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Wie er die Widersprüche lebte und als Politiker um sozialökonomische Lösungen rang, mahnt uns, die politischen Urteile über seine Tätigkeit sorgfältig abzuwägen. Sein Fleiß und Pflichtbewusstsein, die gründliche Arbeitsweise, geistige Disziplin und ansprechende Intellektualität, die Fähigkeit, an alle Klassen, Schichten der Gesellschaft nebst den Eliten nachdrücklich die Frage der Gerechtigkeit zu richten, das Bemühen, Politik auf Vertrauen, Wahrheit und Recht zu gründen, verdienen hohe Wertschätzung. Über den Sturz des in Kreisen der Großindustrie und im unsozialen Junkertum verhassten Staatssekretär des Inneren und Stellvertreter des Reichskanzlers im Juni 1907 freute sich niemand mehr als seine politischen Gegner. Und auf die konnte er sich verlassen! Als Widerpart in der Sozialpolitik (1906/07). Und auf die Stolpersteine, die sie auf den Neuen Weg zum Wohnungsbau (1910) rollten. German Gier verhinderte die breite Einführung des Erbbaurechts (1911/1920) - für das er sich einsetzte. Sein Konzept des demokratischen Verfassungsstaates bekämpften oder ignorierten deutschnationale "Parteifreunde". Andere redeten 1930, wie der preußische Justizminister, leichtsinnig der Durchbrechungstheorie das Wort. Die Saalordner des Großkapitals zerstreuten seine vernünftigen Vorschläge zur Geld- und Aufwertungspolitik (1924-1932). Gegenüber seiner staatspolitischen Fundamentalkritik an den Notverordnungen (1931/32) stellte man sich schwerhörig.

 

 

 

 

Großes Eröffnungs-Ballet: Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes Arthur Graf von Posadowsky-Wehner jongliert mit der Tabak-, Bier, Schnaps- und Weinsteuer. "Miquel", flüstert der Souffleur.

Großes Eröffnungs-Ballet. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Heft 218, Stuttgart, den 1. Dezember 1894, Titelblatt.

Vom Wahnsinn des Militarismus befallen, treibt der Staat immer neue, höhere Steuern ein und ist gezwungen, sie auf die Schultern derjenigen zu verteilen, die am wenigstens im Stande sind sie zu tragen: Billig-Löhner, Arme, Schwache. Die indirekten Steuern stiegen im Reich laut Karl Bachem (1894) von 1872 bis 1893 von 240 auf 680 Millionen Mark.

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932)
an den Kipp- und Verzweigungspunkten der Geschichte

 

Lebensdaten + Provinz PosenLandrat + Erster Hauptsatz der Sozialpolitik + Im Reichsschatzamt + Moloch MilitarismusDie erste AufgabeGrand pas du FinanzreformCodewort Miquel + Staatssekretär des Inneren + Einkreisung + Der "Sozialismus ist ihm ...." + Handelspolitiker + Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky + Zuchthausvorlage + Bekämpfung der Sozialdemokratie + Menschenbild + Kernsätze der Sozialpolitik + Wollte oder durfte er nicht? + Staatssekretär für Sozialpolitik + Kellerfest des HottentottenblocksKolonialpolitik und Weltstellung + Hottentottenwahl 1907 + Bülow-Schlächterei + MassensturzDie WohnungsfrageMaterialismus des Besitzes + Reichstagsabgeordneter + Friedensresolution 1917 + Jede Zeit ist eine Sphinx + Kühlmann-Episode  + Reichskronen-Rede 1919 + Oppositionsführer + OstjudenKapp-PutschVertrauen der Welt + Elite + FürstenentscheidSubventionenBürgersinn und VerantwortungRechtsbewusstsein wider Durchbrechungstheorie + Gedenkstein + Proviziallandtag + Reichspartei (VRP) + GeldpolitikMan hörte kaum die Sätze + Diese Politik ist nicht mehr erträglich + Der Posadowsky-Codex + Unser Erbe + Der Deutschland-Plan + Quellen

 

 

Wozu viele konservative Politiker weder willens noch fähig waren, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner schafft es. Aus Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahlen rechnet er am 15. Januar 1919 in der Reichskrone (Bild) von Naumburg mit der Welt-, Flotten- und Kolonialpolitik von Wilhelm II. ab. Vielleicht nicht in umfassender Weise, denn er bleibt gewissen Schöpfungen des Deutschtums treu. Trotzdem. Tiefgründig, weitsichtig und kritisch analysiert er die verhängnisvollen Fehler der zurückliegenden Epoche der Staatspolitik. Im Geist vereint mit dem konservativ-reformfreundlichen Bürgertum macht er sich auf den Weg in die Republik. Und darauf kam es in dieser Stunde der Geschichte an.

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1894)

Der aus Schlesien stammende Politiker imponiert durch eine klare Sprache, die Phrasen und Leersätze meidet, keine politischen Urteile scheut und eine beeindruckende analytische Kraft entfaltet. Dem politischen Gegner tritt er achtungsvoll, öfter auch humorvoll gegenüber. Sachlich, systematisch, dass heißt vom Standpunkt einer konservativ-liberalen Politik gewichtet, konkret und ohne persönliche Anfeindungen, parliert er am 13. Dezember 1897 vor dem Reichstag als Staatssekretär des Inneren die Rede von August Bebel. So erleben die Reichstagsabgeordneten nicht nur ein hartes Ringen politischer Kontrahenten, sondern eine Sternstunde der Parlamentskultur. Den Gewerkschaften, die den Unternehmern in England verbieten wollen, arbeitersparende Maschinen anzuschaffen, wirft der Ministerielle vor, zu Streikvereinen zu verkommen. Der Arbeiterführer moniert, was bereits im Streit um die Miquel`sche Finanzreform zum Tragen kam, dass die steigenden indirekten Steuern für die Arbeiter eine hohe Belastung darstellen. Und er warnte davor, auf die jetzigen Einnahmen, künftige Ausgaben zu begründen, worauf Posadowsky erwidert, dass die Preise für eine Vielzahl notwendiger Lebensmittel gesunken, gleichzeitig aber die Arbeitslöhne in viel größerer Progression gestiegen sind.

Bei der Präsentation der sozialen Frage versprühte der Staatssekretär des Reichsamtes überzeugend inneren Optimismus, den Geist von Freiheit und Wohlstand. Warum auch nicht? Eine Gelegenheit bot sich ihm am 23. Mai 1907 zur Eröffnung der 11. Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose in Berlin, wo er das Eröffnungsreferat hielt. Beeindruckend war wie er die sozialen Ursachen für die Krankheit hervorhob und den Gedanken der Prophylaxe in den Mittelpunkt stellte, um das Elend zu bekämpfen.

Wer ihn kannte, achtete und bewunderte ihn. "Seine Hauptstärke war", bescheinigt ihm das Zeugnis der Volksstimme aus Magdeburg vom 25. Juni 1907, "die fleißige Durchdringung der zahlreichen Einzelheiten seines Ressorts, verbunden mit einer gewissen Nachdenklichkeit, also einer in preußischen-deutschen Regierungskreisen höchst seltenen Eigenschaft." Paul Wittko (1866-1958) kannte ihn als einen Menschen, der nichts weniger als ein "typischer Junker" war. Doktor Andreas Grieser (1868-1955), ehemals Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium und 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, charakterisiert ihn treffend als einen Politiker, der konservative Ideen und Werte organisch mit der Modernisierung verbinden kann. Das war eher ungewöhnlich, zumindest doch eine bemerkenswerte Fähigkeit. Und damit stoßen wir auf einen durchgreifenden Widerspruch, der sein politisches Leben als konservativer Politiker prägte, dass er oft beliebt bei verschiedenen Parteien, außer bei den (Rechts-) Konservativen. Wiederholt sorgte auf der rechten Seite für Ärger, dass er den Arbeitergebern vorwarf, "daß sie es vielfach an sozialem Empfinden fehlen ließen" (z.B. Richard Eickhoff, 6.2.1906, 1114). "Posadowsky war ein Fremdkörper in der wilhelminischen Regierungswelt," befundet das Berliner Tageblatt am 24. Oktober 1932, "in die ihn das Schicksal gestellt hatte. Sein Ernst und sein reines Wollen hat stets in allen politischen Lagern, und oft am meisten bei den Gegnern seiner konservativen Anschauungen, Anerkennung gefunden."

"Wer wirklich auf christlichen Boden steht," erklärt am 18. Januar 1912 Graf Posadowsky auf einer Wählerversammlung im großen Volkshaussaal (Bild) zu Jena, "der muß wahre Toleranz üben gegen jede Religion und jede Konfession (….). Ich gestehe das ganz offen, dass ich deshalb ein Gegner der antisemitischen Agitation bin (….)." Indes war die Deutschnationale Volkspartei, der er von 1919 bis (wahrscheinlich) 1921 angehörte, stark antisemitisch orientiert. Dagegen unternahm Doktor Max Naumann (1875-1939), 1922 bis 1932 Herausgeber der Zeitschrift Der nationaldeutsche Jude" eine bemerkenswerte Attacke. Im Dezember 1921 rief der von ihn geleitete Verband nationaldeutscher Juden zur Versammlung, wo nichtjüdische Deutsche aus allen Lagern eingeladen und sehr willkommen waren. Es erschienen unter anderen der deutschnationale Friedrich von Oppeln-Bronikowski (1873-1936), der sich energisch gegen den antisemitischen Rummel in der Partei wandte und scharfe Kritik an Ludendorff übte. Ebenso wollten einige andere die antisemitische Agitation nicht mitmachen, darunter der Abgeordnete Ritter, Clemens von Delbrück (1856-1921) und Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Aber, kommentiert am 10. Dezember 1921 der Vorwärts (SPD), "das geistige Wesen der Deutschnationalen wird .... nicht von Delbrück und Posadowsky präsentiert, sondern von [Reinhold] Wulle [1882-1950]."

Oftmals wirkte er etwas steif und unnahbar, doch nie unaufmerksam oder unfreundlich. Die Naumburger begegneten ihn mit Ehrfurcht und freundlichem Respekt. "Zu meiner Zeit saß in der Kurie der schlesische Graf von Posadowsky-Wehner", rekonstruiert Hans-Gert Kirsche 2006 die Begegnung mit ihm, "seinerzeit Böttichers Nachfolger im Reichsamt des Inneren und später Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. Er sah aus wie der leibhaftige Weihnachtsmann, denn er trug einen riesigen weißen Vollbart vor sich her, und war in der Stadt, wo man ihn häufig auf den Straßen sah, sehr beliebt. Als er [am 23. Oktober] 1932 starb, folgte fast ganz Naumburg seinem Sarge, es war wie ein Staatsbegräbnis."

 

Bevor wir ihn, wogegen er sich entschieden verwahrt, auf den Denkmal-Sockel hieven, noch die Frage, war er stets die Kraft, die nie das Böse schafft?

In seiner Verantwortung lag die Vorbereitung der Zollgesetzgebungr, die der Reichstag Ende 1902 verabschiedete. Auf Grund der nun einsetzenden "künstlichen Teuerungen" nannte ihn Sozialdemokraten "Vater des Brotwuchers".

Schlimmer noch für sie war, dass es "kein Attentat auf die Arbeiterklasse" gab, "bei dem dieser Mann nicht die Hand im Spiele hat." "Bei den schmutzigsten Scharfmachern" bettelte er dafür "um lausiges Geld". Damit nimmt die Leipziger Volkszeitung (24.6.1907) wahrscheinlich Bezug auf die Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky, die weiter unten erzählt wird.

Leider zeigt der Staatssekretär, warf ihn August Bebel 1897 vor, "..... das lebhafteste Mitgefühl für die Schmerzen der Junker" und "mögen dieselben noch so kühn und anmaßend sein, niemals wird ein Wort des Tadels oder der Klage aus seinem Munde kommen; immer wird er diesen gegenüber die Dinge von der schönsten wohlwollendsten Seite betrachten."

Rosa Luxemburg interveniert 1899 gegen sein heftiges "Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht".

1930 verdächtigt ihn der Zeitzer Volksbote in Verboten - Verweigert - Abgelehnt, dass ihm noch immer "die Errungenschaften der Republik arg im Magen" liegen. Für die Meldung gabe es einen Anlass: Die Sozialdemokraten hatten sich über die ausbleibende Unterstützung für eine Veranstaltung geärgert. Nun machte die Nachricht ihre Runde, und bestätigte, was alle eh schon zu wissen glaubten, er ist ein Gegner der Republik. Natürlich stimmte die inkriminierte Aussage nicht. Und wie sich noch herausstellen wird, ist dies keine Lappalie, sondern eine Tendenz, die den Triumph der nationalistischen Bewegung in der Stadt begünstige.

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner  zurück  wurde am 3. Juni 1845 als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Graf von Posadowsky und seiner Ehefrau Amalie, geborene von Plötz, in Groß-Glogau geboren. 1864 verlässt er das hiesige Evangelische Gymnasium mit der Reifeprüfung und studiert in Berlin, Heidelberg und Breslau Jura und Cammaralia. Im Jahre 1867 erfolgt an der Universität Breslau die Promotion zum "Dr. jur.". Dann Auskulator dem Stadtgericht in Breslau. Nachdem er in der schlesischen Hauptstadt das zweite juristische Staatsexamen abgelegt hatte, verlässt er den Justizdienst. Im Kreis Gnesen erwirbt die Familie das Gut Welna. Hier sammelt der Jung-Akademiker praktische Erfahrungen und Kenntnisse bei der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes. 1871 wechselt Posadowsky als Regierungsreferendar und -assessor wieder in den preußischen Staatsdienst nach Posen. Im gleichen Jahr heiratet er Elise von Moeller, die Tochter eines Präsidenten eines Appellationsgerichts. Gemeinsam ziehen sie zwei Söhne und zwei Töchter groß. Ein Sohn verstirbt früh.

 

 

Die Posener Zeit   zurück

Als Graf Posadowsky-Wehner 1893 zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes berufen, nörgelt der "Vorwärts" aus Berlin am 13. August herum:

"Wie und wo er sich für die Aufgaben des neuen Berufs vorbereitet hat, wissen die Götter und die, die ihn berufen haben."

1873 wurde er Landrat in Wongrowitz. Der Landkreis gehört zur 28 992 Quadratkilometer großen Provinz Posen, von der Otto von Bismarck 1895 sagt:

Elsaß ist zum Schutze Süddeutschlands,
P o s e n  zum Schutze der Ostgrenze des deutschen Besitzes notwendig.

Ein Landstrich mit tiefen Friktionen, der ungestillte Gegensätze atmtet: National vom Kulturkampf aufgebürstet. Ökonomisch unterentwickelt. Ethnische Konflikte durch unkontrollierte Einwanderung in den Arbeitsmarkt. Kampf um den Boden der polnischen Großgrundbesitzer (siehe Ansiedlungsgesetz 26.4.1886).

Die polnische Gefahr ist noch größer als die russische,

erklärt Otto von Bismarck am 16. September 1895 der Posener Huldigungsdeputation beim Empfang auf Schloß Varzin. Der Altkanzler stachelt den deutschen Chauvinismus zum Kampf wider die Polen, zur Kollision mit dem Adel und der polnischen Geistlichkeit auf.

Wie unter einem Brennglas fokussieren sich die sozio-ökonomischen Probleme der Region in der Ernährungslage. Noch immer war sie wesentlich schlechter als in den fruchtbaren Gegenden von Ost- und Westpreußen oder Pommern. Meist bestand die Kost der Landarbeiterfamilien aus Milch und Mehlsuppe, Erbsen und Sauerkraut, namentlich Kartoffeln. Fleisch und Brot gelangt weniger auf den Tisch als anderswo. Statt der acht bis zehn wöchentlichen Fleischmahlzeiten der Landarbeiter, erhält das Gesinde günstigenfalls vier. Fast verschwunden war, erhebt 1892 der von Max Weber gezeichnet "Schlussbericht über die Provinz Posen" die Bereitschaft zum Grunderwerb, weil die Besitzlosen zwar den Kaufpreis für den Boden, nicht aber das Baukapital abtragen konnten. "Entscheidend ist ferner bei den Polen die Untüchtigkeit der Frauen. So tüchtig das polnische Mädchen als Arbeiterin ist, so untüchtig ist sie als Frau." Zugeteilt auf dem leichten Boden im Kreis Mogilno, ging es den Parzellenbesitzern nicht gut. Auch im Kreis Gnesen haben sie nur auf besseren Boden bestand. Offenbar kommen die Bestrebungen zur Parzellierung, also der Seßhaftmachung, nur schwer voran und werden durch die widersprüchliche soziale Lage ausgebremst. Oftmals bestand wohl die Neigung zum Sparen, was jedoch später regelmäßig zur Überschuldung führte und sich deshalb nicht fortsetzte. Bedingt durch hohe Branntweinpreise, nahm die Trunksucht ab. Uneheliche Geburten, Feld- und Forstdiebstahl sind eine alltägliche Erscheinung. Das Inzestverhältnis entschärft sich durch den starken Zustrom ausländischer Landarbeiter. Die Zeit, als nach 1873 deutsche Wanderarbeiter Lebensansprüche in die slawische Bevölkerung trugen, wurde verdrängt durch die Invasion billiger, besonders russischer Arbeitskräfte aus dem Osten. Die Landwirte im Osten sind g e z w u n g e n, hält Posadowsky am 13. Dezember 1896 im Reichstag August Bebel vor, grosse Massen von ausländischen Schnittern und Erntearbeitern heranzuziehen. Sie bargen die Ernte der großen Güter, vernichteten in der Masse praktisch den Bestand freier Tagelöhner, drückten objektiv das Lohnniveau und verdrängten die einheimischen Arbeitskräfte. Es begann, was man die Sachsengängerei nannte, die Abwanderung der einheimischen Landarbeiter zur Zuckerrübenernte in die preußische Provinz Sachsen. Es ist der kapitalistische Weg in der Landwirtschaft, der die Überlegenheit des Großbetriebs zur Geltung bringt. Nachdem Karl Kautsky (1854-1938) in der Schrift "Die Agrarfrage" (1899) die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Formen und Größen des landwirtschaftlichen Betriebes untersucht und die ökonomische Überlegenheit des Großbetriebes darlegte, wies er dann auf den Vorteil des Kleinbetriebs hin, den größeren Fleiß und die Sorgfalt des Arbeiters sowie Bedürfnislosigkeit des kleinen Landwirts.

Im 1037 Quadratkilometer groß Landkreis Wongrowitz, dem Posadowsky seit 1873 vorsteht, leben und wohnen 54 787 Einwohner.  zurück   78 Prozent der Bevölkerung sind Polen, 20 Prozent Deutsche und 2 Prozent Juden. Von 1877 bis 1885 regiert er den Kreis Rawitsch. Hier leben 1905 48 850 Einwohner, wovon 26 781 polnischsprachig sind. Rückblickend auf diese Zeit sagt er 1930 im Preußischen Landtag:

"Ich habe 25 Jahre unter Polen gelebt und kenne sie ganz genau. Ich kenne ihre guten Eigenschaften, aber auch ihre Schattenseiten ...."

Dies verlangte seiner Tätigkeit als Landrat viel Augenmass und kluge Verhandlungen ab. Dabei strebte er nach ausgleichender Gerechtigkeit und verlor die Verantwortung für das Ganze nicht aus den Augen. Ein Posadowsky urteilt nicht nach Oberflächlichkeiten oder von Schlagworten gelenkt! Und sagt von sich:

"Ich bin stets
für Achtung und Anerkennung
der polnischen Eigenart,
die mir wohlvertraut ist." (V&R 225)

Jedenfalls war es so, dass in den Landkreisen Wongrowitz und Rawitsch die polnische Bevölkerung überwog. Das Deutschtum war in der Minderheit und bot keine wirkliche Stütze. Ihm drohte der Totalverlust. "Dicht bei Posen liegen Dörfer", erinnert sich 1920 der ehemalige Landrat, "deren Frauen bei festlichen Gelegenheiten zwar noch die alte Bamberger Tracht tragen, aber ihr Deutschtum in Sprache und Sitte vollkommen verloren haben."

Zwischen 1885 bis 1887 erfolgte in den preußischen Ostprovinzen, von rücksichtslosen und von antisemtischen Ausfällen begleitet, die Ausweisung von 35 000 Polen. Wie weit die Eindämmungspolitik von Bismarck in den Ostprovinzen direkt in Posadowsky`s Tätigkeit einfloß, muss hier, womit jedoch keine abstrakte Vermutung angedeutet oder ausgeprochen ist, offen bleiben. Die Idee "große Inseln des Deutschtums im polnischen Meer" (Bülow) zu schaffen, wurde nicht aufgegeben. Kaum hatte Posadowsky-Wehner im Juni 1907 den Regierungsapparat verlassen, da brachte Bülow am 26. November desselben Jahres im preußischen Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Gesetzes ein, das es erlaubte, polnischen Grundbesitz zu enteignen.

 

Veröffentlichungen
(Auswahl)

Altersversorgung der Arbeiter
1883

Geschichte des schlesischen uradligen Geschlechts der Grafen Posadowsky
1891

Geschichte des schlesischen adligen Geschlechtes der Grafen Posadowsky-Wehner, Freiherren von Postelwitz
1891

Luxus und Sparsamkeit
1909

Die Wohnungsfrage als Kulturproblem
1910

Weltwende.
Gesammelte politische Aufsatz von Graf Posadowsky
1920

Volk und Regierung im neuen Reich
1932

 

Wenn August Bebel am 15. Dezember 1897 (252) im Reichstag Posadowsky vorwirft, "sein ganzes Herz ist ein heiß agrarisches Herz", dann ist da etwas dran, insofern die Kreise Rawitsch und Wongrowitz durch die landwirtschaftliche Produktionsweise geprägt und dominiert wurden. Mag man dies beim Streit um das Koalitionsverbot der Arbeiter, in den Posadowsky tief involviert war, nicht als Vorteil einbringen können, so ist es für die Wahrnehmung und Gestaltung der sozialen Frage der arbeitenden Klasse kein Nachteil. Denn wie in der Industrie steht in der Landwirtschaft d i e  A r b e i t  mit ihren Opfern, Anstrengungen, Mühen und Artefakten im Mittelpunkt. Zunächst muss sich die Sozialpolitik ihnen zuwenden. Aus den ökonomischen Verhältnissen in Wongrowitz und Rawitsch häutet sich die Einsicht, dass das Lebensniveau der Landarbeiter und des Gesindes, einschließlich ihrer Familien, mehr vom Kulturstand als direkt von der Fruchtbarkeit des Bodens abhängt. Arthur Graf von Posadowsky-Wehner  schöpft daraus den Ersten Hauptsatz der Sozialpolitik:

Wenn man die Kultur eines Volkes heben will, dann muss man die wirtschaftlichen Lebensbedingungen und den geistig-sittlichen Stand der großen Masse zu ergründen und zu heben suchen.  zurück

Auf den Erfahrungen der Posener Zeit aufbauen wird er einst in Berlin für die Sozialpolitik als Kulturaufgabe entschieden eintreten. Wenn es sich anbietet, verweist er im Plenum des Reichstages auf die "schlechten Verhältnisse des Ostens". In der Beratung am 28. November 1893 zum Etat- und Anleihegesetz hören die Abgeordneten: Wenn sie nur zwei Jahre, unter diesen Verhältnissen gelebt hätten, dann würden sie ganz anders denken.

Unvoreingenommen, mit sozialer Sensibilität, geleitet von christlichen Werten, betrachtet und analysiert Posadowsky die soziale Frage, ohne sie einzunivellieren, zu kaschieren oder bewußt zu entstellen. Sozialstatistiken nach Art Ludendorff`scher Kriegsberichterstattung sind Tabu. Es gilt der Grundsatz:

"Die Kultur eines Volkes ist nicht nach dem Lebensstande der oberen Volksklassen, sondern nach den Daseinsbedingungen der zahlenmäßig überwiegenden Masse zu beurteilen. Auf dieser Auffassung ist unsere staatliche Sozialpolitik aufgebaut." (V&R 127)

Auf dem Hintergrund des Kulturkampfes um die preußische Kirchen- und Schulpolitik entstanden zwischen Bürger und Staat immer wieder Spannungen, die oft in alltägliche Dinge hineinspielten oder sie in unterschiedlicher Stärke überlagerten. "Die polnisch-nationale Bewegung wurde durch den Kulturkampf in einer für den preußischen Staatsgedanken gefährlichen Weise gestärkt." "Graf Posadowsky suchte die Kulturkampfgesetze in sachlicher, das religiöse Gefühl der katholischen Bevölkerung möglichst schonender Weise durchzuführen", urteilen 1925 (388 / 390) in Deutscher Aufstieg Doktor Hans von Arnim und Professor Doktor Georg v. Below. Gleichzeitig "bemühte er sich, ohne Ansehen der Nationalität, die wirtschaftlichen Interessen der Kreisbevölkerung zu fördern, und fand hierfür dankbar Anerkennung."

Von 1882 bis 1885 repräsentiert Posadowsky-Wehner im Preußischen Abgeordnetenhaus für die Freikonservative Partei den Wahlkreis Lissa-Rawitsch-Fraustadt. Er ist Mitglied der Generalsynode der evangelischen Kirche Preußens und der Provinzialsynode sowie des Consistorium der Provinz Posen.

1882 erscheint von Posadowsky-Wehner der Aufsatz "Über die Altersversorgung der Arbeiter", wo er die Notwendigkeit der staatlichen Fürsorgepolitik begründet, aber die Unternehmer und Grundbesitzer vor finanzielle Belastungen schont. Es ist ein Hinweis auf die konservative Grundhaltung und Frontstellung zur Sozialdemokratie.

 

 

Arbeitsethos, Disziplin und Ordnung

Das Ganze über das persönliche Interesse stellen. Bescheidenheit im täglichen Leben üben. Vorangehen! Nicht aber ins Rampenlicht drängen. Dabei zusammen mit den Bürgern und Mitarbeitern klare Vorstellungen von der Zukunft entwickeln. Vor allem: Wie kann man besser werden? So läst sich sein Arbeitsethos umschreiben. Zudem lernte er sich als Landrat, geschickt in konfliktreichen Räumen zu bewegen und konnte dabei die Kenntnisse in der administrativen Leitung und Organisation von Verwaltungsprozessen vervollkommnen.

 

2006 erschien von Joachim Bahlcke der Aufsatz: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Und Simone Herzig veröffentlichte 2012: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im deutschen Kaiserreich.

Darüber hinaus existieren von Leopold von Wiese (1909), Martin Schmidt (1935) oder Karl Erich Born (1957) wissenschaftliche Arbeiten zum Leben und Werk von Posadowsky-Wehner. Ihnen mangelt es, wie Simone Herzig 2012 (47) nicht umhin kam festzustellen, an wissenschaftlicher Objektivität.

 

Disziplin und Ordnung, darauf spielt im November 1932 das Posener Tageblatt an, führen bei ihm ein strenges Regime. Das steigerte nicht immer seine Beliebtheit. "Selbst eine Arbeitskraft ersten Ranges, galt er als außerordentlich scharf hinsichtlich seiner Anforderungen an die ihm unterstehende Beamtenschaft. Wer von seinen Leuten nicht am Morgen pünktlich mit dem Glockenschlage an seinem Pulte saß, hatte nichts zu lachen, und wie ein Flugfeuer verbreitete sich bald nach seinem Dienstantritte in Posen von Mund zu Mund die Kunde, dass einer der Räte der Landeshauptmannschaft, der eines Morgens etwa verspätet zum Dienst gekommen war, in seinem Dienstzimmer auf dem Tische die Visitenkarte des neuen Chefs vorgefunden hat."

Bisher besorgten die Mitglieder des Oberpräsidiums der Regierung die Geschäfte der Provinzialverwaltung, ohne dass die einzelnen Verwaltungsgebiete untereinander organisch verbunden waren, wodurch die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung schweren Schaden erlitt. Im Jahre 1885 gelang es einzelnen Verwaltungszweigen der provinziellen Selbstverwaltung dieselbe Persönlichkeit voranzustellen. Die Wahl als provisorischer Leiter der Verwaltung Posens fiel 1885 auf Graf Posadowsky. 1900 erhielt er den Titel "Landeshauptmann" verliehen.

Abgeordneter konnte er schlecht bleiben, da ihn die Arbeiten zur Reorganisation der Verwaltung voll in Anspruch nahmen. 1889 wurde er als Landesdirektor der Provinz Posen gewählt. "Der neue Landeshauptmann", erinnert sich die Posener Zeitung 1932, "hatte keine Zeit zum Besuch von Gesellschaften, und wenn er selbst wohl oder übel doch einmal einen Empfang geben musste, hörte man hinterher Gäste von sehr großer Schlichtheit der Bewirtung raunen."

Inzwischen war Deutschland zum System der gesetzlichen Sozialversicherung übergegangen. Der Reichstag verabschiedete am 6. Juli 1884 das Unfallversicherungsgesetz, am 15. Juni 1883 das Krankenversicherungsgesetz (Pflichtmitgliedschaft!) und am 22. Juni 1889 das Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung. Bis zum Rücktritt von Reichskanzler Bismarck am 20. März 1890 blieb die Frage der Selbstbeteiligung und Selbstverwaltung, die er nicht befürwortete, strittig.

Posa wird nun bald vom Kaiser nach Berlin gerufen. Damit die öffentliche Reputation über seine Arbeit in der Provinz aus Anlass seines Abschieds nicht zu überschwänglich positiv ausfällt, rührt die Posener Zeitung (JV 4.10.1893) nochmal seine Spar-Künste auf. "Die Beispiele beziehen sich durchweg auf das Gebiet der Schule, auf dem in einer Reihe von Fällen Gehaltherabsetzungen für die Lehrer vorgenommen wurden, so für die Lehrer an den Provinzial-Taubstummenanstalten, sowohl bezüglich der Gehaltssätze als auch des Wohnungsgeldzuschusses; selbst den älteren Taubstummenlehrer seien die von 5 zu 5 Jahren ihnen zustehenden Gehaltserhöhungen von 300 Mark um 100 bis 200 Mark gekürzt, teils der Bezug um einige Jahre hinausgeschoben worden."

 

 

Aufstieg zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes  zurück  

Reichskanzler Leo von Caprivi meldete im Hochsommer 1893 dem Kaiser, dass der unentbehrliche Freund Bismarcks, Freiherr von Maltzahn, als Staatssekretär des Reichsschatzamtes, zurücktreten will. Er nannte, erzählt 1925 Paul Wittko, als Nachfolger drei Namen, die alle im Vorfeld ausschieden. Angeblich schlug dann der Kaiser selbst den Grafen Posadowsky vor, weil er von ihm so viel Gutes gehört hatte. Ein besonderes persönliches Verhältnis, erzählen viele Jahre später am 3. März 1930 die Danziger Neueste Nachrichten, lag dem nicht zu Grunde: "Für den Grafen, den der Kaiser unter Außerachtlassung anderer Vorschläge aus eigener Initiative zum Staatssekretär berief, hat er niemals besondere Sympathien gehabt. Das kam auch äußerlich zum Ausdruck. Selten nur befahl Wilhelm II. Posadowsky zum Vortrag, und nur ein oder zweimal ist er in ins einem Hause gewesen!"

"Der gräfliche Reichsschatz-Sekretär," raunt der Vorwärts aus Berlin am 13. August 1893, "ist politisch ein völlig unbekannter Mann." Ähnlich äußerten sich andere Zeitungen. Etwas versteckt, verbarg sich dahinter die Frage: War er wirklich der Richtige für diese Aufgabe? An seiner Leistungsfähigkeit bestanden keine Zweifel. Und an der Treue zur Krone? Auch da bestand kein Anlass zur Sorge. Der Stallgeruch passte. Die Familie entstammt dem schlesischen Uradel und der Vater war königlicher Oberlandesgerichtsrat. Sohn Arthur bildete und festigte als Referendar, Gutsverwalter, Landrat und Abgeordneter der Freikonservativen Partei im Preußischen Abgeordnetenhaus das konservative Standes- und  Selbstbewußtsein weiter.

Paul Wittko erzählt 1925, Posadowsky verdankt seine überraschende Ernennung

am 12. August 1893

als Staatssekretär des Reichsschatzamtes einem Konflikt zwischen Helmuth Freiherr von Maltzahn (1840-1923) und dem preußischen Finanzminister Johannes von Miquel (1828-1901).

Die nette Geschichte vom Aufstieg des Grafen aus der Provinz Posen, später oft repetiert, erscheint fraglich, weil zu einfach, zu glatt, zu oberflächlich. Sie legt die Vermutung nahe, dass wichtige Umstände des eigentlichen Geschehens damit nicht berührt werden. Um diese Vermutung zu erhärten oder zu verwerfen, ist es wichtig zu wissen, in welchen sozialen und politischen Kontext seine Ernennung zum Sekretär des Reichsschatzamtes erfolgte. Dies zu erkunden ist keine leichte Aufgabe, denn die Lagebeurteilung kondensiert aus der Analyse des Ist-Zustandes, Würdigung der Zukunftserwartungen und Sondierung von Nullereignissen ab. Der Übersicht halber wird dies untergliedert in Moloch Militarismus, Neuer Kurs, Reichstagswahlen 1893, Revirement und Umsturzvorlage.

 

Moloch Militarismus (Eugen Richter)  zurück

Immer offener traten Gegegensätze zwischen Monarch und Volk zu Tage. Darauf deuten beispielweise die Einlassungen von Wilhelm II. am 23. November 1891 in Potsdam hin, im Ernstfall gegen die Sozialistenbewegung mit Waffengewalt vorzugehen.

Deutschland durchlief bereits in den 80er Jahren eine Rüstungswelle. Die Militärgesetze von 1880 und März 1887 waren verabschiedet worden. Im Februar 1888 folgte das Gesetz zur Erweiterung der Kriegsdienspflicht. Man musste mit einer Revanche von Frankreich für die Annexion von Elsass-Lothringen rechnen.

1892 brach um die Heeresvorlage eine politische Krise aus. Wilhelm II. pochte auf die Annahme einer dreijährigen Dienstzeit, was Reichskanzler Caprivi in eine aussichtlose Lage brachte, da dies bei allen Parteien auf erheblichen Widerstand stiess. Im Januar des folgenden Jahres stehen weitere Steuererhöhungen an.

1893, das Jahr in dem Posadowsky nach Berlin gerufen, bildeten die Heeresvorlage und der Kaiser das zentrale öffentliche politische Thema. Teile des Volkes sind nicht mehr bereit, dem "Moloch des Militarismus" (Eugen Richter) jedes Opfer zu bringen. Weihnachten 1893 schreckt Minna Kautsky (1837-1912) die Bürger mit der Nachricht auf: "In allen Kulturstaaten, namentlich auch in unserem Deutschland bereiten sich gewaltige Umgestaltungen vor." "Niemals war die innere Lage kritischer. Die Frage des Militarismus drängt gebieterisch zur Entscheidung." Zum Neujahrstag 1894 begrüßt der Vorwärts (Berlin) in Europa

12 Millionen Soldaten.

 

Der Neue Kurs

Nicht bei allen Bürgern kommt über die 12 Millionen Soldaten in Europa Freude auf, weshalb die Politiker nur schwerlich bei der Wahrheit bleiben können, wenn es sich darum handelt, dem Militarismus mehr oder weniger feindliche Wählerschaft für die Bewilligung neuer Militärforderungen geneigt zu machen. Also ist der Neue Kurs, von dem soviel die Rede ist als Posadowsky nach Berlin kommt, der alte und der heisst: "Schwindel bleibt Trumpf". (Vorwärts 29.3.1893)

 

Reichstagswahlen am 15. Juni 1893

Am 1. Oktober 1893 trat das neue Militärgesetz in Kraft, was sich die Nationalliberalen als Großtat anrechneten und in großen Teilen des Volkes den Glauben nährte, dass sie nun auf einige Zeit von weiteren Belastungen der Landesverteidigung verschont blieben. Ein Irrrtum. Konteradmiral Tirpitz wird am 3. Januar 1896 dem Kaiser den Plan für den Bau zweier Hochseegeschwader vorlegen. Heer und Marine dürsten nach Geld. Da möchte der Staat nicht auf wackligen Füßen stehen. Stutzig macht eine Bemerkung des Abgeordneten Eugen Richter von der Freisinnigen Volkspartei in der Reichstagssitzung am 30. Januar 1894: Herr Maltzahn war daran gescheitert, 30 Millionen zu beschaffen.

