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Als Staatssekretär des Reichsschatzamtes, des Reichsamtes des Inneren und Reichstagsabgeordneter gestaltet Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932) von 1893 bis 1907 auf dem Unterbau des persönlichen Regiments Wilhelm II. (Mommsen 2005) die grundlegenden Fragen der Sozial-, Finanz-, Handels- und Arbeitsschutzpolitik. Ihn zeichnet unermüdlicher Fleiß, rastlose Schaffenskraft kombiniert mit Gründlichkeit, Pflichtbewusstsein, geistiger Disziplin und eine den Bürger ansprechende Intellektualität aus. Seine Fähigkeit, an alle Klassen, Schichten der Gesellschaft nebst den Eliten, nachdrücklich die Frage der Gerechtigkeit zu richten, das Bemühen, Politik auf Vertrauen, Wahrheit und Recht zu gründen, verdienen hohe Wertschätzung. Er forderte, oder sollte man vielleicht besser sagen, er empfahl als Tribut an die politische Klugheit eine treffliche Behandlung der Arbeiter und Arbeiterinnen und Gewährung des Rechts auf Wohnung, drängte aber ebenso darauf, dass die Leistung der besitzenden Klasse, beispielsweise bei der Übernahme von Lasten in der Sozialgesetzgebung, anerkannt wird.


Die Karikatur Die gefährliche Ladung aus "Der Wahre Jacob" (1893) zeigt den neuen Staatssekretär des Reichsschatzamtes Arthur Graf von Posadowsky-Wehner beim Eintreiben der Steuern. Auf den Geldsäcken steht: "Börsensteuer", "Weinsteuer" und "Tabak-Fabrikatsteuer".

 

 

Die gefährliche Ladung

"Vom gefährlichen Gespenst erschreckt.
Der Esel springt zur Seite,

Geb` Acht, Du schlauer Treiber du,
Das ist der Anfang
der Pleite."

(= Orginal-Bilderunterschrift)

Die "gefährliche Ladung" veröffentlichte "Der Wahre Jacob" am 20. November 1893, also vier Tage nach dem der Deutsche Reichstag zuammentrat, um darüber zu entscheiden, ob das deutsche Volk für die Militärvorlage zahlen soll.
Ist es bereit die weiteren Militärausgaben zu Schultern? Von Ausnahmen abgesehen, sagen die Sozialdemokraten, haben sich "alle Schichten des Volkes in entschiedenster Weise" dagegen ausgesprochen. Deshalb fragt am 16. November 1893 der Vorwärts (Berlin) zu Beginn der langen und folgenschweren Session: "Wird der Reichstag diesmal, die Meinung des deutschen Volkes widerspiegeln?"

Die gefährliche Ladung. Der Wahre Jacob, Nr. 191, Titelblatt. Stuttgart, den 20. November 1893. (Die Grafik wurde unter Beachtung ihrer inhaltlichen Aussagen besonders auf der rechten Seite beschnitten, bearbeitet und verändert.)

Am 22. Oktober 1900 fiel der Vorhang in der Bueck-Woedtke-Posadowsky Affäre. Die Kritiker des Skandals verrissen den Hauptdarsteller als "12 000-Mark-Graf". Nachdem das Zolltarifgesetz am 25. Dezember 1902 durch den Reichstag beschlossen, verliehen die Sozialdemokraten ihn den Titel "Vater des Brotwuchers" und der "staatlichen Massenausplünderung". Einige Kollegen Reichstagsabgeordnete missbrauchten ihn öfter mal als Prügelknaben, was die renommierte Zeitschrift Jugend (München) dankenswerter Weise am 18. Februar 1904 öffentlich kritisierte. Über den Sturz im Juni 1907 des in Kreisen der Großindustrie und im unsozialen Junkertum verhassten Staatssekretär des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers, freute sich niemand mehr als seine politischen Gegner. Und auf die konnte er sich verlassen! Als Widerpart in der Sozialpolitik (1906/07). Auf dem Neuen Weg zum Wohnungsbau (1910) lagen genügend Stolpersteine. Die breite Nutzung des Erbbaurechts (1911/1920) - für ihn die geeignete Methode - verhinderte die German Gier.

Sein Konzept des demokratischen Verfassungsstaates bekämpften oder ignorierten deutschnationale "Parteifreunde". Andere redeten 1930, so der preußische Justizminister, leichtsinnig der Durchbrechungstheorie das Wort.

Als Deutschland 1923 sich von der Ruhrkrise, Reichsexekution in Sachsen, Thüringen und dem Hamburger Aufstand politisch etwas stabilisierte, nahm er den Kampf gegen die existenzbedrohende Inflations- und Aufwertungspolitik der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), gegen alle Schwankenden, Opportunisten und Karrieristen unterschiedlicher politischer Provenienz auf, die das Prinzip der Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Eigentums verraten. So wie Minister Hans Schlange-Schöningen (1886-1960), der 1932 den Schutz des Privateigentums als "Spitzfindigkeit" deklarierte, dem nachzurennen, keinen Sinn (mehr) macht und nun im Ehrenhain der Guten der Christlich Demokratischen Union (CDU) thront, während der Streiter gegen die Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit der Inflations- und Aufwertungspolitik der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) als "Gegner der Weimar Republik" etikettiert. Posadowsky kapitulierte nicht vor dem Unrecht der Hyperinflation und gründet die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP). Ihr Mandat trägt ihn 1928 in den preußischen Landtag, wo er für eine volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik, gegen die "Enteignung durch die Aufwertungsgesetzgebung" (1930) kämpft. Die Saalordner des Großkapitals tun alles, um seine Vorschläge zu zerstreuen. Gegenüber seiner staatspolitischen Fundamentalkritik an den Notverordnungen stellt man sich schwerhörig. Eindringlich warnt er vor Indolenz, Gleichgültigkeit, Selbstbetrug und der Tabuisierung gesellschaftlicher Probleme. So entstand der Deutschland-Plan, eine Sammlung von Vorschlägen und Initiativen für eine demokratische, rechtsstaatliche und souveräne Republik.

 

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932)
an den Kipp- und Verzweigungspunkten der Geschichte

+ Am Sockel des Denkmals + Aus dem Lebenslauf

 

Landrat und Landeshauptmann

Provinz Posen: Landrat in Wongrowitz und Kröben + Ernährungslage + Bodenfrage + Sachsengängerei + Wahlkampf in Blottwitz  + Posadowsky ein Parteisekretär? + Kulturkampf  + Schulwesen + Verkehrsverhältnisse + Erster Hauptsatz der Sozialpolitik + Abgeordneter und KircheArbeitsethos, Disziplin und OrdnungAbschied

 

Die Ära Posadowsky: 12. August 1893 bis 24. Juni 1907

Staatssekretär im Reichsschatzamt
(a) Moloch Militarismus, (b) Heeresvorlage, (c) Reichstagswahlen 1893, (d)  Caprivi meldet, (e) War er der Richtige? + Matrikularbeiträgen + Ideologische Steuerung und SchwindelEtat für 1884/95 + ReichsfinanzreformGrand pas du finanzreform, + "Miquel", ruft der Souffleur Miquel, Marx, Engels +
Posadowsky ein Agrarier? + Scheitern der Finanzreform + Nach dem der Schäfer gefesselt .... + Revirement

 

Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren
Posadowsky als Reformbremser?
 + Imperialismus, Welt- und Sozialpolitik +Tuberkulose-Bekämpfung + Der "Sozialismus ist ihm ...." + Flottenrüstung + Weltpolitik und Handel + Der Handelspolitiker + Es war zum allgemeinen Staunen Posadowsky + Handelsverträge, Industrielle und Junker + Zollpolitik + Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky + Zuchthausvorlage + Bekämpfung der Sozialdemokratie(a) Annäherung an die Sozialdemokratie, (d) Wer Recht erringen will, der muss..., (c) Wie noch kein Staat der Welt!, (d) Christliche Arbeiterbewegung, (e) Ist die Überwindung der Sozialdemokratie überhaupt möglich?, (f) Neue Impulse, (g) Junker, Großgrundbesitzer und Klassenpolitik, (h) Gegen Überreglementierung, (i) Das Vaterland, (j) Klassenkampf und Sozialpolitik (k) Sieg des Radikalismus? + Kernsätze der Sozialpolitik + Wollte oder durfte er nicht? + Staatssekretär für Sozialpolitik + Kellerfest des HottentottenblocksKolonialpolitik und Weltstellung + Reichstagswahlen 1907 + Bülow-Schlächterei + Der Sturz + Das Wohnungsproblem als soziale Frage

 

Reichstagsabgeordneter

Reichstagsabgeordneter + Impressionen + Mars regiert die Stunde (1915) + Friedensresolution 1917 + Kundgebung zur 7. Kriegsanleihe am 28. September 1917

 

Evolution und Revolution

Jede Zeit ist eine Sphinx, die sich in den Abgrund stürzt .... +  Revolution, Evolution, Teilnahme der Massen Dunkle Drohungen + Entwicklung und Wandlung + Kühlmann-Episode + Deutschtum und Auslandsdeutsche + Überfordert Reichskronen-Rede 1919Oppositionsführer der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP): Zweikampf Posadowsky-Juchacz, Kriegsschuldfrage, Spitzen beschneiden (Wilhelm Keil, SPD), Für und Wider der Demokratie, Selbstzucht und entbehrungsstarke Einsicht, Hauptsache keine kommunistischen Experimente

 

Abkehr von der deutschnationalen Politik

Kapp-Putsch + Ostjuden-FrageDie liberal-konservative Wende - antisemitisch und -rassistisch  + Austritt aus der DNVP + FürstenentscheidGegen Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit

 

Die anstrengende Republik

Teilen macht keinen Spaß + Materialismus des Besitzes + SubventionenBürgersinn und Verantwortung + Popularität der StaatsformRechtsbewusstsein wider Durchbrechungstheorie + Gedenkstein + Provinziallandtag + Reichspartei (VRP) + Geldpolitik + Haushaltskrise in Preußen fordert vom Volk Opfer + Konservativer Vordenker der staatsbürgerlichen Erziehung + Man hörte kaum die Sätze + Diese Politik ist nicht mehr erträglich

 

Unser nationales Erbe:
Der Deutschland-Plan, Posadowsky-Codex, Erste Hauptsatz der Sozialpolitik
und die volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik

Sein Herz schlug für Deutschland!

Deutschland-Plan + DemokratieGerechtigkeitRechtsbewusstsein + Der Posadowsky-Codex Identität Sozialstaat + Die anstrenge Republik

Quellen

 

 

 

Wozu viele konservative Politiker weder willens noch fähig waren, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner schafft es. Aus Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahlen rechnet er am 15. Januar 1919 in der Reichskrone (Bild) von Naumburg mit der Welt-, Flotten- und Kolonialpolitik von Wilhelm II. (1859-1941) ab. Vielleicht nicht in umfassender Weise, denn er bleibt gewissen Schöpfungen des Deutschtums treu. Trotzdem. Tiefgründig, weitsichtig und kritisch analysiert er die verhängnisvollen Fehler der zurückliegenden Epoche der Staatspolitik. Im Geist vereint mit dem konservativ-reformfreundlichen Bürgertum macht er sich auf den Weg in die Republik. Und darauf kam es in dieser Stunde der Geschichte an.

Seine Widersacher werden ihm nicht versagen, "dass er ein Mann von großen Wissen, von unermüdlichem Fleiß, von rastloser Arbeitskraft war ...." "In der Handelspolitik war er einer der entschiedensten Gegner der Caprivischen Verträge, einer der wirksamsten Vorkämpfer des Agriertums". Der lückenlose Doppeltarif, eine Waffe der Hochschutzzöllner gegen die mitteleuropäische Handelsvertragspolitik (Vorwärts 22.4.1900), war sein Ideal. In der Finanzpolitik spann er den Faden der indirekten Steuern weiter. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die Sozialpolitik.

Er reifte ".... zum anerkannten Minister für Sozialpolitik, der mit großer Sachkenntnis das groß gewordene Reichsamt des Innern leitete." (Tennstedt 2011, 5) Wer ihn kannte, achtete und bewunderte ihn. "Seine Hauptstärke war", bescheinigt ihm das Zeugnis der Volksstimme aus Magdeburg vom 25. Juni 1907, "die fleißige Durchdringung der zahlreichen Einzelheiten seines Ressorts, verbunden mit einer gewissen Nachdenklichkeit, also einer in preußischen-deutschen Regierungskreisen höchst seltenen Eigenschaft." ".... immer empfand man, daß er den Dingen auf den Grund gehen suchte", attestiert ihm die Leipziger Volkzeitung (29.6.1907). Zum Abschied attestierte ihn am 29. Juni 1907 die Vossische Zeitung (Berlin), dass er "ein erfreuliches Verständnis für die Bedürfnisse der Zeit bewiesen". Dabei, wenn wundert`s?, von [einigen] Sozialdemokraten als Reaktionär angesehen, von den "Scharfmachern" "als Gönner der "Genossen" verschrien."

Oftmals wirkte er etwas steif und unnahbar, doch nie unaufmerksam oder unfreundlich. Paul Wittko (1866-1958) verherrlichte ihn als einen Menschen, der nichts weniger als ein "typischer Junker" war. Die Naumburger begegneten ihn mit Ehrfurcht und freundlichem Respekt. "Zu meiner Zeit saß in der Kurie der schlesische Graf von Posadowsky-Wehner", rekonstruiert Hans-Gert Kirsche 2006 die Begegnung mit ihm, "seinerzeit Böttichers Nachfolger im Reichsamt des Innern und später Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. Er sah aus wie der leibhaftige Weihnachtsmann, denn er trug einen riesigen weißen Vollbart vor sich her, und war in der Stadt, wo man ihn häufig auf den Straßen sah, sehr beliebt. Als er [am 23. Oktober] 1932 starb, folgte fast ganz Naumburg seinem Sarge, es war wie ein Staatsbegräbnis."

Der aus Schlesien stammende Politiker imponiert durch eine klare Sprache, die Phrasen und Leersätze meidet, keine politischen Urteile scheut und eine beeindruckende analytische Kraft entfaltet. Von Bernhard von Bülow (1849-1929), seit Oktober 1897 Staatssekretär des Äußeren und ab 1900 Reichskanzler, damit Posadowsky´s Vorgesetzter, erzählt man es ganz anders. "Schöne Reden" hielt er, daran mangelte es nicht, referiert Eugen Richter am 14. September 1898 dessen Flotten-Rüstungs-Auftritt Reden im Reichstag. "Aber schließlich fragt man sich, was hat er denn eigentlich gesagt?" Wenn es auch beim ersten Aufschlag in Berlin ein wenig haperte, der sozialdemokatische "Vorwärts" (Berlin) vermisste bei seinen ersten Auftritten die Perlen der Redekunst. Wo sollten sie sich auskristallisieren? Doch nicht etwa in der Debatte über Hundesteuer, Vagabunden oder Gendarmerie! Später hörte man eine derartige Kritik nicht mehr. Seine Reden waren in der Tendenz hochwertig: empirisch abgestützt, analytisch angelegt, logisch argumentierend, übersichtlich und oft mit konkreten Folgerungen oder Antworten versehen. Die Leipziger Volkzeitung faßt es im Urteil zusammen, ".... immer empfand man, daß er der Dingen auf den Grund gehen suchte." (VZ 29.6.1907)

Dem politischen Gegner tritt er achtungsvoll, bisweilen humorvoll und mit einem Sinn für Satire gegenüber. Sachlich, systematisch, dass heißt vom Standpunkt einer liberal-konservativen Politik gewichtet, konkret und ohne persönliche Anfeindungen, parliert er am 13. Dezember 1897 vor dem Reichstag als Staatssekretär des Innern die Rede von August Bebel. So erleben die Reichstagsabgeordneten nicht nur ein hartes Ringen politischer Kontrahenten, sondern eine Sternstunde der Parlamentskultur. Die Konkurrenten schenken sich nichts. Posadowsky wirft Bebel vor, dass die Gewerkschaften in England arbeitersparende Maschinen verbieten wollen. Der Arbeiterführer entgegnet, was bereits im Streit um die Miquel`sche Finanzreform zum Tragen kam, dass die steigenden indirekten Steuern für die Arbeiter eine hohe Belastung darstellen. Und er warnte davor, auf die jetzigen Einnahmen, künftige Ausgaben zu setzen, worauf Posadowsky erwidert, dass die "Preise der nothwendigen Verbrauchsgegenstände" "ausnahmslos gesunken, die Löhne aber sind gestiegen."

 

Am Sockel des Denkmals   zurück
Bevor wir ihn, wogegen er sich stets entschieden verwahrt hätte, auf den Sockel des Denkmals hieven, schnell noch die Frage, war er stets die Kraft, die nie das Böse schafft?

 

2006 erschien von Joachim Bahlcke der Aufsatz: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Und Simone Herzig veröffentlichte 2012: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im deutschen Kaiserreich.

Darüber hinaus existieren von Leopold von Wiese (1909), Martin Schmidt (1935) oder Karl Erich Born (1957) wissenschaftliche Arbeiten zum Leben und Werk von Posadowsky-Wehner. Ihnen mangelt es, wie Simone Herzig 2012 (47) nicht umhin kam festzustellen, an wissenschaftlicher Objektivität.

 

Als er 1897 in das Reichsamt des Innern eintrat, hieß es in sozialdemokratischen Kreisen, dass er dem Volke zu immer "mehr Steuern aufgeholfen hat". Später gesellte sich der Vorwurf "Vater des Brotwuchers" hinzu. Damit protestierte die arbeitende Klasse gegen die Zollgesetzgebung von 1902 mit ihren "künstlichen Teuerungen". Schlimmer noch empfanden die Sozialdemokraten, dass es "kein Attentat auf die Arbeiterklasse" gab, "bei dem dieser Mann nicht die Hand im Spiele hat." "Bei den schmutzigsten Scharfmachern" bettelte er dafür "um lausiges Geld" (LVZ 24.6.1907). Er war der "berüchtigte 12 000-Mark-Graf [= Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky], der Sklave des Herrn Bück und des Zentralverbandes der Großindustriellen; der Vater des Wuchertarifs und der staatlichen Massenausplünderung" (LVZ 6.2.1906).

Leider zeigt der Staatssekretär, wirft ihn 1897 August Bebel vor, "..... das lebhafteste Mitgefühl für die Schmerzen der Junker" und "mögen dieselben noch so kühn und anmaßend sein, niemals wird ein Wort des Tadels oder der Klage aus seinem Munde kommen; immer wird er diesen gegenüber die Dinge von der schönsten wohlwollendsten Seite betrachten."

Rosa Luxemburg interveniert 1899 gegen sein heftiges "Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht".

Eine der problematischsten Reden, die er je gehalten, war die am 25. April 1912 vor dem Reichstag im Rahmen der Beratung zu den Wehr- und Deckungsvorlagen. In Berlin begleiteten die Sozialdemokraten und ihre Anhänger diese Reichstagssitzung an der Basis mit heftigen Protesten. Sie versuchten abzuwehren, was (auch) des Posadowsky Auffassung zur Militär-Frage war. So stand er den Sozialdemokraten diametral gegenüber, also klar auf den anderen Seite des Kampfes gegen den Militarismus. Wir nennen ihn deshalb nicht einen Kriegstreiber. Das nicht! Doch sein Blick auf die Hochrüstung, seine politische Haltung zur Rolle des Heeres und der Marine in der deutschen Gesellschaft scheint im verstaatlichten preußischen Geschichtsbild befangen, wenn er unter anderen ausführt:

"Der ostdeutsche Grundbesitz hat eine große Bedeutung für Preußen und das Reich; er liefert uns einen ausgezeichneten Offiziers- und Beamtenstand". (25.4.1912)

1930 verdächtigt ihn der Zeitzer Volksbote in Verboten - Verweigert - Abgelehnt, dass ihm noch immer "die Errungenschaften der Republik arg im Magen" liegen. Anlass dieser Meldung war, die Sozialdemokraten hatten sich über die ausbleibende Unterstützung für eine Veranstaltung geärgert. Nun machte die Nachricht ihre Runde, und bestätigte, was eh schon alle zu wissen glaubten: Er ist ein Gegner der Republik. Die in der Durchsage inkriminierte Aussage ist falsch, und wie sich noch herausstellt, keine Lappalie, sondern eine Tendenz, die den Triumph der nationalistischen Bewegung in der Stadt Naumburg (Saale) begünstige.

 

 

Aus dem Lebenslauf  zurück

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1894)

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner  wurde am 3. Juni 1845 als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Graf von Posadowsky und seiner Ehefrau Amalie, geborene von Plötz, in Groß-Glogau geboren. 1864 verlässt er das hiesige Evangelische Gymnasium mit der Reifeprüfung und studiert in Berlin, Heidelberg und Breslau Jura und Cammaralia. Im Jahre 1867 erfolgt an der Universität Breslau die Promotion zum "Dr. jur.". Dann Auskulator am Stadtgericht in Breslau.

Nachdem er in der schlesischen Hauptstadt das zweite juristische Staatsexamen abgelegt hatte, verlässt er den Justizdienst. Im Kreis Gnesen erwirbt die Familie das Gut Welna. Der Jung-Akademiker sammelt praktische Erfahrungen und Kenntnisse bei der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes. 1871 wechselt Posadowsky als Regierungsreferendar und -assessor wieder in den preußischen Staatsdienst nach Posen. Im gleichen Jahr heiratet er Elise von Moeller, die Tochter eines Präsidenten eines Appellationsgerichts. Gemeinsam ziehen sie zwei Söhne und zwei Töchter groß. Ein Sohn verstirbt früh.

 

 

Die Posener Zeit   zurück

Von 1873 bis 1893 ist Graf von Posadowsky in der 28 992 Quadratkilometer großen Provinz Posen tätig. Das Land besitzt für Deutschland großen strategischen Wert. Otto von Bismarck bekräftigt am 17. September 1894 aus Anlass des Eintreffens der Posener Huldigungsdeputation auf Schloß Varzin:

Elsaß ist zum Schutze Süddeutschlands notwendig,
P o s e n  zum Schutze der Ostgrenze des deutschen Besitzes.

Tiefe Friktionen durchziehen das Posener Land. National vom Kulturkampf aufgebürstet, ökonomisch unterentwickelt und durch unkontrollierte Einwanderung in den Arbeitsmarkt mit ethnischen Konflikte belastet, atmet die Region ungestillte Gegensätze. In Galizien, Russland und Westpreußen wächst ständig das Nationalgefühl der Polen. Massnahmen, die als Germanisierung verstanden, kreuzen sich mit dem Zurückweichen der deutschen Bevölkerung. Übers Land strecken und vermehren sich zahlreiche Vereine. Angeführt von polnischen Geistlichen oder Edelleuten propagieren sie ihren nationalen Gedanken und bringen so das Polnische im hohen Maße zur Geltung. "Die polnisch-nationale Bewegung wurde durch den Kulturkampf in einer für den preußischen Staatsgedanken gefährlichen Weise gestärkt." (H. von Arnim / v. Below 388) Die polnische Gefahr ist noch größer als die russische, erklärt Otto von Bismarck auf Schloß Varzin und stachelt damit den deutschen Chauvinismus zum Kampf wider die Polen, zur Kollision mit dem Adel und der polnischen Geistlichkeit an. "Es scheint," kommentiert am 27. September 1894 das Volksblatt aus Wien, "der alte Kanzler kann ohne "Reichsfeinde" nicht leben, hat er keine, so malt er sich welche."

