im Reichstag eine Rede zum Kampf gegen die Sozialdemokratie. Ist sie überhaupt zu besiegen? Aufschlussreich worin er die Schwäsche der bürgerlichen Gegner sieht:

"Die sozialdemokratische Bewegung, die Sozialdemokratie, wurzelt unzweifelhaft in einer durchaus materialistischen Weltanschuung. Ich kann aber nicht leugnen, auf Grund der Beobachtung, die ich im täglichen Leben gemacht habe, das mit unserem wachsenden Reichtum auch in unseren besitzenden Klassen ein Maß materialistischer Weltanschauung, materialistischer Genußsicht gewachsen ist (vielfaches Sehr richtig! in der Mitte und links), das mich manchmal mit Besorgnis und Bedauern erfüllt. (Zustimmung in der Mitte links.)

Und darin sehe ich auch den eigentlichen Grund, dass die bürgerliche Gesellchaft nicht die Kraft hat, die Sozialdemokratie zu überwinden, weil in der Sozialdemokratie und in unserer bürgerlichen Gesellschaft mit ihrem wachsenden Reichtum, weil in beiden ein Materialismus herrscht, der kongeniale Erscheinungen auf Grund der derselben Ursache erzeugt. (Sehr gut!).

Die bürgerliche Gesellschaft wird die Sozialdemokratie auch nicht mit großen Worten überwinden, sondern sie wird sie nur überwinden, wenn sie in sich selbst geht, wenn sie selbst diesen materialistischen Standpunkt verläßt, und wenn in das ganze Leben der bürgerlichen Gesellschaft wieder ein größeres Maß sittlich Ernstes einzieht."

 

Erneut verleiht Posadowsky dem Kampf gegen die Sozialdemokratie

am 6. Februar 1906

zurück einen neuen Impuls. Nachdem er im Plenarsaal viele an ihn gerichtete Fragen systematisch beantwortet hatte, ist die Sozialdemokratie an der Reihe.

Wie kann man, lautet seine Frage, gegen die drei Millionen Stimmen der Sozialdemokratie ankommen?

Er unterscheidet zwischen einer berechtigten und einer unberechtigten Arbeiterbewegung. Die Sozialdemokraten, so lautet der zentrale Vorwurf, stellen Forderungen, "die weder im Gegenwartsstaat noch im Zukunftsstaat" "noch in irgendeinem Staate der Welt jemals zu erfüllen sein werden". Denn ihre Erfüllung würde zum Zusammenbruch des gesamten wirtschaftlichen Lebens und mit ihm des Staates führen. "Weil die Sozialdemokratie hiervon überzeugt ist, erklärt sie: der ganze bestehende Staat muss beseitigt werden. Wie dieser Zukunftsstaat aussehen würde, davon habe ich wenigstens keinen Begriff. [Sehr gut!]

Deshalb muss man es doch begrüßen, wenn eine Arbeiterbewegung besteht und sich weiterentwickelt, die erklärt:

ja wir sind auch dafür, dass die materielle Lage der Arbeiter dem wachsenden Wohlstande des gesamten Volkes entsprechend eine besser wird,

dass die Löhne der Arbeiter den gestiegenen Lebensbedürfnissen und gestiegenen Lebensmittelpreisen folgen,

dass der Arbeiter in größerem Masse als bisher auch an öffentlichen Angelegenheiten beteiligt ist, aber wir wollen dies Ziel mit gesetzlichen Mitteln verfolgen in dem bestehenden monarchischen Staat, innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft."

Seit etwa 1897 artikulieren die Junker ein massives Interesse an der Erhöhung der Einfuhrzölle für Agrarprodukte, wogegen sich wiederum die Bank- und Handelsbourgeoisie auflehnt. Recht und Freiheit räumen der Interessenpolitik den Platz. In der Sozial- und Zollgesetzgebung schmiedet Posadowsky an Bündnissen und Kompromissen, die realen ökonomischen Klasseninteressen Rechnung tragen. Es war nicht immer leicht, ihm zu folgen. Denn mitunter artikulierte er, was manche öffentliche Kontroverse auslöste, sein Verhältnis zu den ökonomischen Bedürfnissen der verschiedenen sozialen Klassen und Gruppen in Abhängigkeit von den aktuellen strategischen und taktischen Aufgaben der Kommunikation. Dabei konnte er sogar in die "Rolle des Anti-Posa" schlüpfen, sozusagen als Gegengewicht zum Streben der unteren Schichten nach Verbesserung ihrer Lebenslage. Augenzeuge seiner Verwandlungskünste, die er am 26. Februar 1905 auf einem politischen Forum darbot, war der "Wirtschaftliche Wochenbericht" vom Vorwärts (Berlin). Den von der Sozialpolitik ausgelösten heftigen Gang der Gesetzgebungsmaschine sollte man, forderte er, "die Stärkung des politischen Einflusses der Landwirtschaft, das heißt der junkerlichen Position, die er als "festen Anker unseres Staates" bezeichnete", entgegensetzen.

August Bebel oder die ihm zugeneigte SPD "Volksstimme" aus Magdeburg stellten ihn mir nichts dir nichts unter das Verdikt, ein "Land- und Industriebündler" zu sein. Der SPD-Vorsitzende behauptete gar, Posadowsky sei durch den Verkehr mit den Kapitalisten so verwirrt, dass er nicht mehr das sozialpolitisch Richtige erkenne. Daraufhin fragt der am 12. Dezember 1900 in der Beratung zum Haushalt für das Rechnungsjahr 1901 im Plenum des Reichstages etwas listig zurück:

Wo sollten im Bundesamt die vielen Kapitalisten sein?

Selbstironisch fährt er fort:

".... aber im Übrigen, glaube ich, verkehrt niemand mit den Kreisen, die man vorzugsweise als kapitalistisch bezeichnet, weniger als ich."

Zum Verhältnis von Unternehmer und Arbeiter entfaltete Posadowsky ganz eigene Vorstellungen, die beispielsweise am 16. Dezember 1897 vor dem Reichstag zur Sprache kommen: "Ich habe aber ferner allerdings ausgeführt, daß es außerordentlich bedenklich sei, sämtliche Erwerbszweige Deutschlands polizeilich reglementieren zu wollen, daß man auf diesem Gebiet nur mit der äußersten Vorsicht vorgehen sollte; denn es sei bedenklich, Verordnungen zu erlassen, die sich in ihrer Ausführung gar nicht kontrollieren lassen und die sehr leicht dahin führen, daß das Verhältniß zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der soziale Frieden, der zwischen diesen beiden Kategorien unbedingt bestehen muß, aufs schwerste gefährdet wird. Das Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann man nicht nur auf den rechtlichen Vertrag stützen, es muß auch ein gewisses Pietätsverhältniß bestehen."

Aber was für eine Enttäuschung brandete durch die sozialdemokratisch beeinflußte Öffentlichkeit, als das von ihm unterzeichnet Rundschreiben vom 11. Dezember 1897 zur Strafverschärfung des Paragraphen 153 der Gewerbe-Ordnungs-Novelle, veröffentlich im "Vorwärts" am 15. Januar 1898, bekannt wurde! Sah so das pietätvolle Verhältnis von Arbeiter und Unternehmer aus?

Das "Vaterland" verkörpert eine zweite gestaltende Idee zum Verhältnis von Unternehmer und Arbeiter. August Bebel tut so, wirft ihn Posadowsky am 13. Dezember 1897 (171) im Reichstag vor, als ob die Mittel der Landesverteidigung nur den Besitzenden, den Reichen und Kapitalisten zugutekommen. Wohl kann er seine Warnung, die indirekten Steuern für die Lohnabhängigen nicht zu stark zu erhöhen, verstehen, und will ihm hier "durchaus beipflichten". Nicht unterstützen will er dessen Darstellung, "als ob die Armee und Marine nur da waren zum Schutze des Besitzes, der reichen Leute", weshalb er fragt:

Hat denn "der Arbeiter bei uns kein Vaterland?"

Die Sozialdemokraten lassen sich auf die Vaterlandsidee ein. Politiker wie Gustave Hervé (1871-1944) schlagen sie aus, weil sie darin ein Konstrukt des Nationalismus erkennen. Folglich lehnten sie ebenso die Vaterlandsverteidigung ab. Und darauf kam es Posadowsky-Wehner besonders an, wenn er argumentiert, die arbeitende Klasse steht nicht außerhalb unserer Gesellschaft. Deshalb muss sie ebenfalls, untermauert er seine Worte weiter, ein "Interesse an der Sicherheit des Staates" und der "Aufrechterhaltung des Friedens" haben. Andernfalls "wäre aber allerdings die Aufrechterhaltung des allgemeinen direkten Wahlrechts auch nicht mehr berechtigt".

 

Menschenbild als Humankraft  zurück

Den Politiker Arthur Graf von Posadowsky-Wehner trägt die Überzeugung durch die Politik, dass Empathie und soziale Pflicht des Christen in der Sozialpolitik zusammenwachsen. "Ich halte die Sozialpolitik", resümiert er 1911 in der Bielefelder-Rede, "für ein sittliches Gebot, für ein Gebot der christlichen Religion und jedes Religions-Bekenntnisses jedes gebildeten Volkes." Den asozialen, nach materiellen Werten strebenden Menschen lehnt er ab. Gestalten ohne Mitgefühl fürchtet er. Als 1930 in Deutschland mit den Notverordnungen soziale Leistungen gekürzt werden, warnte er: "Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr …." (V&R 74)

Den Propheten Jesaias, "Ein Jeglicher sieht auf seinen Weg, ein Jeder geizet für sich in seinem Stande", führt er als Inbegriff des lieblosen und unsozialen Menschen vor. Feine Gemüter haben Mitgefühl und suchen, diesen Empfindungen in Wort und Tat Ausdruck zu verleihen. (V&R 74) Das tätige Mitgefühl mit seinen Stammesgenossen erhebt Posa zur vaterländischen Pflicht. Wir nennen es oft schlicht "Solidarität".

Über freilich immer notwendige individuelle moralische Maßstäbe des Handelns hinaus, sucht er gesellschaftliche, dass Rechtsgefühl, den Anstand und die gegenseitige Achtung betreffende Normen zu etablieren und Wirkung zu verschaffen. In der "Wohnungsfrage, ein Kulturproblem" (146), plädiert er 1920, ohne den Begriff zu verwenden, unmissverständlich für ein Recht auf Wohnung. Alle Klassen und Schichten, sollten ein Interesse daran haben, dass die minderbemittelten Schichten unter Verhältnissen wohnen, die den Anforderungen der Gesundheitspflege und Sittlichkeit entsprechen. Das sollte besonders dann gelten, wenn der Arbeiter sein einziges Besitztum, die Arbeitskraft, verliert.

Graf von Posadowsky zeichnet ein gesundes soziales Empfinden und Verständnis für die Lebenslage der arbeitenden Klassen aus. Was würde werden," fragt er am 13. Dezember 1897 den Reichstag, "wenn - was Gott verhüte! - wir einen unglücklichen Krieg führten, Handel und Wandel stockten, die Fabriken still ständen, der heimische Boden nicht mehr so intensiv bearbeitet würde: - wovon sollte dann der Arbeiter leben! Die besitzenden Klasse können viel leichter über halten; die haben etwas zuzusetzen, nicht aber der Arbeiter, der von der Hand in den Mund lebt."

Zur Arbeiter-Frage nimmt er eine entschiedene und positive Haltung ein. Das Ansehen der Arbeiter und Arbeiterinnen muss gehoben und ihr Selbstvertrauen gestärkt werden. "Außerdem muß selbstverständlich die gerechte Behandlung des Arbeiters sowohl seitens der Regierungsorgane wie der bürgerlichen Gesellschaft hinzukommen, um sich das Vertrauen des Arbeiters zu erwerben und zu erhalten." (Possdowsky 12.12.1905, 240)

 

 

Kernsätze der Sozialpolitik  zurück

Die Sozialpolitik konstituiert sich aus dem Widerspruch von immer begrenzten ökonomischen Ressourcen einerseits und andererseits dem unerschöpflichen Bedürfnis, die Produktivkraft Arbeit zu erhalten und zu fördern. Ihre merkantile Ausgestaltung greift tief in die Wertverhältnisse des nationalen Lohn- und Renten- sowie Gesundheitssystems ein. Volkswirtschaftlich betrachtet, handelt es sich dabei um die Gestaltung des Verhältnisses von Ordnung und Markt. Zwangsläufig unterliegt die Sozialgesetzgebung dem Kampf der Interessen der sozialen Klassen, Gruppen und Parteien sowie der alltäglichen Polemik von Presse und Ansprüchender Öffentlichkeit. Die Materialisierung der Sozialpolitik hängt vom politischen Kräfteverhältnis der im Reichstag konkurrierenden Parteien, den Gewerkschaften, dem Einfluss der Unternehmer nebst ihren Organisationen und Verbänden ab. Sozialpolitik verstand Posadowsky nicht als Praxis sozialer Geschenke an eine geschundene arbeitende Klasse. Vielmehr lotete er ihre Möglichkeiten und Grenzen im Feld von Humanität, Rationalität und Ökonomie aus. Zweifellos ermglicht die Planung und Bewertung sozialpolitischer Maßnahmen mit Hilfe dieses Prinzips vernünftige staatspolitische Entscheidungen und stellte daher ein notwendiges und fortschrittliches Prinzip dar, obwohl heute kaum noch jemand davon die Lösung aller Probleme erwartet. Denn wir sidn politisch, sozial und moralisch für die offenen und versteckten Atavismen sensibilisiert. Trotzdem sollte man nicht der Versuchung erliegen, das Prinzip aufzugeben, denn die Fragestellung bleibt uns erhalten, sie tritt immer wieder, in unterschiedichster Form an uns heran.

Wenn die Wohlhabenheit in unserem Land steigt, erörtert Posadowsky das Problem am 12. Dezember 1905 (240) im Reichstag, wachsen gleichzeitig die Ansprüche an die Schulbildung und Kultur der äußeren Lebenshaltung. Ebenso verlangt der Arbeiter nach einem größeren Anteil am Gewinn der industriellen Produktion. Werden sich damit alle Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen Sozialpolitik aufheben? Dieses Problem stand am 14. Januar 1904 in der Reichstagssitzung in folgender Form zur Debatte,

"dass alle schwächeren Volkskreise Anspruch auf die Hilfe des Staates haben sollten."

"Wenn wir diesen Grundsatz annehmen," antwortet Posadowsky, "dass jeder Anspruch auf die Hilfe des Staates hat, soweit es sich um die Sicherung seiner Zukunft handelt,

dann würden wir allerdings dem Idealstaat des Abgeordneten Bebel sehr nahestehen."

Die nationale Gefahr für Reich und Staat entsteht nicht wie im Streit der Kontrahenten angedroht, wenn dies ausgeschlagen, sondern wenn dieser Grundsatz angenommen wird. Mit sozialpolitische Initiativen vom Herzen, die bringen meist viel Ehr. Doch die Regierung ist verpflichtet, erklärt Posadowsky in der Reichstagsdebatte am 14. Januar 1904 (267), sie mit dem Kopf zu prüfen.

Für das Unternehmertum avisiert Posadowsky klare Leitideen. Wie das auszusehen hat, teilt er ihnen am 22. Januar 1902 im Fluss der Beratung zum Etat des Reichshaushalts mit:

"Meine Herren,
wenn sie den Weg gehen, jedesmal die Fabrikanten zu entschädigen, wenn wir ein Verfahren ausschliessen, das gesundheits- oder lebensgefährlich für die Arbeiter ist, dann fürchte ich, riskieren Sie, die ganze sozialpolitische Gesetzgebung zum Stillstand zu bringen .…

Das wäre eine Belastung des sozialen Fortschritts, die wir gar nicht ertragen könnten."

Oft wird die deutsche Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie und im Dienst der Domestizierung der Arbeiterklasse interpretiert. Man spricht von wachsenden Aufgaben für die Systemstabilisierung. Andere begreifen sie vor allem als Pflegeleistung zur Produktivitätssteigerung der Arbeit. Posadowsky-Wehner überschreitet deutlich den Horizont sowohl einer populistisch wie ökonomistisch fundierten Sozialpolitik. Für ihn ist sie, eine universelle kulturelle Aufgabe, ohne die kein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt möglich (V&R 126ff.). Damit überschreitet er den Horizont der sozialethischen Auffassungen der Posener-Zeit, die die Pflicht zur sozialen Fürsorge vor allem aus dem Gebot der christlichen Sittenlehre ableiteten.

Einerseits widersprach er ".... auf das heftigste, wenn der Centralverband deutscher Industrieller Forderungen, die der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit am Arbeitsplatz galten, als sozialdemokratisches Anliegen zurückwies." (Bahlcke 96) Das beruhte auf der Überzeugung,

dass die Sozialpolitik nicht die zwangsläufigen und unverrückbaren wirtschaftlichen Gesetze überschreiten und zerstören darf, weil sonst riesige volkswirtschaftliche Schäden zu gegenwärtigen sind (V&R 213).

Was er hier 1932 in "Volk und Regierung" als

ökonomisches Gesetz der Sozialpolitik

artikuliert, beruht auf seinen praktischen Erfahrungen im Reichsschatzamt und Reichsamt des Inneren und geht, soweit es einzusehen, auf seine Rede vom 12. Dezember 1905 vor dem Reichstag zurück. Es ist ein durchgreifendes ökonomisches Kraftmoment der Sozialpolitik und -gesetzgebung überhaupt. Von der Linken und extrem linken Opposition, verstärkt nochmal durch seine Funktion im Februar 1919 als Oppositionsführer der Deutschnationalen Volksparrtei (DNVP) in der Weimarer Nationalversammlung, wird er zurechtgestutzt oder verstümmelt. Soll er selbst zu Wort kommen (vgl. 12.12.1905, 240), um Klarheit zu schaffen: Das Bestreben um einen größeren Anteil der Arbeiter am Gewinn des Unternehmens betrachtet er "an sich verständlich und auch berechtigt." Doch darf die Produktion dadurch nicht in einer Weise verteuert werden, dass diese konkurrenzunfähig, lebensunfähig oder reproduktionsunfähig wird.

"Wenn der Unternehmer nicht mehr die Aussicht hat, sein Kapital wirklich gewinnbringend anzulegen, wird eben die Unternehmungslust überhaupt zurückgehen …" "Werden also die Forderungen an die Löhne überschraubt, wird die Ware zu teuer, das Geschäft zu riskant, so leidet unter den fortwährenden Streiks zunächst die Unternehmerlust des deutschen Unternehmerstandes, dann trägt aber in zweiter Reihe den Rückschlag der Arbeiter, weil sich die Arbeitsgelegenheit entsprechend vermindert." 

Die Gewinn-Beteiligung des Arbeiters am Unternehmen setzt ein Mindestgefühl an Gerechtigkeit voraus. Natürlich in den ökonomischen Formen und Verhältnissen, die sowohl während seiner Amtszeit von 1893 bis 1906 und jetzt 1919 herrschen. Wie sonst? Vielleicht als Sonntagsversprechen, hochmoralisch verkündet, von Absichtserklärung getragen, deren ökonomische Überforderung nur noch notdürftig symbolisch kaschiert? Das ist nicht Posadowsky´s Art! Als Reformpolitiker wählt er den schwierigen und unbequemen Weg über das Feld, wo Humanität und Ökonomie zusammenwachsen.

Nach fast zehnjähriger Tätigkeit als Staatssekretär des Inneren, ernennt ihn am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg, zum Vertreter des sozialen Königtums. Die Kaufmannsgehilfen-Tagung am 9. Februar 1926 in Naumburg begrüßt ihn als

Vorkämpfer der deutschen Sozialpolitik.

Im Kampf um die soziale Frage versprüht der Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren überzeugend seinen Optimismus, den Geist von Freiheit und Wohlstand. So eben im Eröffnungsreferat am 23. Mai 1907 auf der 11. Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose in Berlin. Beeindruckend dabei, wie er mit den sozialen Ursachen von Krankheit umgeht, das heißt, den Gedanken der Prophylaxe in den Mittelpunkt stellt, um das Elend zu bekämpfen. Sozialpolitik war also für ihn nicht nur die Installation der Krankenversicherungs- und Rentengesetzgebung. Sie umfasste die nationale Gesundheitserziehung und -belehrung, lag aber natürlich außerhalb seiner administrativen Zuständigkeit. Er wollte nicht nur Helfer in der Not, sondern auch Förderer der Gesundheit sein, was er in die Worte fasste: "Wer dafür kämpft, den Massen Leben und Gesundheit zu erhalten, der kämpft für die Stärke und Zukunft unsres Vaterlandes." (Gesundheit 22.4.1926)

 

Wollte oder durfte er nicht?  zurück

An der Prügelorgie sind beteiligt Paul Singer von der SPD, Peter Spahn vom Zentrum, Waldemar von Oriola von der Nationalliberalen Partei und Wilhelm Kardorff von der Deutschen Reichspartei.

Prügelknabe Posadowsky. In: Jugend. Nummer 9. München, den 18. Februar 1904.

Eifrig schreitet der Staatsminister des Inneren auf dem deutschen Weg der Wirtschaft fort, der sich durch die Sozialpolitik deutlich vom anglo-amerikanischen Wirtschaftssystem unterscheidet. Er erkannte sehr wohl, schreibt Albin Gladen (85f), "dass staatliche Sozialpolitik in eine emanzipatorische Gesellschaftspolitik einmünden müsse, die den Arbeitern Freiheit und Möglichkeit zur Selbsthilfe gab." Das verlangte die Aufhebung des politisch-diskriminierenden Zensuswahlrechts mit anachronistischer Wahlkreiseinteilung und die uneingeschränkte Koalitionsfreiheit. An die Lösung der Arbeiterfrage nicht nur sozialpolitisch heranzugehen, sondern sie als Verfassungsfrage anzuheben, das wollte er nicht verantworten.

Wollte oder durfte er nicht?

Über welche Handlungsspielräume verfügte der Staatssekretär a) innerhalb der institutionellen und b) in den Grenzen der kaiserlich-herrschaftlichen Subordinationsverhältnisse? Was konnte er gestalten und entscheiden?

Für die einfachen Wechselfälle des Lebens hält Graf von Posadowsky am 16. Februar 1895 folgende Lösung bereit: "Glaubt eine Verwaltungsbeamter, dass innerhalb seines Ressorts eine falsche Politik getrieben wird, so kann er wohl seine Gegenvorschläge machen, aber er wird keine andere Politik treiben als sein Chef." (Kardorff) Doch darum handelt sich hier nicht. Es ist eher die Frage: Was lässt das persönliche Regiment von Wilhelm II. zu? Regierung, Beamtenschaft usw waren "… durchsetzt von dem Bestreben, die Gunst, der Allerhöchsten Person für sich zu gewinnen bzw. zu erhalten" (Röhl 133). ".… immer weiter frisst sich die Überzeugung Bahn, die sämtlichen Minister seien nicht selbständige Männer, die nach ihrem guten Glauben handeln, sondern mehr oder weniger Puppen, die blindlings den Winken und Launen ihres kaiserlichen Herren folgen" (W. J. Mommsen 64). "Die Reichskanzler, die Staatssekretäre der Reichsämter und die preußischen Minister waren praktisch zu Handlangern der Monarchen herabgesunken ...." (Röhl 130). Das System auf dem Prinzip des "allerhöchsten Vertrauens" und Schmeichelns, musste zur Katastrophe führen (Röhl 130).

 

 

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär  f ü r  Sozialpolitik 
zurück
Ära Posadowsky 12.08.1893 bis 24.6.1907

Im Reichstag stößt die Fortsetzung der Sozialpolitik auf Widerstand, was erwartungsgemäß von ideologischen Kontroversen begleitet ist. Seine Gegner stellen das

Prinzip der Kontinuität

in Frage. In der Reichstagsdebatte am 9. März 1907 (344/345) argumentiert der Staatssekretär des Inneren: Ein Volk, dass in der Bildung fortgeschritten, stellt auch im Unglück höhere Anforderungen an seine Lebensführung als die Armenpflege gewähren kann. "Deshalb kann ein Volk von dem Kulturstande des deutschen Volkes die Sozialpolitik nicht aufhalten und nicht aufgeben, trotz aller stillen und offenen Gegner." Folglich kann die Sozialpolitik kein "verhängnisvoller Schritt" dagegen sein. Doch die wird nicht darin einmünden, stellte er bereits in der Reichstagsrede am 13. Dezember 1897 heraus, "alle Erwerbszweige polizeilich zu reglementieren, um schließlich einen sozialistischen Polizeistaat herbeizuführen, in dem sich die Arbeiter nicht wohler befinden dürften als bisher, in dem aber die besitzenden Klassen sich zu bewußten Gegnern des Staats herausbilden würden."

Das Kellerfest des Hottentottenblocks. (Grossbild)
Aus: Der Wahre Jacob, Nummer 542, Stuttgart, den 30. April 1907, Seite 5367   zurück

Seit der freikonservative Abgeordnete Karl von Camp-Massen (1846-1918) ab Juni 1907 seine Angriffe gegen ihn, den Vizekanzler, richtete, wofür er gleichsam in den Freiherrenstand erhoben, und die Norddeutsche Allgemeine jede Woche vom bornierten Unternehmerstandpunkt aus verleumderische Anklagen gegen die modernen Gewerkschaften erhob, konnte kein Zweifel mehr bestehen, dass die Tage Posas gezählt waren. (VS 25.5.1907) Meist äußern sich, so schildert er die Lage am 9. März 1907 (344) im Reichstag, seine Widersacher öffentlich nicht in schroffer Weise. Doch sie bekämpfen jeden einzelnen (Fort-) Schritt und sorgen dafür, dass für den Schwachen nur das Notwendigste geschieht. "Und, meine Herren," streitet Posadowsky am 5. März 1907 für seine Politik vor dem Hohen Hause, "dass gegen mich in der Öffentlichkeit, persönliche gehässige, giftige und verleumderischen Angriffe gerichtet sind, das ist allgemein bekannt …." "Es gibt eben Richtungen, die wollen, dass ein Staatssekretär gegen Sozialpolitik besteht.

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär für Sozialpolitik.
(Lebhafter Beifall in der Mitte, links und bei den Sozialdemokraten.)"

 

 

Kolonialpolitik - Nachtragshaushalt - Weltstellung (Bülow)  zurück

Unter der Kanzlerschaft von Leo von Caprivi (1890-1894) und Carl Viktor Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894-1900), so interpretiert es Paul Wittko (1925), konnte Posadowsky seine Leistungskraft voll entfalten. Als Bernhard von Bülow 1900 übernahm, da brachten die "Temperamentsunterschiede" der Männer bald allerlei Misshelligkeiten zu Tage. "Seine trockene und ernste Art passte überhaupt nicht zu der glitzernden Persönlichkeit des vierten deutschen Kanzlers [Bernhard von Bülow]." (BT 24.10.1932)

Posadowsky zweifelt an der Sinnhaftigkeit der Kolonialpolitik, was er 1911 in der Bielefelder-Rede so zum Ausdruck bringt: [a] "Wir haben ein ungeheures Kolonialgebiet zu erschließen, wozu gewaltige finanzielle Mittel im Laufe der Zeit notwendig sein werden. Große, wilde Flächen ohne reiche Mittel zu ihrer Erschließung sind aber rein imaginäre Werte. Ein Land wo die Europäer nicht arbeiten können, und die Eingeborenen nicht arbeiten wollen, bedeutet keine Verstärkung unserer wirtschaftlichen und politischen Macht." [b] "Alle kolonialen Erwerbungen hat man bisher damit begründet, dass wir bei unserer schnell wachsenden Volkszahl Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. Es ist aber falsch, zurzeit von einer Überbevölkerung Deutschlands zu sprechen." Ob in Deutschland überhaupt ein entbehrlicher Bevölkerungsüberschuss besteht, erscheint ihm fraglich. Sein einstiger Dienstherr Reichskanzler Bernhard von Bülow (1906, 3958) war anderer Meinung. "Die Frage steht nicht so: ob wir kolonialisieren wollen oder nicht;" gibt er 1906 unumwunden vor, "sondern wir müssen kolonialisieren, ob wir wollen oder nicht."

Differenziert man die Aussagen vom Kanzler und seinem Stellvertreter aus, dann verdichtet sich die Vermutung, dass in Kernfragen der "Weltpolitik" politische Differenzen bestanden.

Im Morgengrauen des 20. Juli 1905 reißen in Nandete im Matumbiland (Deutsch-Ostafrika) eine Frau und zwei Männer Baumwollpflanzen aus dem Boden. Eine Aktion die zum Signal für den Aufstand der Maji-Maji wurde. Es folgen Massaker und Strafexpeditionen bis Chief Chabruma´s Kämpfer durch die deutsche Schutztruppe am 25. Juni 1906 in Ungoni eingeschlossen und vernichtet. Der Aufstand der Maji-Maji gegen die repressive Kolonialherrschaft endet am 18. Juli 1908 mit der Erschießung von Rebellenführer Mpangiro.