Reichskanzler Leo von Caprivi gelingt es nicht mit Unterstützung des Reichstages eine Erhöhung der Heeresstärke auf 500 000 Mann zu beschließen, und ordnet deshalb zum 6. Mai 1893 seine Auflösung an. Für den 15. Juni 1893 werden Neuwahlen angesetzt.

 

 

Verteilung der 397 Abgeordnetensitze
gemäss den Ergebnissen der Reichstagswahl
am 15. Juni 1893

 

SPD
Zentrum
NLP
DtVP
Minderh.
DRP
FVp
44
96
52
11
28
28
24
   
FVg
BB
DHP
DKP
Antisem.
Minderh.
 
13
4
7
72
16
28
 
             

Wahlbeteiligung: 72 Pozent

Zentrum - Deutsche Zentrumspartei

NLP - Nationalliberale Partei

DtVP - Deutsche Volkspartei

FVp - Freisinnige Volkspartei

DRP - Deutsche Reichspartei

DHP - Deutsch-Hannoversche Partei

SPD - Sozialdemokratische Partei Deutschland

FVg - Freisinnige Vereinigung

NLP - Nationalliberale Partei

Antisemiten - Antisemitenparteien

DKP - Deutschkonservative Partei

BB - Bayerischer Bauernbund

Minderh. - Minderheiten

 

Anmerkung: Die Deutsche Freisinnige Partei spaltete sich 1893 in Freisinnige Volkspartei und Freisinnige Vereinigung, die als Wahlvereinigung 1893 bei den Wahlen zum Reichstag 14,8 Prozent der Stimmen erhielten. (Hofmann, Seite 30 bis 53)

 

Lediglich die Sozialdemokraten und Parteien der Antisemiten, verraten die Wahlen, verzeichnen Stimmengewinne. Das Feld der Mittelparteien reißt auf. Die konservative Wählerbasis magert ab. Das Gerede von Königs- und Gottestum wirkte überholt und abgeschmackt. Nur knapp gewannen die Kartellparteien - Deutschkonservative, Nationalliberale und Freikonservative - die Reichstagswahlen.

 

Revirement

Die Reichsregierung legte am 23. November 1893 dem Reichstag eine Militärvorlage vor, die im Sommer darauf angenommen wurde (W. J. Mommsen 63). "Keinen Mann, keinen Groschen", agitierte die Sozialdemokratische Partei.

Philipp zu Eulenburg (1847-1921), mit dem Kaiser quasi befreundet, legt am 20. März 1894 eine Denkschrift vor. Sie enthielt den Plan für ein Revirement zur Umgestaltung der deutschen Regierung: Marschall, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, muss gehen. Bülow soll übernehmen. Miquel darf bleiben. Caprivi`s Kanzlerschaft wackelt. (Röhl 55f.) Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst wird ihn am 29. Oktober 1894 ablösen. Ein Triumph über die Politik des Ausgleichs und der Handelspolitik des Vorgängers. Und eindeutig ungünstige Signale für Posadowsky-Wehner! Gegen oder mit dem Reichstag arbeiten? Seit Jahren artikulierte das rechtskonservative Lager Zweifel an der Fähigkeit des Parlaments Probleme zu lösen. Wie die Politik des Reichsschatzamtes kalibrieren? Nach welchen Intentionen, Maßen und Formen?

 

Umsturzvorlage

Karikatur zur Umsturzvorlage

Nachdem der Schäfer gefesselt, können die Schafe bequem geschoren werden.

Links auf dem Bild Arthur von Posadowsky- Wehner, rechts Johannes von Miquel und am Baum gefesselt der Widerstand gegen die Umsturzvorlage.

Der Wahre Jacob. Nr. 221, Stuttgart 1895, Titelblatt

Am 17. Dezember 1894 liegt dem Reichstag eine Umsturzvorlage vor, der Entwurf eines Gesetzes, betreffend Änderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuches, des Militärstrafgesetzbuches und des Gesetzes über die Presse. Unter dem Einfluss der damit verbundenen heftigen ideologischen Kämpfe, verschlechterte sich die Haltung des Kaisers gegenüber dem Parlament und den Parteien zusehends. (Vgl. W. J. Mommsen 83)

Nicht allein die Strafen, fünf Jahre Zuchthaus für "Umsturz", verhießen eine gewaltige Repression. Nicht weniger undemokratisch war die damit gesetzlich gestützte Willkür, die ein gewaltiges Explorations- und Tätigkeitsfeld erhielt. Das wurde verhindert, indem am 11. Mai 1895 der Reichstag in Zweiter Lesung die Umsturzvorlage zurückwies.

 

 

Etat- und Anleihegesetz 1894/95  zurück

Das Reichsschatzamt war zuständig für das Etat-, Zoll- und Rechnungswesen und hatte sich in Berlin Wilhelmstraße 61 / Wilhelmplatz 1 installiert. Die erste wichtige Aufgabe des neuen Staatssekretärs bestand in der Verabschiedung des

Etat- und Anleihegesetz für 1894/95.

Rückblickend auf die Periode als Staatssekretär des Reichsschatzamtes bescheinigt ihm Eugen Richter von der Freisinnigen Volkspartei am 13. Dezember 1897 im Reichstag, dass durchaus der Vorsatz zu erkennen, in der Verwaltung zu vereinfachen, möglichst viel Klarheit und Durchsichtigkeit zu erreichen. Das war keine einfache Sache, weil die Etatplanung in den letzten Jahren gegenläufige Tendenzen aufwies.

 

 

 

Der Reichshaushalt


Etat für 1894/95. 1.330.429.358 Mark

Verwaltung des Reichsheeres

482.066.828 Mark
(Erhöhung um 31.812.546 Mark)

einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

41.721.523 Mark
(minus 2.753.717)

die einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats

99.353.270 Mark
(minus 51.848.063 Mark)
 
 

Verwaltung der kaiserlichen Marine

51.369.307 Mark
(Erhöhung um 3.116.668 Mark)

einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

22.904.030 Mark
(Erhöhung um 1.978.800 Mark)

einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats

6.152.800 Mark
(minus 466.200 Mark)
   

Zum Vergleich andere Ausgaben

   

Reichstag

423 853 Mark

Auswärtiges Amt:

10.323.840 Mark
(Erhöhung um 187.935 Mark)

plus einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

4.827.000 Mark
(Erhöhung um 620.800 Mark)

Reichsschatzamt

360.528.435 Mark
(Erhöhung um 6.292.595 Mark)

plus einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

161.400 Mark
(Erhöhung um 57.220.Mark)

 

 

 

Zur Eröffnung der 2. Sezession des am 15. Juni 1893 gewählten Reichstages hält der Kaiseram 16. November 1893 die Thronrede. Er bringt seine Erwartungen zum Ausdruck, dass die Schwankungen in den Überweisungen der Matrikularbeiträge (Abgaben der Länder an den Zentralstaat) beseitigt und die Einzelüberweisungen in ein festes Verhältnis gebracht werden. Der Abgeordnete Eugen Richter schildert am 30. Januar 1894 im Reichstag die Schwierigkeiten damit: "Im Namen der Einzelstaaten hatte man immer die neuen Reichssteuern eingeführt, nachher aber hat man den Ertrag der Einzelstaaten entzogen und dem Reiche zugeführt und zwar in Form der Erhöhung der Matrikularbeiträge." Vom neuen Sekretär des Schatzamtes erwarten Wilhelm II. und sein Kanzler, dass er die Mißstände um die Matrikularbeiträge, von denen, wie Eugen Richter sagt, dass Volk nichts weiss, aber deren Lasten es tragen muss, abstellt.

Die Beendigung dieser unglückseligen Praxis, erklären 1925 (391) Doktor Hans von Arnim und Professor Doktor Georg v. Below, nannte man damals Finanzreform. Ihr Ziel war ein stabiles Gleichgewicht zwischen den Leistungen des Reiches an die Bundesstaaten und der Länder an das Reich herzustellen, was wiederum eine bessere Finanzausstattung erforderte. Folgerichtig begann man umgehend, nach außerordentlichen Mitteln zu suchen. Zur Stärkung des Finanzwesens, kam die Bildung eines Reichsministeriums in Gespräch, was aber verworfen wurde.

Moses in der Wüste beschwört
den Felsen um Wasser.

Oberpriester Miquel: Die Anzapfung ist gelungen - gelobt sei die Börse, das Bier und der Branntwein bis in die Ewigkeit, Amen! ( = Bilderunterschrift im Original)

Von links nach rechts:
Johannes von Miquel (1828-1901), Preußischer Finanzminister und Reformer,
Leo von Caprivi (1831-1899), Reichskanzler von 1890 bis 1894,
Helmuth Freiherr von Maltzahn (1840-1923), Sekretär des Reichschatzamtes von 1888-1893.

Der Wahre Jacob. Titelblatt. Nummer 175, Stuttgart, den 10. April 1893

Am

27. November 1893,

leitet Graf Posadowsky im Deutschen Reichstag mit einer Rede die erste Beratung zur Festsetzung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend des Reichshaushaltsgesetzes 1894/95 ein. Folgende Eckpunkte sind aufschlussreich: Die Gesamtrechnung wies einen Fehlbetrag von 5 1/4 Millionen Mark aus. Durch Erhöhung der Matrikularabgaben an das Reich wandelte sich dieser in einen kleinen Überschuss von 7 4/5 Millionen Mark. Trotzdem befriedigte Posadowsky diese Art und Weise der Finanzierung nicht, weshalb er vorschlägt, dass Reich durch die Bewilligung neuer Einnahmequellen finanziell zu emanzipieren.

Auf ihn folgt ein Vertreter des Zentrums.

Dann betritt August Bebel die Tribüne. Er spricht 1 ½ Stunden. Ihn löst der Kriegsminister ab, der einiges zu tun hat, um die Keulenschläge des SPD-Frontmann wieder zu richten.

Zur Debatte stand nach Eugen Richter eine Einnahmesteigerung von 114 Millionen Mark. Am nächsten Tag (1893,126) rechnet er vor, dass es dem Volk alles Zusammen 100 Millionen Mark kosten wird; 60 Millionen für die Heeresvorlage und 40 Millionen für das Reich. Dazu kommen die schweren Lasten der indirekten Steuern, die sich mit der Militarisierung des Staates weiter erhöhen. Von 1872 bis 1893 stiegen sie von 240 auf 680 Millionen (Karl Bachem 1894).

Eugen Richter wirft am 30. Januar 1894 erneut im Reichstag die Frage nach der Steuergerechtigkeit auf: "Die Steuern, über welche das Reich verfügt, treffen vorzugsweise die minderbemittelten Klassen, und die Hauptausgaben des Reiches sind solche für Militär und Marine." Dafür tragen sie eh schon die schwere Last. "…. und um so ungerechter ist es gerade die indirekten Steuern, welche ebenfalls von diesen Klassen getragen werden, noch zu erhöhen."

Großes Eröffnungs-Ballet. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Heft 218, Stuttgart, den 1. Dezember 1894, Titelblatt.

Posadowsky, vermutlich etwas unter dem Eindruck von Richter stehend, nimmt erneut das Wort und schlägt vor, dass bei Annahme der Vorlage, entschieden werden müsse, auf welche Interessengruppen sich die Lasten verteilen sollen.

 

 

Grand pas du Finanzreform  zurück

Der Wahre Jakob feiert im Dezember 1894 auf der Titelseite die

Grand pas du Finanzreform.

Begleitet von einem Große(n) Eröffnungs-Ballet jongliert ein Equilibrist namens Arthur Graf von Posadowsky-Wehner temperamentvoll mit Tabak-, Bier-, Schnaps- und Weinsteuer. Derweil poppt im Hintergrund eine schmucke Tanzgruppe auf, deren Körpersprache nicht darauf hindeutet, als ob sie bald ihre Drehungen aufführen wollte. Die Kostüme, eine Anspielung auf die Misere um die Matrikularbeiträge, tragen die Namen der Länder Baiern, Württemberg, Preussen, Sachsen.

 

"M i q u e l", flüstert der Souffleur (zurück  zur Grafik Großes Eröffnungs-Ballet). Wozu verhilft er hier den Staatssekretär des Reichsschatzamtes?

 

Marx, Engels und Miquel

In den vierziger Jahren war Johannes von Miquel (1828-1901) Mitglied des Bundes der Kommunisten. 1882 gründete er den Deutschen Kolonialverein mit. Seit 1890 ist er preußischer Finanzminister.

Marx schreibt am 13. Juli 1851 an Friedrich Engels in Manchester: Miquel hat aus Göttingen geschrieben. "Mehrmalige Hausdurchsuchungen bei ihm. Man fand nichts."

"Lieber Marx", antwortet am 20. Juli 1851 Friedrich Engels aus Manchester: "Der Brief von Miquel gefällt mir. Der Kerl denkt wenigstens .…"

Am 6. April 1856 bittet Miquel in einem Brief an Marx um Aufklärung über das
Verhältnis der proletarischen Partei zu den bürgerlichen Parteien in einer künftigen
Revolution in Deutschland.
Nach seiner Ansicht ist alles zu vermeiden, was die Bourgeoisie erschrecken könnte.

In der Antwort vom Juli d. J. beharrt Marx darauf, einen schonungslosen Kampf gegen die Bourgeoisie zu führen.

Marx aus London am 26. August 1856 an Engels in Manchester: "Ich habe auch einen Brief aus Paris von Miquel erhalten. Er wollte herkommen, aber erst Cholera, dann Blutsturz, worauf die Ärzte ihm den Rat gaben, gefälligst das Seereisen bleibenzulassen und sich so rasch als möglich zu Land nach Haus zu machen. Pech."

Marx erhält am 5. Februar 1857 von Miquel ein Angebot an der Hamburger Zeitschrift "Das Jahrhundert" mitzuarbeiten.

Marx aus London am 23. Mai 1857 an Engels in Manchester: "Einliegend auch Brief von Miquel. Ich verstehe in der Tat seine Theorie
von "NichtÜberproduktion", aber "Mangel an Zahlungsmitteln für die Produktion" nicht…. "

Ludwig Kugelmann fügt seinem Brief an Marx vom 19. Februar 1865 einen Brief von Johannes von Miquel bei. Marx' "Kritik
der Politischen Ökonomie" enthalte, sagte am 22. Dezember 1864 Miquel darin, "wenig wirklich Neues" und die Schlußfolgerungen
seien auf die sozialpolitischen Verhältnisse Deutschlands nicht anwendbar.

Am 9. März 1867 tritt Johannes Miquel im konstituierenden Norddeutschen Reichstag für die Gründung des Norddeutschen Bundes als einheitlichen Zentralstaat unter der Vorherrschaft
Preußens ein.

Als Abgeordneter des Norddeutschen Reichstages warnt Miquel 1871 über den Arzt Louis Kugelmann (1828-1902) aus Hannover vor einer Einreise von Marx nach Deutschland, weil ihm dort die Verhaftung droht.

17./18. September 1879, Karl Marx, Friedrich Engels: Zirkularbrief an Bebel, Liebknecht und Bracke:
"Da lobe ich mir doch den Kommunisten
Miquel, der seine unerschütterliche Überzeugung von dem in einigen
hundert Jahren unvermeidlichen Sturz der kapitalistischen Gesellschaft dadurch bewährt, daß er tüchtig drauflosschwindelt, sein Redliches zum Krach von 1873 beiträgt und damit für den Zusammenbruch der bestehenden Ordnung wirklich etwas tut."

Friedrich Engels bewertet "In der Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfs 1891" die Diagonal-Karriere von Miquel als Ausnahme: "Es ist doch undenkbar, daß unsre besten Leute unter einem Kaiser Minister werden sollten wie Miquel."

Als preußischer Finanzminister lehnt Johannes von Miquel, meldet die Jenaer Volkszeitung am 17. Juni 1893, die Reichseinkommensteuer ab, plädierte aber für die Einführung einer Reichserbschaftssteuer.

 

(1.) "Miquel" (zurück) könnte das Codewort für den Auftakt zu einer umfassenden Finanz- und Steuerreform sein. Johannes von Miquel (1828-1901), Nachfolger von Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein im Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt a. M., war bekannt für eine strenge Kontrolle aller Geldbewegungen, von Einnahmen- und Ausgaben. Reichskanzler Leo von Caprivi ernennt ihn 1890 zum preußischen Finanzminister. 1891/93 führte er das System der Einkommen-, Gewerbe- und Vermögensteuer ein. Durch das preußische Kommunalabgabengesetz vom 14. Juli 1893 erhalten die Gemeinden erstmals Grund- und Gebäudesteuer.

Das Einkommensteuergesetz vom 24. Juni 1891 mit den progressiven Steuertarifen, posount er hinaus, sei die neue Steuergerechtigkeit. Die weniger bemittelten sozialen Klassen, so lobt der Finanzminister das Gesetz, werden durch die abgestufte Einkommen- und Erbschaftssteuer von Steuerbürden entlastet.

Der Einkommensteuer-Satz liegt für Jahreseinkommen von 900 bis 1 050 Mark zwischen 0,62 Prozent und für Einkommen über 10 000 Mark bei zu vier Prozent. 97 Prozent der Steuerpflichtigen, legt Miquel den Abgeordneten zur Beratung des Etat- und Anleihegesetz am 28. November 1893 vor dem Reichstag dar, verfügen in Preußen über ein Einkommen von 900 bis 8500 Mark, nur drei Prozent gelten als Reich.

Miquel triumphierte und überspielte geschickt, dass, wo die Progression erst richtig einsetzen musste, nämlich nach oben, sie völlig fehlte. In seiner Denkschrift "Finanzreform" (1893), kritisieren die Sozialdemokraten, übersetzt er "Reform" mit "Steuerhöhung".

(2.) "Miquel" wäre auch als Stichwort für das Thema Reichseinkommensteuer brauchbar. Zwar lehnte diese der preußische Finanzminister ab, war aber immerhin, meldet die Jenaer Volkszeitung am 17. Juni 1893, für die Einführung einer Reichserbschaftssteuer. Die Idee der Reichseinkommensteuer tauchte ab und an in den Debatten auf, wurde dann, warum auch immer, offiziell aus verfassungsrechtlichen Gründen, aber nicht verwirklicht. Als Ersatz beschliesst im Dezember 1893 der Reichstag das Gesetz zur Änderung der Reichsstempelabgabe, vorgelegt vom bayerischen Finanzminister Doktor Freiherr von Riedel und nach Verteidigung durch Staatssekretär Doktor Graf Posadowsky.

(3.) Als Wilhelm II. in der Kronrats-Sitzung am 17. März 1892 verlangte, dass Schulgesetz im Sinne nationalliberaler Forderungen grundlegend zu ändern, protestierte Reichskanzler Leo von Caprivi, weil er ein solches ohne Zutun des Zentrums als wertlos ansah, was eine schwere Regierungskrise in Preußen auslöste, da schlug sich Miquel auf die Seite der konservativen Eliten und wirkte auf eine Sammlungsbewegung von Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen hin. Hierbei entfaltete der "geheime Mentor" des Kaisers einen großen Einfallsreichtum. Zum Beispiel wollte er das Wahlsystem, durch Einführung einer Altersgrenze, Sonderstimmen und was ihm sonst noch möglich erschien, dazu nutzen. (Alles W. J. Mommsen 58ff. + 68)

Sollte der schlesische Sparfuchs vielleicht im Bündnis mit, ja mit wem nun, vielleicht gar mit der Sammlungsbewegung von Miquel, die Steuerreform bewerkstelligen?

"Tatsächlich schien Posadowsky [dann als Staatssekretär des Inneren] die vom preußischen Finanzminister Johannes von Miquel eingeleitete "Sammlungspolitik" zu unterstützen. In seiner ersten längeren sozialpolitischen Reichstagsrede vom 13. Dezember 1897 stellte er sich gegen die bisherige, insbesondere vom (1896 abberufenen) preußischen Handelsminister von Berlepsch betriebene Sozialpolitik." (Bahlcke, Ostdeutsche Biographien)

Vielleicht bewährte sich, man würde es so nicht unbedingt erwarten, die Produktivität der Beziehung zwischen Posadowsky und Miquel besonders auf weltanschaulichem Gebiet. Der Konservative partizipierte am ehemaligen Marxisten. So könnte man ein Gespräch in ernster Stunde interpretieren von dem Posadowsky-Wehner nach seinem Tode den Kollegen Abgeordneten in der Sitzung am 12. Dezember 1905 (239) berichtet: "Wie sie wissen, war Herr von Miquel ein Mann von großer praktischer Erfahrung, und einer gewissen geschichtsphilosophischen Auffassung. Er sagte mir bei dieser Gelegenheit. Wir brauchen in Deutschland den Sieg des Radikalismus, wie er von der äußersten Linken vertreten wird, zunächst nicht zu fürchten; denn Deutschland hat so viele verschiedene geistige, soziale und wirtschaftliche Zentren dank seiner Geschichte, dass diese einen festen Rückhalt gegen den Ansturm des Radikalismus bilden; die Lage der Regierung kann erst dann eine gefährliche werden, wenn sie in schlechte Finanzen gerät, wenn sie infolgedessen zu abhängig wird vom Parlament, und wenn sie Staatsausgaben, die das Land und ihre Stellung erfordert, nicht mehr leisten kann. Meine Herrn, mir scheint hierin eine tiefe Wahrheit zu liegen."

 

Graf Arthur von Posadowsky-Wehner und Johannes von Miquel (1828–1901), 1890 von Reichskanzler Leo von Caprivi zum preussischen Finanzminister berufen, treiben Steuern ein.

Text im Bild:
Im Frühling tauchte unter sie mit allen Bösen.
Und unsre Steuerzahler sangen frohe Lieder.

Doch mit des Herbstes Nebeln kehrt die Alte wieder,
Um uns von unserm "Überfluss" zu erlösen".

Venus die Auftauchende. In: Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Nummer 213. Stuttgart, den 25. September 1894, Seite 1784

Nun musste, um in der Bildsprache des Wahren Jacob (1894) zu bleiben, "Venus die Auftauchende" in Fahrt stechen, und den Steuerzahler vom Überfluss erlösen. Zur

ersten Beratung der Reichsfinanzreform
am 29. Januar 1894,

erklärte Staatssekretär Posadowsky:

"Die Reform des Reichsfinanzwesens ist eine politische und finanzielle Notwendigkeit. Die Matrikularbeiträge sollen nur ein Notbehelf sein, bis das Reich von seinen eigenen Einnahmen leben kann."

Doktor Johannes von Miquel, preußischer Finanzminister, unterstützte die Grand pas du Finanzreform, wie sie Der Wahre Jacob taufte, und informierte darüber, dass in Preußen außer den Freisinnigen, alle im Abgeordnetenhaus vertretenen politische Richtungen sie wollen. Ihre Ablehnung der Finanzreform, warnt er, würde den Überhang der Matrikular-Beiträge vergrößern und die Einzelstaaten könnten ihn dann nicht mehr als Wohltäter empfinden. In mehreren Sitzungen des Reichtages entbrannte nun eine Debatte um die Steuerhöhungen.

Die erste Lesung des Gesetzes zur Finanzreform am 23. Februar 1895 leitete Posadowsky-Wehner ein. Eine Luxus- und Erhöhung der Börsensteuer lehnt er mit Rücksicht auf die Wirtschaft und den Handel, wo es derzeit kriselte, ab. Ebenso kommt eine Inseratensteuer nicht in Frage, weil die quer zu den Interessen der Stellensucher liegt. Die sogenannte Liebesabgabe an die Landwirtschaft kann nicht aufgehoben werden. Gegen die Weinsteuer erhebt Württemberg Einwände. Wiederum möchte Posadowsky keine Blinden, Lahme und Taube zur Wehrsteuer heranziehen, weil die Belastung der Geringverdiener nicht den gewünschten Effekt bringt. Man spricht von zu schwachen Schultern. "Über die Belastung der schwachen Schultern", beobachtet man in Wien, "werde jetzt allgemein geklagt; es wird sogar von schulterschwachen Millionären gesprochen." (Ostdeutsche Rundschau 26.2.1895)

Gegen eine Biersteuer opponieren die Bayern. "Ich habe aber die Überzeugung," fügte Posadowsky am 23. März 1895 im Reichstag an, "die Bierschlange wird immer wieder ihr drohendes Haupt erheben."

Am 13. Mai 1895 erhält die Finanzreform zusammen mit der an diesem Tag vorgelegten Tabaksteuer-Vorlage ein schlichtes Begräbnis. Gegen nachmittags 3 Uhr packte Posadowsky-Wehner, berichtet das Voralberger Volksblatt aus dem Deutschen Reichstag, resigniert seine mächtigen Aktenstöße in eine schwarze Ledermappe. Bald darauf verkündete der Präsident, dass die Vorlage in alle Teilen abgelehnt ist:

 

 

Staatssekretär des Inneren  zurück

Seine Majestät der Kaiser beruft am 1. Juli 1897 allergnädigst Dr. jur. Graf Arthur Adolph von Posadowsky-Wehner zum Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren und beauftragt ihn mit der allgemeinen Vertretung des Reichskanzlers nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878. Seine Majestät der König ernennen ihn allergnädigst zum Staatsminister und Mitglied des Staatsministeriums. In dieser Eigenschaft leitet er die Versammlung des Bundesrates, und ist als preußischer Minister ohne Portefeuille gleichzeitig stimmberechtigtes Mitglied des preußischen Staatsministeriums.

Von 1880 bis Juli 1897 lenkte die Institution Karl Heinz Boetticher, geboren am 6. März 1808 in Naumburg an der Saale. Er vergass beim Abschluss einer Sitzung das Kaiserhoch auszubringen und fiel deshalb in Ungnade. Ein Anhänger und Unterstützer der Caprivischen Handelsverträge, deshalb bei den Großgrundbesitzern unbeliebt. Sein Nachfolger wurde ein Mann, unkt am 15. Januar 1898der Vorwärts, der alle möglichen "Staatsinterventionen zugunsten seiner agrarischen Klassengenossen für nöthig hält". Dann durften die Agrarier erwarten, dass die Zolltarife künftig mehr zu ihren Gunsten ausgestaltet werden.

Das Reichsamt des Inneren realisiert traditionelle Aufgaben eines Innenministeriums und ist zuständig für die Sozial-, Arbeits- und Gesundheitsschutzpolitik sowie - in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt - für die Handelspolitik. Ihr neuer Amtsinhaber verspricht am 13. Dezember 1897 (176) vor dem Reichstag, "dass Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern", "soweit es sich um berechtigte Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter handelt".

So einfach wird das nicht. Der von vielen, besonders im städtischen Bürgertum begrüßte Neue Kurs steht im Zeichen der gefährlichen industriellen und landwirtschaftlichen Plutokratie, welche jetzt im Reich das Heft fest in der Hand haben. Ihn prägen, "Das sagt zur Kennzeichnung wahrlich genug" (Vorwärts 3.6.1898), Carl Ferdinand Stumm (1836-1901) und Georg von Kanitz (1842-1922). Passend dazu, der Abgang von Hans von Berlepsch (1843-1826) im Juni 1896, dem Sozialpolitik stets ein Mittel zum Interessenausgleich mit der Arbeiterbewegung, aus dem Amt als preußischer Staats- und Handelsminister war. "Berlepsch hat gehen müssen," kommentiert umgehend das Znaimer Wochenblatt (Wien), "weil seine eifrige Befürwortung positiver Sozialreformen nicht mehr in das gegenwärtige politische System passt."

Es war die Zeit des preußischen Montanindustriellen und freikonservativen Politikers Carl Ferdinand von Stumm (1836-1901), der den Sozialpolitikern schwer auf die Nerven ging. Dabei schien er "ganz der Mann zu sein, der diesem selbstherrlichen Industriekönig, gefallen könne."

Der Frankfurter Zeitung blieb bis 1932 in Erinnerung, dass Posadowsky einer temporeichen Fortführung der Sozialpolitik und Erweiterung des Koalitionsrechts kühl gegenüberstand. Wollte (oder sollte?) er lieber den Kampf gegen die Sozialdemokratie aufnehmen? "Von Posadowsky wurde eine Sozialpolitik erwartet," analysiert Joachim Bahlcke (Kulturstiftung) die Anforderungen an ihn, "die als Konsequenz der politischen Entwicklung der neunziger Jahre nach dem Programm einer "Sammlung der bürgerlichen Kräfte" nur noch Kampfinstrument gegen die Sozialdemokraten sein sollte."

Auf diesen Abschnitt seiner Tätigkeit hat er einen anderen Blick, den er am 13. Dezember 1897 vor dem Reichstag so wiedergibt:

"Ich meine überhaupt, wir sollten uns beschränken, hier im Reichstag nicht fortgesetzt neue sozialpolitische Gesetze zu planen, sondern zunächst einmal die vorhandenen Gesetze weiter ausbauen und in ihrem Wirkungskreise ausdehnen. Wenn wir auch nur die sozialpolitischen Gesetze, die bestehen, weiter ausbauen wollen, so, kann ich Ihnen versichern, ist das schon eine Riesenarbeit."

"Einen Grund zur Unzufriedenheit," räumt Posadowsky am 13. Dezember 1898 vor dem Reichstag ein, "glaubt man darin gefunden zu haben, dass die Sozialgesetzgebung zum Erliegen gekommen ist." "Eine Kulturnation", antwortet er, "kann die soziale Gesetzgebung gar nicht zum Stillstand bringen, ein Stillstand der sozialen Gesetzgebung wäre ein Stillstand der fortschreitenden Gesittung des Deutschen Reiches überhaupt."

Die Bilanz der Sozialpolitik der letzten Jahre"ist sehr mager", rechnet ihn am 1. Februar 1906 der SPD-Reichstagsabgeordnete Richard Fischer (1855-1926) aus Berlin vor. "Die Reform des Gewerbegerichtsgesetzes vom 29. September 1901, die Revision der Seemannsordnung vom 2. Juni 1902, das Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903, das Notgesetz zur Krankenversicherung vom 23. Mai 1903, das Gesetz über die Kaufmannsgerichte vom 6. Juli 1904, die dürftige Berggesetznovelle in Preußen vom Sommer 1905 und ein paar Bundesratsverordnungen für Arbeiterschutz. Das ist alles!"

 

 

Einkreisung   zurück 

Bernhard Fürst von Bülow (1900-1909) will in der Außenpolitik freie Hand, um Deutschlands Wirtschaftskraft zu stärken. Die vom Staatssekretär des Reichsmarineamtes Alfred Tirpitz (1849-1930) vorgelegten Pläne zur Flotten-Hochrüstung sind ihm recht. Vor dem Reichstag entwirft er am 14. November 1906 das Narrativ von der Einkreisung Deutschlands durch Frankreich, Großbritannien und Russland:

"Die entente cordiale ohne gute Beziehung der Weltmächte zu Deutschland wäre eine Gefahr für den europäischen Frieden. Eine Politik, die darauf ausginge, Deutschland einzukreisen, einen Kreis von Mächten um Deutschland zu bilden, um es zu isolieren und lahmzulegen, wäre eine für den europäischen Frieden bedenkliche Politik."

Das Einkreisungs-Narrativ durchdrang und prägte in der unmittelbaren Vorkriegszeit das außenpolitische Denken Deutschlands. Kaiser Wilhem II., außerstande die komplizierte Risikostrategie des Generalstabes zu durchschauen, wähnte sich als unschuldiges Opfer einer angeblich von langer Hand vorbereiteten Einkreisungspolitik der Entente (W. J. Mommsen 221).

Auch Posa definiert die Verursacher des letzten Krieges mittels dem Einkreisungs-Theorem. Typisch hierfür sein Vorgehen am 24. August 1924 in der Rede zur Einweihung der steinernen Gedenktafel an der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms. Er sieht Deutschland 1914 in "der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde  r i n g s u m."

 

 

.... der "Sozialismus ist ihm
nach wie vor völlig verschlossen"  zurück

Um 1900 flammte in Deutschland mit dem Bau und der Etablierung städtischer Warenhäuser eine öffentliche Debatte über Vor- und Nachteile moderner Kapitalassoziationen auf. Mehr als einmal beklagte sich der kleine Mittelstand über ihre rüde Art, die viele Existenzen zerstörte. Angeblich versuchte man dieses Problem, durch eine entsprechende Steuergesetzgebung zu bewältigen, was sich zugegebenermaßen als wirkungslos herausstellte. Als Staatssekretär des Inneren wollte er die modernen Triebkräfte der Wirtschaft nicht hemmen oder gar zu alten Bewegungsformen der Wirtschaft zurückkehren, räumte allerdings am 13. Dezember 1905 in der Reichstagsdebatte zwangslos ein:

"Und gestehe ohne weiteres: diese Assoziation des Kapitals hat sehr düstere Seiten und ist für den Mittelstand eine große Gefahr!" "Ich bin der Letzte, der ein Loblied auf sie singen will …."

Klassengegensätze

Auf den mitgetragenen Schildern steht von links nach rechts: "Arbeiter werden nicht angenommen", "Arbeit" und "Brot".

Klassengegensätze. Der Wahre Jacob, Nummer 19, Stuttgart 1894, Titelblatt

Und was wird aus dem Mittelstand? Zwar merkt der Staatssekretär an, dass einiges geschehen muss, um ihn in seiner technischen und kaufmännischen Ausbildung zu heben und ihn möglich zu machen. Gleichwohl wirkt es unsicher, klingt nach vertrösten. Von Anti-Trust-Gesetzen hört und ließt man nichts. Derweil entartet der Kapitalismus ohne Wettbewerbsordnung und verliert den Charakter einer Marktwirtschaft. In monopolistischen Marktformen obliegt die Preisbildung den Mächtigen, die Rechte des Konsumenten werden beschnitten und die Regeln des fairen wirtschaftlichen Wettbewerbs ruiniert. All dies spielt in der Debatte am 13. Dezember 1904 keine Rolle. Dafür aber die Position der Sozialdemokraten, die an der Konservierung veralteter Wirtschaftsformen kein Interesse zeigen und deshalb den Staatssekretär noch anfeuern. Sie wollen alle Kräfte freimachen, "die heute noch gebunden sind" und stehen den modernen Assoziationen nicht feindlich gegenüber. Noch immer möchten sie aber den Kapitalismus beseitigen, weil die Privatbetriebe "nur Rücksicht auf den Vorteil der Kapitalbesitzer" und "nicht die Rücksicht auf das Interesse der Gesamtheit" nehmen.

"Das begreift Graf Posadowsky nicht. Seine Einsicht ist äußerst kurzsichtig."

"…. die positiv schöpferische Kritik des Sozialismus ist ihm nach wie vor völlig verschlossen", urteilt am 16. Dezember 1904 der Vorwärts aus Berlin.

 

 

Handelspolitiker  zurück

Posadowsky hält am 8. Januar 1901 auf dem Deutschen Handelstag die Eröffnungsrede. Was tat er hier eigentlich? Erfüllte er reine Repräsentationspflichten? Darauf zu schauen, ist durchaus wichtig, weil sich in der internationalen Handelspolitik in den letzten Jahren grundlegende Veränderungen vollzogen. Der Staatssekretär weiss, der deutsche Gewerbefleiß entwickelt sich gut. Von 1889 bis 1899 stieg die deutsche Ausfuhr um 900 Millionen Mark, also durchschnittlich jährlich um 80 Millionen. (Posadowsky 8. Februar 1898)

Die deutsche Okkupation von Jiaozhou 1897 markiert den Übergang zu einer ehrgeizigen Weltpolitik. Zwei Jahre zuvor tauchten Pläne von Wilhelm II. zum Bau einer großen Schlachtenflotte auf. Seit dem chinesisch-japanischen Krieg wachsen die deutschen Begehrlichkeiten gegenüber dem geschwächten China. Den Vorwand zur Intervention bot am 1. November 1897 der Mord an zwei katholischen Priestern in der Provinz Shandong. "[Staatssekretär des Äußeren Bernhard Fürst von] Bülow rechtfertige die Okkupation auf dem chinesischen Festland mit dem Argument, dass die deutsche Industrie, die den amerikanischen Markt über kurz oder lang doch verlieren werde, ein größerer Absatz in Ostasien ermöglicht werden müsse." (W. J. Mommsen 2005, 94 bis 96)

Das Hauptprojekt der deutschen Expansionspolitik blieb die Bagdadbahn, die durch England und Frankreich sabotiert wurde, weshalb 1904 der Bau 1904 zum Stillstand kam.