Zum Teil verschwinden ganze deutschen Ortschaften, obwohl 1849 mehr als 40 000 katholisch Deutsche in Polen und Westpreußen polonisiert wurden. Allein in Posen soll es 1885 über einhundertfünfzig dieser bäuerlichen Vereine geben. Ihr Einfluss ist bei den Wahlen bereits zu spüren. "Wir kämpfen nicht mit der polnischen Bevölkerung im Allgemeinen," besänftig Otto von Bismarck auf Varzin die "teutschen Männer" der Huldigungsdeputation, "sondern nur mit dem polnischen Adel und seiner Gesellschaft." Als Prinzip gilt, zwei Millionen Polen können für die übrigen 48 Millionen Deutschen "nicht maßgebend sein" (Bismarck). Praktisch sah das so aus, berichtet am 13. Dezember 1897 der Jurist Sigismund von Dziembowski-Pomian (1858-1918) dem Deutschen Reichstag: "Germanisation geht vor dem Recht, vor der Kultur und vor der Wohlfahrt der polnischen Bevölkerung." Begleitet von rücksichtslosen und antisemitischen Ausfällen werden in den preußischen Ostprovinzen zwischen 1885 bis 1887 35 000 Polen ausgewiesen.

Ab 1873 steht Posadowsky dem Kreis Wongrowitz im Regierungsbezirk Bromberg mit 54 787 Einwohnern vor. Ein Teil des Landes, eine wahre Sandbüchse. Im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter leben seine Bürger im Haupt- und Nebenerwerb von der Landwirtschaft. Es darf nichts passieren. Jede Mißernte, jeder Ernteeinbruch, jede Krise könnte wirtschaftliche Not sie über sie bringen. Das Durchschnittseinkommen in den ländlichen Arbeiterfamilien im Osten Deutschlands, berichtet Carl Schultze aus Königsberg-Stadt dem Reichstag 1893, beträgt nach Abzug der Kosten für die Scharwerke jämmerliche 288 Mark pro Jahr.

Von 1877 bis 1885 regiert Posa den Kreis Kröben im Regierungsbezirk Posen mit 48 850 Einwohnern (Stand 1905). Sitz des Landratsamtes ist Rawitsch, 1837: 8.316 Einwohner.

[Ernährungslage  zurück] Wie unter einem Brennglas fokussieren sich in der Ernährungslage die Lebens- und Arbeitsbedingungen der jeweiligen Region. Noch immer war sie im Posener Land gravierend schlechter als in den fruchtbaren Gegenden von Ost- und Westpreußen oder Pommern. Meist bestand die Kost der Landarbeiterfamilien aus Milch und Mehlsuppe, Erbsen und Sauerkraut, namentlich Kartoffeln. Fleisch und Brot gelangt weniger auf den Tisch als anderswo. Statt der acht bis zehn wöchentlichen Fleischmahlzeiten der Landarbeiter, erhält das Gesinde günstigenfalls vier. Bedingt durch hohe Branntweinpreise, nahm die Trunksucht ab. Uneheliche Geburten, Feld- und Forstdiebstahl sind eine alltägliche Erscheinung. Das Inzestverhältnis entschärft sich durch den starken Zustrom ausländischer Landarbeiter.

[Bodenfrage  zurück] Fast verschwunden war, erhob 1892 der von Max Weber gezeichnete "Schlussbericht über die Provinz Posen", die Bereitschaft zum Grunderwerb, weil die Besitzlosen zwar den Kaufpreis für den Boden, nicht aber das Baukapital abtragen konnten.

Gnesen um 1900 (Teilansicht)

"Entscheidend ist ferner bei den Polen die Untüchtigkeit der Frauen. So tüchtig das polnische Mädchen als Arbeiterin ist, so untüchtig ist sie als Frau." Zugeteilt auf dem leichten Boden im Kreis Mogilno, ging es den Parzellenbesitzern nicht gut. Auch im Kreis Gnesen haben sie nur auf besseren Boden bestand.

Offenbar kommen die Bestrebungen zur Parzellierung, also der Seßhaftmachung, nur schwer voran und werden durch die widersprüchliche soziale Lage ausgebremst. Oftmals bestand wohl die Neigung zum Sparen, was jedoch später regelmäßig zur Überschuldung führte und sich deshalb nicht fortsetzte.

Die Idee "große Inseln des Deutschtums im polnischen Meer" (Bülow) zu schaffen, wurde nicht aufgegeben. Kaum hatte Posadowsky-Wehner im Juni 1907 den Regierungsapparat verlassen, da brachte Bülow am 26. November desselben Jahres im preußischen Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Gesetzes ein, das es erlaubte, polnischen Grundbesitz zu enteignen.

Am 26. Juli 1912 setzt der Preußische Landtag die umstrittene Ansiedlungspolitik fort und beschließt das Gesetz über Stärkung des Deutschtums in einigen Landesteilen. Gemäß dem Ansiedlungsgesetz von 1886 erhielt die Ansiedlungskommission durch das Besitzbefestigungsgesetz für die Ostprovinzen 100 Millionen Mark zum Erwerb von Grundbesitz in Westpreußen und Posen.

[Sachsengängerei  zurück] Die Zeit, als nach 1873 deutsche Wanderarbeiter Lebensansprüche in die slawische Bevölkerung trugen, wurde verdrängt durch die Invasion billiger, besonders russischer Arbeitskräfte aus dem Osten. Die Landwirte im Osten sind g e z w u n g e n, hält Posadowsky am 13. Dezember 1896 im Reichstag August Bebel vor, grosse Massen von ausländischen Schnittern und Erntearbeitern heranzuziehen, um die Ernte von den Gütern zu bergen. Das ruinierte den Bestand freier Tagelöhner, senkte das Lohnniveau und verdrängte die einheimischen Arbeitskräfte. Von ihnen wanderte ein Teil zur Zuckerrübenernte in die preußische Provinz Sachsen ab. Man nannte sie Sachsengänger. Es ist der kapitalistische Weg in der Landwirtschaft, der die Überlegenheit des Großbetriebs zur Geltung bringt. Nachdem Karl Kautsky (1854-1938) in der Schrift "Die Agrarfrage" (1899) die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Formen und Größen des landwirtschaftlichen Betriebes untersucht und die ökonomische Überlegenheit des Großbetriebes darlegte, wies er dann auf den Vorteil des Kleinbetriebs hin, den größeren Fleiß und die Sorgfalt des Arbeiters sowie Bedürfnislosigkeit des kleinen Landwirts.

[Wahlkampf in Blottwitz  zurück] Erste Eindrücke von den Verhältnissen im Osten vermittelt Pfarrer Carl Gratza (1820-1876) im Bericht über die Durchführung der Reichstagswahlen am 10. Januar 1874 in Blotnica Strzelecka, deutsch Blottwitz. Wie üblich richten die Verantwortlichen zu diesem Anlass ein Wahllokal ein. Gleich am Eingang befindet sich die Wohnung des herrschaftlichen Wirtschaftsbeamten Dworafek, der offenbar dazu berufen, die eintreffenden Wähler, welche zur Abstimmung in das dazu bestimmte Zimmer gehen wollten, vorher mit einem Schnaps zu traktierten (= Berichtssprache). "Der Wahlvorsteher Graf von Posadowsky-Wehner ging während des Wahlaktes hinaus und sagte zu Denen, welche im Hausflur und vor dem Hause standen:

"Ihr bekommt nicht Waldstreu, nicht Holz von mir zu kaufen, wenn Ihr für den Fürsten Radziwill, aber nicht für den Herzog v. Ujest stimmen werdet.""

Einer nach "strengeren Beurtheilung hinneigende Mehrheit" erkannten bei der Wahldurchfüchrung in Blottwitz klar eine Beeinflussung der Bürger durch den Wahlvorstand. Es betraf sowohl die Gewährung von Genussmitteln unmittelbar vor der Wahl und wie natürlich die Drohung mit Nachteilen unter Missbrauch dienstlicher Obliegenheiten nach der Wahl. (Gatza 1874)

Herzog von Ujest gewann das Reichstagsmandat, musste es aber nach Prüfung durch die Wahlprüfungskommission des Reichstages 1875 niederlegen, nachdem diese den Vorgang für ungültig erklärt hatte. Am 24. September 1875 wurde die Wahl wiederholt. Herzog von Ujest verlor gegen Carl Gratza von der Deutschen Zentrumspartei.

[Ein Parteisekretär?   zurück] In der Herkunft, Ausbildung und Wertorientierung lagen die Beherrschten und Herrschenden weit auseinander. Der sozial Raum trennte sie. Von einem Landrat verlangte die schwierige innenpolitische Lage viel Einfühlungsvermögen, Augenmass, Verhandlungsgeschick und Verständnis. Posadowsky begriff sich in der Verantwortung für das Ganze und verlor dies nicht aus den Augen. Er urteilte nicht von Oberflächlichkeiten oder Schlagworten gelenkt und sagt von sich:

"Ich bin stets
für Achtung und Anerkennung
der polnischen Eigenart,
die mir wohlvertraut ist." (V&R 225)

Auf Grundlage der hier aufgearbeiteten Nachrichten (siehe Quellenverzeichnis) über seine Tätigkeit als Landrat und Landeshauptmann ist kein Grund erkennbar, um daran zu zweifeln. Deshalb muss aber folgender Hinweis von Ludwig Frank 1911 (21) in "Die bürgerlichen Parteien des deutschen Reichstags" nicht unbeachtet bleiben:

"Die Landräte in Preußen wirken wie Parteisekretäre für ihre politische Richtung, auf die mittleren und unteren Beamten wird mit terroristischen Mitteln ein gesetzwidriger Zwang zur Unterstützung der Konservativen ausgeübt."

Trifft das vielleicht doch auf Graf Posadowsky zu?

[Kulturkampf  zurück] Das Deutschtum, dem der Totalverlust drohte, war bereits zu Posa´s Zeiten in der Minderheit und bot keine wirkliche Stütze. "Dicht bei Posen liegen Dörfer", erinnert sich 1920 der ehemalige Landrat, "deren Frauen bei festlichen Gelegenheiten zwar noch die alte Bamberger Tracht tragen, aber ihr Deutschtum in Sprache und Sitte vollkommen verloren haben."

Wongrowitz, Breitestraße,
um 1900 (Teilansicht)

In beiden Landkreisen, die er von 1873 bis 1885 in der Provinz Posen regierte, überwog die polnisch-sprachige Bevölkerung. Von den 54 787 Einwohnern im Landkreis Wongrowitz waren  78 Prozent Polen, 20 Prozent Deutsche und 2 Prozent Juden. Von den 48 850 Einwohnern (1905) im Landkreis Kröben waren 26 781 Bürger polnischsprachig.

"Graf Posadowsky suchte die Kulturkampfgesetze in sachlicher, das religiöse Gefühl der katholischen Bevölkerung möglichst schonender Weise durchzuführen; gleichzeitig bemühte er sich, ohne Ansehen der Nationalität, die wirtschaftlichen Interessen der Kreisbevölkerung zu fördern, und fand hierfür dankbar Anerkennung. Besonders erhob er seine Stimme gegen kleinliche bureaukratische Maßregeln der Regierungsbehörden, welche die polnische Bevölkerung verbitterten, ohne irgendwelchen Erfolg für die Befestigung der deutschen Herrschaft zu erreichen, so zum Beispiel gegen das rücksichtslose Umtaufen geschichtlicher oder für einzelne Familien bedeutsamen alter Ortsnamen von Gutsbezirken, eine Maßregel, die umso wirkungsloser war, als die mit dem Gutsbezirk in räumlichen Zusammenhang liegenden Gemeinden ohne ihre Zustimmung einen anderen Namen nicht erhalten konnten und so derselbe Ort häufig zwei Namen führte." (H. von Arnim / v. Below 388)

Kreisständehaus und Landratsamt Gnesen um 1900 (Teilansicht)

[Schulwesen  zurück] "Seine besondere Aufmerksamkeit widmete" Posadowsky "der Entwicklung des ländlichen Schulwesens, welches arg daniederlag." Auf dem Hintergrund des Kulturkampfes um die preußische Kirchen- und Schulpolitik entstanden zwischen Bürger und Staat immer wieder Spannungen, die oft in alltägliche Dinge hineinspielten und sie in unterschiedlicher Stärke überlagerten. Ein außerordentlich schwieriges Problem, weil mit viel Emotionen und Erziehung der geliebten Kinder verbunden. "Die Kinder der zerstreut wohnenden evangelischen Bevölkerung waren durch den Besuch polnisch-katholischer Schulen der Gefahr der Polonisierung in hohem Grade ausgesetzt. Die Regierung hielt mit Recht darauf, daß die Kinder der polnischen Einsassen in der Schule die deutsche Sprache erlernten; da aber die Schulen meist überfüllt waren und eine Lehrer häufig 80 Kinder, ja über 100 Kinder zu unterrichten hatte, so wurde der deutsche Unterricht nur zu einer äußeren Abrichtung, bei dem es zu einem Verständnis des Deutschen und zur Fähigkeit deutschen Gedankenausdrucks nicht kommen konnte. .... Durch die dargestellten Verhältnisse und die unkluge Art der Durchführung des deutschen Schulunterrichts, auch im Religionsunterrichte, führte wohlbegründete Förderung der Regierung zu einer ablehnenden und verbitterten Haltung der polnischen Bevölkerung. Trotz dieser Schwierigkeiten begründete Posadowsky eine große Anzahl neuer Schulzirkel. (H. von Arnim / v. Below 388/389)

[Verkehrsverhältnisse  zurück] "Um die Verkehrsverhältnisse zu fördern, arbeitet Posadowsky im Jahre 1879 anderweite, den Zeitverhältnissen Rechnung tragende, den Kunststraßenbau erleichternde allgemeine Bestimmungen aus, welche demnächst im Wesentlichen von dem Provinziallandtag angenommen wurden und seitdem die Grundlage für eine kräftige Entwicklung des Kunststraßenbaus in der Provinz bildeten. Ebenso war es ein schwerer Mangel, daß die Stadt und der Regierungsbezirk Posen nicht durch eine kürzeste Eisenbahnlinie mit der überwiegend deutschen Stadt Bromberg und dem östlichen Teile dieses Regierungsbezirkes verbunden waren. Graf Posadowsky trat deshalb als Abgeordneter für eine Entwicklung des Eisenbahnnetzes in der Provinz und namentlich für eine unmittelbare Verbindung zwischen den beiden Regierungshauptstädtchen Posen und Bromberg in, eine Forderung die demnächst durch den Bau entsprechender Eisenbahnlinien erfüllt wurde." (H. von Arnim / v. Below)

 

Der Erste Hauptsatz der Sozialpolitik   zurück

 

Veröffentlichungen
(Auswahl)

Altersversorgung der Arbeiter
1883

Geschichte des schlesischen uradligen Geschlechts der Grafen Posadowsky
1891

Geschichte des schlesischen adligen Geschlechtes der Grafen Posadowsky-Wehner, Freiherren von Postelwitz
1891

Luxus und Sparsamkeit
1909

Die Wohnungsfrage als Kulturproblem
1910

Weltwende.
Gesammelte politische Aufsatz von Graf Posadowsky
1920

Volk und Regierung im neuen Reich
1932

 

August Bebel wirft am 15. Dezember 1897 (252) im Reichstag Posadowsky vor, "sein ganzes Herz ist ein heiß agrarisches Herz". Es ist natürlich wahr, dass die Landkreise Kröben und Wongrowitz von der landwirtschaftlichen Produktionsweise prägt sind. Ob dies eine Nachteil im Streit um Koalitionsverbot der Arbeiter ist, was der Arbeiterführer vielleicht andeuten will, lassen wir am Besten dahingestellt Denn die Antwort wäre wohl ein kleiner historischer und realpolitischer Exkurs über den Kampf der sozialen Rechte durch die Landbevölkerung, was hier jetzt nicht so recht hinpasst. Mag man also den Vorwurf von Bebel gegenüber Posadowsky mit Einschränkungen gelten lassen, so ist sein "heiß agrarisches Herz" für die Wahrnehmung und Gestaltung der sozialen Frage der arbeitenden Klasse dennoch kein Nachteil. Im Gegenteil. Denn wie in der Industrie steht in der Landwirtschaft d i e  A r b e i t  mit ihren Opfern, Anstrengungen, Mühen und Artefakten im Mittelpunkt. Die Sozialpolitik muss sich im ersten Schritt dem Erhalt und der Pflege den Produzenten und Gestaltern des Wertbildungsprozesses der Waren und Leistungen zuwenden. Unter den Bedingungen in Wongrowitz und Kröben sind das die materiell-ökonomischen Verhältnisse der Landarbeiter und des Gesindes, einschließlich ihrer Familien.

Unvoreingenommen und mit hoher sozialer Sensibilität, geleitet von christlichen Werten, analysiert der Landrat, Staatssekretär und ab 1928 als Landtagsabgeordneter des Preußischen Landtags die soziale Frage, ohne sie einzunivellieren, zu kaschieren oder bewußt zu entstellen. Er wendet sich den ökonomischen Bedürfnissen der einzelnen Klassen, Schichten und Gruppen, den verschiedenen Interessen der Landwirtschafts- und Industrieverbände und Organisationen zu. Nichts weist dabei auf eine moralische oder politische Abwertung der arbeitenden Klasse und Unterschichten hin.

Zu Posa´s Zeiten wurden darüber unzählbare politische Aufsätze und Berichte in Zeitungen und sozialkritischen Büchern geschrieben und noch mehr geschwätzt. Auf diese angeblich "unendlich wichtige" Frage hinterließ Karl Marx am 1. Februar 1849 in der Neuen Rheinischen Zeitung eine sarkastische Replik, wenn er feststellt, dass davon überhaupt keine Rede sein kann, weil "jede Klasse ihre e i g e n e soziale Frage hat", und dass "mit dieser sozialen Frage einer bestimmten Klasse auch zugleich eine bestimmte politische Frage für diese Klasse gegeben ist." Auch darin könnten Posadowsky und Marx durchaus übereinkommen, nicht in den welthistorischen Schlußfolgerungen die sich aus der Klassenfrage ergeben, das sehr wahrscheinlich nicht, aber was ja erstmal wichtig und nützlich ist, in den Zielen und Ausrichtung der Sozialpolitik schon.

So positiv dies auch ist, dies allein ermöglicht noch nicht die Wende zu einer progressiven Sozialpolitik.

Entscheidend ist die Wandlung des Kulturbegriffs, der nicht mehr als "ein blühender Zustand äußerer Kultur in den Oberschichten" durch die Gesellschaft und ihren Eliten akzeptiert wird. Verbunden damit ist ein in historischen Dimensionen sich in den verschiedenen Schichten vollziehender Wertewandel. Mit Posadowsky`s Worten formuliert, heisst das: "Wenn man aber unter Kultur versteht, dass alle Volkskreise sich eines Lebens erfreuen, welches den notwendigen Mindestanforderungen des menschlichen Daseins entspricht, so genügte der äußere Glanz gewisser Zeitabschnitte der Vergangenheit dem Sittlichen und wirtschaftlichen Begriff der Kultur keineswegs.

Die Kultur eines Volkes ist nicht nach dem Lebensstande der oberen Volksklassen, sondern nach den Daseinsbedingungen der zahlenmäßig überwiegenden Masse zu beurteilen. Auf dieser Auffassung ist unsere staatliche Sozialpolitik aufgebaut; Fürsorge für die, welche wegen Alters ihren Lebensunterhalt nicht mehr erwerben können, Hilfe in Krankheit und Unfall, weise Beschränkung der Arbeitszeiten, Unterstützung der unverschuldet Arbeitslosen, Schutz der Jugendlichen sind die Grundlagen der Volkspolitik geworden, die zuerst von Deutschland entwickelt und von hier aus in zahlreichen Staatswesen willige und zwangsläufige Nachahmung gefunden hat." (V&R 127)

Das Bewußtsein von der materiell-ökonomischen Lage der sozialen Klassen und Schichten bildet sich in den verschiedensten Gruppen der Gesellschaft. Aus ihr kristallisierten Ideen der Praxis der modernen Sozialpolitik aus.

[a] Es begann, was allgemein der Kampf um die soziale Frage genannt wurde. Befeuert wurde sie durch die um 1860 in Deutschland verspätet, doch schnell fortschreitende industrielle Revolution.

[b] Eine soziale und bedürfnisgerechte Existenzweise der produktiven Klassen bedurfte eines entsprechenden allgemein anerkannten Sittlichkeit-Begriffs.

Und letztlich bedarf es [c] der Wandlung des Kultur-Begriffs, der in weit höherem Maß die Idee der Gleichheit anerkennt und in Praxis realisiert.

Das Lebensniveau der Landarbeiter und des Gesindes, einschließlich ihrer Familien, wird mehr vom Kulturstand als direkt von der Fruchtbarkeit des Bodens bestimmt. Daraus schöpft Arthur Graf von Posadowsky-Wehner den Ersten Hauptsatz der Sozialpolitik:

Wenn man die Kultur eines Volkes heben will, dann muss man die wirtschaftlichen Lebensbedingungen und den geistig-sittlichen Stand der großen Masse zu ergründen und zu heben suchen.

Geprägt von den Erfahrungen der Posener Zeit wird er dereinst in Berlin entschieden für die Sozialpolitik als Kulturaufgabe eintreten. Wenn es sich anbietet, erfolgt im Plenum des Reichstages der Hinweis auf die "schlechten Verhältnisse des Ostens". In der Beratung am 28. November 1893 zum Etat- und Anleihegesetz hören die Abgeordneten: Wenn sie nur zwei Jahre, unter diesen Verhältnissen gelebt hätten, dann würden sie ganz anders denken.

 

 

Arbeitsethos, Disziplin und Ordnung  zurück

Das Ganze über das persönliche Interesse stellen. Bescheidenheit im täglichen Leben üben. Vorangehen! Nicht aber ins Rampenlicht drängen. Dabei zusammen mit den Bürgern und Mitarbeitern anschauliche und greifbare Vorstellungen von der Zukunft entwickeln. Vor allem: Wie kann man besser werden? So läst sich sein Arbeitsethos umschreiben. Zudem lernte er sich als Landrat, geschickt in konfliktreichen Räumen zu bewegen und konnte dabei die Kenntnisse in der administrativen Leitung und Organisation von Verwaltungsprozessen vervollkommnen.

Disziplin und Ordnung, darauf spielt im November 1932 das Posener Tageblatt an, führen bei ihm ein strenges Regime. Seiner Beliebtheit war das nicht immer zuträglich. "Selbst eine Arbeitskraft ersten Ranges, galt er als außerordentlich scharf hinsichtlich seiner Anforderungen an die ihm unterstehende Beamtenschaft. Wer von seinen Leuten nicht am Morgen pünktlich mit dem Glockenschlage an seinem Pulte saß, hatte nichts zu lachen, und wie ein Flugfeuer verbreitete sich bald nach seinem Dienstantritte in Posen von Mund zu Mund die Kunde, dass einer der Räte der Landeshauptmannschaft, der eines Morgens etwa verspätet zum Dienst gekommen war, in seinem Dienstzimmer auf dem Tische die Visitenkarte des neuen Chefs vorgefunden hat."

"Nachdem in den übrigen Provinzen eine neu zeitgemäße Provinzialordnung eingeführt war, hegte die deutsche und polnische Bevölkerung den dringenden Wunsch, dass auch die Provinz Posen die provinzielle Selbstverwaltung durchgeführt würde." Bisher besorgten hier die Mitglieder des Oberpräsidiums und der Regierung nebenamtlich die Geschäfte, ohne dass die einzelnen Verwaltungsgebiete untereinander organisch verbunden waren, wodurch die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Provinz schweren Schaden erlitt.