1904 traten in Deutsch-Südwestafrika die Herero und Nama (von den Deutschen abschätzig als "Hottentotten" bezeichnet) in den Aufstand. Nach der verlorenen Schlacht am Waterberg, wollten sie durch Omaheke ins Betschuanaland (Botswana) ziehen. Deutsche Truppen verhinderten ihre Wasseraufnahme und ließen sie verdursten. Wer dem Massensterben entkam, vegetierte dahin oder starb oft im Konzentrationslager.

Die deutsche Kolonialherrschaft kostete nicht nur viel Geld. Matthias Erzberger (1875-1921), 1907 Kandidat für die Reichstagswahl im Wahlkreis Biberach, Leutkirch, Waldsee, Wangen, wandte sich gegen die Kolonialkriege, die verbunden mit Grausamkeiten, Morden und Terrorismus, forcierte durch die Veröffentlichung skandalöser Zustände, Zum Beispiel zur Tätigkeit der Firma Tippelskirch & Co. GmbH, die politische Krise, die 1907 in die Reichstagsauflösung einmündet.

Der Wahre Jacob aus Stuttgart stellt im Juli 1907 die Bülow-Schlächterei vor.

Bernhard von Bülow (1849-1929), Reichskanzler von 1900 bis 1909, hetzt seine Hunde auf Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, der in der Karikatur "Metzel Suppe" symbolisch als Wurst dargestellt ist.

Die original Bildunterschrift lautet: "Man sieht doch gleich die gute Rasse, - sie läst keinen `ran und schnappt den besten Happen weg."

Metzel Suppe. In: Der Wahre Jacob.
Jahrgang 24. Heft 548. Stuttgart, den 23. Juli 1907, Seite 5473

Paul Wittko schreibt 1925 im Kontext der Krise von 1906/07: "Posadowsky, stets unbedingt wahrheitswillig und von großer, fast zu großer Ehrlichkeit ...."

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Kanzler Bernhard von Bülow legt im August 1906 dem Reichstag einen Nachtragshaushalt vor, der zusätzlich 29 Millionen Mark für die Kolonialtruppen und den Bau einer angeblich kriegswichtigen Eisenbahn vorsieht. Erzberger vom Zentrum fordert die Reduzierung der Truppen und der von der Regierung beantragten Gelder. August Bebel, SPD, prangert die deutsche Ausrottungsstrategie an. Laviert aber. Er kann sich eine "Kolonisation als große Kulturmission" vorstellen. "Man will

Weltpolitik großen Stils treiben,

man will endlich die langersehnte Kolonialarmee schaffen", konkretisiert es am 14. Dezember 1906 der Vorwärts aus Berlin. Mindestens 5000 Mann, gegebenenfalls auch mehr, sollen in Südwestafrika bleiben. Reichskanzler Bernhard von Bülow interveniert am 13. Dezember 1906 gegen die widerspenstigen Abgeordneten des Reichstages:

"Die Regierung kann sich von den Parteien nicht vorschreiben lassen, wieviel Truppen sie für kriegerische Zwecke braucht." "Nochmals, es handelt sich um unsere Weltstellung."

Die SPD (78 Abgeordnete), das Zentrum (103 Abgeordnete) die Fraktion der Polen (16 Abgeordnete), und mit ihnen Posadowsky-Wehner, stimmen am 13. Dezember 1906 gegen den Nachtragshaushalt für das Kolonialamt. Die Regierungsvorlage wird mit 178 zu 168 Stimmen ablehnt. Unmittelbar danach löste Reichskanzler Bülow auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II. das Parlament auf. Als Termin für die Neuwahl des Reichstages wurde der

25. Januar 1907 festgesetzt.

 

 

Die Reichstagswahlen 1907  zurück

Deutsch Konservative, Nationalliberale und Linksliberale bildeten ein Wahlbündnis, um Reichskanzler von Bülow zu stützen. Es war gegen das katholische Zentrum und die Sozialdemokratie gerichtet.

 

 

Foto: Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Wahlkampf 1907

Herkunft, Datum und Autor der Fotografie sind unbekannt. Am linken Bildrand ist auf dem Plakat der Name "Kaempf" zu lesen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den ehemaligen Stadtrat von Berlin, den Juristen und Reichstagspräsidenten (1912-1918) Johannes Kaempf (1842-1918). Seit 1901 war er Mitglied des Reichstages und Fraktionsvorsitzender der Freisinnigen Volkspartei. Er kandidiert im Wahlkreis Alt-Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorothenstadt und Friedrichstadt-Nord. Am 25. Januar 1907 finden die Wahlen zum 12. Deutschen Reichstag statt. Das obige Foto, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner ist darauf gut zu erkennen, könnte eine Szene aus diesem Wahlkampf darstellen.

 

Welche Aussage enthält das obige Foto? Eine Aktion der Freisinnigen Volkspartei? Nimmt sie vielleich eine reservierte Haltung zur Kolonialpolitik und den Etatsteigerungen zur Finanzierung der Militärvorlagen ein? Schwerlich zu glauben, weil bekannt, dass sie allmählich in das Lager der "Flottenrüstung" und "Weltpolitik" wechselten. Es war doch wohl so: Mit der Auflösung des Reichstages am 6. Dezember 1906, hoffte man durch anschließende Neuwahlen mit den Nationalliberalen und Freisinnigen, einen konservativen Block im Reichstag zu formieren. Auf diese Weise sollten die Kolonial-Gegner zurückgedrängt werden.

Am Wahltag - den 25. Januar 1907 - entscheiden sich 28,9 Prozent der Wähler für die SPD, womit sie 2,8 Prozent der Stimmen einbüßte und 38 Sitze verlor. Das Zentrum erreichte fast unverändert 19,4 Prozent, die Nationalliberale Partei 14,5 Prozent, die Deutschkonservativen 9,4 Prozent. Im Ergebnis war der Reichstag jetzt ohne Stimmen des Zentrums mehrheitsfähig, gestützt auf: Nationalliberale Partei + Deutsche Volkspartei + Deutschkonservative + Freisinnige Volkspartei + Freisinnige Vereinigung.

 

 

Verteilung der 397 Abgeordnetensitze
gemäss den Ergebnissen der Reichstagswahl
am 25. Januar 1907

 

SPD
Zentrum
NLP
DtVP
DRP
FVp
43 / -38
105 / +5
55 / +4
7 / +1
24 / +3
28 / +7
   
FVg
Region.
Bauern
DKP
Antisem.
Unabhä.
14 / + 5
29 / -3
9 / +1
60 / +6
21 / +10
2 / -1
           

Wahlbeteiligung: 84,7 Prozent

SPD - Sozialdemokratische Partei Dtl.

Zentrum - Deutsche Zentrumspartei

NLP - Nationalliberale Partei

DtVP - Deutsche Volkspartei

FVp - Freisinnige Volkspartei


DRP - Deutsche Reichspartei

FVg - Freisinnige Vereinigung

Antisemiten - Antisemitenparteien

DKP - Deutschkonservative Partei

Region. - Regionalparteien, Minderheiten

Bauern - Bauernpartei

 

Tief enttäuscht, die SPD vom Wahlergebnis. Das "Einströmen neuer Wählermassen," analysiert die Volksstimme aus Magdeburg, "die bisher unterhalb des politischen Bewußtseins lebten, hat den bürgerlichen Parteien für den Augenblick ein starkes Übergewicht verschafft". Auch der Wahlkreis Naumburg-Zeitz mit dem Kandidaten A. Thiele ging verloren. "Das Kennzeichen der Wahlen", kommentiert die Leipziger Volkszeitung am 28. Januar 1907, "ist das Aufhören der bürgerlichen Opposition. Was übrig geblieben, ist ein trostloser Brei."

 

 

Posadowsky´s Sturz  zurück

Gelegentlich einer Beratung am 28. Februar 1907 traten zwischen Posadowsky und Bernhard von Bülow erhebliche Unstimmigkeiten auf. Der Reichskanzler wirft ihn später vor, über eine bestimmte Sachlage nicht ausreichend informiert zu haben. Außerdem erwartete er von ihm bei der Vertretung seiner Politik mehr Unterstützung. Der Chef wurde krank und sein Staatssekretär für Inneres übernahm regulär die Leitung der Reichsgeschäfte. Obwohl hierfür zweifellos zuständig, führte die Reichskanzlei sie selbständig, sozusagen parallel, weiter und unterzeichnete Dokumente mit "Im Auftrage des Reichskanzlers". Das führte natürlich zu weiteren ernsten Verstimmungen. (Arnim / v. Below 1925) Als dann noch bekannt wurde, dass der Staatssekretär Bestrebungen des Zentrums unterstützt haben soll, geredet wurde gar über die parteipolitische Unterstützung des Zentrums aus dem Reichsamt heraus, war das Maß voll.

"Reichskanzler darf Graf Posadowsky auf keinen Fall werden. Denn wo soll das hinaus, wenn einer für sein Amt den nötigen Verstand gleich mitbringt! Das ist gegen alle preußische Traditionen."

Posadowsky Hetze. In: Der Wahre Jacob.
Jahrgang 24. Heft 540, Stuttgart, den 2. April 1907, Seite 5367

Ende März kreisen Gerüchte, dass die Position des Grafen erschüttert ist. Zum 24. Juni 1907 verlässt er das "Saatsschiff". Warum?

(a) Er war gegen die Auflösung des Reichstags. Ein radikaler Bruch mit dem Zentrum, worauf das Vorgehen vom Kaiser und Reichskanzler abzielt, kommt ihm ungelegen, da er es zur Durchsetzung seiner Sozialpolitik braucht. Wird es mit seinen 103 Abgeordneten gestutzt, beeinträchtigt dies die Weiterführung seiner Sozialpolitik. So kann man sagen, dass sein Abschied als Staatssekretär des Inneren im Zeichen der Blockpolitik stand.

(b) Gewiss spielen beim Sturz Rivalitäten eine Rolle. Die Freie Presse aus Wien tratsch am 25. Oktober 1900 aus, dass Graf Posadowsky und Miquel nicht nur stille Rivalen für das Reichs-Kanzleramt sind, sondern noch als Bülow´s Rivalen gehandelt werden.

"Man hatte freilich dem Kaiser geflissentlich eingeredet," erzählen am 3. Juni 1930 die Danziger Neueste Nachrichten, "dass der Graf krankhaft ehrgeizig sei und durchaus Kanzler werden wolle. Unter Hohenlohe war er verschiedene Male dicht dran, den Posten zu bekommen, bis Bülow als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes die Gunst des Kaisers erwarb und Dauphin der Wilhelmstraße 77 wurde."

(c) Was befürchten die Gegner von einem Reichskanzler Graf von Posadowsky? Die Infragestellung der Kolonialpolitik, vielleicht sogar der "Weltpolitik"? Sicher überliefert ist, das er in ihr kein Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit sah. Ob es als Streitthema reichte, die institutionalisierte Politik des Reiches weiter auszudiffrenzieren, ist fraglich.

Ähnlich verhält es sich mit der Möglichkeit einer gründlichen Revision der Nationalitätenpolitik. Bülow bringt am 26. November 1907, wie oben bereits erwähnt, in das preußische Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Gesetzes ein, der es erlaubt, polnischen Grundbesitz zu enteignen. Dies war nicht nach Art eines Posadowsky-Wehner. Und Fürst Bülow wußte wahrscheinlich ....

der Text unter dem Bild lautet: "Wat rausschmeissen wollen Se mir. Ich habe vierzehntägige Kündigung. Mit mir jeht det nicht so wie mit Posadowsky`n."

Simplicissimus. 12. Jahrgang, No. 16. München, den 15. Juli 1907

Sein Sturz entspricht", kommentiert am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg, "mehr noch als den Wünschen des Fürsten Bülow jenen der scharfmacherischen Reichspartei, die den ehemaligen Vertreter der Zuchthausvorlage, den Hauptmitarbeiter des Hochschutzzolltarifs, den Vertrauensmann der Landbündler und Industriebündler, seit er sich in der Auffassung seines Amtes zu etwas modernen Anschauungen gewandelt hatte, als ihren Todfeind zu behandeln pflegte."

"Über die Entlassung von Posadowsky", reicht am 26. Juni 1907 das Jenaer Volksblatt nach, "ist noch zu bemerken, dass er schon längst all den Kreisen der Großindustrie und des unsozialen Junkertums verhasst war, denen selbst die unvollkommene, zögernde und reaktionäre Sozialpolitik Posadowsky noch zu "revolutionär" erscheint." Besonders von den Montanindustriellen zog sich der Sozialpolitiker den Unwillen zu.

Mit ihm scheidet am 22. Juni 1907 aus der Reichs- und preußischen Staatsregierung, bemerkt die Volksstimme (Magdeburg) drei Tage später,

"die einzige bedeutende Persönlichkeit, der letzte, dem auch der Gegner Achtung entgegenbringen konnte."

Nachfolger wird der preußische Polizeiminister und spätere Reichskanzler Theodor von Bethmann Hollweg.

Am Tag des Rücktritts als Staatssekretär des Inneren ist Posadowsky-Wehner 62 Jahre alt. Er verlegt jetzt seinen Wohnsitz nach Naumburg, wo er bereits seit 1901 dem Domkapitel angehört.

Die Entlassung von Posadowsky vergisst die politische Öffentlichkeit nicht so schnell. Abermals kommt sie in der Nachricht "Kampf um die Macht" über die Reichstagssitzung vom 7. Februar 1913 zur Sprache, wo es heißt: "Das Auftreten des Staatssekretärs Dr. Delbrück erinnerte an die letzte Rede, die im Reichstage sein Amtsvorgänger Graf Posadowsky als Staatssekretär gehalten hat. Auch Graf v. Posadowsky erklärte damals den ostdeutschen Junkern, dass er ein "grundsätzlicher" Gegner ihrer Politik sei. Er wolle kein Minister gegen, sondern für die Sozialpolitik sein. Herr von Delbrück hat am Freitag [den 7. Februar 1913] dasselbe, wenn auch mit anderen Worten gesagt. Graf v. Posadowsky war kurze Zeit nach jener Rede aus seinem Amt ausgeschieden worden."

 

 

"Die Wohnungsfrage ist nicht mehr
eine soziale Frage,
sie ist jetzt die soziale Frage." Posadowsky-Wehner 6. Februar 1913, Reichstag  zurück

Kinderreiche Familien, Geringverdiener, Erwerbslose, Invalide, und Greise hausen in Löchern mit stickiger Luft und unzureichendem Sanitär. Besonders in den industriellen Zentren des Landes herrscht große Wohnungsnot. Alkoholismus und andere die Gesundheit zerstörende Laster haben in nicht unerheblichem Maße hier ihre Ursache. "Es ist in immer tiefere Kreise unsere Bevölkerung das Bewußtsein eingedrungen," stellt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner 1913 im Reichstag fest, "dass ein großer Teil der körperlichen und sittlichen Leiden der minderbemittelten Schichten aus den ungenügenden Wohnverhältnissen hervorgeht, die namentlich in den großen Städten bestehen. (Lebhafte Zustimmung rechts und links im Zentrum)."

Trotzdem bleibt die Wohnung das materiell-soziale Fundament für die Gestaltung des familiären und persönlichen Lebens. Hundert freundliche Arbeiterhäuschen lösen das Problem nicht. Geräumige, hygienisch einwandfreie Großblöcke sind der Maßstab der Stunde für den sozialen Wohnungsbau. Daß die Lösung der Wohnungsfrage für die Besitzer von Schlössern anders aussieht als in den Arbeitervierteln von Berlin, war Posa immer gegenwärtig, ohne dass er sich deshalb in den Klassenkampf stürzte. Er tritt schlicht der Ausbeutung der Mieter durch die Hausbesitzer und Grundbesitzer entgegen, bemerkt 1907 die "Volksstimme" aus Magdeburg.

"Wir unterstützen die Säuglingspflege, wir schaffen Jugendgerichtshöfe, wir verfolgen Laster und Verbrechen;" aber schränkt Posadowsky ein, "damit kurieren wir aber nur auf die Symptome, wenn wir nicht die Hauptkrankheitsursachen, die sittliche bedenklichen Wohnungszustände, beseitigen." (6.2.1913, 3548/3549)

"Die Wohnungsfrage ist nicht mehr eine soziale Frage, sie ist jetzt die soziale Frage", erklärt er am 6. Februar 1913 (3548/3549) vor dem Reichstag, sie "ist jetzt die soziale Frage." In der Reichstagsdebatte 1912 erweitert er den Ersten Hauptsatz der Sozialpolitik um die Aufgaben der praktischen Wohnungsbaupolitik, die in unserem schnell wachsenden Volk auf eine zügige schnelle und spürbare Verbesserung der Wohnverhältnisse in der Unterschicht und den Arbeiterfamilien hinwirkt.

Welche enorme sozialpsychologische und politische Reichweite die gestaltende, auf die werktätigen Massen ausgerichtete Wohnungspolitik hat, erschließt sich ebenso mit dem berühmten Satz von Karl Marx 1859 (9) aus der Zur Kritik der politischen Ökonomie. Vorwort: "Es ist nicht das Denken der Menschen, das ihr Sein bestimmt, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Denken bestimmt."

Moralischen Grundsätze und sozialen Anschauungsweisen, Marx Sein-Bewußtsein ausnahmsweise frech hineingemogelt, prägen sein Wohnungspolitisches-Konzept. Darin verflechten sich normative Ansprüche an die gesellschaftliche Moral mit einem komplementären Menschenbild und ökonomischen Leitorientierungen. Für ihn ist selbstverständlich: "Will man die Wohnungsverhältnisse der Bevölkerung positiv fördern, so muß man auch finanzielle Maßregeln treffen - und solche erwarte ich vorzugsweise von den Bundesstaaten und den Gemeinden die es denen ermöglichen, die nur ein kleines Sparkapital besitzen und im übrigen für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen nichts als ihre redlich Arbeitskraft bieten können, sich damit in unserem Vaterlande ein gefundenes Heim zu schaffen."

Posadowsky stellt die Bedürfnisse der Arbeiter und kleinen Angestellten in den Mittelpunkt der Wohnungspolitik. Seine wichtigsten Vorschläge sind: gesetzliche Festlegungen zum Bau von ausreichend Kleinwohnungen, städtische Wohnungspolitik unter Nutzung des Erbbaurechts, finanzielle Förderung des Wohnungsbaus für die minderbemittelten Schichten. - Es ist besonders der Mangel an gesunden hellen Kleinwohnungen, der die Mieten weiter in Höhe steigen läßt.

 

Vom 16. bis 19. Oktober 1904 findet in Frankfurt am Main der

Erste Allgemeine Deutsche Wohnungskongress,

statt. Er unterstützt dies nachdrücklich. Um die Mieten für die Reichsangestellten zu senken, schlägt er den Bau von eigenen Wohnungen vor.

Die Ergebnisse des Wohnungskongresses lassen unschwer die tiefen Gegensätze und Unterschiede erkennen, die in der Gesellschaft allgemein und bei den verantwortlichen (Fach-) Politikern zur Lösung des Wohnungsproblems als soziales Problem bestehen. Die Interessenlage der involvierten sozialen Gruppen sehr unterschiedlich.

Zur Eröffnung des Kongresses füllte sich in Frankfurt a. M. ein Riesensaal bis auf den letzten Platz. Konfrontiert mit dem Schlafgängerwesen oder der Not einer Familie mit 10 Personen in einem Zimmer zu leben, bewegt die Anwesenden tief. Ihre Spaltung tritt in der Tätigkeit des Organisationsausschusses des Allgemeine Deutschen Wohnungskongress zutage, der nur eine von ihm zugelassene Erklärung zur Abstimmung bringen will. Dagegen protestiert eine sozialdemokratische Gruppe und veröffentlicht am Sonntag, den 18. Oktober ein Dokument. Darin bezeichnet sie den preußischen Wohnungsgesetzentwurf zur Linderung der Wohnungsnot als völlig ungeeignet, weil der Landtag die Klassenprivilegien pflegt und die Gemeinden (rücksichtslos) das Hausbesitzervorrecht realisieren.

 

Am

5. Januar 1910

bittet der Bayerische Verband für Wohnungsförderung
in München
Posadowsky-Wehner zum Vortrag unter dem Thema:

Die Wohnungsfrage
als Kulturproblem.

Zunächst analysiert er die Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, wobei kritische Untertöne zur Kolonialpolitik anklingen: In den besten Kolonien, wie Südwestafrika, die 26 Jahre zu Deutschland gehören, siedelten lediglich 6 210 Deutsche, während sich die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 18 Millionen erhöhte. "Auch die wärmsten Vertreter einer starken Kolonialpolitik werden hiernach die Hoffnung kaum mehr aufrechterhalten können, dass unsere Kolonien imstande wären, einen irgendwie nennenswerten Teil unserer wachsenden Bevölkerung aufzunehmen."

Wenn wir den jetzigen Kulturstand halten wollen, kalkuliert der Graf, dann müssen ausreichend Wohnstätten geschaffen werden, die den gesundheitlichen und sittlichen Anforderungen genügen. Gegenwärtig lebt die Stadtbevölkerung zu vier Fünftel in Kleinwohnungen mit zwei bis drei Räumen. "Aber nur in sehr großen Entfernungen von ihrer Arbeitsstelle können sie sie finden `zum Schaden ihrer Arbeits- und Nachtruhe und ihres Familienlebens`". Etwa 63 Prozent der Bevölkerung leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. In einzelnen Orten sind sie bis zu 59 Prozent mit zwei, ja sogar mit drei Schlafgängern belegt, was "die kaum glaubliche Zerrüttung des Familienlebens in den Arbeiterfamilien" bedingt. Staat, Städte und Gemeinden müssen deshalb eine neue Richtung im Wohnungsbau einschlagen.

"..... gerade von der Entwicklung des Erbbaurechts, glaube ich," präzisiert er am 6. Februar 1913 (3548) vor dem Reichstag seine Vorstellungen, "ist eine sehr wirksame Förderung des Wohnungswesens zu erwarten; denn das Erbbaurecht hat den großen Vorzug, erstens, dass das bebaute Grundstück nicht aus dem Hypothekenverbande des Stammgrundstücks ausgelöst zu werden braucht; ferner erlaubt es auch minder bemittelten Personen, ein derartiges Grundstück im Wege des Erbbauvertrages zu erwerben, weil kein Kapital zu zahlen ist, sondern nur eine fortlaufende Rente, und endlich hat er für den Besitzer des Grundstücks den wesentlichen Vorteil, dass er Eigentümer seines Grundstücks bleibt, und ihm deshalb auch der Gewinn aus der Steigerung des Preises für den Grund und Boden zufließt, sobald die Erbbaufläche nach Ablauf des Erbbauvertrages wieder in sein Eigentum zurückkehrt."

Um den Wohnungsbau mit angemessenen Preisen realisieren zu können, müssen die Gemeinden endlich reichlich und vorsorgend Grund und Boden ankaufen.

Für dringend notwendig hält er den Bau von Wohnungen für Reichsangestellte, damit, wie er es ausspricht, die Mieter der Ausbeutung durch die Hausbesitzer und Grundeigentümer entrinnen können.

Über den Münchner Vortrag 1910 fällt die sozialdemokratische Wochenschrift Die Neue Zeit (1910) ein vielsagendes Urteil:

"Und wenn Posadowsky noch nicht a. D. wäre, die Kreise, deren Interessen er als Minister vertreten hat, würden, ihn nach dieser Rede schonungslos wegjagen. Doch freilich als er noch im Amte war, hat er an den geheiligten Privilegien der Kapitalisten nicht gerüttelt."

 

Auf dem

Zweiten Deutschen Wohnungskongress
vom 11. bis 14. Juni 1911 in Leipzig

hält Doktor Graf von Posadowsky-Wehner als Ehrenpräsident die Eröffnungsrede. Er gilt auf dem Gebiet der Wohnungspolitik als Fachmann und findet in der deutschen Presse weithin Beachtung. Der ehemalige Staatssekretär und Stellvertreter des Reichskanzlers fordert Wohnungsgesetze und Vorschriften, die sicherstellen, dass gewisse mit dem Bebauungsplan einbezogene Landstücke nur mit Kleinwohnungen bewirtschaftet und die darauf errichteten Häuser ebenfalls nur als Kleinwohnungen benutzt werden dürfen. Sozialpolitisch und wirtschaftlich ist es falsch, beklagt er, die minderbemittelten Klassen in weitentfernten Vororte zusammenzudrängen. Höchst wichtig hingegen bleibt, die Ausgabe von Land zum Erbbaurecht, was die Möglichkeit eröffnet, mit geringen Kostenaufwand den Besitz von Grund und Boden für Wohnungszwecke auf die Lebensdauer mehrere Geschlechter hinaus zu erwerben. Dies erhärtet er nochmal in seiner Rede vor dem Reichstag am 6. Februar 1913 (3549).

Dazu sind, legt er am vom 28. Februar 1912 im Reichstag dar, zwei Maßregeln notwendig.

A) Das Erbbaurecht ist für die Städte, die möglichst große Ländereien erwerben, das geeignete Mittel, um auf dem Wege des Kleinwohnungsbaus für die minderbemittelten Volksklassen gesunde und preiswerte Wohnungen zu schaffen. Allerdings müssen dazu die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zum Erbbaurecht entsprechend ergänzt werden.

B) Die Städte können die Aufgabe nicht alleine lösen. Das Großkapital muss Mut und Luft haben, die Förderung des Wohnungsbaus mittels dem Erbbaurechts zu unterstützen. Die Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem ist nur mittels öffentlicher und privat-unternehmerischer Investitionen möglich. Durch entsprechende Ergänzungen der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches würde sich, dass Großkapital interessiert zeigen. Zurzeit ist das nicht der Fall, weshalb rechtlich an der Liquidität der Anlagen oft Zweifel bestehen.

Das Konzept der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, welches die Sozialdemokraten noch immer im "Erfurter Programm" (1891) favorisieren, ist logisch nicht mit diesen Aufgaben vereinbar. Trotzdem, ächzt Posadowsky, halten sie daran fest. Allerdings fallen jetzt Teile der SPD davon ab, nahm er bei seinem vorbereitenden Literaturstudium wahr. Nun wäre es, rät er, an der Zeit festzustellen, dass die "Vergesellschaftung" ein Irrtum, also nicht ausführbar ist. Auf diese Weise drängte sich so am 27. Februar 1912 - was nicht überraschend kam - der entscheidende Unterschied zwischen konservativer und sozialistischer Denkweise, die Haltung zum Privateigentum an Produktionsmitteln, in die Reichstagsdebatte.

 


Preußische Wohnungs-Gesetz vom 28. März 1918

Noch bevor der Krieg beendet, erlässt Preußen am 28. März 1918 das Wohnungs-Gesetz. Artikel 1 sieht "Enteignung mit Rücksicht auf das Wohnungsbedürfnis" vor. Posadowsky stellt das Wohnungsbedürfnis der wirtschaftlichen Unterklasse in den Mittelpunkt der Bemühungen. Die Entlassung der Kriegspflichtigen und die Abwanderung vom Lande in die Industriegebiete verstärkt den Wohnungsmangel. Von jedem Zuziehenden ist jetzt ein Nachweis über eine Wohnung zu fordern oder der Arbeitgeber stellt ihm eine solche bereit. Nur so lässt sich eine gewisse Ordnung im städtischen Wohnungswesen aufrechterhalten. Gefragt ist die Verantwortung des Arbeitgebers. Das aber gemeinnützige Vereine das Risiko übernehmen, die benötigten Wohnungen auf Vorrat zu bauen, hält er für Unwahrscheinlich. Es ist dringend ein Gleichgewicht zwischen vorhandenen Kleinwohnungen und dem Wachstum der Bevölkerung zu schaffen. Vor allem müssen Kleinwohnungen gebaut werden. (Wohnungsnot und Freizügigkeit, 12. Oktober 1918, 136 bis 139)

 

 

1920 legt Graf von Posadowsky in

"Die Berliner Wohnungsfrage"

erneut Vorschläge vor und wiederholt:

"Von allen Fragen sind die Wohnungsfrage und die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs diejenigen, die am tiefsten in das Volksleben eingreifen."

Typisch hier wieder, der Realismus mit dem er vorgeht. Offensichtlich reichen, muss er registrieren, alle bisherigen Bemühungen, besonders wegen des schnellen Bevölkerungswachstums, nicht aus. Sie zeigen keinen durchschlagenden Erfolg. Und der wird weiter ausbleiben, warnt Posadowsky, solange nicht für die Benutzung der Wohnungen allgemein gültige Mindestanforderungen aufgestellt und deren Durchführung überwacht werden. Speziell für den Bau von Kleinwohnungen und deren Nutzung sind dringend Gesetze notwendig. Um zu niedrigen Mietpreisen zu gelangen, favorisiert er erneut das Erbbaurecht. "Entschliesst man sich nicht zu durchgreifenden Massnahmen," warnt er, "so wird Laster und Verbrechen der Großstadt sich in einem Masse weiterentwickeln, das für das Volksleben nicht nur in den Großstädten, sondern des ganzen Landes bedrohlich wird."