Graf Posadowsky stimmt nicht in den aggressiven Ton der Welt- und Handelspolitik ein, wie ihn die nationale Großbourgeoisie anschlägt. Seine Botschaft ist einfach und klar, und wird - zumindest an diesem Tag - gut angenommen: Die deutsche Industrie und der deutsche Handel müssen "den Kampf um den ausländischen Absatz" in Zukunft in noch höheren Maße wie bisher" bestehen. Als Mittel nennt er nicht Schutzgebiete, Kartelle oder Flottenrüstung, sondern vertraut auf die "Hilfe des deutschen Erfindergeistes". Das wird nur möglich sein, betont er, wenn in der Volkswirtschaft ein Ausgleich der wirtschaftlichen Interessen erfolgt. Handel und wirtschaftlicher Wettbewerb, Außen- und Innenpolitik sollen im sozialen Frieden und Kooperation stattfinden.

An der Zollpolitik gab es viel Kritk. "Der Roheisenzoll", verteidigt sich Posadowsky am 12. Dezember 1901 im Reichstag, "ist in Zeiten industrieller Kriesen eine Notwendigkeit, um eine Überschwemmung des deutschen Marktes mit Roheisen zu verhindern."

Am Ende eines komplizierten und langwierigen Gesetzgebungsverfahren beschloss am 13./14. Dezember 1902 der Reichstag das Zolltarifgesetz und den Zolltarif. Es begann Anfang des Jahres mit dem Ausbruch der Zollwut, beobachtete der Vorwärts (Berlin), als Posadowsky und Genossen sich schlechterdings nicht dabei beruhigen konnten, dass irgendein Produkt ohne erhöhten Zollschutz blieb. "So haben sie die Zölle da gesteigert, wo sie ausdrücklich erklären mußten, dass aus den Kreisen der Interessenten keine Anträge gekommen sein."

Typisch für den Protektionismus ist, dass eine soziale Klasse die Vorteile geniesst, während andere schwere Nachteile erleiden. Im Ergebnis der Zollgesetzgebung musste die arbeitende Klasse höhere Lebensmittelpreise tragen. Nicht nur sie, natürlich! Aber ihr Arbeitslohn richtet sich im Unterschied zu anderen Einkommen, nicht direkt an den Lebensmittelpreisen aus, sondern bildet lediglich die Nachfrage von Arbeitskräften ab. Den ArbeiterInnen blieb nur, lästerten damals die Sozialdemokraten, das teuerste Brot der Welt zu essen. Auch das Fleisch, noch immer für die meisten Familien ein Luxusgut, verteuerte sich.

Das Zentrum unterbreitete den Vorschlag, die Mehreinnahmen der Reichskasse aus den agrarischen Zöllen, zur Einrichtung einer Arbeiterwitwenpensionskasse zu verwenden. Wie Sentimental, applaudiert am 9. April 1902 Franz Mehring im Bericht über "Posadowskys Osterfahrt", dass die Regierung einen letzten Tropfen für das Krüglein der Witwe retten soll, während doch ihre abenteuerliche Weltpolitik die Kassen immer leerer fegt.

 

 

Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky  zurück

1899 erhält das Reichsamt des Inneren vom Zentralverband deutscher Industrieller Propaganda-Geld. Begonnen hatte die Affäre mit der Anfrage von Ministerialdirektor Erich v. Woedtke (1847-1902) an den Geschäftsführer des Zentralverbandes deutscher Industrieller Henry Ariel Bueck, ob sie die Finanzierung von Agitationsschriften gegen die Sozialdemokratie unterstützen könnten. Bueck übermittelt das Anliegen zur Prüfung an den Geheimen Finanzrat und stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralverbandes Jenke, der empfahl, das Verlangen nicht zurückzuweisen.

Karikatur zur Affäre Bueck- Woedtke-Posadowsky

Man werfe oben 12000 Mark hinein und ein fertiges Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter fällt unten heraus.

Der Wahre Jacob. Jahrgang 17, Heft 376, Stuttgart 1900, Seite 3395

Immerhin handelte sich, wie der Niederschrift ihres Geschäftsführers vom 3. August 1898 zu entnehmen war, und von der Leipziger Volkszeitung am 22. Oktober 1900 veröffentlicht wurde, um eine Zuwendung in Höhe von 12 000 Mark zum Zweck der Agitation für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse.

Die Kooperation zwischen dem Reichsamt des Inneren und dem Zentralverband deutscher Industrieller fliegt auf, als ein Archivar vom Geschäftsführer Bueck heimlich die zugehörige Korrespondenz an den "Vorwärts" (Berlin) weiterleitete. Posadowsky distanziert sich öffentlich von seinem Ministerialdirektor, der daraufhin demissionieren muß und Direktor des neugeschaffenen Reichsaufsichtsamts für Versicherungswesen wird.

 

 

Zuchthausvorlage und Richtungswechsel  zurück

In der Schrift Sozialreform oder Revolution? (1899) findet sich eine versteckte Replik zu Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Ihre Autorin, Rosa Luxemburg (1871-1919), klagt ihn an, ein Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht begehen zu wollen.

Kommentar zur Veröffentlichung der Zuchthausvorlage im "Vorwärts", Berlin den 15. Januar 1898

Staatssekretär Posadowsky-Wehner versandte am

11. Dezember 1897

aus dem Reichsamt des Inneren ein geheimes Rundschreiben an die Regierungen der deutschen Einzelstaaten. Darin legte er ihnen nahe zu prüfen, ob gesetzliche Maßnahmen gegen das Streikrecht und die Koalitionsfreiheit angezeigt sind. Zitat:

"In letzter Zeit ist in der Tagespresse und Fachliteratur wie in Vereinsversammlungen die Frage lebhaft erörtert worden, ob nicht angesichts der durch die Arbeiterbewegung der letzten Jahre gelieferten Erfahrungen von der Gesetzgebung ein erhöhter Schutz gegen Missbrauch der durch § 152 der Gewerbeordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit zu verlangen sei."

Unbedingt neu war der reine politische Inhalt der Aktion vom 11. Dezember 1897 nicht. Wilhelm II. propagierte bereits am 17. Juni 1897 in Bielefeld den "Schutz der nationalen Arbeit aller produktiven Stände und die Kräftigung des gesunden Mittelstandes". Beunrhigend wirkten die zunehmenden Aussperrungen und Ausstände in den Jahren 1896 und 1997. Speziell der Hamburger Hafenarbeiterstreik 1897/98 machte den Unternehmern und der Regierung die politischen Gefahren bewußt. In einer Eingabe des Zentralverbandes deutscher Industrieller an den Reichksanzler legte dieser unumwunden dar, dass es diesen Streik nicht gegeben hätte, wenn man ihren Vorschlag "Schutz der Arbeitswilligen gegen die Tyrannei der Streikenden" jetzt folgt.

Wilhelm II. kündigt in der Oeynhausener-Redeam 6. September 1898 die Gesetzesvorlage für 1899 an. Sie sah vor, wenn jemanden daran hindert seine Arbeit zu tun, oder gar zum Streik anreizte, ihn mit Zuchthaus zu bestrafen. Es entbrannte eine öffentliche Diskussion. Unter anderen nimmt 1899 Friedrich Naumann (1866-1919) in einem Vortrag gegen die Zuchthausvorlage. Schliesslich lehnt der Reichstag das Dokument als Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse vom Mai 1899 mit einer übergroßen Mehrheit ab.

Der Verfasser des Rundschreibens vom 11. Dezember 1897 bittet freundlich um Äußerung. Die neue Vorlage soll beim nächsten Zusammentreffen des Reichstags vorgestellt werden. Den Sozialdemokraten gelang es das Dokument in die Hände zu bekommen und veröffentlichten es am 15. Januar 1898 im Vorwärts. Dies war ein schwerer Schlag gegen die Unterdrückung der Sozialdemokratie und dem Versuch die Dynamik der Sozialpolitik auszubremsen.

Posadowsky scheiterte und vollzog nach kurzer Zeit einen Richtungswechsel (Bahlcke 2006). Er sucht jetzt in sozialen Fragen mit der SPD und Arbeiterbewegung ehr den Ausgleich. Unter seiner Ägide werden bedeutende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen realisiert:

Im Juli 1899 erfolgte mit Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der SPD die einheitliche Festlegung der Höhe der Invalidenrenten.

"Es war", triumphiert er am 6. Februar 1906 (1049) vor dem Reichstag, "aber der große Fortschritt der deutschen Sozialgesetzgebung, das an die Stelle der Armenpflege ein eigenes Recht und eine gewisse Leistung des Arbeiters trat, eine Rente …."

Novelle der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1801.

Bestehende Arbeitsschutzbestimmungen werden verschärft. Das Mindestalter für nichtschulpflichtige Kinder in gewerblichen Betrieben beträgt jetzt 13 Jahre. 14jährige Jugendliche dürfen höchstens 6 Stunden und 16jährige maximal 10 Stunden täglich arbeiten. Sie dürfen niicht zwischen 20.30 Uhr und 5.30 arbeiten. Die Höchstarbeitszeit für Frauen beträgt 11 Stunden. Verbot für Nachtarbeit und Beschäftigungsverbot an Vorabenden von Sonn- und Feiertagen nach 17.30 Uhr. Kinderarbeit unter 13 Jahren ist verboten. Die Bestimmungen über die Sonntagsarbeit für alle Beschäftigten werden präzisiert. Der Mutterschutz, die Bedingungen für Nachtarbeit, Arbeit an Sonn- und Feiertagen in der Industrie und auf dem Bau werden verbessert.

Siehe auch Gesetz, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Mai 1908.

Gesetze zu den Gewerbe- (1901) und Kaufmannsgerichten (1904)

Ihre Einrichtung soll die Arbeitskonflikte friedlich regeln. Sie erkennen den Arbeiter als gleichberechtigten Vertragspartner des Unternehmers an, die im Ergebnis des Bergarbeiterstreiks von 1905 weitere Rechte erringen.

Erweiterte Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903

Finanzielle Förderung des Baus von Arbeiterwohnungen

1903 wird die Zahlung des Krankengeldes von 13 auf 26 Wochen verlängert.

Novelle zum preußischen Bergbaugesetz vom 14. Juli 1905

(Unter Verwendung der Ergebnisse von Albin Gladen 1974, u.a. Seite 85f.)

Im Zeitraum von 1900 bis 1903 trägt die SPD Reformen zur Sozialversicherung und Regelung der Arbeitszeit sowie zum Verbot der Kinderarbeit und Verbesserung des Mutterschutzes mit.

Jochim Bahlcke blickt auf seine Tätigkeit in den ersten Jahren im Reichsamt für Inneres so zurück: "Mit seinem neuen Kurs im Reichsamt des Innern und der Unterstützung von Seiten des Zentrums begann Posadowsky eine Reihe durchgreifender sozialpolitischer Reformen. Die Alters- und Invalidenversicherung sowie die Krankenversicherung wurden verbessert, der Bau von Arbeiterwohnungen gefördert, die Schiedsgerichte einheitlich organisiert, der Mißbrauch gewerblicher Kinderarbeit mit höheren Strafen bedroht."

Die Universität Berlin ehrt die Verdienste von Posadowsky-Wehner auf dem Gebiet der Sozialpolitik mit der Verleihung eines Ehrendoktors der Theologie. Von der Universität Giessen erhält er den Ehrendoktor der Medizin zuerkannt. Sein akademischer Titel lautet jetzt: Dr. theol. h.c. Dr. med. h.c. Dr. jur..

 

 

Bekämpfung der Sozialdemokratie (Posadowsky-Wehner)   zurück

Posadowsky begreift die soziale Frage als Ausdruck der ökonomischen Lebensform, anerkennt die Bedingtheit des Sozialen und wachsende Rolle der materiellen und kulturellen Bedürfnisse für die arbeitenden Klassen. In unserer Diktion kann man es den Zweiten Hauptsatz der Sozialpolitik nennen. Es bedeutet, erklärt er am 12. Dezember 1905 (240) vor dem Reichstag, dass es ganz natürlich ist, wenn die Wohlhabenheit in unserem Land steigt, dass dann gleichzeitig durch die Schulbildung und mit der wachsenden Kultur die Ansprüche des Arbeiters an die äußere Lebenshaltung wachsen und er einen größeren Anteil am Gewinn der industriellen Betriebe sucht.

Ein interessantes Phänomen: Im Kampf gegen die Sozialdemokratie nähert sich Posadowsky ihrer Denkweise an. Wenngleich, was zu beachten ist, weitere, noch andere Schwerpunkte von ihm bei der Lösung der sozialen Frage gesetzt werden. So grämt ihn, dass die Sozialdemokraten mit der Revolution spielen und nicht anerkennen, "was der Staat und die bürgerliche Gesellschaft für die arbeitenden Klassen bisher schon getan haben". "Es ist noch keinem Staat in der Welt gelungen", hält er ihnen am 13. Februar 1897 im Reichstag vor, "uns das nachzumachen, was wir für die arbeitenden Klassen gethan haben."

Endlich sagts mal einer, könnte - als er dies hörte - sein Parlamentskollege Adolf Stoecker (1835-1909) gedacht haben. Denn ihn stört schon einige Zeit, "Das in manchen Kreisen eine üble Stimmung gegen uns herrscht .... " Den studierten Theologen aus Halberstadt, Begründer der antiliberalen, antisozialistischen Christlich-Sozialen Bewegung, ärgert dies, macht ihn etwas fassungslos und fragt: "Wodurch ist diese hervorgerufen?" Er hat da so eine Vermutung, die folgende Beobachung stützt: "Für die Arbeitgeber fehlt in der Sozialdemokratie jede Anerkennung." Daher könnte es sein, droht er am 12. Februar 1906 (1212) im Reichstag an, dass in Kreisen der Staatsmänner, die Lust zu Reformen vergeht.

Darauf lässt sich Posadowsky nicht ein. Offenbar beurteilt er die Lage und Fähigkeit der Arbeiterbewegung darauf zu ragieren, anders. Er fragt (1906):

"Wie kommen wir trotzdem bei der Schaffung einer Arbeiterpartei voran, "die innerhalb des gegebenen Staates", des "bürgerlichen, des monarchischen Staates" steht? Wir haben, den "allerdringendsten Grund die christliche Arbeiterbewegung zu unterstützen".

Wenn Posadowsky die Stärkung der christlichen Arbeiterbewegung erstrebt, assistiert ihn (am 12. Februar 1906) Stoecker wieder: "Und wenn die Herren von der äußersten Linken mit einer diabolischen Klugheit immer so tun, als ob sie allein die Interessen der Arbeiterwelt verträten, und die anderen Arbeiter glauben machen, daß das wirklich so sei, - wir im Reichstage sollten das nicht nachmachen, sondern immer unterscheiden zwischen der Arbeiterwelt und der Sozialdemokratie, die in ihren Interessen gar nichts miteinander zu tun haben. (Sehr richtig! Rechts)" Hierauf antwortet am 14. Februar (1906) August Bebel im Reichstag: "Den Kampf mit Herrn Stoecker und Konsorten nehmen wir gerne auf. Er soll sich uns nur stellen ...."

"Gegen die Kritik seiner ursprünglichen Verbündeten im konservativen Lager lenkte Posadowsky in die Bahnen der Politik des "Neuen Kurses" zurück, die 1896 abgebrochen worden war", fasst die Entwicklung Joachim Bahlcke (Kulturstiftung) zusammen. "Als Ziel schwebte ihm eine Trennung von Sozialdemokratie und Arbeiterbewegung über die christlichen Gewerkschaften vor, die sich im Jahre 1901 zum "Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands" zusammenschlossen."


Rede
vor dem Reichstag 1905


hören
(1: 46 Minuten, mp3)

Überwindung der Sozialdemokratie und des Materialismus

Geistige und sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes durch Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit

Trotz Wahlrecht kann die Herrschaft der besitzenden Klassen aufrechterhalten werden

 

Mit seiner

Rede vom 6. Februar 1906

verleiht Posadowsky dem "Kampf gegen die Sozialdemokratie" einen neuen Impuls. Nachdem er im Plenarsaal viele an ihn gerichtete Fragen systematisch beantwortet hatte, ist die Sozialdemokratie an der Reihe. Ihn treibt die Frage um, wie man gegen die drei Millionen Stimmen der Sozialdemokratie ankommt? Er unterscheidet zwischen einer "berechtigten Arbeiterbewegung und einer unberechtigten". Die Sozialdemokraten, so lautet der zentrale Vorwurf, stellen Forderungen, "die weder im Gegenwartsstaat noch im Zukunftsstaat" "noch in irgendeinem Staate der Welt jemals zu erfüllen sein werden". Denn ihre Erfüllung würde zum Zusammenbruch des gesamten wirtschaftlichen Lebens und mit ihm des Staates führen. "Weil die Sozialdemokratie hiervon überzeugt ist, erklärt sie: der ganze bestehende Staat muss beseitigt werden. Wie dieser Zukunftsstaat aussehen würde, davon habe ich wenigstens keinen Begriff. [Sehr gut!]

Deshalb muss man es doch begrüßen, wenn eine Arbeiterbewegung besteht und sich weiterentwickelt, die erklärt:

ja wir sind auch dafür, dass die materielle Lage der Arbeiter dem wachsenden Wohlstande des gesamten Volkes entsprechend eine besser wird,

dass die Löhne der Arbeiter den gestiegenen Lebensbedürfnissen und gestiegenen Lebensmittelpreisen folgen,

dass der Arbeiter in größerem Masse als bisher auch an öffentlichen Angelegenheiten beteiligt ist, aber wir wollen dies Ziel mit gesetzlichen Mitteln verfolgen in dem bestehenden monarchischen Staat, innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft."

Ende November 1911 prägt er bei einem Auftritt als Kandidat des Reichstages für den Wahlkreis Bielefeld den moralischen Imperativ des Klassenkampfes:

"Die Sozialdemokratie ist nur geistig und sittlich zu überwinden. Dazu gehört aber viel Ruhe, Gerechtigkeitsliebe und Uneigennützigkeit der besitzenden Klassen. Wer Recht erringen will, muß selbst Recht haben und vor allem Freiheit des Individuums."

Posadowsky wendet sich im Rahmen seiner Tätigkeit als Staatsekretär des Reichsschatzamtes und Reichsamtes des Inneren den ökonomischen Bedürfnissen der einzelnen Klassen, Schichten und Gruppen, den verschiedenen Interessen der Landwirtschafts- und Industrieverbände und Organisationen zu. Nichts weist dabei auf eine moralische oder politische Abwertung der arbeitenden Klasse und Unterschichten hin.

Die Junker artikulierten etwa seit 1897 ein massives Bedürfnis an der Erhöhung der Einfuhrzölle für Agrarprodukte. Wohingegen sich die Bank- und Handelsbourgeoisie dagegen auflehnte. Recht und Freiheit räumten der Interessenpolitik den Platz. In der Sozial- und Zollgesetzgebung schmiedet Posadowsky mit an Bündnissen und Kompromissen, die realen ökonomischen Klasseninteressen Rechnung trug. Dabei war es nicht immer leicht ihm zu folgen. Denn sein Verhältnis zu den ökonomischen Bedürfnissen der verschiedenen sozialen Klassen und Gruppen und deren sozialpolitische Wichtung artikulierte er mitunter temporär in Abhängigkeit von den strategischen und taktischen Aufgaben der Kommunikation, was manche öffentliche Kontroverse auslöste. Zum Beispiel registrierte am 26. Februar 1905 der "Wirtschaftliche Wochenbericht" vom Vorwärts (Berlin), dass Staatssekretär Posadowsky auf einer politischen Veranstaltung als Gegengewicht zum Streben der unteren Schichten nach Verbesserung ihrer Lebenslage, die "Rolle des Anti-Posa" einnahm. Er forderte den von der Sozialpolitik ausgelösten heftigen Gang der Gesetzgebungsmaschine, "die Stärkung des politischen Einflusses der Landwirtschaft, das heißt der junkerlichen Position, die er als "festen Anker unseres Staates" bezeichnete", entgegenzusetzen.

August Bebel oder die ihm zugeneigte SPD "Volksstimme" aus Magdeburg stellten ihn mir nichts dir nichts unter das Verdikt, ein "Land- und Industriebündler" zu sein. Der SPD-Vorsitzende behauptete gar, Posadowsky sei durch den Verkehr mit den Kapitalisten so verwirrt, dass er nicht mehr das sozialpolitisch Richtige erkenne. Daraufhin fragt der am 12. Dezember 1900 in der Beratung zum Haushalt für das Rechnungsjahr 1901 im Plenum des Reichstages etwas listig zurück:

Wo sollten im Bundesamt die vielen Kapitalisten sein?

Selbstironisch fährt er fort:

".... aber im Übrigen, glaube ich, verkehrt niemand mit den Kreisen, die man vorzugsweise als kapitalistisch bezeichnet, weniger als ich."

Zum Verhältnis von Unternehmer und Arbeiter entfaltete Posadowsky ganz eigene Vorstellungen, die beispielsweise am 16. Dezember 1897 vor dem Reichstag zur Sprache kommen: "Ich habe aber ferner allerdings ausgeführt, daß es außerordentlich bedenklich sei, sämtliche Erwerbszweige Deutschlands polizeilich reglementieren zu wollen, daß man auf diesem Gebiet nur mit der äußersten Vorsicht vorgehen sollte; denn es sei bedenklich, Verordnungen zu erlassen, die sich in ihrer Ausführung gar nicht kontrollieren lassen und die sehr leicht dahin führen, daß das Verhältniß zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der soziale Frieden, der zwischen diesen beiden Kategorien unbedingt bestehen muß, aufs schwerste gefährdet wird. Das Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann man nicht nur auf den rechtlichen Vertrag stützen, es muß auch ein gewisses Pietätsverhältniß bestehen."

Aber was für eine Enttäuschung brandete durch die sozialdemokratisch beeinflußte Öffentlichkeit als das von ihm unterzeichnet Rundschreiben vom 11. Dezember 1897 zur Strafverschärfung des Pargaraphen 153 der Gewerbe-Ordnungs-Novelle, veröffentlich im "Vorwärts" am 15. Januar 1898, bekannt wurde! Sieht so das pietätvolle Verhältnis von Arbeiter und Unternehmer aus?

Eine zweite gestaltende Idee zum Verhältnis von Unternehmer und Arbeiter verkörpert das "Vaterland". August Bebel tut so, wirft Posadowsky ihn am 13. Dezember 1897 (171) im Reichstag vor, als ob die Mittel der Landesverteidigung nur den Besitzenden, den Reichen und Kapitalisten zugute kommen. Wohl kann er seine Warnung, die indirekten Steuern für die Lohnabhängigen nicht zu stark zu erhöhen, verstehen, und will ihm hier "durchaus beipflichten" (!). Nicht unterstützen will er dessen Darstellung, "als ob die Armee und Marine nur da waren zum Schutze des Besitzes, der reichen Leute", weshalb er fragt:

Hat denn "der Arbeiter bei uns kein Vaterland?"

Die arbeitende Klasse steht nicht außerhalb unserer Gesellschaft. Weshalb sie ebenfalls, untermauert er seine Worte weiter, ein "Interesse an der Sicherheit des Staates" und der "Aufrechterhaltung des Friedens" haben muss. Wäre das nicht so, "dann wäre aber allerdings die Aufrechterhaltung des allgemeinen direkten Wahlrechts auch nicht mehr berechtigt".

 

Menschenbild   zurück

Das christliche Menschenbild bietet ihm wichtige Orientierungshilfe. Empathie und soziale Pflicht des Christen finden in der Sozialpolitik zusammen. "Ich halte die Sozialpolitik", resümiert Arthur Graf von Posadowsky-Wehner 1911 in der Bielefelder-Rede, "für ein sittliches Gebot, für ein Gebot der christlichen Religion und jedes Religions-Bekenntnisses jedes gebildeten Volkes." Den asozialen, nach materiellen Werten strebenden Menschen lehnt er ab. Gestalten ohne Mitgefühl fürchtet er. Als 1930 mit den Notverordnungen soziale Leistungen gekürzt wurden, warnte er: "Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr …." (V&R 74)

Den Propheten Jesaias, "Ein Jeglicher sieht auf seinen Weg, ein Jeder geizet für sich in seinem Stande", führt er als Inbegriff des lieblosen und unsozialen Menschen vor. Feine Gemüter haben Mitgefühl und suchen, diesen Empfindungen in Wort und Tat Ausdruck zu verleihen. (V&R 74) Das tätige Mitgefühl mit seinen Stammesgenossen erhebt Posa zur vaterländischen Pflicht. Wir nennen es schlicht "Solidarität". Im Widerspruch hierzu, etwas überraschend!, lobt er am 13. Dezember 1897 (175) im Reichstag das egoistische Lebensprinzip als conditio sine qua non des Fortschritts aus:

"Das Lebensprinzip allen Fortschritts ist der menschliche Egoismus, der sich durch Arbeit und Intelligenz eine bessere Situation schaffen will als die der Nebenmenschen; und wenn Sie dem Menschen diesen seinen Lebenstrieb nehmen [sagt er in Richtung August Bebel], dann stockt auch der menschliche Fortschritt."

Über freilich immer notwendige individuelle moralische Maßstäbe des Handelns, sucht er gesellschaftliche, dass Rechtsgefühl, den Anstand und die gegenseitige Achtung betreffende Normen zu etablieren oder Wirkung zu verschaffen. Zum Beispiel will er das Ansehen des Arbeiters und der Arbeiterinnen heben und ihr Selbstvertrauen stärken, wenn er fordert:

"Außerdem muß selbstverständlich die gerechte Behandlung des Arbeiters sowohl seitens der Regierungsorgane wie der bürgerlichen Gesellschaft hinzukommen, um sich das Vertrauen des Arbeiters zu erwerben und zu erhalten." (12.12.1905, 240)


In vielen Entscheidungssituationen äußert sich bei ihm ein gesundes soziales Empfinden, besonders das Verständnis für die Lebenslage der arbeitenden Klassen. Was würde werden," fragt er am 13. Dezember 1897 den Reichstag, "wenn - was Gott verhüte! - wir einen unglücklichen Krieg führten, Handel und Wandel stockten, die Fabriken still ständen, der heimische Boden nicht mehr so intensiv bearbeitet würde: - wovon sollte dann der Arbeiter leben! Die besitzenden Klasse können viel leichter über halten; die haben etwas zuzusetzen, nicht aber der Arbeiter, der von der Hand in den Mund lebt."

 

 

Kernsätze der Sozialpolitik  zurück

Die Sozialpolitik konstituiert sich aus dem Widerspruch von aktuell immer begrenzten ökonomischen Möglichkeiten einerseits und dem unerschöpflichen Bedürfnis die Produktivkraft Arbeit zu erhalten und zu fördern andererseits. Ihre merkantile Ausgestaltung greift tief in die Wertverhältnisse des nationalen Lohn- und Renten- sowie Gesundheitssystem ein. Zwangsläufig unterliegt der Widerspruch dem Kampf der Interessen der sozialen Klassen, Gruppen und Parteien sowie der alltäglichen Polemik von Presse und Öffentlichkeit. Die Materialisierung der Sozialpolitik ist vom politischen Kräfteverhältnis der im Reichstag konkurrierenden Parteien, den Gewerkschaften, dem Einfluss der Unternehmer nebst ihren Organisationen und Verbänden  abhängig.

Für das Unternehmertum avisiert Posadowsky klare Leitideen. Wie das auszusehen hat, teilt er ihnen am 22. Januar 1902 im Fluss der Beratung zum Etat des Reichshaushalts mit:

"Meine Herren,
wenn sie den Weg gehen, jedesmal die Fabrikanten zu entschädigen, wenn wir ein Verfahren ausschliessen, das gesundheits- oder lebensgefährlich für die Arbeiter ist, dann fürchte ich, riskieren Sie, die ganze sozialpolitische Gesetzgebung zum Stillstand zu bringen .…

Das wäre eine Belastung des sozialen Fortschritts, die wir gar nicht ertragen könnten."

Oft wird die deutsche Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie und im Dienst der Domestizierung der Arbeiterklasse interpretiert. Andere begreifen sie vor allem als Pflegeleistung zur Produktivitätssteigerung der Arbeit. Posadowsky-Wehner überschreitet deutlich den Horizont sowohl einer populistisch wie ökonomistisch fundierten Sozialpolitik. Für ihn ist sie, eine universelle kulturelle Aufgabe, ohne die kein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt möglich (V&R 126ff.). Damit überschreitet er den Horizont der sozialethischen Auffassungen der Posener-Zeit, die die Pflicht zur sozialen Fürsorge vor allem aus dem Gebot der christlichen Sittenlehre ableiteten

Sozialpolitik verstand Posadowsky nicht als Praxis sozialer Geschenke an eine geschundene arbeitende Klasse. Vielmehr lotete er Möglichkeiten und Grenzen im Feld von Humanität, Rationalität und Ökonomie aus. Volkswirtschaftlich betrachtet handelt es sich hier um die Gestaltung des Verhältnis von Ordnung und Markt, was in der täglichen Arbeit seinen Niederschlag fand. Einerseits widersprach er ".... auf das heftigste, wenn der Centralverband deutscher Industrieller Forderungen, die der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit am Arbeitsplatz galten, als sozialdemokratisches Anliegen zurückwies." (Bahlcke 96) Das beruhte auf der Überzeugung,

dass die Sozialpolitik nicht die zwangsläufigen und unverrückbaren wirtschaftlichen Gesetze überschreiten und zerstören darf, weil sonst riesige volkswirtschaftliche Schäden zu gegenwärtigen sind (V&R 213).

Was er hier 1932 in "Volk und Regierung" als

ökonomisches Gesetz der Sozialpolitik

artikuliert, beruht auf seinen praktischen Erfahrungen im Reichsschatzamt und Reichsamt des Inneren und geht, soweit es einzusehen, auf seine Rede vom 12. Dezember 1905 vor dem Reichstag zurück. Es ist ein durchgreifendes ökonomisches Kraftmoment der Sozialpolitik und der Sozialgesetzgebung überhaupt. Von der linken und extrem linken Opposition wird es nach 1918, speziell nach seiner Rede vom 14. Februar 1919 in der Nationalversammlung, manchmal zitiert, aber viel, viel öfter in verallgemeinerter Form zurechtgestutzt und verstümmelt dargelegt. Um Klarheit zu schaffen, soll er selbst zu Wort kommen. Das Bestreben um einen größeren Anteil der Arbeiter am Gewinn des Unternehmens betrachtet er "an sich verständlich und auch berechtigt." Doch darf die Produktion dadurch nicht in einer Weise verteuert werden, dass diese konkurrenzunfähig, lebensunfähig oder reproduktionsunfähig wird.

"Wenn der Unternehmer nicht mehr die Aussicht hat, sein Kapital wirklich gewinnbringend anzulegen, wird eben die Unternehmungslust überhaupt zurückgehen …" "Werden also die Forderungen an die Löhne überschraubt, wird die Ware zu teuer, das Geschäft zu riskant, so leidet unter den fortwährenden Streiks zunächst die Unternehmerlust des deutschen Unternehmerstandes, dann trägt aber in zweiter Reihe den Rückschlag der Arbeiter, weil sich die Arbeitsgelegenheit entsprechend vermindert." (12.12.1905, 240)

Die Gewinn-Beteiligung des Arbeiters am Unternehmen definiert er als eine Frage der Gerechtigkeit. Natürlich in den ökonomischen Formen und Verhältnissen - von 1906 und 1919. Wie sonst? Ihm ist nicht nicht vorzuwerfen, Humanität und Ökonomie versöhnen zu wollen. Nicht als postuliertes hoch daherkommendes Sonntagsversprechen, sondern auf die Ökonmie gegründet. Das ist Posadowsky´s Art.

Nach fast zehnjähriger Tätigkeit als Staatssekretär des Inneren, nennt ihn am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg, einen Vertreter des sozialen Königtums. Die Kaufmannsgehilfen-Tagung am 9. Februar 1926 in Naumburg begrüßt ihn als

Vorkämpfer der deutschen Sozialpolitik.

 

 

Wollte oder durfte er nicht?  zurück

Prügelknabe Posadowsky. In: Jugend. Nummer 9. München, den 18. Februar 1904.

An der Prügelorgie sind die verschiedensten Parteien beteiligt: SPD (Paul Singer), Zentrum (Peter Spahn), Nationalliberale Partei (Waldemar von Oriola) und Deutsche Reichspartei (Wilhelm Kardorff).

Eifrig schreitet der Staatsminister des Inneren auf dem deutschen Weg der Wirtschaft fort, der sich durch die Sozialpolitik deutlich vom anglo-amerikanischen Wirtschaftssystem unterscheidet. Er erkannte sehr wohl, schreibt Albin Gladen (85f), "dass staatliche Sozialpolitik in eine emanzipatorische Gesellschaftspolitik einmünden müsse, die den Arbeitern Freiheit und Möglichkeit zur Selbsthilfe gab." Das verlangte die Aufhebung des politisch-diskriminierenden Zensuswahlrechts mit anachronistischer Wahlkreiseinteilung und die uneingeschränkte Koalitionsfreiheit. An die Lösung der Arbeiterfrage nicht nur sozialpolitisch heranzugehen, sondern sie als Verfassungsfrage anzuheben, das wollte er nicht verantworten.

- Nachfrage, wollte oder durfte er nicht?

Über welche Handlungsspielräume verfügte der Staatssekretär a) innerhalb der institutionellen und b) in den Grenzen der kaiserlich-herrschaftlichen Subordinationsverhältnisse? Was konnte er gestalten und entscheiden? Was lässt das persönliche Regiment von Wilhelm II. zu? - Regierung, Beamtenschaft usw waren "… durchsetzt von dem Bestreben, die Gunst, der Allerhöchsten Person für sich zu gewinnen bzw. zu erhalten" (Röhl 133). "Die Reichskanzler, die Staatssekretäre der Reichsämter und die preußischen Minister waren praktisch zu Handlangern der Monarchen herabgesunken ...." (Röhl 130). ".… immer weiter frisst sich die Überzeugung Bahn, die sämtlichen Minister seien nicht selbständige Männer, die nach ihrem guten Glauben handeln, sondern mehr oder weniger Puppen, die blindlings den Winken und Launen ihres kaiserlichen Herren folgen" (W. J. Mommsen 64). In den Äußeren Angelegenheiten des Landes verhält es sich so, dass gemäß Artikel 11 der alten Reichsverfassung allein dem Kaiser die völkerrechtliche Vertretung des Reiches zusteht.

 

 

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär  f ü r  Sozialpolitik 
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Ära Posadowsky 12.08.1893 bis 24.6.1907

Im Reichstag stößt die Fortsetzung der Sozialpolitik auf Widerstand, was natürlich von ideologischen Auseinandersetzungen begleitet ist. Seine Gegner stellen das

Prinzip der Kontinuität

in Frage. In der Reichstagsdebatte am 9. März 1907 (344/345) argumentiert der Staatssekretär des Inneren: Ein Volk, dass in der Bildung fortgeschritten, stellt auch im Unglück höhere Anforderungen an seine Lebensführung als die Armenpflege gewähren kann. "Deshalb kann ein Volk von dem Kulturstande des deutschen Volkes die Sozialpolitik nicht aufhalten und nicht aufgeben, trotz aller stillen und offenen Gegner." Folglich kann die Sozialpolitik kein "verhängnisvoller Schritt" dagegen sein. Doch seine Tätigkeit wird nicht darin einmünden, stellte er bereits in der Reichstagsrede am 13. Dezember 1897 klar, "alle Erwerbszweige polizeilich zu reglementieren, um schließlich einen sozialistischen Polizeistaat herbeizuführen, in dem sich die Arbeiter nicht wohler befinden dürften als bisher, in dem aber die besitzenden Klassen sich zu bewußten Gegnern des Staats herausbilden würden."