Endlich gelang es im Jahre 1885, nach den entschiedenen Drängen der Provinzstände, dass für die einzelnen Verwaltungszweige der provinziellen Selbstverwaltung wenigstens ein und dieselbe Persönlichkeit im Hauptberufe gewählt wurde. Die Wahl des provisorischen Leiters der Verwaltung Posens fiel auf Graf Posadowsky. (H. von Arnim / v. Below 390) 1890 erhielt er den Titel "Landeshauptmann" verliehen.

"Im Jahre 1889 verfasste er eine Darstellung der bestehenden Organisation des Posener Provinzialverbandes, in welcher die vorhandenen schweren Mängel derselben klar dargelegt und die fachlichen und politischen Bedenken gegen Einführung einer zeitgemäßen Provinzialverordnung widerlegt wurden ...." (H. von Arnim / v. Below 390)

 

 Abgeordneter und Kirche  zurück

Von 1882 bis 1885 repräsentiert Posadowsky-Wehner im Preußischen Abgeordnetenhaus für die Freikonservative Partei den Wahlkreis Lissa-Rawitsch-Fraustadt und tritt der Mandatsträger bei. "Er vertrat dort besonders wirtschaftliche Fragen und verteidigte wiederholt die berechtigten Ansprüche der evangelischen Kirche. Wegen der Verschärfung des kirchlich-politischen Kampfes, welcher von der Mehrheit der Freikonservativen Partei begünstigt wurde, geriet in einen scharfen Gegensatz derselben. Nach Ablauf der Wahlfrist nahm er ein neues Mandat nicht an." (H. von Arnim / v. Below 389/400)

1884 wurde er in die fünfte Provinzialsynode Posen und zum Mitglied der Generalsynode der evangelischen Landeskirche gewählt. "Er trat in die beiden kirchlichen Körperschaften einer besonderen Partei nicht bei, verteidigte aber den freieren Standpunkt, welcher mehr Wert legt auf die christliche Sittenlehre als auf Bekenntnis- und Glaubensformeln." (H. von Arnim / v. Below 390)

1890 wurde Graf Posadowsky durch königliche Berufung zum Mitglied der sechsten ordentlichen Provinzialsynode, "in welcher er für die Förderung der Werke der Inneren Mission und für die Ausgleichung der sozialen Gegensätze auf der Grundlage der christlichen Sittenlehre lebhaft eintrat; von der genannten Synode wurde er wiederum als Mitglied der Generalsynode der evangelischen Landeskirche berufen." (Ebenda 390/391)

 

Abgeordneter konnte er schlecht bleiben, da ihn die Arbeiten zur Reorganisation der Verwaltung voll in Anspruch nehmen. 1889 wurde er als Landesdirektor der Provinz Posen gewählt. "Der neue Landeshauptmann", erinnert sich die Posener Zeitung 1932, "hatte keine Zeit zum Besuch von Gesellschaften, und wenn er selbst wohl oder übel doch einmal einen Empfang geben musste, hörte man hinterher Gäste von sehr großer Schlichtheit der Bewirtung raunen."

 

Abschied  zurück

Bald wird Posa vom Kaiser nach Berlin gerufen. Damit die öffentliche Reputation über seine Arbeit in der Provinz aus Anlass seines Abschieds nicht zu grandios ausfällt, rührt die Posener Zeitung (JV 4.10.1893) nochmal seine Spar-Künste auf. "Die Beispiele beziehen sich durchweg auf das Gebiet der Schule, auf dem in einer Reihe von Fällen Gehaltherabsetzungen für die Lehrer vorgenommen wurden, so für die Lehrer an den Provinzial-Taubstummenanstalten, sowohl bezüglich der Gehaltssätze als auch des Wohnungsgeldzuschusses; selbst den älteren Taubstummenlehrer seien die von 5 zu 5 Jahren ihnen zustehenden Gehaltserhöhungen von 300 Mark um 100 bis 200 Mark gekürzt, teils der Bezug um einige Jahre hinausgeschoben worden."

1930 lässt er den Preußischen Landtag an seinen Erfahrungen teilnehmen: "Ich habe 25 Jahre unter Polen gelebt und kenne sie ganz genau. Ich kenne ihre guten Eigenschaften, aber auch ihre Schattenseiten ...."

 

 

Staatssekretär des Reichsschatzamtes  zurück

Umweht vom Scheitern der Heeresvorlage, der Auflösung des Reichstages am 6. Mai 1893, den Kämpfen um die Agrarier und vor allem von der Hoffnung begleitet, dass Fröhliche-so-Weiterwirtschaften in der deutschen Finanzpolitik zu beenden, wird Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

am 12. August 1893
zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes

ernannt.

Bei Eintritt von Posadowsky in das Amt waren bereits bedeutende Grundlagen der Sozialgsetzgebung geschaffen: Der Reichstag verabschiedete am 15. Juni 1883 das Krankenversicherungsgesetz (Pflichtmitgliedschaft!), am 6. Juli 1884 das Unfallversicherungsgesetz (1911 in das Dritte Buch der Reichsversicherungsordnung überführt) und am 22. Juni 1889 das Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung. Allerdings blieb bis zum Rücktritt von Reichskanzler Bismarck am 20. März 1890 die Frage der Selbstbeteiligung und Selbstverwaltung, die er nicht befürwortete, strittig. Die Nichtbeteiligung der Arbeiter an der Verwaltung erscheint veränderungswürdig. Mit der Novelle zum Krankenversicherungsgesetz vom 10. April 1892 liegen bereits Abänderungsvorschläge vor.

Zentrum und Konservative legten bereits in der letzten Sezession Anträge zur Änderung des Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz vor, die aber nicht zur Beratung gelangten. Doktor Karl Heinrich von Boetticher (gestorben 1907 in Naumburg an der Saale), 1881 bis 1897 Staatssekretär des Reichsamtes des Innern, Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums, kündigte 1891/92 einen Gesetzesentwurf zur Unfallversicherung an, der aber ausblieb.

Gegenwärtig diskutiert die Fachwelt über die Revision der Arbeitsversicherungsgesetze hinsichtlich Ausdehnung, Organisation, Vereinfachung, und Zusammenführung. Doch es kommt nicht zum Abschluß. Jahre später, am 30. April 1903 fordert der Reichstag den Bundesrat auf, ein einheitliches Arbeiterversicherungsgesetz auszuarbeiten. Posadowsky-Wehner verfügt am 19. Juni 1905 die Übertragung dieser Aufgabe an den Geheimen Regierungsrat Walter Spielhagen (1857-1930), der ab 1903 im Reichsamt des Inneren tätig ist.

Den überraschenden Aufstieg verdankt Posadowsky, glaubt man Paul Wittko (1925), einem Konflikt zwischen Helmuth Freiherr von Maltzahn (1840-1923) und dem preußischen Finanzminister Johannes von Miquel (1828-1901). Maltzahn der das Reichsschatzamt rund fünf Jahre leitete, wurde "aus dem Reichsdienst gedrängt", weil er "offenbar" "zu arbeiterfreundlich war", bemerkt August Bebel am 11. Dezember 1897 im Reichstag. In gewisser Hinsicht ist dies fraglich, weil die Vermutung besteht, dass die entscheidenden Gründe damit nicht angesprochen sind. Konflikte gab es genug, um die Matrikularbeiträge, Finanzierung der Miltärvorlagen und Sozialpolitik. Wilhelm II. begann die Politik der sozialen Versöhnung als gescheitert anzusehen. (Mommensen 2005, 68). Posadowsky´s Vorgänger im Reichsschatzamt scheiterte - was finanzpolitisch und parlamentarisch schwer wiegt - an der Aufgabe, berichtet Eugen Richter 30. Januar 1894 in der ersten Reichstagssitzung zur Beratung der Vorlage der Reichsfinanzreform, "50 Millionen zu beschaffen".

Es soll der Versuch unternommen werden, die Gründe und Umstände für die Ernennung des neuen Schatzamtsekretärs Komplex, besonders unter dem Aspekt der Interessen-Frage, zu erkunden.

 

"Militärvorlagen werden überflüssig, wenn alle Streitigkeiten durch Delegierte ausgefochten werden."

 


Links auf dem Bild ist Marie François Sadi Carnot (*1837) zu sehen. Er wurde am 3. Dezember 1887 zum Staatspräsidenten von Frankreich gewählt und war 1889 Schirmherr der Pariser Weltausstellung. Am 25. Juni 1894 erliegt er den Folgen eines Attentats. Ihm frontal gegenüber auf der rechten Seite des Bildes, bezieht der deutsche Reichskanzler Leon von Caprivi (1831-1899) Stellung.

Der Wahre Jacob. Nummer 183. Titelblatt. Stuttgart, den 31. Juli 1893

 

[Militarismus  zurück] Vom Wahnsinn des Militarismus befallen, zieht der Staat immer neue und höhere Steuern ein. Er ist gezwungen, sie auf die Schultern derjenigen zu verteilen, die am wenigstens im Stande sind sie zu tragen: Billig-Löhner, Arme, Schwache. Auch der Mittelstand wird stark belastet. Die indirekten Steuern steigen im Reich laut Karl Bachem (1894) von 1872 bis 1893 von 240 auf 680 Millionen Mark.

Vom neuen Staatssekretär des Reichsschatzamtes erwartet man, dass er das Heer und Marine unter allen Umständen ausfinanziert. Es war die schwierigste aller Aufgabe, die auf ihn zukam. Denn längst nicht alle Bürger möchten dem "Moloch des Militarismus" (Eugen Richter) weitere Opfer bringen. Nicht nur Sozialdemokraten, auch der Linksliberale Eugen Richter (1838-1906) von der Deutschen Freisingen Partei, ab 1892/93 Freisinnige Volkspartei (FVp), wehren sich recht öffentlichkeitswirksam dagegen.

[Heeresvorlagen  zurück] Otto von Bismarck warnt am 6. Februar 1887 in seiner Rede, es muss wegen der Annexion von Elsaß-Lothringen mit einer Revanche gerechnet werden, denn sie werden uns das nie verzeihen. Das "Gespenst des unruhigen Frankreichs" - W. Liebknecht) fliegt umher.

Bei einem Teil der Bevölkerung und des parlamentarischen Widerstands wächst die Abneigung gegen die steigenden Militärausgaben. Zweimal führen die Militärvorlagen zur Auflösung des Reichstages. Die erste ereignete sich am 14. Januar 1887, als Sozialdemokraten mit den Freisinnigen gegen die Heeresverstärkung stimmten. Zu den Neuwahlen am 21. Februar 1887 wirbt Wilhelm Liebknecht mit der Losung: "Dem Militarismus keinen Mann und keinen Groschen." Die SPD gewann jedoch nur 11, statt bisher 24 Mandate und der Autor des Flugblatts kam erst über die Nachwahlen 1888 in das Parlament. War dies ein Hinweis auf die Unterschätzung des Militarismus in der Wahlbevölkerung?

Am 11. März 1887 nimmt der neu gewählte Reichstag die Heeresvorlage an.

Der zweite Zusammenbruch des Reichstags kündigt sich mit der Heeresvorlage von 1892 an, aus der sich eine politische Krise entwickelt. Reichskanzler Leo von Caprivi will, was auf harte Ablehnung bei den Nationalkonservativen und weiten Kreisen des Militärs stösst, die Wehrpflicht von zwei auf drei Jahren verringern. Wilhelm II. pocht auf die Annahme einer dreijährigen Dienstzeit, was den Kanzler in eine aussichtslose Lage manövriert, da dies bei allen Parteien auf erheblichen Widerstand stößt.

Am 7. Juli 1893 liegt dem Reichstag zur Beratung - bei überfüllten Tribünen - der Gesetzesentwurf über die Erhöhung Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres vor. In der Debatte sprechen im Plenum Reichskanzler Leon von Caprivi, Friedrich Payer (1847-1931) von der Demokratischen Volkspartei und andere. Wilhelm Liebknecht (1826-1900) wirft den Regierenden vor, sie wollen die große Armee, weil sie Angst vor dem Ausland haben, "weil sie sich vor den Russen und Franzosen fürchten". Caprivi gelingt es nicht mit Unterstützung des Reichstages, die Erhöhung der Heeresstärke auf 500 000 Mann zu beschließen. Daraufhin ordnet  er zum 6. Mai 1893 die Auflösung des Reichstages und für den 15. Juni 1893 Neuwahlen an.

[Reichstagswahlen   zurück] Lediglich die Sozialdemokraten und antisemitischen Parteien, verraten die Wahlergebnisse, verzeichnen Stimmengewinne. Das Feld der Mittelparteien reißt auf. Die konservative Wählerbasis magert ab. Das Gerede von Königs- und Gottestum wirkte auf viele überholt und abgeschmackt. Nur knapp gewannen die Kartellparteien - Deutschkonservative, Nationalliberale und Freikonservative - die Reichstagswahlen.

 

 

Verteilung der 397 Abgeordnetensitze
gemäss den Ergebnissen der Reichstagswahl
am 15. Juni 1893

 

SPD
Zentrum
NLP
DtVP
Minderh.
DRP
FVp
44
96
52
11
28
28
24
   
FVg
BB
DHP
DKP
Antisem.
Minderh.
 
13
4
7
72
16
28
 
             

Wahlbeteiligung: 72 Pozent

Zentrum - Deutsche Zentrumspartei

NLP - Nationalliberale Partei

DtVP - Deutsche Volkspartei

FVp - Freisinnige Volkspartei

DRP - Deutsche Reichspartei

DHP - Deutsch-Hannoversche Partei

SPD - Sozialdemokratische Partei Deutschland

FVg - Freisinnige Vereinigung

NLP - Nationalliberale Partei

Antisemiten - Antisemitenparteien

DKP - Deutschkonservative Partei

BB - Bayerischer Bauernbund

Minderh. - Minderheiten

 

Anmerkung: Die Deutsche Freisinnige Partei spaltete sich 1893 in Freisinnige Volkspartei und Freisinnige Vereinigung, die als Wahlvereinigung 1893 bei den Wahlen zum Reichstag 14,8 Prozent der Stimmen erhielten. (Hofmann, Seite 30 bis 53)

 

[Caprivi meldet  zurück] Reichskanzler Leo von Caprivi  meldet dem Kaiser im Hochsommer 1893, dass der unentbehrliche Freund Bismarcks, Freiherr von Maltzahn, als Staatssekretär des Reichsschatzamtes, zurücktreten will. Paul Wittko erzählt 1925, dass er als Nachfolger drei Namen nannte, die alle im Vorfeld ausschieden. Angeblich schlug dann der Kaiser selbst den Grafen Posadowsky vor, weil er von ihm so viel Gutes gehört hatte. Ein besonderes persönliches Verhältnis, erzählen viele Jahre später am 3. März 1930 die Danziger Neueste Nachrichten, lag dem nicht zu Grunde: "Für den Grafen, den der Kaiser unter Außerachtlassung anderer Vorschläge aus eigener Initiative zum Staatssekretär berief, hat er niemals besondere Sympathien gehabt. Das kam auch in Äußerlichkeiten zum Ausdruck. Nur selten befahl Wilhelm II. Staatssekretär Posadowsky zum Vortrag, und nur ein oder zweimal ist er in seinem Hause gewesen.

[War er der Richtige?  zurück]  "Der gräfliche Reichsschatz-Sekretär," raunt der Vorwärts aus Berlin am 13. August 1893, "ist politisch ein völlig unbekannter Mann." Andere Zeitungen äußern sich ähnlich. Etwas versteckt, verbarg sich dahinter die Frage: War er wirklich der Richtige für diese Aufgabe? An seiner Leistungsfähigkeit bestanden keine Zweifel. Und an der Treue zur Krone? Auch da bestand kein Anlass zur Sorge. Der Stallgeruch passte. Die Familie entstammt dem schlesischen Uradel und der Vater war königlicher Oberlandesgerichtsrat. Sohn Arthur bildete und festigte als Referendar, Gutsverwalter, Landrat und Abgeordneter der Freikonservativen Partei im Preußischen Abgeordnetenhaus das konservative Standes- und Selbstbewußtsein weiter.

Gelegentlich stellte man, wie seitens der "Kreuzzeitung", die Frage nach seiner Eignung lediglich, um den eigenen Oppositionsgeist zu befriedigen. Die Übergabe von Maltzahn an Posadowsky nutzt die Gazette, um folgende Zweifel an seine Fähigkeiten zu streuen: Es geschah am letzten Sonnabend im Reichsschatzamt. "Der Finanz-Dilettant unterweist den in Finanzfragen durch unberührte Jungfräulichkeit sich auszeichnenden Landeshauptmann Graf Posadowsky in fünf Tagen so ausgiebig, daß er orientiert ist ...." So ist die Frage wie man Reichsschatzsekretär werden kann "im Handumdrehen gelöst". (nach Vorwärts 29.8.1893) Die Polemik verleugnet die während der Posener Zeit erworbenen Erfahrungen in der konfliktreichen Mittelebene der Staatsführung. Er konnte nicht nur verwalten, dekretieren, regieren, reden, publizieren und die notwendigen Arbeitsaufgaben formulieren. Die passable Form seines öffentlichen Auftretens, die ungekünstelte Bescheidenheit, die Bereitschaft und Fähigkeit zum vernünftigen Gespräch mit Bürgern aller sozialen Klassen und Schichten war beeindruckend, empfahl ihn für Führungsaufgaben.

Eugen Richter, ein kritischer Parlamentskollege von der Freisinnigen Volkspartei (FVp), bescheinigt ihm am 13. Dezember 1897 im Reichstag rückblickend auf die Tätigkeit als Staatssekretär des Reichsschatzamtes, dass durchaus der Vorsatz zu erkennen, die Verwaltung zu vereinfachen, möglichst viel Klarheit und Durchsichtigkeit zu erreichen. Keine Selbstverständlichkeit, denn die Etatplanung wies dazu in den letzten Jahren gegenläufige Tendenzen auf.

[Matrikularbeiträge  zurück] Mitte 1893 kommt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner nach Berlin. In der politischen Sphäre des Reiches prallen die Meinungen über die Finanzierung einer höheren Friedenspräsensstärke des Heeres, die militärische Ausrüstung und Rolle des Militärs in der Gesellschaft aufeinander. Einige Politiker fuchteln mit der Reitpeitsche rum. Und spießbürgerliche Zeitungsblätter verunglimpfen die Sozialdemokratie, der man die Hauptschuld daran gibt, dass es nicht sicher war, ob der Reichstag zuverlässig und unaufgeregt Militär- und Rüstungsausgaben finanziert.

Tatsächlich musste der "Mächtigste europäische Staat" (Miquel) "in der Folge bei den Einzelstaaten fechten und sein Manko durch Steigerung der Matrikularbeiträge dieser Einzelstaaten decken". Die Lösung des Problems scheint einfach, man erhöht die indirekten Steuern, so wie man es bereits 1879 gemacht. Johannes von Miquel bezeichnet dies in seiner unlängst erschienenen "Denkschrift" (1893) als "Reform". Steuererhöhung als Reform - da lehnten die Sozialdemokraten dankend ab.

Die Matrikularbeiträge beschäftigen die Politik und politische Öffentlichkeit.

 

Johannes von Miquel Vorschläge zur staatlichen Geldeintreibung berühren die öffentliche Sittlichkeit des Klassenstaates, wenn er die Steuer für Lotterielose von 5 auf 8 Prozent erhöhen will, um für den "Moloch" (Militarismus) fünf Millionen herauszuschlagen. Dass das Lotteriespiel überhaupt unterdrückt werden muss, dafür haben die Berufspolitiker obendrein kein Gespür und Sinn. (Vgl. "Vorwärts" 1.9.1893) Der Wahre Jacob (Stuttgart) karikiert dies 1892.

 

"Moses in der Wüste beschwört
den Felsen um Wasser."

Oberpriester Miquel: Die Anzapfung ist gelungen - gelobt sei die Börse, das Bier und der Branntwein bis in die Ewigkeit, Amen! (Bilderunterschrift im Original)

Im Vordergrund von links nach rechts:
Johannes von Miquel (1828-1901), Preußischer Finanzminister und Reformer,
Leo von Caprivi (1831-1899), Reichskanzler von 1890 bis 1894,
Helmuth Freiherr von Maltzahn (1840-1923), 1888-1893 Staatssekretär des Reichschatzamtes, Heinrich von Boetticher (1833 -1907), der Mann mit Brille im Hintergrund, 1880 bis Juli 1897 Staatssekretär
im Reichsamt des Innern, verfolgt im Hintergrund aufmerksam die Handlungen.


Der Wahre Jacob. Titelblatt. Nummer 175, Stuttgart, den 10. April 1893

 

Zur Reichstagswahl am 15. Juni 1893 tut Fürst Otto von Bismarck öffentlich kund, dass die Fortsetzung des Auflösungskampfes der Interessen Deutschlands nicht günstig ist und die Regierung versuchen sollte, die notwendige Verstärkung des Heeres in anderer Weise als bisher im Reichstag zu erreichen, also zu finanzieren. Es war dies ein versteckter Hinweis auf die notwendige Reorganisation der Zahlung der Matrikularbeiträge.

Hieraus spricht die Unzufriedenheit zumindest eines Teils der politischen Klasse, den Militäretat über die Matrikuluar-Beiträge zu finanzieren.

Oder wie Wilhelm Liebknecht am 7. Juli 1893 im Reichstag mit investigativer Potenz herauslässt:

".... man weiß eben nicht,wie man das Geld beschaffen soll".

Bisher finanzierte man die wachsenden Staatsausgaben, dabei spielte die wachsende Bevölkerungszahl eine gewisse Rolle, durch Erhöhung der indirekten Steuern und die Matrikularbeiträge. Letzteres verursachte zunehmend Ärger, und könnte, wenn man so weitermacht, gar Partikularambitionen bei den Ländern wecken.

"Im Namen der Einzelstaaten hatte man immer die neuen Reichssteuern eingeführt," erklärt am 30. Januar 1894 im Reichstag der Abgeordnete Eugen Richter, "nachher aber hat man den Ertrag der Einzelstaaten entzogen und dem Reiche zugeführt und zwar in Form der Erhöhung der Matrikularbeiträge."

Kaiser Wilhelm II. bringt am 17. November 1893 in der Thronrede zur Eröffnung der 2. Sezession des am 15. Juni 1893 gewählten Reichstages die Erwartung zum Ausdruck, dass die Schwankungen in den Überweisungen der Matrikularbeiträge (Abgaben der Länder an den Zentralstaat) geglättet und die Einzelüberweisungen in ein festes Verhältnis gebracht werden müssen. (Wörtlich: "Das Finanzwesen des Reiches wird dergestalt aufzubauen sein, dass unter Beseitigung der bisherigen Schwankungen die Anforderungen desselben an die Einzelstaaten in ein festes Verhältnis zu den Überweisungen gestellt werden, ....)

Die Beendigung der unglückseligen Praxis, erklären 1925 (391) Doktor Hans von Arnim und Professor Doktor Georg v. Below, nannte man damals Finanzreform. Ihr Ziel war ein stabiles Gleichgewicht zwischen den Leistungen des Reiches an die Bundesstaaten und der Länder an das Reich herzustellen, was wiederum eine bessere Finanzausstattung erforderte. Folgerichtig begann man umgehend, nach außerordentlichen Mitteln zu suchen. Zur Stärkung des Finanzwesens, kam die Bildung eines Reichsministeriums in Gespräch, was aber verworfen wurde.