 

Abgeordneter des Reichstags  zurück

1915 gehört er zu den „Berliner Reichstagsköpfen“, die man öfter auf den Straßen der Stadt sieht. Der Mann mit der überaus schlanken Figur und dem aristokratischen Gelehrtengesicht wurde am 12. Januar 1912 bei den letzten Wahlen zum Reichstag in Bielefeld als Kompromiss-Kandidat von Konservativen, Zentrum, Wirtschaftlicher Vereinigung des Bundes der Landwirte und Nationalliberalen als Sieger ausgezählt und schlug damit den Sozialdemokraten Carl Severing (1875-1952) aus dem Feld. Er ist Hospitant bei der Reichspartei, die einst unter der Führung des Großindustriellen Freiherrn v. Stumm stand.

Im Januar 1916 bildet sich im Reichstag die "Deutsche Fraktion" als Zusammenschluß von zwölf Mitgliedern der Freikonservativen, fünf aus der Wirtschaftlichen Vereinigung, zwei aus der Deutschen Reformpartei, fünf Deutschhannoveranern, zwei bayerischen Bauernbündlern und dem Grafen Posadowsky. (Vgl Reichspartei)

In der Nationalversammlung, beobachtet 1919 "Der Welthandel", sitzt er in den Reihen der Deutschnationalen, teilt mit Clemens von Delbrück deren geistige Leitung in den politischen staatsrechtlichen Fragen.

 

"Bei der letzten Reichstagswahl vor dem I. Weltkrieg 1912 errangen in der Stadt Bielefeld die Kartell Parteien (Nationalliberale und Konservative) mit dem Zentrum unter Führung des Kandidaten Posadowsky 28,9 Prozent, die Fortschrittspartei / der Freisinn mit Schepp 18,5 Prozent der gültigen Stimmen, zusammen 47,40 Prozent. In der folgenden Stichwahl konnte Posadowsky allerdings nur 37,7 Prozent auf sich vereinigen." (Bielefeld)

 

Die Kandidatur als Reichstagsabgeordneter begann im November 1911 in Bielefeld. Aus seiner Rede auf einer Volksversammlung sind folgende Gedanken überliefert:

  • Um ein "ungeheures Kolonialgebiet zu erschliessen, will man zu dessen Finanzierung "Besitzsteuern" einführen. So wurde die Notwendigkeit kolonialer Erwerbungen durch Deutschland damit begründet, dass wir bei unserer schnell wachsenden Bevölkerung Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. "Es ist aber falsch, zur Zeit von einer Übervölkerung Deutschlands zu sprechen."

  • Der Kern der Landesverteidigung bildet das Landheer. Darauf muss sich der Staat konzentrieren. "Ein etwaiger Krieg wird neue Ansprüche stellen. "Dazu ist im Offizierskorps ein frischer Geist und ein frischer Mannesmut erforderlich ...."

  • Mit der Landesverteidigung steht die Frage der Finanzierung. Die Reichsfinanzreform sieht eine Tilgung der Schulden vor. "In keinem Fall dürfen wir in die alte Schuldenwirtschaft zurückfallen." Wir sollten in der Ausgabenpolitik etwas Sparsamkeit walten lassen.

  • Wir sind stolz auf die epochemachenden Leistungen von Deutschland auf dem Gebiet der Sozialpolitik.

  • Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschland ist erstarkt. "Dass sie jemals zu herrschenden Partei wird und so ihre programmatischen Ziele verwirklichen könnte," ist "völlig ausgeschlossen."

Wahlkampfauftritte erledigte er pflichtbewusst. Und man hörte wenig Tadel. Doch ein großer Wahlkämpfer war er nicht. Von einem Szenarium der Signale und Symbole hielt er nicht viel. Stimmung, Beliebtheit und Redegewandtheit, was das Wahlvolk so liebte, interessierte den Parlamentarier Posadowsky wenig. Ihm lag die vom demokratischen Wahlbetrieb generierte populistische Effekthascherei nicht. Das steigerte in Wahlzeiten nicht unbedingt seine Popularität.

Hinzu kam, allgemeine Reden, zumindest denen im Reichstag, mist er eine geringe Wirkung bei. Ich glaube nicht, reflektiert er in der Reichstagssitzung am 12. Dezember 1905 (238), dass der Abgeordnete Herr von Kardorff überzeugt worden ist von einer Rede des Herrn Abgeordneten Bebel. Und so glaube ich umgekehrt nicht, dass der Herr Bebel durch eine Rede des Abgeordneten von Kardorff wesentlich beeinflusst wurde.

 

 

Posa und das deutsche Volk.
Simplicissimus. 18. Jahrgang, No. 40. München, den 29. Dezember 1913, Seite 687

 

 

 

.... alle in einem Boot  Posadowsky  zurück

Die Kriegsmaschine muss in Gang gehalten werden. Infolger der Absperrungen der Alleierten, muss das Volk viel durchmachen. "Je mehr dieser Riesenkampf zur Entscheidung drängt, desto gewaltiger sind naturgemäß die Anstrengungen, die zu fordern sind, und je mehr wachsen die Opfer, die jeder einzelne zu bringen hat." Die Anforderungen die der Staat an jeden stellen muss, haben auch die Leichtfertigsten vom ernst der Lage überzeugt. Dieser Krieg ist kein historisches Zwischenspiel, vergleichbar vielleicht mit 1870. Jeder möge sich vorstellen, was passiert, wenn wir den Sieg nicht erringen. "Erst ällmählich ist die Erkenntnis von der entscheidenden Bedeutung dieses Krieges für das Dasein unseres Volkes und für das Leben eines jeden Deutschen tiefer in das Bewußtsein gedrungen." (38) "Die Starken und Schwachen, die Hoffnungslosen und die Besorgten, die Wohlhabenden und Armen, sie fahren alle in einem Boot und müssen deshalb alle ihre letzte Kraft anstrengen." "Wer wäre lau genug, um einen Augenblick zögern in Erfüllung dessen, was das Land von ihm erwartet ..." Mars regiert die Stunde!" (1915, 38 bis 41)

 

Im August 1915 konnte man, so war seine Ansicht, noch nicht übersehen, welche wirtschaftlichen Verschiebungen der Krieg mit sich bringt. Offenbar bereitete ihm die Abschaffung der Golddeckung der Mark und die Finanzierung des Krieges auf Kredit zunächst keine besonderen Sorgen.

 

Der Landrat Graf Posadowsky, bisher Kreischef in Lowicz, meldet am 25. Juli 1916 das "Fremden-Blatt" aus Wien, wurde in die Zentralverwaltung nach Warschau berufen.

 

Vom 8. April 1917 findet sich folgende Nachricht: Wilhelm II. sprach Posadowsky-Wehner, der seit August 1915 das Landratsamt in Elbing führte, seinen Dank für vorbildliche Pflichterfüllung aus. Der übernahm einst diese Aufgabe, um den Inhaber des Postens, seinen Sohn, den Eintritt in den Heeresdienst zu ermöglichen. Zum 1. April 1917 bat er den Kaiser, ihn von dieser Funktion zu entbinden.

 

 

Friedensresolution 1917  zurück

Im Kampf um die Mandate der Deutschen Nationalversammlung eröffnet er am 15. Januar 1919 den Naumburgern in der Reichskrone:

"Ich habe seinerzeit gegen die Friedensresolution vom Juli 1917 im Reichstag gestimmt ….".

Damit war sichtbar, DER gehört zur nationalen Opposition. Dem können wir vertrauen, sagte der konservative Wähler, der will den Siegfrieden. Und es verlor sich etwas ihre Furcht vor dem billigen und faulen Frieden.

Die militärische Lage war kritisch. Deutschland eröffnet Ende Januar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Reichskanzler Theobald Bethmann Hollweg stand ihm skeptisch gegenüber, weil er nicht den erhofften Erfolg zeitigte, eine Fehlentscheidung war. Die USA treten am 6. April 1917 in den Krieg gegen Deutschland ein. Der von US-Präsident Woodrow Wilson verkündete "Kreuzzug für die Demokratie" destabilisierte das europäische Staatensystem weiter. Um das Interesse Deutschlands an einem "Frieden ohne Annexionen" zu signalisieren, bringt am 17. Juli 1917 Matthias Erzberger (Zentrum), nach Absprache mit der Regierung und der OHL (Oberste Heeresleitung), getragen von Sozialdemokraten, Zentrum und Fortschrittlern, in den Deutschen Reichstag

die Friedensresolution

ein. Einen ersten Entwurf akzeptierte Bethmann Hollweg bereits am 10. Juli. Er fand, verbunden mit der Zusage, dass in Preußen geltende Dreiklassenwahlrechts durch das gleiche Wahlrecht zu ersetzen, die Zustimmung des Kaisers. Zwei Tage später erfährt davon die Öffentlichkeit. (Fritz Fischer 339) Die Reaktion darauf war heftig. Besonders die Alldeutschen polemisierten gegen Bethmann Hollweg. Angeblich stände er, hiess es, unter "jüdischen Einfluß". Der alldeutsche Chemieprofessor Hans von Liebig in Gießen bezeichnet ihn als "Kanzler des Judentums" (Bernd 75).

Konservative, antidemokratische und rechtsradikale Kreise antworten auf die Friedensresolution Anfang September 1917 mit der Gründung der Vaterlandspartei (DVLP). Die nationale Opposition erblickt in der Friedensresolution ein Zeichen des Verrats, weil sie nicht dem Willen der Mehrheit des Volkes zum Ausdruck bringt. Wer möchte denn keinen Frieden, fragt sie?, und untermauert ihr Vorgehen mit: "Nervenschwache Friedenskundgebungen verzögern aber nur den Frieden. Unsere auf die Vernichtung Deutschlands bedachten Feinde erblicken in ihnen nur den Zusammenbruch deutscher Kraft." (Vorwärts 10.09.1917)

"Wer eine solche Friedensresolution fasst," lässt Graf von Posadowsky-Wehner verlauten, "weckt den Verdacht, dass er die Hoffnung auf den Sieg aufgegeben hat, und erschüttert damit auch die Siegeszuversicht des Heeres." Das sagt er nicht einfach dahin. Bereits 1915 auferlegt er dem Einzelnen in Was regiert die Stunde, die moralische Pflicht zu prüfen, was er für die Heimat in dieser Stunde tun kann.

Sein Naumburger DNVP-Parteikollege Georg Schiele schliesst sich der Friedensresolution ebenfalls nicht an. Dessen politische Schlussfolgerungen zum Kriegsverlauf und zur volkswirtschaftlichen Entwicklung fallen noch deutlich anders aus. Das Größere Deutschland braucht nach Überzeugung von Georg Schiele nicht Maß, Zurückhaltung, Vorsicht und Achtung gegenüber anderen Nationen. Vielmehr bekümmert ihn die mangelnde "Bausicherheit" des deutschen Welthandels. Es war "zu wenig auf Macht," heisst es in Waffensieg und Wirtschaftskrieg (1918), "auf Eigentum, auf Respekt gegründet."

 

Kundgebung der deutschen Wirtschaftsstände
für die 7. Kriegsanleihe
am 28. September 1917 zurück

 

 

Kundgebung der deutschen Mittelstände für die 7. Kriegsanleihe. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den Freitag den 28. September 1917, Seite 6

 

 


Jede Zeit ist eine Sphinx,
die sich in den Abgrund stürzt,'
sobald man ihre Rätsel gelöst hat.
 zurück
Heinrich Heine: Romantischen Schule (1836)

Vor dem Krieg zweifelte die Freideutsche Jugendbewegung an der Fähigkeit der wilhelminischen Elite zur sozialen Empathie und ihren Willen zu Reformen. Radikalopportunistisch und indolent, zu wenig am Aufbau einer friedlichen Welt interessiert, so lautet ihr Urteil. Tatsächlich traf die Elite nach dieser historisch singulären Staatspleite von 1918 ein ungeheurer Reputationsverlust. Das moralische Ansehen der Alten war gründlich ramponiert, weshalb Stefan Zweig (1881-1942) 1918 fordert:

"Die neue Republik darf nicht von
den alten Akrobaten der Gesinnung geführt sein."

Dieser Posadowsky-Wehner! Ist er nicht durch seine ehemals hohen Ämter verdorben? Werfen wir dazu noch seine Worte aus der Nationalversammlung vom 14. Februar 1919 in die Runde:

"Wir haben nichts zurückzunehmen von dem, was wir bisher vertreten haben. Wir sind treue und überzeugte Diener unserer Herrschaftshäuser gewesen, mit denen das deutsche Volk durch jahrhundertelange Arbeit durch Freud und Leid unauflöslich schien."

Ihn wegen dieser Redepassagen, dass Urteil vom rückwärtsgewandten Politiker oder Gegner der Republik aufzuherrschen, wäre falsch und extra-ungerecht, weil sie quer zur Tendenz seiner politischen Entwicklung liegen und den Blick auf die Tätigkeit für die Weimarer Republik verstellen. "Jedenfalls bleibt er in Erinnerung," gedenkt die Frankfurter Zeitung 1932 seiner, "als einer der Aufrechten aus der wilhelminischen Zeit." Andererseits warten bis heute namhafte Publikationen mit dem Fehlurteil vom "Gegner der republikanischen Staatsordnung" auf.

Hinter dem Dreiundsiebzigjährigen liegen arbeitsreiche Jahre: Referendar am Breslauer Stadtgericht, Gutsverwalter, Landrat, Landeshauptmann der Provinz Posen, Chef des Schatzamtes, Staatssekretär des Inneren, Stellvertreter des Reichskanzlers, Landtags- und Reichstagsabgeordneter und die Vertretung in Elbing.

U n d  j e t z t ?

Sein christliches Weltbild mit hohem moralischen Ansprüchen, der fortschrittliche Reformgeist und die grenzenlose Schöpferkraft bewahren ihn vorm Sturz in den Abgrund. Kriegsniederlage und Versailles lassen ihn innerlich nicht zur Ruhe kommen. Überhaupt, es sind weniger die Schattenseiten der Revolution als die ungeheuerlichen Zumutungen des Versailles Friedensvertrages, die Posadowsky großen politischen Kummer bereiten. "Dieser Vertragsentwurf", daraus macht er am 12. Mai 1919 in der Nationalversammlung keinen Hehl, "ist ein Gemisch von französischer Rachsucht und englischer Brutalität". "Man will eine ungeheure Brandschatzung am deutschen Goldbestand durchführen." Deutschland verliert die gesamte Handels- und Fischereiflotte, was die Ernährungsnöte verewigt. So darf man das deutsche Volk nicht behandeln. Dieser Vertrag kann nicht erfüllt werden. (GA 13.5.1919) "Für die Feinde Deutschlands" werde der Tag kommen, zitiert ihn 1921 Arthur Crispien (USPD / SPD), wo "die Rache der Götter" auf sie niederstürze".

"Weder die Regierung noch das Volk", das ist seine feste Überzeugung, "hat den Krieg gewollt." Er "ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant". Deshalb empfindet er es als ungerecht und empörend,  zurück  wenn die Alliierten Deutschland jetzt in die Rolle des Kulturschänders drängen. So scheint es, als ob der Gedemütigte auf die Rede von Staatssekretär Richard von Kühlmann (1873-1948) vom Auswärtigen Amt schon lange gewartet hat, um endlich am 27. Juni 1918 der Presse mitteilen zu können:

"Bezüglich der Schuld Rußlands am Kriege bin ich doch der Meinung des Herrn v. Kühlmann, England und Frankreich war aber dieser Krieg nicht unwillkommen. Ich bedauere, dass gegenüber den Verleumdungen unserer Gegner unsere Regierung nicht immer prompt geantwortet hat. Durch diese Unterlassung hat sich in den Köpfen unserer Feinde der Aberglaube festgesetzt, dass wir die Schänder der Kultur sind. Die Welt muss dagegen erfahren, welche Verbrechen gegen uns und unseren Gefangenen täglich begangen werden. Dank der deutschen Siege haben sich die Randvölker befreit."

U n d  w i e  w e i t e r?

Vor dem Krieg war Deutschland ein aufblühendes Staatswesen mit aufsteigender Klassenbewegung. Infolge der schweren Rezession registriert der Staatssekretär a. D. nach dem Krieg den umgekehrten Vorgang, die höher gestellten Klassen sinken nach unten. (V&R 74) Posadowsky fürchtet, dass Deutschland unter den Lasten und Folgen des Krieges zerbrechen könnte, womit es auf lange Zeit die entscheidende Voraussetzung für Wohlfahrt und Entfaltung der Kultur - die staatliche Einheit - einbüßen würde. Ihm scheint, die Sozialdemokraten könnten es retten, also den Zusammenhalt der deutschen Einzelstaaten in der Republik gewährleisten. Möglicherweise, wahrscheinlich, genauer ist es jetzt nicht zu sagen, gewisse Anzeichen sprechen dafür, verändert dies sein Verhältnis zur Sozialdemokratie positiv. Sie, räumt er im Aufsatz Gegen Bauer und Noske (4), gezeichnet am 7. Oktober 1919, ein, wartete nach dem 9. November mit den zielstrebigeren und entschlosseneren Politikern auf, währenddessen die Bürgerlichen danebenstanden.

Große Sorgen bereitet ihn Zukunft des Deutschtums, worüber 1919 in "Unsere Auslandsdeutschen" nachdenkt. "Jetzt kommen infolge des  zurück  Friedensvertrages große gemischtsprachige Gebiete unter polnische Herrschaft oder sind in Gefahr, unter polnischen Einfluss zu kommen …. " (100). In der West- und Ostmark werden viele Deutsche gezwungen sein durch feindliche Anordnung oder durch persönliche Verhältnisse, "ihre bisherige Heimat zu verlassen". Für alle die solchen Bedingungen nicht unterliegen, "sollte es eine heilige Pflicht sein, auf ihrem Posten auszuhalten. Sie sollten sich als Vorposten der deutschen Sache betrachten und stets eingedenk bleiben, dass jeder, der kleinmütig dem Kampf um die Stellung des Deutschtums in jenen gefährdeten Gebieten ausweicht, damit auch die deutsche Zukunft jener Länder preisgibt." Jetzt wird sich zeigen, ob die deutsche Gesinnung nur Festbegeisterung und Redegut auf Versammlung war, oder der Ausdruck opferbereiter Liebe zum Vaterland und zum eigenen Volke." (101) Durch die traurigen Verhältnisse werden viele Deutsche gezwungen sein, das Mutterland zu verlassen, um in fremden Ländern einen neuen Lebensraum zu suchen. "Die Auswanderung kann deshalb nicht mehr bekämpft, sondern muss planmäßig gefördert werden. Pflicht der heimischen Volksgenossen wird es sein, alle die abgetrennten und in der Welt verstreuten Glieder unseres Volksstammes dem Deutschtum innerlich zu erhalten." (102) "…. um jede deutsche Seele da draußen müssen wir kämpfen; die große deutsche Familie muss sie alle, wo immer sie auch den harten Kampf des Lebens kämpfen, geistig zu umfassen suchen." "Die nächste deutsche Pflicht ist jetzt, dafür zu sorgen, das in den gefährdeten Gebieten keine deutsche Stimme fehlt ..:" (103)

Deutschland und seine Bürger sind überfordert. zurück  "Das deutsche Volk hat ungeheure Lasten aufzubringen," rechnet Posadowsky am 9. Juli 1919 in der Nationalversammlung aus Anlass der ersten Beratung zu Steuerfragen vor, "die seine harte Lage noch verschlimmern". Die Jahreslast von 25 Milliarden Mark, die das Land aufnehmen muss, entspricht einem Volksvermögen von 500 Milliarden Mark, dass in Friedenszeiten lediglich auf 300 Milliarden Mark geschätzt wurde. Der Steuerbetrag (25 Milliarden Mark) kann sich noch erhöhen. Bei diesen riesigen Verpflichtungen ist der Ausbau von indirekten Steuern unbedingt geboten. "Hinsichtlich der Erbschaftssteuer wollen wir angesichts der Not der Zeit von unseren Grundsätzen nachlassen."

Matthias Erzberger widerspricht dann im weiteren Verlauf der Reichstagsdebatte Posadowsky´ Behauptung, dass die Kapitalflucht eine Folge der Revolution ist. Vielmehr benutzt die besitzende Kreise die Revolution, um Steuern zu vermeiden. Ihrer Vaterlandsliebe stellen sie damit ein äußerst trauriges Zeugnis aus. Das Kapital soll für die Volkswirtschaft arbeiten, jawohl. Aber es kommt darauf an, betont der Reichsfinanzminister, für wen es arbeitet, wer die Gewinne einstreicht. Seiner Auffassung nach wird das Kapitaleinkommen nicht genügend scharf besteuert. Zudem ist die Vergeudung von Heeresgut nicht nur den Arbeiter- und Soldatenräten zuzuschreiben. Prompt folgt der Zuruf von den Unabhängigen: "Die Offiziere haben alles verschoben."

Posadowsky (7.10.1919, 2895) leidet an seinem Land, dem Verlust des Deutschtums und drohenden Staatsbankrott. Große Unsicherheit macht sich breit. Diebstahl. Gewalt alle Tage. "Schiebertum und der verächtliche Wucher mit Lebensmitteln blühen in unerhörter Weise." Es "…. kommen Russen herüber, die ganz offen bolschewistisch argumentieren. Dieser Zustand darf nicht weitergehen. .... Die Grenze muss geschlossen werden. Wir können diese wilde Einwanderung nicht in einer Zeit dulden, wo wir an den größten Wohnungsmangel leben, wo wir in den Gefahren der Ernährungsgewohnheiten stehen."

Das Land könnte zerbrechen und die staatliche Einheit verloren gehen. "Jetzt denken wir an keinen 18. Brumaire," stösst er am 7. Oktober 1919 in der Nationalversammlung heraus. Es hört sich an, als wollte sich jemand Mut zusprechen: "Uns fehlt vor allem ein Napoleon, der aus einem siegreichen Kriege zurückkehrt. ….

Nur ein Wunder kann uns retten: Wenn das deutsche Volk aus eigener Kraft sich sammelt und aufrafft aus seinem Elend." (Beifall rechts.)

Diese Stimmung erfasst weite Schichten, was nicht unwichtig, denn sie ist, "der Wertmesser seiner Tatkraft und damit die Grundlage des Erfolges" (Posadowsky 4.9.1918). "Es wäre eine Übertreibung, zu behaupten," analysiert 1932 Volk und Regierung im neuen Reich (96) die damalige Situation, "dass all das politische Elend, wirtschaftliche und sittliche Elend, unter dem unser Volk leidet, eine Folge der Revolution sei. Die Ursache hierfür liegt in der seelischen, körperlichen und sittlichen Erschöpfung des Volkes als Folge eines 4 ½ jährigen Kriegs, der uns überanstrengt und unsere Widerstandsfähigkeit geschwächt. Die Revolution trägt aber die unzweifelhafte Schuld, dass sie Staat und Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert, den Beamtenkörper und sein dienstliches Pflichtgefühl vielfach gelockert und so den Wiederaufbau des Staates unendlich erschwert hat."

Ein Posadowsky wartet und vertraut nicht auf Wunder. Er nimmt die Sachen selbst in die Hand. Drei Momente stechen hervor: Entfaltung des Reformdenkens, Hinwendung zu neuen Themen und Ausbau der Rechtsstaattheorie. Sein Ziel, die Demokratie und die Republik zu festigen.  zurück

Erstens. "Wir sind keine Revolutionäre", trotzt er sich am 7. Oktober 1919 in Gegen Bauer und Noske (5) ab, "aber wir sind Evolutionisten." Er lehnt die Revolution 1918/19 nicht ab, worin er sich von vielen anderen Persönlichkeiten aus dem konservativen, alldeutschen, völkischen, deutschnationalen und wilhelminischen Lager abhebt.

Zweitens. Neue politische Themen drängen sich in das Gesichtsfeld. Künftig wird in seinem politischen Leben besonders die Geld-, Inflations- und Aufwertungspolitik eine herausragende Rolle einnehmen. Schrit für Schritt entfremdet ihn diese Tätigkeit von der deutschnationalen Politik, was sich bis 1925 zu einem unversöhnlichen Gegensatz auswächst. Eine der wenigen politischen Experten, die auf der Seite der enteigneten Schichten stehen, der Sozialdemokrat Hugo Heimann (1859-1951), würdigt in "Der Kampf um die Aufwertung" (1925, 38) die fachliche Arbeit und politische Leistung, die er auf diesem Gebiet geleistet hat. Im Kapitel "Gegen Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit" wird dies detallierter behandelt.

Drittens. Im Ergebnis der gesellschaftlichen Umwälzungen, dies ist sein Ziel, will er alle Bürger in ein gemeinschaftlich schaffendes Staatswesen integrieren, das die "Grundrechte des Menschen" (Posadowsky-Wehner) gewährt und achtet.

Er fragt: Worauf kann sich die neue Ordnung stützen? Was macht sie attraktiv? Und wie kann sie ihre Konflikte lösen?  zurück

"Die

Popularität der neuen Staatsform

muss darauf gegründet werden," wirft er am 19. Dezember 1930 im Preußischen Landtag ein, "daß der Staat ein Staat des unbedingten Rechts gegen alle Parteien des Reichstags und alle Volksschichten in gleicher Weise ist, sie muss damit begründet werden, daß das Recht auch im Privatleben mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt wird, daß das Volk das Vertrauen hat:

wir leben in einem Rechtsstaat,

der nicht regiert wird von wechselnder Politik, sondern nur von den Buchstaben des Gesetzes und den Geboten des Rechts." Hierin kumulieren seine politischen Werte und praktischen Erfahrungen.

 

 

Abrechnung mit der wilhelminischen Politik
in der Reichskrone von Naumburg  
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Reichskrone um 1910. Zeichnung.

Am 15. Januar 1919 lädt Dr. med. Jebsen, Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Naumburg, zur Volksversammlung in die Reichskrone am Bismarckplatz ein. Vor einer außerordentlichen Zahl von Frauen und Männern aller Parteien referiert der DNVP-Kandidat für die Nationalversammlung Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Über die heutige Lage
und die Aufgaben der Zukunft.

Eine Stunde vor Beginn ist der grosse Saal des Hauses überfüllt. Als er eintritt, empfängt ihn lebhafter Beifall. Bedenkt man die gesellschaftlichen Umstände, ist die Stimmung gut, erstaunlich gut. Im Raum stehen die Fragen: Warum und wann verlor Deutschland seine Zukunft? Wie kam es zum Verlust moralischer Lebensformen? Wie geht es weiter?

Der Referent beginnt:

  • "Wir sind militärisch niedergebrochen .... damit brachen wir aber auch politisch zusammen." Unser Volk hat jetzt fast die ganze Welt zum Feinde.

  • Deutschland baute bekanntlich mit viel Kraft und Geld eine Flotte auf.

  • "Nach dem Ausscheiden des Fürsten Bismarck, fuhren wir mit vollen Segeln in die Weltpolitik. Wir suchten uns eine starke Flotte zu schaffen und einen grossen Kolonialbesitz zu erwerben." Es stiegen die Heeresausgaben. Sich schnell wiederholende Flottenvorlagen wurden damit begründet, "unseren Handel zu schützen. Im Frieden hat unser Handel, ....., des Schutzes einer Schlachtflotte nicht bedurft." Doch im Krieg war sie England zahlenmässig nicht gewachsen. Die Flotte konnte "keine ihrer Aufgaben lösen". Sie konnte weder unseren Handel schützen noch zur Verteidigung der Kolonien beitragen. Damit nicht genug. Nicht mal die Überführung der Truppen der feindlichen Länder auf die belgischen und französischen Schlachtfelder verhinderte sie. So war die Flottenrüstung völlig umsonst.

  • "Man kann sehr zweifelhaft sein, ob es richtig war, durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg uns die gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Macht Amerikas zu offenem Feinde zu machen; die U-Boot-Waffe hatte aber grossen Erfolg, wenn auch nicht den erhofften und in bestimmter Aussicht gestellten Erfolg ...." Besser wäre gewesen, den Bau von U-Booten nicht so zögerlich und spät zu betreiben. Dann hätte "das Resultat des Weltkrieges ein wesentlich anderes" sein können.

  • Deutschland leitete eine verfehlte Kolonialpolitik. Der Wunsch nach Kolonien scheint wirtschaftlich verständlich. "Die Begründung aber, dass wir Kolonien haben müssten, um dorthin unseren Menschenüberfluss abzuführen und dem Vaterlande zu erhalten, war für ein Land wie Deutschland, welches jährlich 1 ¼ Million fremder Arbeiter einführte, um seine Bergwerke auszubauen, seine Fabriken zu betreiben und den deutschen Acker zu bestellen, tatsächlich unrichtig."

  • Wenn er sagt, "Es würde sich empfehlen, bei den Friedensverhandlungen zu versuchen, unsere Kolonien, teilweise wenigstens, gegen ein geschlossenes Kolonialgebiet einzutauschen", dann erscheint dies unrealistisch.

  • "Wollten wir erfolgreich Weltpolitik treiben, so durften wir uns bei der Annexion Bosniens und der Herzogowina nicht als Sturmbock Oesterreichs gegen Russland ausnutzen lassen."