Das Kellerfest des Hottentottenblocks. (Grossbild)
Aus: Der Wahre Jacob, Nummer 542, Stuttgart, den 30. April 1907, Seite 5367   zurück

Seit der freikonservative Abgeordnete Karl von Camp-Massen (1846-1918) ab Juni 1907 seine Angriffe gegen ihn, den Vizekanzler, richtete, wofür er gleichsam in den Freiherrenstand erhoben, und die Norddeutsche Allgemeine jede Woche vom bornierten Unternehmerstandpunkt aus verleumderische Anklagen gegen die modernen Gewerkschaften erhob, konnte kein Zweifel mehr bestehen, dass die Tage Posas gezählt waren. (VS 25.5.1907) Meist äußern sich, so schildert er die Lage am 9. März 1907 (344) im Reichstag, seine Widersacher öffentlich nicht in schroffer Weise. Doch sie bekämpfen jeden einzelnen (Fort-) Schritt und sorgen dafür, dass für den Schwachen nur das Notwendigste geschieht. "Und, meine Herren," streitet Posadowsky am 5. März 1907 für seine Politik vor dem Hohen Hause, "dass gegen mich in der Öffentlichkeit, persönliche gehässige, giftige und verleumderischen Angriffe gerichtet sind, das ist allgemein bekannt …." "Es gibt eben Richtungen, die wollen, dass ein Staatssekretär gegen Sozialpolitik besteht.

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär für Sozialpolitik.
(Lebhafter Beifall in der Mitte, links und bei den Sozialdemokraten.)"

 

 

Kolonialpolitik - Nachtragshaushalt - Weltstellung (Bülow)  zurück

Unter der Kanzlerschaft von Leo von Caprivi (1890-1894) und Carl Viktor Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894-1900) konnte Posadowsky seine Leistungskraft voll entfalten. Als Bernhard von Bülow 1900 übernahm, da brachten die "Temperamentsunterschiede" der Männer bald allerlei Misshelligkeiten zu Tage. (Paul Wittko 1925)

Genauer gesagt, zwischen dem Kanzler und seinem Stellvertreter klaffen unwägbare politische Tiefen, die Kernfragen seiner "Weltpolitik" betreffen. Posadowsky zweifelt an der Sinnhaftigkeit der Kolonialpolitik. 1911 kritisiert er in der Bielefelder-Rede: [a] "Wir haben ein ungeheures Kolonialgebiet zu erschließen, wozu gewaltige finanzielle Mittel im Laufe der Zeit notwendig sein werden. Große, wilde Flächen ohne reiche Mittel zu ihrer Erschließung sind aber rein imaginäre Werte. Ein Land wo die Europäer nicht arbeiten können, und die Eingeborenen nicht arbeiten wollen, bedeutet keine Verstärkung unserer wirtschaftlichen und politischen Macht." [b] "Alle kolonialen Erwerbungen hat man bisher damit begründet, dass wir bei unserer schnell wachsenden Volkszahl Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. Es ist aber falsch, zur Zeit von einer Überbevölkerung Deutschlands zu sprechen." Ob in Deutschland überhaupt ein entbehrlicher Bevölkerungsüberschuss besteht, erscheint ihm fraglich. Sein einstiger Dienstherr Reichskanzler Bernhard von Bülow (1906, 3958) war da anderer Meinung. Unumwunden gibt er 1906 vor: "Die Frage steht nicht so: ob wir kolonialisieren wollen oder nicht; sondern wir müssen kolonialisieren, ob wir wollen oder nicht."

1905 erhoben sich in Deutsch-Ostafrika die Maji-Maji gegen die repressive Kolonialherrschaft. Im Jahr zuvor traten in Deutsch-Südwestafrika die Herero und Nama (von den Deutschen abschätzig als "Hottentotten" bezeichnet) in den Aufstand. Nach der verlorenen Schlacht am Waterberg, wollten sie durch Omaheke ins Betschuanaland (Botswana) ziehen. Deutsche Truppen verhinderten ihre Wasseraufnahme und ließen sie verdursten. Wer dem Massensterben entkam, vegetierte dahin oder starb oft im Konzentrationslager. Eine Politik der Grausamkeiten, des Mordens und Terrorismus, die viel Geld kostete. Matthias Erzberger (1875-1921) - kandidiert zur Reichstagswahl 1907 im Wahlkreis Biberach, Leutkirch, Waldsee, Wangen - wandte sich gegen die Kolonialkriege und forcierte durch die Veröffentlichung skandalöser Zustände (etwa zur Tätigkeit der Firma Tippelskirch & Co. GmbH) die politische Krise, die 1907 in die Reichstagsauflösung einmündet.

Der Wahre Jacob aus Stuttgart stellt im Juli 1907 die Bülow-Schlächterei vor.

Bernhard von Bülow (1849-1929), Reichskanzler von 1900 bis 1909, hetzt seine Hunde auf Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, der in der Karikatur "Metzel Suppe" symbolisch als Wurst dargestellt ist. Die original Bildunterschrift lautet:

"Man sieht doch gleich die gute Rasse, - sie läst keinen `ran und schnappt den besten Happen weg."

Metzel Suppe. In: Der Wahre Jacob.
Jahrgang 24. Heft 548. Stuttgart, den 23. Juli 1907, Seite 5473

Paul Wittko schreibt 1925 im Kontext der Krise von 1906/07: "Posadowsky, stets unbedingt wahrheitswillig und von großer, fast zu großer Ehrlichkeit ...."

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Kanzler Bernhard von Bülow legt im August 1906 dem Reichstag einen Nachtragshaushalt vor, der zusätzlich 29 Millionen Mark für die Kolonialtruppen und den Bau einer angeblich kriegswichtigen Eisenbahn vorsieht. Erzberger vom Zentrum fordert die Reduzierung der Truppen und der von der Regierung beantragten Gelder. August Bebel, SPD, prangert die deutsche Ausrottungsstrategie an. Laviert aber. Er kann sich eine "Kolonisation als große Kulturmission" vorstellen. "Man will

Weltpolitik großen Stils treiben,

man will endlich die langersehnte Kolonialarmee schaffen", konkretisiert es am 14. Dezember 1906 der Vorwärts aus Berlin. Mindestens 5000 Mann, gegebenenfalls auch mehr, sollen in Südwestafrika bleiben. Reichskanzler Bernhard von Bülow interveniert am 13. Dezember 1906 gegen die widerspenstigen Abgeordneten des Reichstages:

"Die Regierung kann sich von den Parteien nicht vorschreiben lassen, wieviel Truppen sie für kriegerische Zwecke braucht." "Nochmals, es handelt sich um unsere Weltstellung."

Die SPD (78 Abgeordnete), das Zentrum (103 Abgeordnete) die Fraktion der Polen (16 Abgeordnete), und mit ihnen Posadowsky-Wehner, stimmen am 13. Dezember 1906 gegen den Nachtragshaushalt für das Kolonialamt. Die Regierungsvorlage wird mit 178 zu 168 Stimmen ablehnt. Unmittelbar danach löste Reichskanzler Bülow auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II. das Parlament auf. Als Termin für die Neuwahl des Reichstages wurde der

25. Januar 1907 festgesetzt.

 

 

Die „Hottentottenwahl“  zurück

Deutsch Konservative, Nationalliberale und Linksliberale bildeten ein Wahlbündnis, um Reichskanzler von Bülow zu stützen. Es war gegen das katholische Zentrum und die Sozialdemokratie gerichtet.

 

 

Foto: Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Wahlkampf 1907

Herkunft, Datum und Autor der Fotografie sind unbekannt. Am linken Bildrand ist auf dem Plakat der Name "Kaempf" zu lesen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den ehemaligen Stadtrat von Berlin, den Juristen und Reichstagspräsidenten (1912-1918) Johannes Kaempf (1842-1918). Seit 1901 war er Mitglied des Reichstages und Fraktionsvorsitzender der Freisinnigen Volkspartei. Am 25. Januar 1907 finden die Wahlen zum 12. Deutschen Reichstag statt. Das obige Foto, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner ist darauf gut zu erkennen, könnte eine Szene aus diesem Wahlkampf darstellen.

 

Wie soll man obiges Foto in Aktion mit der Freisinnigen Volkspartei interpretieren. Etwa als reservierte Haltung zur Kolonialpolitik und den Etatsteigerungen infolge der Militärvorlagen? Schwerlich. Den die Freisinnigen wechselten allmählich ins Lager der "Flottenrüstung" und "Weltpolitik".

Einen instruktiven Hinweis auf die parlamentarische Konstellation von Posadowsky gibt Jochachim Bahlcke (Ostdeutsche Biographien): "Wenngleich eine Zusammenarbeit oder ein Ausgleich mit der Sozialdemokratie für ihn zu keinem Zeitpunkt in Frage kam, lehnte er doch im Unterschied zu vielen Standesgenossen ein Regieren gegen die Mehrheit der Volksvertretung strikt ab, …. Die Konsequenz war eine Anlehnung beim Zentrum und bei den Linksparteien." 

Am Wahltag - den 25. Januar 1907 - entscheiden sich 28,9 Prozent der Wähler für die SPD, womit sie 2,8 Prozent der Stimmen einbüte und 38 Sitze verlor. Das Zentrum erreichte fast unverändert 19,4 Prozent, die Nationalliberale Partei 14,5 Prozent, die Deutschkonservativen 9,4 Prozent. Im Ergebnis war der Reichstag jetzt ohne Stimmen des Zentrums mehrheitsfähig, gestützt auf: Nationalliberale Partei + Deutsche Volkspartei + Deutschkonservative + Freisinnige Volkspartei + Freisinnige Vereinigung.

 

 

Verteilung der 397 Abgeordnetensitze
gemäss den Ergebnissen der Reichstagswahl
am 25. Januar 1907

 

SPD
Zentrum
NLP
DtVP
DRP
FVp
43 / -38
105 / +5
55 / +4
7 / +1
24 / +3
28 / +7
   
FVg
Region.
Bauern
DKP
Antisem.
Unabhä.
14 / + 5
29 / -3
9 / +1
60 / +6
21 / +10
2 / -1
           

Wahlbeteiligung: 84,7 Prozent

SPD - Sozialdemokratische Partei Dtl.

Zentrum - Deutsche Zentrumspartei

NLP - Nationalliberale Partei

DtVP - Deutsche Volkspartei

FVp - Freisinnige Volkspartei


DRP - Deutsche Reichspartei

FVg - Freisinnige Vereinigung

Antisemiten - Antisemitenparteien

DKP - Deutschkonservative Partei

Region. - Regionalparteien, Minderheiten

Bauern - Bauernpartei

 

 

Ministerieller Massensturz  zurück

Gelegentlich einer Beratung am 28. Februar 1907 traten zwischen Posadowsky und Bernhard von Bülow Unstimmigkeiten auf. Der Reichskanzler wirft ihn später vor, über eine bestimmte Sachlage nicht ausreichend informiert zu haben. Außerdem erwartete er von ihm bei der Vertretung seiner Politik mehr Unterstützung. Der Chef wurde krank und sein Staatssekretär für Inneres übernahm regulär die Leitung der Reichsgeschäfte. Obwohl hierfür zweifellos zuständig, führte die Reichskanzlei sie selbständig, sozusagen parallel, weiter und unterzeichnete Dokumente mit "Im Auftrage des Reichskanzlers". Das führte natürlich zu weiteren ernsten Verstimmungen. (Arnim / v. Below 1925) Als dann noch bekannt wurde, dass der Staatssekretär Bestrebungen des Zentrums unterstützt haben soll, geredet wurde gar über die parteipolitische Unterstützung des Zentrums aus dem Reichsamt heraus, war das Maß voll.

"Reichskanzler darf Graf Posadowsky auf keinen Fall werden. Denn wo soll das hinaus, wenn einer für sein Amt den nötigen Verstand gleich mitbringt! Das ist gegen alle preußische Traditionen."

Posadowsky Hetze. In: Der Wahre Jacob.
Jahrgang 24. Heft 540, Stuttgart, den 2. April 1907, Seite 5367

Zum 24. Juni 1907 wird er das "Staatsschiff" verlassen. Warum - das ist Frage. (a) Er war gegen die Auflösung des Reichstags. Ein radikaler Bruch mit dem Zentrum, worauf das Vorgehen vom Kaiser und Reichskanzler abzielt, kommt ihm ungelegen, da er es zur Durchsetzung seiner Sozialpolitik braucht. Wird es mit seinen 103 Abgeordneten gestutzt, beeinträchtigt dies die Weiterführung seiner Sozialpolitik. So kann man sagen, dass sein Abschied als Staatssekretär des Inneren im Zeichen der Blockpolitik stand.

(b) Gewiss spielen bei Sturz noch andere Motive und Absichten mit. "Man hatte freilich dem Kaiser geflissentlich eingeredet," erzählen die Danziger Neueste Nachrichten am 3. Juni 1930, "dass der Graf krankhaft ehrgeizig sei und durchaus Kanzler werden wolle. Unter Hohenlohe war er verschiedene Male dicht dran, den Posten zu bekommen, bis Bülow als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes die Gunst des Kaisers erwarb und Dauphin der Wilhelmstraße 77 wurde."

(c) Was befürchteten denn diejenigen Kreise, die geneigt sind einen Aufstieg des Staatssekretär des Reichsschatzamtes zum Kanzler anzunehmen? Wahrscheinlich das aufkeimen von stark differierenden Wertorientierungen zur Zukunft Deutschlands, die Infragestellung der Kolonialpolitik - ja vielleicht sogar der "Weltpolitik"? - und eine gründliche Revision der Nationalitätenpolitik. Im Abschnitt "Die Posener Zeit" wurde die Polen-Frage im Hinblick auf seine Tätigkeit erörtert. Es wurde bereits erwähnt, das Bülow am 26. November 1907 in das preußische Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Gesetzes einbringt, dass es erlaubte, polnischen Grundbesitz zu enteignen. Wie Posadowsky öffentlich darauf reagiert hätte, ist schwer zu sagen. Doch klar ist, diese Nationalitäten-Politik war nicht nach seiner Art. Und Fürst Bülow wußte das.

"Wat rausschmeissen wollen Se mir. Ich habe vierzehntägige Kündigung. Mit mir jeht det nicht so wie mit Posadowsky`n."

Simplicissimus. 12. Jahrgang, No. 16. München, den 15. Juli 1907

"Sein Sturz entspricht", kommentiert am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg, "mehr noch als den Wünschen des Fürsten Bülow jenen der scharfmacherischen Reichspartei, die den ehemaligen Vertreter der Zuchthausvorlage, den Hauptmitarbeiter des Hochschutzzolltarifs, den Vertrauensmann der Landbündler und Industriebündler, seit er sich in der Auffassung seines Amtes zu etwas modernen Anschauungen gewandelt hatte, als ihren Todfeind zu behandeln pflegte."

"Über die Entlassung von Posadowsky", reicht am 26. Juni 1907 das Jenaer Volksblatt nach, "ist noch zu bemerken, dass er schon längst all den Kreisen der Großindustrie und des unsozialen Junkertums verhasst war, denen selbst die unvollkommene, zögernde und reaktionäre Sozialpolitik Posadowsky noch zu "revolutionär" erscheint." Besonders von den Montanindustriellen zog sich der Sozialpolitiker den Unwillen zu.

Mit ihm scheidet am 22. Juni 1907 aus der Reichs- und preußischen Staatsregierung, bemerkt die Volksstimme (Magdeburg) drei Tage später,

"die einzige bedeutende Persönlichkeit, der letzte, dem auch der Gegner Achtung entgegenbringen konnte."

Nachfolger wird der preußische Polizeiminister und spätere Reichskanzler Theodor von Bethmann Hollweg.

Am Tag des Rücktritts als Staatssekretär des Inneren ist Posadowsky-Wehner 62 Jahre alt. Er verlegt jetzt seinen Wohnsitz nach Naumburg, wo er bereits seit 1901 dem Domkapitel angehört.

Die Entlassung von Posadowsky vergisst die politische Öffentlichkeit nicht so schnell. Abermals kommt sie in der Nachricht "Kampf um die Macht" über die Reichstagssitzung vom 7. Februar 1913 zur Sprache, wo es heißt: "Das Auftreten des Staatssekretärs Dr. Delbrück erinnerte an die letzte Rede, die im Reichstage sein Amtsvorgänger Graf Posadowsky als Staatssekretär gehalten hat. Auch Graf v. Posadowsky erklärte damals den ostdeutschen Junkern, dass er ein "grundsätzlicher" Gegner ihrer Politik sei. Er wolle kein Minister gegen, sondern für die Sozialpolitik sein. Herr von Delbrück hat am Freitag [den 7. Februar 1913] dasselbe, wenn auch mit anderen Worten gesagt. Graf v. Posadowsky war kurze Zeit nach jener Rede aus seinem Amt ausgeschieden worden."

 

 

"Die Wohnungsfrage ist nicht mehr
eine soziale Frage
sie ist jetzt die soziale Frage." Posadowsky-Wehner 6. Februar 1913, Reichstag  zurück

Noch hausen in Deutschland Invalide, Greise, Geringverdiener, Erwerblose in Löchern, deren Luft stickig und der Sanitär unzureichend ist. Wohnungselend bringt Krankheiten und Verbrechen hervor. Alkoholismus und andere die Gesundheit zerstörende Laster haben in nicht unerheblichem Umfang ihre Ursache im Wohnungselend. "Es ist in immer tiefere Kreise unsere Bevölkerung das Bewußtsein eingedrungen," stellt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner 1913 im Reichstag fest, "dass ein großer Teil der körperlichen und sittlichen Leiden der minderbemittelten Schichten aus den ungenügenden Wohnverhältnissen hervorgeht, die namentlich in den großen Städten bestehen. (Lebhafte Zustimmung rechts und links im Zentrum)."

Trotzdem bleibt die Wohnung das materiell-soziale Fundament für die Gestaltung des familiären und persönlichen Lebens. Hundert freudliche Arbeiterhäuschen lösen das Problem nicht. Geräumige, hygienisch einwandfreie Großblöcke sind der Maßstab der Stunde für den sozialen Wohnungsbau. Daß die Lösung der Wohnungsfrage für die Besitzer von Schlössern anders aussieht als in den Arbeitervierteln von Berlin, war Posa immer gegenwärtig, ohne dass er sich deshalb in den Klassenkampf stürzt.

Die herrschende Wohnungsnot ist ein Brand, in dem Gerechtigkeit und die Würde des Bürgers in Asche zerfallen. "Wir unterstützen die Säuglingspflege, wir schaffen Jugendgerichtshöfe, wir verfolgen Laster und Verbrechen;" aber schränkt Posadowsky ein, "damit kurieren wir aber nur auf die Symptome, wenn wir nicht die Hauptkrankheitsursachen, die sittliche bedenklichen Wohnungszustände, beseitigen." (6.2.1913, 3548/3549)

"Die Wohnungsfrage ist nicht mehr eine soziale Frage sie ist jetzt die soziale Frage", erklärt er am 6. Februar 1913 (3548/3549) vor dem Reichstag, sie "ist jetzt die soziale Frage." In der Reichstagsdebatte 1912 erweitert er den Ersten Hauptsatz der Sozialpolitik um die Aufgaben der praktischen Wohnungsbaupolitik, die in unserem schnell wachsenden Volk auf eine zügige schnelle und spürbare Verbesserung der Wohnverhältnisse in der Unterschicht und den Arbeiterfamilien hinwirkt.

Welche enorme sozialpsychologische und politische Reichweite eine gestaltende, auf die werktätigen Massen ausgerichtet Wohnungspolitik hat, erschließt sich ebenso mit dem berühmten Satz von Karl Marx 1859 (9) aus der Zur Kritik der politischen Ökonomie. Vorwort: "Es ist nicht das Denken der Menschen, das ihr Sein bestimmt, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Denken bestimmt."

Diese moralischen Grundsätze und sozialen Anschauungsweisen, Marx Sein und Denken mal frech hineingemogelt, kennzeichnen das Konzept und die Vorschläge von Posadowski-Wehner zur Wohnungspolitik. In ihnen verflechten sich Ansprüche an die gesellschaftliche Moral mit einem ethischen komplementären Menschenbild und ökonomischen Leitorientierungen: gesetzliche Festlegungen zum Bau von ausreichend Kleinwohnungen, Erbbaurecht, finanzielle Förderung des Wohnungbaus für die minderbemittelten Schichten. Er weist darauf hin: "Will man die Wohnungsverhältnisse der Bevölkerung positiv fördern, so muß man auch finanzielle Maßregeln treffen - und solche erwarte ich vorzugsweise von den Bundesstaaten und den Gemeinden die es denen ermöglichen, die nur ein kleines Sparkapital besitzen und im übrigen für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen nichts als ihre redlich Arbeitskraft bieten können, sich damit in unserem Vaterlande ein gefundenes Heim zu schaffen."

Posadowsky stellt die Bedürfnisse der Arbeiter und kleinen Angestellten in den Mittelpunkt der Wohnungspolitik. Die "Volksstimme" aus Magdeburg kommentiert 1907 sein Anliegen so, dass er die Ausbeutung der Mieter durch die Hausbesitzer und Grundbesitzer entgegentritt.

 

Vom 16. bis 19. Oktober 1904 findet in Frankfurt am Main der

Erste Allgemeine Deutsche Wohnungskongress,

statt. Er unterstützt dies nachdrücklich. Um die Mieten für die Reichsangestellten zu senken, schlägt er den Bau von eigenen Wohnungen vor.

Aber die Ergebnisse des Wohnungskongresse deuten auf die tiefe Spaltung zu diesem sozialen Problem hin, die hier in der Gesellschaft besteht.

Zur Eröffnung des Kongresses füllte sich ein Riesensaal bis auf den letzten Platz. Konfrontiert mit dem Schlafgängerwesen oder der Not einer Familien mit 10 Personen in einem Zimmer zu leben, bewegt die Anwesenden tief. Ihre Spaltung tritt in der Tätigkeit des Organisationsausschusses des Allgemeine Deutschen Wohnungskongress zutage, der nur eine von ihm zugelassene Erklärung zur Abstimmung bringen will. Dagegen protestiert eine sozialdemokratische Gruppe und veröffentlicht am Sonntag, den 18. Oktober ein Dokument. Darin bezeichnet sie den preußischen Wohnungsgesetzentwurf zur Linderung der Wohnungsnot als völlig ungeeignet, weil der Landtag die Klassenprivilegien pflegt und die Gemeinden (rücksichtslos) das Hausbesitzervorrecht realisieren.

 

Am

5. Januar 1910

bittet der Bayerische Verband für Wohnungsförderung
in München
Posadowsky-Wehner zum Vortrag unter dem Thema:

Die Wohnungsfrage
als Kulturproblem.

Zunächst analysiert er die Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, wobei kritische Untertöne zur Kolonialpolitik anklingen: In den besten Kolonien, wie Südwestafrika, die 26 Jahre zu Deutschland gehören, siedelten lediglich 6 210 Deutsche, während sich die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 18 Millionen erhöhte. "Auch die wärmsten Vertreter einer starken Kolonialpolitik werden hiernach die Hoffnung kaum mehr aufrechterhalten können, dass unsere Kolonien imstande wären, einen irgendwie nennenswerten Teil unserer wachsenden Bevölkerung aufzunehmen."

Wenn wir den jetzigen Kulturstand halten wollen, kalkuliert der Graf, dann müssen ausreichend Wohnstätten geschaffen werden, die den gesundheitlichen und sittlichen Anforderungen genügen. Gegenwärtig lebt die Stadtbevölkerung zu vier Fünftel in Kleinwohnungen mit zwei bis drei Räumen. "Aber nur in sehr großen Entfernungen von ihrer Arbeitsstelle können sie sie finden `zum Schaden ihrer Arbeits- und Nachtruhe und ihres Familienlebens`". Etwa 63 Prozent der Bevölkerung leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. In einzelnen Orten sind sie bis zu 59 Prozent mit zwei, ja sogar mit drei Schlafgängern belegt, was "die kaum glaubliche Zerrüttung des Familienlebens in den Arbeiterfamilien" bedingt. Staat, Städte und Gemeinden müssen deshalb eine neue Richtung im Wohnungsbau einschlagen.

Bei der Verbesserung der Wohnraumversorgung kommt dem er das Erbbaurecht eine bedeutende Rolle zu. "..... gerade von der Entwicklung des Erbbaurechts, glaube ich," sagt er am 6. Februar 1913 (3548) vor dem Reichstag, "ist eine sehr wirksame Förderung des Wohnungswesens zu erwarten; denn das Erbbaurecht hat den großen Vorzug, erstens, dass das bebaute Grundstück nicht aus dem Hypothekenverbande des Stammgrundstücks ausgelöst zu werden braucht; ferner erlaubt es auch minder bemittelten Personen, ein derartiges Grundstück im Wege des Erbbauvertrages zu erwerben, weil kein Kapital zu zahlen ist, sondern nur eine fortlaufende Rente, und endlich hat er für den Besitzer des Grundstücks den wesentlichen Vorteil, dass er Eigentümer seines Grundstücks bleibt, und ihm deshalb auch der Gewinn aus der Steigerung des Preises für den Grund und Boden zufließt, sobald die Erbbaufläche nach Ablauf des Erbbauvertrages wieder in sein Eigentum zurückkehrt."

Um den Wohnungsbau zu angemessenen Preisen realisieren zu können, müssen die Gemeinden endlich reichlich und vorsorgend Grund und Boden ankaufen.

Für dringend notwendig hält er den Bau von Wohnungen für Reichsangestellte, damit, wie er es ausspricht, die Mieter der Ausbeutung durch die Hausbesitzer und Grundeigentümer entrinnen können.

Über den Münchner Vortrag 1910 fällt die sozialdemokratische Wochenschrift Die Neue Zeit (1910) ein vielsagendes Urteil:

"Und wenn Posadowsky noch nicht a. D. wäre, die Kreise, deren Interessen er als Minister vertreten hat, würden, ihn nach dieser Rede schonungslos wegjagen. Doch freilich als er noch im Amte war, hat er an den geheiligten Privilegien der Kapitalisten nicht gerüttelt."

 

Auf dem

Zweiten Deutschen Wohnungskongress
vom 11. bis 14. Juni 1911 in Leipzig

hält Doktor Graf von Posadowsky-Wehner als Ehrenpräsident die Eröffnungsrede. Er gilt auf dem Gebiet der Wohnungspolitik als Fachmann und findet in der deutschen Presse weithin Beachtung. Der ehemalige Staatssekretär und Stellvertreter des Reichskanzlers fordert Wohnungsgesetze und Vorschriften, die sicherstellen, dass gewisse mit dem Bebauungsplan einbezogene Landstücke nur mit Kleinwohnungen bewirtschaftet und die darauf errichteten Häuser ebenfalls nur als Kleinwohnungen benutzt werden dürfen. Sozialpolitisch und wirtschaftlich ist es falsch, beklagt er, die minderbemittelten Klassen in weitentfernten Vororte zusammenzudrängen. Höchst wichtig hingegen bleibt, die Ausgabe von Land zum Erbbaurecht, was die Möglichkeit eröffnet, mit geringen Kostenaufwand den Besitz von Grund und Boden für Wohnungszwecke auf die Lebensdauer mehrere Geschlechter hinaus zu erwerben. Dies erhärtet er nochmal in seiner Rede vor dem Reichstag am 6. Februar 1913 (3549).

Dazu sind, legt er am vom 28. Februar 1912 im Reichstag dar, zwei Maßregeln notwendig.

A) Das Erbbaurecht ist für die Städte, die möglichst große Ländereien erwerben, das geeignete Mittel, um auf dem Wege des Kleinwohnungsbaus für die minderbemittelten Volksklassen gesunde und preiswerte Wohnungen zu schaffen. Allerdings müssen dazu die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zum Erbbaurecht entsprechend ergänzt werden.

B) Die Städte können die Aufgabe nicht alleine lösen. Das Großkapital muss Mut und Luft haben, die Förderung des Wohnungsbaus mittels dem Erbbaurechts zu unterstützen. Die Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem ist nur mittels öffentlicher und privat-unternehmerischer Investitionen möglich. Durch entsprechende Ergänzungen der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches würde sich, dass Großkapital interessiert zeigen. Zurzeit ist das nicht der Fall, weshalb rechtlich an der Liquidität der Anlagen oft Zweifel bestehen.

Das Konzept der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, welches die Sozialdemokraten noch immer im "Erfurter Programm" (1891) favorisieren, ist logisch nicht mit diesen Aufgaben vereinbar. Trotzdem, ächzt Posadowsky, halten sie daran fest. Allerdings fallen jetzt Teile der SPD davon ab, nahm er bei seinem vorbereitenden Literaturstudium wahr. Nun wäre es, rät er, an der Zeit festzustellen, dass die "Vergesellschaftung" ein Irrtum, also nicht ausführbar ist. Auf diese Weise drängte sich so am 27. Februar 1912 - was nicht überraschend kam - der entscheidende Unterschied zwischen konservativer und sozialistischer Denkweise, die Haltung zum Privateigentum an Produktionsmitteln, in die Reichstagsdebatte.

 

1920 legt er in "Die Berliner Wohnungsfrage" erneut Vorschläge vor und wiederholt:

"Von allen Fragen sind die Wohnungsfrage und die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs diejenigen, die am tiefsten in das Volksleben eingreifen."

Typisch hier wieder, der Realismus mit dem er vorgeht. Offensichtlich reichen, muss er registrieren, alle bisherigen Bemühungen, besonders wegen des schnellen Bevölkerungswachstums, nicht aus. Sie zeigen keinen durchschlagenden Erfolg. Und der wird weiter ausbleiben, warnt Posadowsky, solange nicht für die Benutzung der Wohnungen allgemein gültige Mindestanforderungen aufgestellt und deren Durchführung überwacht werden. Speziell für den Bau von Kleinwohnungen und deren Nutzung sind dringend Gesetze notwendig. Um zu niedrigen Mietpreisen zu gelangen, favorisiert er erneut das Erbbaurecht. "Entschliesst man sich nicht zu durchgreifenden Massnahmen," warnt er, "so wird Laster und Verbrechen der Großstadt sich in einem Masse weiter entwickeln, das für das Volksleben nicht nur in den Großstädten, sondern des ganzen Landes bedrohlich wird."

 

 

Abgeordneter des Reichstags  zurück

1915 gehört er zu den „Berliner Reichstagsköpfen“, die man öfter auf den Straßen der Stadt sieht. Der Mann mit der überaus schlanken Figur und dem aristokratischen Gelehrtengesicht wurde am 12. Januar 1912 bei den letzten Wahlen zum Reichstag in Bielefeld als Kompromiss-Kandidat von Konservativen, Zentrum, Wirtschaftlicher Vereinigung des Bundes der Landwirte und Nationalliberalen als Sieger ausgezählt und schlug damit den Sozialdemokraten Carl Severing (1875-1952) aus dem Feld. Er ist Hospitant bei der Reichspartei, die einst unter der Führung des Großindustriellen Freiherrn v. Stumm stand. In der Nationalversammlung, beobachtet 1919 "Der Welthandel", sitzt er in den Reihen der Deutschnationalen, teilt mit Clemens von Delbrück deren geistige Leitung in den politischen staatsrechtlichen Fragen.

 

"Bei der letzten Reichstagswahl vor dem I. Weltkrieg 1912 errangen in der Stadt Bielefeld die Kartell Parteien (Nationalliberale und Konservative) mit dem Zentrum unter Führung des Kandidaten Posadowsky 28,9 Prozent, die Fortschrittspartei / der Freisinn mit Schepp 18,5 Prozent der gültigen Stimmen, zusammen 47,40 Prozent. In der folgenden Stichwahl konnte Posadowsky allerdings nur 37,7 Prozent auf sich vereinigen." (Bielefeld)

 

Die Kandidatur als Reichstagsabgeordneter begann Ende November 1911 in Bielefeld mit einer Rede auf einer grossen Volksversammlung. Hiervon sind folgende Gedanken überliefert:

  • Um ein "ungeheures Kolonialgebiet zu erschliessen, will man zu dessen Finanzierung "Besitzsteuern" einführen. So wurde die Notwendigkeit kolonialer Erwerbungen durch Deutschland damit begründet, dass wir bei unserer schnell wachsenden Bevölkerung Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. "Es ist aber falsch, zur Zeit von einer Übervölkerung Deutschlands zu sprechen."

  • Der Kern der Landesverteidigung bildet das Landheer. Darauf muss sich der Staat konzentrieren. "Ein etwaiger Krieg wird neue Ansprüche stellen. "Dazu ist im Offizierskorps ein frischer Geist und ein frischer Mannesmut erforderlich ...."

  • Mit der Landesverteidigung steht die Frage der Finanzierung. Die Reichsfinanzreform sieht eine Tilgung der Schulden vor. "In keinem Fall dürfen wir in die alte Schuldenwirtschaft zurückfallen." Wir sollten in der Ausgabenpolitik etwas Sparsamkeit walten lassen.

  • Wir sind stolz auf die epochemachenden Leistungen von Deutschland auf dem Gebiet der Sozialpolitik.

  • Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschland ist erstarkt. "Dass sie jemals zu herrschenden Partei wird und so ihre programmatischen Ziele verwirklichen könnte," ist "völlig ausgeschlossen."

Wahlkampfauftritte erledigte er pflichtbewusst. Und man hörte wenig Tadel. Doch ein großer Wahlkämpfer war er nicht. Von einem Szenarium der Signale und Symbole hielt er nicht viel. Stimmung, Beliebtheit und Redegewandtheit, was das Wahlvolk so liebte, interessierte den Parlamentarier Posadowsky wenig. Ihm lag die vom demokratischen Wahlbetrieb generierte populistische Effekthascherei nicht. Das steigerte in Wahlzeiten nicht unbedingt seine Popularität.

In allgemeinen misst er Reden, zumindest denen im Reichstag, eine geringe Wirkung bei. Ich glaube nicht, reflektiert er in der Reichstagssitzung am 12. Dezember 1905 (238), dass der Abgeordnete Herr von Kardorff überzeugt worden ist von einer Rede des Herrn Abgeordneten Bebel. Und so glaube ich umgekehrt nicht, dass der Herr Bebel durch eine Rede des Abgeordneten von Kardorff wesentlich beeinflusst wurde.

 

 

Splitter

 

 

Posa und das deutsche Volk.
Simplicissimus. 18. Jahrgang, No. 40. München, den 29. Dezember 1913, Seite 687

 

Im August 1915 äußert er die Ansicht, dass jetzt noch gar nicht zu übersehen ist, welche wirtschaftlichen Verschiebungen der Krieg mit sich bringt. Offenbar bereitet ihm die Abschaffung der Golddeckung der Mark und die Finanzierung des Krieges auf Kredit, zu diesem Zeitpunkt keine besonderen Sorgen.

 

Der Landrat Graf Posadowsky, bisher Kreischef in Lowicz, meldet am 25. Juli 1916 das "Fremden-Blatt" aus Wien, wurde in die Zentralverwaltung nach Warschau berufen.

 

Vom 8. April 1917 findet sich folgende Nachricht: Wilhelm II. sprach Posadowsky-Wehner, der seit August 1915 das Landratsamt in Elbing führte, seinen Dank für vorbildliche Pflichterfüllung aus. Der übernahm einst diese Aufgabe, um den Inhaber des Postens, seinen Sohn, den Eintritt in den Heeresdienst zu ermöglichen. Zum 1. April 1917 bat er den Kaiser, ihn von dieser Funktion zu entbinden.