Vom neuen Staatssekretär des Schatzamtes erwarten Wilhelm II. und sein Kanzler, dass er die Misswirtschaft mit den Matrikularbeiträgen, von denen, wie Eugen Richter sagt, dass Volk nichts weiss, aber deren Lasten es tragen muss, abstellt. Das wird schwieriger, als es zunächst ohnehin schon im Lichte der Finanzpolitik und den Kabalen des Reichstages erschien. Keinesfalls soll das Reichsschatzamt hierbei als Konkursverwalter agieren. Obwohl die Etatseinnahmen für den Haushalt um 20 Millionen Mark gestiegen, muss Posadowsky in der zweiten Beratung des Reichshauhalts am 14. März 1894 im Reichstag feststellen, dass es bisher, nicht gelungen ist, die Kosten für die Militärvorlage auszugleichen.

[Ideologische Steuerung und Schwindel   zurück] Am 1. Oktober 1893 tritt das Gesetz, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres vom 3. August 1893 in Kraft. Er veränderte die Grundeinheiten, nicht aber die Friedenspräsenzstärke. "Das Sonntagskind", hebt am 4. Oktober 1893 das "Jenaer Volksblatt" hervor, war nicht das zuletzt Resultat einer intensiven ideologischen Arbeit der Nationalen Blätter, die im Volk die Hoffnung schürte und verbreitete, dass die Zustimmung (Annahme) dieser Militärvorlage, sie auf lange Zeit vor weiteren Belastungen der Landesverteidigung verschont. Es kommt anders. Begleitet von der Karikatur durch "Die gefährliche Ladung" vom 20. November 1893, die im Entree bereits erörtert, tagt der Deutsche Reichstag zur nächsten Militärvorlage.

 

Der Text am unteren Bildrand, hier nicht sichtbar, lautet: "Marine Minister Hoffmann: Heda, Michel, den Korb hier könntest Du auch noch tragen! Michel (entrüstet): Oh Du Himmelsakramentsmister, Du glaubst wohl, ich sei ein Esel."

Vorbereitung zur der nächsten Reichtags-Session. Der Wahre Jacob. Jahrgang 10. Nummer 187, Titelblatt, Stuttgart, den 25. September 1893


Nicht bei allen Bürger löst eine waffenstarrende Welt Freudentaumel aus, weshalb die Politiker nur schwerlich bei der Wahrheit bleiben können, wenn es sich darum handelt, dem Militarismus einer mehr oder weniger feindlichen Wählerschaft für die Bewilligung neuer Militärforderungen geneigt zu machen. "Schwindel bleibt Trumpf", prognostiziert am 29. März 1893 der Vorwärts (Berlin).

Schon winkt am Horizont die nächste Wehrvorlage. Am 3. Januar 1896, als die Krüger Depesche beschlossen, legt Konteradmiral Tirpitz den Plan für zwei Hochseegeschwader vor.  (Vgl. Mommsen 89).

"Wie hypnotisiert schaut eine Nation auf die Marine", kritisiert 1899 (689) Eugen Richter. Macht, Kultur und Wohlstand erscheinen allein abhängig "von der Vermehrung der Flotte, von der Steigerung des Marine-Etats" und lässt dafür "alle übrigen Bedürfnisse weit zurücktreten."

Weihnachten 1893 schreckt Minna Kautsky (1837-1912) die Bürger mit der Nachricht auf: "In allen Kulturstaaten, namentlich auch in unserem Deutschland bereiten sich gewaltige Umgestaltungen vor." "Niemals war die innere Lage kritischer. Die Frage des Militarismus drängt gebieterisch zur Entscheidung." Zum Neujahrstag 1894 begrüßt der Vorwärts (Berlin) in Europa

12 Millionen Soldaten.

Wird Staatssekretär Posadowsky den Schwindelkurs mitmachen? Kann er die Finanzierung des Staates auf solide Grundlage stellen? Kommt endlich Ordnung in die Matrikularbeiträge? Und wie wird er die finanziellen Lasten der Reichsfinanzreform verteilen? Er muss die Flotten- und Hochrüstung finanzieren, dazu die indirekten Steuern erhöhen, die ja diejenigen sind, welche das Reich in der Hauptsache zur Verfügung hat, aber vorzugsweise die minderbemittelten Klassen schwerer belasten als die Wohlhabenden. Auf diesen schwierigen Weg des Kompromisses gibt ihm noch im November 1893 der "Der Wahre Jacob" aus Stuttgart die freundlichen Worte mit auf den Weg:

"Geb` Acht, Du schlauer Treiber du,
Das ist der Anfang
der Pleite."

[Etat- und Anleihegesetz 1894/95  zurück] Die erste wichtige Aufgabe des neuen Staatssekretärs des Reichsschatzamtes bestand in der Verabschiedung des

Etat- und Anleihegesetz für 1894/95.

Er leitet die erste Beratung zur Festsetzung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend des Reichshaushaltsgesetzes 1894/95

am 27. November 1893 im Deutschen Reichstag

mit einer Rede ein.

 

 

Der Reichshaushalt


Etat für 1894/95: 1.330.429.358 Mark

Verwaltung des Reichsheeres

482.066.828 Mark
(Erhöhung um 31.812.546 Mark)

einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

41.721.523 Mark
(minus 2.753.717)

einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats

99.353.270 Mark
(minus 51.848.063 Mark)
 
 

Verwaltung der kaiserlichen Marine

51.369.307 Mark
(Erhöhung um 3.116.668 Mark)

einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

22.904.030 Mark
(Erhöhung um 1.978.800 Mark)

einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats

6.152.800 Mark
(minus 466.200 Mark)
   

Zum Vergleich andere Ausgaben

   

Reichstag

423 853 Mark

Auswärtiges Amt:

10.323.840 Mark
(Erhöhung um 187.935 Mark)

plus einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

4.827.000 Mark
(Erhöhung um 620.800 Mark)

Reichsschatzamt

360.528.435 Mark
(Erhöhung um 6.292.595 Mark)

plus einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats

161.400 Mark
(Erhöhung um 57.220.Mark)

 

 

Die Gesamtrechnung weist einen Fehlbetrag von 5 1/4 Millionen Mark aus. Durch Erhöhung der Matrikularabgaben an das Reich wandelte sich dieser in einen kleinen Überschuss von 7 4/5 Millionen Mark. Trotzdem befriedigte Posadowsky diese Art und Weise der Finanzierung nicht, weshalb er vorschlägt, dass Reich durch die Bewilligung neuer Einnahmequellen finanziell zu emanzipieren.

Auf die Rede des Staatssekretärs folgt ein Vertreter des Zentrums.

Danach redet August Bebel 1 ½ Stunden von der Tribüne. Ihn löst der Kriegsminister ab, der einiges zu tun hat, um die Keulenschläge des SPD-Frontmann wieder zu richten.

Zur Debatte stand nach Eugen Richter, Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei, eine Einnahmesteigerung von 114 Millionen Mark. Am nächsten Tag (1893,126) rechnet er vor, dass es dem Volk summa summarum 100 Millionen Mark kosten wird; 60 Millionen für die Heeresvorlage und 40 Millionen für das Reich. Dazu kommen die schweren Lasten der indirekten Steuern, die sich mit der Militarisierung des Staates weiter erhöhen. Von 1872 bis 1893 stiegen sie von 240 auf 680 Millionen (Karl Bachem 1894).

Eugen Richter stellt am 30. Januar 1894 im Reichstag die Frage nach der Steuergerechtigkeit auf: "Die Steuern, über welche das Reich verfügt, treffen vorzugsweise die minderbemittelten Klassen, und die Hauptausgaben des Reiches sind solche für Militär und Marine." Dafür tragen sie eh schon die schwere Last. "…. und umso ungerechter ist es gerade die indirekten Steuern, welche ebenfalls von diesen Klassen getragen werden, noch zu erhöhen."

Posadowsky, vermutlich etwas unter dem Eindruck von Richter stehend, erhält erneut das Wort und schlägt vor, dass bei Annahme der Vorlage, entschieden werden müsse, auf welche Interessengruppen sich die Lasten verteilen sollen.

 

Die Reichsfinanzreform  zurück 

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner und Johannes von Miquel (1828–1901), 1890 von Reichskanzler Leo von Caprivi zum preußischen Finanzminister berufen, treiben Steuern ein.

Text im Bild:
"Im Frühling tauchte unter sie mit allen Bösen.
Und unsre Steuerzahler sangen frohe Lieder.

Doch mit des Herbstes Nebeln kehrt die Alte wieder,
Um uns von unserm "Überfluss" zu erlösen".

 

Venus die Auftauchende. In: Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Nummer 213. Stuttgart, den 25. September 1894, Seite 1784

 

Im September 1894 kündigt Der Wahre Jacob an, dass "Venus die Auftauchende" den Steuerzahler bald vom Überfluss befreien wird. Steuermann Posadowsky (1894, 909) kennt die Stromschnellen der Reichssteuerfinanzreform. Er weiß genau, selbst im Lager der Patrioten, also bei den Bürgerlichen, besteht die Gefahr, dass die Stimmung umkippt und die "Unzufriedenheit ins Unangemessene steigt". Der Mann auf der Brücke fürchtet die Sozialdemokraten. Ihnen kann das Herz im Leibe lachen. Sie brauchen den Baum gar nicht mehr zu schütteln, "die Früchte fallen ihnen schon durch den Sturm der Parteien in den Schoss".

Zunächst muss der Reichstag darüber beraten. Die erste Beratung zur umstrittenen Reichsfinanzreform, findet

am 29. Januar 1894

statt. Posadowsky erklärt:

"Die Reform des Reichsfinanzwesens ist eine politische und finanzielle Notwendigkeit. Die Matrikularbeiträge sollen nur ein Notbehelf sein, bis das Reich von seinen eigenen Einnahmen leben kann."

Im Weiteren konzentriert sich der Staatssekretär (vgl. 29.01.1894, 908) auf die grundlegenden Reaktionen in diesem Haus.

Die erste Gruppe lehnt die Reichsfinanzreform ab. Sie wollen stattdessen eine weitere Anhebung der indirekten Steuern und eine Reichseinkommensteuer einführen. Letzteres ist gegenwärtig undurchführbar, weshalb eine weitere Kontroverse zu diesem Plan unterbleibt.

Ebenso verweigert die zweite Gruppe die Zustimmung, weil die Finanzreform unter ungünstigen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlaufen würde. Es kriselt.

Eine dritte Gruppe von Abgeordneten steht dem Vorhaben freundlich gegenüber.

Welche Steuererhöhungen kommen überhaupt in Frage?

Börsensteuer. Sie lehnt Posadowsky mit Rücksicht auf die allgemeine Lage in der Wirtschaft und Handel ab. Wir dürfen uns nicht verhalten "wie jener der den Baum fällt, um die Früchte zu pflücken". Der Berliner Börse vertraut dann ihre Werte ausländischen Kapitaleigner an. Wenn das Geschäft nicht lohnend, werden sie diese herausziehen.

Wehrsteuer. Zu ihr sollen die vom Militärdienst freigestellten verpflichtet werden. Vielleicht wäre es möglich, so diskutiert man, wenn man für die Bemessung eine Einkommensgrenze einzieht, was eine amtliche Prüfung erfordert und aller Erfahrung nach einen ziemlichen Verwaltungsaufwand, ohne Aussicht auf einen angemessenen Ertrag, verlangt. Schwerer als dieser Einwand wiegt das Los der Betroffenen. In welchen Zustand befinden sich, fragt Posadowsky, die aus dem Heer Entlassenen?

Wird man einen Kellner mit tauben Ohr einstellen?

Nimmt man einen Jäger, der schielt?

Wer will einen Bediensteten, der stammelt.

Und wer möchte einen Gesellen mit einem steifen Finger beschäftigen?

Er möchte keine Blinden, Lahme und Taube zur Wehrsteuer heranziehen.

Liebesabgaben. Sie sollen die landwirtschaftlichen Betriebe aufbringen. Die könnten aber damit überfordert sein. "Diese sogenannten Liebesabgaben stellen aber nichts dar als eine Ermäßigung gewisser Steuern für in ihrer Produktion beschränkte Industrien", argumentiert Posadowsky am 12. Dezember 1901 in der ersten Beratung zum Zolltarifgesetz. "Wenn man das Liebesabgaben nennt, muss man auch die Befreiung der untersten Volksklassen von der Einkommensteuer eine Liebesabgabe nennen. (Sehr gut! rechts.)"

Posa rät in der Reichstagssitzung am 29. Januar 1894 dringend von der Erhebung der Liebesabgabe ab. Er stützt sich hierbei auf einen kritischen Erfahrungsbericht von einem Grundbesitzer für den Zeitraum 1881 bis 1893. Er zeigt, wie kritisch die wirtschaftliche Lage im Osten Deutschlands ist. Das war nicht geschickt, denn diese Methode hatte in der Öffentlichkeit keinen guten Ruf. Am 7. Juni 1898 führte das Reichsamt des Innern in Vorbereitung der Handelsverträge "Erhebungen zur Feststellung der Ergiebigkeit der Landwirtschaft" durch. Prompt stellte sich ein, was bewiesen werden sollte, nämlich, dass die Landwirtschaft nicht rentabel ist. Folglich müssen, so lautete die Schlussfolgerung, die Getreidezölle erhöht werden. Dazu ermittelte der Deutsche Landwirtschaftsrat zusammen mit den Vorständen der Landwirtschaftskammern solche Landwirte, die "in natürlicher technischer und sozialer Beziehung" ein "typisches" Bild von der Landwirtschaft entwerfen können. "Mit der Produktionstatistik hat" Posadowsky "- gelinde ausgedrückt - keine Ehre eingelegt. Und auch die Erhebungen über die gewerbliche Kinderarbeit sind zu einem Schlage ins Wasser geworden. (Vgl. Enqueten 4.10.1900)

Inseratensteuer. Sie liegt quer zu den Interessen der Stellensucher und bringt unzumutbare Belastungen für diejenigen, die Todesanzeigen aufgeben müssen. - Abgelehnt!

Tabaksteuer. Vielen Ortes war Unwillen über die Einführung der Tabaksteuer zu spüren. Wiederholt berichtet der Vorwärts (Berlin) über Proteste gegen die Tabaksteuer, zum Beispiel in der Ausgabe vom 14. November 1894 mit dem Tabakarbeiter Wildemann aus Stuttgart. Genosse von Elm tourte Anfang November mit dem Vortrag durch Württemberg "Die Tabaksteuer und ihre Folgen". Letztlich ist es ein Protest gegen die hohen Steuern. Die indirekten Steuern, instruiert uns Karl Bachem (30.01.1894), müssen im richtigen Verhältnis zur Belastung der mittleren und oberen Klassen durch die direkten Steuern stehen. Er lehnt es deshalb ab, neue indirekte Steuerhöhung zum Zweck zu bewilligen, Erhöhungen der direkten Steuern in den Einzelstaaten zu vermeiden.

Biersteuer. Hiergegen opponieren die Bayern. "Ich habe aber die Überzeugung," sagt Posadowsky am 23. März 1895 im Reichstag, "die Bierschlange wird immer wieder ihr drohendes Haupt erheben."

Weinsteuer. Württemberg macht Einwände geltend. Der Bevollmächtigte zum Bundesrat für das Königreich Preußen und preußische Finanzminister Doktor Johannes von Miquel (1894, 921) hält dagegen: Der Wein darf als Luxusartikel nicht frei bleiben. Wir vertreten die öffentliche Meinung, plustert er sich auf, um dem Gewicht zu verleihen.

Zuckersteuer. Die Debatte läuft ins Leere. "Welchen tatsächlichen Wert diese postume Debatte über die Zuckersteuer haben soll," räumt Posadowsky am 12. März 1897 im Reichstag offen ein, "ist mir bis jetzt nicht ganz klar geworden, weil gar kein Abänderungsantrag vorliegt."

Miquel stürzt sich mit Emphase auf die Große Finanzreform und überbringt den Reichstagsabgeordneten die frohstimmende Botschaft, dass alle, außer den Freisinnigen, im preußischen Abgeordnetenhaus vertretenen politischen Richtungen dies ebenso tun. Eine Ablehnung, warnt er, würde den Überhang der Matrikular-Beiträge vergrößern und die Einzelstaaten könnten den Föderativen Staat dann nicht mehr als Wohltäter empfinden.

Die Sozialdemokraten nehmen seine Aktivitäten nicht so positiv auf, wie man es allgemein erwarten würde. Denn der aufgebrachte Gesamtbetrag an Steuern beträgt lediglich 94 Millionen Mark, was nicht mal die Kosten der Militärvorlage deckt. Miquel könnte, äußert am 16. November 1893 der Vorwärts (Berlin) seine Befürchtungen, zum Konkursverwalter werden und prophezeit: Bald setzt das fröhliche Weiterwirtschaften ein: borg hier, borg da.

In mehreren Sitzungen debattiert der Reichstag weiter über Steuererhöhungen.

 

Großes Eröffnungs-Ballet: Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes Arthur Graf von Posadowsky-Wehner jongliert mit der Tabak-, Bier, Schnaps- und Weinsteuer. "Miquel" flüstert der Souffleur.

Großes Eröffnungs-Ballet. Der Wahre Jacob. Jahrgang 11. Heft 218, Titelblatt. Stuttgart, den 1. Dezember 1894

 

[Grand pas du Finanzreform  zurück] Der Wahre Jakob feiert im Dezember 1894 auf der Titelseite die

Grand pas du Finanzreform

ab. Begleitet von einem Großen Eröffnungs-Ballet jongliert ein Equilibrist namens Arthur Graf von Posadowsky-Wehner temperamentvoll mit Tabak-, Bier-, Schnaps- und Weinsteuer. Derweil poppt im Hintergrund eine schmucke Tanzgruppe auf. Ihre Kostüme tragen die Namen der Länder Baiern, Württemberg, Preussen, Sachsen, spielen also auf die Misere der Matrikularbeiträge an. Die Körpersprache der Damen deutet nicht darauf hin, als ob sie bald ihre Drehungen aufführen wollten. "M i q u e l" flüstert der Souffleur.

[Miquel zurück] Wozu will der Souffleur den Staatssekretär des Reichsschatzamtes mit dem Stichwort "M i q u e l" verhelfen?

[a] Das Stichwort könnte als Codewort für den Auftakt zu einer umfassenden Finanz- und Steuerreform dienen. Johannes von Miquel (1828-1901) ist der Nachfolger von Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein im Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt a. M. (1880 bis 1890) und erarbeitet sich den Ruf eines Meisters strengen Einnahmen-Ausgaben-Kontrolle. 1890 ernennt ihn Reichskanzler Leo von Caprivi zum preußischen Finanzminister. 1891/93 führte er das System der Einkommen-, Gewerbe- und Vermögensteuer ein. Durch das preußische Kommunalabgabengesetz vom 14. Juli 1893 erhalten die Gemeinden erstmals Grund- und Gebäudesteuer. Es ist die große Steuerreform von 1891/93, die das deutsche Finanzsystem bis heute prägen.

Das Einkommensteuergesetz vom 24. Juni 1891 mit den progressiven Steuertarifen, posaunt Miquel hinaus, sei d i e  neue Steuergerechtigkeit. Die weniger bemittelten sozialen Klassen, so lobt der Finanzminister das Gesetz, werden durch die abgestufte Einkommen- und Erbschaftssteuer von Steuerbürden entlastet. Der Einkommensteuer-Satz liegt für Jahreseinkommen von 900 bis 1 050 Mark zwischen 0,62 Prozent und für Einkommen über 10 000 Mark bei zu vier Prozent. 97 Prozent der Steuerpflichtigen, legt Miquel den Abgeordneten zur Beratung des Etat- und Anleihegesetz am 28. Novemfber 1893 vor dem Reichstag dar, verfügen in Preußen über ein Einkommen von 900 bis 8500 Mark, nur drei Prozent gelten als Reich.

Als Wilhelm II. in der Kronrats-Sitzung am 17. März 1892 verlangte, dass Schulgesetz im Sinne nationalliberaler Forderungen grundlegend zu ändern, protestierte Reichskanzler Leo von Caprivi, weil er ein solches ohne Zutun des Zentrums als wertlos ansah, was eine schwere Regierungskrise in Preußen auslöste. In diesem Moment schlug sich Miquel auf die Seite der konservativen Eliten und wirkte auf eine Sammlungsbewegung von Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen hin. Hierbei entfaltete der "geheime Mentor" des Kaisers einen großen Einfallsreichtum. Zum Beispiel wollte er das Wahlsystem, durch Einführung einer Altersgrenze, Sonderstimmen und was ihm sonst noch möglich erschien, dazu nutzen. (Alles W. J. Mommsen 58ff. + 68)

Miquel triumphierte und überspielte in seiner Steuerpropaganda geschickt, wo die Progression erst richtig einsetzen musste, aber völlig fehlte, nämlich nach oben. An seiner Denkschrift "Finanzreform" (1893) kritisieren die Sozialdemokraten, dass er "Reform" mit "Steuererhöhung" übersetzt. "Es wurmt den alten Kommunisten [Miquel] gewissermaßen heute noch," lästert am 11. November 1893 der Vorwärts aus Berlin, "dass mit dem ungerechten aller Steuersysteme in Preußen-Deutschland nicht schon viel, viel früher begonnen worden ist."

[b] "Miquel" wäre ebenso als Signalwort für das Thema Reichseinkommensteuer brauchbar. Zwar lehnte er diese als preußischer Finanzminister ab, war aber immerhin, meldet die Jenaer Volkszeitung am 17. Juni 1893, für die Einführung einer Reichserbschaftssteuer. Die Idee der Reichseinkommensteuer tauchte ab und an in den Debatten auf, wurde dann, warum auch immer, offiziell aus verfassungsrechtlichen Gründen, nicht verwirklicht. Als Ersatz beschliesst im Dezember 1893 der Reichstag das Gesetz zur Änderung der Reichsstempelabgabe, vorgelegt vom bayerischen Finanzminister Doktor Freiherr von Riedel und nach Verteidigung durch Staatssekretär Doktor Graf Posadowsky.

 

 

 

Miquel, Marx, Engels
zurück

In den vierziger Jahren war Johannes von Miquel (1828-1901) Mitglied des Bundes der Kommunisten. 1882 gründete er den Deutschen Kolonialverein mit. Seit 1890 ist er preußischer Finanzminister.

Marx schreibt am 13. Juli 1851 an Friedrich Engels in Manchester: Miquel hat aus Göttingen geschrieben. "Mehrmalige Hausdurchsuchungen bei ihm. Man fand nichts."

"Lieber Marx", antwortet am 20. Juli 1851 Friedrich Engels aus Manchester: "Der Brief von Miquel gefällt mir. Der Kerl denkt wenigstens .…"

Am 6. April 1856 bittet Miquel in einem Brief an Marx um Aufklärung über das Verhältnis der proletarischen Partei zu den bürgerlichen Parteien in einer künftigen Revolution in Deutschland. Nach seiner Ansicht ist alles zu vermeiden, was die Bourgeoisie erschrecken könnte.

In der Antwort vom Juli d. J. beharrt Marx darauf, einen schonungslosen Kampf gegen die Bourgeoisie zu führen.

Marx aus London am 26. August 1856 an Engels in Manchester: "Ich habe auch einen Brief aus Paris von Miquel erhalten. Er wollte herkommen, aber erst Cholera, dann Blutsturz, worauf die Ärzte ihm den Rat gaben, gefälligst das Seereisen bleibenzulassen und sich so rasch als möglich zu Land nach Haus zu machen. Pech."