  • "Heute kann kein Zweifel mehr darüber sein, dass diese verfehlte Weltpolitik die Möglichkeit geschaffen hat, einen Ring von Feinden um uns zu schmieden, der schliesslich droht, zur Sklavenfessel für uns zu werden."

  • Das System des multilateralen Bündnisgeflechts war eine ganz wichtige Ursache für die unheilvolle Entwicklung zum Weltkrieg.

  • Deutschland darf seine nationalen Kräfte nicht überschätzen, deshalb muss es der Rüstungs-, Kolonial- und Außenpolitik Fesseln anlegen.

  • "Am traurigsten und für Deutschland am gefährlichsten sind die Verhältnisse in der Ostmark. Als Preußen die ehemaligen polnischen Landesteile erwarb, waren sie ein armes verwahrlostes Land mit anarchischen öffentlichen Zuständen. Wenn aus diesen Landesteilen blühende Provinzen geschaffen sind, so ist das das alleinige Verdienst der Staatswirtschaft Preußens."

Im überlieferten Reichskronen-Referat erscheint die Kriegsschuldfrage nicht. Wahrscheinlich opferten die Redakteure sie der Schere. In seiner Rede als Faktionsvorsitzender der DNVP am 14. Februar 1919 vor der Nationalversammlung in Weimar (82) führt er hierzu aus:

"Wir lehnen es, .... ab, die Schuld des Krieges auf Deutschland zu schieben. Wir mögen durch unsere auswärtige Politik an manchen Stellen Verstimmung hervorgerufen haben, ein sachlicher Grund gegen uns Krieg zu führen, lag in keiner Weise vor; die sachlichen Gründe, uns mit Krieg zu überziehen, lagen auf der Seite unserer Feinde.

In Russland war es der Panslavismus, der immer mehr zum Krieg mit Deutschland drängte, der Panslavismus, der auch am russischen Hof seine mächtigen Vertreter hatte. Dazu kam die Furcht der russischen Zarenregierung vor dem Nihilismus, und man suchte in der Art anderer leichtfertiger Regierungen den billigsten und leichtesten Ausweg in einem auswärtigen Kriege. Russland hat den Krieg gewollt, das steht unzweifelhaft fest."

An dieser Haltung zur Kriegsschuldfrage ändert sich in den 20er Jahren nichts Wesentliches mehr.

Nicht alle Feuer konnte der Referent, was in den Tagen der Revolution kaum jemand erwartete, während der zweistündigen Rede löschen. So war die Überraschung nicht gar zu groß, als sich tags darauf aus der Zuhörerschaft ein Deutschdemokrat mit einer

"Offene(n) Anfrage an den Grafen Posadowsky"

meldet. Er wirft, wie am 17. Januar im Naumburger Tageblatt zu lesen, der DNVP vor, dass sie seine politische Abteilung mit dem Schlagwort "Schutzzollfeinde" bekämpft und speziell auf ländlichen Wahlversammlungen damit Bauernfang treibt. Dies ist deplatziert und weltfremd, weil die Bevölkerung darauf angewiesen ist, dass Lebensmittel und Rohstoffe in das Land fliessen. Um dies zu erhärten, verweist der unerwartete Diskussionspartner auf den Zusammenhang mit den sozialen Fragen:

"Wir alle wisssen, unser Brot reicht nicht bis zur nächsten Ernte und auch später nicht. Unsere Kranken können nur nach langen zeitraubenden Laufreien auf Grund eines ärztlichen Attestes eine weiße Semmel bekommen, dass Kind bekommt nur ganz wenig, der Säugling ungenügend Milch, Fett fehlt gänzlich. Der Krieg hat alle Handelsbeziehungen aufgelöst. Der Feind blockiert uns und die Entente hat`s Wort. Und da wagt es jemand, eine solche Frage aufzuwerfen. Ja, kennen denn diese Leute noch immer nicht die Not der Zeit? Wissen sie allein nicht, dass Hungerrevolten kommen müssen, wenn das Ausland nicht bald und reichlich hilft? Sind diese Leute selbst so satt, dass sie die Not ihres Volkes übersehen?

Herr Graf! Man sagt ihnen nach, dass sie von jeher sich von vielen ihrer Standesgenossen vor allem dadurch ausgezeichnet hätten, dass sie ein Herz für das Volk und Verständnis für die Nöte derselben gehabt hätten, dass sie gewußt hätten, was die Stunde erfordert."

Zum Schluss klärte es sich auf, der Referent gebrauchte die irreführende Formulierung von den "Schutzzollfeinden".

Ungleich wichtiger als diese Kontroverse ist, dass Posadowsky am 15. Januar 1919 in der Reichskrone zu Naumburg die "entscheidende [Macht-] Frage der Gegenwart" formuliert:

"Volksstaat unter Mitwirkung sämtlicher Klassen unseres Volkes oder sozialistischer Staat unter alleiniger Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

Vier Tage später finden die ersten Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung statt. Für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) stimmen national 10,3 Prozent und in Naumburg 21,8 Prozent der Wähler.

 

 

Oppositionsführer in der Nationalversammlung  zurück

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner unterliegt am 11. Februar 1919 in der Wahl zum Reichspräsidenten dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert mit 49 gegen 277 Stimmen der Weimarer Koalition (SPD, katholische Zentrumspartei, DDP).

Drei Tage darauf hält er als DNVP-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung die Gegenrede. Was kann, was muss der Bürger und Parlamentarier angesichts der tiefen politischen Krise des Konservatismus und desolaten Lage der bürgerlichen Parteien von ihm erwarten? Verheddert sich der Dreiundsiebzigjährige in programmatische Debatten? Oder ufert alles in Anwürfen oder personellen Streitereien aus? Nicht ohne Grund forderte Theodor Heuss am 17. Januar 1917 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei, dass die Parteien jetzt ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Darauf ist die DNVP aber nicht vorbereitet. Was kann der Graf in dieser wahrlich historischen Situation vor der Weimarer Nationalversammlung leisten?

Er beginnt so:

"Wir haben in den letzten vier Jahren Gewaltiges und Furchtbares erlebt, und wie steht es jetzt? Die staatliche und bürgerliche Ordnung ist auf das schwerste gestört und fortgesetzt gefährdet." Die Staatsfinanzen sind schwer in Unordnung. Das Verkehrswesen liegt danieder. Unsere Ernährung ist bedroht. Das Wirtschaftsleben ist gelähmt. Die Waffenstillstandsbedingungen lassen alle Gerechtigkeit vermissen. Das ist die Lage. Was ist jetzt zu tun?

Die Demokratie muss sich als Staatsform in Deutschland erst bewähren. Im alten System erblickt er weder einen Obrigkeitsstaat noch staatliche Gewaltherrschaft. Daraufhin hört man aus dem Saal Rufe, wie Kastenregierung, Obrigkeitsstaat, Junkerherrschaft. Flugs schreibt er den Genossen auf der Regierungsbank in ihr Poesiealbum den Merksatz: In Deutschland war es möglich aus den niedrigsten Schichten bis in die höchsten Funktionen des Staates aufzusteigen. Bezogen auf ihre Karriere, machte dies Sinn. Aber mit Blick auf die Gesellschaft, trägt 1987 (147) John C. G. Röhl vor, kann davon leider überhaupt keine Rede sein. "Die Regierung machte ausgiebig von ihrem Recht Gebrauch, qualifizierte Kandidaten aus politischen oder anderen Gründen abzulehnen." ".... in der Praxis wurden mehr als die Hälfte aller Bürger aus Gründen, die nichts mit ihrer Befähigung zu tun hatten, ausgeschlossen."

Ja bitte, spricht Posa der Opposition freundlich zu, es gibt keinen Staat, der auf eine Obrigkeit als Führungsschicht verzichten kann. Sie ist die "Grundlage jeder kultivierten Staatsverfassung".

Im angeblichen "Zustand der Freiheit", klagt er der Nationalversammlung, müssen wir "gewaltsame Eingriffe in die Rechtsordnung erleben. Fortgesetzt werden Gesetze verletzt, die Presse wird durch Gewalt unterdrückt, Versammlungen werden gesprengt, die freie Meinungsäußerung wird unterdrückt." Marie Juchacz lässt ihm das nicht durchgehen und stellt die Frage, wo denn die Pressefreiheit während des Krieges war. Eine durchschlagende Wirkung erzielt sie damit nicht, schließlich gehört sie als SPD-Abgeordnete zur politischen Hintergrund-Abteilung des Kabinetts Scheidemann, bestehend aus Zentrum, Deutsche Demokratischer Partei, einem Parteilosen und SPD (also: 7 SPD, 3 Zentrum, 3 DDP, 1 Parteiloser).

Keine Partei ohne Ideologie! Den Konsequenzen muss die ParteiGenossin huldigen. Hingegen erkannte Posadowsky früh die Deformationskräfte des Parteiwesens und entzog sich ihnen so gut er konnte. ".… Was sind parlamentarische Reden wert, wenn nicht Staatsweisheit dahintersteht und ein sittliches Rechtsbewusstsein?", so fasst er seine Erfahrungen am 27. Februar 1929 als Abgeordneter den Preußischen Landtag zusammen. In der Politik, das ist seine Überzeugung, muss die Wahrheit unbedingt leitender Grundsatz sein. Ihm wird unheimlich, wenn er daran denkt, dass "parlamentarische Politiker" "aus wahltaktischen Gründen, häufig zu sehr auf wechselnde und irrende Volksbestimmungen zu hören" pflegen, "statt unter Umständen auf Gedeih und Verderb auch gegen den Strom anzugehen." (1932, 227)

Wesentlich ungünstiger verläuft der Zweikampf für Posa in der Runde zum Junkertum. Marie Juchacz trumpft auf: "Was ist unter Junkerherrschaft zu verstehen? (Lachen bei den Soz.) Das weiß alle Welt (Sehr richtig!) ..." Schon die Frage deutet auf die Schwäche im Vortrag vom Oppositionsführer hin und läuft in der Anklage zusammen: "Der Einfluss der Junker war stets stärker, als er ihnen zahlenmäßig gebührte." (Juchacz) Es ist wohl so, als Sozialist erwartet man zu Recht eine durchdachte Haltung zum Junkertum in Deutschland. Aus der an sich berechtigten und einen überaus wichtigen Aspekt der deutschen Geschichte betreffenden Frage, schwingt der Vorwurf mit, dass der Fraktionsführer der Deutschnationale Volkspartei (DNVP) dem Junkertum unkritisch verbunden ist. Dem widerspricht die ganze Anlage seiner Politik mit der Formulierung des Ersten Hauptsatzes der Sozialpolitik in der Posener Zeit. Warum verteidigt er sich nicht? Jedenfalls bleibt der Eindruck zurück, dass sich der Ministerielle kampflos dem Junkertum ergab. Ein Junker-Knecht war er eben nicht. Franz Mehring schilderte seinerzeit im April 1902 in "Posadowskys Osterfahrt", dass er den Junkern in der Zolltariffrage auf den Hühneraugen (Mehring) rumtrat.

Eine neue Runde des Zweikampfs Juchacz-Posadowsky läutet die Frage ein: Warum musste Deutschland die Bedingungen des Waffenstillstandes annehmen? Worauf Juchacz antwortet: "Weil dieser Krieg durch ihre Politik bis zum moralischen Zusammenbruch unseres Volkes geführt hat." Wahr ist, Posadowsky trat für den Siegfrieden ein. Würde er verwirklicht, hätte dies Einfluss auf die Kriegsführung, kostete es tausende Menschenopfer. Doch an der Politik bis zum moralischen Zusammenbruch - und da verschluckt die Abgeordnete Marie Juchacz lieber ihre Worte - war die SPD, wie der Fall Paul Lensch zutage fördert, beteiligt und mitverantwortlich.

Dann nimmt die Rede die Biegung zur Kriegsschuldfrage. "Wir lehnen es .... ab," stellt er im unnachgiebigen Ton fest, "die Schuld des Krieges auf Deutschland zu schieben." "Dieser Krieg ist aus dem übelwollen unsere Feinde fast automatisch entstanden. Nur aus diesem verschiedenen Gründen konnte sich dieser Ring bilden, der jetzt allerdings droht, für uns zu einer wahren Sklavenfessel zu werden. Ich halte es aber für die größte Ungerechtigkeit und Lüge, wenn unsere Gegner fortgesetzt wiederholen: Deutschland hat den Krieg gewollt. Deutschland hat den Krieg nicht gewollt, weder die deutsche Regierung nicht das deutsche Volk. (Lebhafte Zustimmung rechts)"

Ansonsten darf man im außenpolitischen Teil der Weimarer-Rede, den über die Aufgabe der Opposition weit hinausreichenden Versuch sehen, dass allgemeine deutsche Staatsbewußtsein zu stabilisieren. Lebhafter Beifall dringt von den Sozialdemokraten herüber, als er sagt: "Frei will das deutsche Volk seine Kräfte entfalten, frei nach innen und frei nach außen zum Wohle seiner selbst und zum Wohle der Menschheit."

Der "bevorstehende Friede droht uns mit fürchterlichen Prüfungen", dünkte ihn bereits im Dezember `18. Nahezu in Panik versetzt ihn die Vorstellung einer kommunistischen Steuergesetzgebung. Das "müsste schließlich den Niederbruch des Kulturlebens für alle Schichten der Gesellschaft herbeiführen". Die finanziellen Heilmittel liegen seiner Meinung nach in der Vereinfachung der Staatsregierung, "in der Streichung aller Ausgaben, die nicht auf erworbenen Rechten beruhen" (Weltwende 52). Man darf, warnt er, das Kapital nicht "wegsteuern". (Aber es darf auch nicht flüchten und sich der nationalen Verantwortung entziehen.)

Der Angriff auf die Steuerprivilegien der Reichen und Wohlhabenden drohte noch aus anderer Richtung. "Den Luxus," darauf besteht der SPD-Finanzexperte Wilhelm Keil (1870-1968), "der bisher von einer kleinen Oberschicht unseres Volkes betrieben worden ist, kann sich unser verarmtes Volk in der Zukunft nicht mehr gestatten und nicht mehr ertragen." "Besonders auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung werden wir Gelegenheit bekommen, sozialistische Gedanken zu vertreten," kündigt er im Reichstag frohen Sinnes an. "Hier stehen wir vor geradezu gigantischen Aufgaben." Veränderungen auf diesem Gebiet waren unumgänglich, war doch die Kriegssteuerpolitik unbestreitbar "eine verfehlte, nicht nur, weil sie den Grundsätzen der Gerechtigkeit nicht entsprach, sondern weil mit der Schonung, die sie dem Besitz gewährte, eine kriegsverlängernde Wirkung verbunden war." Noch am selben Tag wie Posadowsky trat der SPD-Reichstagsabgeordnete an das Rednerpult und veranschaulichte zügig, wie sich das die SPD vorstellte:

"Die wirtschaftliche Lage unseres Volkes erfordert, dass mit der Steuergesetzgebung die Spitzen oben beschnitten werden, so etwa wie man bei den Bäumen die Spitzen beschneidet, damit der Unterbau nicht verkürzt."

Weiter fließt die Rede des Fraktionsvorsitzenden der DNVP in der Weimarer Nationalversammlung zum Demokratie-Thema. "Kein Volk eignet sich so wenig für die parlamentarische Regierungsform," postuliert Posadowsky in Der starke Mann (118), "wie das deutsche mit seinem ausgeprägten politischen und sozialen Individualismus, der unaustilgbar zu sein scheint." Aus historischer Sicht zeigte sich noch ein weiteres Problem. Unversehens tauschte das Proletariat 1918 beim Aufbau der parlamentarischen Demokratie den Widerspruchsgeist zum Klassenstaat gegen den Glauben an die selbsttätige therapeutische Wirkung der Demokratie ein. Daß hierzu bei der regierenden Linken kein ausreichendes Problembewußseins bestand, gehört zu den tragischen Umständen des politischen Fortschritts dieser Jahre.

Wie reagierten die Konservativen auf den politischen Wandel? Sie hegten also tiefe Zweifel, ob die Demokratie als Votum wirklich den Volkswillen abbildet. "Eine mechanisch demokratische Abstimmung im dritten Kriegsjahr würde mit kläglicher Wahrscheinlichkeit eine erdrückende Majorität zugunsten eines sofortigen und bedingungslosen, dass heisst ruinösen Frieden ergeben", argumentiert 1918 Thomas Mann in den Betrachtungen eines Unpolitischen (394). Mitnichten verkörpert sie den Willen des Volkes und führt das Prinzip der Volksabstimmung (280 ff.) selbst ad absurdum. Als demokratische Idee fungiert hier im Hintergrund allein die Bismarcksche "Fürstenversammlung" von 1870, eine Form von verstaatlichter Demokratie, wo es am Ende nur auf Eines ankam:

"Der Wille eines historisch aufstrebenden Volkes soll übereinkommen mit seinem Schicksal."

Und über dies bestimmen allein die Herrschenden.

Außerdem stapeln die Konservativen in ihrem ideologischen Vorratslager zur Ablehnung des gleichen und allgemeinen Wahlrechts noch andere Gründe. Posadowsky zieht im Aufsatz Wahlfragen vom 8. April 1918 (83) ein weiteres Argument heran: "Dem nach Besitz abgestuften Klassenwahlrecht lag über dem die wirtschaftliche Auffassung zugrunde, dass ein Gleichgewicht bestehen müsse zwischen den Leistungen an den Staat und den politischen Rechten im Staat."

Die parlamentarische Demokratie ist eine Parteiendemokratie. Gefährlich scheint ihm daran, dass aufkommende überbordende "Parteiinteresse", was problematische Entwicklungen hervorbringt, wenn es "maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt". Auf diese Weise wird, was den Konservativen missfällt, der Staat zu einer grossen Versorgungsanstalt. Schuld daran ist eine versteinerte Parteiauffassung. (V&R 115)

In der Schrift "Gegen Bauer und Noske", veröffentlicht am 7. Oktober 1919, offenbar als Wahlkampfhilfe gedacht, mahnt er einigen Reparaturbedarf im System der parlamentarischen Demokratie an. Der fortgesetzte Wechsel der Mandatsträger wirkt sich oft nicht positiv, entweder weil sie gar nicht über die nötige berufsmäßige Vorbildung verfügen oder weil sie keine Zeit haben.

Richtungsweisend ist seine Kritik des Autoritarismus, die er 1920 in Der starke Mann (113) vorträgt. Nach seinen politischen Erfahrungen kann es keinen Führer geben, "der wie mit einem Zauberstabe unsere unsäglichen äußeren und inneren Schwierigkeiten nur durch die Kraft seiner eigenen Persönlichkeit" abwendet.

 

Zur Überwindung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

"1901 hatten auch in Naumburg eine Anzahl Arbeiter ihre Aufnahme in die Wählerliste beantragt. Und da gab es wieder den Beweis, daß die Besitzenden stets bemüht waren, Arbeiter um ihre Rechte zu bringen. Einer Anzahl ärmerer Eltern waren Schulbücher für ihre Kinder von der Armenverwaltung genehmigt worden. Das wurde als Armenunterstützung angesehen, die betreffenden Väter erhielten somit nicht das Wahlrecht." (Leopoldt 238)

Das Dreiklassenwahlrecht galt von 1849 bis 1918 für die Wahl des Abgeordnetenhauses und der Stadtverordneten in Preußen. Vor der Wahl werden die Urwähler entsprechend der von ihnen gezahlten direkten Steuern in drei Wahlklassen eingeteilt, die jeweils zu gleichen Teilen Steuern aufbringen. Dann wählt jede dieser Wahlklassen die gleiche Anzahl von Wahlmännern. Diese bestimmen in einem weiteren Wahlgang die Abgeordneten. Folglich entscheidet eine reiche, oder doch zumindest wohlhabende Minderheit, vertreten in der ersten bzw. zweiten Wahlklasse, mit zwei Drittel der Wahlmänner über die zu wählenden Abgeordneten. Damit gewährt das Dreiklassenwahlrecht ein allgemeines, aber kein gleiches Wahlrecht. Es ist schlicht gesagt undemokratisch! Hiergegen formiert sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wahlrechtsbewegung. Beispielsweise streiken in Hamburg am 17. Januar 1906 die Arbeiter für ein demokratisches Bürgerschaftswahlrecht.

 

Seine Darstellung des Wahlrechts lässt Fragen offen, zumal er etwas herausfordern in den Raum wirft:

"Wir hatten also in Deutschland das freieste Wahlrecht, das man in Europa kennt ....". Wahrscheinlich muss man seine Rede so betrachten, dass sie versuchte konservatives Selbstbewusstsein nicht weiter erodieren zu lassen und ihm weitere Identifikationsflächen zu nehmen. Jedenfalls lehnte Posadowsky jede "Herabsetzung des alten Staates" ab. Die konstitutionelle Monarchie als Staatsform gewährleistet am besten "den sicheren Gang der Staatsmaschine" (PWc 2893). Wo hingegen es fraglich ist, stellt er 1926 seine Erfahrungen im Aufsatz im Lichte der Wirklichkeit zur Diskussion, ob der Parlamentarismus fähig ist, "eine Regierung zu bilden, die sich auf eine sichere Mehrheit stützen kann."

Leider brachte der November 1918, bedauert der Oppositionsführer, einen "Schlag gegen die Religion selbst". Doch man darf die Kirche nicht behandeln wie einen Privatverein, denn sie ist eine "tausendjährige öffentliche Korporation" (PWd).  Die überzogene nationalistische Erziehung und ihre Folgen kommen nicht zu Sprache. Und das scheint symptomatisch, denn in Fragen der Bildungspolitik und Erziehung verharrt Posadowsky lange in traditionell-konservativen Anschauungsweisen.

Vor 1918 herrschte nach seiner Ansicht nicht der Militarismus, doch jetzt ist er in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte "in der weitesten Form zur Macht gelangt". Hauptsache, so seine Devise, "keine kommunistischen Experimente" (PWb 752). Die Arbeiter- und Soldatenräte, die "fortgesetzt in die lokale Verwaltung" eingreifen und zur "Desorganisation" beitragen (PWb), betrachtet er als unerwünscht.

Das Betriebsrätegesetz ist vernünftig, doch dürfen die Arbeitnehmer nicht "in die Art des Betriebes selbst hineinsprechen können, dass ihnen die Bilanzen vorgelegt werden müssen" (PWc 2898).

Die Vergesellschaftung der Betriebe ist für den DNVP-Frontmann eine Frage, ob dadurch "die Produkte billiger und besser gestaltet" werden können. Es dürfe keine "unsinnigen Lohnsteigerungen" geben, weil das zur Inflation führt. Drohungen gegen das "arbeitslose Einkommen" sind volkswirtschaftlich gefährlich und zersetzend, denn die Betriebe benötigen dringend Kredite und Investitionen. Deshalb darf man das Kapital nicht wegsteuern.

Unter  F ü h r u n g  von Posadowsky-Wehner will die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Nationalversammlung helfen, die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. "Wir werden daher", formuliert der Oppositionsführer, "an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes sachlich und gewissenhaft mitarbeiten. Den gewaltsamen Umsturz haben wir jederzeit verurteilt und halten auch jetzt …. an dieser Auffassung fest." Die DNVP hält sich nicht daran, sie organisiert im März 1920 den Kapp-Putsch.

 

 

Im Sog des ewigen Deutschtums   zurück

"Ebenso kommen Russen herüber," lässt am 7. Oktober 1919 Posadowsky-Wehner in "Gegen Bauer und Noske" (11) verlauten, "die hier ganz offen bolschewistisch agitieren. Dieser Zustand darf nicht weitergehen. (Beifall rechts.) Die Grenze muß geschlossen werden. Wir können diese wilde Einwanderung nicht in einer Zeit dulden, wo wir an dem größten Wohnungsmangel leiden, wo wir in den Gefahren der Ernährungsmöglichkeiten stehen."

Seit 1914 wanderten verstärkt Ostjuden nach Deutschland ein. Judenpogrome, der Gegensatz von Juden und Polen und ihre sich deutlich verschlechternde Wirtschaftslage stimulierten im Lauf der Zeit die Abwanderung aus Polen. In der zweiten Jahreshälfte von 1919 kamen nach Angaben des Arbeitsamtes 6 000 Ostjuden nach Deutschland. Arthur Graf von Posadowsky-Wehner verlangt am 29. September 1919 in der Sitzung des Programm-Ausschusses der Deutschnationalen Volkspartei, dass die "Türen und Tore des Ostens" gegen die "verderblichen Einwanderer" endlich geschlossen werden müssen, weil sie das "Deutschtum" verseuchen und die Lebensmittelknappheit verschärfen. Als Parteipolitiker folgt er hier einem Paradigma, dass die Ostjuden potentiell als Revolutionäre darstellt, die undeutsches Gedankengut nach Deutschland bringen, um in Deutschland blutigen Terror wie in Russland herzustellen. Die Klassifizierung von Menschen und Herabsetzung von definierten sozialen Gruppen durch den Propagandaapparat der DNVP, worauf Hans Dieter Bernd 2004 (108, 188) hinweist, verabsolutiert Urteile, die ideologischen Ursprung sind, nicht aber biologischen Charakter und Intentionen tragen. Graf Arthur von Posadowsky-Wehner war und bleibt Antisemit und -rassist.

Gegen die böswillige und gedankenlose Behandlung der osteuropäischen Juden in Deutschland, erhebt Anfang 1920 der Schriftsteller Herbert von Eulenburg (1876-1949) in der "Vossischen Zeitung" Einspruch. Den ganzen Hintergrund für den alldeutsch-antisemitischen Feldzug gegen die Ostjuden, entblättert am 1. Juli 1920 die "Freiheit", das Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands, ist ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit auf dem Gebiet des Wohnungswesens und zur Arbeiterwanderung mit irgendwelchen positiven Vorschlägen aufzuwarten.

 

Am 5. November 1919 tagt in den Thaliasälen von Halle, Geiststraße 42, der 1. Landesparteitag der Deutschnationalen Volkspartei. Die Eröffnungsansprache hält Exzellenz Generalleutnant Lothar von Trotha. Neben Rektor Herrman aus Naumburg und Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, der zu Verfassungsfragen spricht, sind weitere bekannte Persönlichkeiten als Referenten erschienen, zum Beispiel der Russland-Experte Professor Otto Hoetzsch (Russland als Gegner Deutschlands) und Kuno Graf von Westarp.

 

 

Kapp-Putsch   zurück

DNVP-Mitglied Wolfgang Kapp (1858-1922) putscht im März 1920 zusammen mit Walther Freiherr von Lüttwitz (1859-1942) gegen die Reichsregierung. Andere Deutschnationale taten heimlich mit oder bezogen taktische Positionen (vgl. Bernd 2004, 364).

Kapp war nicht Der starke Mann als den er sich verstand. "Er hat indes übersehen," hält Posadowsky-Wehner dem Rädelsführer vom 13. März vor, "dass starke Zuversicht sich im öffentlichen Leben auf politische Erkenntnis aufbauen muss." Diese Voraussetzung fehlte dem Putsch vollkommen.

Kapp beachtete nicht, dass Deutschland kein Einheitsstaat ist, sondern föderativen Charakter trägt. Selbst wenn der "Gewaltstreich" in der Hauptstadt gelungen, so war damit kein entscheidender Erfolg im übrigen Deutschland erreicht, namentlich nicht im Westen und Süden. "Infolgedessen nahm das Unternehmen nicht die Gestalt einer Volkserhebung gegen die bestehende Regierung an, sondern sank zu einem politischen Abenteuer herunter." Es ".... zeugte ebenso sehr von mangelndem Verständnis der politischen Lage wie von irriger Einschätzung des eigenen politischen Schwergewichts." (Der starke Mann 114-115)

Posadowsky tat nicht mit am Putsch! Dafür gibt es zwei Gründe. Die Mitwirkung an einem Putsch widerpricht seiner Überzeugung vom demokratischen Verfassungsstaat. Zweitens ist er grundsätzlich gegen die Politisierung des Heeres und übt aus dieser Sicht Kritik an der Reichsverfassung. Ein Heer, "das nicht unbedingt ein zuverlässiges Werkzeug in der Hand der Regierung ist, bedeutet eine Gefahr für jede Regierung" (16.4.1920). Diesen Standpunkt nahm er bereits am 28. Mai 1906 (3569) vor dem Reichstag ein:

"Meine Herren, zunächst, ein Soldat ist kein Politiker (Zurufe bei den Sozialdemokraten), soll es nicht sein (erneute Zurufe bei den Sozialdemokraten), - wollen Sie die Güte haben, mich sprechen zulassen! -, und ich würde den Tag beklagen, wo die Mitglieder unseres Offizierskorps Politiker würden und Politik trieben."

 

Austritt aus der DNVP  zurück

Posadowsky zieht au dem Kapp-Putsch und Beteiligug der DNVP Konsequenzen, verlässt Partei und sucht die Zusammenarbeit mit dem Zentrum.

Staatssekretär a. D. Graf Posadowsky-Wehner,

informiert am 16. April 1920 die Presse,

hat den Merseburger Verband der Deutschnationalen Partei (DNVP) gebeten, von seiner Wiederaufstellung als Kandidat zur Nationalversammlung Abstand zu nehmen.