 

 

Kundgebung der deutschen Wirtschaftsstände
für die 7. Kriegsanleihe
am 28. September 1917

 

 

Kundgebung der deutschen Mittelstände für die 7. Kriegsanleihe. "Vorwärts. Berliner Volksblatt, Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den Freitag den 28. September 1917, Seite 6

 

 

 

Friedensresolution 1917   zurück

Im Kampf um die Mandate der Deutschen Nationalversammlung eröffnet er am 15. Januar 1919 den Naumburgern in der Reichskrone:

"Ich habe seinerzeit gegen die Friedensresolution vom Juli 1917 im Reichstag gestimmt ….".

Somit war klar, DER gehört zur nationalen Opposition. Dem können wir vertrauen, sagte der konservative Wähler, der will den Siegfrieden. Und es verlor sich etwas ihre Furcht vor dem billigen und faulen Frieden.

Die militärische Lage war kritisch. Deutschland eröffnet Ende Januar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Reichskanzler Theobald Bethmann Hollweg stand ihm skeptisch gegenüber, weil er nicht den erhofften Erfolg zeitigte, eine Fehlentscheidung war. Die USA treten am 6. April 1917 in den Krieg gegen Deutschland ein. Der von US-Präsident Woodrow Wilson verkündete "Kreuzzug für die Demokratie" destabilisierte das europäische Staatensystem weiter. Um das Interesse Deutschlands an einem "Frieden ohne Annexionen" zu signalisieren, bringt am 17. Juli 1917 Matthias Erzberger (Zentrum), nach Absprache mit der Regierung und der OHL (Oberste Heeresleitung), getragen von Sozialdemokraten, Zentrum und Fortschrittlern, in den Deutschen Reichstag

die Friedensresolution

ein. Einen ersten Entwurf akzeptierte Bethmann Hollweg bereits am 10. Juli. Er fand sogar, verbunden mit der Zusage, dass in Preußen geltende Dreiklassenwahlrechts durch das gleiche Wahlrecht zu ersetzen, die Zustimmung des Kaisers. Zwei Tage später erfährt davon die Öffentlichkeit. (Fritz Fischer 339) Die Reaktion darauf war heftig. Von alldeutscher Seite wurde die Gegenwehr mit extremer Polemik gegen Bethmann Hollweg geführt, zum Beispiel, dass er unter "jüdischen Einfluß" stände. Der alldeutsche Chemieprofessor Hans von Liebig in Gießen bezeichnet ihn als "Kanzler des Judentums" (Bernd 75).

Konservative, antidemokratische und rechtsradikale Kreise antworten auf die Friedensresolution Anfang September 1917 mit der Gründung der Vaterlandspartei (DVLP). Die nationale Opposition erblickt in der Friedensresolution ein Zeichen des Verrats, weil sie nicht dem Willen der Mehrheit des Volkes zum Ausdruck bringt. Wer möchte denn keinen Frieden, fragt sie?, und untermauert ihr Vorgehen mit: "Nervenschwache Friedenskundgebungen verzögern aber nur den Frieden. Unsere auf die Vernichtung Deutschlands bedachten Feinde erblicken in ihnen nur den Zusammenbruch deutscher Kraft." (Vorwärts 10.09.1917)

"Wer eine solche Friedensresolution fasst," lässt Graf von Posadowsky-Wehner verlauten, "weckt den Verdacht, dass er die Hoffnung auf den Sieg aufgegeben hat, und erschüttert damit auch die Siegeszuversicht des Heeres." Das sagt er nicht einfach dahin. Bereits 1915 auferlegt er dem Einzelnen in Was regiert die Stunde, die moralische Pflicht zu prüfen, was er für die Heimat in dieser Stunde tun kann.

Sein Naumburger DNVP-Parteikollege Georg Schiele schliesst sich der Friedensresolution ebenfalls nicht an. Dessen politische Schlussfolgerungen zum Kriegsverlauf und zur volkswirtschaftlichen Entwicklung fallen noch deutlich anders aus. Das Größere Deutschland braucht nach Überzeugung von Georg Schiele nicht Maß, Zurückhaltung, Vorsicht und Achtung gegenüber anderen Nationen. Vielmehr bekümmert ihn die mangelnde "Bausicherheit" des deutschen Welthandels. Es war "zu wenig auf Macht," heisst es in Waffensieg und Wirtschaftskrieg (1918), "auf Eigentum, auf Respekt gegründet."

 

 


Jede Zeit ist eine Sphinx,
die sich in den Abgrund stürzt,'
sobald man ihre Rätsel gelöst hat.
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Heinrich Heine: Romantischen Schule (1836)

Vor dem Krieg zweifelte die Freideutsche Jugendbewegung an der Fähigkeit der wilhelminischen Elite zur sozialen Empathie und ihren Willen zu Reformen. Radikalopportunistisch und indolent, zu wenig am Aufbau einer friedlichen Welt interessiert, so lautet ihr Urteil. Tatsächlich traf die Elite nach dieser historisch nahezu singulären Staatspleite von 1918 ein ungeheurer Reputationsverlust. Das moralische Ansehen der Alten war gründlich ramponiert, weshalb Stefan Zweig (1881-1942) 1918 fordert:

"Die neue Republik darf nicht von
den alten Akrobaten der Gesinnung geführt sein."

Dieser Posadowsky-Wehner! Ist er nicht durch seine ehemals hohen Ämter verdorben? Nein, und nochmals nein. Und das, obwohl beispielsweise folgende Worte aus der Nationalversammlung vom 14. Februar 1919 von ihm zur Disposition stehen:

"Wir haben nichts zurückzunehmen von dem, was wir bisher vertreten haben. Wir sind treue und überzeugte Diener unserer Herrschaftshäuser gewesen, mit denen das deutsche Volk durch jahrhundertelange Arbeit durch Freud und Leid unauflöslich schien."

Hinter dem Dreiundsiebzigjährigen liegen arbeitsreiche Jahre: Referendar am Breslauer Stadtgericht, Gutsverwalter, Landrat, Landeshauptmann der Provinz Posen, Chef des Schatzamtes, Staatssekretär des Inneren, Stellvertreter des Reichskanzlers, Landtags- und Reichstagsabgeordneter und die Vertretung in Elbing. "Jedenfalls bleibt er in Erinnerung," gedenkt 1932 die Frankfurter Zeitung seiner, "als einer der Aufrechten aus der wilhelminischen Zeit." Sein christliches Weltbild mit hohen moralischen Ansprüchen, der fortschrittliche Kampfgeist und die Fähigkeit zum Reformdenken, sie bewahren ihn vorm Sturz in den Abgrund.

U n d  j e t z t ?

Kriegsniederlage und Versailles lassen ihn innerlich nicht zur Ruhe kommen. Überhaupt, es sind weniger die Schattenseiten der Revolution als die ungeheuerlichen Zumutungen des Versailles Friedensvertrages, die Posadowsky politische Sorgen bereiten.

"Dieser Vertragsentwurf", äußert er am 12. Mai 1919 in der Deutschen Nationalversammlung über die Friedensbedingungen, "ist ein Gemisch von französischer Rachsucht und englischer Brutalität". "Man will eine ungeheure Brandschatzung am deutschen Goldbestand durchführen." Deutschland verliert die gesamte Handels- und Fischereiflotte, was die Ernährungsnöte verewigt. So darf man das deutsche Volk nicht behandeln. Dieser Vertrag kann nicht erfüllt werden. (GA 13.5.1919) "Für die Feinde Deutschlands" werde der Tag kommen, zitiert ihn 1921 Arthur Crispien (USPD / SPD), wo "die Rache der Götter" auf sie niederstürze".

"Weder die Regierung noch das Volk", das ist seine feste Überzeugung, "hat den Krieg gewollt." Er "ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant". Wenn er jetzt nur daran denkt,   zurück  wie die Alliierten Deutschland in die Rolle des Kulturschänders drängen, erfasst ihn Unruhe und tiefe Empörung. So scheint es, als ob Posadowsky auf die Rede von Staatssekretär Richard von Kühlmann (1873-1948) vom Auswärtigen Amt schon lange wartete, um dann endlich am 27. Juni 1918 der Presse mitteilen zu können:

"Bezüglich der Schuld Rußlands am Kriege bin ich doch der Meinung des Herrn v. Kühlmann, England und Frankreich war aber dieser Krieg nicht unwillkommen. Ich bedauere, dass gegenüber den Verleumdungen unserer Gegner unsere Regierung nicht immer prompt geantwortet hat. Durch diese Unterlassung hat sich in den Köpfen unserer Feinde der Aberglaube festgesetzt, dass wir die Schänder der Kultur sind. Die Welt muss dagegen erfahren, welche Verbrechen gegen uns und unseren Gefangenen täglich begangen werden. Dank der deutschen Siege haben sich die Randvölker befreit."

U n d  w i e  w e i t e r?

Vor dem Krieg war Deutschland ein aufblühendes Staatswesen mit aufsteigender Klassenbewegung. Infolge der schweren Rezession registriert der Staatssekretär a. D. nach dem Krieg den umgekehrten Vorgang, die höher gestellten Klassen sinken nach unten. (V&R 74) Das verbessert nicht gerade die Stimmung. Und die ist nicht unwichtig. Die Stimmung im Volk, wird er am 4. September 1918 formulieren, sie "ist der Wertmesser seiner Tatkraft und damit die Grundlage des Erfolges".

Er denkt an sein Land, leidet mit ihm, erfühlt die Schmerzen und die Gefahr. In der Sitzung der Nationalversammlung am 7. Oktober 1919 spricht er sich Mut zu: "Jetzt denken wir an keinen 18. Brumaire. Uns fehlt vor allem ein Napoleon, der aus einem siegreichen Kriege zurückkehrt. ….

Nur ein Wunder kann uns retten: Wenn das deutsche Volk aus eigener Kraft sich sammelt und aufrafft aus seinem Elend." (Beifall rechts.)

Deutschland und seine Bürger sind überfordert.

"Es wäre eine Übertreibung, zu behaupten, dass all das politische Elend, wirtschaftliche und sittliche Elend, unter dem unser Volk leidet, eine Folge der Revolution sei. Die Ursache hierfür liegt in der seelischen, körperlichen und sittlichen Erschöpfung des Volkes als Folge eines 4 ½ jährigen Kriegs, der uns überanstrengt und unsere Widerstandsfähigkeit geschwächt. Die Revolution trägt aber die unzweifelhafte Schuld, dass sie Staat und Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert, den Beamtenkörper und sein dienstliches Pflichtgefühl vielfach gelockert und so den Wiederaufbau des Staates unendlich erschwert hat." (V+R 96)

"Wir sind keine Revolutionäre," entscheidet Posdowsky am 7. Oktober 1919 in Gegen Bauer und Noske (5), "aber wir sind Evolutionisten." Er lehnt also die Revolution 1918/19 nicht ab, was ihn von vielen anderen Persönlichkeiten aus dem deutschnationalen Lager unterscheidet.

Geht es nach ihm, sollen im Ergebnis der Umwälzungen alle Bürger in ein gemeinschaftlich zu schaffendes Staatswesen integriert werden, das die "Grundrechte des Menschen" (Posadowsky-Wehner) gewährt und achtet. Er setzte die richtigen Schwerpunkte: Worauf kann sich die neue Ordnung stützen? Was macht sie attraktiv? Und wie kann sie ihr Konflikte lösen?

"Die

Popularität der neuen Staatsform

muss darauf gegründet werden," wirft er am 19. Dezember 1930 im Preußischen Landtag ein, "daß der Staat ein Staat des unbedingten Rechts gegen alle Parteien des Reichstags und alle Volksschichten in gleicher Weise ist, sie muss damit begründet werden, daß das Recht auch im Privatleben mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt wird, daß das Volk das Vertrauen hat:

wir leben in einem Rechtsstaat,

der nicht regiert wird von wechselnder Politik, sondern nur von den Buchstaben des Gesetzes und den Geboten des Rechts." Hierin kumulieren seine politischen Werte und praktischen Erfahrungen.

"Das deutsche Volk hat ungeheuere Lasten aufzubringen," rechnet er am 9. Juli 1919 in der Nationalversammlung aus Anlass der ersten Beratung zu Steuerfragen vor, "die seine harte Lage noch verschlimmern". Die Jahreslast von 25 Milliarden Mark, die das Land aufnehmen muss, entspricht einem Volksvermögen von 500 Milliarden Mark, dass in Friedenszeiten lediglich auf 300 Milliarden Mark geschätzt wurde. Der Steuerbetrag (25 Milliarden Mark) kann sich noch erhöhen. Bei diesen riesigen Verpflichtungen ist der Ausbau der indirekten Steuern unbedingt geboten. "Hinsichtlich der Erbschaftssteuer wollen wir angesichts der Not der Zeit von unseren Grundsätzen nachlassen."

Im weiteren Verlauf der Debatte kritisiert Matthias Erzberger, dass die Kapitalflucht nicht, wie Posadowsky behauptet, eine Folge der Revolution ist. Vielmehr benutzen die besitzenden Kreise die Revolution, um Steuern zu vermeiden. Ihrer Vaterlandsliebe haben sie damit ein äußerst trauriges Zeugnis ausgestellt. Das Kapital soll für die Volkswirtschaft arbeiten, jawohl. Aber es kommt darauf an, betont der Reichsfinanzminister, für wen es arbeitet, wer die Gewinne einstreicht. Seiner Auffassung nach wird das Kapitaleinkommen nicht genügend scharf besteuert. Zudem ist die Vergeudung von Heeresgut nicht nur den Arbeiter- und Soldatenräten zuzuschreiben. Prompt folgt der Zuruf von den Unabhängigen: "Die Offiziere haben alles verschoben."

Posadowsky fürchtet, dass Deutschland zerbrechen könnte, womit es auf lange Zeit die entscheidende Voraussetzung für Wohlfahrt und Entfaltung der Kultur einbüßen würde. Ihm scheint, die Sozialdemokraten könnten es retten, das heißt jetzt, den Zusammenhalt der deutschen Einzelstaaten in der Republik zu gewährleisten. Möglicherweise oder wahrscheinlich, genauer ist es jetzt nicht zu sagen, gewisse Anzeichen sprechen dafür, verändert dies sein Verhältnis zur Sozialdemokratie positiv. Er räumt am 7. Oktober 1919 in Gegen Bauer und Noske (4) ein, dass die Sozialdemokraten als die zielstrebigeren und entschlosseneren Politiker in Erscheinung traten, währenddessen die Bürgerlichen daneben standen.

 

 

Abrechnung mit der wilhelminischen Politik
in der Reichskrone von Naumburg  
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Reichskrone um 1910. Zeichnung.

Am 15. Januar 1919 lädt Dr. med. Jebsen, Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Naumburg, zur Volksversammlung in die Reichskrone am Bismarckplatz ein. Vor einer außerordentlichen Zahl von Frauen und Männern aller Parteien referiert der DNVP-Kandidat für die Nationalversammlung Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Über die heutige Lage
und die Aufgaben der Zukunft.

Eine Stunde vor Beginn ist der grosse Saal des Hauses überfüllt. Als er eintritt, empfängt ihn lebhafter Beifall. Bedenkt man die gesellschaftlichen Umstände, ist die Stimmung gut, erstaunlich gut. Im Raum stehen die Fragen: Warum und wann verlor Deutschland seine Zukunft? Wie kam es zum Verlust moralischer Lebensformen? Wie geht es weiter?

Der Referent beginnt:

  • "Wir sind militärisch niedergebrochen .... damit brachen wir aber auch politisch zusammen." Unser Volk hat jetzt fast die ganze Welt zum Feinde.

  • Deutschland baute bekanntlich mit viel Kraft und Geld eine Flotte auf.

  • "Nach dem Ausscheiden des Fürsten Bismarck, fuhren wir mit vollen Segeln in die Weltpolitik. Wir suchten uns eine starke Flotte zu schaffen und einen grossen Kolonialbesitz zu erwerben." Es stiegen die Heeresausgaben. Sich schnell wiederholende Flottenvorlagen wurden damit begründet, "unseren Handel zu schützen. Im Frieden hat unser Handel, ....., des Schutzes einer Schlachtflotte nicht bedurft." Doch im Krieg war sie England zahlenmässig nicht gewachsen. Die Flotte konnte "keine ihrer Aufgaben lösen". Sie konnte weder unseren Handel schützen noch zur Verteidigung der Kolonien beitragen. Damit nicht genug. Nicht mal die Überführung der Truppen der feindlichen Länder auf die belgischen und französischen Schlachtfelder verhinderte sie. So war die Flottenrüstung völlig umsonst.

  • "Man kann sehr zweifelhaft sein, ob es richtig war, durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg uns die gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Macht Amerikas zu offenem Feinde zu machen; die U-Boot-Waffe hatte aber grossen Erfolg, wenn auch nicht den erhofften und in bestimmter Aussicht gestellten Erfolg ...." Besser wäre gewesen, den Bau von U-Booten nicht so zögerlich und spät zu betreiben. Dann hätte "das Resultat des Weltkrieges ein wesentlich anderes" sein können.

  • Deutschland leitete eine verfehlte Kolonialpolitik. Der Wunsch nach Kolonien scheint wirtschaftlich verständlich. "Die Begründung aber, dass wir Kolonien haben müssten, um dorthin unseren Menschenüberfluss abzuführen und dem Vaterlande zu erhalten, war für ein Land wie Deutschland, welches jährlich 1 ¼ Million fremder Arbeiter einführte, um seine Bergwerke auszubauen, seine Fabriken zu betreiben und den deutschen Acker zu bestellen, tatsächlich unrichtig."

    Wenn er sagt, "Es würde sich empfehlen, bei den Friedensverhandlungen zu versuchen, unsere Kolonien, teilweise wenigstens, gegen ein geschlossenes Kolonialgebiet einzutauschen", dann erscheint dies unrealistisch.

  • "Wollten wir erfolgreich Weltpolitik treiben, so durften wir uns bei der Annexion Bosniens und der Herzogowina nicht als Sturmbock Oesterreichs gegen Russland ausnutzen lassen."

  • "Heute kann kein Zweifel mehr darüber sein, dass diese verfehlte Weltpolitik die Möglichkeit geschaffen hat, einen Ring von Feinden um uns zu schmieden, der schliesslich droht, zur Sklavenfessel für uns zu werden."

  • Das System des multilateralen Bündnisgeflechts war eine ganz wichtige Ursache für die unheilvolle Entwicklung zum Weltkrieg.

  • Deutschland darf seine nationalen Kräfte nicht überschätzen, deshalb muss es der Rüstungs-, Kolonial- und Außenpolitik Fesseln anlegen.

  • "Am traurigsten und für Deutschland am gefährlichsten sind die Verhältnisse in der Ostmark. Als Preußen die ehemaligen polnischen Landesteile erwarb, waren sie ein armes verwahrlostes Land mit anarchischen öffentlichen Zuständen. Wenn aus diesen Landesteilen blühende Provinzen geschaffen sind, so ist das das alleinige Verdienst der Staatswirtschaft Preußens."

Im überlieferten Reichskronen-Referat erscheint die Kriegsschuldfrage nicht. Wahrscheinlich opferten die Redakteure sie der Schere. In seiner Rede als Faktionsvorsitzender der DNVP am 14. Februar 1919 vor der Nationalversammlung in Weimar (82) führt er hierzu aus:

"Wir lehnen es, .... ab, die Schuld des Krieges auf Deutschland zu schieben. Wir mögen durch unsere auswärtige Politik an manchen Stellen Verstimmung hervorgerufen haben, ein sachlicher Grund gegen uns Krieg zu führen, lag in keiner Weise vor; die sachlichen Gründe, uns mit Krieg zu überziehen, lagen auf der Seite unserer Feinde.

In Russland war es der Panslavismus, der immer mehr zum Krieg mit Deutschland drängte, der Panslavismus, der auch am russischen Hof seine mächtigen Vertreter hatte. Dazu kam die Furcht der russischen Zarenregierung vor dem Nihilismus, und man suchte in der Art anderer leichtfertiger Regierungen den billigsten und leichtesten Ausweg in einem auswärtigen Kriege. Russland hat den Krieg gewollt, das steht unzweifelhaft fest."

An dieser Haltung zur Kriegsschuldfrage ändert sich in den 20er Jahren nichts Wesentliches mehr.

Nicht alle Feuer konnte der Referent, was in den Tagen der Revolution kaum jemand erwartete, während der zweistündigen Rede löschen. So war die Überraschung nicht gar zu groß, als sich tags darauf aus der Zuhörerschaft ein Deutschdemokrat mit einer

"Offene(n) Anfrage an den Grafen Posadowsky"

meldet. Er wirft, wie am 17. Januar im Naumburger Tageblatt zu lesen, der DNVP vor, dass sie seine politische Abteilung mit dem Schlagwort "Schutzzollfeinde" bekämpft und speziell auf ländlichen Wahlversammlungen damit Bauernfang treibt. Dies ist deplatziert und weltfremd, weil die Bevölkerung darauf angewiesen ist, dass Lebensmittel und Rohstoffe in das Land fliessen. Um dies zu erhärten, verweist der unerwartete Diskussionspartner auf den Zusammenhang mit den sozialen Fragen:

"Wir alle wisssen, unser Brot reicht nicht bis zur nächsten Ernte und auch später nicht. Unsere Kranken können nur nach langen zeitraubenden Laufreien auf Grund eines ärztlichen Attestes eine weiße Semmel bekommen, dass Kind bekommt nur ganz wenig, der Säugling ungenügend Milch, Fett fehlt gänzlich. Der Krieg hat alle Handelsbeziehungen aufgelöst. Der Feind blockiert uns und die Entente hat`s Wort. Und da wagt es jemand, eine solche Frage aufzuwerfen. Ja, kennen denn diese Leute noch immer nicht die Not der Zeit? Wissen sie allein nicht, dass Hungerrevolten kommen müssen, wenn das Ausland nicht bald und reichlich hilft? Sind diese Leute selbst so satt, dass sie die Not ihres Volkes übersehen?

Herr Graf! Man sagt ihnen nach, dass sie von jeher sich von vielen ihrer Standesgenossen vor allem dadurch ausgezeichnet hätten, dass sie ein Herz für das Volk und Verständnis für die Nöte derselben gehabt hätten, dass sie gewußt hätten, was die Stunde erfordert."

Zum Schluss klärte es sich auf. Der Referent selbst brachte die irreführende Rede von den "Schutzzollfeinden" in der Reichskrone auf.

Als historisch relevant erweist sich jedoch der Umstand, dass Posadowsky am 15. Januar 1919 in der Reichskrone zu Naumburg die "entscheidende [parlamentarische] Frage der Gegenwart" stellt:

"Volksstaat unter Mitwirkung sämtlicher Klassen unseres Volkes oder sozialistischer Staat unter alleiniger Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

Vier Tage später finden die ersten Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung statt. Für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) stimmen national 10,3 Prozent und in Naumburg 21,8 Prozent der Wähler.

 

 

Oppositionsführer in der Nationalversammlung  zurück

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner unterliegt am 11. Februar 1919 in der Wahl zum Reichspräsidenten dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert mit 49 gegen 277 Stimmen der Weimarer Koalition (SPD, katholische Zentrumspartei, DDP).

Drei Tage darauf hält er als DNVP-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung die Gegenrede. Was kann, was muss der Bürger und Parlamentarier angesichts der tiefen politischen Krise des Konservatismus und desolaten Lage der bürgerlichen Parteien von ihm erwarten? Verheddert sich der Dreiundsiebzigjährige in programmatische Debatten? Oder ufert alles in Anwürfen oder personellen Streitereien aus? Nicht ohne Grund forderte Theodor Heuss am 17. Januar 1917 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei, dass die Parteien jetzt ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Darauf ist die DNVP aber nicht vorbereitet. Was kann der Graf in dieser wahrlich historischen Situation vor der Weimarer Nationalversammlung leisten?

Die Rede beginnt so:

"Wir haben in den letzten vier Jahren Gewaltiges und Furchtbares erlebt, und wie steht es jetzt? Die staatliche und bürgerliche Ordnung ist auf das schwerste gestört und fortgesetzt gefährdet." Die Staatsfinanzen sind schwer in Unordnung. Das Verkehrswesen liegt danieder. Unsere Ernährung ist bedroht. Das Wirtschaftsleben ist gelähmt. Die Waffenstillstandsbedingungen lassen alle Gerechtigkeit vermissen. Das ist die Lage. Was ist jetzt zu tun?

Die Demokratie muss sich als Staatsform in Deutschland erst bewähren. Im alten System erblickt er weder einen Obrigkeitsstaat noch staatliche Gewaltherrschaft. Daraufhin hört man aus dem Saal Rufe, wie Kastenregierung, Obrigkeitsstaat, Junkerherrschaft. Flugs schreibt er den Genossen auf der Regierungsbank in ihr Poesiealbum den Merksatz: In Deutschland war es möglich aus den niedrigsten Schichten bis in die höchsten Funktionen des Staates aufzusteigen. Bezogen auf ihre Karriere, machte dies Sinn. Aber mit Blick auf die Gesellschaft, trägt 1987 (147) John C. G. Röhl vor, kann davon leider überhaupt keine Rede sein. "Die Regierung machte ausgiebig von ihrem Recht Gebrauch, qualifizierte Kandidaten aus politischen oder anderen Gründen abzulehnen." ".... in der Praxis wurden mehr als die Hälfte aller Bürger aus Gründen, die nichts mit ihrer Befähigung zu tun hatten, ausgeschlossen."

Ja bitte, spricht Posa der Opposition freundlich zu, es gibt keinen Staat, der auf eine Obrigkeit als Führungsschicht verzichten kann. Sie ist die "Grundlage jeder kultivierten Staatsverfassung".

Im angeblichen "Zustand der Freiheit", klagt er der Nationalversammlung, müssen wir "gewaltsame Eingriffe in die Rechtsordnung erleben. Fortgesetzt werden Gesetze verletzt, die Presse wird durch Gewalt unterdrückt, Versammlungen werden gesprengt, die freie Meinungsäußerung wird unterdrückt." Marie Juchacz lässt ihm das nicht durchgehen und stellt die Frage, wo denn die Pressefreiheit während des Krieges war. Eine durchschlagende Wirkung erzielt sie damit nicht, schließlich gehört sie als SPD-Abgeordnete zur politischen Hintergrund-Abteilung des Kabinetts Scheidemann, bestehend aus Zentrum, Deutsche Demokratischer Partei, einem Parteilosen und SPD (also: 7 SPD, 3 Zentrum, 3 DDP, 1 Parteiloser).

Keine Partei ohne Ideologie! Den Konsequenzen muss die ParteiGenossin huldigen. Hingegen erkannte Posadowsky früh die Deformationskräfte des Parteiwesens und entzog sich ihnen so gut er konnte. ".… Was sind parlamentarische Reden wert, wenn nicht Staatsweisheit dahintersteht und ein sittliches Rechtsbewusstsein?", so fasst er seine Erfahrungen am 27. Februar 1929 als Abgeordneter den Preußischen Landtag zusammen. In der Politik, das ist seine Überzeugung, muss die Wahrheit unbedingt leitender Grundsatz sein. Ihm wird unheimlich, wenn er daran denkt, dass "parlamentarische Politiker" "aus wahltaktischen Gründen, häufig zu sehr auf wechselnde und irrende Volksbestimmungen zu hören" pflegen, "statt unter Umständen auf Gedeih und Verderb auch gegen den Strom anzugehen." (1932, 227)

Wesentlich ungünstiger verläuft der Zweikampf für Posa in der Runde zum Junkterum. Marie Juchacz trumpft auf: "Was ist unter Junkerherrschaft zu verstehen? (Lachen bei den Soz.) Das weiß alle Welt (Sehr richtig!) ..." Schon die Frage deutet auf die Schwäche im Vortrag vom Oppositionsführer hin und läuft in der Anklage zusammen: "Der Einfluss der Junker war stets stärker, als er ihnen zahlenmäßig gebührte." (Juchacz) Es ist wohl so, als Sozialist erwartet man zu Recht eine klare Haltung zum Junkertum in Deutschland. Aus der an sich berechtigten und einen überaus wichtigen Aspekt der deutschen Gechischte betreffenden Frage, schwingt der Vorwurf mit, dass der Fraktionsführer der Deutschnationale Volkspartei (DNVP) dem Junkertum unkritisch verbunden ist. Dem widerspricht die ganze Anlage seiner Politik mit der Formulierung des Ersten Hauptsatzes der Sozialpolitik, wie er im Abschnitt "Die Posener Zeit" beschrieben wurde. Warum nutzt das Posadowsky nicht zur Verteidigung? Warum nicht, dafür lassen viele Gründe kommentieren. Jedenfalls bleibt der Eindruck zurück, dass sich der Ministerielle kampflos dem Junkertum ergab. Ein Junker-Knecht war er eben nicht. Franz Mehring schilderte seinerzeit im April 1902 in "Posadowskys Osterfahrt", dass er den Junkern in der Zolltariffrage auf den Hühneraugen (Mehring) rumtrat.

Eine neue Runde des Zweikampfs Juchacz-Posadowsky läutet die Frage ein: Warum musste Deutschland die Bedingungen des Waffenstillstandes annehmen? Worauf Juchacz antwortet: "Weil dieser Krieg durch ihre Politik bis zum moralischen Zusammenbruch unseres Volkes geführt hat." Wahr ist, Posadowsky trat für den Siegfrieden ein. Würde er verwirklicht, hätte dies Einfluss auf die Kriegsführung, kostete es tausende Menschenopfer. Doch an der Politik bis zum moralischen Zusammenbruch - und da verschluckt die Abgeordnete Marie Juchacz lieber ihre Worte - war die SPD, wie der Fall Paul Lensch zutage fördert, beteiligt und mitverantwortlich.

Dann nimmt die Rede die Biegung zur Kriegsschuldfrage. "Wir lehnen es .... ab," stellt er klar, "die Schuld des Krieges auf Deutschland zu schieben." "Dieser Krieg ist aus dem übelwollen unsere Feinde fast automatisch entstanden. Nur aus diesem verschiedenen Gründen konnte sich dieser Ring bilden, der jetzt allerdings droht, für uns zu einer wahren Sklavenfessel zu werden. Ich halte es aber für die größte Ungerechtigkeit und Lüge, wenn unsere Gegner fortgesetzt wiederholen: Deutschland hat den Krieg gewollt. Deutschland hat den Krieg nicht gewollt, weder die deutsche Regierung nicht das deutsche Volk. (Lebhafte Zustimmung rechts)"

Ansonsten darf man im außenpolitischen Teil der Weimarer-Rede, den über die Aufgabe der Opposition weit hinausreichenden Versuch sehen, dass allgemeine deutsche Staatsbewußtsein zu stabilisieren. Lebhafter Beifall dringt von den Sozialdemokraten herüber, als er sagt: "Frei will das deutsche Volk seine Kräfte entfalten, frei nach innen und frei nach außen zum Wohle seiner selbst und zum Wohle der Menschheit."

Der "bevorstehende Friede droht uns mit fürchterlichen Prüfungen", dünkte ihn bereits im Dezember `18. Nahezu in Panik versetzt ihn die Vorstellung einer kommunistischen Steuergesetzgebung. Das "müsste schließlich den Niederbruch des Kulturlebens für alle Schichten der Gesellschaft herbeiführen". Die finanziellen Heilmittel liegen seiner Meinung nach in der Vereinfachung der Staatsregierung, "in der Streichung aller Ausgaben, die nicht auf erworbenen Rechten beruhen" (Weltwende 52). Man darf, warnt er, das Kapital nicht "wegsteuern". (Aber es darf auch nicht flüchten und sich der nationalen Verantwortung entziehen.)

Der Angriff auf die Steuerprivilegien der Reichen und Wohlhabenden drohte noch aus anderer Richtung. "Den Luxus," darauf besteht der SPD-Finanzexperte Wilhelm Keil (1870-1968), "der bisher von einer kleinen Oberschicht unseres Volkes betrieben worden ist, kann sich unser verarmtes Volk in der Zukunft nicht mehr gestatten und nicht mehr ertragen." "Besonders auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung werden wir Gelegenheit bekommen, sozialistische Gedanken zu vertreten," kündigt er im Reichstag frohen Sinnes an. "Hier stehen wir vor geradezu gigantischen Aufgaben." Veränderungen auf diesem Gebiet waren unumgänglich, war doch die Kriegssteuerpolitik unbestreitbar "eine verfehlte, nicht nur, weil sie den Grundsätzen der Gerechtigkeit nicht entsprach, sondern weil mit der Schonung, die sie dem Besitz gewährte, eine kriegsverlängernde Wirkung verbunden war." Noch am selben Tag wie Posadowsky trat der SPD-Reichstagsabgeordnete an das Rednerpult und veranschaulichte zügig, wie sich das die SPD vorstellte:

"Die wirtschaftliche Lage unseres Volkes erfordert, dass mit der Steuergesetzgebung die Spitzen oben beschnitten werden, so etwa wie man bei den Bäumen die Spitzen beschneidet, damit der Unterbau nicht verkürzt."

Weiter fließt die Rede des Fraktionsvorsitzenden der DNVP in der Weimarer Nationalversammlung zum Demokratie-Thema. "Kein Volk eignet sich so wenig für die parlamentarische Regierungsform," postuliert Posadowsky in Der starke Mann (118), "wie das deutsche mit seinem ausgeprägten politischen und sozialen Individualismus, der unaustilgbar zu sein scheint." Aus historischer Sicht zeigte sich noch ein weiteres Problem. Unversehens tauschte das Proletariat 1918 beim Aufbau der parlamentarischen Demokratie den Widerspruchsgeist zum Klassenstaat gegen den Glauben an die selbsttätige therapeutische Wirkung der Demokratie ein. Daß hierzu bei der regierenden Linken kein ausreichendes Problembewußseins bestand, gehört zu den tragischen Umständen des politischen Fortschritts dieser Jahre.

Wie reagierten die Konservativen auf den politischen Wandel? Sie hegten also tiefe Zweifel, ob die Demokratie als Votum wirklich den Volkswillen abbildet. "Eine mechanisch demokratische Abstimmung im dritten Kriegsjahr würde mit kläglicher Wahrscheinlichkeit eine erdrückende Majorität zugunsten eines sofortigen und bedingungslosen, dass heisst ruinösen Frieden ergeben", argumentiert 1918 Thomas Mann in den Betrachtungen eines Unpolitischen (394). Mitnichten verkörpert sie den Willen des Volkes und führt das Prinzip der Volksabstimmung (280 ff.) selbst ad absurdum. Als demokratische Idee fungiert hier im Hintergrund allein die Bismarcksche "Fürstenversammlung" von 1870, eine Form von verstaatlichter Demokratie, wo es am Ende nur auf Eines ankam:

"Der Wille eines historisch aufstrebenden Volkes soll übereinkommen mit seinem Schicksal."

Und über dies bestimmen allein die Herrschenden.

Außerdem stapeln die Konservativen in ihrem ideologischen Vorratslager zur Ablehnung des gleichen und allgemeinen Wahlrechts noch andere Gründe. Posadowsky zieht im Aufsatz Wahlfragen vom 8. April 1918 (83) ein weiteres Argument heran: "Dem nach Besitz abgestuften Klassenwahlrecht lag über dem die wirtschaftliche Auffassung zugrunde, dass ein Gleichgewicht bestehen müsse zwischen den Leistungen an den Staat und den politischen Rechten im Staat."

Die parlamentarische Demokratie ist eine Parteiendemokratie. Gefährlich scheint ihm daran, dass aufkommende überbordende "Parteiinteresse", was problematische Entwicklungen hervorbringt, wenn es "maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt". Auf diese Weise wird, was den Konservativen missfällt, der Staat zu einer grossen Versorgungsanstalt. Schuld daran ist eine versteinerte Parteiauffassung. (V&R 115)

In der Schrift "Gegen Bauer und Noske", veröffentlicht am 7. Oktober 1919, offenbar als Wahlkampfhilfe gedacht, mahnt er einigen Reparaturbedarf im System der parlamentarischen Demokratie an. Der fortgesetzte Wechsel der Persönlichkeiten wirkt sich nicht positiv aujs. In die Verantwortung treten die demokratischen Persönlichkeiten nicht ein. Entweder weil sie gar nicht die nötige berufsmäßige Vorbildung oder keine Zeit haben.