Marx erhält am 5. Februar 1857 von Miquel ein Angebot an der Hamburger Zeitschrift "Das Jahrhundert" mitzuarbeiten.

Marx aus London am 23. Mai 1857 an Engels in Manchester: "Einliegend auch Brief von Miquel. Ich verstehe in der Tat seine Theorie von "NichtÜberproduktion", aber "Mangel an Zahlungsmitteln für die Produktion" nicht…. "

Ludwig Kugelmann fügt seinem Brief an Marx vom 19. Februar 1865 einen Brief von Johannes von Miquel bei. Marx' "Kritik der Politischen Ökonomie" enthalte, sagte am 22. Dezember 1864 Miquel darin, "wenig wirklich Neues" und die Schlussfolgerungen seien auf die sozialpolitischen Verhältnisse Deutschlands nicht anwendbar.

Am 9. März 1867 tritt Johannes Miquel im konstituierenden Norddeutschen Reichstag für die Gründung des Norddeutschen Bundes als einheitlichen Zentralstaat unter der Vorherrschaft Preußens ein.

Als Abgeordneter des Norddeutschen Reichstages warnt Miquel 1871 über den Arzt Louis Kugelmann (1828-1902) aus Hannover vor einer Einreise von Marx nach Deutschland, weil ihm dort die Verhaftung droht.

17./18. September 1879, Karl Marx, Friedrich Engels: Zirkularbrief an Bebel, Liebknecht und Bracke: "Da lobe ich mir doch den Kommunisten Miquel, der seine unerschütterliche Überzeugung von dem in einigen hundert Jahren unvermeidlichen Sturz der kapitalistischen Gesellschaft dadurch bewährt, daß er tüchtig drauflosschwindelt, sein Redliches zum Krach von 1873 beiträgt und damit für den Zusammenbruch der bestehenden Ordnung wirklich etwas tut."

Friedrich Engels bewertet "In der Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfs 1891" die Diagonal-Karriere von Miquel als Ausnahme: "Es ist doch undenkbar, daß unsre besten Leute unter einem Kaiser Minister werden sollten wie Miquel."

Das Jenaer Volksblatt meldet am 17. Juni 1893, dass Johannes von Miquel, die Reichseinkommensteuer ablehnt, aber für die Einführung einer Reichserbschaftsteuer plädiert.

 Eugen Richter nennt ihn 1899 (694) einen Mann der Flottenvermehrung.

 

 

Sollte der schlesische Sparfuchs vielleicht im Bündnis mit, ja mit wem nun, mit der Sammlungsbewegung und dem Reichsfinanz-Künstler Miquel, die Steuerreform bewerkstelligen? Ja, so könnte es gewesen sein. Denn die Einstellung des neuen Staatssekretärs, fand der "Vorwärts" (Berlin) heraus, war: "Wie Miquel will, Ich halte still, und damit erbringt er den Befähigungsnachweis." (17.8.1893)

 

"Die "Berliner politischen Nachrichten", das Organ des preußischen Finanzministers, fordern die geschäftlichen Kreise Berlins auf, zu einem Fonds zusammenzusteuern, woraus den Frauen und Kindern der Schutzleute in Krankheits- und ähnlichen Nothfällen eine percuniäer Rückhalt gewährt werden kann. Dr. Johannes Miquel überlässt diesen Theil der Sammlung großmütig seinen gehorsamen Dienern." (Originaltext zum Bild). Erläuterung: Am Hut findet sich die Aufschrift "Berline Politische Nachrichten".

 

 

Kladderradatsch. Humoristisch-satirisches Wochenblatt. LI Jahrgang. Nummer 24, Berlin, den 12. Dezember 1898, Seite 100

 

"Tatsächlich schien Posadowsky [dann als Staatssekretär des Innern] die vom preußischen Finanzminister Johannes von Miquel eingeleitete "Sammlungspolitik" zu unterstützen. In seiner ersten längeren sozialpolitischen Reichstagsrede am 13. Dezember 1897 stellte er sich gegen die bisherige, insbesondere vom (1896 abberufenen) preußischen Handelsminister von Berlepsch betriebene Sozialpolitik." (Bahlcke, Ostdeutsche Biographien)

[Posadowsky ein Agrarier?   zurück] Eigentlich gehörte die folgende Frage unmittelbar mit der Ernennung für das Amt behandelt. Doch die Vorstellungen von Miquell`s Persönlichkeit waren da noch zu schemenhaft, um unsere Gedanken wirklich führen zu können. Nun die Frage: Entsteht mit der Ernennung von Posadowsky zum Reichsschatzsekretär ein neues politisches Tandem? Miquel als Vertreter der Industriellen, der Mann für die Flottenvermehrung (Richter 1899, 694), und Posa, der Mann der die Agrarier unterstützt?

Boetticher`s Nachfolger, prophezeit am 15. Januar 1898 der Vorwärts (Berlin), hält alle möglichen "Staatsinterventionen zugunsten seiner agrarischen Klassengenossen für nöthig".

War Posa wirklich ein Mann der Agrarier? Seine politische Haltung zu ihnen erschien den Sozialdemokraten öfter mal verdächtig und mutete ihn manchmal befremdlich an. Es waren also nicht Äußerlichkeiten oder rhetorische Missgriffe, die das Bild vom junkerfreundlichen Staatssekretär befestigten. Ihr politische Urteil gründet auf der Analyse der sozioökonomischen Verhältnisse in der Landwirtschaft und darauf basierende Sozialstrukturen. Ein Konzentrat bietet im November 1894 der SPD-Parteitag mit der Resolution der Agrarfrage, wo es heißt:

"In Preußen-Deutschland kämpft die landwirtschaftliche Unternehmerklasse, die sich dem Wesen von den großgewerblichen Kapitalisten sich nicht unterscheidet, mit dem Landadel. Dieser Landadel erhält sich nur künstlich durch Liebesabgaben, Schutzzölle, Ausfuhrvergütungen, Steuervorrechte."

Adolf zu Dohna-Schlodien (1846-1905), Reichstagsabgeordneter für Pr.-Holland-Mohrungen und Mitglied der Deutschkonservativen Partei (DKP), charakterisiert die Auffassung Posa ein Mann der Agrarier als ein Vorurteil, das ungerecht und entstellend ist, und die Presse zu verantworten hat. Am 10. Januar 1901 interveniert er über die Vossische Zeitung:

"Mit Verwunderung habe ich wahrgenommen, dass der Staatssekretär des Innern Graf von Posadowsky von der Presse als Mann hingestellt wird, der die hochspannten Erwartungen der Agrarier unterstützt. Das ist absolut falsch! Wer, wie ich, häufig Gelegenheit hat, mit dem Staatssekretär zu unterhandeln, also seine Ansichten kennen zu lernen, der weiß bestimmt das Graf Posadowsky garnicht daran denkt, die Agrarier zu bevorzugen und ihre weitgehenden Forderungen zu unterstützen. Das Gegentheil ist der Fall! Graf Posadowsky hat stets beschwichtigend eingewirkt und zur Mäßigung gemahnt. Er ist von dem Wunsche beseelt, dass etwa zu Stande kommt. Das kann seiner Meinung nach nur erfolgen, wenn alle Interessenten sich möglichst bescheidene Wünsche stellen."


Scheitern der Finanzreform  zurück

Die erste Lesung über das

Gesetz zur Finanzreform

erfolgt im Reichstag am 23. Februar 1895. Posadowsky leitet sie mit einem Referat ein.

"Über die Belastung der schwachen Schultern", hört die Ostdeutsche Rundschau (26.2.1895) aus Wien, "werde jetzt allgemein geklagt; es wird sogar von schulterschwachen Millionären gesprochen."

Am 13. Mai 1895 erhält die Finanzreform zusammen mit der an diesem Tag vorgelegten Tabaksteuer-Vorlage, einst ausdrücklich auf der Finanzministerkonferenz am 26. November 1893 als ihr Rückgrat bezeichnet, ein schlichtes Begräbnis. Resigniert packt Posadowsky, berichtet das Voralberger Volksblatt aus dem Deutschen Reichstag, gegen nachmittags 3 Uhr seine mächtigen Aktenstöße in eine schwarze Ledermappe. Bald darauf verkündete der Präsident, dass die Vorlage in allen Teilen abgelehnt ist.

 

 

Nachdem der Schäfer gefesselt ....  zurück

Neben der Finanzreform wurde eine Umsturzvorlage vorangetrieben. Am 17. Dezember 1894 liegt dem Reichstag der Entwurf eines Gesetzes, betreffend Änderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuches, des Militärstrafgesetzbuches und des Gesetzes über die Presse vor. Auf "Umsturz" steht eine Strafe von fünf Jahre Zuchthaus. Undemokratisch war vor allem die damit einhergehende gesetzlich gestützte Willkür, die ein gewaltiges Explorations- und Tätigkeitsfeld erhielt. Der Reichstag lehnte die Vorlage am 11. Mai 1895 in zweiter Lesung ab.

"Nachdem der Schäfer gefesselt, können die Schafe bequem geschoren werden."

Links auf dem Bild Arthur von Posadowsky- Wehner, rechts Johannes von Miquel und am Baum gefesselt der deutsche "Michel".

Der wahre Zweck. In: Der Wahre Jacob. Titelblatt, Nr. 221, Stuttgart, den 31. Juli 1893

Den "wahren Zweck" der Umsturzvorlage enthüllt 1893 Der Wahre Jacob im Subtext am unteren Rand der Grafik:

"Nachdem der Schäfer gefesselt, können die Schafe bequem geschoren werden."

Mit der Umsturzvorlage ware nicht nur heftige ideologische Kämpfe verbunden. Dies hatte Auswirkungen auf das Verhältnis von Reichsleitung und zum Kaiser, dessen Haltung gegenüber dem Parlament und den Parteien sich zusehends verschlechterte. (W. J. Mommsen 83)

 

 

Revirement  zurück

Posadowsky ist bis Ende 1894 unter Caprivi`s Kanzlerschaft tätig. Dann kommt das Revirement. Philipp zu Eulenburg (1847-1921), quasi mit dem Kaiser befreundet, legt am 20. März 1894 eine Denkschrift zur Umgestaltung der deutschen Regierung vor. Adolf Marschall von Bieberstein (1842-1912), seit 1890 Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, soll entfernt werden. Der Zusammenstoß mit Kuno Moltke und August Eulenburg anläßlich des Bismarck-Besuchs in Berlin wird ihm nicht verziehen. Bernhard von Bülow muss übernehmen. Miquel als "Bindeglied zwischen der Regierung und den rabiat gewordenen Agrariern" darf bleiben. Caprivi`s Kanzlerschaft wackelt. (Vgl. Röhl 2002, 55-59) Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst soll ihn ablösen. Am 29. Oktober 1894 übernahm er als erster Katholik und Süddeutscher das Amt. Die personelle Erneuerung ist ein Triumph über die Politik des Ausgleichs, der Agrarzölle des Vorgängers und stärkt das persönliche Regiment des Wilhelm II.

Im kommenden Frühjahr muss schon Boetticher durch Posadowsky und Marschall durch Bülow ersetzt werden. Die Dinge verliefen im März 1896 durch "Verschwörung" von Holstein nicht nach Plan, was C. G. Röhl (57) näher erklärt, aber hier nicht weiter expliziert werden muss, weil es lediglich darauf ankam zu zeigen, wie die Veränderung der Position Graf von Posadowsky in die planmäßig vorbereitete Ernennung von Bernhard von Bülow im Sommer 1897 als Staatssekretär des Äußeren eingebunden war.

 

 

Staatssekretär des Innern  zurück

Seine Majestät der König ernennt Posadowsky allergnädigst zum Staatsminister und Mitglied des Staatsministeriums. Zugleich leitet.

Seine Majestät der Kaiser beruft am 1. Juli 1897 allergnädigst Dr. jur. Graf Arthur Adolph von Posadowsky-Wehner zum Staatssekretär des Reichsamtes des Innern und beauftragt ihn mit der allgemeinen Vertretung des Reichskanzlers nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878.

Von 1880 bis Juli 1897 lenkte die Institution Heinrich von Boetticher (1833 -1907), ein Unterstützer der Caprivischen Handelsverträge und deshalb bei den Großgrundbesitzern nicht beliebt.

 

"Das Reichsamt des Innern hatte seit 1879 immer mehr Aufgaben an sich gezogen: Im Frühjahr 1894 war von der I. Abteilung eine neue III. Abteilung für wirtschaftliche Fragen abgezweigt worden, die nach sechs Jahren wiederum geteilt wurde, so dass seit Mai 1900 vier Abteilungen bestanden. Die Anzahl der Direktoren stieg von einem im Jahr 1889/92 auf drei im Jahr 1900, die der Vortragenden Räte von zehn auf sechzehn.

Die legislatorischen Aufgaben der "II. Abteilung für wirtschaftliche Angelegenheiten", die eigentlich sozialpolitische Angelegenheiten bearbeitete, wurde bereits 1891 im "Handbuch für das Deutsche Reich" - und dann fortlaufend - präzise und treffend gekennzeichnet: "Der zweiten Abteilung liegt die Bearbeitung derjenigen Angelegenheiten ob, welche sich auf die Fürsorge für die arbeitenden Klassen (Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung, Arbeiterschutz, Sonntagsruhe etc.) beziehen. Dieselbe bearbeitet außerdem die gewerblichen Angelegenheiten, einschließlich des Versicherungswesens, die Freizügigkeitssachen und das Armenwesen." Das Reichsamt des Innern wurde wieder Vorreiter der sozialpolitischen Gesetzgebung." (Tennstedt 2021, 49f.)

 

Passend zur Einsetzung von Posadowsky im Juni 1896 erfolgt der Abgang von Doktor Hans Hermann von Berlepsch (1843-1826) aus dem Amt des preußischen Staats- und Handelsministers unter desen Ägdide die Sozialpolitik des Neuen Kurses stand. "Passend" wäre also ein weitreichende Einschätzung dieses Vorgangs. Fragen wir besser noch einmal: Ist sie wirklich zutreffend? Z e i t g e n o s s e n  sahen dies so. "Berlepsch hat gehen müssen," kommentiert umgehend das Znaimer Wochenblatt (Wien), "weil seine eifrige Befürwortung positiver Sozialreformen nicht mehr in das gegenwärtige politische System passt." Die m od e r n e  Forschung erhärtet diese Interpretation. Carsten Schmidt erklärt in 2007 (20/21) in seiner Dissertation: Unter der Ägide Berlepsch wurden in den Betrieben neue Sicherheitsvorschriften eingeführt, die Sonntagsarbeit verboten, die Kinderarbeit zurückgedrängt und die Arbeitszeit für Frauen und Jugendliche reduziert. "Während Kaiser und Regierung bei Streiks repressiv gegen Arbeiter und Gewerkschaften vorgehen wollten, setzten Berlepsch und seine sozialreformerisch gesinnten Mitarbeiter auf eine Stärkung der Rechte der Arbeiter. Auf Druck der Reformgegner gab Berlepsch sein Amt 1896 schließlich auf."

Nun rätselte das politisch interessierte Publikum: War dies das Ende des Neuen Kurses?

[Posadowsky als Refombremser?   zurück] Die Einschätzung des Znaimer Wochenblatts (1897) und von Carsten Schmidt (2007) lässt die Berufung von Posadowsky im faden Licht des Reform-Bremsers erscheinen. Noch 1932 flirrt im Redaktionsgedächtnis der Frankfurter Zeitung umher, dass der neue Staatssekretär damals einer temporeichen Fortführung der Sozialpolitik und Erweiterung des Koalitionsrechts zunächst kühl gegenüberstand.

Zum Tempo der Sozialpolitik erklärt Posadowsky am 13. Dezember 1897 vor dem Reichstag:

"Ich meine überhaupt, wir sollten uns beschränken, hier im Reichstag nicht fortgesetzt neue sozialpolitische Gesetze zu planen, sondern zunächst einmal die vorhandenen Gesetze weiter ausbauen und in ihren Wirkungskreise ausdehnen. Wenn wir auch nur die sozialpolitischen Gesetze, die bestehen, weiter ausbauen wollen, so, kann ich Ihnen versichern, ist das schon eine Riesenarbeit."

"Einen Grund zur Unzufriedenheit," räumt er am 13. Dezember 1898 vor dem Reichstag ein, "glaubt man darin gefunden zu haben, dass die Sozialgesetzgebung zum Erliegen gekommen ist."

Die Bilanz der Sozialpolitik der letzten Jahre "ist sehr mager", rechnet ihn am 1. Februar 1906 der SPD-Reichstagsabgeordnete Richard Fischer (1855-1926) aus Berlin vor:

"Die Reform des Gewerbegerichtsgesetzes vom 29. September 1901, die Revision der Seemannsordnung vom 2. Juni 1902, das Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903, das Notgesetz zur Krankenversicherung vom 23. Mai 1903, das Gesetz über die Kaufmannsgerichte vom 6. Juli 1904, die dürftige Berggesetznovelle in Preußen vom Sommer 1905 und ein paar Bundesratsverordnungen für Arbeiterschutz.

Das ist alles!"

Posadowsky verspricht am 13. Dezember 1897 (176) vor dem Reichstag, "dass Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern", "soweit es sich um berechtigte Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter handelt." Dies Reaktion auf Teile der politischen Öffentlichkeit, die einen Reformstau in der Sozialpolitik fürchten.

 

 

                                                  

Eisenwalzwerk
Adolph von Menzel (1815-1905). Öl auf Leinwand. 158 mal 254 Zentimeter. Entstanden von 1872 bis 1875. Standort: Alte Nationalgalerie, Berlin.

Von 1873 bis 1893 verdoppelte sich die Roheisenproduktion in Deutschland. Die Arbeiterklasse wächst schnell. 1873 beträgt die Zahl der Beschäftigen in Industrie und Handwerk 4,7 Millionen. 1913 sind es 10 Millionen. Deutschlands Einwohnerzahl erhöht sich von etwa 40 Millionen im Jahr 1870 auf 67 Millionen im Jahr 1913.

 

 

[Imperialismus, Welt- und Sozialpolitik   zurück] Es wird nicht so einfach, das Wohl der arbeitenden Klasse zu fördern. Der von vielen, besonders im städtischen Bürgertum, begrüßte Neue Kurs steht im Zeichen der gefährlichen industriellen und landwirtschaftlichen Plutokratie, welche jetzt im Reich das Heft fest in der Hand haben. Ihn dirigieren der Unternehmer und Reichstagsabgeordnete Carl Ferdinand Stumm (1836-1901) und das exponierte Mitglied der Reichspartei Georg von Kanitz (1842-1922). "Das sagt zur Kennzeichnung wahrlich genug", rundet der Vorwärts (Berlin) am 3. Juni 1898 seine Einschätzung ab.

Das "Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern", stellt Posadowsky vor nicht einfache Aufgaben. Denn das imperialistisch werdende Deutschland vollzieht ab 1897 den Übergang zur Weltpolitik. Praktisch heißt das, es müssen die Ausgaben der Flottenrüstung finanziert werden. Ist Posadowsky hierfür der richtige Mann? Das Berliner Volksblatts vom 3. Juli 1897 wettet darauf, dass seine politischen Anschauungen in den allerneuesten Kurs, an den der Graf schaffend beteiligt, passen. Dabei "hat er seinen "guten Willen", dem Volke mehr Steuern aufzuhelfen, mehrfach bewährt."

Er ist breit die Flottenrüstung zu finanzieren. Zur Demonstration bot sich die Etatberatung des Deutschen Reichstages am 14. Dezember 1999 (240f.) an. Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst geriet unter mächtigen Druck der Mittelparteien. Die Rechten glänzten mit harten Worten gegen die Reichsregierung. Eugen Richter polemisiert wie üblich gegen die Militärausgaben. Das war ihm Anlass festzustellen: "Jemand, der aber eine starke Waffe in der Hand hat den behandelt man, wen es zum Streit kommt, immer mit mehr Achtung wie den Waffenlosen." "Ich meine, wenn ein Staat wie Deutschland, der sich bereits so im Welthandel engagiert hat und mit Kolonialbesitz so festgelegt hat, nicht eine ausreichend starke Flotte hat, die den militärischen Anforderungen unter allen Umständen genügen kann, die an die Seewehr gestellt werden, so würde Deutschland etwa in der Lage sein ein Kavalleristen sein, der zwar sehr gut kann, aber kein Pferd hat". Man muss Vertrauen haben "und von der Zukunft hoffen", "dass die Nation stark und opferwillig genug sein werde, diese Aufgabe auch finanziell zu lösen. Einen mathematischen Beweis wird Ihnen der Herr Staatssekretär auch nicht erbringen können, dass die Entwicklung immer so sein wird, dass wir ohne neue Opfer diese Flottenverstärkung tragen können! Wenn aber die Mehrheit des Hohen Hauses der Ansicht ist: wir brauchen eine stärkere Flotte zur politischen und handelspolitischen Entwicklung Deutschlands - dann müssen wir auch den Mut haben, diesen Schritt zu unternehmen und, wenn es notwendig ist, auch die Mittel dafür aufzubringen. (Bravo! Rechts)"

 

 

Tuberkulose-Bekämpfung   zurück

Im Ringen um die Ausgestaltung der Sozial- und Arbeitsschutzpolitik versprüht der Staatssekretär des Reichsamtes Optimismus, den Geist von Freiheit und Wohlstand. Sozialpolitik erschöpft sich für ihn nicht in der Installation der Krankenversicherungs- und Rentengesetzgebung. Eigentlich außerhalb seiner administrativen Zuständigkeit, engagiert er sich altruistisch in der nationalen Gesundheitserziehung und der sozialen Prävention der Krankheiten. Er will nicht nur Helfer in der Not, sondern Förderer der Gesundheit sein.

Sein Anliegen auf der 30. Versammlung des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose am 23. März 1901 ist davon getragen, den Mangel an Kranken- und Genesungsheimen für die Tuberkulösen bald möglichst zu Beheben.

Am 23. Mai 1907 hält er das Eröffnungsreferat auf der Elften Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose in Berlin. Die Lungenkrankheit hat wirtschaftliche, hygienische und sittliche Ursachen. Ihre Prävention erfordert den Kampf gegen das menschliche Elend. Die Regierung unterstützt deshalb die Heilstätten-Bewegung, wo Kinder aufgenommen werden konnten. Unterstützt wurden auch solche Kranken, die in der Familie verpflegt wurden. Besonders im ersten Stadium der Erkrankung konnten große Erfolge errungen werden. "Wir sind bemüht, ein gesundes, arbeitsfrohes und lebensfrohes Geschlecht zu erziehen."

 

 

.... der "Sozialismus ist ihm
nach wie vor völlig verschlossen"  zurück

Um 1900 flammte in Deutschland mit dem Bau und der Etablierung städtischer Warenhäuser eine öffentliche Debatte über Vor- und Nachteile moderner Kapitalassoziationen auf. Mehr als einmal beklagte sich der kleine Mittelstand über ihre rüde Art, die viele Existenzen zerstörte. Angeblich versuchte man dieses Problem, durch eine entsprechende Steuergesetzgebung zu bewältigen, was sich zugegebenermaßen als wirkungslos herausstellte. Als Staatssekretär des Innern wollte er die modernen Triebkräfte der Wirtschaft nicht hemmen oder zu alten Bewegungsformen der Wirtschaft zurückkehren, räumte allerdings am 13. Dezember 1905 in der Reichstagsdebatte zwangslos ein:

"Und gestehe ohne weiteres: diese Assoziation des Kapitals hat sehr düstere Seiten und ist für den Mittelstand eine große Gefahr!" "Ich bin der Letzte, der ein Loblied auf sie singen will …."