Im vor allem völkisch-, alldeutsch-konservativen Naumburg von Georg Schiele, im Kraftfeld des mächtigen Stahlhelms, von Kolonialverein und reaktionären Kriegervereinen, kann er nunmehr mit einer Einladung zum Treffen der streng nationalen Familie nicht mehr rechnen. Und er will das auch nicht!

 

Vielleicht, wir wissen es nicht genau, unternahm er jetzt, nach der Loslösung von der Deutschnationalen Volkspartei, Urlaubs- und Erholungsreisen. Sein Englisch, dass er im Alter von zweiundfünfzig Jahren erlernte, war nahezu perfekt. Neugierig begab er sich damals mehrmals auf England-Reise. Nach seinem Abgang 1907 als Staatssekretär des Inneren zog es ihn an die Universität Grenobel. Dort sah man ihn im Studienjahr 1907/08 unter den Studenten sitzen.

 

 

Fürstenentscheid  zurück  

Am 20. Juni 1926 findet in Deutschland der  

Volksentscheid über die entschädigungslose
Enteignung des Fürsteneigentums

statt.

"Die deutschen Fürsten haben die Rechte deutscher Staatsbürger und begründen ihre Ansprüche auf Herausgabe ihres Privateigentums mit den Vorschriften desselben bürgerlichen Rechts." Darauf gedanklich aufbauend, befürwortet Posadowsky ihre Enteignung nicht, weil es mit seinem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit in der Gesellschaft unvereinbar ist. "Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen darf niemals das Recht des privaten Eigentums ausgeschaltet werden. .... Es wäre auch sittlich verwerflich, aus persönlicher Verbitterung für die Enteignung des Fürstenvermögens zu stimmen, weil man selbst Unrecht erlitten hat. Sparer und Rentner sollten deshalb grundsätzlich der Abstimmung am 20. Juni [1926] fernbleiben ...." (V&R 229)

 


Gegen Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit  zurück
Er bricht mit den deutschnationalen Politik - absolut und für immer.

Erleichtert nimmt Posadowsky nach den Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920 auf, dass die Deutsche Volkspartei (Gustav Stresemann, Rudolf Heinze) sich entschließt, der neuen Regierungsform beizutreten. Dem zollt er Lob und Anerkennung. Den Drehpunkt der Regierungsgeschehen verkörpert das Zentrum. Wohltuend für ihn hier, die sie begleitende Abneigung gegen radikale Wirtschaftsexperimente.

Die rechtsstehende Deutschnationale Volkspartei (DNVP), rekapituliert "Rechts oder links" (1920), ist in die Gruppe Regierungsbildung nicht einbezogen. Entscheidend ist, "nur wenn unsere innere Staatsverwaltung

das Vertrauen der Welt wieder erwirbt,

wird der Wert unserer Banknoten und damit ihre Kaufkraft wieder steigen. Hier muss die Heilung beginnen." (Totes Rennen 12.6.1920) Dies ist, erkennt Posadowsky, mit der Deutschnationalen Volkspartei nicht realisierbar.

Er ist schon im Juni 1920 abgesägt worden, lässt am 19. Dezember 1921 der Vorwärts aus Berlin mal kurz fallen. In alter konservativer Unart sahen die Strippenzieher nur, was man verlieren konnte, nicht aber was es zu gewinnen gab, nämlich das Konzept einer modernen konservativen Partei neuen Typus: antimonarchistisch, demokratisch, parlamentarisch, kooperativ, das Privateigentum schützend, mittelstandskompetent, arbeiterfreundlich, rechts- und sicherheitsbewußt auf Grundlage der Verfassung, realistisch - also die Interessen der sozialen Klassen anerkennend - und kritisch gegenüber permanenten Konsumexzessen.

1920 erscheint im Walter Hädecke Verlag in Stuttgart sein Buch

"Weltwende".

Eine Aufsatzsammlung über drängende aktuelle politische Fragen, oft mit philosophischen Impetus und heftigen Schlägen gegen den Zeitgeist. In ihr ringen die Kräfte der Kontinuität und des Umbruchs, der Bewahrung und Reform. Posa bleibt ein Konservativer, und was viele irritiert, mit einem fast mythischen Hang zur Modernen. Wie kann ein Konservativer, wie kann er nur? Er kann! Aber es ist anstrengend. Es erfordert von ihm die Zuwendung zu neuen Arbeitsfeldern, etwa zur Finanz-, Geld- und Verfassungspolitik.

Es ist ein tiefgreifender Erkenntnisprozess, in dessen Verlauf er absolut und für immer mit den deutschnationalen Politik der DNVP bricht. Die Trennung

beginnt mit dem Kapp-Putsch im März 1920

und endet

1925 mit der konsequenten Absage an die Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit deutschnationaler Politik ab (siehe Jenaer Volksblatt 29.8.1925).

Ein ziemlich langer Zeitraum. Wahrscheinlich ist er durch die in dieser Untersuchung angewandten Methoden und genutzten historischen Dokumenten etwas gestreckt. Mit einer anderen Kategorie von Quellen, die dem Autor nicht zur Verfügung stand, kann dieser Wandlungsprozess wahrscheinlich präziser erfasst und dargestellt werden.

Dass sich Graf von Posadowsky endgültig und konsequent von der deutschnationalen Politik distanziert, ist eine durch Quellen verschiedener Dignität gut gesicherte Aussage. Die von der DNVP in einem unvorstellbaren Ausmass praktizierte Prinzipienlosigkeit, empfindet er politisch und menschlich unerträglich. Diese Art von Politik zerstört die politische Konstruktivität, sie ist höchst manipulativ und mit seinem Bild vom selbsttätigen, vernünftigen, gesetzesbewußt handelnden und sozial-empathischen Staatsbürger unvereinbar. Zwischen Graf Posadowsky und Hugo Heimann in "Der Kampf um die Aufwertung" (1925, 54) entsteht ein bemerkenswerter Gleichklang, wenn Letzterer schreibt:

"Sobald aber die Deutschnationale Partei ihr Ziel erreicht und von der Regierungsmacht Besitz ergriffen hatte, wurde wiederum alles beiseite geschoben, was man vorher den mit allen Mitteln der Demagogie umworbenen Sparern und Gläubigern auf das Bestimmteste zugesagt hat. Statt die für jede gerechte Aufwertung unbedingt notwendigen Mittel von denen zu holen, die durch die Inflation sich auf Kosten der Nicht-Sachwertbesitzer bereichert hatten, beugte man sich widerspruchslos dem Diktat der Schwerindustrie und des Großagrariertums, lehnte jede Besteuerung der Inflationsgewinne ab und verriet so zum zweiten Male die Interessen der Sparer und Gläubiger, die zu schützen und zu fördern man hoch und teuer versprochen hatte."

Mittlerweile deckt die DNVP ein großes Themenfeld ab und versucht, seine Massenbais zu erweitern. Reichstagsabgeordneter Walther Lambach mobilisiert das volkskonservative Potential, wendet sich ab von dem extrem rechten Kurs des Alfred Hugenberg, versucht die Partei für den Weg zur Republik zu öffnen. Posadowsky nimmt 1925 den Fall Walther Lambach zum Anlass, um die krassesten logischen Widersprüche der Deutschnationalen Partei (DNVP) bloß zu legen:

"Man kann nicht fortgesetzt für die Monarchie eintreten

und gleichzeitig der Verlängerung des Gesetzes zum Schutze der Republik zustimmen, wodurch die entthronten Regentenfamilien, obgleich sie die Rechte deutscher Staatsbürger haben, vom deutschen Boden verbannt werden können.

Man kann nicht flammende Reden gegen das Dawesabkommen halten, durch welches der Vertrag von Versailles bestätigt wird,

und demnächst bei der Abstimmung über dieses feindliche Abkommen zur wirtschaftlichen und finanziellen Verelendung des Volkes sich zum Teil der Abstimmung enthalten und zum anderen Teil für das mit durchschlagenden Gründen bisher bekämpfte Abkommen stimmen.

Man kann nicht den enteigneten Gläubigern vor der Wahl zurufen:

"Denkt an das euch widerfahrene Unrecht; tretet ein für euer gutes Recht!" Und dann einen Canossa-Gang unternehmen und in die Regierung für ein Gesetz stimmen, dessen Aufwertungsquote zum großen Teil geringer ist wie der Betrag der für richtig erklärten Zinsen, also eine entschädigungslose Enteignung.

Man kann sich nicht zu konservativ-monarchistischen Kundgebungen bekennen

und sich gleichzeitig, um in die Regierung zu gelangen, den Richtlinien der früheren Regierung des Reichskanzlers Marx fügen." (Posadowsky 29.8.1925. Die Formatierung des Textes nahm der Autor vor.)

Dies bringt ihn endgültig und unwideruflich in Gegensatz zur deutschnationalen Poltik und bedingt den endgültigen Bruch mit ihr.

 

 

Teilen macht immer weniger Spass.
Verantwortung der Eliten.  zurück

Die wirtschaftliche und rechtspolitische Situation der Weimarer Republik ist im Ergebnis der Hyperinflation schwierig. Soll man als Ausweg schlichte Hoffnungen propagieren? Das lehnt Posadowsky ab, weil damit 1914 großes Schindluder getrieben und die Massen in verbrecherischer Weise manipuliert wurden. Sein Standpunkt lautet: "Absichtliche Täuschung und gutgläubiger Irrtum hat schon zu lange geschadet. Das deutsche Volk muss erkennen, was ist, um sich aus dieser Erkenntnis heraus ein nüchternes Bild politisches Bild und wirtschaftliches Urteil [!] zu bilden und sein Privatleben zu regeln." (V&R 227) Das ist eine wichtige Aufgabe der Eliten.

Nur in einem Land, wo die Gebildeten die Führung übernehmen, erhält die Zukunft eine Chance. Doch sie müssen diesen Anspruch, erwartet Graf Posadowsky, durch ihr persönliches und öffentliche Verhalten rechtfertigen. Ohne Bauchpinselei und vorbereitende Selbstbegeisterungsübungen stellte er 1932 fest: "Leider steht die Lebensführung weiter Kreise der Oberschicht im verletzendem Gegensatz zu dieser Forderung sowie zu dem schweren Schicksal ihrer notleidenden Mitbürger und des Vaterlandes." (V&R 228)

Die Produktionsmittel-Besitzenden, Oberschicht, Reichen und Eliten, definiert Posadowsky ihre Verantwortung zur Förderung eines gedeihlichen Staatswesens. Dabei nimmt die Freiheit des Besitzes - auch an Produktionsmitteln - und die Sicherheit des Privateigentums großen Raum ein. Meine Herren," warnt er am 12. Dezember 1905 (241) im Reichstag die Wirtschaftselite, "ich glaube aber auch ferner, dass mit unserem wachsenden Wohlstand nicht in gleichem Maße die Opferfreudigkeit gestiegen ist, die Großherzigkeit in wirtschaftlichen Dingen, die die besitzende Klasse auszeichnen muss!"

"Deutschland ist seit 25 Jahren ein wesentlich reicheres Land geworden; je mehr unser Reichthum steigt, desto mehr haben meines Erachtens die besitzenden Klassen die Verpflichtung," empfiehlt Posadowsky am 13. Dezember 1897 (173) im Reichstag, "von ihrem Ueberschuß abzugeben an die besitzlosen Klassen, deren Hände Arbeit wir unzweifelhaft unsere industrielle Entwicklung mit verdanken." Bleiben auch die Folgen der beschleunigten Konzentration der Industrieproduktion und des Kapitals sowie die Tendenzen der Monopolbildung hier außerhalb der Betrachtung, ist dies trotzdem ein ehrbarer moralischer Standpunkt und keineswegs wirkungsglos. Die Grenzen diese Engagements liegen im Wesen der Moral begründet und ihre Desavouierung durch die kapitalistische Mechanik. Posa`s Aufforderung zum Teilen erinnert an die legendendären Worte von Adolph Wagner am 12. Otober 1871 in der Garnisonskirche von Berlin:

"Also die besser situierten Stände, die Gelehrten, Künstler, Kauflaute haben keinen "Rechtsanspruch" auf eine reichlichere Befriedigung ihrer Bedürfnisse, als die niederen Stände."

Warum er das von Adolph Wagner erneuerte und gegen die Manchester-Leute gerichtete egalitäre Prinzip des gerechten Teilens im Reichstag am 13. Dezember 1897 (175) aushebelt, indem er es für wirtschaftlich unproduktiv erklärt, bleibt unklar. Dem egoistischen Lebensprinzip setzt er die Krone des Fortschritts auf:

"Das Lebensprinzip allen Fortschritts ist der menschliche Egoismus, der sich durch Arbeit und Intelligenz eine bessere Situation schaffen will als die der Nebenmenschen; und wenn Sie dem Menschen diesen seinen Lebenstrieb nehmen [sagt er in Richtung August Bebel], dann stockt auch der menschliche Fortschritt." (Posadowsky)

 
Impressionen Naumburger Dom 2007.
Links: Blick zum Dom. Rechts: Domplatz mit Dreikönigskappelle

Einfach erstaunlich und eindrucksvoll wie die Domestizierung individueller Moralbildung durch systemimmanente Notwendigkeiten des kapitalistischen Reproduktionsprozesses überformt wird. Dabei übersieht er nicht,  zurück  die entstandenen gesellschaftlichen Probleme mit dem Materialismus der besitzenden Klasse, beobachtete 1907 die Volksstimme in Magdeburg, die oft eine gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft behindern:

"Wenn er vom Materialismus der besitzenden Klasse sprach, wenn er erklärte, dass der Besitz, immer eine Annehmlichkeit, selten ein Verdienst und niemals eine Tugend sei."

Andere Abgeordnetenkollegen, zum Beispiel Gutsbesitzer Graf Hans Wilhelm Alexander von Kanitz-Pondangen (1841-1913) von der Deutschkonservativen Partei, handhaben dies anders, indem sie die Frage nach dem "Materialismus des Besitzes" abwimmeln und sagen, die Landwirtschaft sei gar nicht in der Lage sich dem "Materialismus" hinzugeben.

Die Wahrheit ist das Ganze, lehrt Hegel. In diesem Sinne vervollständigt Posadawsky das Bild am 13. Dezember 1897 (173) in der Reichstagsrede: "Die besitzenden Klassen haben aber noch mehr gethan; sie haben sich nicht beschwert, so oft ich auch mit Arbeitgebern gesprochen habe (ach! bei den Sozialdemokraten), - nein, meine Herren! - über die materiellen Opfer, die sie zu bringen haben aus Grund der sozialpolitischen Gesetze. Viel drückender sind die persönlichen Arbeitsleistungen, die ganzen öffentlich-rechtlichen Pflichten, welche die besitzenden Klassen im Interesse der Durchführung dieser Gesetzgebung zu leisten haben. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen .…"

 

 

Kritisch gegenüber Subventionen  zurück

Subventionen sind in der Weimarer Republik ein politisches Dauerthema. Was soll, was darf der Staat tun? Den Fürsten die Millionen hinterherwerfen oder sie für den Siedlungsbau der Arbeiter einsetzen?

Der Staat gewährt der Industrie Kredite, zum Beispiel 1921 den Junkers Werken 21 Millionen Goldmark für den Flugzeugbau in Russland. Als das Geld nicht reicht, kommt es zum Krach. Das Reich hilft 1925 noch einmal. Aber das Werk kommt erneut in Schwierigkeiten ….

Posadowsky-Wehner steht der sogenannten Förderungspolitik von Unternehmen skeptisch gegenüber. "Ein Staat, der auf Kosten der Steuerzahler fortgesetzt ungeheure Subventionen und Bürgschaften für privatwirtschaftliche Unternehmungen gewährt, verlässt den wirtschaftlichen Grundsatz, dass jeder das Risiko seines Unternehmens tragen muss, wenn nicht der Staat Gefahr laufen soll, in den Strudel des wirtschaftlichen Lebens in einem Maße zu geraten, dass die Grundlage jedes geordneten Staates, geordnete Finanzen, aufs schwerste erschüttert wird." (V&R 213)

Mit dieser Anschauungsweise eines rechnenden Finanzpolitikers stößt er öfter nicht auf Gegenliebe. Im Reichshaushalt haben wir 771 Millionen Mark Defizit, rekapituliert er am 19. Dezember 1930 vor dem Preußischen Landtag; "Es ist traurig, dass der Parlamentarismus im Reichstage so versagt hat, dass eine Notverordnung ergehen musste, um die Ordnung der Finanzen des Reiches zu sichern." In dieser Situation sollte man sparen, keine Steuersenkungen vornehmen oder gar das ganze Steuersystem umbauen.

In der Debatte vom 23. Januar 1932 über die Spar- und Reichsnotverordnungen im Preußischen Landtag wendet er sich gegen Subventionen. "Die Städte", argumentiert er, "können nicht einerseits, weil sie notleidend sind, Staatshilfe in Anspruch nehmen und andererseits Subventionen an Theater zahlen ..... ein großer Teil theatralischen Aufführungen dient nicht der seelischen und geistigen Bildung, sondern oberflächlichem Zeitvertreib." Die Haltung ist tief verankert. Schon einmal argumentierte er gegen die Theaterfinanzierung, nämlich in der Landtagsdebatte am 19. April 1929: "Wir werden gegen diesen Antrag stimmen, weil wir der Ansicht sind, daß bei der ungeheuren Steuerbelastung unseres Volkes man dem Steuerzahler nicht noch zuzmuten kann, Opfer für die Unterhaltung von subventionierten Staatstheatern zu bringen. Die Städte, die solche Theater haben, haben auch den Nutzen davon, namentlich von dem Fremdenzufluß. Diese subventionierten Staatstheater sind eine Erbschaft der monarchistischen Regierung .... Es liegt keine Veranlassung vor diese Erbschaft zu übernehmen."

 

 

Bürgersinn - Verantwortung - Pflicht   zurück

Nach Ansicht von Posadowsky-Wehner braucht der Staat dringend ein beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen. Das bedeutet, "dass im republikanischen Staatswesen die Pflichten des einzelnen Staatsbürgers erheblich höher sind als in der Monarchie, wo die monarchische Regierung als selbständige Machtquelle der gesetzgebenden Versammlung gegenübersteht und das Recht hat, Gesetzesentwürfe, welche ihr bedenklich erscheinen, abzulehnen."

 

 

Was ist
"konservativ"?

"Konservativ sein heißt nicht, die Interessen und Überlieferungen einer Gesellschaftsklasse dauernd festzulegen, konservativ im echten und staatsmännischen Sinne heißt vielmehr: den Staat und die Gesellschaft entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der Zeit organisch fortzuentwickeln, damit allen Klassen der Bevölkerung die Überzeugung erhalten bleibt, dass der geschichtlich gewordene Staat nicht nur eine innere Notwendigkeit, sondern auch die höchste Wohltat für alle Gesellschaftsklassen ist." (Andreas Grieser - 1868-1955. Vorwort zu Volk und Regierung im neuen Reich, 1932, 6)

 

"Die deutsche Republik aber, die dem Volke als die freiheitlichste Verfassung der Welt in so begeisterten Tönen gepriesen ist, hat leider nur einen Mangel - es fehlt ihr an Republikanern. Eine Republik, wenn sie nicht eine Verfassungslüge sein soll, setzt zu ihrem Bestehen ein tief innerliches, das ganze öffentliche und private Leben beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen voraus. Nur so ist es möglich, dass das Volk selbst Träger der Regierungsgewalt ist. In einer Republik, in der man den Staat als große Versorgungsanstalt betrachtet, wo man gestützt auf weit verzweigte Interessenverbände rücksichtslose Interessenpolitik treibt und von dem schwer bedrängten Staate immer neue Vorteile zu erkämpfen sucht, wo man zwar fortgesetzt Sparsamkeit fordert, gleichzeitig aber Parteiinteresse maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt, wo versteinerte Parteiauffassungen schließlich jede vernünftige stetige Staatsverwaltung unmöglich machen, da fehlt die unentbehrlich Grundlage der Volksherrschaft, der seiner Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen bewusste Bürgersinn." (V&R 115)

Leider ist in weiten Kreisen diese größere Verantwortlichkeit der Staatsbürger bisher noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Es gibt sogar eine Richtung, welche offen erklärt, dass sie mit Politik nichts zu tun haben will. Es ist dies eine Auffassung, welche nur bedacht auf den eignen, behaglichen Lebensgenuss, für keine öffentliche Angelegenheit zu haben ist, die sich nicht auf ihre eignen persönlichen Bestrebungen und Wünsche bezieht." (V&R 72)

Der moderne Staatsbürger ist bei Posadowsky aktiv, engagiert, urteilsfähig und empathisch in seiner sozialen Welt tätig. Der Antiheld ist der unpolitische Bürger. Vorzugsweise beschränkt er sich bei der Teilhabe an den Staatsgeschäften darauf, die Zeitung zu lesen, womit er meint, seine Pflicht erfüllt zu haben. Diesem Typus Bürger liegt eine selbstständige geistige Prüfung der politischen Ereignisse fern. Selbst bei Personen, die nach ihrer Lebensstellung als "gebildet" gelten, tut Posadowsky seine Erfahrungen kund, findet man ein überraschendes Maß an politischer Unkenntnis, Urteilslosigkeit und Gleichgültigkeit. Ein grausen, dieser "bescheidene Mensch". Wo sie allerdings von der Gesetzgebung empfindlich betroffen werden, pflegen sie "in herbster Form ihr Urteil über diese politischen und wirtschaftlichen Folgeerscheinungen abzugeben", obwohl sie "zu deren Vermeidung oder Beseitigung sie selbst durch ihre öffentliche Tätigkeit nichts getan haben." (V&R 76)

Die Masse dieser Schwächlinge zeichnen sich durch Untätigkeit und Trägheit aus, erwarten aber von anderen Herkules-Leistungen. "Diese politisch und wirtschaftlich wertlose Masse verschuldet es, wenn die überwiegende Volksmeinung durch rührige und skrupellose Berufspolitiker entstellt oder unterdrückt wird." (V&R 228)

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Das Volk ist in seiner Gesamtheit für die Führung der Staatsgeschäfte verantwortlich. Die erste Bürgerpflicht heißt deshalb, Abgabe der Wahlstimme. Wer nicht zur Wahl geht ist ein "politischer Deserteur" und vernachlässigt in unentschuldbare Weise die vaterländische Pflicht. Man kann "das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes" an Hand der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen beurteilen (V&R 73). "Weite Kreise scheinen aber diese veränderte Grundlage des öffentlichen Lebens gegenüber der konstitutionellen Monarchie noch nicht erkannt zu haben .... Das höchste Recht und die wichtigste Pflicht jedes Staatsbürgers ist die Abgabe seiner Wahlstimme .... " (NBT 25.4.1925)

 

 

Rechtsbewusstsein wider Durchbrechungstheorie  zurück

Ägidienkurie, Naumburg 2007

Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit verkörpern sind bei Posadowsky-Wehner zentrale Kategorien des staatspolitischen Denken und organisieren die Leitideen zu Macht und Demokratie. Sie sind unerläßlich für die Schaffung eines gerechten Staates, dem der Bürger vertrauen kann. Ohne Rechtsstaat ist für ihn die Durchsetzung dem Allgemeinwohl verpflichtender Normen und Ordnungsprinzipien undenkbar.

In der Praxis leistet die Rechtsstaatlichkeit nach seiner Überzeugung den entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Weimarer Republik. Seine Erfahrungen damit sind durch die Revolution von 1918/19 geprägt und seine Tätigkeit als "Oppositionsführer in der Nationalversammlung", was im gleichnamigen Kapitel oben bereits dargestellt wurde, bestimmt. Zweitens. Er vermied jede Beteiligung am Kapp-Putsch, was ein Affront gegen sein Rechtsgefühl gewesen wäre und lehnte ihn aus rechtstheoretischen Grundsätzen ab. Drittens. Nachhaltig und sein gesamtes soziales Gefühl erfassend, beschäftigt ihn die Zerstörung tragender Prinzipien der Rechtsordnung durch die Inflations- und Aufwertungsgesetzgebung. (Siehe Urteil des Reichsgerichts vom 28. November 1923, Dritte Steuernotverordnung vom 14. Februar 1924, Bankengesetz vom 30. August 1924.) Es ist die "ungerechteste und unsittlichste Gesetzgebung des ganzen Reichsgesetzblattes". Mit "genialen Feinsinnigkeiten" hat man alles getan, "um die Partei der Schuldner zu begünstigen" So brachte man den Mittelstand um die Früchte seiner Arbeit und die Kinder "um das Erbe ihrer Eltern", "um andere Kreis zu bereichern ...." (Posadowsky 1929, 4194, 4195)

Daraus hebt er am 19. Dezember 1930 in der Rede vor dem Preußischen Landtag zwei Schlußfolgerugen hervor: Erstens. Die Popularität der "neuen Staatsform" wächst und gedeiht, wie der "Staat ein Staat des unbedingten Rechtes gegen alle Parteien des Reichstages und alle Berufsschichten in gleicher Weise ist". Zweitens. Auch im Privatrecht muss das Recht mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt werden.

In einer Debatte des Preußischen Landtages fragt Posadowsky-Wehner den Justizminister, ob ein Gesetz beschlossen werden darf, dass gegen die Grundrechte der Weimarer Reichsverfassung verstösst. Der Minister eröffnet in seiner schriftlichen Antwort zwei Möglichkeiten: Erstens. Mit einer Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Körperschaft kann die Verfassung geändert werden. Zweitens könnte als Lösung die sogenannte

Durchbrechungstheorie

An der Nordseite vom Naumburger Dom, 2007

in Anwendung kommen. Empört weist dies Posadowsky

am 19. Dezember 1930

vor dem Preußischen Landtag unter Verweis auf Artikel 76 der Reichsverfassung als glatten Verfassungsbruch zurück. "Ich verstehe es nicht," stellt er im Ton tiefer Enttäuschung fest, "dass die Mehrheit des Reichstages ein solch verfassungswidriges Verfahren wiederholt gebilligt hat. Das gilt für die Kürzung der Beamtengelder als wohlerworbene Rechte." Auch im Rahmen der Geldpolitik ist dies schon mehrfach geschehen. Als Beweis zitiert er aus der Rede von Finanzminister Doktor Luther am 23. August 1924 vor dem Reichstag, wo dieser darlegt, dass die Regierung "künstliches Geld" einsetzte, "um Werte abzulösen". Ein Privatmann, der künstliches Geld macht, schiebt Posa wütig bei seinem Auftritt im Preußischen Landtag am 23. Januar 1932 nach, begeht ein Münzvergehen und ist nach dem Strafrecht ein Verbrecher. Mit künstlichem Geld darf man keine Schulden tilgen, "deshalb sind die sogenannten Aufwertungsgesetze null und nichtig".

"Als die Reichsregierung die Aufwertungsgesetzte erließ, wo sie hundertaussende um ihr Hab und Gut brachte unter Ausschaltung des § 607 des Bürgerlichen Gesetzbuches, was die Rückzahlung von Schulden in gleichem Wert fordert, hatte sie diess Zartgefühl nicht. Aber jetzt, wo sichs darum handelt

die verbrecherischen Personen festzustellen,

die die Inflation im In- und Auslande künstlich herbeigeführt und dann zu ihrer Bereicherung benutzt haben, da tritt die Reichsregierung vor diese Spekulanten. Man sieht ja ganz klar: man soll nicht wissen,

wer die Verbrecher sind,
die die Inflation herbeigeführt haben." 
(19.12.1930)

"Es genügt nicht", fasst Graf von Posadowsky-Wehner 1932 seine Erfahrungen zusammen, "dass die gesetzgebenden Körperschaften fortgesetzt je nach den bestehenden Mehrheitsverhältnissen Gesetze beschließen und die Regierung aus politischen Gründen denselben willfahrt. Gesetze müssen sich durch jahrelange Anwendung im Rechtsbewusstsein des Volkes einbürgern, um tatsächlichen Gesetzeswert zu erlangen; durch die Veröffentlichungen in den Gesetzblättern wird die Rechtskraft nur urkundlich festgestellt, aber kein Rechtsbewusstsein geschaffen." (V&R 72)

 

 

Geburtstag

Bischofskurie am Domplatz 2007

Zum 80. Geburtstag gratulierten ihm: Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichskanzler Doktor Hans Luther, Reichswirtschaftsminister Albert Neuhaus, General der Infanterie Friedrich Sixt von Armin, Domherr von Naumburg und Großadmiral Hans von Köster, der Vizepräsident des Reichstages Doktor Jakob Riesser, der Ministerpräsident des Freistaates Preußen Otto Braun, der Bund der Domschüler, die Direktion des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und andere.

 

 

Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom   zurück 

Am

24. August 1924

wird an der westlichsten Seite der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden eine steinerne Gedenktafel enthüllt. 148 Namen sind hier eingemeißelt. Zwei, Ewald und Würzig, fügt man später noch hinzu. "Von den 16 Abiturienten von Ostern 1912 finden sich sieben auf der Tafel wieder, von 15 Kriegsbegeisterten, die es im August 1914 nicht abwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, sind acht Namen in den Stein gehauen," ermittelte Julia Ziegler (2009) in einer Studie über die Kriegsgefallenen des Naumburger Domgymnasiums.