Seine Kritik an der Demokratie ist aufbauend, nicht zerstörend. Dies belegt (auch) seine Ablehnung des Autoritarismus, die er 1920 in Der starke Mann (113) vorträgt. Nach seinen politischen Erfahrungen kann es keinen Führer geben, "der wie mit einem Zauberstabe unsere unsäglichen äußeren und inneren Schwierigkeiten nur durch die Kraft seiner eigenen Persönlichkeit" abwendet.

 

Zur Überwindung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

"1901 hatten auch in Naumburg eine Anzahl Arbeiter ihre Aufnahme in die Wählerliste beantragt. Und da gab es wieder den Beweis, daß die Besitzenden stets bemüht waren, Arbeiter um ihre Rechte zu bringen. Einer Anzahl ärmerer Eltern waren Schulbücher für ihre Kinder von der Armenverwaltung genehmigt worden. Das wurde als Armenunterstützung angesehen, die betreffenden Väter erhielten somit nicht das Wahlrecht." (Leopoldt 238)

Das Dreiklassenwahlrecht galt von 1849 bis 1918 für die Wahl des Abgeordnetenhauses und der Stadtverordneten in Preußen. Vor der Wahl werden die Urwähler entsprechend der von ihnen gezahlten direkten Steuern in drei Wahlklassen eingeteilt, die jeweils zu gleichen Teilen Steuern aufbringen. Dann wählt jede dieser Wahlklassen die gleiche Anzahl von Wahlmännern. Diese bestimmen in einem weiteren Wahlgang die Abgeordneten. Folglich entscheidet eine reiche, oder doch zumindest wohlhabende Minderheit, vertreten in der ersten bzw. zweiten Wahlklasse, mit zwei Drittel der Wahlmänner über die zu wählenden Abgeordneten. Damit gewährt das Dreiklassenwahlrecht ein allgemeines, aber kein gleiches Wahlrecht. Es ist schlicht gesagt undemokratisch! Hiergegen formiert sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wahlrechtsbewegung. Beispielsweise streiken in Hamburg am 17. Januar 1906 die Arbeiter für ein demokratisches Bürgerschaftswahlrecht.

 

Dann stellt er etwas herausfordern die Behauptung in den Raum:

"Wir hatten also in Deutschland das freieste Wahlrecht, das man in Europa kennt ....". Wahrscheinlich muss man seine Rede so betrachten, dass sie versuchte konservatives Selbstbewusstsein nicht weiter erodieren zu lassen und ihm weitere Identifikationsflächen zu nehmen. Jedenfalls lehnte Posadowsky jede "Herabsetzung des alten Staates" ab. Die konstitutionelle Monarchie als Staatsform gewährleistet am besten "den sicheren Gang der Staatsmaschine" (PWc 2893). Wo hingegen es fraglich ist, stellt er 1926 seine Erfahrungen im Aufsatz im Lichte der Wirklichkeit zur Diskussion, ob der Parlamentarismus fähig ist, "eine Regierung zu bilden, die sich auf eine sichere Mehrheit stützen kann."

Leider brachte der November 1918, bedauert der Oppositionsführer, einen "Schlag gegen die Religion selbst". Doch man darf die Kirche nicht behandeln wie einen Privatverein, denn sie ist eine "tausendjährige öffentliche Korporation" (PWd).  Die überzogene nationalistische Erziehung und ihre Folgen kommen nicht zu Sprache. Und das scheint symptomatisch, denn in Fragen der Bildungspolitik und Erziehung verharrt Posadowsky lange in traditionell-konservativen Anschauungsweisen.

Vor 1918 herrschte nach seiner Ansicht nicht der Militarismus, doch jetzt ist er in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte "in der weitesten Form zur Macht gelangt". Hauptsache, so seine Devise, "keine kommunistischen Experimente" (PWb 752). Die Arbeiter- und Soldatenräte, die "fortgesetzt in die lokale Verwaltung" eingreifen und zur "Desorganisation" beitragen (PWb), betrachtet er als unerwünscht.

Das Betriebsrätegesetz ist vernünftig, doch dürfen die Arbeitnehmer nicht "in die Art des Betriebes selbst hineinsprechen können, dass ihnen die Bilanzen vorgelegt werden müssen" (PWc 2898).

Die Vergesellschaftung der Betriebe ist für den DNVP-Frontmann eine Frage, ob dadurch "die Produkte billiger und besser gestaltet" werden können. Es dürfe keine "unsinnigen Lohnsteigerungen" geben, weil das zur Inflation führt. Drohungen gegen das "arbeitslose Einkommen" sind volkswirtschaftlich gefährlich und zersetzend, denn die Betriebe benötigen dringend Kredite und Investitionen. Deshalb darf man das Kapital nicht wegsteuern.

Unter  F ü h r u n g  von Posadowsky-Wehner will die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Nationalversammlung helfen, die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. "Wir werden daher", formuliert der Oppositionsführer, "an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes sachlich und gewissenhaft mitarbeiten. Den gewaltsamen Umsturz haben wir jederzeit verurteilt und halten auch jetzt …. an dieser Auffassung fest." Die DNVP hält sich nicht daran, sie organisiert im März 1920 den Kapp-Putsch.

 

 

Im Sog des ewigen Deutschtums   zurück

"Ebenso kommen Russen herüber," lässt am 7. Oktober 1919 Posadowsky-Wehner in "Gegen Bauer und Noske" (11) verlauten, "die hier ganz offen bolschewistisch agitieren. Dieser Zustand darf nicht weitergehen. (Beifall rechts.) Die Grenze muß geschlossen werden. Wir können diese wilde Einwanderung nicht in einer Zeit dulden, wo wir an dem größten Wohnungsmangel leiden, wo wir in den Gefahren der Ernährungsmöglichkeiten stehen."

Seit 1914 wanderten verstärkt Ostjuden nach Deutschland ein. Judenpogrome, der Gegensatz von Juden und Polen und ihre sich deutlich verschlechternde Wirtschaftslage stimulierten im Lauf der Zeit die Abwanderung aus Polen. In der zweiten Jahreshälfte von 1919 kamen nach Angaben des Arbeitsamtes 6 000 Ostjuden nach Deutschland. Arthur Graf von Posadowsky-Wehner verlangt am 29. September 1919 in der Sitzung des Programm-Ausschusses der Deutschnationalen Volkspartei, dass die "Türen und Tore des Ostens" gegen die "verderblichen Einwanderer" endlich geschlossen werden müssen, weil sie das "Deutschtum" verseuchen und die Lebensmittelknappheit verschärfen. Als Parteipolitiker folgt er hier einem Paradigma, dass die Ostjuden potentiell als Revolutionäre darstellt, die undeutsches Gedankengut nach Deutschland bringen, um in Deutschland blutigen Terror wie in Russland herzustellen." Die ideologische Klassifizierung von Menschen und Herabsetzung von definierten sozialen Gruppen durch den Propagandaapparat der DNVP, worauf Hans Dieter Bernd 2004 (108, 188) hinweist, verabsolutiert Urteile, die ideologischen (h i e r aber nicht biologischen) Charakter tragen.

Gegen die Gedankenlosig- und Böswilligkeit mit der die Juden Osteuropas in Deutschland behandelt werden, erhebt der Schriftsteller Herbert von Eulenburg (1876-1949) Anfang 1920 in der "Vossischen Zeitung" Einspruch. Den ganzen Hintergrund für den alldeutsch-antisemitischen Feldzug gegen die Ostjuden, entblättert am 1. Juli 1920 die "Freiheit", das Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands, ist ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit auf dem Gebiet des Wohnungswesens und der Arbeiterwanderung mit irgendwelchen positiven Vorschlägen aufzuwarten.

 

Am 5. November 1919 tagt in den Thaliasälen von Halle, Geiststraße 42, der 1. Landesparteitag der Deutschnationalen Volkspartei. Die Eröffnungsansprache hält Exzellenz Generalleutnant Lothar von Trotha. Neben Rektor Herrman aus Naumburg und Graf Arthur von Posadowsky-Wehner, der zu Verfassungsfragen spricht, sind weitere bekannte Persönlichkeiten als Referenten erschienen, zum Beispiel der Russland-Experte Professor Otto Hoetzsch (Russland als Gegner Deutschlands) der Kuno Graf von Westarp.

 

 

Kapp-Putsch   zurück

DNVP-Mitglied Wolfgang Kapp (1858-1922) putscht im März 1920 gegen die Reichsregierung. Andere Deutschnationale taten heimlich mit oder bezogen taktische Positionen (vgl. Bernd 2004, 364). Nicht Posadowsky! Dafür gibt es zwei Gründe. Die Mitwirkung an einem Putsch widerpricht seiner Überzeugung vom demokratischen Verfassungsstaat. Der zweite Grund liegt im Verhältnis von Militär, Politik und Regierung. Er ist grundsätzlich gegen eine Politisierung des Heeres und übt aus dieser Sicht auch Kritik an Reichsverfassung. Ein Heer, "das nicht unbedingt ein zuverlässiges Werkzeug in der Hand der Regierung ist, bedeutet eine Gefahr für jede Regierung" (16.4.1920). Eine Überzeugung, die er bereits am 28. Mai 1906 (3569) vor dem Reichstag aussprach:

"Meine Herren, zunächst, ein Soldat ist kein Politiker (Zurufe bei den Sozialdemokraten), soll es nicht sein (erneute Zurufe bei den Sozialdemokraten), - wollen Sie die Güte haben, mich sprechen zulassen! -, und ich würde den Tag beklagen, wo die Mitglieder unseres Offizierskorps Politiker würden und Politik trieben."

"Er hat indes übersehen," hält Posadowsky-Wehner dem Rädelsführer vom 13. März 1920 vor, "dass starke Zuversicht sich im öffentlichen Leben auf politische Erkenntnis aufbauen muss." Diese Voraussetzung fehlte ihr vollkommen.

Kapp war nicht Der starke Mann als den er sich verstand. Außerdem beachtete er nicht, dass Deutschland kein Einheitsstaat ist, sondern föderativen Charakter trägt. Selbst wenn der "Gewaltstreich" in der Hauptstadt gelungen, so war damit kein entscheidender Erfolg im übrigen Deutschland erreicht, namentlich nicht im Westen und Süden. "Infolgedessen nahm das Unternehmen nicht die Gestalt einer Volkserhebung gegen die bestehende Regierung an, sondern sank zu einem politischen Abenteuer herunter." Es ".... zeugte ebenso sehr von mangelndem Verständnis der politischen Lage wie von irriger Einschätzung des eigenen politischen Schwergewichts." (Der starke Mann 114-115)

Posadowsky zieht die Konsequenzen, verlässt die Putsch-Partei und sucht die Zusammenarbeit mit dem Zentrum.

Staatssekretär a. D. Graf Posadowsky-Wehner,

informiert am 16. April 1920 die Presse,

hat den Merseburger Verband der Deutschnationalen Partei (DNVP) gebeten, von seiner Wiederaufstellung als Kandidat zur Nationalversammlung Abstand zu nehmen.

Im politisch konservativen Naumburg von Georg Schiele, im Kraftfeld des mächtigen Stahlhelms, von Kolonialverein und reaktionären Kriegervereinen, konnte er jetzt mit einer Einladung zum Treffen der streng nationalen Familie nicht mehr rechnen.

 

 

Das Vertrauen der Welt wieder gewinnen   zurück

Erleichtert nimmt Posadowsky nach den Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920 auf, dass die Deutsche Volkspartei (Gustav Stresemann, Rudolf Heinze) sich entschließt der neuen Regierungsform beizutreten. Das verdient, lobt er, Anerkennung. Den Drehpunkt der Regierungsgeschehen verkörpert das Zentrum. Die sie begleitende Abneigung gegen radikale Wirtschaftsexperimente, empfindet er Wohltuend.

Die rechtsstehende (Posadowsky) Deutschnationale Volkspartei (DNVP) ist in die neue Gruppenbildung zum Regieren nicht einbezogen, resümiert "Rechts oder links" (1920). Entscheidend ist, "nur wenn unsere innere Staatsverwaltung

das Vertrauen der Welt wieder erwirbt,

wird der Wert unserer Banknoten und damit ihre Kaufkraft wieder steigen. Hier muss die Heilung beginnen." (Totes Rennen 12.6.1920) Er erkennt, dass dies mit Deutschnationalen Volkspartei nicht realisierbar. Posadowsky ist schon im Juni 1920 abgesägt worden, lässt am 19. Dezember 1921 der Vorwärts aus Berlin mal kurz fallen. In alter konservativer Unart sahen die Strippenzieher nur, was man verlieren konnte, nicht aber was es zu gewinnen gab.

1920 erscheint im Walter Hädecke Verlag in Stuttgart sein Buch

"Weltwende".

Eine Aufsatzsammlung über drängende aktuelle politische Fragen, oft mit philosphischen Impetus und heftigen Schlägen gegen den Zeitgeist. In ihr ringen die Kräfte der Kontinuität und des Umbruchs, der Bewahrung und Reform. Posa bleibt ein Konservativer, und was viele irritiert, mit einem fast mythischen Hang zum Modernen. Wie kann ein Konservativer, wie kann er nur? Er kann! Und das ist anstrengend. Es erfordert von ihm die Zuwendung zu neuen Arbeitsfeldern, etwa zur Geld- und Verfassungspolitik.

Vielleicht, wir wissen es nicht genau, unternahm er jetzt, nach der Loslösung von der Deutschnationalen Volkspartei, Urlaubs- und Erholungsreisen. Sein Englisch, dass er im Alter von zweiundfünfzig Jahren erlernte, war nahezu perfekt. Neugierig begab er sich damals mehrmals auf England-Reise. Nach seinem Abgang 1907 als Staatssekretär des Inneren zog es ihn an die Universität Grenobel. Dort sah man ihn im Studienjahr 1907/08 unter den Studenten sitzen.

 

 

Verantwortung der Eliten  zurück

Nur in einem Land, wo die Gebildeten die Führung übernehmen, erhält die Zukunft eine Chance. Doch sie müssen diesen Anspruch, verlangt Graf Posadowsky, durch ihr persönliches und öffentliche Verhalten rechtfertigen. Was er hier im Alltag beobachtete, stimmte ihn nicht froh. "Leider steht die Lebensführung weiter Kreise der Oberschicht im verletzendem Gegensatz zu dieser Forderung sowie zu dem schweren Schicksal ihrer notleidenden Mitbürger und des Vaterlandes,", muss er 1932 feststellen. "Man klagt über die Verrohung der Massen. …. Ohne sittlichen Aufschwung gibt es keine Auferstehung Deutschlands!" (V&R 228)

Aber wie ist der Aufschwung massenpsychologisch vorzubereiten und zu begleiten?

Speziell für die Eliten entwirft Posadowsky-Wehner einen gesellschaftlichen Funktionsplan.

[a] Den Ausgangspunkt bildet eine reale Einschätzung der Lage, ohne Bauchpinselei und Selbstbegeisterungsübungen. Die wirtschaftliche und rechtspolitische der Weimarer Republik ist durch die Folgen der Hyperinflation schwierig. Soll man Hoffnungen erwecken? Das lehnt Posadowsky ausdrücklich und strikt ab. Das damit 1914 großes Schindluder getrieben, wenn nicht die Massen in verbrecherische Weise sogar manipuliert wurde, ist unleugbar. Und es ist wieder Posadowsky, der hieraus gewillt die Schlußfolgerungen zu ziehen. "Absichtliche Täuschung und gutgläubiger Irrtum hat schon zu lange geschadet. Das deutsche Volk muss erkennen, was ist, um sich aus dieser Erkenntnis heraus ein nüchternes Bild politisches Bild und wirtschaftliches Urteil [!] zu bilden und sein Privatleben zu regeln." (V&R 227) Es ist Aufgabe der Eliten darauf hinzuwirken.

 
Impressionen Naumburger Dom 2007.
Links: Blick zum Dom. Rechts: Domplatz mit Dreikönigskappelle

[b] Für die Kapitaleigentümer reduziert er ihre Verantwortung nicht auf die nichtssagende Formel vom Eigentum verpflichtetzurück  Die [Produktionsmittel-] Besitzenden, die Oberschicht, Reichen und Eliten, weist er konkret in ihre Verantwortung zur Förderung eines gedeihlichen Staatswesens ein. Dabei nimmt die Freiheit und Sicherheit des Privateigentums den gebührenden Platz ein.

Doch Posadowsky übersieht nicht, so beobachtete es die Volksstimme (1907) aus Magdeburg, die entstandenen gesellschaftlichen Probleme mit dem Materialismus der besitzenden Klasse, die oft eine gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft behindern:

"Wenn er vom Materialismus der besitzenden Klasse sprach, wenn er erklärte, dass der Besitz, immer eine Annehmlichkeit, selten ein Verdienst und niemals eine Tugend sei."

Andere Abgeordnetenkollegen, zum Beispiel Gutsbesitzer Graf Hans Wilhelm Alexander von Kanitz-Pondangen (1841-1913) von der Deutschkonservativen Partei, handhaben dies anders, indem sie die Frage nach dem "Materialismus des Besitzes" abwimmeln und sagen, die Landwirtschaft sei gar nicht in der Lage sich dem "Materialismus" hinzugeben.

[c] "Meine Herren," erhebt er warnend an die Wirtschaftselite am 12. Dezember 1905 (241) in der Reichstagssitzung seine Stimme, "ich glaube aber auch ferner, dass mit unserem wachsenden Wohlstand nicht in gleichem Maße die Opferfreudigkeit gestiegen ist, die Großherzigkeit in wirtschaftlichen Dingen, die die besitzende Klasse auszeichnen muss!"

 

 

Fürstenentscheid  zurück  

Am 20. Juni 1926 findet in Deutschland der  

Volksentscheid über die entschädigungslose
Enteignung des Fürsteneigentums

statt. Eine Enteignung befürwortet Posadowsky nicht, weil es mit seinem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit unvereinbar ist. Denn "Die deutschen Fürsten haben die Rechte deutscher Staatsbürger und begründen ihre Ansprüche auf Herausgabe ihres Privateigentums mit den Vorschriften desselben bürgerlichen Rechts." "Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen darf niemals das Recht des privaten Eigentums ausgeschaltet werden. .... Es wäre auch sittlich verwerflich, aus persönlicher Verbitterung für die Entgeignung des Fürstenvermögens zu stimmen, weil man selbst Unrecht erlitten hat. Sparer und Rentner sollten deshalb grundsätzlich der Abstimmung am 20. Juni [1926] fernbleiben ...." (V&R 229)

 

 

Kritisch gegenüber Subventionen  zurück

Subventionen sind in der Weimarer Republik ein politisches Dauerthema. Was soll, was darf der Staat tun? Den Fürsten die Millionen hinterherwerfen oder sie für den Siedlungsbau der Arbeiter einsetzen?

Der Staat gewährt der Industrie Kredite, zum Beispiel 1921 den Junkers Werken 21 Millionen Goldmark für den Flugzeugbau in Russland. Als das Geld nicht reicht, kommt es zum Krach. Das Reich hilft 1925 noch einmal. Aber das Werk kommt erneut in Schwierigkeiten ….

Posadowsky-Wehner steht der sogenannten Förderungspolitik von Unternehmen skeptisch gegenüber. "Ein Staat, der auf Kosten der Steuerzahler fortgesetzt ungeheure Subventionen und Bürgschaften für privatwirtschaftliche Unternehmungen gewährt, verlässt den wirtschaftlichen Grundsatz, dass jeder das Risiko seines Unternehmens tragen muss, wenn nicht der Staat Gefahr laufen soll, in den Strudel des wirtschaftlichen Lebens in einem Maße zu geraten, dass die Grundlage jedes geordneten Staates, geordnete Finanzen, aufs schwerste erschüttert wird." (V&R 213)

Mit dieser Anschauungsweise eines rechnenden Finanzpolitikers stößt er öfter nicht auf Gegenliebe. Im Reichshaushalt haben wir 771 Millionen Mark Defizit, rekapituliert er am 19. Dezember 1930 vor dem Preußischen Landtag; "Es ist traurig, dass der Parlamentarismus im Reichstage so versagt hat, dass eine Notverordnung ergehen musste, um die Ordnung der Finanzen des Reiches zu sichern." In dieser Situation sollte man sparen, keine Steuersenkungen vornehmen oder gar das ganze Steuersystem umbauen.

Am 23. Januar 1932 wendet er sich im Preußischen Landtag in die Debatte über die Spar- und Reichsnotverordnungen gegen Subventionen. "Die Städte", argumentiert er, "können nicht einerseits, weil sie notleidend sind, Staatshilfe in Anspruch nehmen und andererseits Subventionen an Theater zahlen ..... ein großer Teil theatralischen Aufführungen dient nicht der seelischen und geistigen Bildung, sondern oberflächlichem Zeitvertreib." Die Haltung ist tief verankert. Schon einmal argumentierte er gegen die Theaterfinanzierung, nämlich in der Landtagsdebatte am 19. April 1929: "Wir werden gegen diesen Antrag stimmen, weil wir der Ansicht sind, daß bei der ungeheuren Steuerbelastung unseres Volkes man dem Steuerzahler nicht noch zuzmuten kann, Opfer für die Unterhaltung von subventionierten Staatstheatern zu bringen. Die Städte, die solche Theater haben, haben auch den Nutzen davon, namentlich von dem Fremdenzufluß. Diese subventionierten Staatstheater sind eine Erbschaft der monarchistischen Regierung .... Es liegt keine Veranlassung vor diese Erbschaft zu übernehmen."

 

 

Bürgersinn - Verantwortung - Pflicht   zurück

Nach Ansicht von Posadowsky-Wehner braucht der Staat dringend ein beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen. Das bedeutet, "dass im republikanischen Staatswesen die Pflichten des einzelnen Staatsbürgers erheblich höher sind als in der Monarchie, wo die monarchische Regierung als selbständige Machtquelle der gesetzgebenden Versammlung gegenübersteht und das Recht hat, Gesetzesentwürfe, welche ihr bedenklich erscheinen, abzulehnen.

 

 

Was ist
"konservativ"?

"Konservativ sein heißt nicht, die Interessen und Überlieferungen einer Gesellschaftsklasse dauernd festzulegen, konservativ im echten und staatsmännischen Sinne heißt vielmehr: den Staat und die Gesellschaft entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der Zeit organisch fortzuentwickeln, damit allen Klassen der Bevölkerung die Überzeugung erhalten bleibt, dass der geschichtlich gewordene Staat nicht nur eine innere Notwendigkeit, sondern auch die höchste Wohltat für alle Gesellschaftsklassen ist." (Andreas Grieser - 1868-1955. Vorwort zu Volk und Regierung im neuen Reich, 1932, 6)

 

"Die deutsche Republik aber, die dem Volke als die freiheitlichste Verfassung der Welt in so begeisterten Tönen gepriesen ist, hat leider nur einen Mangel - es fehlt ihr an Republikanern. Eine Republik, wenn sie nicht eine Verfassungslüge sein soll, setzt zu ihrem Bestehen ein tief innerliches, das ganze öffentliche und private Leben beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen voraus. Nur so ist es möglich, dass das Volk selbst Träger der Regierungsgewalt ist. In einer Republik, in der man den Staat als große Versorgungsanstalt betrachtet, wo man gestützt auf weit verzweigte Interessenverbände rücksichtslose Interessenpolitik treibt und von dem schwer bedrängten Staate immer neue Vorteile zu erkämpfen sucht, wo man zwar fortgesetzt Sparsamkeit fordert, gleichzeitig aber Parteiinteresse maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt, wo versteinerte Parteiauffassungen schließlich jede vernünftige stetige Staatsverwaltung unmöglich machen, da fehlt die unentbehrlich Grundlage der Volksherrschaft, der seiner Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen bewusste Bürgersinn." (V&R 115)

 

Leider ist in weiten Kreisen diese größere Verantwortlichkeit der Staatsbürger bisher noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Es gibt sogar eine Richtung, welche offen erklärt, dass sie mit Politik nichts zu tun haben will. Es ist dies eine Auffassung, welche nur bedacht auf den eignen, behaglichen Lebensgenuss, für keine öffentliche Angelegenheit zu haben ist, die sich nicht auf ihre eignen persönlichen Bestrebungen und Wünsche bezieht." (V&R 72)

Der moderne Staatsbürger ist bei Posadowsky aktiv, engagiert, urteilsfähig und empathisch in seiner sozialen Welt tätig. Der Antiheld ist der unpolitische Bürger. Vorzugsweise beschränkt er sich bei der Teilhabe an den Staatsgeschäften darauf, die Zeitung zu lesen, womit er meint, seine Pflicht erfüllt zu haben. Eine selbstständige geistige Prüfung der politischen Ereignisse liegt ihm fern. Ein grausen ist ihm dieser "bescheidene Mensch", denn selbst bei Personen, die nach ihrer Lebensstellung als "gebildet" gelten, tut Posadowsky seine Erfahrungen kund, findet man ein überraschendes Maß an politischer Unkenntnis, Urteilslosigkeit und Gleichgültigkeit. Wo sie allerdings von der Gesetzgebung empfindlich betroffen werden, pflegen sie "in herbster Form ihr Urteil über diese politischen und wirtschaftlichen Folgeerscheinungen abzugeben", obwohl sie "zu deren Vermeidung oder Beseitigung sie selbst durch ihre öffentliche Tätigkeit nichts getan haben." (V&R 76)

Die Masse dieser Schwächlinge zeichnen sich durch Untätigkeit und Trägheit aus, erwarten aber von anderen Herkules-Leistungen. "Diese politisch und wirtschaftlich wertlose Masse verschuldet es, wenn die überwiegende Volksmeinung durch rührige und skrupellose Berufspolitiker entstellt oder unterdrückt wird." (V&R 228)

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Für ihn ist völlig klar, daß "das Volk in seiner Gesamtheit für die Führung der Staatsgeschäfte verantwortlich ist".

Die erste Bürgerpflicht heisst, Abgabe der Wahlstimme. Wer nicht zur Wahl geht ist ein "politischer Deserteur" und vernachlässigt in unentschuldbare Weise die vaterländische Pflicht. Man kann "das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes" an Hand der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen beurteilen (V&R 73).

"Weite Kreise scheinen aber diese veränderte Grundlage des öffentlichen Lebens gegenüber der konstituellen Monarchie noch nicht erkannt zu haben .... Das höchste Recht und die wichtigste Pflicht jedes Staatsbürgers ist die Abgabe seiner Wahlstimme .... " (NBT 25.4.1925)

 

 

Rechtsbewusstsein wider die Durchbrechungstheorie  zurück

Ägidienkurie, Naumburg 2007

Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit verkörpern Leitideen und zentrale Kategorien im staatspolitischen Denken von Posadowsky-Wehner. Sie sind unerläßlich für die Schaffung eines gerechten Staates, dem der Bürger vertrauen kann. Ohne Rechtsstaat ist für ihn die Durchsetzung dem Allgemeinwohl verpflichtender Normen und Ordnungsprinzipien undenkbar.

In Praxis leistet die Rechtsstaatlichkeit nach seiner Überzeugung den entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Weimarer Republik. Dies fortführend, stellt er am 19. Dezember 1930 in der Rede vor dem Preußischen Landtag zwei Momente in den Vordergrund: Erstens. Die Popularität der "neuen Staatsform" wächst und gedeiht, wie der "Staat ein Staat des unbedingten Rechtes gegen alle Parteien des Reichstages und alle Berufsschichten in gleicher Weise ist". Zweitens. Auch im Privatrecht muss das Recht mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt werden.

In einer Debatte des Preußischen Landtages fragt Posadowsky-Wehner den Justizminister, ob ein Gesetz beschlossen werden darf, dass gegen die Grundrechte der Weimarer Reichsverfassung verstösst. Der Minister eröffnet in seiner schriftlichen Antwort zwei Möglichkeiten: Erstens. Mit einer Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Körperschaft kann die Verfassung geändert werden. Zweitens könnte als Lösung die sogenannte

Durchbrechungstheorie

An der Nordseite vom Naumburger Dom, 2007

in Anwendung kommen. Empört weist dies Posadowsky am 19. Dezember 1930 vor dem Preußischen Landtag unter Verweis auf Artikel 76 der Reichsverfassung als glatten Verfassungsbruch zurück. "Ich verstehe es nicht," stellt er im Ton tiefer Enttäuschung fest, "dass die Mehrheit des Reichstages ein solch verfassungswidriges Verfahren wiederholt gebilligt hat. Das gilt für die Kürzung der Beamtengelder als wohlerworbene Rechte." Auch im Rahmen der Geldpolitik ist dies schon mehrfach geschehen. Als Beweis zitiert er aus der Rede von Finanzminister Doktor Luther am 23. August 1924 vor dem Reichstag, wo dieser darlegt, dass die Regierung "künstliches Geld" einsetzte, "um Werte abzulösen". Ein Privatmann, der künstliches Geld macht, schiebt Posa wütig bei seinem Auftritt im Preußischen Landtag am 23. Januar 1932 nach, begeht ein Münzvergehen und ist nach dem Strafrecht ein Verbrecher. Mit künstlichem Geld darf man keine Schulden tilgen, "deshalb sind die sogenannten Aufwertungsgesetze null und nichtig".

"Es genügt nicht", fasst Graf von Posadowsky-Wehner 1932 seine Erfahrungen zusammen, "dass die gesetzgebenden Körperschaften fortgesetzt je nach den bestehenden Mehrheitsverhältnissen Gesetze beschließen und die Regierung aus politischen Gründen denselben willfahrt. Gesetze müssen sich durch jahrelange Anwendung im Rechtsbewusstsein des Volkes einbürgern, um tatsächlichen Gesetzeswert zu erlangen; durch die Veröffentlichungen in den Gesetzblättern wird die Rechtskraft nur urkundlich festgestellt, aber kein Rechtsbewusstsein geschaffen." (V&R 72)

 

 

Geburtstag

Bischofskurie am Domplatz 2007

Zum 80. Geburtstag gratulierten ihm: Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichskanzler Doktor Hans Luther, Reichswirtschaftsminister Albert Neuhaus, General der Infanterie Friedrich Sixt von Armin, Domherr von Naumburg und Großadmiral Hans von Köster, der Vizepräsident des Reichstages Doktor Jakob Riesser, der Ministerpräsident des Freistaates Preußen Otto Braun, der Bund der Domschüler, die Direktion des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und andere.

 

 

Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom   zurück 

Am

24. August 1924

wird an der westlichsten Seite der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden eine steinerne Gedenktafel enthüllt. 148 Namen sind hier eingemeißelt. Zwei, Ewald und Würzig, fügt man später noch hinzu. "Von den 16 Abiturienten von Ostern 1912 finden sich sieben auf der Tafel wieder, von 15 Kriegsbegeisterten, die es im August 1914 nicht abwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, sind acht Namen in den Stein gehauen," ermittelte Julia Ziegler (2009) in einer Studie über die Kriegsgefallenen des Naumburger Domgymnasiums.

 

Auf der langen Ehrenliste steht der

Kreuzgang des Naumburger Doms mit Gedenktafel (2005)

Inschrift: Ruhmvoll ist das Schicksal des Gefallenen, glücklich ihr Los.

Name

Peter-Paul Hollaender.

Er fiel am 26. Oktober 1917 im Alter von 25 Jahren in Flandern. Sein Vater Doktor Ludwig Hollaender war Oberlehrer am Domgymnasium. Mutter Julie Hollaender lebte nach dem Tode ihres Mannes noch etwa zwanzig Jahre in der Grochlitzer Straße 18. Seinen Bruder Doktor Otto Hollaender verfolgten die Nationalsozialisten.

An 57. Stelle in der Liste Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums steht der Name

Gerhard Hemprich.

Sohn des grossartigen Lehrers und Jugendpflegers

Karl Hemprich, geboren am 17. Dezember 1867,

der 1908 aus Freyburg an der Unstrut kam und die Knabenschule (Georgenschule) als Rektor übernahm. 1913 wechselt er an das Königlicher Seminar-Oberlehrer als Bezirksjugendpfleger von Merseburg und leitet bei Kriegsausbruch die Mobilmachung der Jugend. Was und wie alles zu geschehen hat, auf welchen gesetzlichen Grundlagen, wie dies organisiert wird, was die Bezirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Jugendpflege zu tun haben, legt Karl Hemprich  1 9 1 4  auf 16 Seiten Format A 5 unter dem Titel

Die militärische Vorbereitung der Jugend
während des mobilen Zustandes

dar. Ein Jahr später zerfleischt die Kriegsbestie seinen Sohn Gerhard, eines der vier Kinder aus der Ehe mit Gertrud, geborene Wächter. Der Primaner, blond, blauäugig, hochgewachsen, gesund und immer heiter, hatte sich freiwillig zum Infanterieregiment 67 nach Metz gemeldet. Ein anderer Sohn von Gertrud und Karl Hemprich, Siegfried, starb früh. Ihr Töchterchen Kätchen raffte im Alter von acht Jahren eine unheilbare Erkrankung dahin. "Diese Wunde hat sich nie wieder geschlossen." Aufopferung und Einfühlungsvermögen des Jugendpflegers haben wahrscheinlich hier ihre Quelle. (Vgl. Weicker 45-47)

 

Am Sonntag, den 24. August 1924 um ½  9 Uhr finden sich alle Domschüler auf dem Schulhof ein. Eine Stunde später sitzen sie brav in der Marienkirche und hören die Predigt mit der Botschaft an die Jugend von Pfarrer Mühe:

"Brüder, deutsche Treue bis in den Tod! So waren die unsern, so wollen auch wir werden: Männer der Treue."

 

Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums

PDF-Dokument hier (etwa ein Megabyte).

Quelle: Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeit

 

Nach dem Gottesdienst ziehen Schüler, Lehrer und Gäste im geschlossenen Zug zum Denkmal in den Kreuzgang des Doms um, wo dann bald die Worte über Deutschland von einer sittlichen Weltmacht, in des Wortes edelster Bedeutung zu hören sind. Doch war der Einmarsch der deutschen Truppen 1914 in Belgien nicht selbst schon ein sittlicher Grenzdurchbruch?

Der Ort ist feierlich geschmückt. Vor der Tafel aus Krensheimer Kalkstein wachen je zwei Offiziere von der Marine und den Feldgrauen, Angehörige des Bundes Alter Naumburger Domschüler (BAND). Auf ein Zeichen hin entfernen sie die Hülle. Zuvor hielt der Architekt des Denkmals, Herr Graumüller aus Saaleck, eine kurze Ansprache. Er dankte dem Bildhauer Josef Heise für das Gesamtwerk und Kunstmaler Professor Hugo Gugg (1878-1956) für den überkrönten Aufsatz der Steintafel, die den Kopf eines jugendlichen Kämpfers mit Stahlhelm darstellt. Dann hebt der Vorsitzende vom BAND zur Ansprache an. Dies ist eine Stätte der Trauer, des Dankes und des Trostes, gedenkt Professor Flemming der Toten. Aber dies ist kein Denkmal, das mahnen soll, wie es Julia Ziegler (2009) treffend formuliert, sondern es soll eine Erinnerung an die Kämpfenden sein.

Dann werden die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen 150 Domschüler feierlich verlesen.