 

Klassengegensätze

Auf den mitgetragenen Schildern steht von links nach rechts: "Arbeiter werden nicht angenommen", "Arbeit" und "Brot".

Klassengegensätze. Der Wahre Jacob. Nummer 219, Titelblatt. Stuttgart, den 18. Dezember 1894

 

Und was wird aus dem Mittelstand? Zwar merkt der Staatssekretär an, dass einiges geschehen muss, um ihn in seiner technischen und kaufmännischen Ausbildung zu heben und ihn möglich zu machen. Gleichwohl wirkt es unsicher, klingt nach vertrösten. Von Anti-Trust-Gesetzen hört und ließt man nichts. Derweil entartet der Kapitalismus ohne Wettbewerbsordnung und verliert den Charakter einer Marktwirtschaft. In monopolistischen Marktformen obliegt die Preisbildung den Mächtigen, die Rechte des Konsumenten werden beschnitten und die Regeln des fairen wirtschaftlichen Wettbewerbs ruiniert. All dies spielt in der Debatte am 13. Dezember 1904 keine Rolle. Dafür aber die Position der Sozialdemokraten, die an der Konservierung veralteter Wirtschaftsformen kein Interesse zeigen und deshalb den Staatssekretär noch anfeuern. Sie wollen alle Kräfte freimachen, "die heute noch gebunden sind" und stehen den modernen Assoziationen nicht feindlich gegenüber. Noch immer möchten sie aber den Kapitalismus beseitigen, weil die Privatbetriebe "nur Rücksicht auf den Vorteil der Kapitalbesitzer" und "nicht die Rücksicht auf das Interesse der Gesamtheit" nehmen.

"Das begreift Graf Posadowsky nicht. Seine Einsicht ist äußerst kurzsichtig."

"…. die positiv schöpferische Kritik des Sozialismus ist ihm nach wie vor völlig verschlossen", urteilt am 16. Dezember 1904 der Vorwärts aus Berlin.

 

 

Flottenrüstung   zurück

Der Reichstag eröffnet am 6. Dezember 1897 die

Erste Berathung des Entwurfs eines Gesetzes,
betreffend die deutsche Flotte.

Es sollen Kosten für die Flottenrüstung in Höhe von 32 Millionen Mark bis in das Jahr 1904 finanziert werden. Am Tag nach der Eröffnung spricht Eugen Richter von der Freisinnigen Volkspartei. Seit 1871 wohnte er allen Verhandlungen des Reichstags im Plenum und in den Kommissionen zur Militäretaterhöhung bei. Er unterstützt den Flottenbau a) zum Schutz der Nord- und Ostsee und b) in Friedenszeiten zum Schutz der handelspolitischen Interessen im Ausland, moniert aber die unverhältnismäßig hohen Rüstungskosten. Seit dem Tode von Wilhelm I. sind sie von 367 auf 487 Millionen Mark gestiegen. "An einmaligen Ausgaben für Heer und Marine sind seitdem 1816 Millionen Mark verausgabt worden. Infolgedessen hat sich die Reichsschuld seitdem verdreifacht, ist von 721 Millionen auf 2151 Millionen gestiegen."

Noch am selben Tag antwortet Posadowsky darauf. Er beschreibt die Lage der Handeltreibenden bei ihren Unternehmungen im Ausland: Erhält das Auswärtige Amt einen Hilferuf, konnte es keine Schiffe schicken oder doch nicht in der Anzahl. Sie bekommen keinen Schutz. Staatssekretär des Äußeren Bernhard von Bülow gebietet (am 6. Dezember 1897) vor dem Reichstag:

"Wir müssen verlangen, daß der deutsche Missionar und der deutsche Unternehmer, die deutschen Waren, die deutsche Flagge und das deutsche Schiff in China" "geradeso geachtet werden, wie diejenigen anderer Mächte."

Deutschland soll künftig, wünscht sich Posadowsky (14.12.1899, 240), mit den gleichen Machtmitteln auftreten wie England und Amerika. Hier liegt auch die "eigentlich innere Ursache, weshalb im deutschen Volke in so weiten Kreisen sich plötzlich das Verständnis für die weitere Vermehrung unsere Flotte Bahn gebrochen hat. (….) Das gestehe ich dem Herrn Abgeordneten Richter ohne weiteres zu:

mit Kanonen erwirbt man keine Konventionaltarife und schließt keine Handelsverträge ab."

"Jemand, der aber eine starke Waffe in der Hand hat - den behandelt man, wenn man es zum Streit kommt, immer mit mehr Achtung wie den Waffenlosen." (Posadowsky 14.12.1899, 240) Nun gilt es, Richter`s Argument von den unverhältnismäßig hohen Militärkosten niederzuringen (siehe Posa 6.12.1897, 59). Und das geht so: "Wenn man von den ungeheueren Kosten der Marine spricht, so muss man meines Erachtens theilen zwischen den Kosten, die wirklich Kosten der Landesvertheidigung sind, und den Kosten, die ausgegeben werden für Schiffe, die unserem Handel Ausland schützen sollen. Dieser Theil der Marineausgaben, der bestimmt ist, unseren Handel im Ausland zu schützen, fällt nicht dem Konto der Landesvertheidigung anheim, sondern ist eine Ausgabe, die lediglich gemacht wird zum Schutz unserer Industrie und unseres Handels,

also eine Art  K u l t u r a u s g a b e. " 

Um dem Volk die letzten Bedenken für die militärisch gestützte Außenwirtschaftspolitik zu nehmen und Sorgen verweist Posadowsky am 6. Dezember 1897 (59) im Reichstag auf die "maritime Defensionsakte", wonach die englische Regierung zum Bau von Schiffen einfach eine Summe zur Verfügung gestellt bekommt, über die sie frei disponieren kann. Und wenn das, wie er ausführt im "klassischen Land des Parlamentarismus" üblich, muss man sich in Deutschland nicht weiter um die demokratische Entwicklung ängstigen. Pragmatik triumphiert über den semantischen Zeichenwert.

Vor die Entscheidung gestellt Rüstungs- oder Entwicklungsausgaben für die Gesellschaft zu genehmigen, fällt die Antwort von August Bebel am 11. Dezember 1897 (162) doch deutlich anders, um nicht gegensätzlich zu sagen, aus:

"In Oberschlesien brauchten wir allein, damit kein Lehrer mehr als 60 Schüler zu unterrichten hätte, mindestens 1 1/2 Tausend Lehrer. Dafür hat aber der Staat kein Geld! Dafür reicht es nicht! Viele Schulhäuser sind in so erbärmlichem Zustande, daß sie gegen die Pferde- und Kuhställe der ostelbischen Junker wahre Paläste genannt werden müssen. (Lachen rechts. Sehr richtig! links.) So sieht es in Wahrheit aus!

Es müssten von rechtswegen Tausende und Abertausende von Schulhäusern gebaut werden, an denen Arbeiter zehntausendweise Beschäftigung fänden!

Aber Sie haben ja nicht die Mittel! Wie traurig sieht es mit dem Fortbildungsschulwesen, mit dem landwirthschaftlichen sowohl wie mit dem gewerblichen aus! Nirgends Mittel! Meine Herren, ich führte an, daß in Oberschlesien allein es an 1200 Schulen giebt, in welchen mehr als 80 Schüler auf einen Lehrer kommen! Wenn Sie dem Kriegsminister die Zumuthung machen wollten, daß er die Lehrer seiner Armee, die Offiziere und Unteroffiziere, in demselben Maße reduziren sollte, wie Sie das für die armen Kinder des Volks jetzt thatsächlich thun, dann würde er erklären: meine Herren, ich kann keine Stunde mehr Kriegsminister."

Unterschied und Gegensatz zwischen Posadowsky und Bebel entspringen ihrer gesellschaftlichen Stellung und politischen Denkweise.

Am 14. Dezember 1899 möge der Reichstag beschließen, dass die Schlachtflotte verdoppelt werden soll, statt 19 Linienschiffe 40! Der Herr Schatzsekretär Posadowsky beziffert die jährlichen Mehrausgaben für das Flottengesetz 1898 auf 25 Millionen Mark. Eugen Richter (14.12.1899, 688 f.) rechnet nach und präsentiert schließlich die Summe von 125 Millionen Mark jährlich anfallender Zusatzkosten. Seine Kritik an den Rüstungsausgaben zielt weit über die finanziellen Belastungen für die Bürger und Gesellschaft hinaus, analysiert die Folgen für die Kultur und gesellschaftliche Denkweise. Er (1899, 705) erkennt die Gefahr der Entstehung einer gesellschaftlichen Hypermoral, die den Slogan generiert:

Wir dürfen nicht wegschauen. Jetzt kommt Deutschland DER CHAMPION, der "soll alles Unrecht in der Welt bekämpfen, soll überall mit der gepanzerten Faust hineinfahren, wo in der Welt etwas los ist und wo man glaubt, dass jemand in das Unrecht von anderen Staaten gesetzt ist."

 

 

Weltpolitik und Handel  zurück

Der Platz an der Sonne ist angemeldet, die verstärkte Flottenrüstung beschlossen, protektionistische Rückfälle im Welthandel sind gefürchtet und die Kartell- und Monopolbildung schreitet fort.

Den Übergang zu einer ehrgeizigen, politisch und militärisch-aggressiven Weltpolitik markiert 1897 die deutsche Okkupation von Jiaozhou, Kosten 10 Millionen Mark (Richter 1898, 691). Damit ist die in der Debatte zur Wehrvorlage im Deutschen Reichstag (673) am 6. Februar 1888 von Otto von Bismarck in einem Anfall von Schwelgerei und Selbstgerechtigkeit feierlich verkündete Reziprozität von militärischer Stärke und deutscher Friedfertigkeit aufgehoben.

Zwei Jahre vor der Okkupation von Jiaozhou tauchen Pläne von Wilhelm II. zum Bau einer großen Schlachtenflotte auf. Seit dem chinesisch-japanischen Krieg von 1894/95 wachsen die deutschen Begehrlichkeiten gegenüber dem geschwächten China. Den Vorwand zur Intervention bot am 1. November 1897 der Mord an zwei katholischen Priestern in der Provinz Shandong. "[Staatssekretär des Äußeren Bernhard Fürst von] Bülow rechtfertige die Okkupation auf dem chinesischen Festland mit dem Argument, dass die deutsche Industrie, die den amerikanischen Markt über kurz oder lang doch verlieren werde, ein größerer Absatz in Ostasien ermöglicht werden müsse." (W. J. Mommsen 2005, 94 bis 96)

Wilhelm II. erteilt am 3. Juli 1900 aus Anlass des Stapellaufs von "SMS Wittelsbach" in Wilhelmshafen den Auftrag:

"die schärfsten Mittel rücksichtlos anzuwenden". 

Um dem Nachdruck zu verleihen, inszeniert sich in den Weltmeeren, gut umsorgt von 650 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, die "SMS Wittelsbach" (11.775 Tonnen Wasserverdrängung) mit 24-, 15- und 8,8 Zentimeter Schnellfeuerkanonen, zwölf Revolverkanonen und sechs Torpedorohren. So lässt sich Außenhandel treiben, war 1897 die Meinung.

 

 

Handelspolitiker  zurück

Immer mehr "Kulturstaaten", beklagt der Posadowsky 1897 (58) im Reichstag, sind bestrebt durch eine protektionistische Handelspolitik, die Märkte nach außen abzuschließen. Infolgedessen gestaltet sich die Lage der deutschen Kaufleute immer schwieriger, die nicht nur unter der europäischen Konkurrenz zu leiden haben, sondern ebenso unter dem "Konkurrenzneid der einheimischen Produzenten".

Den ".... Kampf um den ausländischen Absatz wird", prophezeit er 1901 auf dem Deutschen Handelstag, "die deutsche Industrie und der deutsche Handel in Zukunft in noch höherem Maße wie bisher zu bestehen haben."

[Zum allgemeinen Staunen .... zurück] Zu diesem Zeitpunkt war sich Posadowsky längst darüber im Klaren, dass die bestehenden Zolltarife veraltet. Zum Teil stammen sie vom 26. Januar 1892 und sind nach seiner Einschätzung in der vorliegenden Form als taktisches Instrument zur Führung bevorstehender handelspolitischer Verhandlungen ungeeignet. Darauf bezieht sich folgende Nachricht der Berliner Zeitung vom 3. Juli 1897:

Es war Posadowsky, "der zum allgemeinen Staunen vom Tisch des Bundesrates herab die Politik der Handelsverträge als revisionsbedürftig hinstellte,

und auf allen Seiten des Reichstages hatte man die Empfindung, daß mit diesen Vorstoße sich eine Art von Umkehr ankündigte, eine Umkehr von der freieren Anschauung in wirtschaftspolitischer Hinsicht, wie sie in der Handelsvertragspolitik siegreich gewesen waren, zu der "unentwegten" Rechtgläubigkeit der nackten junkerlichen Agrarwirtschaft."

In den Beratungen zur Revision des autonomen Querbrachozolls entstehen nach Georg Schiele bei Posadowsky erstmals Fragen zur Effektivität der bestehende Zolltarife. Dabei entstanden Differenzen zwischen dem Reichsschatzamt und Auswärtigen Amt, die zur Öffentlichkeit drangen Der Autor verteidigt ihn 1897 im Aufsatz "Zoll- und handelspolitische Aussichten" (332) gegen den Vorwurf, dass daraus eine Bekehrung der Reichsregierung zur wirtschaftlichen Weltanschauung der Agrarier" zu schließen ist. Eine derartige Vergewaltigung der Anschauungen des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes erschüttert mit Unrecht das Vertrauen in die Vertragstreue der Staatsregierung. In der Sache ging es dabei lediglich um den Zoll auf übersseische Gerbstoffe, die zur zeit nicht gelöst werden kann und man deshalb warten muss, bis die Handelsverträge 1904 auslaufen.

Als es gilt neue Verträge zu fixieren, erscheint er prompt im Handelssalon, um die Meistbegünstigungsregel und den Zolltarif zu bestimmen. Dank des Vertragsrechts verwandeln sich Mehrwert und Raub aus den Kolonien in legales Handeln. Nicht gegen, sondern mit ihm schubbern sich die Handelsverträge in die Nationalstaaten ein.

Posadowsky (14.12.1899) bedrückt 1899 der Handelsstreit mit den USA. Während wir ihnen den Koventionaltarif einräumen, beanstandet er, hält der Amerikaner die Zölle hoch und versucht "sich gegen europäische Fabrikate abzuschließen". Wenn England ebenso verfährt, stellt sich die Frage, was für

"ein wie verhältnismäßig kleiner Teil der zivilisierten und halbzivilisierten Welt bleibt uns dann noch übrig für die Ausfuhr unserer Fabrikate!"

Für Pessimismus besteht kein Anlass, glänzt er am 8. Januar 1901 zur Eröffnungsrede auf dem Deutschen Handelstag die Probleme weg. Die Natur- und Technikwissenschaften machen uns die Kräfte der Natur zum Besten der Menschheit dienstbar. Ihr Fortschritt verbürgt die bessere Naturbeherrschung und Internationalisierung (Globalisierung) der Produktivkräfte. Als Mittel der Expansion des Außenhandels nennt er nicht Schutzgebiete, Kartelle, Flottenrüstung, sondern vertraut auf die "Hilfe des deutschen Erfindergeistes". Zuhause erfordert dies den wirtschaftlichen Interessenausgleich (zwischen Kapital und Arbeit). Zumindest auf dem Handelstag wird die Botschaft des Staatssekretärs gut angenommen, der folgenden Stellungnahme veröffentlicht:

"Anknüpfend an seine Erklärung vom 14. März 1898 spricht der Deutsche Handelstag [1901] die Überzeugung aus, dass zur Erhaltung und Förderung des Volkswohlstandes, der wirtschaftlichen wie politischen Machtstellung des Deutschen Reiches, insbesondere auch zur lohnenden Beschäftigung seiner stark wachsenden Bevölkerung, die Fürsorge für die Ausfuhr deutscher Erzeugnisse durch Beibehaltung und weitere Anwendung der bisherigen Politik der langfristigen Handelsverträge bethätigt werden muß.

Als wesentlicher Inhalt der Handelsverträge ist die Herabsetzung und Bildung der Zollsätze und Gewährung der Meistbegünstigung zu betrachten." "Die Einführung der sogenannten Doppeltarife, Maximal- und Minimaltarif, ist als schwere Gefährdung des Abschlusses günstiger Handeslverträge entschieden abzulehnen."

Außerden erwartet der Handelstag, rechtzeitig in die Beratung beim Entwurf der Zolltarife einbezogen zu werden. Einspruch erhebt er gegen die hohen Lebensmittelzölle, weil dadurch die Kaufkraft der Konsumenten für industrielle Erzeugnisse geschwächt wird. Minderbemittelte Bevölkerungskreise bedrohen die erhöhten Preise in ihrer wirtschaftlichen Existenz. In der Sache, eine schwere Kritik. Die Presse rätselte, ob es Posadowsky deshalb vorzog, die Tagung kurz nach dem Ende seines Referats zu verlassen.

[Handelsverträge, Industrielle und Junker   zurück] Unmittelbar nach der Zustimmung des Deutschen Reichstags am 22. Februar 1905 zu den Handelsverträgen mit Italien, Belgien, Rumänien, Schweiz, Serbien und Österreich-Ungarn, prophezeit Franz Mehring: "Der heutige Tag wird in der deutschen Geschichte einen historischen Markstein bilden." Der Reichstag genehmigte sieben Zusatz(!)-verträge, was komplizierten Regelungsbedarf für die Kündigung der Altverträge, aber auch für den Ratifizierungsprozess in den Ländern der Handelspartner nach sich zieht. Posadowsky lobt die Vossische am Tag darauf als "die Hauptfigur in dem handelspolitischen Spiel" aus, was durchaus gerechtfertigt und angebracht, denn das Ergebnis war wesentlich Produkt des Reichsschatzamtes und seiner Mitarbeiter. Die königliche prvilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen sah, "Das er die gesamte Materie weit besser beherrschte als irgendein anderes Mitglied der Regierung". Seine Rede vor dem Plenum fiel temperamentvoll aus. Vom Reichskanzler gab es Glückwünsche, von den Agrariern stürmischen Beifall und aus den Händen des Kaisers den Schwarzen Adlerorden.

Die innenpolitische Prognose zur Auswirkung der Handelsverträge von Franz Mehring (SPD) in Siegestaumel und Siegesangst fällt nicht günstig aus: "Der Industrie werden sie schwere Wunden schlagen und der arbeitenden Bevölkerung den notwendigen Lebensunterhalt unerträglich Weise verteuern." "Ihre Aushandlung dauerte drei Jahre. Nun werden sie "Hungerpeitsche über die Volksmassen" schwingen." Dagegen wird eine Handvoll von Gutsbesitzern, die "nur ein rudimentäres Organ am nationalen Körper bilden", sich die Taschen "zum Zerplatzen füllen." - Zum Zerplatzen? - - Wer sich an die Diskussion über "Liebesabgaben" der Landwirtschaft, eine gewisse Steuerermäßigung, am 12. Dezember 1901 in der ersten Beratung zum Zolltarifgesetz an die Klagen über die niedrigen Gewinne, mangelnden Investitionen und unzureichende Rentabilität in der landwirtschaftlichen Produktion, muss in dieser Einschätzung nicht nur eine Übertreibung sehen. Die Beschreibung der Agrarier als "rudimentäres Organ" erscheint realitätsfremd, weil es ihrer wirklichen Rolle in der Gesellschaft und der Erwirtschaftung ihres Anteils an der nationalen Produktion nicht gerecht wird. Andere sozialdemokratische Parteigenossen arbeiten da genauer, politisch subtiler. So feuert der Vorwärts (Berlin) am 3. Juni 1898, damit die Genossen, Genossinnen und SPD-Sympathisanten bei den bevorstehenden Reichstagswahlen am 16. Juni das "richtige ankreuzen" in die Massen: Die Agrarier und Junker sind die eigentlichen Herren im Lande. "Aus ihnen rekrutiert sich überlieferungsgemäß die hohe Beamtenschaft, vom Ministerpräsidenten und Minister des Inneren bis herunter zum Landrat." Im Unterschied dazu gelingt es Franz Mehring in Siegestaumel und Siegesangst nicht, Funktion und Anteil der Agrarier im gesellschaftlichen Gesamtarbeiter dialektisch mit ihren politischen Avancen zu vermitteln, was die saubere Trennung von ökonomischen und politischen Sachverhalte einschließt. Überdies meldet sich kurz vor der historischen Reichstagssitzung der "Bund der Landwirte", Interessenvertreter der Agrarier, mit einer fürchterlichen Musterung, wie das Berliner Tageblatt und Handelszeitung kommentiert, in einem Flugblatt zu Wort. Das Drolligste daran war, dass sie so tun, dass sie die Verträge gegenüber der Industrie benachteiligt, weil sie einen verstärkten Innlandschutz erhalten. Einen solchen, bringen sie wehmütig heraus, möchten sie auch einmal genießen.

In Erwartung tiefer Konflikte wandte sich Posadowsky bereits am 12. Dezember 1901 im Reichstag zur Ersten Beratung des Zolltarifgesetzes der Junker-Frage zu. Außerdem weiß er um den Vorwurf der Sozialdemokraten, dass er ein Junker-Freund ist. - Also, "Was ist ein Junker?" fragt er. "Unter Junker verstehe ich einen Mann, der auf Standesvorurteile pocht, denen in unsrer verfassungsmäßigen Zeit kein Inhalt mehr beiwohnen kann. Sie aber verstehen unter Junker jeden Mann, wenn auch aus Ihren Kreisen hervorgegangen ist, sobald er ein Rittergut besitzt (Widerspruch links), sobald er ein Großgrundbesitzer ist, der für sein Gewerbe eintritt (Widerspruch links). Die Zeit der Junker, wie ich sie verstehe, ist abgelaufen und ich wünsche, dass sie sich zu geistigen Leitern der Nation entwickeln (Zustimmung links.) Ich wusste ja, meine Herren, dass wir einig waren. (Heiterkeit)." - Das ist eine frappierende, von ihm so nicht erwartete Haltung.

Doch er macht es uns dieser Schaffensphase nicht immer leicht zu erkennen, was er wirklich denkt. Mitunter tritt er in der politischen Szene als Verwandlungskünstler, so am 25. Februar 1905 auf einer vierzehntägig turnusmäßig stattfindenden Veranstaltung im Reichstagsgebäude, unter Beweis. Die hier "veröffentlichte" Meinung weicht von der 12. Dezember 1901 überdeutlich ab. (Um die Gedanken nicht zu zerfetzen, kommen wir im Kapitel "Bekämpfung der Sozialdemokratie" darauf zurück.)

 

 

Zollpolitik  zurück

Im Ergebnis eines komplizierten und langwierigen Gesetzgebungsverfahrens beschließt der Reichstag nach einer fast 19-stündigen Sitzung in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 1902 das Zolltarifgesetz und den Zolltarif. Begonnen hatte es Anfang des Jahres mit dem Ausbruch der Zollwut, als Posadowsky und Genossen sich schlechterdings nicht dabei beruhigen konnten, dass irgendein Produkt ohne erhöhten Zollschutz blieb. "So haben sie die Zölle da gesteigert, wo sie ausdrücklich erklären mußten, dass aus den Kreisen der Interessenten keine Anträge gekommen sein." Ein Vorwurf, den Posadowsky am 12. Dezember 1901 in der ersten Beratung zum Zolltarifgesetz ausdrücklich zurückweist.