 

Auf der langen Ehrenliste steht der

Kreuzgang des Naumburger Doms mit Gedenktafel (2005)

Inschrift: Ruhmvoll ist das Schicksal des Gefallenen, glücklich ihr Los.

Name

Peter-Paul Hollaender.

Er fiel am 26. Oktober 1917 im Alter von 25 Jahren in Flandern. Sein Vater Doktor Ludwig Hollaender war Oberlehrer am Domgymnasium. Mutter Julie Hollaender lebte nach dem Tode ihres Mannes noch etwa zwanzig Jahre in der Grochlitzer Straße 18. Seinen Bruder Doktor Otto Hollaender verfolgten die Nationalsozialisten.

An 57. Stelle in der Liste Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums steht der Name

Gerhard Hemprich.

Sohn des grossartigen Lehrers und Jugendpflegers

Karl Hemprich, geboren am 17. Dezember 1867,

der 1908 aus Freyburg an der Unstrut kam und die Knabenschule (Georgenschule) als Rektor übernahm. 1913 wechselt er an das Königlicher Seminar-Oberlehrer als Bezirksjugendpfleger von Merseburg und leitet bei Kriegsausbruch die Mobilmachung der Jugend. Was und wie alles zu geschehen hat, auf welchen gesetzlichen Grundlagen, wie dies organisiert wird, was die Bezirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Jugendpflege zu tun haben, legt Karl Hemprich  1 9 1 4  auf 16 Seiten Format A 5 unter dem Titel

Die militärische Vorbereitung der Jugend
während des mobilen Zustandes

dar. Ein Jahr später zerfleischt die Kriegsbestie seinen Sohn Gerhard, eines der vier Kinder aus der Ehe mit Gertrud, geborene Wächter. Der Primaner, blond, blauäugig, hochgewachsen, gesund und immer heiter, hatte sich freiwillig zum Infanterieregiment 67 nach Metz gemeldet. Ein anderer Sohn von Gertrud und Karl Hemprich, Siegfried, starb früh. Ihr Töchterchen Kätchen raffte im Alter von acht Jahren eine unheilbare Erkrankung dahin. "Diese Wunde hat sich nie wieder geschlossen." Aufopferung und Einfühlungsvermögen des Jugendpflegers haben wahrscheinlich hier ihre Quelle. (Vgl. Weicker 45-47)

 

Am Sonntag, den 24. August 1924 um ½  9 Uhr finden sich alle Domschüler auf dem Schulhof ein. Eine Stunde später sitzen sie brav in der Marienkirche und hören die Predigt mit der Botschaft an die Jugend von Pfarrer Mühe:

"Brüder, deutsche Treue bis in den Tod! So waren die unsern, so wollen auch wir werden: Männer der Treue."

 

Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums

PDF-Dokument hier (etwa ein Megabyte).

Quelle: Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeit

 

Nach dem Gottesdienst ziehen Schüler, Lehrer und Gäste im geschlossenen Zug zum Denkmal in den Kreuzgang des Doms um, wo dann bald die Worte über Deutschland von einer sittlichen Weltmacht, in des Wortes edelster Bedeutung zu hören sind. Doch war der Einmarsch der deutschen Truppen 1914 in Belgien nicht selbst schon ein sittlicher Grenzdurchbruch?

Der Ort ist feierlich geschmückt. Vor der Tafel aus Krensheimer Kalkstein wachen je zwei Offiziere von der Marine und den Feldgrauen, Angehörige des Bundes Alter Naumburger Domschüler (BAND). Auf ein Zeichen hin entfernen sie die Hülle. Zuvor hielt der Architekt des Denkmals, Herr Graumüller aus Saaleck, eine kurze Ansprache. Er dankte dem Bildhauer Josef Heise für das Gesamtwerk und Kunstmaler Professor Hugo Gugg (1878-1956) für den überkrönten Aufsatz der Steintafel, die den Kopf eines jugendlichen Kämpfers mit Stahlhelm darstellt. Dann hebt der Vorsitzende vom BAND zur Ansprache an. Dies ist eine Stätte der Trauer, des Dankes und des Trostes, gedenkt Professor Flemming der Toten. Aber dies ist kein Denkmal, das mahnen soll, wie es Julia Ziegler (2009) treffend formuliert, sondern es soll eine Erinnerung an die Kämpfenden sein.

Dann werden die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen 150 Domschüler feierlich verlesen.

 

 

Erinnerungsarbeit

Hans-Gert Kirsche, um 1930:

..... Der Fackelzug endete auf dem Kreuzganghof, wo in einer Ecke die Gedenktafel für die Gefallenen der Schule angebracht war (1914-1918 stand oben, und darunter 165 Namen), gruppierte sich vor den Schwibbogen im Geviert, und die Fackeln wurden in der Mitte zu einem lodernden Scheiterhaufen zusammengeworfen. Irgendwo aus dem Dunkel des Kreuzgewölbes rezitierte ein Sprechchor raunend vaterländische Verse, der flackernde Flammenstoß warf gespenstische Lichter auf die im Hintergrund düster aufragende viertürmige Kulisse des Domes, und uns alle durchschauerte weihevolle Rührung, während die Musik intonierte: "Ich hatt' einen Kameraden...". Nicht mehr als vier Jahre später wurde es Zeit, an eine neue, noch größere Tafel zu denken: man hatte wieder angefangen, massenhaft fürs Vaterland zu töten und zu sterben."

Hans-Gert Kirsche

 

 

Anschließend trägt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz zur Einweihung der Gedenktafel seine Gedanken über den Krieg, den Folgen und die persönliche Verantwortung des Bürgers vor. Er fragt: Warum musste eine "sittliche Weltmacht wie Deutschland" untergehen? Warum fand sich ein "Weltbund ungeheurer Übermacht gegen uns" zusammen? Wie konnte das Geschehen? Im feierlichen Unterton hebt der Dechant des protestantischen Domkapitels zur Festrede an:

"Der Krieg hat ungezählten Familien unheilbare Wunden geschlagen und über unser gesamtes Vaterland unsägliches Leid gebracht. Die Ereignisse der Vergangenheit erscheinen uns bisweilen wie ein böser Traum, man fragt sich immer von Neuem, wie es möglich war, dass dieses mächtige Deutschland, von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Staatsmann auf unabsehbare Zeit geschaffen, nach kaum einem halben Jahrhundert von seiner stolzen Höhe sinkt. …. Deutschland ist ein Kontinentalstaat; es ist das Herzstück Europas. Wie ein Felsen schien es zu stehen inmitten unseres Erdteils, in der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde ringsum. Seine sozialen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen, seine Bildungsstätten, sein Beamtentum und seine Staatseinrichtungen wurden trotzdem in aller Welt bewundert. ... Weder die Regierung noch das deutsche Volk haben den Krieg gewollt; er ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant, militärisch vorbereitet und uns schließlich aufgezwungen [worden]. …. Das große deutsche Volk darf niemals auf seine Zukunft verzichten …."

"So möge" dieser Gedenkstein, fährt die Rede fort,

"einen Merkstein bilden zur Aufrichtung des von Unrecht geknechteten Vaterlandes."

Salbungsvoll bringen diese Metapher auch die deutschnationalen, völkischen und alldeutschen Vordenker vorzugsweise bei Ehrungen und Kranzniederlegungen oder in Feierstunden zur Geltung. Im September 1933 gießen sie der Stahlhelm-Studentenring "Langemarck" und die Stadtverwaltung in den Beton des Langemarck-Denkmals. Doch Posadowsky ist kein Vorkämpfer des Stahlhelms und politischen Revisionismus.

"Man dient seinem Volke nicht," warnt er, "wenn man es über seine eigenen Eigenschaften schmeichelnd täuscht und andere Völker einseitig herabsetzt." (V&R 227)

Und wie man die Worte am Gedenkstein immer interpretiert, wir sollten es nicht vergessen, in Totalität bemühte er sich um die ökonomische und politische Stabilisierung der Weimarer Republik, mahnte stets die Rechtsstaatlichkeit an, wandte sich als Politiker den Erwartungen der Unterschicht zu, verteidigte die Mittelschicht gegen die staatliche Enteignung des privaten Geldvermögens und stritt für Rechtsgleichheit und -sicherheit.

Der englischen, französischen und russischen Nation stand er im Lichte der Reziprozität der Feinbilder kritisch gegenüber, weil sie vor dem Weltkrieg darauf bedacht, im Ausland eine starke deutschfeindliche Abneigung hervorzurufen. Pars pro toto nennt er Lord Rosebery (1847-1919) von der Liberal Party und ehemaliger englischer Außenminister, der als erster den Weckruf ausstieß:

"Wir sind bedroht, von einem fürchterlichen Nebenbuhler, der uns nagt wie das Meer an den schwachen Stellen der Küste - ich meine Deutschland."

Bevor Sigmund Freud 1938 die Bewusstseinsspaltung in "Die Ichspaltung im Abwehrvorgang" beschrieb, diagnostizierte sie 1920 Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Aufsatz "Mr. Pecksniff" (23) beim freiheitsliebenden Engländer, der für sich, nicht aber für die bürgerliche Freiheit anderer Völker "die gleiche Rücksicht" empfindet.

Deutschland hat sich mit seiner "verfehlten Weltpolitik" (Posadowsky) viele Feinde gemacht. Das weiß er und stellt dies überhaupt nicht Frage. Ausserdem war dies ein zentraler Kritikpunkt der Reichskronen-Rede vom 15. Januar 1919. Ihm ist gegenwärtig, Deutschland muss sich zügeln und Grenzen auferlegen. Eine neue Weltpolitik, davon ist er nicht abzubringen, wäre sein Ruin.

"Nur Selbsterkenntnis und Selbstbeschränkung kann uns wieder zu alten Höhen führen."

Ist das nicht Bismarcks-Schule? - Verzicht auf territoriale Forderungen, keine expansionistischen Bestrebungen, keine europäischen Kriege und Beteiligung an überseeischer Kolonialpolitik! In Euphorie sollten wir darüber nicht verfallen, denn der erste Reichskanzler hinterließ uns äußerst problematische Hypotheken, zum Beispiel in der Nationalitätenpolitik. Dennoch könnte dies unter den Bedingungen der 20er Jahre Ansätze zur Friedenspolitik bieten. Auf jeden Fall kontert er die Naumburger Wilhelmisten (Kolonialverein, Alldeutsche, militante Kriegervereine) und Revisionisten (Völkische, Nationalsozialisten, Stahlhelm).

Die Kriegsverhältnisse bedingen den Verlust an Individualität und Charakter einer Rechtsperson, also eine Enthumanisierung aller Verhältnisse. Je mehr das Volk im Verlaufe des Krieges zu immer höheren Leistungen aufgerufen war, erkennt Posadowsky-Wehner (V&R 40), desto mehr verliert der Einzelne an Rechten. Dies verlangt von ihm immer größere Opfer. Selbstlose Menschen treten ans Licht, die Helden, sie geben das gute Beispiel. Dem Verlust an Humanität ist damit nicht vorgebeugt, verliert doch der Einzelne durch sein Opfer die Individualität. Was ist das nun, "Verlust" oder "Gewinn"? Vor der steinernen Gedenktafel an Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms lebt jetzt wieder die Moral des heroischen Zeitalters auf. Denn Posadowsky zitiert nun aus dem 1800 entstanden siebenstrophigen Wechselgesang des Vorspiels zur Trilogie Wallenstein, Ein dramatisches Gedicht von Schiller, den Vers:

"Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein."

Dies steht im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und trägt nicht zur Überwindung der gesellschaftlichen Moralauffassung bei, die zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte und die Dialektik der Aufklärung (91) persifliert:

"Wer stirbt, ist gleichgültig, es kommt aufs Verhältnis der Vorfälle zu den Verpflichtungen der Kompanie an."

Und doch sollten wir uns s o  n i c h t  aus dem Gespräch mit Graf Posadowsky über die Einweihung der Steintafel zu Ehren der Gefallenen im Ersten Weltkrieg verabschieden. Wahrscheinlich wäre dann vergessen, dass er (a) öfter entschieden gegen den Missbrauch staatlicher Autorität auftrat, (b) vor überhöhten Vollmachten staatlicher Zentralgewalt unter Umgehung der Parteien und föderativer Einheiten warnte und (c) die von ihn vorgetragene Kritik an Feindbildern den Zweck verfolgte, den Bürgern die Lust an staatlicher Aggression zu nehmen. Genau diese realgeschichtlichen Momente, die im September 1932 Sigmund Freud im Brief über "Warum Krieg?"an Albert Einstein erörtert, begleiten die Entstehung von Kriegen. Die frappierende Kohärenz im politischen Denken deutet einmal mehr auf die verkannte Leistung von Posadowsky-Wehner hin.

 

 

29. November 1925
Wahlen zum Preußischen Provinziallandtag
der Provinz Sachsen  zurück

Am 29. November 1925 dürfen die Bürger der Provinz Sachsen die Sitze im Preußischen Provinziallandtag verteilen. Die letzte Nominierung der Kandidaten fand 1921 zusammen mit den Wahlen zum Preussischen Landtag statt. Schon deshalb, vermutet die lokale Presse, war damals die Beteiligung besser. Diesmal machten von ihrem Wahrrecht nach ihrer Schätzung nur etwa die Hälfte der Bürger gebrauch.



Ergebnisse der Wahlen
zum Preußischen Provinziallandtag der Provinz Sachsen
29. November 1925

 
Abgeordneten-
Sitze
 

Nationale Ordnungsblock

20
 

Sozialdemokraten

34
 

"Sparer", Liste Posadowsky

2
 

Zentrum

4
 

KPD

17
 

Völkische Liste

3
 
DNVP
12
 
DVP
2
 

DDP, Demokraten

5
 
     

Gesamt

113
 


Gewählte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung

 

 

 

Posadowsky-Wehner zieht für die "Sparer" in den Provinziallandtag ein.

Ihn besorgt der Zustand der deutschen Nation. Besonders die allgemeine Kriminalität im Lande, erscheint ihm viel zu hoch. Missfallen erregt die zunehmende Verflachung des öffentlichen Lebens. "Es ist eben ein Zeichen der Zeit," kann er am 19. Dezember 1930 in Preußischen Landtag nicht mehr an sich halten, "dass man in unserem Vaterlande die wichtigen, tiefernsten Dinge von oberflächlichen und nebensächlichen Angelegenheiten nicht mehr unterscheiden kann." "Die Ereignisse unserer Zeit lassen leider den mutigen Wirklichkeitssinn, der notwendigen Grundlage für richtiges Handeln, schmerzlich vermissen", kritisiert 1926 Im Lichte der Wirklichkeit. "Man behilft sich mit der Vorstellung, deren planmäßige Wiederholung günstig auf die öffentliche Meinung und festigend auf die eigene Stellung wirken sollen. Gehen im politischen Leben derartige Einflüsse von maßgebenden Gewalten aus, so erzeugen sie schließlich herbe Enttäuschungen und tiefgehendes Mißtrauen".

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP)  zurück

Ende Juni 1925 publizierte Posadowsky in der deutschnationalen Presse mehrere Aufsätze zum Aufwertungsgesetz, dass am 16. Juli 1925 im Deutschen Reichstag zur Abstimmung stand. Ihm war klar:

"Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung, dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Nach Keil 1925)

Dies auszusprechen, fällt ihm nicht leicht. Denn er leidet unter diesen Verhältnissen, an dessen Horizont abgrundtiefe Gefahren für die zivilisierte Existenz der Bürger lauern. Seine Kritik an der Hyperinflation und Aufwertungsgesetzgebung rief alte und neue Gegner auf den Plan. Einer war Carl Severing (1875-1952), der 1912 die Bielefelder Niederlage zu den Reichstagswahlen nicht verwunden hat. Am 15. Oktober 1925 meldet er sich im "Vorwärts", Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, zu Wort, und verbreitet folgende Geschichte: "Jetzt aber, in diesen Sommertag, sind Ihre politischen Freunde, meine Herren von der Deutschnationalen Volkspartei, an mich herangetreten bzw. an die Herren meines Ministeriums mit dem Ersuchen diesen Landrat recht bald abzuberufen. (Lebhafte rufe: Hört! Hört! links)" Das hatte etwas Ungeheuerliches: "Es war ja vorallem die Deutschnationale Partei," wie SPD-Experte Hugo Heiman eben in diesem Moment in Der Kampf um die Aufwertung (1925, 54) klar stellte, "die durch ihr Tun und Lassen das ganze Unglück verschuldet hatte."

Die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) war eine Splitterpartei. In weiten Teilen der Öffentlichkeit entstand der Eindruck, als ob die Sozialdemokraten ihr gegenüber Wahlrechtsbeschränkungen befürworten. Ja mehr noch, teilt Wilhelm Keil 1928 im "Vorwärts" (Berlin) mit, aus zahlreichen Zuschriften ist abzulesen, dass im Lande die Meinung herrscht, "als sei die Sozialdemokratie eifrig bemüht, die sogenannten Splitterparteien durch neue gesetzliche Vorschriften zu erdrosseln." "Niemand aber denkt daran," betont der Sozialdemokrat, "durch Änderung der Verfassung oder des Wahlgesetzes die Bildung neuer Parteien oder die Entwicklung bestehender kleiner Parteien zu unterbinden."

Wilhelm Keil (1870-1968), einst Landtagsabgeordneter der zweiten Kammer der Württembergischen Landstände und nach 1918 SPD-Abgeordneter in der Nationalversammlung und im Reichstag, befaßte sich tiefgründig mit der Entstehung, Entwicklung und Folgen der Hyperinflation. Nach seiner Auffassung, hatte die Sozialdemokratie keinen Grund, den Kampf gegen die Splitterparteien aufzunehmen. Das Auftreten verarmter Sparer und Gläubiger als besondere Partei, muss man deshalb trotzdem nicht unterstützen. Aber wir haben kein Recht, die Entwicklung dieser Parteien zu unterbinden. Besser wäre, schlägt Wilhelm Keil vor, wenn die Bürger in Parteien aktiv werden, die seither für ihre Interessen eingetreten sind.

Aber das Vertrauen in die Parteien ist schwer gestört. Das Bild, was sie abgeben, bleibt oft unter den Erwartungen der Bürger. Zum Beispiel, wenn während der Debatte über das Gesetz zur Aufwertung der Hypotheken am 13. Juli 1925 im Reichstag nicht mehr als ein Dutzend Abgeordnete ständig anwesend waren, kommen tiefere Frage über die Arbeitsweise der Palamentarier auf. Unter anderen sprachen Genosse Keil (SPD), Dr. Korsch (KPD) und Dr. Best. Es war unmöglich irgendwelche Verbesserungen durchzusetzen. Ein SPD-Antrag wurde mit 177 gegen 224 Stimmen abgelehnt. Dass die Deutschnationale Fraktion dem Aufwertungskompromiss zustimmen könnte, erschien Posadowsky unmöglich, weil dies im schärfsten Gegensatz zu ihren bisherigen Forderungen und Versprechungen stand.

Um den 16. Oktober 1926 berichten die Zeitungen, dass die verschiedenen Sparergruppen die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) ins Leben gerufen haben. Ihr Führer ist Arthur Graf von Posadowsky-Wehner aus Naumburg. Die Partei trotzt der Regierung, weil das Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen vom 16. Juli 1925 einen Vermögensverlust bis zu 97 Prozent brachte.

Am

21. Oktober 1927

tagen die VRP-Anhänger im Preußischen Hof. Der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe des Sparer- und Hypothekengläubiger-Verbandes eröffnet die Versammlung. Besonders begrüsst er Arthur Graf von Posadowsky-Wehner mit den Worten, "der Kampf, den er führe, habe sich gerichtet gegen Regierung und Volksvertreter, die ihr Volk entrechtet und enteignet hätten; nicht ein Knechtsstaat, sondern ein Rechtsstaat müsse erst wieder geschafft werden ...." Dann wurde die Auflösung der Ortsgruppe bekannt gegeben. Anschliessend hält der Gast einen ansprechenden und inhaltsreichen Vortrag, von dem die Passage überliefert: "Der Ausfall der Zinsen, welche die Gläubiger zu beanspruchen hätten, ziehe jetzt der Staat in Form einer Hauszinssteuer ein, darunter hätten Wirtschaft, Mittelstand, Hausbesitzer und Mieter zu leiden." Dann erläutert er die Notwendigkeit der Gründung der

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP).

Nach längerer Aussprache über die Richtlinien der Partei, wurden diese für gut befunden und einstimmig beschlossen einzutreten für:

erweiterten Schutz der Verfassung,

volle Unabhängigkeit der Gerichte,

die Beseitigung der Daweslüge,

die Aufwertung nach Treu und Glauben,

die Abschaffung der Hauszinssteuer,

den Schutz der Mieter,

die Selbständigkeit der Privatwirtschaft,

die wohlerworbenen Rechte der Beamten,

die Sicherstellung aller freien Berufsangehörigen und

die Erhaltung des rechtmässigen Besitzes.

Die Anwesenden delegieren Graf von Posadowsky-Wehner vom 22. bis 23. Oktober 1927 zum Parteitag nach Stuttgart.

 

Bei den preußischen Landtagwahlen am 20. Mai 1928 erringt die Volksrechtspartei zwei Mandate. Eins nimmt Posadowsky wahr.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung
(Volksrechtspartei, VRP)

 

       

Wahlen

Stimmen
Prozent
Mandate
       

Landtag Preussen
20. Mai 1928

234.033
0,05
2

Naumburg

462
   
       

Reichstag
20. Mai 1928

428.697
1,6
 

Naumburg

498
   
       

Reichstag 1930

217.198
0,9
 
       

Landtag Preussen
24. April 1932

44.119
   

Naumburg

59
   
       

Reichstag Juli 1932

40.825
0,1
 
       

Reichstag November 1932

46.202
0,1
 
       

 

Obwohl sich die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung ein halbes Jahr nach seinem Tod in Hitlers Arme wirft, darf man nicht sagen, dass Arthur Graf von Posadowsky-Wehner dem nationalsozialistischen Herrschaftsmodell irgendwie nahegestanden hat. Nicht die Diktatur war sein Ziel, sondern der Volksstaat, der die faire Beteiligung aller Klassen und Schichten an der Machtausübung garantiert.

 

 

Im Streit für eine wirtschaftspolitisch
verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik  zurück

1928 delegiert die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung Posadowsky als Abgeordneten in den Preußischen Landtag. Besonders widmet er sich den Folgen der Hyperinflation und Aufwertungspolitik. Dieses

"ungeheuere Unglück über unser Vaterland",

fordert er am 10. Oktober 1930, muss genau untersucht werden. Sein Ziel ist eine rechtsstaatliche, wirtschaftspolitisch verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik. Dazu ist es nach seiner festen Überzeugung notwendig, die ideologische Verschleierung der betreffenden Vorgänge zu enttarnen und die Ursachen der Hyperinflation aufzuklären. Unbeirrt hält formuliert er am 15. Dezember 1928 vor dem Preußischen Landtag folgende Prämisse:

"Der Herr Reichsbankpräsident Schacht hat seinerzeit erklärt, die Inflation wäre ein Erdbeben gewesen. O nein, die Inflation war nicht das Werk von Naturkräften, sondern sie war das Werk von gewinnsüchtigen, gewissenlosen und kurzsichtigen Menschen außerhalb und leider auch innerhalb Deutschlands."

"Zuruf links: Sie müssen nach rechts sehen! Das sitzen die Kerle! - Gegenruf: Er guckt ja nach rechts; Ihr müsst nur die Stellung nehmen! - Heiterkeit."

Aus Anlass seines 85. Geburtstags erwies ihn der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags eine ehrende Geste. Er beschloß, dass Staatsministerium möge untersuchen, "welche Elemente und Personen die Inflation hervorgerufen haben". Das war endlich eine Entgegnung auf die freche Lüge, dass die Inflation einfach gekommen sei. Hierauf warteten alle brennend, die in ihr eine kalte und verbrecherische Tat sahen. "Aber es ist leider nicht anzunehmen, dass die Annahme des Antrags eine andere Bedeutung hat als ein Blumenstrauß, der am selben Tag auf dem Platz des Jubilars gelegt wurde. Eine Höflichkeit. Der Staatsgerichtshof ist kein Untersuchungsausschuß, - er wäre für diese Frage nicht zuständig, selbst wenn sie ihn überraschenderweise interessierte". (Tagebuch 1930)

Am 18. Oktober 1930 trägt er dem Preußischen Landtag erneut vor:

"Es ist ein sittliches Gebot, diesen verbrecherischen Unternehmen nachzugehen und festzustellen, wer diese schuldigen Personen gewesen sind. Das muss durch den Staatsgerichtshof geschehen."

Zu diesem Zweck ergeht an das Hohe Haus ein Antrag, der fordert, schleunigst ein Gesetz zu verabschieden, durch welches der Staatsgerichtshof beauftragt wird, zu untersuchen, ob und welche ausländische Stellen und welche amtliche Personen und ob und welche Privatpersonen im Inland auf die planmäßige Steigerung des Dollarpreises gegenüber der deutschen Mark hingewirkt und damit planmäßig die deutsche Währung zerrüttet haben. Ein Jahr vergeht und die Regierung antwortete noch immer nicht darauf. Dann bitter er persönlich den preußischen Ministerpräsidenten um eine Erklärung. Am 23. Januar 1932 tagt wieder der Preußische Landtag. Und wieder keine Antwort! Erneut rollt Posadowsky die Sache im Plenum auf und rüttelt verzweifelt am Gewissen der Abgeordneten:

"Aus diesem Verhalten der Regierung muss man schliessen, dass die Inflation mit Wissen und Unterstützung der Regierung und in Verbindung mit Finanzkräften des Auslandes herbeigeführt ist."

Was meint er mit "Finanzkräften des Auslandes"? Wenig Monate nach dem im November 1918 in einem Eisenwahnwaggon auf einer Lichtung im Wald von Compiègne der französische Marshall Ferdinand Foch den Deutschen die Bedingungen des Waffenstillstandes aushändigte, stürzte die Mark im Kurs gegenüber dem Dollar ab. Es wurde das Ausmass der Kriegswirtschaft und -inflation sichtbar. Sofort erhöhten sich die Verbraucherpreise und die Reallöhne sanken. Eine Stützung der Mark unterblieb. Bei der weiteren politischen Bewältigung der Ereignisse um die Hyperinflation wird dies eine große Rolle spielen. Zunächst war es der Versuch, die Reparationslasten abzuschütteln.

"Die Deutschen ließen die Inflation traben, um sich zahlungsunfähig zu machen und dadurch den Reparationen zu entgehen." (Haffner 187)

"Zu diesem Zweck nahm die deutsche Politik", konstatiert Sebastian Haffner 2001 in "Von Bismarck zu Hitler" (186, 187), "eine soziale Katastrophe in Kauf, die sich auf die deutsche innenpolitische Stimmung vernichtend ausgewirkt hat, nämlich eine Dauerinflation ....", die 1923 mit der Hyperinflation endete. Sie brachte "eine ungeheure Umverteilung der deutschen Vermögen zu Lasten der Geldsparer und Geldbesitzer und zugunsten der Sachwertbesitzer" hervor. Posadowsky versuchte die für nachfolgende Generationen in Ausmass und Tiefe nicht zu erahnende Bitterkeit bei den Betroffenen zu therapieren, indem er das Unfassbare öffentlich machen will.

 

 

Aber man hörte kaum die Sätze,
in denen er von Recht
und Pflicht der Regierung sprach. Vossische Zeitung, 9. Juni 1928    zurück

Rechtssicherheit als Vorbedingung für die Freiheit, dies sollte aufhorchen lassen, besonders die kommunistische Linke. Tat es aber nicht. Für sie war Posadowsky wohl ehr ein Reaktionär. Gewiss trennte sie, was nicht zu übersehen, in der Kirchen-, Schul- und Bildungspolitik, sowie in der Sozialisierungs- und Kriegsschuldfrage tiefgreifende Wertekonflikte. Trotzdem gab es gesellschaftspolitische Interferenzen zu Themen, die eine Gestaltung ermöglichten: Reform, Republik, Herrschaft durch gerechte Verhältnisse, Demokratie als Mitbestimmung, Geldwertstabilität, Kontinuität der Sozialpolitik, Wohnungen für die Unterklasse, Ablehnung der Notverordnungen.