 

 

Erinnerungsarbeit

Hans-Gert Kirsche, um 1930:

..... Der Fackelzug endete auf dem Kreuzganghof, wo in einer Ecke die Gedenktafel für die Gefallenen der Schule angebracht war (1914-1918 stand oben, und darunter 165 Namen), gruppierte sich vor den Schwibbogen im Geviert, und die Fackeln wurden in der Mitte zu einem lodernden Scheiterhaufen zusammengeworfen. Irgendwo aus dem Dunkel des Kreuzgewölbes rezitierte ein Sprechchor raunend vaterländische Verse, der flackernde Flammenstoß warf gespenstische Lichter auf die im Hintergrund düster aufragende viertürmige Kulisse des Domes, und uns alle durchschauerte weihevolle Rührung, während die Musik intonierte: "Ich hatt' einen Kameraden...". Nicht mehr als vier Jahre später wurde es Zeit, an eine neue, noch größere Tafel zu denken: man hatte wieder angefangen, massenhaft fürs Vaterland zu töten und zu sterben."

Hans-Gert Kirsche

 

 

Nun wird Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz die feierliche Rede zur Einweihung der Gedenktafel über den Krieg, seine Folgen und die persönliche Verantwortung des Bürgers vortragen. Im Raum stehen Fragen wie: Warum musste eine "sittliche Weltmacht wie Deutschland" untergehen? Warum fand, sich ein "Weltbund ungeheurer Übermacht gegen uns" zusammen? Wie konnte das alles Geschehen? Im feierlichen Unterton hebt der Dechant des protestantischen Domkapitels zur Festrede an:

"Der Krieg hat ungezählten Familien unheilbare Wunden geschlagen und über unser gesamtes Vaterland unsägliches Leid gebracht. Die Ereignisse der Vergangenheit erscheinen uns bisweilen wie ein böser Traum, man fragt sich immer von Neuem, wie es möglich war, dass dieses mächtige Deutschland, von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Staatsmann auf unabsehbare Zeit geschaffen, nach kaum einem halben Jahrhundert von seiner stolzen Höhe sinkt. …. Deutschland ist ein Kontinentalstaat; es ist das Herzstück Europas. Wie ein Felsen schien es zu stehen inmitten unseres Erdteils, in der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde ringsum. Seine sozialen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen, seine Bildungsstätten, sein Beamtentum und seine Staatseinrichtungen wurden trotzdem in aller Welt bewundert. ... Weder die Regierung noch das deutsche Volk haben den Krieg gewollt; er ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant, militärisch vorbereitet und uns schließlich aufgezwungen [worden]. …. Das große deutsche Volk darf niemals auf seine Zukunft verzichten …."

"So möge" dieser Gedenkstein, fährt die Rede fort,

"einen Merkstein bilden zur Aufrichtung des von Unrecht geknechteten Vaterlandes."

Salbungsvoll bringen diese Metapher auch die deutschnationalen, völkischen und alldeutschen Vordenker vorzugsweise bei Ehrungen und Kranzniederlegungen oder in Feierstunden zur Geltung. Im September 1933 gießen sie der Stahlhelm-Studentenring "Langemarck" und die Stadtverwaltung in den Beton des Langemarck-Denkmals. Doch Posadowsky ist kein Vorkämpfer des Stahlhelms und politischen Revisionismus.

"Man dient seinem Volke nicht," warnt er, "wenn man es über seine eigenen Eigenschaften schmeichelnd täuscht und andere Völker einseitig herabsetzt." (V&R 227)

Und wie man die Worte am Gedenkstein immer interpretiert, wir sollten es nicht vergessen, in Totalität bemühte er sich um die ökonomische und politische Stabilisierung der Weimarer Republik, mahnte stets die Rechtsstaatlichkeit an, wandte sich als Politiker den Sorgen der Unterschicht zu, verteidigte die Mittelschicht gegen die staatliche Enteignung der privaten Geldvermögens und führte einen verzweifeltem Kampf für Rechtsgleichheit und -sicherheit.

Der englischen, französischen und russischen Nation stand er im Lichte der Reziprozität der Feinbilder kritisch gegenüber, weil sie vor dem Weltkrieg darauf bedacht, im Ausland eine starke deutschfeindliche Abneigung hervorzurufen. Pars pro toto nennt er Lord Rosebery (1847-1919) von der Liberal Party und ehemaliger englischer Außenminister, der als erster den Weckruf ausstieß:

"Wir sind bedroht, von einem fürchterlichen Nebenbuhler, der uns nagt wie das Meer an den schwachen Stellen der Küste - ich meine Deutschland."

Bevor Sigmund Freud 1938 die Bewußtseinsspaltung in "Die Ichspaltung im Abwehrvorgang" beschrieb, diagnostizierte sie 1920 Graf Arthur von Posadowsky-Wehner im Aufsatz "Mr. Pecksniff" (23) beim freiheitsliebenden Engländer, der für sich, nicht aber für die bürgerliche Freiheit anderer Völker "die gleiche Rücksicht" empfindet.

Deutschland hat sich mit seiner "verfehlten Weltpolitik" (Posadowsky) viele Feinde gemacht. Das weiß er und stellt dies überhaupt nicht Frage. Ausserdem war dies ein zentraler Kritikpunkt der Reichskronen-Rede vom 15. Januar 1919. Ihm ist gegenwärtig, Deutschland muss sich zügeln und Grenzen auferlegen. Eine neue Weltpolitik, davon ist er nicht abzubringen, wäre sein Ruin.

"Nur Selbsterkenntnis und Selbstbeschränkung kann uns wieder zu alten Höhen führen."

Ist das nicht Bismarcks-Schule? - Verzicht auf territoriale Forderungen, keine expansionistischen Bestrebungen, keine europäischen Kriege und Beteiligung an überseeischer Kolonialpolitik! In Euphorie sollten wir darüber nicht verfallen, denn der erste Reichskanzler hinterließ uns äußerst problematische Hypotheken, zum Beispiel in der Nationalitätenpolitik. Dennoch könnte dies unter den Bedingungen der 20er Jahre Ansätze zur Friedenspolitik bieten. Auf jeden Fall ist es ein Konter gegen die Naumburger Wilhelmisten (Kolonialverein, Alldeutsche, militante Kriegervereine) und Revisionisten (Völkische, Nationalsozialisten, Stahlhelm).

Die Kriegsverhältnisse bedingen den Verlust an Individualität und Charakter einer Rechtsperson, also eine Enthumanisierung aller Verhältnisse. Je mehr das Volk im Verlaufe des Krieges zu immer höheren Leistungen aufgerufen war, erkennt Posadowsky-Wehner (V&R 40), desto mehr verliert der Einzelne an Rechten. Dies verlangt von ihm immer größere Opfer. Selbstlose Menschen treten ans Licht, die Helden, sie geben das gute Beispiel. Dem Verlust an Humanität ist damit nicht vorgebeugt, verliert doch der Einzelne durch sein Opfer die Individualität. Was ist das nun, "Verlust" oder "Gewinn"? Vor der steinernen Gedenktafel an Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms lebt jetzt wieder die Moral des heroischen Zeitalters auf. Denn Posadowsky zitiert nun aus dem 1800 entstanden siebenstrophigen Wechselgesang des Vorspiels zur Trilogie Wallenstein, Ein dramatisches Gedicht von Schiller, den Vers:

"Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein."

Dies steht im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und trägt nicht zur Überwindung der gesellschaftlichen Moralauffassung bei, die zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte und die Dialektik der Aufklärung (91) persifliert:

"Wer stirbt, ist gleichgültig, es kommt aufs Verhältnis der Vorfälle zu den Verpflichtungen der Kompanie an."

Und doch sollten wir uns s o  n i c h t  aus dem Gespräch mit Posadowsky über die Einweihung der Steintafel zu Ehren der Gefallenen im Ersten Weltkrieg verabschieden. Wahrscheinlich wäre dann vergessen, dass er (a) entschieden gegen den Missbrauch staatlicher Autorität auftritt, (b) vor überhöhten Vollmachten staatlicher Zentralgewalt unter Umgehung der Parteien und föderativer Einheiten warnt und dies ablehnt, (c) seine Kritik der Feindbilder den Zweck verfolgt, den Bürgern die Lust an staatlicher Aggression zu nehmen. Es sind dies alles realgeschichtliche Momente, die immer wieder als Ursachen von Kriegen hervortreten. Hier zeigt sich eine frappierende Kohärenz zwischen Sigmund Freud`s Brief vom September 1932 an Albert Einstein zum Thema "Warum Krieg?"einerseits und dem politischen Denken von Posadowsky-Wehner andererseits. Ein Zufall? Zumindest macht der Artefakt klar, wie konstruktiv der Naumburger Politiker an den globalen Sorgen der Welt teilnahm.

 

 

29. November 1925
Wahlen zum Preußischen Provinziallandtag
der Provinz Sachsen  zurück

Am 29. November 1925 dürfen die Bürger der Provinz Sachsen die Sitze im Preußischen Provinziallandtag verteilen. Die letzte Nominierung der Kandidaten fand 1921 zusammen mit den Wahlen zum Preussischen Landtag statt. Schon deshalb, vermutet die lokale Presse, war damals die Beteiligung besser. Diesmal machten von ihrem Wahrrecht nach ihrer Schätzung nur etwa die Hälfte der Bürger gebrauch.



Ergebnisse der Wahlen
zum Preußischen Provinziallandtag der Provinz Sachsen
29. November 1925

 
Abgeordneten-
Sitze
 

Nationale Ordnungsblock

20
 

Sozialdemokraten

34
 

"Sparer", Liste Posadowsky

2
 

Zentrum

4
 

KPD

17
 

Völkische Liste

3
 
DNVP
12
 
DVP
2
 

DDP, Demokraten

5
 
     

Gesamt

113
 


Gewählte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung

 

 

 

Posadowsky-Wehner zieht für die "Sparer" in den Provinziallandtag ein.

In politischen Stellungnahmen äußert er sich besorgt über den Zustand der deutschen Nation. Ihm erscheint besonders die allgemeine Kriminalität im Lande viel zu hoch. Missfallen erregt die zunehmende Verflachung des öffentlichen Lebens. "Es ist eben ein Zeichen der Zeit," kann er am 19. Dezember 1930 in Preußischen Landtag nicht mehr an sich halten, "dass man in unserem Vaterlande die wichtigen, tiefernsten Dinge von oberflächlichen und nebensächlichen Angelegenheiten nicht mehr unterscheiden kann." "Die Ereignisse unserer Zeit lassen leider den mutigen Wirklichkeitssinn, der notwendigen Grundlage für richtiges Handeln, schmerzlich vermissen", kritisiert 1926 Im Lichte der Wirklichkeit. "Man behilft sich mit der Vorstellung, deren planmäßige Wiederholung günstig auf die öffentliche Meinung und festigend auf die eigene Stellung wirken sollen. Gehen im politischen Leben derartige Einflüsse von maßgebenden Gewalten aus, so erzeugen sie schließlich herbe Enttäuschungen und tiefgehendes Mißtrauen".

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP)  zurück

Ende Juni 1925 publizierte Posadowsky in der deutschnationalen Presse mehrere Aufsätze zum Aufwertungsgesetz, dass am 16. Juli 1925 im Deutschen Reichstag zur Abstimmung stand. Ihm war klar:

"Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung, dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Nach Keil 1925)

Ihm fällt es nicht leicht, dies auszusprechen. Er leidet unter diesen Verhältnissen, an dessen Horizont abgrundtiefe Gefahren für die zivilisierte Existenz der Bürger lauern. Trotzdem schuf er sich mit seiner Kritik an der Hyperinflation und Aufwertungsgesetzgebung Feinde und rief alte Gegner wieder auf den Plan. Carl Severing (1875-1952), der die Bielefelder Niederlage von 1912 bei den Reichstagswahlen nicht vergessen hatte, meldet sich am 15. Oktober 1925 im "Vorwärts", dem Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, zu Wort, und erzählt folgende Geschichte: "Jetzt aber, in diesen Sommertag, sind Ihre politischen Freunde, meine Herren von der Deutschnationalen Volkspartei, an mich herangetreten bzw. an die Herren meines Ministeriums mit dem Ersuchen diesen Landrat recht bald abzuberufen. (Lebhafte rufe: Hört! Hört! links)"

In der Reichstags-Debatte über das Gesetz zur Aufwertung der Hypotheken am 13. Juli 1925 waren nicht mehr als ein Dutzend Abgeordnete ständig anwesend. Es sprachen unter anderen der Genosse Keil (SPD), Dr. Korsch (KPD) und Dr. Best. Es war unmöglich irgendwelche Verbesserungen durchzusetzen. Ein SPD-Antrag wurde mit 177 gegen 224 Stimmen abgelehnt. Dass die Deutschnationale Fraktion dem Aufwertungskompromiss zustimmen könnte, erschien Posadowsky unmöglich, weil dies im schärfsten Gegensatz zu ihren bisherigen Forderungen und Versprechungen stand.

Um den 16. Oktober 1926 berichten die Zeitungen, dass die verschiedenen Sparergruppen die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) ins Leben gerufen haben. Ihr Führer ist Arthur Graf von Posadowsky-Wehner aus Naumburg. Die Partei trotzt der Regierung, weil das Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen vom 16. Juli 1925 einen Vermögensverlust bis zu 97 Prozent brachte.

Am

21. Oktober 1927

tagen die Anhänger der VRP im Preußischen Hof. Der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe des Sparer-und Hypothekengläubiger-Verbandes eröffnet die Versammlung. Besonders begrüsst er Arthur Graf von Posadowsky-Wehner mit den Worten, "der Kampf, den er führe, habe sich gerichtet gegen Regierung und Volksvertreter, die ihr Volk entrechtet und enteignet hätten; nicht ein Knechtsstaat, sondern ein Rechtsstaat müsse erst wieder geschafft werden ...." Dann wurde die Auflösung der Ortsgruppe bekannt gegeben. Anschliessend hält der Gast einen ansprechenden und inhaltsreichen Vortrag, von dem die Passage überliefert: "Der Ausfall der Zinsen, welche die Gläubiger zu beanspruchen hätten, ziehe jetzt der Staat in Form einer Hauszinssteuer ein, darunter hätten Wirtschaft, Mittelstand, Hausbesitzer und Mieter zu leiden." Dann erläutert er die Notwendigkeit der Gründung der

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP).

Nach längerer Aussprache über die Richtlinien der Partei, wurden diese für gut befunden und einstimmig beschlossen einzutreten für:

erweiterten Schutz der Verfassung,

volle Unabhängigkeit der Gerichte,

die Beseitigung der Daweslüge,

die Aufwertung nach Treu und Glauben,

die Abschaffung der Hauszinssteuer,

den Schutz der Mieter,

die Selbständigkeit der Privatwirtschaft,

die wohlerworbenen Rechte der Beamten,

die Sicherstellung aller freien Berufsangehörigen und

die Erhaltung des rechtmässigen Besitzes.

Die Anwesenden delegieren Graf von Posadowsky-Wehner vom 22. bis 23. Oktober 1927 zum Parteitag nach Stuttgart.

 

Bei den preußischen Landtagwahlen am 20. Mai 1928 erringt die Volksrechtspartei zwei Mandate. Eins nimmt Posadowsky wahr.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung
(Volksrechtspartei, VRP)

 

       

Wahlen

Stimmen
Prozent
Mandate
       

Landtag Preussen
20. Mai 1928

234.033
0,05
2

Naumburg

462
   
       

Reichstag
20. Mai 1928

428.697
1,6
 

Naumburg

498
   
       

Reichstag 1930

217.198
0,9
 
       

Landtag Preussen
24. April 1932

44.119
   

Naumburg

59
   
       

Reichstag Juli 1932

40.825
0,1
 
       

Reichstag November 1932

46.202
0,1
 
       

 

Obwohl sich die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung ein halbes Jahr nach seinem Tod in Hitlers Arme wirft, darf man nicht sagen, dass Arthur Graf von Posadowsky-Wehner dem nationalsozialistischen Herrschaftsmodell irgendwie nahegestanden hat. Nicht die Diktatur war sein Ziel, sondern der Volksstaat, der die faire Beteiligung aller Klassen und Schichten an der Machtausübung garantiert.

 

 

Im Streit für eine wirtschaftspolitisch
verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik  zurück

1928 delegiert die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung Posadowsky als Abgeordneten in den Preußischen Landtag. Besonders widmet er sich den Folgen der Hyperinflation und Aufwertungspolitik. Dieses

"ungeheuere Unglück über unser Vaterland"m,

fordert er am 10. Oktober 1930, muss genau untersucht werden. Sein Ziel ist eine rechtsstaatliche, wirtschaftspolitisch verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik. Dazu ist es nach seiner festen Überzeugung notwendig, die ideologische Verschleierung der betreffenden Vorgänge zu enttarnen und die Ursachen der Hyperinflation aufzuklären. Dabei hält er an folgender Prämisse, die er am 15. Dezember 1928 vor dem Preußischen Landtag formuliert, unbeirrt fest:

"Der Herr Reichsbankpräsident Schacht hat seinerzeit erklärt, die Inflation wäre ein Erdbeben gewesen. O nein, die Inflation war nicht das Werk von Naturkräften, sondern sie war das Werk von gewinnsüchtigen, gewissenlosen und kurzsichtigen Menschen außerhalb und leider auch innerhalb Deutschlands."

"Zuruf links: Sie müssen nach rechts sehen! Das sitzen die Kerle! - Gegenruf: Er guckt ja nach rechts; Ihr müsst nur die Stellung nehmen! - Heiterkeit."

Aus Anlass seines 85. Geburtstags erwies ihn der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags eine ehrende Geste. Er beschloß, dass Staatsministerium möge untersuchen, "welche Elemente und Personen die Inflation hervorgerufen haben". Das war endlich eine Entgegnung auf die freche Lüge, dass die Inflation einfach gekommen sei. Hierauf warteten alle brennend, die in ihr eine kalte und verbrecherische Tat sahen. "Aber es ist leider nicht anzunehmen, dass die Annahme des Antrags eine andere Bedeutung hat als ein Blumenstrauß, der am selben Tag auf dem Platz des Jubilars gelegt wurde. Eine Höflichkeit. Der Staatsgerichtshof ist kein Untersuchungsausschuß, - er wäre für diese Frage nicht zuständig, selbst wenn sie ihn überraschenderweise interessierte". (Tagebuch 1930)

Am 18. Oktober 1930 trägt er dem Preußischen Landtag erneut vor:

"Es ist ein sittliches Gebot, diesen verbrecherischen Unternehmen nachzugehen und festzustellen, wer diese schuldigen Personen gewesen sind. Das muss durch den Staatsgerichtshof geschehen."

Zu diesem Zweck ergeht an das Hohe Haus ein Antrag, der fordert, schleunigst ein Gesetz zu verabschieden, durch welches der Staatsgerichtshof beauftragt wird, zu untersuchen, ob und welche ausländische Stellen und welche amtliche Personen und ob und welche Privatpersonen im Inland auf die planmäßige Steigerung des Dollarpreises gegenüber der deutschen Mark hingewirkt und damit planmäßig die deutsche Währung zerrüttet haben. Ein Jahr vergeht und die Regierung antwortete noch immer nicht darauf. Dann bitter er persönlich den preußischen Ministerpräsidenten um eine Erklärung. Am 23. Januar 1932 tagt wieder der Preußische Landtag. Und wieder keine Antwort! Erneut rollt Posadowsky die Sache im Plenum auf und rüttelt verzweifelt am Gewissen der Abgeordneten:

"Aus diesem Verhalten der Regierung muss man schliessen, dass die Inflation mit Wissen und Unterstützung der Regierung und in Verbindung mit Finanzkräften des Auslandes herbeigeführt ist."

Was meint er mit "Finanzkräften des Auslandes"? Wenig Monate nach dem im November 1918 in einem Eisenwahnwaggon auf einer Lichtung im Wald von Compiègne der französische Marshall Ferdinand Foch den Deutschen die Bedingungen des Waffenstillstandes aushändigte, stürzte die Mark im Kurs gegenüber dem Dollar ab. Es wurde das Ausmass der Kriegswirtschaft und -inflation sichtbar. Sofort erhöhten sich die Verbraucherpreise und die Reallöhne sanken. Eine Stützung der Mark unterblieb. Bei der weiteren politischen Bewältigung der Ereignisse um die Hyperinflation wird dies eine große Rolle spielen. Zunächst war es der Versuch die Reparationslasten abzuschütteln.

"Die Deutschen ließen die Inflation traben, um sich zahlungsunfähig zu machen und dadurch den Reparationen zu entgehen." (Haffner 187)

"Zu diesem Zweck nahm die deutsche Politik", konstatiert Sebastian Haffner 2001 in "Von Bismarck zu Hitler" (186, 187), "eine soziale Katastrophe in Kauf, die sich auf die deutsche innenpolitische Stimmung vernichtend ausgewirkt hat, nämlich eine Dauerinflation ....", die 1923 mit der Hyperinflation endete. Sie brachte "eine ungeheure Umverteilung der deutschen Vermögen zu Lasten der Geldsparer und Geldbesitzer und zugunsten der Sachwertbesitzer" hervor. Posadowsky versuchte die für nachfolgende Generationen in Ausmass und Tiefe nicht zu erahnende Bitterkeit bei den Betroffenen zu therapieren, indem er das Unfassbare öffentlich machen will.

 

 

Aber man hörte kaum die Sätze,
in denen er von Recht
und Pflicht der Regierung sprach. Vossische Zeitung, 9. Juni 1928    zurück

Rechtssicherheit als Vorbedingung für die Freiheit, dies sollte aufhorchen lassen, besonders die kommunistische Linke. Tat es aber nicht. Für sie war Posadowsky wohl eher ein Reaktionär. Gewiss, sie trennte, was nicht zu übersehen, in der Kirchen-, Schul- und Bildungspolitik, sowie in der Sozialisierungs- und Kriegsschuldfrage tiefgreifende Wertekonflikte. Trotzdem, gab es zwischen ihnen viele und bedeutende Gemeinsamkeiten, holzschnittartig umschrieben mit: Notwendigkeit einer Arbeiterbewegung, Gesellschaftsformen, Republik, Herrschaft durch gerechte Verhältnisse, Demokratie als Mitbestimmung, Kontinuität der Sozialpolitik, Wohnungen für die Unterklasse, Ablehnung der Notverordnungen.

Der Erste Hauptsatz der Sozialpolitik entspricht ideologiegeschichtlich betrachtet etwa dem, was Karl Marx 1849 in der Neuen Rheinischen Zeitung zur Abhängigkeit (Determination) des Sozialen von den ökonomischen Lebensverhältnissen analysierte. Es ist überhaupt so eine Sache, wenn sich Posadowsky zum Konservativen erklärt, aber in vielen Lebensfragen, etwa in der Sozial- und Wohnungspolitik, zur Rolle der Arbeit im Leben, der Moralbildung in der Gesellschaft, der Notwendigkeit nach Gerechtigkeit zu streben, traditionell ausgedrückt, klar nach links tendiert. Zu zählen wären nicht nur die berühmten "Übereinstimmungen". Kooperation gedeiht oft dort, wo sie durch gegenseitiges Verstehen oder Handeln aus Einsicht in die Notwendigkeit erleichtert wird. Unbefangen, also wissend die damalige Praxis ausblendend, entsteht allmählich die Frage, ob eventuell sogar ein politischer Dialog zwischen ihm - den fortschrittlichen Konservativen - und der sozialistisch oder kommunistischen Linken möglich wäre? Hätte ein solches Herangehen womöglich das politische Kräfteparallelogramm zugunsten der Republik verschieben können? Schwer vorstellbar, wenn man an die fortwährende provokative Aufheizung derartiger Begegnungen denkt, aber deshalb trotzdem nicht zwangsläufig unmöglich.

Erst am 8. Juni 1928 sah der Vorwärts in Berlin eine besonders widerwärtige und beschämende Szene. Den Anlass bot die Konstituierung des neugewählten Preußischen Landtags. Zunächst fing es feierlich an. Vor der Sitzung fanden in der Hedwigskirche und im Dom Gottesdienste statt. Anschließend traten die Abgeordneten im Gebäude des Preußischen Landtages in der Prinz-Albrecht-Strasse (Niederkirchnerstraße) zur ersten Sitzung zusammen. Eröffnet wurde sie, berichtet am Tag darauf der Sozialdemokratische Pressedienst, durch den ehemaligen kaiserlichen Staatssekretär und Vizekanzler Posadowsky-Wehner "mit einem klugen Bekenntnis zur Republik". Leider waren die äußeren Umstände nicht dazu angetan, um dies von Seiten der Parlamentarier würdigen zu können. Der Alterspräsident erlaubte sich, ihnen ans Herz zu legen, den Rechtsstaat zu schützen und zu verteidigen, ihn vor jeder Art der Vergewaltigung zu bewahren. Zum gelungenen Staatsleben gehört bekanntlich auch etwas Kompromissbereitschaft, weshalb von ihm die Aufforderung erging, es möge doch jeder sich in einem natürlich gegebenen Maß mit der Staatsordnung abfinden, egal ob der Aufbau des Staates seiner innerlichen Auffassung Rechnung trage oder nicht. Das war für die parlamentarisch-kommunistische Linke zu viel des Guten. "Schon während der Rede des 84-jährigen Posadowsky, der doch wahrhaftig keiner Partei wehtun konnte, gefielen sich einige Kommunisten darin, mit sinnlosen Zwischenrufen und Gebrüll die Stimme des Alten zu übertönen." (Vorwärts) Ihre Fraktion besaß im neugewählten Landtag 56 Mandatsträger, damit zwölf mehr als in der vorhergehenden Sitzungsperiode. Unmittelbar nach den ersten Worten stießen sie gegen Posadowsky die wildesten Schimpfworte aus: "Nieder mit der Regierung!", "Arbeitermörder!", "Amnestie!". Alles mit der kalten Ruhe, registrierte die Vossische Zeitung, die beinahe auf eine lange Vorübung schließen lassen könnte.

Als die Kommunisten die Freilassung zweier ihrer Abgeordneten, die vom Reichsgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Festungshaft verurteilt waren, beantragten, heizte sich die Stimmung schnell weiter auf. Über einen entsprechenden Antrag wollte die Fraktion ihre Teilnahme erwirken. Das Reglement verlangte dazu unbedingt die Zustimmung aller Abgeordneten, was jedoch Doktor Ponsick von der Christlich-Nationalen Bauernpartei wenig interessierte. Er dachte nicht daran, dies zu unterstützen, worauf es nun so weiterging: "Ein paar kommunistische Abgeordnete unter Führung des Abgeordneten Gohlke spazierten in aller Ruhe auf die rechte Seite des Hauses herüber, holten sich Ponsick heraus und schlugen ihm langsam aber gründlich die geballte Faust ins Gesicht." (LVZ 9.6.1928)

"Eine ganz andere Frage ist aber die", auf deren Beantwortung der Vorwärts (Berlin) drängt, "ob das Faustrecht mit der verstärkten kommunistischen Fraktion seinen Einzug ins Parlament halten darf."

Bei der Stimmungsmache zur Eröffnungssitzung, tat sich besonders der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Kaspar (1892-1985) hervor. So wie die Dinge liegen, darf daran erinnert werden, dass, während er einst noch beim tief reaktionären Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, der den Streikenden im März 1920 in den Rücken gefallen war, herumtollte, warf sich der Graf mit dem Verfassungsstaat gegen die Kapp-Lüttwitz Leute auf. Als Staatssekretär und Abgeordneter des Reichstages gestaltet er vom liberal-konservativen Standpunkt die ökonomischen Lebensfragen der arbeitenden Klasse und erreichte über die Sozialgesetzgebung historische Fortschritte. Ihm schlechterdings vorzuwerfen, dass er jetzt nicht auf die Barrikade klettert und die revolutionäre Sozialpolitik vollendet, löst den Verstand völlig von den Verhältnissen ab. Als er von den Rechten und Pflichten des Bürgers sprach, drohten seine Worte im Saal endgültig im Krach und Lärm unterzugehen.

Fünf Jahre später verhallen wieder ungehört Stimmen. Diesmal das Stöhnen und die quälenden Schreie von Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und Kommunisten, die in den Kellern der SA-Feldpolizei misshandelt und gefoltert werden.

 

 

Konservativer Vordenker
der staatsbürgerlichen Erziehung

Als Dechant des protestantischen Domkapitels Rechtsritter des Johanniterordens übernimmt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner für die Domschule eine Vordenkerfunktion in der staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend.

 

Stiftisches Domgymnasium

Studiendirektor Dr. Bruno Kaiser

Patronat
Domkapitel zu Naumburg an der Saale

Herr Staatsminister a.D.
Dr. Graf von Posadowsky-Wehner

 

Vom 29. August bis 1. September 1930 feiert die Domschule das neunhunderste Jahr ihres Bestehens, woran Vertreter der höchsten Staatsbehörden, der Kirche und benachbarten Universitäten als Gäste teilnahmen.

"Ich entsinne mich noch gut an die 900-Jahr-Feier der Schule im Sommer 1930," schreibt der Zeitzeuge Hans-Gert Kirsche (2006), "die mit großem Pomp begangen wurde.

Als Vierjähriger sah ich aus einem Fenster unserer Wohnung am Bismarckplatz (der jetzt nicht mehr so heißt) den Festzug unter mir vorbeiziehen, in dem mein Bruder unter den Sextanern und mein Vater unter den Abiturienten des Jahrgangs 1907 mitmarschierten. Rührend und zugleich imponierend das Defilee dieser unzähligen dickbäuchigen, glatzköpfigen oder grauhaarigen alten Herren, die aus aller Welt gekommen waren, um mit der blauen Schülermütze auf dem Kopf das Jubiläum ihrer alten Schule zu feiern." 

Viele hundert Schüler und Gäste reisen Ende August 1930 nach Naumburg. Vor Beginn der Feierstunde müssen die Teilnehmer von der Aula in die Marienkirche am Dom umziehen. Auf dem Festakt zum 900-jährigen Jubiläum der Domschule hält der 85-jährige Dechant Arthur Graf von Posadowsky-Wehner die Festrede. Sie kreist um die sittliche und ethische Erziehung der Jugend, deren Ziel er am 2. April 1918 in Dresden auf dem Christlich-Sozialen Kongress so absteckte:

"Wir sollten uns enger an das eigene Vaterland anschliessen und unsere Heimat höher schätzen lernen, die Jugend zu glühendem Staatsbewusstsein, zu Sparsamkeit, Sittenstrenge, Tüchtigkeit erziehen."

"Das selbstlose Staatsgefühl ist es," betont er, "welches zur Größe eines Volkes führt, erhaben über den Streit der Parteien. Die höchste Aufgabe der Schule ist es deshalb, dieses Staatsgefühl in den Herzen der Jugend zu entwickeln .… Die Schule soll nicht nur wissenschaftlich lehren, ihre hohe Pflicht ist, sittlich zu erziehen." Von dieser Aufgabe hegt er klare Vorstellungen. "Religiöses Gefühl, Achtung vor dem Rechte der anderen, strenge Selbstbeschränkung, sachliches und damit gerechtes Urteil über den Menschen und Zustände, körperliche Selbstzucht, das sind die Aufgaben der ethischen Erziehung, welche der Schule neben der Bahn der Wissenschaft obliegen." (Zitiert nach Büchner 1933, 28)

Der von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner präsentierte Wertekanon der schulischen Erziehung gilt bei den Nationalsozialisten als nicht erstrebenswert, worin sich der Unterschied und Gegensatz zwischen wertkonservativer und nationalsozialistischer Denkweise spiegelt.

 

 

Diese Politik ist nicht mehr erträglich  zurück
Posadowsky-Wehner, 16. Februar 1932

In der Besprechung des Reichkanzlers mit Gewerkschaftsvertretern am 15. Juni 1931, 12 Uhr, erheben einige Teilnehmer gegen die Politik der Notverordnungen ernste staatsrechtliche Einwände. "Die Notverordnung enthalte" Dinge, bringt ein Gesprächspartner zum Ausdruck, die nicht zu verteidigen seien." Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), Herr Theodor Leipart, erklärte in dieser Beratung, "daß er trotz des Gehörten, das für ihn kaum Neues gebracht habe, nicht davon überzeugt sei, daß die Notverordnung unabänderlich sei. Die Gewerkschaften seien vielmehr überzeugt, daß die praktische Durchführung der Notverordnung ins Chaos führe." Der Gewerkschaftsmann fürchtet (a) die gefährliche Volksstimmung, (b) einen Rechtsrutsch und (c) die sozialen Folgen. Posadowsky-Wehner macht hingegen vor dem Preußischen Landtag vor allem verfassungs- und staatsrechtliche Einwände geltend. Für ihn steht fest:

"Man hat das Notverordnungsrecht missbraucht, um Gesetze durchzubringen, die mit der öffentlichen Ordnung nichts zu tun haben .…"

"Nein, meine Herren von der Regierung," reibt er ihnen am 16. Februar 1932 unter die Nase, "man kann einen Verfassungsstaat, von dem man behauptet, dass er der freieste Staat der Welt sei, und ein Volk mit mehr als tausendjährige Kultur nicht mit solchen Notverordnungen regieren." Um die Tragweite zu verdeutlichen, zitiert er die englische "Times" mit dem Satz: "Die jüngste Notverordnung stellte Eingriffe in die bisherigen Rechtsverhältnisse insbesondere privatrechtlicher Art dar, wie sie bisher außerhalb der Sowjetrepublik noch nicht dagewesen seien."

 

 

Der Deutschland-Plan   zurück

Am 23. Oktober 1932 stirbt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Alter von siebenundachtzig Jahren in Naumburg.

 

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1845-1932)

Nach einem Porträt von
Fritz Amann (1878-1969)
aus dem Jahr 1912.

 

Jetzt trauern die Naumburger um ihn, begleiten seinen letzten Weg. Zeitzeugen sprechen von einem respektablen Staatsbegräbnis. Doch wo waren sie, als es darauf ankam, der bürgerlich-nationalen Politik eine demokratische und volkwirtschaftlich reale Reformperspektive zu geben? Damals hießen ihre Helden und Sympathieträger Max Jüttner (1, 23), Theodor Duesterberg (123), Franz Seldte (Stahlhelm), Kamerad Löwe (Stahlhelm), Georg Schiele (DNVP) und nach 1930 Friedrich Uebelhoer (NSDAP). Warum hakten sich die Bürger nicht bei ihm unter? W a r u m?

 

Die Rede von Posadowsky am 24. August 1924 zur Einweihung der Gedenktafel im Naumburger Dom enthält kritische Akzente zum Westen, verwirft aber nicht leichtfertig dessen Fortschrittskonzept. Die Fehler der "Kabelabschneider" von 1914 wollte er nicht wiederholen. Davor bewahrte ihn sein Erfahrugen als Handelspolitiker. So war es für ihn kaum vorstellbar, was Thomas Mann vorschwebte, nämlich die deutsche Kultur von der Politik des Westens und seiner zersetzenden Kultur abzuschirmen. Die Revision europäischer Verhältnisse und Verdammung des Westens, die der Stahlhelm, die Vaterländischen Verbände und wilhelminischen Generäle am 11. Mai 1924 zum Deutschen Tag in Halle (1924) organisierten, wollte er sich ebensowenig anschliessen wie dessen Zielen und Methoden der Repräsentation.

• Wenn, so befürchten viele Konservative, Deutschland zum westlichen Demokratismus konzediere, befürchtet Thomas Mann, könnte der geistige Krieg gegen die westlichen Literaten, denen das Wörterbuch der französischen Revolution eigen, verloren gehen. Unter diesen Verlustängsten der "Betrachtungen eines Unpolitischen" (1919) litt Posadowsky nicht, obwohl ihn der Missionarismus des US-Präsidenten Woodrow Wilson (1856-1924) empörte. Als Alternative entwarf er nach der Revolution in mehreren Etappen und aus unterschiedlichen Anlässen eine Sammlung von Ideen und Vorschlägen zur Zukunft der Nation, den

Deutschland-Plan.

• Immer wieder setzte er sich mit der Entstehung, der schrecklichen und tragischen Wirkung von Feindbildern in der Literatur, Kunst und Politik auseinander. Eine Fortschreibung oder Vitalisierung des Kriegs-Feindbildes 14/18 kam ihn nicht in den Sinn. Sein Deutschland-Plan baut nicht auf dem Fundament eines militärisch, aggressiven Nationalismus, sondern unterschied genau zwischen dem gefährlichen, militanten, rassistisch aufgeladenen Nationalismus und der Notwendigkeit einer nationalen Identität, dem kulturvollen deutschen Nationalbewußtsein. Das war nicht nach Art der streng nationalen Familie, des Stahlhelms und der Nationalsozialisten.