Bürgerliche Handelspolitiker reden vorzugsweise über den Freihandel als Quelle von Wohlstand und Glück. Doch in der Realpolitik, geben sie oft dem Protektionismus den Vorzug. Typisch für diese Strategie ist, dass eine soziale Klasse die Vorteile genießt, während andere schwere Nachteile erleiden. Infolge der Zollgesetzgebung von 1902 musste die arbeitende Klasse höhere Lebensmittelpreise tragen. Nicht nur sie, natürlich! Aber ihr Arbeitslohn richtet sich im Unterschied zu anderen Einkommen, nicht direkt an den Lebensmittelpreisen aus, sondern bildet lediglich die Nachfrage von Arbeitskräften ab. Den Arbeiter und Arbeiterrinnen blieb nur, lästerten damals die Sozialdemokraten, das teuerste Brot der Welt zu essen. Auch das Fleisch, noch immer für die meisten Familien ein Luxusgut, verteuerte sich.

An der Zollpolitik von Posadowsky entzündet sich viel Kritik. Er wehrt sich dagegen, in der Öffentlichkeit als Gegner von Handel und Industrie hingestellt zu werden. "Der Roheisenzoll", erklärt er am 12. Dezember 1901 dem Reichstag, "ist in Zeiten industrieller Kreisen eine Notwendigkeit, um eine Überschwemmung des deutschen Marktes mit Roheisen zu verhindern." "Nein, wir verfolgen mit den Industriezöllen das handelspolitische Ziel, dem deutschen Arbeiter vermehrte Arbeitsgelegenheit zu geben." In der ersten Beratung zum Zolltarifgesetz verweist er auf den Erfolg der Bismarck`schen Schutzzölle von 1878: Der Verbrauch der Baumwolle ist um das Doppelte gestiegen. 1901 erreicht, so ein ein weiteres Argument von ihm, die deutsche Roheisenproduktion fast die Höhe von England.

Aus der Zollpolitik ergeben sich ernste Folgen für das gesamte Wirtschaftsleben, weshalb die Sozialdemokraten im Reichstag dagen opponieren. Karl Kautsky (1914) beschreibt den Kampf um den Zolltarif im Winter 1902 auf 1903 mit "schärfsten Kriegsszenen im Reichstag". Indes kam in der Zollpolitik das Interesse des Zentrums mit der Regierung überein. Beide wollten die Landwirtschaft schützen. Allerdings war darauf zu achten, dass besonders die Wünsche und Ansprüche der ostdeutschen Agrarier nicht überbordeten. Gegebenenfalls mußten sie neu austariert, vielleicht sogar zurückgeschnitten werden. Andere Kreise mussten besänftigt werden. Dem diente Ostern 1902 seine Rund-Reise an die deutschen Höfe in München, Stuttgart, Karlsruhe und Stuttgart, die "die Unersättlichkeit der ostelbischen Junker" satt hatten. Man will ihn nicht mehr gewähren, als ihnen der Zolltarif schon bietet. In der Handels- und Zollgesetzgebung schmiedet er an Bündnissen und Kompromissen, die den realen ökonomischen Interessen verschiedener Klassen Rechnung tragen.

Das Zentrum unterbreitete den Vorschlag, die Mehreinnahmen der Reichskasse aus den agrarischen Zöllen, zur Einrichtung einer Arbeiterwitwenpensionskasse zu verwenden. Wie Sentimental, applaudiert am 9. April 1902 Franz Mehring im Bericht über "Posadowskys Osterfahrt", dass die Regierung einen letzten Tropfen für das Krüglein der Witwe retten soll, während doch ihre abenteuerliche Weltpolitik die Kassen immer leerer fegt.

 

 

Affäre Bueck-Woedtke-Posadowsky  zurück

1899 erhält das Reichsamt des Innern vom Zentralverband deutscher Industrieller Propaganda-Geld. Begonnen hatte die Affäre mit der Anfrage von Ministerialdirektor Erich v. Woedtke (1847-1902) an den Geschäftsführer des Zentralverbandes deutscher Industrieller Henry Ariel Bueck, ob sie die Finanzierung von Agitationsschriften gegen die Sozialdemokratie unterstützen könnten. Bueck übermittelt das Anliegen an den Geheimen Finanzrat und stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralverbandes Jenke, der nach Prüfung empfahl, das Verlangen nicht zurückzuweisen.

 

"Man werfe oben 12000 Mark hinein und ein fertiges Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter fällt unten heraus."

Der Wahre Jacob. Jahrgang 17, Heft 376, Stuttgart 1900, Seite 3395

 

Am 22. Oktober 1900 veröffentlicht die Leipziger Volkszeitung die Niederschrift des Geschäftsführers des Zentralverbandes deutscher Industrieller vom 3. August 1898. Ihr ist zu entnehmen, dass die Industriellen dem Reichsamt 12 000 Mark zur Agitation für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse spendeten. Das nicht erlaubte Propaganda-Geschäft flog auf, als ein Archivar vom Geschäftsführer Bueck heimlich die zugehörige Korrespondenz an den "Vorwärts" (Berlin) weiterleitete. Dabei soll, behauptet die "Frankfurter Zeitung", es "ganz zuverlässig, dass Herr von Woedtke sich als Opferlamm dargeboten hat, um seinen Chef zu decken". (Fischer 12.01.1901)

"Über die Sache selbst mich zu äußern," reagiert Posadowsky im Reichstag, "habe ich keine Veranlassung. Ich lehne es ab". "Aus diesem Schweigen," hält ihm August Bebel am 12. Dezember 1900 vor, "darf ich mir aber schließen erlauben, dass der Vorgang, d.h. die Forderung der 12 000 Mark, nicht nur im vollen Einverständnis mit ihm, sondern wahrscheinlicherweise auf seine eigene Veranlassung hin geschehen ist." Am Schreiben selbst, kann "er nichts Unkorrektes, nichts Unrichtiges" finden, moniert der Vorwärts am 13. Januar 1901. Von einer Abhängigkeit des Reichsamtes vom Central-Verband der Industriellen, kritisiert am 12. Januar 1901 Reichstagsabgeordneter Richard Fischer (SPD, Berlin), will er nichts wissen und sucht Deckung hinter seinem Mitarbeiter. Das ist verständlich, widerspricht doch die Urheberschaft für den Bettelbrief allen Traditionen des deutschen Beamtentums.

Die Freie Presse in Wien unkt am 25. Oktober 1900, dass Posadowsky "mit dem Verlust seines hohen Postens büßen" muss. Doch der distanziert sich öffentlich von seinem Ministerialdirektor, worauf der demissionieren muß und zum Direktor des neugeschaffenen Reichsaufsichtsamts für Versicherungswesen aufsteigt.

 

 

 

Zuchthausvorlage und Richtungswechsel  zurück

Staatssekretär Arthur Graf von Posadowsky-Wehner versandte am

11. Dezember 1897

aus dem Reichsamt des Innern ein geheimes Rundschreiben an die Regierungen der deutschen Einzelstaaten. Darin legte er ihnen nahe zu prüfen, ob gesetzliche Maßnahmen gegen das Streikrecht und die Koalitionsfreiheit angezeigt sind, Zitat:

"In letzter Zeit ist in der Tagespresse und Fachliteratur wie in Vereinsversammlungen die Frage lebhaft erörtert worden, ob nicht angesichts der durch die Arbeiterbewegung der letzten Jahre gelieferten Erfahrungen von der Gesetzgebung ein erhöhter Schutz gegen Missbrauch der durch § 152 der Gewerbeordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit zu verlangen sei."

 

Der Text unter dem Bild lautet: "Unverschämtes Proletengesindel! Das möchte ich sehen, der mich hindern könnte, wenn ich arbeiten wollte."

Zuchthausvorlage. Simplicissismus, 4. Jahrgang. Nummer 13. 24. Juni 1899

 

Rosa Luxemburg (1871-1919), klagt ihn in der Schrift Sozialreform oder Revolution? (1899) an, ein Attentat auf das allgemeine Reichstagswahlrecht begehen zu wollen.

Unbedingt neu war der rein politische Inhalt der Aktion vom 11. Dezember 1897 nicht. Wilhelm II. propagierte bereits am 17. Juni 1897 in Bielefeld den

"Schutz der nationalen Arbeit aller produktiven Stände und die Kräftigung des gesunden Mittelstandes".

Unternehmer und Regierung beunruhigte die zunehmenden Aussperrungen und Ausstände der Jahre 1896 und 1997. Besonders der Hamburger Hafenarbeiterstreik 1897/98 machte ihnen das politische Abenteuer bewußt. Unumwunden legte der Zentralverband deutscher Industrieller in einer Eingabe an den Reichskanzler dar, dass es diesen Streik nicht gegeben hätte, wenn man ihren Vorschlag "Schutz der Arbeitswilligen gegen die Tyrannei der Streikenden" folgt.

Wilhelm II. kündigte am 6. September 1898 in der Oeynhausener-Rede die Gesetzesvorlage für 1899 an. Sie sah vor, wenn jemanden daran hindert seine Arbeit zu tun, oder gar zum Streik anreizte, ihn mit Zuchthaus zu bestrafen. Darüber entbrannte eine heftige öffentliche Diskussion. Unter anderen wendet sich 1899 Friedrich Naumann (1866-1919) in einem Vortrag gegen die Zuchthausvorlage.

Der Verfasser des Rundschreibens vom 11. Dezember 1897, Graf von Posadowsky, bittet freundlich um Äußerung, damit beim nächsten Zusammentreffen im Reichstag eine neue Vorlage vorgestellt werden kann.

 

Kommentar zur Veröffentlichung der Zuchthausvorlage im "Vorwärts", Berlin den 15. Januar 1898

Den Sozialdemokraten gelang es, das Dokument in die Hände zu bekommen und am

15. Januar 1898

im Vorwärts und zu veröffentlichen. Es war ein schwerer Schlag gegen die Unterdrückung der Sozialdemokratie und dem Versuch die Dynamik der Sozialpolitik auszubremsen. Der Reichstag lehnt den Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse vom Mai 1899 mit einer übergroßen Mehrheit gegen die Stimmen der Konservativen ab.

Posadowsky scheiterte und vollzog nach kurzer Zeit einen Richtungswechsel (Bahlcke 2006). Er sucht jetzt in sozialen Fragen mit der SPD und Arbeiterbewegung ehr den Ausgleich. Unter seiner Ägide werden bedeutende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen realisiert:

Im Juli 1899 erfolgte mit Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der SPD die einheitliche Festlegung der Höhe der Invalidenrenten.

"Es war", triumphiert er am 6. Februar 1906 (1049) vor dem Reichstag, "aber der große Fortschritt der deutschen Sozialgesetzgebung, das an die Stelle der Armenpflege ein eigenes Recht und eine gewisse Leistung des Arbeiters trat, eine Rente …."

Novelle der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1801.

Bestehende Arbeitsschutzbestimmungen werden verschärft. Das Mindestalter für nichtschulpflichtige Kinder in gewerblichen Betrieben beträgt jetzt 13 Jahre. 14jährige Jugendliche dürfen höchstens 6 Stunden und 16jährige maximal 10 Stunden täglich arbeiten. Sie dürfen nicht zwischen 20.30 Uhr und 5.30 arbeiten. Die Höchstarbeitszeit für Frauen beträgt 11 Stunden. Verbot für Nachtarbeit und Beschäftigungsverbot an Vorabenden von Sonn- und Feiertagen nach 17.30 Uhr. Kinderarbeit unter 13 Jahren ist verboten. Die Bestimmungen über die Sonntagsarbeit für alle Beschäftigten werden präzisiert. Der Mutterschutz, die Bedingungen für Nachtarbeit, Arbeit an Sonn- und Feiertagen in der Industrie und auf dem Bau werden verbessert.

Siehe auch Gesetz, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Mai 1908.

Gesetze zu den Gewerbe- (1901) und Kaufmannsgerichten (1904)

Ihre Einrichtung soll die Arbeitskonflikte friedlich regeln. Sie erkennen den Arbeiter als gleichberechtigten Vertragspartner des Unternehmers an, die im Ergebnis des Bergarbeiterstreiks von 1905 weitere Rechte erringen.

Erweiterte Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903

Finanzielle Förderung des Baus von Arbeiterwohnungen

1903 Verlängerung der Zahlung des Krankengeldes von 13 auf 26 Wochen.

Novelle zum preußischen Bergbaugesetz vom 14. Juli 1905

(Unter Verwendung der Ergebnisse von Albin Gladen 1974, u.a. Seite 85f.)

Im Zeitraum von 1900 bis 1903 trägt die SPD Reformen zur Sozialversicherung und Regelung der Arbeitszeit sowie zum Verbot der Kinderarbeit und Verbesserung des Mutterschutzes mit.

Joachim Bahlcke blickt auf seine Tätigkeit in den ersten Jahren im Reichsamt für Inneres so zurück: "Mit seinem neuen Kurs im Reichsamt des Innern und der Unterstützung von Seiten des Zentrums begann Posadowsky eine Reihe durchgreifender sozialpolitischer Reformen. Die Alters- und Invalidenversicherung sowie die Krankenversicherung wurden verbessert, der Bau von Arbeiterwohnungen gefördert, die Schiedsgerichte einheitlich organisiert, der Mißbrauch gewerblicher Kinderarbeit mit höheren Strafen bedroht."

Die Universität Berlin ehrt die Verdienste von Posadowsky-Wehner auf dem Gebiet der Sozialpolitik durch die Verleihung eines Ehrendoktors der Theologie. Von der Universität Giessen erhält er den Ehrendoktor der Medizin zuerkannt. Sein akademischer Titel lautet jetzt: Dr. jur., Dr. theol. h.c., Dr. med. h.c. .

 

 

Bekämpfung der Sozialdemokratie (Posadowsky-Wehner)   zurück

Feinden vertraut und glaubt man nicht. Wir haben Feinde, die wir hassen müssen, und Feinde, denen wir einst nahegestanden. Einigen von ihnen, möchte man besser nie in die Hände fallen. Es gab auch Feinde, von denen erhielt man Hilfe. Uns begegnen Feinde von gestern, heute und morgen. Wir kennen Feinde der Menschheit, der Republik- und des demokratischen Zusammenlebens. - Sind die Sozialdemokraten Posa´s Feinde? Natürlich nicht. Das können sie, wenn es manchmal auch anders erscheint, nicht sein.

[Annäherung an die Sozialdemokratie  zurück] Wenn Posa die soziale Frage als Ausdruck der ökonomischen Lebensform der Produzenten, einschließlich ihrer Familien und Unterhaltsbedürftigen begreift, die wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der arbeitenden Klassen anerkennt und in die Gesellschaft einpflegt, heißt dies nichts anderes als: Er nähert sich der materialistisch-ökonomischen Denkweise der Sozialdemokratie an. Ihren Forderungen muß er sich nicht zwangsläufig anschließen oder erliegen, soweit er noch andere Schwerpunkte bei der Lösung der sozialen Frage setzt. Sogleich entfalten sich Unterschiede, Gegensätze, aber ebenso Gemeinsamkeiten in den sozial-, arbeitsschutz- und wohnungspolitischen Zielen.

[Wer Recht will   zurück] Am 12. Januar 1912 sind Reichstagswahlen. Posadowsky kandiert im Wahlkreis Bielefeld. Hier hält im November 1911 seine Kandidatenrede, in der er seine Überzeugung und Einsicht dem Publikum eröffnet.

"Die Sozialdemokratie ist nur geistig und sittlich zu überwinden. Dazu gehört aber viel Ruhe, Gerechtigkeitsliebe und Uneigennützigkeit der besitzenden Klassen. Wer Recht erringen will, muß selbst Recht haben und vor allem Freiheit des Individuums."

[Wie noch kein anderer Staat der Welt  zurück] Ihn grämt, was er uns mehrfach in seinen Reden anvertraut, dass die Sozialdemokraten mit der Revolution spielen und nicht anerkennen, "was der Staat und die bürgerliche Gesellschaft für die arbeitenden Klassen bisher schon getan haben". Am 13. Februar 1897 (173) wirft er ihnen im Reichstag vor:

"Die Rede des Herrn Bebel hat sich weiter auf Grund des Leitmotivs entwickelt: die Arbeiter finden keine genügende Berücksichtigung im Reich und in den Einzelstaaten. Da sagt Herr Bebel in der Volksvertretung eines Reichs, welches für die Besserung der Lage der arbeitenden Klassen durch die soziale Gesetzgebung in einer Weise gesorgt hat, wie noch kein Staat der Welt. (Sehr gut! rechts und links. Zurufe bei den Sozialdemokraten).

Es ist noch keinem Staat in der Welt gelungen, uns das nachzumachen, was wir für die arbeitenden Klassen gethan haben. (Lebhafter Beifall.)"

[Christliche Arbeiterbewegung  zurück] Endlich sagts mal einer könnte - als er dies hörte -, sein Parlamentskollege Adolf Stoecker (1835-1909) gedacht haben. Schon längere Zeit stört ihn, "Das in manchen Kreisen eine üble Stimmung gegen uns herrscht .... " Dies ärgert den studierten Theologen aus Halberstadt, den Begründer der antiliberalen, antisozialistischen Christlich-Sozialen Bewegung, und es macht ihn fassungslos. Er fragt deshalb: "Wodurch ist diese hervorgerufen?" Er hat da so eine Vermutung, die mit Aussagen von Posadowsky korrespondieren, zumal er folgende Beobachtung gemacht: "Für die Arbeitgeber fehlt in der Sozialdemokratie jede Anerkennung." Ergo könnte es sein, droht er am 12. Februar 1906 (1212) im Reichstag an, dass in Kreisen der Staatsmänner, die Lust zu Reformen vergeht.

Darauf lässt sich der Staatssekretär nicht ein. Offenbar beurteilt er die Lage und Fähigkeiten der Arbeiterbewegung zu reagieren, anders ein. Er fragt (1906):

"Wie kommen wir trotzdem bei der Schaffung einer Arbeiterpartei voran, "die innerhalb des gegebenen Staates", des "bürgerlichen, des monarchischen Staates" steht? Wir haben, den "allerdringendsten Grund die christliche Arbeiterbewegung zu unterstützen".

Wenn Posadowsky die Stärkung der christlichen Arbeiterbewegung erstrebt, assistiert ihn (am 12. Februar 1906) Stoecker wieder: "Und wenn die Herren von der äußersten Linken mit einer diabolischen Klugheit immer so tun, als ob sie allein die Interessen der Arbeiterwelt verträten, und die anderen Arbeiter glauben machen, daß das wirklich so sei, - wir im Reichstage sollten das nicht nachmachen, sondern immer unterscheiden zwischen der Arbeiterwelt und der Sozialdemokratie, die in ihren Interessen gar nichts miteinander zu tun haben. (Sehr richtig! Rechts)"

August Bebel antwortet am 14. Februar (1906) im Reichstag:

"Den Kampf mit Herrn Stoecker und Konsorten nehmen wir gerne auf. Er soll sich uns nur stellen ...."

Joachim Bahlcke (Kulturstiftung) fasst das Geschehen so zusammen: "Gegen die Kritik seiner ursprünglichen Verbündeten im konservativen Lager lenkte Posadowsky in die Bahnen der Politik des "Neuen Kurses" zurück, die 1896 abgebrochen worden war. Als Ziel schwebte ihm eine Trennung von Sozialdemokratie und Arbeiterbewegung über die christlichen Gewerkschaften vor, die sich im Jahre 1901 zum "Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands" zusammenschlossen."

[Ist die Überwindung der Sozialdemokratie überhaupt möglich?   zurück] Posadowsky hält am 12. Dezember 1905 (241) im Reichstag eine Rede zum Kampf gegen die Sozialdemokratie. Richtungsweisend und philosophisch durchaus interessant daran ist seine Antwort auf die Frage, ob sie denn überhaupt zu besiegen ist?


Rede
vor dem Reichstag 1905


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(1: 46 Minuten, mp3)

Überwindung der Sozialdemokratie und des Materialismus

Geistige und sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes durch Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit

Trotz Wahlrecht kann die Herrschaft der besitzenden Klassen aufrechterhalten werden

 

"Die sozialdemokratische Bewegung, die Sozialdemokratie, wurzelt unzweifelhaft in einer durchaus materialistischen Weltanschauung. Ich kann aber nicht leugnen, auf Grund der Beobachtung, die ich im täglichen Leben gemacht habe, das mit unserem wachsenden Reichtum auch in unseren besitzenden Klassen ein Maß materialistischer Weltanschauung, materialistischer Genußsucht gewachsen ist (vielfaches Sehr richtig! in der Mitte und links), das mich manchmal mit Besorgnis und Bedauern erfüllt. (Zustimmung in der Mitte links.)

Und darin sehe ich auch den eigentlichen Grund, dass die bürgerliche Gesellschaft nicht die Kraft hat, die Sozialdemokratie zu überwinden, weil in der Sozialdemokratie und in unserer bürgerlichen Gesellschaft mit ihrem wachsenden Reichtum, weil in beiden ein Materialismus herrscht, der kongeniale Erscheinungen auf Grund der derselben Ursache erzeugt. (Sehr gut!).

Die bürgerliche Gesellschaft wird die Sozialdemokratie auch nicht mit großen Worten überwinden, sondern sie wird sie nur überwinden, wenn sie in sich selbst geht, wenn sie selbst diesen materialistischen Standpunkt verläßt, und wenn in das ganze Leben der bürgerlichen Gesellschaft wieder ein größeres Maß sittlich Ernstes einzieht."

[Neue Impulse  zurück] Posadowsky verleiht dem Kampf gegen die Sozialdemokratie

am 6. Februar 1906

einen weiteren Impuls. Nachdem er im Plenarsaal des Reichstages die an ihn gerichteten Fragen konkret und systematisch beantwortet hatte, ist die Sozialdemokratie an der Reihe.

Wie kann man, so lautet seine Frage, gegen die drei Millionen Stimmen der Sozialdemokratie ankommen?

Er unterscheidet zwischen einer berechtigten und einer unberechtigten Arbeiterbewegung.

 

Vornan trägt der Reichstagsabgeordnete und Staatssekretär des Innern Arthur Graf von Posadowsky-Wehner die Monstranz im Kampf gegen die Sozialdemokratie. Aus seiner linken Seitentasche lugt ein Dokument, worauf die Zahl "12.000" geschrieben steht. Es ist die lausige Summe, um die er "bei den schmutzigsten Scharfmachern" des Zentralverbandes der Großindustriellen bettelte (Leipziger Volkszeitung, 24. Juni 1907).

Etwas zum Gruseln! Der Wahre Jacob. Jahrgang 19. Nummer 425. Titelblatt. Stuttgart, den 7. Oktober 1902

 

 

Noch ein etwas anderer Blick auf Posas Kampf gegen die Sozialdemokratie. Der Kaiser, aber auch die Reichsleitung und bürgerlichen Parteien erwarten von ihm "Etwas zum Gruseln" (1902). Angenommen er wird dem nicht gerecht, was passiert dann? Schützt ihn seine Reputation als Sozial- und Arbeitsschutzpolitiker? Wahrscheinlich nicht; er wird abgelöst. Infolge dessen verliert das parlamentarische System der Kollaboration seine Stabilität und der Reichstag stürzt in eine Krise. Profitiert die Sozialdemokratie davon, wenn Posadowsky als Staatssekretär vorzeitig in den Ruhestand versetzt wird? Wahrscheinliich nicht. Sie verliert einen Politiker, der die Lebenslage der arbeitenden Klasse verstehen will und versteht, ihr ehrlich gegenübertritt und sich besonders der Anhebung des kulturell-materiellen Lebensniveaus verpflichtet fühlt.