Der Erste Hauptsatz der Sozialpolitik entspricht ideologiegeschichtlich betrachtet etwa dem, was Karl Marx 1849 in der Neuen Rheinischen Zeitung zur Abhängigkeit (Determination) des Sozialen von den ökonomischen Lebensverhältnissen analysierte. Es ist überhaupt so eine Sache, wenn sich Posadowsky zum Konservativen erklärt, aber in vielen Lebensfragen, etwa in der Sozial- und Wohnungspolitik, zur Rolle der Arbeit im Leben, der Moralbildung in der Gesellschaft, Gerechtigkeit als Regierungsprinzip, Erhaltung der Geldwertstabilität bekennt. Traditionell ausgedrückt, rückt, tendiert er da nach links. Zu zählen sind nicht nur die berühmten "Übereinstimmungen". Kooperation gedeiht oft dort, wo sie durch gegenseitiges Verstehen oder Handeln aus Einsicht in die Notwendigkeit erleichtert wird. Unbefangen, also wissend die damalige Praxis ausblendend, entsteht die Frage, ob eventuell sogar ein politischer Dialog zwischen ihm - den fortschrittlichen Konservativen - und der sozialistisch oder kommunistischen Linken möglich wäre? Natürlich soll, und kann nach Überzeugung des Autors, ein solches Herangehen das politische Kräfteparallelogramm zugunsten der Republik verschieben. Zugegeben es ist schwer vorstellbar, wenn man an die fortwährende provokative Aufheizung derartiger Begegnungen denkt, aber deshalb trotzdem nicht zwangsläufig unmöglich.

Erst am 8. Juni 1928 sah der Vorwärts in Berlin eine besonders widerwärtige und beschämende Szene. Den Anlass bot die Konstituierung des neugewählten Preußischen Landtags. Zunächst fing es feierlich an. Vor der Sitzung fanden in der Hedwigskirche und im Dom Gottesdienste statt. Anschließend traten die Abgeordneten im Gebäude des Preußischen Landtages in der Prinz-Albrecht-Strasse (Niederkirchnerstraße) zur ersten Sitzung zusammen. Eröffnet wurde sie, berichtet am Tag darauf der Sozialdemokratische Pressedienst, durch den ehemaligen kaiserlichen Staatssekretär und Vizekanzler Posadowsky-Wehner "mit einem klugen Bekenntnis zur Republik". Leider waren die äußeren Umstände nicht dazu angetan, um dies von Seiten der Parlamentarier würdigen zu können. Der Alterspräsident erlaubte sich, ihnen ans Herz zu legen, den Rechtsstaat zu schützen und zu verteidigen, ihn vor jeder Art der Vergewaltigung zu bewahren. Zum gelungenen Staatsleben gehört bekanntlich auch etwas Kompromissbereitschaft, weshalb von ihm die Aufforderung erging, es möge doch jeder sich in einem natürlich gegebenen Maß mit der Staatsordnung abfinden, egal ob der Aufbau des Staates seiner innerlichen Auffassung Rechnung trage oder nicht. Das war für die parlamentarisch-kommunistischen Linke zu viel des Guten. "Schon während der Rede des 84-jährigen Posadowsky, der doch wahrhaftig keiner Partei wehtun konnte, gefielen sich einige Kommunisten darin, mit sinnlosen Zwischenrufen und Gebrüll die Stimme des Alten zu übertönen." (Vorwärts) Ihre Fraktion besaß im neugewählten Landtag 56 Mandatsträger, damit zwölf mehr als in der vorhergehenden Sitzungsperiode. Unmittelbar nach den ersten Worten stießen sie gegen Posadowsky die wildesten Schimpfworte aus: "Nieder mit der Regierung!", "Arbeitermörder!", "Amnestie!". Alles mit der kalten Ruhe, registrierte die Vossische Zeitung, die beinahe auf eine lange Vorübung schließen lassen könnte.

Als die Kommunisten die Freilassung zweier ihrer Abgeordneten, die vom Reichsgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Festungshaft verurteilt waren, beantragten, heizte sich die Stimmung schnell weiter auf. Über einen entsprechenden Antrag wollte die Fraktion ihre Teilnahme erwirken. Das Reglement verlangte dazu unbedingt die Zustimmung aller Abgeordneten, was jedoch Doktor Ponsick von der Christlich-Nationalen Bauernpartei wenig interessierte. Er dachte nicht daran, dies zu unterstützen, worauf es nun so weiterging: "Ein paar kommunistische Abgeordnete unter Führung des Abgeordneten Gohlke spazierten in aller Ruhe auf die rechte Seite des Hauses herüber, holten sich Ponsick heraus und schlugen ihm langsam aber gründlich die geballte Faust ins Gesicht." (LVZ 9.6.1928)

"Eine ganz andere Frage ist aber die", auf deren Beantwortung der Vorwärts (Berlin) drängt, "ob das Faustrecht mit der verstärkten kommunistischen Fraktion seinen Einzug ins Parlament halten darf."

Bei der Stimmungsmache zur Eröffnungssitzung, tat sich besonders der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Kaspar (1892-1985) hervor. So wie die Dinge liegen, darf daran erinnert werden, dass, während er einst noch beim tief reaktionären Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, der den Streikenden im März 1920 in den Rücken gefallen war, herumtollte, warf sich der Graf mit dem Verfassungsstaat gegen die Kapp-Lüttwitz Leute auf. Als Staatssekretär und Abgeordneter des Reichstages gestaltet er vom liberal-konservativen Standpunkt die ökonomischen Lebensfragen der arbeitenden Klasse und erreichte über die Sozialgesetzgebung historische Fortschritte. Ihm schlechterdings vorzuwerfen, dass er jetzt nicht auf die Barrikade klettert und die revolutionäre Sozialpolitik vollendet, löst den Verstand völlig von den Verhältnissen ab. Als er von den Rechten und Pflichten des Bürgers sprach, drohten seine Worte im Saal endgültig im Krach und Lärm unterzugehen.

Fünf Jahre später verhallen wieder ungehört Stimmen. Diesmal das Stöhnen und die quälenden Schreie der bürgerlich Oppositionellen, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Kommunisten, die in den Kellern der SA-Feldpolizei misshandelt und gefoltert werden.

 

 

Konservativer Vordenker
der staatsbürgerlichen Erziehung

Als Dechant des protestantischen Domkapitels Rechtsritter des Johanniterordens übernimmt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner für die Domschule eine Vordenkerfunktion in der staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend.

 

Stiftisches Domgymnasium

Studiendirektor Dr. Bruno Kaiser

Patronat
Domkapitel zu Naumburg an der Saale

Herr Staatsminister a.D.
Dr. Graf von Posadowsky-Wehner

 

Vom 29. August bis 1. September 1930 feiert die Domschule das neunhunderste Jahr ihres Bestehens, woran Vertreter der höchsten Staatsbehörden, der Kirche und benachbarten Universitäten als Gäste teilnahmen.

"Ich entsinne mich noch gut an die 900-Jahr-Feier der Schule im Sommer 1930," schreibt der Zeitzeuge Hans-Gert Kirsche (2006), "die mit großem Pomp begangen wurde.

Als Vierjähriger sah ich aus einem Fenster unserer Wohnung am Bismarckplatz (der jetzt nicht mehr so heißt) den Festzug unter mir vorbeiziehen, in dem mein Bruder unter den Sextanern und mein Vater unter den Abiturienten des Jahrgangs 1907 mitmarschierten. Rührend und zugleich imponierend das Defilee dieser unzähligen dickbäuchigen, glatzköpfigen oder grauhaarigen alten Herren, die aus aller Welt gekommen waren, um mit der blauen Schülermütze auf dem Kopf das Jubiläum ihrer alten Schule zu feiern." 

Viele hundert Schüler und Gäste reisen Ende August 1930 nach Naumburg. Vor Beginn der Feierstunde müssen die Teilnehmer von der Aula in die Marienkirche am Dom umziehen. Auf dem Festakt zum 900-jährigen Jubiläum der Domschule hält der 85-jährige Dechant Arthur Graf von Posadowsky-Wehner die Festrede. Sie kreist um die sittliche und ethische Erziehung der Jugend, deren Ziel er am 2. April 1918 in Dresden auf dem Christlich-Sozialen Kongress so absteckte:

"Wir sollten uns enger an das eigene Vaterland anschliessen und unsere Heimat höher schätzen lernen, die Jugend zu glühendem Staatsbewusstsein, zu Sparsamkeit, Sittenstrenge, Tüchtigkeit erziehen."

"Das selbstlose Staatsgefühl ist es," betont er, "welches zur Größe eines Volkes führt, erhaben über den Streit der Parteien. Die höchste Aufgabe der Schule ist es deshalb, dieses Staatsgefühl in den Herzen der Jugend zu entwickeln .… Die Schule soll nicht nur wissenschaftlich lehren, ihre hohe Pflicht ist, sittlich zu erziehen." Von dieser Aufgabe hegt er programmatische Vorstellungen. "Religiöses Gefühl, Achtung vor dem Rechte der anderen, strenge Selbstbeschränkung, sachliches und damit gerechtes Urteil über den Menschen und Zustände, körperliche Selbstzucht, das sind die Aufgaben der ethischen Erziehung, welche der Schule neben der Bahn der Wissenschaft obliegen." (Zitiert nach Büchner 1933, 28)

Der von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner präsentierte Wertekanon der schulischen Erziehung gilt bei den Nationalsozialisten als nicht erstrebenswert, worin sich der Unterschied und Gegensatz zwischen wertkonservativer und nationalsozialistischer Denkweise spiegelt.

 

 

Diese Politik ist nicht mehr erträglich  zurück
Posadowsky-Wehner am 16. Februar 1932

In der Besprechung des Reichkanzlers mit Gewerkschaftsvertretern am 15. Juni 1931, 12 Uhr, erheben einige Teilnehmer gegen die Politik der Notverordnungen ernste staatsrechtliche Einwände. "Die Notverordnung enthalte" Dinge, bringt ein Gesprächspartner zum Ausdruck, die nicht zu verteidigen seien." Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), Herr Theodor Leipart, erklärte in dieser Beratung, "daß er trotz des Gehörten, das für ihn kaum Neues gebracht habe, nicht davon überzeugt sei, daß die Notverordnung unabänderlich sei. Die Gewerkschaften seien vielmehr überzeugt, daß die praktische Durchführung der Notverordnung ins Chaos führe." Der Gewerkschaftsmann fürchtet (a) die gefährliche Volksstimmung, (b) einen Rechtsrutsch und (c) die sozialen Folgen. Posadowsky-Wehner macht hingegen vor dem Preußischen Landtag vor allem verfassungs- und staatsrechtliche Einwände geltend. Für ihn steht fest:

"Man hat das Notverordnungsrecht missbraucht, um Gesetze durchzubringen, die mit der öffentlichen Ordnung nichts zu tun haben .…"

"Nein, meine Herren von der Regierung," reibt er ihnen am 16. Februar 1932 unter die Nase, "man kann einen Verfassungsstaat, von dem man behauptet, dass er der freieste Staat der Welt sei, und ein Volk mit mehr als tausendjährige Kultur nicht mit solchen Notverordnungen regieren." Um die Tragweite zu verdeutlichen, zitiert er die englische "Times" mit dem Satz: "Die jüngste Notverordnung stellte Eingriffe in die bisherigen Rechtsverhältnisse insbesondere privatrechtlicher Art dar, wie sie bisher außerhalb der Sowjetrepublik noch nicht dagewesen seien."

 

 

Der Abschied der Naumburger von Graf Posadowsky   zurück

Am 23. Oktober 1932 stirbt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Alter von siebenundachtzig Jahren in Naumburg.

 

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1845-1932)

Nach einem Porträt von
Fritz Amann (1878-1969)
aus dem Jahr 1912.

 

Jetzt trauern sie um ihn. Begleiten ihn auf seinen letzten Weg. Zeitzeugen sprechen von einem respektablen Staatsbegräbnis. Doch wo waren sie, als es darauf ankam, der bürgerlich-nationalen Politik eine demokratische und volkwirtschaftlich reale Reformperspektive zu geben? Damals hießen ihre Helden und Sympathieträger Max Jüttner (1, 23), Theodor Duesterberg (123), Franz Seldte (Stahlhelm), Kamerad Löwe (Stahlhelm), Georg Schiele (DNVP), nach 1930 Friedrich Uebelhoer (NSDAP) und 1932 Doktor Wolfgang Schöbel, Vorsitzender des Kreisvereins der Deutschnationalen Volkspartei. Warum hakten sich die Bürger nicht bei Posa unter? W a r u m?

• Sein sittlich-christlicher Verhaltenscodex von antisemitischer und -rassistischer Dignität stößt Ende der zwanziger Jahre zunehmend auf den Rassenwahn der Rechten. Dazu kam noch die oft zelebrierte peinliche Kraftmeierei, die Überschätzung Deutschlands wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. All dies war überhaupt nicht nach Art des Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, was wiederum die streng nationale Familie nicht ästimierte.

• Die politische Sprache von Posadowsky-Wehner ist sachlich und korrekt, vielfältig und anspruchsvoll im Ausdruck. Aber sie passte nicht zur herrschenden politischen Mode: Hetze gegen die Juden, moralisch überbordendes Deutschtum, Vitalisierung der Feinbilder von 14/18, Produktion antiwestlicher Stimmungen, selbstverliebter, aggressiver deutscher Nationalismus, offene und versteckte, intensive Diskreditierung der Demokratie, Verdammung der Friedensaktivisten, Sozialisten und Kommunisten.

• Wiederholt setzt sich Posa mit der Entstehung, der schrecklichen und tragischen Wirkung von Feindbildern in der Literatur, Kunst und Politik auseinander. Eine Fortschreibung oder Vitalisierung des Feindbildes 14/18 kam ihn nicht in den Sinn. Darüber dachte und politisierte die streng nationale Familie völlig anders.

• Seine Rede vom 24. August 1924 zur Einweihung der Gedenktafel im Naumburger Dom setzt kritische Akzente zum Westen, verwirft dessen Fortschrittskonzept aber nicht total. Den Fehler der "Kabelabschneider" von 1914 wollte der ehemalige Handelspolitiker nicht wiederholen. So war es für ihn kaum vorstellbar, was Thomas Mann 1918 vorschwebte, nämlich die deutsche Kultur von der Politik des Westens und seiner zersetzenden Kultur abzuschirmen.

Damit liebäugelte nicht nur die streng nationale Familie, der Stahlhelm und die nationalsozialistische Bewegung, All- und Volksdeutsche, sondern auch der Nationalbolschewismus, dessen Existenz und Einfluß auf die Stadtgeschichte bis heute ausgeblendet, ja, nicht einmal benannt wird, zum Beispiel:

spezielle ideologische Elemente des Protestes der Naumburger Öffentlichkeit gegen den Versailler Friedensvertrag 1919,

die Unterstützungsszene zur Befreiung von Ludwig Dithmar am 28. / 29. Januar 1922 aus dem Naumburger Gefängnis und Flucht der Rathenau Mörder von Erwin Kern und Hermann Fischer nach Saaleck im Juni 1922,

der "nationale Standpunkt" in der Ruhrkrise (1923) als Antwort auf den "Rechtsbruch des Westens" und dem Ausruf "Wir sind jetzt allein in Welt",

gewisse Erscheinung im Endkampf von Gustav Winter aus Großjena bei Naumburg gegen die Reichsbank,

den Widerstand gegen die Unterjochung Deutschlands durch den Young-Plan, den Georg Schiele (DNVP) aus Naumburg initiierte,

spezielle Komponenten im Kulturkampf der NSDAP-Ortsgruppe im Winter-Frühjahr 1929/30,

der Briefwechsel zwischen Leutnant Scheringer und Generalleutnant a.D. Friedrich in Naumburg aus dem Jahr 1931,

die Teilnahme von Friedrich Muck-Lamberty aus Naumburg nimmt an der Tagung der Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten (KRNS) vom 7. bis 9. Oktober 1932 auf der Leuchtenburg bei Kahla.

Den "Blick nach Osten" richten Freikorps-Männer, Revolutionäre Nationalsozialisten, Anhänger der Schwarzen Front von Strasser oder der Leuchtenburg-Kreis (1932). Nicht aber Posadowsky-Wehner. Der bolschewistische Umgang mit der Eigentumsfrage und die Einschränkungen der Relegionsfreiheit waren ihm höchst Suspekt.

• Der Revision europäischer Verhältnisse und Verdammung des Westens am 11. Mai 1924 zum Deutschen Tag in Halle (1924), organisiert vom Stahlhelm, den Vaterländischen Verbänden und wilhelminischen Generälen, wollte Posadowsky sich ebenso wenig anschliessen wie deren Zielen und Methoden der Repräsentation.

• Und die Linke? Was tat sie? Etwa so:

`Höre ich Posa? - Ach nee, der ist doch konservativ!`

Und das reichte, vor allem für den Kommunikationsabbruch, wobei die meisten, das kam außerordentlich erschwerend hinzu, nicht zwischen "konservativ" und "reaktionär" unterscheiden wollten.

Eine außerdentlich wichtige und durchgreifende Rolle im Verhältnis der Linken, speziell der kommunistischen Linken, zu Posadowsky, liegt in ihrem Verhältnis zur Relegion und Kirche begründet. Posadowsky plädierte zum Beispiel 1931 (21000) für die Selbständigkeit der Relegionsgemeinschaften zur Regelung ihrer inneren Angelegenheiten und für eine freie, starke, selbständige Kirche. Während von der kommunistischen Linken der Ruf ergeht: "Heraus aus der Kirche!" Einige gravierende Ergnisse (nur angedeutet: Wohnungsräumung, Debatte um das Langemarck-Denkmal, starker Hang der Kirchmitarbeiter zur Deutschnationalen Volkspartei) waren besonders öffentlichkeits- und massenwirksam. Wahrscheinlich übertrugen diese ereigniise und Kampagnen begleitenden negativen Emotionen und Assoziationen bis zu einem bestimmten Maße auf die Person von Posadowsky. Wobei vom ihm kein städtisches Ereignis bekannt ist, das dies im einzelnen verständlich macht und rechtfertigt.

Trotzdem brauchten die Linken ihn mit seinem Wissen und den Erfahrungen auf dem Gebiet der Sozial-, Haushalts-, Rechts- und Geldpolitik. Und in der Frage des sozialen Charakters der staatlichen Ausgabenpolitik mit hohen Gebrauchswerteigenschaften, bewertet und organisiert zugunsten der breiten Masse, konnten sie, wenn sie nur wollten, voneinander lernen.

Posa behandelte die Wohnungsfrage als die Wichtigste politische Frage überhaupt. Das musste das Herz eines jeden Linken höherschlagen lassen! Nein, sie verschmähten ihn, obwohl sein Konzept von bemerkenswert ganzheitlicher Programmatik mit einem fast sozial-revolutionärem Charakter aufwartete. In ihren Augen machte er den Fehler, privates Kapital zur Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem heranzuziehen. In der Tat, er erachtete dies für unbedingt notwendig.

Ein Ensemble von traditionellen Meinungsmachern aus SPD, KPD, Reichsbanner, sozialistischen Sportvereinen, Gewerkschaften und Kulturkartell in Naumburg konstruiertedie Bündnisfrage in der Sphäre der Progression, trennte hiervon die Anpassung, die Erhaltung und den Verfall ab und zerstörte damit ideologisch die Einheit des historischen Prozesses. Andernfalls wäre die Handlungsnot als zwingend erkannt. Hinzu kamen eine Reihe handfester sozial und ideologisch manifester Parteiinteressen, die das nicht zuliessen.

• Posadowsky`s demokratisches Profil entstand nicht erst nach 1918. Schon als kaiserlich Ministerieller zeigt er demokratische Neigungen und nimmt hierfür Schwierigkeiten und Ungemach auf sich, zum Beispiel, wenn er die verantwortungsvollen Aufgaben eines Staatssekretärs durch Einbeziehung des Parlaments und der Parteien lösen will. Gleichwohl vermittelt ihm die deutsche Revoluton und die Parlamentarisierung essenzielle Impulse. Nichtzuletzt schlug sich dies in der Hinwendung zu schwierigen, hoch anspruchsvollen sozio-ökonomischen Problemen nieder. Wie ernst es ihm mit dem Aufbau einer demokratischen Gesellschaft ist, beweist er nach 1918 mit seiner Staats- und Rechtstheorie und den Beiträgen zur demokatisch-sozialen Wohnungspolitik, den persönlichen Einsatz für eine volkwirtschaftlich vernünftige Geldpolitik, der prinzipiellen Wertschätzung der Öffentlichkeit als Meinungsbildner im Vorfeld für eine Herrschaft des Volkes - nicht aber ihrer Führer! - und strikten Ablehnung der Notverordnungen.

Am 13. Dezember 1929 erweist der Linken im Preußischen Landtag, als er die Arbeiterbewegung würdigte, seine Referenz: "Wir haben in keinem Land Europas so eine aufsteigende Klassenbewegung wie in Deutschland." Den Bogen zur Linken schließt er mit dem Einsetzen des Schlusssteins: Darüber kann man sich nur freuen.

Nicht allen, nichtsdestoweniger fundamentalen Forderungen der Arbeiterbewegung trat er achtungs- und verständnisvoll gegenüber. Wohl führte er phasenweise einen energischen ideologischen Kampf gegen die Linken und ihre Parteien. Niemals wollte oder würde er je den Streit mit ihren Anhängern vor den Toren von Zuchthäusern und Konzentrationslagern austragen. Demokratie nach Kassenlage, Notverordnungen, lehnte er ab! All das bleibt von der Progressions-Linken unreflektiert und unbeantwortet. Der Ball wird nicht zurückgespielt. Und doch war er der Linken ein fairer, menschlicher und moralisch anständiger Gegner! Von seinem Format als Politker sah die deutsche Geschichte nicht viele.

 

 

Der Deutschland-Plan   zurück

Posadowsky verstand sich als Konservativer. Was das wohl genau heißt, fragt man sich nach diesem engagaierten und intensiven Leben. Zumindest soviel: Zu wichtigen Fragen der Zeit, nahm er, gemessen an den Bedürfnissen der Gesellschaft, eine fortschrittliche und moderne Haltung ein. Für alle, die nicht dem Aberglauben verfallen, dass man dies nur als Sozialdemokrat, Politiker der Mitte oder Linkspolitiker kann und darf, entsteht daraus kein Problem.

Wenn, so befürchten nach 1918 viele Konservative, Deutschland zum westlichen Demokratismus konzediere, könnte wie Thomas Mann in "Betrachtungen eines Unpolitischen" (1918) vordachte, der geistige Krieg gegen die westlichen Literaten, denen das Wörterbuch der französischen Revolution eigen, verloren gehen. Obwohl Posadowsky der Missionarismus des US-Präsidenten Woodrow Wilson (1856-1924) empörte, litt er nicht unter diesen Verlustängsten. Als Alternative entwarf er nach der Revolution in mehreren Etappen und aus unterschiedlichen Anlässen eine Sammlung von Ideen und Vorschlägen zur Zukunft der Nation, den

Deutschland-Plan.

Er baut nicht auf dem Fundament eines militärisch, aggressiven Nationalismus auf, sondern unterscheidet genau zwischen dem gefährlichen, militanten, rassistisch aufgeladenen Nationalismus und der Notwendigkeit einer kulturvollen deutschen nationalen Identität.

Im Ergebnis seiner Studien zum Völkerbund, der Polen-Frage, zur Entstehung staatspolitisch relevanter Feindbilder und der Zukunft des Deutschtums gewann er die Einsicht, dass Deutschland das Vertrauen der Staaten und ihren Respekt, nicht durch eine Neue Weltpolitik gewinnen kann, wohl aber mit Arbeit, Tüchtigkeit, technischem Erfindergeist, präsentiert auf dem internationalen Markt, und einem funktionstüchtigen Rechtsstaat im inneren.

Als Fundament der Republik wählt Posadowsky den demokratischen Verfassungsstaat, wovon er zu keinem Zeitpunkt abrückt. Kompromisslos lehnte er jeden Durchbruch der Verfassung und die Missachtung der Gesetze, und sei es durch die Exekutive und Legislative, ab. Der Naumburger entschied sich zur Landtags- und Reichstagswahl anders, eigentlich deutlich dagegen, nämlich für die Politik des Stahlhelms, der militanten Kriegerverbände und Kolonialgesellschaft, also deutschnational in der alldeutschen, völkischen Diktion von Georg Schiele, dessen Ziel es war, die Verfassung der Weimarer Republik zu delegitimieren.

Demokratie schrumpft bei ihm nicht auf die Lehre von den Institutionen (Parlament, Verfassungsgericht, Wahlrecht, Wahlkreisgestaltung) zusammen. Ohne ein Repertoire bestimmter sozialer Verhaltensweisen, wie Offenheit, Wahrhaftigkeit, Achtung der Öffentlichkeit, kann sie nicht ins Leben treten, erweisen ihr die Massen nicht den notwendigen Respekt. Das erkannten wohl nur wenige so genau wie er. Ihm war klar, dass dies erfordert die politische Erziehung mittels Gewalt in den unterschiedlichsten und versteckten Existenzformen zu ächten, das gesellschaftliche Leben bis in die Familien hinein frei von Unterdrückung, Androhung oder Einsatz von Gewalt zu gestalten. Eine demokratische Großtat für Gerechtigkeit gelang ihm mit der konsequenten Ablehnung der antisemitischen Hetze und Propaganda. Der Posadowsky-Codex bereichert die demokratische Kultur des Landes. Kein Großmacht-Deutschland. Keine deutsche Überheblichkeit. Sein Deutschland ringt mit Qualitätsarbeit, technischem Erfindergeist und Rechtsstaatlichkeit um Anerkennung in der Welt. Selbstverständlich ist ihm die Relegionsfreiheit und Selbstständigkeit der Kirche gegenüber dem Staat eine hohes, unveräußerliches Gut.

Getreidehalunken, Schieber, Mädchen-und Frauenhändler, Schuhwucherer, Nahrungsmittelfälscher, KursjägerKriegstreiber und -gewinnler drohen uns, den Glauben an die Gerechtigkeit zu nehmen. Trotzdem darf der Staat und seine Regierung diese politische Idee niemals aufgeben. "Das Ziel, auf das jede Regierung hinarbeiten muss, ist die Gerechtigkeit; sie ist das Ziel, das die Menschen sich setzen, wenn sie sich zusammenschließen", schreibt 1831 Alexis de Tocqueville in Über die Demokratie in Amerika (158). Dieser Tradition fühlt sich Arthur Graf von Posadowsky-Wehner verpflichtet. Ihm ist ferner wichtig, den Bürger vor der Unterdrückung durch die Regierung zu bewahren und die Minderheit vor dem Terror der Mehrheit zu schützen. Letzteres sind Momente, die in der deutschen Demokratietheorie und -praxis oft eine untergeordnete Rolle spielen, sehr wohl aber aus der utilitaristischen Lehre des John Stuart Mill (Über die Freiheit, 1859) gut bekannt sind. Über Posadowsky liegen flüchtige Angaben zu längeren Aufenthalten in England vor .....

Gewiss traf er politische Entscheidung, etwa auf dem Gebiet der Zollpolitik, die hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit ambivalente Auswirkungen zeitigten. Das war so und ist in der Klassengesellschaft unvermeidlich. Zugleich mühte er sich redlich, den Maßstab der Gerechtigkeit in den verschiedenen Politikfeldern Anerkennung zu verschaffen. Darunter die Geldpolitik, im Rechtsstaat durch die Gleichheit vor dem Gesetz oder in der Sozialpolitik als Ausgleich von unternehmerisch und volkwirtschaftlich bedingten Einkommensunterschieden.

 

 

Unser gemeinsames Erbe:
Der Posadowsky-Codex,
der Sozialstaat und
eine volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik  zurück

Nur ganz wenige seiner Profession durchdrangen die Fragen der Zeit so tief und gründlich wie Graf Posadowsky. Sein Beitrag zum sozialen Fortschritt der Nation und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der werktätigen Klasse leben über die Zeiten fort. Er verwarf die politische Idee, die Weimarer Republik rechtlich zu delegitimieren, wie es DNVP-Politiker Georg Schiele aus Naumburg beabsichtigte und natürlich das Konzept vom Kapp-Lüttwitz Putsch. Weitsichtig trat er als Abgeordneter des Preußischen Landtages für die Konstituierung und den Schutz des Verfassungsstaates ein. Das Bedürfnis des Bürgers nach Freiheit und persönlicher Sicherheit soll sich entfalten können, was durch die Innen- und Rechtspolitik adäquat begleitet werden muss. In diesem Kontext ist für den demokratischen Staat die Herausbildung eines modernen, menschenwürdigen und von allen Bürgern gepflegten Rechtsbewusstsein von existentieller Bedeutung. Darauf legte der Graf größten Wert.  zurück

Der Posadowsky-Codex

verpflichtet, die Rechte des anderen zu achten, ihn nicht zu verletzen, stets um ein sachliches und gerechtes Urteil über Bürger, Zustände und Verhältnisse zu ringen, körperliche Selbstzucht und strenge Selbstbeschränkung zu üben, verlangt vom Citoyen, ein selbstloses Staatsgefühl und hohes Rechtsbewusstsein  auszubilden.  (Siehe Rede 25.08.1924)   zurück

Nah bei den Bürgern und seinen wirklichen Nöten, engagiert sich der 8o-jährige weiter für eine gerechte und volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik. Als Palamentarier beeindruckt er in der Inflations-, Aufwertungs- und Geldpolitik durch eine hohe Strategie- und Widerstandsfähigkeit gegen Anfeindungen und außergewöhnlichen perönlichen Einsatz. Er stritt und bekämpfte, wie er in der Rede vom 27. Februar 1929 vor dem Preußischen Landtag darlegt, die Verantwortungslosigkeit der Aufwertungsgesetzgebung, die das Vertrauen vieler Bürger in die Institutionen des Staates von Grund auf zerstörte.