• Die politische Sprache von Posadowsky-Wehner war korrekt, klar, eindeutig, vielfältig und angenehm intellektuell. Aber sie passte nicht zur herrschenden politischen Mode: Hetze gegen die Juden, Sozialisten und Kommunisten, moralisch überbordendes Deutschtum, Einsatz vitalisierte Feinbilder von 14/18, Produktion antiwestlicher Stimmungen, selbstverliebter, aggressiver deutscher Nationalismus, offene und versteckte, intensive Diskreditierung der Demokratie. Sein sittlich-christlicher Verhaltenscodex von antisemitischer und -rassistischer Dignität, stieß Ende der zwanziger Jahre zunehmend auf den Rassenwahn der Rechten. Dazu kam noch die oft zelebrierte peinliche Kraftmeierei, die Überschätzung Deutschlands wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. All dies war überhaupt nicht nach Art eines Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, was wiederum die streng nationale Familie nicht ästimierte.

• Im Ergebnis seiner Studien zu den Aufgaben des Völkerbundes, der Polen-Frage, zur Entstehung staatspolitisch relevanter Feindbilder und der Zukunft des Deutschtums, wurde ihm klar, dass Deutschland das Vertrauen der Staaten und ihren Respekt, nicht durch eine Neue Weltpolitik gewinnen konnte, wohl aber mit Arbeit, Tüchtigkeit, technischem Erfindergeist, präsentiert auf dem internationalen Markt, und einem funktionstüchtigen (!) Rechtsstaat im inneren.

• Als Fundament der Republik wählt Posadowsky den demokratischen Verfassungsstaat, wovon er zu keinem Zeitpunkt abrückt. Kompromisslos lehnte er jeden Durchbruch der Verfassung und die Missachtung der Gesetze, und sei es durch die Exekutive und Legislative, ab. Der Naumburger entschied sich zur Landtags- und Reichstagswahl anders, eigentlich deutlich dagegen, nämlich für die Politik des Stahlhelms, der militanten Kriegerverbände und Kolonialgesellschaft, also deutschnational in der alldeutschen, völkischen Diktion von Georg Schiele, dessen Ziel es war, die Verfassung der Weimarer Republik zu deligimetieren.

• Und die Linke? Was tat sie? Etwa so:

`Höre ich Posa? - Ach nee, der ist doch konservativ!`

Und das reichte, vor allem für den Kommunikationsabbruch, wobei die meisten, das kam noch außerordentlich erschwerend hinzu, nicht zwischen "konservativ" und "reaktionär" unterschieden. Eigentlich brauchten sie ihn mit seinem Wissen und den Erfahrungen auf dem Gebiet der Sozial-, Haushalts-, Rechts- und Geldpolitik. Und in der Frage des sozialen Charakters der staatlichen Ausgabenpolitik mit hohen Gebrauchswerteigenschaften, bewertet und organisiert zugunsten der breiten Masse, konnten sie, wenn sie nur wollten, voneinander lernen.

• Posadowsky verstand sich als Konservativer. Gemessen an den Bedürfnissen der Gesellschaft, nahm er zu wichtigen Fragen der Zeit, eine fortschrittliche und moderne Haltung ein. Für alle, die nicht dem Aberglauben verfallen, dass man dies nur als Politiker der Mitte oder Linkspolitiker kann und darf, entsteht daraus kein Problem.

Die Wohnungsfrage wollte Posa als das Wichtigste überhaupt behandelt wissen, was das Herz eines jeden Linken höherschlagen lassen musste! Aber nein, sie verschmähten ihn, weil er privates Kapital zur Lösung der Wohnungsfrage als Problem nutzen wollte, obwohl sein Konzept mit einem bemerkenswert ganzheitlich programmatischen Ansatz nahezu sozial-revolutionären Charakter trug. Das sollte aufhorchen lassen. Tat es - in seinem Naumburger Umfeld nicht, weil ein Ensemble von traditionellen Meinungsmachern aus SPD, KPD, Reichsbanner, sozialistischen Sportvereinen, Gewerkschaften und Kulturkartell am Werk, die die Bündnisfrage vorrangig in der Sphäre der Progression konstruierten, von der Aufgabe der Anpassung, Verfall und Erhaltung abtrennten und damit die Einheit des historischen Prozesses ideologisch zerstörten. Andernfalls wäre die Handlungsnot als zwingend erkannt. Hinzu kamen eine Reihe handfester sozial und ideologisch manifestierter Parteiinteressen, die das nicht zuliessen.

• Ihn wegen Passagen, etwa aus der Rede vom 14. Februar 1919 vor der Nationalversammlung, dass Urteil vom rückwärtsgewandten Politiker oder Gegner der Republik aufzuherrschen, wäre völlig falsch und extra-ungerecht. Nicht allen, nichtsdestoweniger wesentlichen Forderungen der Arbeiterbewegung trat er achtungs- und verständnisvoll gegenüber. Wohl führte er phasenweise einen energischen ideologischen Kampf gegen SPD, USPD, KPD. Niemals wollte oder würde er aber je den Streit mit ihnen vor den Toren von Zuchthäusern und Konzentrationslagern austragen. Er war einer der fairsten und anständigsten Gegner der Linken, den die deutsche Geschichte hervorbrachte. Demokratie nach Kassenlage, Notverordnungen, lehnte er ab! All das bleibt von der Progressions-Linken unreflektiert und unbeantwortet. Der Ball wird nicht zurückgespielt.

• Posadowsky`s demokratische Persönlichkeit ist nicht das Produkt der Revolution von 1918/19, obgleich sie darauf natürlich in verschiedenster Form Einfluss nimmt. Auch als kaiserlich Ministerieller zeigt er demokratische Neigungen und nimmt hierfür Schwierigkeiten und Ungemach auf sich, zum Beispiel, wenn er seine Aufgaben als Staatssekretär unter Einbeziehung des Parlaments und der Parteien lösen will. Wie ernst es ihm damit ist, beweist er in der Nachrevolutionszeit speziell auf dem außerordentlich schwierigen Feld der Geldpolitik. Nach seiner Überzeugung muss

Angesichts von Kriegsgewinnlern, Getreidehalunken, Schuhwucherern, Nahrungsmittelfälschern, Kursjägern an der Börse, Schiebern und Schwarzschlachtern fällt es leicht vereinfachte Vorstellungen von Gerechtigkeiten fallen zulassen. nie aber die Idee, dass ein Staat immer nach Gerechtigkeit streben muss. Das war eine der staatpoltisch Überzeugung von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Er steht damit in der modernen Tradition des Demokratie-Verständnisses, wie es Alexis de Tocqueville in Über die Demokratie in Amerika (1831,158) aufbrachte:

"Das Ziel, auf das jede Regierung hinarbeiten muss, ist die Gerechtigkeit; sie ist das Ziel, das die Menschen sich setzen, wenn sie sich zusammenschließen."

Gewiss traf er politische Entscheidung, etwa auf dem Gebiet der Zollpolitik, die hinsichtlich der Gerechtigkeit ambivalenten Charakter tragen. Das war so, und ist in der Klassengesellschaft unvermeidlich. Zugleich mühte er sich redlich, den Maßstab der Gerechtigkeit in den verschiedenen Feldern der Politik Anerkennug zu verschaffen. Darunter die Geldpolitik, die Gleichheit vor dem Gesetz (Rechtsstaat) und Sozialpolitik als Ausgleich von unternehmerisch und volkwirtschaftlich bedingter Einkommensunterschiede. Demokratie war für ihn nicht allein eine Lehre von den Institutionen (Parlament, Verfassungsgericht, Wahlrecht, Wahlkreisgestaltung und so weiter), sondern setzte ebenso ein Repertoire an sozialen Verhaltensweisen, wie Offenheit, Wahrhaftigkeit, Achtung der Öffentlichkeit, voraus. Eine demokratische Großtat für Gerechtigkeit war seine konsequente Ablehnung der antisemtischen Hetze und Propaganda.

Demokratie gedeiht seiner Überzeugung nach nur durch ein offenes, transparentes und freundliches Sozialverhalten, wo die politische Erziehung mittels Gewalt in den unterschiedlichsten und versteckten Existenzformen geächtet, das gesellschaftliche Leben bis in die Familien hinein frei von der Androhung oder Anwendung von Gewalt ist. So dachte er und er lebte vor.

Ihm ist nicht nur ungeheuer wichtig, den Bürger vor der Unterdrückung durch die Regierung zu bewahren, sondern auch die Minderheit vor dem Terror der Mehrheit zu schützen. Letzteres sind Momente, die in der deutschen Demokratie-Theorie und Praxis oft eine untergeordnete Rolle spielen, sehr wohl aber aus der utilitaristischen Lehre des John Stuart Mill (Über die Freiheit, 1859) gut bekannt sind. Von Posadowsky liegen flüchtige Angaben über längere Aufenthalte in England vor .....

 

 

Unser Erbe: Der Posadowsky-Codex, der Sozialstaat und eine volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik  zurück

Nur ganz wenige seiner Profession durchdrangen die Fragen der Zeit so tief und gründlich wie Graf Posadowsky. Sein Beitrag zum sozialen Fortschritt der Nation und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der werktätigen Klasse leben über die Zeiten fort. Er verwarf die politische Idee, die Weimarer Republik rechtlich zu delegitimieren (Georg Schiele, Naumburg) und das Konzept vom Kapp-Putsch. Weitsichtig trat er als Abgeordneter des Preußischen Landtages für die Konstituierung und den Schutz des Verfassungsstaates ein. Das Bedürfnis des Bürgers nach Freiheit und persönlicher Sicherheit soll sich entfalten können, was durch die Innen- und Rechtspolitik adäquat begleitet werden muss. Von existentieller Bedeutung für den demokratischen Staat ist in diesem Kontext die Herausbildung eines modernen, würdigen und von allen Bürgern gepflegten Rechtsbewusstsein.

Der Posadowsky-Codex      zurück

verpflichtet, die Rechte des anderen zu achten, ihn nicht zu verletzen, stets um ein sachliches und gerechtes Urteil über Bürger, Zustände und Verhältnisse zu ringen, körperliche Selbstzucht und strenge Selbstbeschränkung zu üben, verlangt vom Citoyen ein selbstloses Staatsgefühl und hohes Rechtsbewusstseins auszubilden. (Siehe Rede 25.08.1924) 

Nah bei den Sorgen des Bürgers und seinen wirklichen Nöten, engagiert sich Posadowsky nach seinem 80. Geburtstag weiter für eine gerechte und volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik. Ihm war nicht entgangen, dokumentiert die Rede vom 27. Februar 1929 vor dem Preußischen Landtag, dass keine Geldpolitik den Grundsatz von Treu und Glauben mehr schändete und damit das Vertrauen der Bürger in die Institutionen des Staates von Grund auf zerstören konnte als die Aufwertungsgesetzgebung. Was er auf diesem Gebiet der Geldpolitik hinsichtlich Aufklärung und parlamentarische Mitarbeit leistete, war außergewöhnlich.

Nach allen Erfahrungen, Niederlagen, verheerenden ökonomischen Krisen und Kriegen die Deutschland durchlebte, kann die vernünftige Geldpolitik und der Sozialstaat auf Grundlage einer technisch-ökonomisch leistungsfähigen Volkswirtschaft, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer historisch neuen Identität des deutschen Staates sein. In ihm stehen die Bürger aller Klassen und Schichten gleichberechtigt und anerkannt unter der Herrschaft des Gesetzes eines liberal, humanen und auf gesetzlicher Grundlage tätigen Staates, der soziale Lebenschancen für alle sichert. Synchron dazu, auf dem konkreten historischen Niveau der Produktivkräfte, muss er immer wieder neu auf gerechte Verhältnisse im Arbeitsleben, Bildungs-, Schul- und Gesundheitssystem sowie in der Wohnungs- und Geldwirtschaft  d r ä n g e n.

Deutschland soll sich militärisch verteidigen können. Als erstes ignorierte der Deutschland-Plan die Verordnung des Reichskanzler Bernhard von Bülow vom 14. November 1906 zur Therapie des Einkreisungs-Syndroms. Damit kann das Problem der

schicksalshaften Mittellage Deutschlands

zwischen Ost und West, wo der "römischen Westen" die "germanische Welt" abtrennt, wie es Thomas Mann 1918 in den "Betrachtungen" aufnimmt, in erstaunlicher kurzer Weise bewältigt und aufgelöst werden. Deutschland kann und muss sich auf seine legitimen nationalen Interessen besinnen, ohne die anderen europäischen Staaten in ihren Sicherheitsbelangen zu ignorieren. Frankreich kann aus der ideologischen Fessel des Erbfeindes befreit werden und die "Vordertatze des russischen Bären" (Georg Schiele) verbliebe in der schönen Taiga und langte nicht nach Mitteleuropa.

Ob die anstrengende Republik die Gefahren der wirtschaftlichen Konkurrenz zwischen den Staaten und -gruppen bant, ist damit leider nicht entschieden.

Den Bürger erwartet mit Posa´s Deutschland-Plan die

anstrengende Republik.

Sie verlangt von ihm die Übernahme umfangreicher gesellschaftlicher Pflichten, vornan die unbedingte Achtung der Gesetze und der demokratisch erstimmten Verfassung. Doch die Einen - Welt- und Rassenpolitiker, Blitzkrieger, Sozialisten- und Kommunistenhasser - wollten dies nicht. Die Anderen würdigten die sozialen Fortschritte der 20er Jahre nicht angemessen, träumten von der klassenlosen Gesellschaft. Eine andere große Gruppe, die Legalisten, pflegten weiter ihre Illusionen vom Wesen der politischen Macht. Übrig blieb der unpolitische Rest, denen sowieso alles Belanglos erschien. Dummerweise war es die große Mehrheit! So konnte die Hitler-Bewegung nicht zurückgedrängt und niedergeworfen werden.

Unter Führung und Obhut von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner hätte Deutschland nicht den Weg in die faschistische Diktatur gewählt und die Völker der Welt mit Krieg überzogen.

Sein Herz schlug für Deutschland.

 

 

 

Quellen   zurück

 

Abkürzungen im Text:

BZ = Berliner Zeitung

FZ = Frankfurter Zeitung

GA = Grazer Abendblatt

JV = Jenaer Volksblatt

NBT = Naumburger Tageblatt

LVZ = Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes

V&R = Arthur Graf von Posadowsky-Wehner: Volk und Regierung im neuen Reich, 1932

VS = Volksstimme. Sozialdemokratisches Organ für den Regierungsbezirk Magdeburg

Vorwärts = Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

 

 

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Reden und Vorträge von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet.
Siehe auch "Über Posadowsky-Wehner"

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Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede im Reichstag. 6. Sitzung am 27.11.1893. In: Parlamentsberichte. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 28. November 1893

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede im Reichstag. 7. Sitzung des Reichstages am 28. November 1893. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 29. November 1893

[Posadowsky-Wehner: Rede im Reichstag]. Deutscher Reichstag. "Ostdeutsche Rundschau." Wien, den 30. Jänner 1894

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. 38. Sitzung des Reichstages am 30. Januar 1894. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 31. Januar 1894

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. [Diskussion des Antrages Friedberg = von Kardorff = Lieber = Graf Mirbach betreffend die Veranstaltung einer internationalen Konferenz für die Währungsfrage]. 39. Sitzung des Reichstages am 16. Februar 1895. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 17. Februar 1895

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 9. Sitzung des Reichstages. Montag, den 13. Dezember 1897 [Betreffend der Kritik an August Bebel]. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 171 bis 176

Posadowsky-Wehner. Rundbrief Aktenstück vom 11. Dezember 1897. [Abgedruckt in] Arbeitertrutz, kein Arbeiterschutz!. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1898, Seite 1

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 12. Sitzung des Reichstages. Montag, den 16. Dezember 1897. Fortsetzung und Schluss der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 287 bis 288

Posadowsky-Wehner: 65. Novelle zum Flottengesetz. Am 8. Februar 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 294 bis 299

Posadowsky-Wehner: 65. Novelle zum Flottengesetz. Am 10. Februar 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 299 bis 303

Posadowsky-Wehner: 2. Verfassungsfragen. Am 12. Dezember 1898. [Rede vor dem Reichstag] In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 4 bis 9

Posadowsky-Wehner: Elsaß Lothringen. [Rede vor dem Reichstag] 13. Dezember 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 9 ff.

Posadowsky-Wehner: Wieder Bebel. Am 15. Dezember 1898. [Rede vor dem Reichstag] In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 10 bis 13

Pro domo. Am 13. Dezember 1899. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 233 bis 236 [Reichstagsrede vom 13. Dezember 1899]

Posadowsky-Wehner: Gegen den Abgeordneten Bebel. Am 12. Dezember 1900. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 397 bis 398

Posadowsky-Wehner: Eröffnung des Deutschen Handelstages. Am 8. Januar 1901. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiken. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 398 bis 399

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. 111. Sitzung des Reichstags am 12. Dezember 1901. In: Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 13. Dezember 1901

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von, Staatsminister, Staatssekretär des Inneren:
Rede vor dem Reichstag. Zweite Beratung des Reichshauhalts-Etats für das Rechnungsjahr 1902. 124 Sitzung. 22. Januar 1902. In:
Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. X. Periode. 10. Legislaturperiode, II. Session 1900/03. Vierter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags Anstalt, Berlin 1902, Seite 3583 bis 3586

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Debattenbeitrag am 29. November 1904 auf der 101. Sitzung des Deutschen Reichstages. In: "Jenaer Volksblatt". Jena, den 1. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner: Rede vor dem Reichstag am 13. Dezember 1904. In: Dämmerung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt, Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 16. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner [Bericht über seinen Debattenbeitrag zur Zwangsversicherung des Handwerks am 13. Dezember 1904 im Reichstag] In: Dämmerungen "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 19. Sitzung des Reichstages. 12. Dezember 1905. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. 1906/06. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 28. November 1905 bis zur 31. Sitzung am 30. Januar 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, 237-241

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Von der 32. Sitzung am 31. Januar 1906 bis zur 58. Sitzung am 6. März 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1047 bis 1051

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 88. Sitzung des Reichstages. 26. April 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis ur Vertagung ser Session. Vierter Band. Von der 88. Sitzung am 26. April 1906 bis zur 115. Sitzung am 28. Mai 1906. Von Seite 2701 bis 3589. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 2708 bis 1051

Posadowsky-Wehner: Rede. 139 Sitzung. 12. Dezember 1906. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 13. Dezember 1906

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 5. März 1907 In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I. Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 252 bis 253

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Sitzung des Reichstages. Sonnabend, den 9. März 1907. Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, Befähigungsnachweis, Ausverkaufswesen, Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen, Arbeitskammer. In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I. Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 344 bis 347

Posadowsky. Die Wohnungsfrage als Kulturproblem. Vortrag, gehalten in München am 5. Januar 1910 in einer öffentlichen Versammlung des Bayerischen Verbandes für Wohnungsförderung. München Ernst Reinhardt, 32 Seiten. Rezension. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der Sozialdemokratie. 28 (1909-1910), Zwei Bände (1910), Heft 42, Seite 541 bis 542

Posadowsky-Wehner: Eröffnungsrede auf dem Wohnungskongress. Der zweite deutsche Wohnungskongress. "Der Arbeiter-Zeitung". Wien, 25. Juni 1911

[Jenaer Rede] Eine Rede des Grafen Posadowsky über die politische Lage. "Jenaer Volksblatt". Jena, 20. Januar 1912

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. 25. April 1912 . 46. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 284. Stenographische Berichte. Von der Eröffnungssitzung am 18. März 1912 bis zur 50. Sitzung am 29. April 1912. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1912, Seite 1426 bis 1428

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. Mittwoch, den 28. Februar 1912. 15. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 283 Stenographische Berichte. Von der Eröffnungssitzung am 7. Februar 1912 bis zur 28. Sitzung am 16. März 1912. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1912, Seite 329 bis 333

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. 6. Februar 1913. 105. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 287 Stenographische Berichte. Von der 92. Sitzung am 16. Januar 1913 bis zur 110. Sitzung am 12. Februar 1913. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1913, Seite 3548 bis 3549

[Posadowsky-Wehner] Was regiert die Stunde. 1915. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 38 ff.

Der Graf von Posadowsky-Wehner. "Neues Wiener Journal." Wien, den 5. August 1915

Posadowsky-Wehner erklärt. Nochmals die Kühlmann-Reden. Abgeordneter Graf von Posadowsky-Wehner erklärt. "Neues Wiener Journal. Unparteiisches Tagblatt". Wien, den 27. Juni 1918

[Posadowsky-Wehner] Vortrag des Grafen von Posadowsky-Wehner. "Naumburger Tageblatt." , Naumburg, den 17. Januar 1919

Posadowsky-Wehner, Graf von: Wahlfragen. 8. April 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 82 ff.

[Posadowsky-Wehner] Am Scheideweg. Verfasst am 28. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 42 ff.

[PWd] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. 7. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 326. Stenographische Bericht. Von der 1. Sitzung am 6. Februar 1919 bis zur 26. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW 1920, Seite 79 bis 88

[PWa] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919. 30. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 836 bis 839

[PWb] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 13. März 1919. 27. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 752 bis 754

Posadowsky in der deutschen Nationalversammlung. Debatte über die Friedensbedingungen. In: Deutsche Nationalversammlung. "Grazer Abendblatt". Graz, den 13. Mai 1919

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages. 22. Juni 1919. In: Politische Reden III. 1914 bis 1915. Herausgegeben von Peter Wende unter Mitarbeit von Andreas Fahrmeir. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Mai 1994, Seite 271 bis 287

Posadowsky-Wehner, Graf von: Rede. 9. Juli 1919. Nationalversammlung. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 10. Juli 1919

[PWc] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 7. Oktober 1919. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 330. Stenographische Bericht. Von der 91. Sitzung am 4. Oktober 1919 bis zur 112 Sitzung am 29. Oktober 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 2892 bis 2900

Posadowsky-Wehner: Rede am 7. Oktober in der Sitzung der Nationalversammlung. In: "Arbeiter-Zeitung, Zentralorgan der Sozialdemokratie Österreichs". Wien, den 8. Oktober 1919, Seite 3

Posadowsky-Wehner, Graf von: Mr. Pecksniff. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 3 ff.

Posadowsky-Wehner: Stimmungen. Verfasst am 4. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 17 bis 26

Posadowsky-Wehner, Graf von: Englischer Nebel. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 3 ff.[Posadowsky-Wehner] Stimmungen. Verfasst am 4. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 34 ff.

Posadowsky-Wehner: Wider dem Strom. Verfasst am 12. Dezember 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 47 ff.

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf: Gegen Bauer und Noske. Am 7. Oktober 1919. Deutschnationale Schriftenvertriebsstelle. Berlin 1919

Posadowsky-Wehner: Aus tiefer Not. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 54 ff.

Posadowsky-Wehner: Unsere Auslandsdeutschen. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 99 bis 103

Posadowsky-Wehner: Die Berliner Wohnungsfrage. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 129 bis 135

Posadowsky-Wehner: Die Wohnungsfrage ein Kulturproblem. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 140 ff.

Posadowsky-Wehner: Totes Rennen [17. Jnui 1920]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 176 bis 179

Posadowsky-Wehner: Rechts oder links. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 180 bis 184

Posadowsky-Wehner: Der starke Mann. [16. April 1920]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 113 bis 121

Posadowsky: Rede von Posadowsky-Wehner zur Denkmalseinweihung am Sonntag, den 24. August 1924. In: Domgymnasium zu Naumburg an der Saale. Bericht der Hauptversammlung des Bundes der Alten Domschüler und die Denkmalsweihe. Naumburg 1924, Seite 14 bis 15

Posadowsky-Wehner. In: Bund alter Naumburger Domschüler zu Naumburg a. d. Saale, Viertes Mitgliederverzeichnis und Bericht über die Denkmaleinweihe. Druck von H. Sieling, Naumburg an der Saale, Ostern 1925

Posadowsky-Wehner: Die Technik der Aufwertung. "Naumburger Tageblatt". Naumburg, den 5. Dezember 1925

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Wahlbeteiligung ist politische Reife. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. April 1925

Posadowsky, Graf: Im Lichte der Wirklichkeit. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 9. Januar 1926

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: .... In: "Gläubiger und Sparer". 29. Juli 1926. Zitiert hier nach: Dr. Markus Ettinger: Der Aufwertungskampf in Deutschland. Neues Grazer Tagblatt. Graz, den 22. August 1926

Wahlbeteiligung ist politische Reife. "Naumburger Tageblatt", Naumburg den 25. April 1925

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 53. Sitzung. 27. Februar 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 3. Band. 40. bis 53. Sitzung (4. bis 27. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 4194 bis 4196

Posadowsky-Wehner. Bericht über seine Rede als Alterspräsident des Preußischen Landtages am 8. Juni 1928. In: Handgemenge im Landtag. "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 9. Juni 1928

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 25. Sitzung. 15. Dezember 1928. Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 2. Band. 23. bis 39. Sitzung (13. Dezember 1928 bis 2. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 1621 bis 1625, 1628

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 53. Sitzung. 27. Februar 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 3. Band. 40. bis 53. Sitzung (4. bis 27. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 4194 bis 4196

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 19. April 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 5. Band. 72. bis 88. Sitzung (15. April bis 16. Mai 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 19290, Seite 6218

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 13. Dezember 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 9486 bis 9495

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 30. Januar 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 10274 bis 10278

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 179. Sitzung. 18. Oktober 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 15198

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 193. Sitzung. 19. Dezember 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 16634 bis 16642

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Rede [zur Kirchenpolitik]. Preußischer Landtag, 240. Sitzung. 8. Juni 1931. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 15. Band. 236. bis 248. Sitzung (9. Mai bis 10.Jumi 1931). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1931, Seite 24999

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 23. Januar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 23886 f. und 23888f.

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 16. Februar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 24108ff.

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart von Dr. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin. Richard Schröder Verlag, Berlin 1932

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 16. Februar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267. bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 24108f.

Parlament, wehre Dich! "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 9. Juni 1928

Rathenau, Walter: Ein dunkler Tag. "Vossische Zeitung. Königliche privilegierte Berliner Zeitung von Staats- und Gelehrten Sachen." Berlin, den 7. Oktober 1918 (Ausgabe A)

Der Reichshaushalt. Etat für 1894/95. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 17. November 1893, Seite 2

Reichskanzler, Der. Reichsamt des Inneren. Berlin, den 11. Dezember 1897. [Unterzeichnet] In Vertretung: Graf Posadowsky. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1897, Seite 1

Reichstag. 140. Sitzung. Donnerstag, den 13. Dezember 1906. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des Vorwärts Berliner Tageblatt." Freitag, den 14. Dezember 1906

[Reichstag.] Der Reichstag aufgelöst. Auf zum Wahlkampf! "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 14. Dezember 1906

Richter, Eugen: Rede. 28. November 1893. 7. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. IX. Legislaturperiode. II. Session 1893/94. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 16. November 1893 bis zur 32. Sitzung am 22. Januar 1894. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1894, Seite 126 bis 138

Richter, Eugen: Rede. 30. Januar 1894. 38. Sitzung des Reichstages. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 31. Januar 1894

Richter, Eugen: Rede. [Diskussion des Antrages Friedberg =von Kardorff = Lieber = Graf Mirbach betreffend die Veranstaltung einer internationalen Konferenz für die Währungsfrage] 16. Februar 1895. 39. Sitzung des Reichstages. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 17. Februar 1895

Richter, Eugen: Rede. 9. Sitzung des Reichstages. Montag, den 13. Dezember 1897. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 182 bis 193

Röhl, John C. G.: Der "Königsmechnismus" im Kaiserreich. In: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. Verlag C.H. Beck, Nödligen 1887, Seite 116 bis 140

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Schemann, Ludwig: Wolfgang Kapp und das Märzunternehmen vom Jahre 1920. J. F. Lehmanns Verlag München, Berlin 1937

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Severing erledigt die Opposition. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin den 15. Oktober 1925

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Über Arthur Graf von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet

Ein neuer Reichs-Schatzsekretär. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 13. August 1893

Die Sparthätigkeit des Reichsschatzsekretärs Graf Posadowsky. "Jenaer Volksblatt. Illustriertes Sonntagsblatt und Allgemeine Mitteilung für Land- und Hauswirtschaft." Jena, den 4. Oktober 1893

Ernennung von Posadowsky-Wehner zum Staatssekretär des Inneren und … In: "Das Vaterland". Nummer 181. Wien, den 3. Juli 1897, Seite 3

[Zuchthausgesetz] Arbeitertrutz, kein Arbeiterschutz!. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1898

[Tuberkulose] Die Bekämpfung der Tuberkulose. "Die Zeit." Wien, den 24. Mai 1907

Es wird eine neue Kiste angebrochen. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 24. Juni 1907

Zum Ministerwechsel. "Jenaer Volksblatt". Jena, den 26. Juni 1907

Graf Posadowkys Kandidatenrede. "Voralberger Landes-Zeitung". Bregenz, den 1. Dezember 1911

Berliner Reichstagsköpfe. "Fremde Blatt." Wien, den 16. September 1915

Die deutsche Verwaltung in Russen-Polen. "Fremden-Blatt". Wien, den 25. Juli 19....

Posadowsky-Wehner ... "Sport und Salon". Wien, den 8. April 1917

Offene Anfrage an den Grafen Posadowsky. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Januar 1919 [Unterzeichnet mit "Ein deutscher Demokrat."]

Führende Männer der Nationalversammlung. "Der Welthandel", Berlin, den 15. August 1919

Meldung zu Arthur Posadowsky-Wehner. "Freiheit. Organ Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 16. April 1920

[Arnim] Graf Arthur von Posadowsky-Wehner von ... In: Dr. Hans von Arnim und Professor Dr. Georg v. Below: Deutscher Aufstieg. Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der rechtsstehenden Parteien. Franz Schneider Verlag, Berlin, Leipzig, Wien und Bern 1925, Seite 387 bis 406

Wohl keiner der hohen Beamten ….. "Danziger Neueste Nachrichten", 03. Juni 1930.

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 03. Juni 1930

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 19342

Der rastlose Alterspräsident. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 9. Juni 1928

Die Eröffnung des preußischen Landtages. Blutige Schlägereien in der ersten Sitzung. "Salzburger Volksblatt". Salzburg, den 9. Juni 1928

Ein intressanter Antrag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt, Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 01. März 1930

Graf Arthur von Posadowsky-Wehner ….. In: Tagebuch der Zeit. Jahrgang 11, Heft 23. Berlin, den 7. Juni 1930, Seite 882 bis 883

Graf Posadowsky-Wehner. "Berliner Tageblatt", Berlin den 24. Oktober 1932

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 1932

Büchner, P. (Braunschweig): Erinnerungen an Dr. Graf. von Posadowsky-Wehner. "Posener Tageblatt". Posen, den 24. November 1932

Freiherr: Ein Naumburger. Von Klaus-Dieter Kramer. "Naumburger Tageblatt". Online: http://www.naumburger-tageblatt.de/freiherr-ein-naumburger-366786, 03. Dezember 2014

Staatsmann aus Glogau: Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. "Neuer Glogauer Anzeiger." Nummer 6, Juni 2001

Beachte Autorennamen: Kautsky + Hansjoachim Henning + Wilhelm II. + Hans-Gert Kirsche + Adolf Leopoldt + Paul Wittko

Verboten - Verweigert - Abgelehnt. "Volksbote. Sozialdemokratisches Organ für die Kreise Zeitz, Weißenfels. Naumburg". Zeitz, den 26. Juli 1930

Voigt, Arno: Bilder vom Jagow-Prozess. "Die Weltbühne". 18. Jahrgang, 12. Januar 1922, Heft Nummer 2, Seite 31 ff.

[V & R] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart von Dr. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin 1932

Weicker, Hans, Stadtjugendpfleger von Weissenfels: Der Mensch, sein Werden und sein Wirken. In: Hans Weicker und Emil Saupe: Karl Hemprich. Ein Leben im Dienste der Jugend. Verlag Friedrich Stollberg (Ernst Schnelle), Merseburg (Saale) 1927, Seite 5 bis 94

Politische Übersicht. Der Neuhjahrstag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Centralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 3. Januar 1894

[Wilhelm II.] Reden des Kaisers. Ansprachen, Predigten, und Trinksprüche Wilhelms II. Herausgegeben von Ernst Johann. München 1966, Seite 55 bis 56

Wittko, Paul: Graf von Possadowsky. "Weser-Zeitung". Nummer 276, 2. Juni 1925

Wongrowitz, Kreis. Preußischer Landkreis von 1793 und 1919. Geschichte, Zahlen, Informationen. https://dewiki.de/Lexikon/Kreis_Wongrowitz#Einwohnerentwicklung

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Weber, Max: Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland (Preußische Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg, Großherzogtümer Mecklenburg, Kreis Herzogtum Lauenburg): Dargestellt auf Grund der vom Verein für Socialpolitik veranstalteten Erhebungen. Die Verhältnisse der Landarbeiter in Deutschland. Dritter Band. (Schriften des Vereins für Socialpolitik LV) Duncker & Humblot reprints 1892

Wirtschaftlicher Wochenbericht. "Vorwärts. Berliner Wochenblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 26. Februar 1905

[Wohnungskongress] Vom allgemeinen deutschen Wohnungskongress. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 19. Oktober 1904

 

 

Bunsen, Marie von: Zeitgenossen die ich erlebte. 1900-1930. Verlegt bei Koehler & Amelang GmbH, Leipzig1932

Heine, Heinrich: Die romantische Schule. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1985

Horkheimer, Max: Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Fischer Verlag, Frankfurt am Mai 1997

Mann, Thomas: Betrachtungen eines Unpolitischen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. Main 2004

Tocqueville, Alexis de: Über die Demokratie in Amerika. Philipp Reclam, Stuttgart 1985. Es wurde besonders die Textstelle Seite 158 bis 159 genutzt.

Jürgen Zimmerer, Joachim Zeller (Herausgeber): Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg 1904 - 1908 in Namibia und seine Folgen. Ch. Links Verlag, Berlin 2003

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Grafiken, Gemälde

Moses in der Wüste beschwört den Felsen um Wasser. Der Wahre Jacob. Nummer 175, Stuttgart 1893, Titelblatt

Venus die Auftauchende. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Nummer 213. Stuttgart, den 25. September 1894, Seite 1784

Großes Eröffnungs-Ballet. [Grand pas du Finanzreform]. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11, Heft 218, Stuttgart, den 1. Dezember 1894, Titelblatt

Klassengegensätze. Der Wahre Jacob. Nummer 19, Stuttgart 1894, Titelblatt

Nachdem der Schäfer gefesselt, können die Schafe bequem geschoren werden. Der Wahre Jacob. Titelblatt. Stuttgart 1895, Nr. 221

Man werfe oben 12000 Mark hinein und ein fertiges Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter fällt unten heraus. Der Wahre Jacob. Jahrgang 17, Heft 376, Stuttgart 1900, Seite 3395

Prügelknabe Posadowsky. Jugend. Nummer 9. München 18. Februar 1904

Das Kellerfest des Hottentottenblocks. Der Wahre Jacob. Nummer 542,
Stuttgart, den 30. April 1907, Seite 5367

Metzel Suppe. Der Wahre Jacob. Jahrgang 24. Heft 548, Stuttgart, den 23. Juli 1907, Seite 5473

Posadowsky Hetze. Der Wahre Jacob. Jahrgang 24. Heft 540, Stuttgart, den 2. April 1907, Seite 5367

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Nach einem Porträt von Fritz Amann (1878-1969) aus dem Jahr 1912

 

Quellen Anfang   zurück

Autor: Detlef Belau


Urfassung: 2005.
2014 überarbeitet.

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