Nach allen Erfahrungen, Niederlagen, verheerenden ökonomischen Krisen und Kriegen, besteht in Deutschland das gesellschaftliche Bedürfnis nach einer historisch neuen Identität. Der Sozialstaat auf Grundlage einer technisch-ökonomisch leistungsfähigen Volkswirtschaft kann ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sein.  zurück   In ihm stehen die Bürger aller Klassen und Schichten gleichberechtigt und anerkannt unter der Herrschaft des Gesetzes eines liberal, humanen und auf gesetzlicher Grundlage tätigen Staates, der soziale Lebenschancen für alle sichert. Synchron dazu, auf dem konkreten historischen Niveau der Produktivkräfte, muss er immer wieder neu auf gerechte Verhältnisse im Arbeitsleben, Bildungs-, Schul- und Gesundheitssystem sowie in der Wohnungs- und Geldwirtschaft  d r ä n g e n.

Deutschland soll sich militärisch verteidigen können. Als erstes ignorierte der Deutschland-Plan die Verordnung des Reichskanzler Bernhard von Bülow vom 14. November 1906 zur Therapie des Einkreisungs-Syndroms. Damit könnte das Problem der

schicksalshaften Mittellage Deutschlands

zwischen Ost und West, wo der "römischen Westen" die "germanische Welt" abtrennt, wie Thomas Mann 1918 in den "Betrachtungen" schreibt, in erstaunlich kurzer Weise bewältigt und aufgelöst werden. Deutschland kann und muss sich auf seine legitimen nationalen Interessen besinnen, ohne die anderen europäischen Staaten in ihren Sicherheitsbelangen zu ignorieren. Frankreich verliert die ideologische Fessel des Erbfeindes und die "Vordertatze des russischen Bären" (Georg Schiele) verbliebe in der schönen Taiga.

Ob die anstrengende Republik die Gefahren der wirtschaftlichen Konkurrenz zwischen den Staaten und -gruppen bant, ist damit leider nicht entschieden.

Den Bürger erwartet mit Posa´s Deutschland-Plan die

anstrengende Republik.

Sie verlangt von ihm die Übernahme umfangreicher gesellschaftlicher Pflichten, vornan die unbedingte Achtung der Gesetze und der demokratisch erstimmten Verfassung. Doch die Einen - Welt- und Rassenpolitiker, Blitzkrieger, Eroberer des Lebensraums im Osten, Sozialisten- und Kommunistenhasser - wollten dies nicht. Die Anderen wussten die sozialen Fortschritte der 20er Jahre nicht angemessen zu würdigen, träumten von der klassenlosen Gesellschaft. Eine andere große Gruppe, die Legalisten, pflegten weiter ihre Illusionen vom Wesen der politischen Macht. Übrig blieb der unpolitische Rest, denen sowieso alles belanglos erschien oder gleichgültig war. Dummerweise war das die große Mehrheit! So konnte die Hitler-Bewegung nicht zurückgedrängt und niedergeworfen werden.

Tapfer und mit menschlichem Anlitz ging Arthur Graf von Posadowsky-Wehner seinen Weg durch die Umbrüche, Wirren und Stromschnellen der Geschichte. Als Politiker immer nach den Interessen der Bürger aus den unterschiedlichsten sozialen Klassen fragend und dem Fortschritt verpflichtet. Und es ist sicher, unter seiner Führung und Obhut hätte Deutschland nicht den Weg in die faschistische Diktatur gewählt und die Völker der Welt mit Krieg überzogen.

Sein Herz schlug für Deutschland.

 

 

 

Quellen   zurück

Abkürzungen im Text:

BT = Berliner Tageblatt

BZ = Berliner Zeitung

FZ = Frankfurter Zeitung

GA = Grazer Abendblatt

JV = Jenaer Volksblatt

NBT = Naumburger Tageblatt

LVZ = Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes

V&R = Arthur Graf von Posadowsky-Wehner: Volk und Regierung im neuen Reich, 1932

VS = Volksstimme. Sozialdemokratisches Organ für den Regierungsbezirk Magdeburg

Vorwärts = Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

 

 

[Agrarfrage] Resolution der Agrarfrage betreffend. Aus Resolution des sozialdemokratischen Parteitags zu Frankfurt am Main. In: "Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen." 4. Jahrgang. Nummer 23. Stuttgart, den 14. November 1894

Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Bauer, Band 1, Dokumente, Nr. 71. Bericht des Preußischen Staatskommissariats für die Überwachung der öffentlichen Ordnung über gegenrevolutionäre Bestrebungen. [2. Oktober 1919], Seite 281-284. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei1919-1933/cocoonAdR/AdR/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_72.html

An das arbeitende Volk Deutschlands. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 19 . Dezember 1902

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Siehe auch "Über Posadowsky-Wehner"

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Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 13. Dezember 1897 [Kritik an August Bebel]. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung]. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 171 bis 176

Posadowsky-Wehner. Rundbrief. Aktenstück vom 11. Dezember 1897. [Abgedruckt in] Arbeitertrutz, kein Arbeiterschutz!. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1898, Seite 1

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Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. 111. Sitzung des Reichstags am 12. Dezember 1901. [eErste Beratung des Zolltarifgesetz] In: Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 13. Dezember 1901

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von, Staatsminister, Staatssekretär des Inneren:
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Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Debattenbeitrag am 29. November 1904 auf der 101. Sitzung des Deutschen Reichstages. In: "Jenaer Volksblatt". Jena, den 1. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner: Rede vor dem Reichstag am 13. Dezember 1904. In: Dämmerung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 16. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner [Bericht über seinen Debattenbeitrag zur Zwangsversicherung des Handwerks am 13. Dezember 1904 im Reichstag] In: Dämmerungen "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 19. Sitzung des Reichstages. 12. Dezember 1905. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. 1906/06. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 28. November 1905 bis zur 31. Sitzung am 30. Januar 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, 237-241

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Von der 32. Sitzung am 31. Januar 1906 bis zur 58. Sitzung am 6. März 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1047 bis 1051

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 88. Sitzung des Reichstages. 26. April 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis ur Vertagung ser Session. Vierter Band. Von der 88. Sitzung am 26. April 1906 bis zur 115. Sitzung am 28. Mai 1906. Von Seite 2701 bis 3589. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 2708 bis 1051

Posadowsky-Wehner: Rede. 139 Sitzung. 12. Dezember 1906. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 13. Dezember 1906

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 5. März 1907 In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I. Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 252 bis 253

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Sitzung des Reichstages. Sonnabend, den 9. März 1907. Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, Befähigungsnachweis, Ausverkaufswesen, Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen, Arbeitskammer. In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I. Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 344 bis 347

Posadowsky. Die Wohnungsfrage als Kulturproblem. Vortrag, gehalten in München am 5. Januar 1910 in einer öffentlichen Versammlung des Bayerischen Verbandes für Wohnungsförderung. München Ernst Reinhardt, 32 Seiten. Rezension. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der Sozialdemokratie. 28 (1909-1910), Zwei Bände (1910), Heft 42, Seite 541 bis 542

Posadowsky-Wehner: Eröffnungsrede auf dem Wohnungskongress. Der zweite deutsche Wohnungskongress. "Der Arbeiter-Zeitung". Wien, 25. Juni 1911

Posadowsky-Wehner: Die Wohnungsfrage, ein Kulturproblem. [1910]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 140-150

[Jenaer Rede] Eine Rede des Grafen Posadowsky über die politische Lage. "Jenaer Volksblatt". Jena, 20. Januar 1912

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. 25. April 1912. 46. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 284. Stenographische Berichte. Von der Eröffnungssitzung am 18. März 1912 bis zur 50. Sitzung am 29. April 1912. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1912, Seite 1426 bis 1428

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. Mittwoch, den 28. Februar 1912. 15. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 283 Stenographische Berichte. Von der Eröffnungssitzung am 7. Februar 1912 bis zur 28. Sitzung am 16. März 1912. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1912, Seite 329 bis 333

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. 6. Februar 1913. 105. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 287 Stenographische Berichte. Von der 92. Sitzung am 16. Januar 1913 bis zur 110. Sitzung am 12. Februar 1913. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1913, Seite 3548 bis 3549

[Posadowsky-Wehner] Was regiert die Stunde. 1915. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 38 ff.

Der Graf von Posadowsky-Wehner. "Neues Wiener Journal." Wien, den 5. August 1915

Posadowsky-Wehner, Graf von: Wahlfragen. 8. April 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 82 ff.

Posadowsky-Wehner erklärt. Nochmals die Kühlmann-Reden. Abgeordneter Graf von Posadowsky-Wehner erklärt. "Neues Wiener Journal. Unparteiisches Tagblatt". Wien, den 27. Juni 1918

Posadowsky-Wehner: Stimmungen. Verfasst am 4. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 17 bis 26

Posadowsky-Wehner: Am Scheideweg. Verfasst am 28. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 42 ff.

Posadowsky-Wehner: Wohnungsnot und Freizügigkeit. [12. Oktober 1918] In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 136 bis 139

Posadowsky-Wehner: Wider dem Strom. Verfasst am 12. Dezember 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 47 ff.

[Posadowsky-Wehner] Vortrag des Grafen von Posadowsky-Wehner. "Naumburger Tageblatt." , Naumburg, den 17. Januar 1919

[PWd] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. 7. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 326. Stenographische Bericht. Von der 1. Sitzung am 6. Februar 1919 bis zur 26. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW 1920, Seite 79 bis 88

[PWa] Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919. 30. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 836 bis 839

[PWb] Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 13. März 1919. 27. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 752 bis 754

Posadowsky in der deutschen Nationalversammlung. Debatte über die Friedensbedingungen. In: Deutsche Nationalversammlung. "Grazer Abendblatt". Graz, den 13. Mai 1919

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages. 22. Juni 1919. In: Politische Reden III. 1914 bis 1915. Herausgegeben von Peter Wende unter Mitarbeit von Andreas Fahrmeir. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Mai 1994, Seite 271 bis 287

Posadowsky-Wehner, Graf von: Rede. 9. Juli 1919. Nationalversammlung. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 10. Juli 1919

[PWc] Posadowsky-Wehner, Graf von: Rede. 7. Oktober 1919. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 330. Stenographische Bericht. Von der 91. Sitzung am 4. Oktober 1919 bis zur 112 Sitzung am 29. Oktober 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 2892 bis 2900

Posadowsky-Wehner: Rede. In der Sitzung der Nationalversammlung. am 7. Oktober 1919- In: "Arbeiter-Zeitung, Zentralorgan der Sozialdemokratie Österreichs". Wien, den 8. Oktober 1919, Seite 3

Posadowsky-Wehner, Graf von: Mr. Pecksniff. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 3 ff.

Posadowsky-Wehner, Graf von: Englischer Nebel. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 3 ff.[Posadowsky-Wehner] Stimmungen. Verfasst am 4. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 34 ff.

Posadowsky-Wehner: Schicksalsstunden [17. März 1919]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 63 ff.

Posadowsky-Wehner: Aus tiefer Not [27. März 1919]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 54 ff.

Posadowsky-Wehner: Der starke Mann. [16. April 1920]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 113 bis 121

Posadowsky-Wehner: Totes Rennen [17. Juni 1920]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 176 bis 179

Posadowsky-Wehner: Unsere Auslandsdeutschen [Zum Deutschtum und drohenden Verlust des eigenen Volkstums]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 99 bis 103

Posadowsky-Wehner: Die Berliner Wohnungsfrage. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 129 bis 135

Posadowsky-Wehner: Die Wohnungsfrage ein Kulturproblem. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 140 ff.

Posadowsky-Wehner: Rechts oder links. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 180 bis 184

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf: Gegen Bauer und Noske. Am 7. Oktober 1919. Deutschnationale Schriftenvertriebsstelle. Berlin 1919

Posadowsky: Rede von Posadowsky-Wehner zur Denkmalseinweihung am Sonntag, den 24. August 1924. In: Domgymnasium zu Naumburg an der Saale. Bericht der Hauptversammlung des Bundes der Alten Domschüler und die Denkmalsweihe. Naumburg 1924, Seite 14 bis 15

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Posadowsky-Wehner: Die Technik der Aufwertung. "Naumburger Tageblatt". Naumburg, den 5. Dezember 1925

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Wahlbeteiligung ist politische Reife. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. April 1925

Posadowsky über deutschnationale Grundsatzlosigkeit. "Jenaer Volksblatt. Unabhängige demokratische Tageszeitung Thüringens". Jena, den 29. August 1925

Posadowsky, Graf: Im Lichte der Wirklichkeit. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 9. Januar 1926

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: .... In: "Gläubiger und Sparer". 29. Juli 1926. Zitiert hier nach: Dr. Markus Ettinger: Der Aufwertungskampf in Deutschland. Neues Grazer Tagblatt. Graz, den 22. August 1926

Wahlbeteiligung ist politische Reife. "Naumburger Tageblatt", Naumburg den 25. April 1925

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 53. Sitzung. 27. Februar 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 3. Band. 40. bis 53. Sitzung (4. bis 27. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 4194 bis 4196

Posadowsky-Wehner. Bericht über seine Rede als Alterspräsident des Preußischen Landtages am 8. Juni 1928. In: Handgemenge im Landtag. "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 9. Juni 1928

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 25. Sitzung. 15. Dezember 1928. Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 2. Band. 23. bis 39. Sitzung (13. Dezember 1928 bis 2. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 1621 bis 1625, 1628

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 53. Sitzung. 27. Februar 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 3. Band. 40. bis 53. Sitzung (4. bis 27. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 4194 bis 4196

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 19. April 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 5. Band. 72. bis 88. Sitzung (15. April bis 16. Mai 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 19290, Seite 6218

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 13. Dezember 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 9486 bis 9495

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 30. Januar 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 10274 bis 10278

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 179. Sitzung. 18. Oktober 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 15198

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 193. Sitzung. 19. Dezember 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 16636 bis 16638

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 193. Sitzung. 19. Dezember 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 16640

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede [zur Kirchenpolitik]. Preußischer Landtag, 240. Sitzung. 8. Juni 1931. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 15. Band. 236. bis 248. Sitzung (9. Mai bis 10.Jumi 1931). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1931, Seite 21000

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede [Sparsamkeit, Verwaltung, Subventionen]. Preußischer Landtag, 271. Sitzung. 23. Januar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 23888

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 16. Februar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 23886 f.

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede [Rechtsstaat, Kritik der Notverordnung, Mißbrauch der Verfassung]. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 16. Februar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285 Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 24108ff

[V & R] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart von Dr. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin. Richard Schröder Verlag, Berlin 1932

[Ostmark] Unsere Ostmark ist in Gefahr. [Aufruf vom Chef des Generalstabes Oberstleutnant v. dem Hagen]. "Naumburger Tageblatt.", Naumburg den 5. Februar 1919

Parlament, wehre Dich! "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 9. Juni 1928

Polen. Debatten über Polenvorlagen im preußischen Abgeordtenhaus], Wien, 24. Februar [1886]. "Neue Freie Presse. Morgenblatt". Wien, den 25. Februar 1886

Rathenau, Walter: Ein dunkler Tag. "Vossische Zeitung. Königliche privilegierte Berliner Zeitung von Staats- und Gelehrten Sachen." Berlin, den 7. Oktober 1918 (Ausgabe A)

Der Reichshaushalt. Etat für 1894/95. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 17. November 1893, Seite 2

Reichskanzler, Der. Reichsamt des Inneren. Berlin, den 11. Dezember 1897. [Unterzeichnet] In Vertretung: Graf Posadowsky. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1897, Seite 1

[Reichspartei] Die Neugestaltung der Reichspartei. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 19. Januar 1916

Reichstag. 140. Sitzung. Donnerstag, den 13. Dezember 1906. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des Vorwärts Berliner Tageblatt." Freitag, den 14. Dezember 1906

[Reichstag.] Der Reichstag aufgelöst. Auf zum Wahlkampf! "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 14. Dezember 1906

Richter, Eugen: Rede. 28. November 1893. 7. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. IX. Legislaturperiode. II. Session 1893/94. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 16. November 1893 bis zur 32. Sitzung am 22. Januar 1894. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1894, Seite 126 bis 138

Richter, Eugen: Rede. 30. Januar 1894. 38. Sitzung des Reichstages. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 31. Januar 1894

Richter, Eugen: [Rede vor dem Deutschen Reichstag am 14. Dezember 1899 zur Flottenpolitik]. In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 696 bis 712

Richter, Eugen: Rede. [Diskussion des Antrages Friedberg =von Kardorff = Lieber = Graf Mirbach betreffend die Veranstaltung einer internationalen Konferenz für die Währungsfrage] 16. Februar 1895. 39. Sitzung des Reichstages. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 17. Februar 1895

Richter, Eugen: Rede. 9. Sitzung des Reichstages. Montag, den 13. Dezember 1897. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 182 bis 193

Röhl, John C. G.: Der "Königsmechnismus" im Kaiserreich. In: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. Verlag C.H. Beck, Nödligen 1887, Seite 116 bis 140

Röhl, John C. G.: Die höhere Beamtenschaft im wilhelminischen Deutschland. In: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. Verlag C.H. Beck, Nödligen 1887, Seite 141 bis 161

Schemann, Ludwig: Wolfgang Kapp und das Märzunternehmen vom Jahre 1920. J. F. Lehmanns Verlag München, Berlin 1937

Schiele, Georg: Zur Polenfrage. In: Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst. Jahrgang 56 (1897), Seite 7 bis 15

Schiele, Georg Wilhelm: Von einer neuen und anderen Sozialpolitik. In: Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst. Jahrgang 72 (1913), Erstes Vierteljahr, Seite 304 bis 317

Schiele, Georg Wilhelm: Waffensieg und Wirtschaftskrieg. Verlag das Grosse Deutschland. Dresden 1918

(Schmidt, Carsten:) Zwischen Burgfrieden und Klassenkampf Sozialpolitik und Kriegsgesellschaft in Dresden 1914-1918. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie an der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Dresden vorgelegt von Carsten Schmidt, geboren am 16. März 1978 in Halle (Saale), 20. April 2007

Severing erledigt die Opposition. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin den 15. Oktober 1925

[SPD-Reichstagsfraktion] Nothstands-Interpellation der SPD-Reichstagfraktion an den Herrn Reichskanzler. Berlin, den 3. Januar 1893. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 4. Januar 1893

Stoecker, Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 12. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Von der 32 Sitzung am 31. Januar 1906 bis zun58 Sitzung am 6. März 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1211 bis 1215

Stresemann, Gustav: Zur Lage der Nation [13. April 1919]. In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 882 bis 920

Über Arthur Graf von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet

[Gratza] Pfarrer Gratza`s Erzählung vom 12. Februar 1874 über die Tätigkeit von Majoratsherr-Graf v. Posadowsky. In: Deutscher Reichstag, Aktenstück 176, Beginn Seite 1122. Bericht der Zweiten Abtheilung. Über die Wahl im 3. Oppelner Wahlkreis (Groß-Strelitz - Cosel). Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstages. 2. Legislatur-Periode. II. Session 1874/75. Vierter Band. Anlagen zu den Verhandlungen des Reichstages Nr. 77 bis 248 Sachregister von Seite 831 bis 1625. Verlag von Sittenfeld, Berlin 1875, Seite 1129 bis 1132

Ein neuer Reichs-Schatzsekretär. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 13. August 1893

Die Sparthätigkeit des Reichsschatzsekretärs Graf Posadowsky. "Jenaer Volksblatt. Illustriertes Sonntagsblatt und Allgemeine Mitteilung für Land- und Hauswirtschaft." Jena, den 4. Oktober 1893

Ernennung von Posadowsky-Wehner zum Staatssekretär des Inneren und … In: "Das Vaterland". Nummer 181. Wien, den 3. Juli 1897, Seite 3

Die Neugestaltung der Regierung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, den 03. Juli 1897

[Zuchthausgesetz] Arbeitertrutz, kein Arbeiterschutz!. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1898

[Tuberkulose] Die Bekämpfung der Tuberkulose. "Die Zeit." Wien, den 24. Mai 1907 [Eröffnungsreferat am 23. Mai 1907 auf der 11. Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose in Berlin]

Wien, 24. Oktober. [Politischer Kommentar zur "Zuchthausvorlage" und Posadowsky Karriere-Ambitionen]. "Freie Presse. Morgenblatt". Wien, den 25. Oktober 1900

[Reaktion auf die Rede von Posadowsky am 6. Februar 1906] Der Starke ist am mächtigsten allein. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werkthätigen Volkes". Leipzig, den 8. Februar 1906

Es wird eine neue Kiste angebrochen. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 24. Juni 1907

Ministerieller Massensturz. "Volksstimme. Tageszeitung der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei". Magdeburg, den 25. Juni 1907

Zum Ministerwechsel. "Jenaer Volksblatt". Jena, den 26. Juni 1907

Graf Posadowkys Kandidatenrede. "Voralberger Landes-Zeitung". Bregenz, den 1. Dezember 1911

Berliner Reichstagsköpfe. "Fremde Blatt." Wien, den 16. September 1915

Die deutsche Verwaltung in Russen-Polen. "Fremden-Blatt". Wien, den 25. Juli 19....

Posadowsky-Wehner .... "Sport und Salon". Wien, den 8. April 1917

Offene Anfrage an den Grafen Posadowsky. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Januar 1919 [unterzeichnet mit "Ein deutscher Demokrat."]

Führende Männer der Nationalversammlung. "Der Welthandel", Berlin, den 15. August 1919

Meldung zu Arthur Posadowsky-Wehner. "Freiheit. Organ Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 16. April 1920

[Arnim] Graf Arthur von Posadowsky-Wehner von ... In: Dr. Hans von Arnim und Professor Dr. Georg v. Below: Deutscher Aufstieg. Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der rechtsstehenden Parteien. Franz Schneider Verlag, Berlin, Leipzig, Wien und Bern 1925, Seite 387 bis 406

Gesundheit ist Lebensglück. "Neues Wiener Tagblatt. Demokatisches Organ". Wien, den 22. April 1926

Wohl keiner der hohen Beamten ….. "Danziger Neueste Nachrichten", 03. Juni 1930

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 03. Juni 1930

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 19342

Der rastlose Alterspräsident. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 9. Juni 1928

Die Eröffnung des preußischen Landtages. Blutige Schlägereien in der ersten Sitzung. "Salzburger Volksblatt". Salzburg, den 9. Juni 1928

Ein intressanter Antrag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 01. März 1930

Graf Arthur von Posadowsky-Wehner ….. In: Tagebuch der Zeit. Jahrgang 11, Heft 23. Berlin, den 7. Juni 1930, Seite 882 bis 883

Graf Posadowsky-Wehner. "Berliner Tageblatt", Berlin, den 24. Oktober 1932

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 1932

Büchner, P. (Braunschweig): Erinnerungen an Dr. Graf. von Posadowsky-Wehner. "Posener Tageblatt". Posen, den 24. November 1932

Freiherr: Ein Naumburger. Von Klaus-Dieter Kramer. "Naumburger Tageblatt". Online: http://www.naumburger-tageblatt.de/freiherr-ein-naumburger-366786, 03. Dezember 2014

Staatsmann aus Glogau: Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. "Neuer Glogauer Anzeiger." Nummer 6, Juni 2001

Beachte Autorennamen: Kautsky + Hansjoachim Henning + Wilhelm II. + Hans-Gert Kirsche + Adolf Leopoldt + Paul Wittko

Verboten - Verweigert - Abgelehnt. "Volksbote. Sozialdemokratisches Organ für die Kreise Zeitz, Weißenfels. Naumburg". Zeitz, den 26. Juli 1930

Voigt, Arno: Bilder vom Jagow-Prozess. "Die Weltbühne". 18. Jahrgang, 12. Januar 1922, Heft Nummer 2, Seite 31 ff.

Weicker, Hans, Stadtjugendpfleger von Weissenfels: Der Mensch, sein Werden und sein Wirken. In: Hans Weicker und Emil Saupe: Karl Hemprich. Ein Leben im Dienste der Jugend. Verlag Friedrich Stollberg (Ernst Schnelle), Merseburg (Saale) 1927, Seite 5 bis 94

Politische Übersicht. Der Neuhjahrstag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Centralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 3. Januar 1894

[Wilhelm II.] Reden des Kaisers. Ansprachen, Predigten, und Trinksprüche Wilhelms II. Herausgegeben von Ernst Johann. München 1966, Seite 55 bis 56

Wittko, Paul: Graf von Possadowsky. "Weser-Zeitung". Nummer 276, 2. Juni 1925

Wongrowitz, Kreis. Preußischer Landkreis von 1793 und 1919. Geschichte, Zahlen, Informationen. https://dewiki.de/Lexikon/Kreis_Wongrowitz#Einwohnerentwicklung

Ziegler, Julia: Versuch der Rekonstruktion der Lebensgeschichte WK I - Kriegsgefallener des Naumburger Domgymnasiums. Universität Leipzig, Historisches Seminar, Abgabe: 10. Juli 2009, Erstkorrektor: Professor Dr. A. Kenkmann

[Wagner, Adolph] Rede von Adolph Wagner am 12. Oktober 1871 in der Garnisonskirche in Berlin. In: Urtheile über der Presse über den Leipziger Hochverrathsprozeß. "Der Volksstaat. Organ der Sozial-demokratischen Arbeiterpartei und Internationalen Gewerkschaftsgenossenschaften". Leipzig, den 17. April 1872

Weber, Max: Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland (Preußische Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg, Großherzogtümer Mecklenburg, Kreis Herzogtum Lauenburg): Dargestellt auf Grund der vom Verein für Socialpolitik veranstalteten Erhebungen. Die Verhältnisse der Landarbeiter in Deutschland. Dritter Band. (Schriften des Vereins für Socialpolitik LV) Duncker & Humblot reprints 1892

Wirtschaftlicher Wochenbericht. "Vorwärts. Berliner Wochenblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 26. Februar 1905

[Wohnungskongress] Vom allgemeinen deutschen Wohnungskongress. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 19. Oktober 1904

Zimmerer, Jürgen, Joachim Zeller (Herausgeber): Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg 1904 - 1908 in Namibia und seine Folgen. Ch. Links Verlag, Berlin 2003

 

 

Bunsen, Marie von: Zeitgenossen die ich erlebte. 1900-1930. Verlegt bei Koehler & Amelang GmbH, Leipzig1932

Heine, Heinrich: Die romantische Schule. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1985

Horkheimer, Max: Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Fischer Verlag, Frankfurt am Mai 1997

Mann, Thomas: Betrachtungen eines Unpolitischen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. Main 2004

Tocqueville, Alexis de: Über die Demokratie in Amerika. Philipp Reclam, Stuttgart 1985. Es wurde besonders die Textstelle Seite 158 bis 159 genutzt.

Zweig, Stefan: Opportunismus, der Weltfeind. In: Die schlaflose Welt. Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1909-1941. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1990, Seite 132 ff.

 


Grafiken, Gemälde

Militärvorlagen werden überflüssig. Der Wahre Jacob. Nummer 183, Stuttgart 1893, Titelblatt.

Moses in der Wüste beschwört den Felsen um Wasser. Der Wahre Jacob. Nummer 175, Stuttgart 1893, Titelblatt

Venus die Auftauchende. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Nummer 213. Stuttgart, den 25. September 1894, Seite 1784

Großes Eröffnungs-Ballet. [Grand pas du Finanzreform]. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11, Heft 218, Stuttgart, den 1. Dezember 1894, Titelblatt

Klassengegensätze. Der Wahre Jacob. Nummer 19, Stuttgart 1894, Titelblatt

Nachdem der Schäfer gefesselt, können die Schafe bequem geschoren werden. Der Wahre Jacob. Nr. 221. Titelblatt .Stuttgart, den 15. Januar 1895

Zur Zuchthausvorlage. Simplicissimus. Illustrierte Wochenschrift. 4. Jahrgang. Nummer 13, 24. Juni 1899

Man werfe oben 12000 Mark hinein und ein fertiges Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter fällt unten heraus. Der Wahre Jacob. Jahrgang 17, Heft 376, Stuttgart 1900, Seite 3395

Prügelknabe Posadowsky. Jugend. Nummer 9. München 18. Februar 1904

Das Kellerfest des Hottentottenblocks. Der Wahre Jacob. Nummer 542,
Stuttgart, den 30. April 1907, Seite 5367

Metzel Suppe. Der Wahre Jacob. Jahrgang 24. Heft 548, Stuttgart, den 23. Juli 1907, Seite 5473

Posadowsky Hetze. Der Wahre Jacob. Jahrgang 24. Heft 540, Stuttgart, den 2. April 1907, Seite 5367

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Nach einem Porträt von Fritz Amann (1878-1969) aus dem Jahr 1912

 

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Autor: Detlef Belau


Urfassung: 2005.
2014 überarbeitet.

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