 

Die Sozialdemokraten, so lautet der zentrale Vorwurf, stellen Forderungen, "die weder im Gegenwartsstaat noch im Zukunftsstaat" "noch in irgendeinem Staate der Welt jemals zu erfüllen sein werden". Denn ihre Erfüllung würde zum Zusammenbruch des gesamten wirtschaftlichen Lebens und mit ihm des Staates führen. "Weil die Sozialdemokratie hiervon überzeugt ist, erklärt sie: der ganze bestehende Staat muss beseitigt werden.

Wie dieser Zukunftsstaat aussehen würde, davon habe ich wenigstens keinen Begriff. [Sehr gut!]

Deshalb muss man es doch begrüßen, wenn eine Arbeiterbewegung besteht und sich weiterentwickelt, die erklärt:

ja wir sind auch dafür, dass die materielle Lage der Arbeiter dem wachsenden Wohlstande des gesamten Volkes entsprechend besser wird,
dass die Löhne der Arbeiter den gestiegenen Lebensbedürfnissen und gestiegenen Lebensmittelpreisen folgen,

dass der Arbeiter in größerem Masse als bisher auch an öffentlichen Angelegenheiten beteiligt ist, aber wir wollen dies Ziel mit gesetzlichen Mitteln verfolgen in dem bestehenden monarchischen Staat, innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft."

[Junker, Großgrundbesitzer und Klassenpolitik  zurück] Im Feld der Handels- und Zollgesetzgebung schmiedet Posadowsky an Bündnissen und Kompromissen, die den realen ökonomischen Klasseninteressen Rechnung tragen. Seit etwa 1897 artikulieren die Junker ein massives Interesse an der Erhöhung der Einfuhrzölle für Agrarprodukte. Für die Bank- und Handelsbourgeoisie bringt dies erhebliche finanzielle Belastungen und wirtschaftliche Nachteile, weshalb sie sich dagegen auflehnen. Recht und Freiheit räumen der Interessenpolitik den Platz.

August Bebel oder die ihm ansonsten oft zugeneigte SPD "Volksstimme" aus Magdeburg stellten ihn mir nichts dir nichts unter das Verdikt, ein "Land- und Industriebündler" zu sein. Der SPD-Vorsitzende behauptete gar, Posadowsky sei durch den Verkehr mit den Kapitalisten

so verwirrt, dass er nicht mehr
das sozialpolitisch Richtige erkenne.

Posadowsky nutzt die Beratung zum Haushalt für das Rechnungsjahr 1901 am 12. Dezember 1900 (488) im Plenum des Reichstages für eine Reaktion:

"Wenn der Herr Abgeordnete Bebel schließlich gesagt hat, ich wär seiner Auffassung durch den Verkehr mit den Kapitalisten schon verwirrt, dass ich nicht mehr das sozialpolitisch Richtige erkennen könnte, so weiß ich nicht, ob im Bundesrath und in meinem Amte sehr viel Kapitalisten sind; aber im übrigen glaube ich, verkehrt niemand mit den Kreisen, die man vorzugsweise als kapitalistisch bezeichnet, weniger als ich. (Zurufe links)."

Manchmal war es nicht leicht, ihm n zu folgen. Mitunter artikulierte er seine aktuelle Position zu den ökonomischen Bedürfnissen der sozialen Klassen und Gruppen in Abhängigkeit von aktuell taktischen Aufgaben der politischen Kommunikation.

Einen Eindruck von seinen Fähigkeiten als Verwandlungskünstler bot er am 25. Februar 1905. "Die vierzehntäige Aufführung der handelspolitischen Komödie "Im Profistreben vereint" in den Festssälen des Wallotbräus" hat mit einem heiteren Knallefekt geschlossen." (Vorwärts 26.2.1905) Mitwirkende waren die Kollegen Reichstagsabgeordneten Hans von Kanitz (1841-1913) von der Deutsch Konservativen Partei (DKP) und Ludwig von Reventlow (1864-1906) von der Deutschsozialen Partei (DSP). Möglicherweise hat dies eine gewisse Bedeutung. Unter Umständen könnte es ein Hinweis auf den Anpassungsdruck sein, dem er durch ihre Anwesenheit ausgesetzt war. Gemeinschaftlich, noch unterstützt von Carl Herold (1848-1931) vom Zentrum, ereiferten sie sich über die Unzulänglichkeit der Handelsverträge. Als tragisches Rührstück begonnen, gestaltet sich das Spiel mit jeden fortschritt, immer komischer ud sollte schließlich "in einem Faschingsscherz" (Vorwärts) enden. Gemeint ist damit der Auftritt von Staatssekretär Posadowsky. Er "....forderte in der Rolle eines Anti-Posa als Gegengewicht gegen das Streben der unteren Schichten nach Verbesserung ihrer Lebenslage und den dadurch bewirkten heftigen Gang der Gesetzgebungsmaschine die Stärkung des politischen Einflusses der Landwirtschaft, das heißt der junkerlichen Position, die er als "festen Anker unseres Staates" bezeichnete."

[Gegen Überreglementierung  zurück]  Zum Verhältnis von Unternehmer und Arbeiter entfaltete Posadowsky eigene Vorstellungen, die beispielsweise am 16. Dezember 1897 vor dem Reichstag darlegt:

"Ich habe aber ferner allerdings ausgeführt, daß es außerordentlich bedenklich sei, sämtliche Erwerbszweige Deutschlands polizeilich reglementieren zu wollen, daß man auf diesem Gebiet nur mit der äußersten Vorsicht vorgehen sollte; denn es sei bedenklich, Verordnungen zu erlassen, die sich in ihrer Ausführung gar nicht kontrollieren lassen und die sehr leicht dahin führen, daß das Verhältniß zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der soziale Frieden, der zwischen diesen beiden Kategorien unbedingt bestehen muß, aufs schwerste gefährdet wird. Das Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann man nicht nur auf den rechtlichen Vertrag stützen, es muß auch ein gewisses Pietätsverhältniß bestehen."

Aber was für eine Enttäuschung brandete durch die sozialdemokratisch beeinflusste Öffentlichkeit, als das von ihm unterzeichnet Rundschreiben vom 11. Dezember 1897 zur Strafverschärfung des Paragraphen 153 der Gewerbe-Ordnungs-Novelle, veröffentlich im "Vorwärts" am 15. Januar 1898, bekannt wurde! Sah so das pietätvolle Verhältnis von Arbeiter und Unternehmer aus?

[Vaterland  zurück] Eine zweite gestaltende Idee zum Verhältnis von Unternehmer und Arbeiterschaft verkörpert das "Vaterland". August Bebel tut so, wirft ihn Posadowsky am 13. Dezember 1897 (171) im Reichstag vor, als ob die Mittel der Landesverteidigung nur den Besitzenden, den Reichen und Kapitalisten zugutekommen. Wohl kann er seine Warnung, die indirekten Steuern für die Lohnabhängigen nicht zu stark zu erhöhen, verstehen, und will ihm hier "durchaus beipflichten".

Nicht unterstützen will er dessen Darstellung, als ob die Armee und Marine nur da waren zum Schutze des Besitzes. Dem hält er entgegen: "Führen wir einen unglücklichen Krieg, so wird Handel und Wandel gestört. Wie sollen dann die Arbeiter leben?" "Ist denn die Armee nur zum Schutze der Reichen da?

Hat den der Arbeiter bei uns kein Vaterland?"

Die Sozialdemokraten lassen sich auf die Vaterlandsidee ein. Politiker wie Gustave Hervé (1871-1944) schlagen sie aus, weil sie darin ein Konstrukt des Nationalismus erkennen. Folglich lehnten sie ebenso die Idee der Vaterlandsverteidigung ab. Und darauf kam es Posadowsky-Wehner besonders an, wenn er argumentiert, die arbeitende Klasse steht nicht außerhalb unserer Gesellschaft. Deshalb muss sie ebenfalls, untermauert er seine Anschauungsweise weiter, ein "Interesse an der Sicherheit des Staates" und der "Aufrechterhaltung des Friedens" haben. Andernfalls "wäre aber allerdings die Aufrechterhaltung des allgemeinen direkten Wahlrechts auch nicht mehr berechtigt".

[Klassenkampf und Sozialpolitik zurück] Arthur Graf von Posadowsky-Wehner trägt die Überzeugung durch den Alltag, dass Empathie und soziale Pflicht des Christen in der Sozialpolitik zusammenwachsen. "Ich halte die Sozialpolitik", konstatiert er 1911 in der Bielefelder-Rede, "für ein sittliches Gebot, für ein Gebot der christlichen Religion und jedes Religions-Bekenntnisses jedes gebildeten Volkes." Den asozialen, nach materiellen Werten strebenden Menschen lehnt er ab. Gestalten ohne Mitgefühl fürchtet er. Sie signalisieren eine große Gefahr für die Gesellschaft. Als 1930 in Deutschland mit den Notverordnungen soziale Leistungen gekürzt werden, warnte er: "Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr …." (V&R 74)

Den Propheten Jesaias, "Ein Jeglicher sieht auf seinen Weg, ein Jeder geizet für sich in seinem Stande", führt er als Inbegriff des lieblosen und unsozialen Menschen vor. Feine Gemüter haben Mitgefühl und suchen, diesen Empfindungen in Wort und Tat Ausdruck zu verleihen. (V&R 74) Das tätige Mitgefühl mit seinen Stammesgenossen erhebt Posa zur vaterländischen Pflicht. Wir nennen es oft schlicht "Solidarität".

Über freilich immer notwendige individuelle moralische Maßstäbe des Handelns hinaus, sucht er gesellschaftliche, dass Rechtsgefühl, den Anstand und die gegenseitige Achtung betreffende Normen zu etablieren und Wirkung zu verschaffen. In der "Wohnungsfrage, ein Kulturproblem" (146), plädiert er 1920, ohne den Begriff zu verwenden, klar und unmissverständlich für ein Recht auf Wohnung. Alle Klassen und Schichten, sollten ein Interesse daran haben, dass die minderbemittelten Schichten unter Verhältnissen wohnen, die den Anforderungen der Gesundheitspflege und Sittlichkeit entsprechen. Das sollte besonders dann gelten, wenn der Arbeiter sein einziges Besitztum, die Arbeitskraft, verliert.

Graf von Posadowsky zeichnet ein gesundes soziales Empfinden und Verständnis für die Lebenslage der arbeitenden Klassen aus. "Was würde werden," fragt er am 13. Dezember 1897 den Reichstag, "wenn - was Gott verhüte! - wir einen unglücklichen Krieg führten, Handel und Wandel stockten, die Fabriken still ständen, der heimische Boden nicht mehr so intensiv bearbeitet würde: - wovon sollte dann der Arbeiter leben! Die besitzenden Klasse können viel leichter über halten; die haben etwas zuzusetzen, nicht aber der Arbeiter, der von der Hand in den Mund lebt."

 

Im Arbeiterzug, 1901
Der Wahre Jacob. Nr. 391. Stuttgart, den 16. Juli 1901, Seite 3551

 

Zur Arbeiter-Frage nimmt er eine entschieden positive Haltung ein. Das Ansehen der Arbeiter und Arbeiterinnen muss gehoben und ihr Selbstvertrauen gestärkt werden. "Außerdem muß selbstverständlich die gerechte Behandlung des Arbeiters sowohl seitens der Regierungsorgane wie der bürgerlichen Gesellschaft hinzukommen, um sich das Vertrauen des Arbeiters zu erwerben und zu erhalten." (Posadowsky 12.12.1905, 240)

[Sieg des Radikalismus?  zurück] Der Klassenkampf, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel oder Umsturzvorlage stellten - unausgesprochen oder ausgesprochen - die Machtfrage. Das betrifft die Stabilität der bürgerlichen Gesellschaft. Hierzu ist eine Gesprächs-Passage mit interessanten Nuancen zwischen Posadowsky und Miquel überliefert. Johannes von Miquel war bereits vier Jahre Tod, am 8. September 1901 in Frankfurt einem Schlaganfall erlegen, als Posadowsky am 12. Dezember 1905 (239) den Reichstagsabgeordneten erzählt:

"Wie sie wissen, war Herr v. Miquel ein Mann von großer praktischer Erfahrung, und einer gewissen geschichtsphilosophischen Auffassung. Er sagte mir bei dieser Gelegenheit: wir brauchen in Deutschland den Sieg des Radikalismus, wie er von der äußersten Linken vertreten wird, zunächst nicht zu fürchten; denn Deutschland hat so viele verschiedene geistige, soziale und wirtschaftliche Zentren dank seiner Geschichte, dass diese einen festen Rückhalt gegen den Ansturm des Radikalismus bilden; die Lage der Regierung kann erst dann eine gefährliche werden, wenn sie in schlechte Finanzen gerät, wenn sie infolgedessen zu abhängig wird vom Parlament, und wenn sie Staatsausgaben, die das Land und ihre Stellung erfordert, nicht mehr leisten kann. Meine Herrn, mir scheint hierin eine tiefe Wahrheit zu liegen."

 

 

Kernsätze der Sozialpolitik  zurück

Die Sozialpolitik konstituiert sich aus dem Widerspruch, die Produktivkraft Arbeit als unerschöpfliche Quelle des Fortschritts zu erhalten und zu fördern einerseits, und den hierfür zur Verfügung stehenden, immer begrenzten ökonomischen Ressourcen andererseits. Ihre merkantile Ausgestaltung greift tief in die Wertverhältnisse des nationalen Lohn- und Renten- sowie Gesundheitssystems ein. Zwangsläufig unterliegt die Sozialgesetzgebung dem Kampf der Interessen der sozialen Klassen, Gruppen und Parteien sowie der alltäglichen Polemik von Presse und Ansprüchen der Öffentlichkeit.

 

Im virtuellen Raum des "Wahren Jacob" amüsieren sich 1901 die Mitglieder des Gewerkschaftskongresses bei der Arbeit an der Ramme. Wenn der Hammerkopf, auch "Schlagbär" genannt, auf das Rammgut, deutlich als "Centralverband deutscher Industrieller" kenntlich gemacht, niederrasst, dann schmeißt die Menge die Kopfbedeckung in die Luft oder reckt beide Hände blitzartig senkrecht nach oben in die Luft. Was für ein Spaß! "Immer drauf!", heisst das Motto der "Gewerkschaftlichen Thätigkeit".

 

 

"Immer drauf". "Gewerkschaftliche Thätigkeit". Auf dem Rammbock steht "Centralverband deutscher Industrie."

Aus: Der Wahre Jacob. Nr. 391. Stuttgart, den 16.Juli 1901, Seite 3544

 

Die Materialisierung der Sozialpolitik hängt vom politischen Kräfteverhältnis der im Reichstag konkurrierenden Parteien, den Gewerkschaften, dem Einfluss der Unternehmer nebst ihren Organisationen und Verbänden ab.

Sozialpolitik verstand Posadowsky nicht als Praxis sozialer Geschenke an eine geschundene arbeitende Klasse. Vielmehr lotete er ihre Möglichkeiten und Grenzen im Feld von Humanität, Rationalität und Ökonomie aus. Damit ist die Planung und Bewertung sozialpolitischer Maßnahmen und staatspolitischer Entscheidungen unter Heranziehung weiterer naturwissenschaftlicher und mathematischer Methoden möglich, obwohl heute davon kaum jemand die Lösung aller Probleme erwartet. Wir kennen die sozialen und moralischen offenen und versteckten Atavismen dieser Methoden und sind dafür sensibilisiert. Trotzdem sollte man nicht der Versuchung erliegen, die humanistische Rationalität als kognitive Methode zu eliminieren. Denn die gesellschaftlichen Fragestellungen bleiben uns erhalten, sie treten immer wieder, in unterschiedlichster Form an uns heran.

Wenn die Wohlhabenheit in unserem Land steigt, expliziert am 12. Dezember 1905 (240) Posadowsky im Reichstag, wachsen die Ansprüche an die Schulbildung und Kultur der äußeren Lebenshaltung. Ebenso verlangt der Arbeiter nach einem größeren Anteil am Gewinn der industriellen Produktion. Werden die ökonomischen Grenzen der Sozialpolitik damit aufgehoben? Vor dieser Frage standen am 14. Januar 1904 die Abgeordneten des Reichstages in der Form:

Sollen "alle schwächeren Volkskreise Anspruch auf die Hilfe des Staates" haben?

Eine nationale Gefahr für Reich und Staat, wie im Streit der Kontrahenten vorhergesagt, entsteht, wenn der Antrag ausgeschlagen wird nicht. Sozialpolitische Initiativen vom Herzen, bringen meist viel Ehr. Doch die Regierung ist verpflichtet, sie mit dem Kopf zu prüfen. "Wenn wir diesen Grundsatz annehmen," skizziert Posadowsky das Problem, "dass jeder Anspruch auf die Hilfe des Staates hat, soweit es sich um die Sicherung seiner Zukunft handelt,

dann würden wir allerdings dem Idealstaat des Abgeordneten Bebel sehr nahestehen."

Oft wird die deutsche Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie und im Dienst der Domestizierung der Arbeiterklasse interpretiert. Man spricht von Aufgaben für die Systemstabilisierung. Andere begreifen sie vor allem als Pflegeleistung zur Produktivitätssteigerung der Arbeit. Posadowsky-Wehner überschreitet deutlich den Horizont sowohl einer populistisch wie ökonomistisch fundierten Sozialpolitik. Für ihn ist sie, eine universelle kulturelle Aufgabe, ohne die kein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt möglich (V&R 126ff.). Damit geht er weit über die Grenzen seiner sozialethischen Auffassungen der Posener-Zeit hinaus, die Pflicht zur sozialen Fürsorge vor allem aus dem Gebot der christlichen Sittenlehre abzuleiten.

Einerseits widersprach er ".... auf das heftigste, wenn der Centralverband deutscher Industrieller Forderungen, die der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit am Arbeitsplatz galten, als sozialdemokratisches Anliegen zurückwies." (Bahlcke 96)

Andererseits darf die Sozialpolitik nicht die wirtschaftlichen Gesetze überschreiten und zerstören, weil sonst riesige volkswirtschaftliche Schäden zu gegenwärtigen sind (vgl. V&R 213).

Das Bestreben um einen größeren Anteil der Arbeiter am Gewinn des Unternehmens, betrachtet Posadowsky als "an sich verständlich und auch berechtigt." Doch darf die Produktion dadurch nicht in einer Weise verteuert werden, dass diese konkurrenzunfähig, lebensunfähig oder reproduktionsunfähig wird. "Wenn der Unternehmer nicht mehr die Aussicht hat, sein Kapital wirklich gewinnbringend anzulegen, wird eben die Unternehmungslust überhaupt zurückgehen …" "Werden also die Forderungen an die Löhne überschraubt, wird die Ware zu teuer, das Geschäft zu riskant, so leidet unter den fortwährenden Streiks zunächst die Unternehmerlust des deutschen Unternehmerstandes, dann trägt aber in zweiter Reihe den Rückschlag der Arbeiter, weil sich die Arbeitsgelegenheit entsprechend vermindert."  (Posadowsky 12.12.1905, 240)

 

Wollte oder durfte er nicht?  zurück

 

An der Prügelorgie sind beteiligt Paul Singer von der SPD, Peter Spahn vom Zentrum, Waldemar von Oriola von der Nationalliberalen Partei, Wilhelm Kardorff von der Deutschen Reichspartei und Dr. Müller-Meiningen, Freisinnige Partei.

Prügelknabe Posadowsky. In: Jugend. Nummer 9. München, den 18. Februar 1904.

 

Eifrig schreitet der Staatsminister des Innern auf dem deutschen Weg der Wirtschaft fort, der sich durch die Sozialpolitik deutlich vom anglo-amerikanischen Wirtschaftssystem unterscheidet. Er erkannte sehr wohl, schreibt Albin Gladen (85f), "dass staatliche Sozialpolitik in eine emanzipatorische Gesellschaftspolitik einmünden müsse, die den Arbeitern Freiheit und Möglichkeit zur Selbsthilfe gab." Das verlangte die Aufhebung des politisch-diskriminierenden Zensuswahlrechts mit anachronistischer Wahlkreiseinteilung und die uneingeschränkte Koalitionsfreiheit. An die Lösung der Arbeiterfrage nicht nur sozialpolitisch heranzugehen, sondern sie als Verfassungsfrage anzuheben, das wollte er nicht verantworten.

Wollte oder durfte er nicht?

Über welche Handlungsspielräume verfügte der Staatssekretär a) innerhalb der institutionellen und b) in den Grenzen der kaiserlich-herrschaftlichen Subordinationsverhältnisse? Was konnte er gestalten und entscheiden?

Für die einfachen Wechselfälle des Lebens hält Graf von Posadowsky am 16. Februar 1895 folgende Lösung bereit: "Glaubt ein Verwaltungsbeamter, dass innerhalb seines Ressorts eine falsche Politik getrieben wird, so kann er wohl seine Gegenvorschläge machen, aber er wird keine andere Politik treiben als sein Chef." (Kardorff) Doch darum handelt sich hier nicht. Es ist eher die Frage: Was lässt das persönliche Regiment von Wilhelm II. zu? Regierung, Beamtenschaft usw waren "… durchsetzt von dem Bestreben, die Gunst, der Allerhöchsten Person für sich zu gewinnen bzw. zu erhalten" (Röhl 133). ".… immer weiter frisst sich die Überzeugung Bahn, die sämtlichen Minister seien nicht selbständige Männer, die nach ihrem guten Glauben handeln, sondern mehr oder weniger Puppen, die blindlings den Winken und Launen ihres kaiserlichen Herren folgen" (W. J. Mommsen 64). "Die Reichskanzler, die Staatssekretäre der Reichsämter und die preußischen Minister waren praktisch zu Handlangern der Monarchen herabgesunken ....". Das System auf dem Prinzip des "allerhöchsten Vertrauens" und Schmeichelns, musste zur Katastrophe führen. (Röhl 130)

 

 

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär  f ü r  Sozialpolitik 
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Ära Posadowsky 12.08.1893 bis 24.6.1907

Im Reichstag stößt die Fortsetzung der Sozialpolitik auf Widerstand, was erwartungsgemäß von ideologischen Kontroversen begleitet ist. Seine Gegner stellen das

Prinzip der Kontinuität

in Frage. In der Reichstagsdebatte am 9. März 1907 (344/345) argumentiert der Staatssekretär des Innern: "Aus den bisherigen Kundgebungen der Regierung geht hervor, dass sowohl der Herr Reichskanzler wie selbstverständlich auch die verbündeten Regierungen fest entschlossen sind, die Sozialpolitik fortzusetzen." Dennoch sind die Auffassungen darüber verschieden. Im Weiteren setzt sich der Redner mit den Gegnern der Sozialpolitik auseinander. Ein Volk, dass in der Bildung fortgeschritten, stellt auch im Unglück höhere Anforderungen an seine Lebensführung als die Armenpflege gewähren kann.

"Deshalb kann ein Volk von dem Kulturstande des deutschen Volkes die Sozialpolitik nicht aufhalten und nicht aufgeben, trotz aller stillen und offenen Gegner." Folglich kann die Sozialpolitik kein "verhängnisvoller Schritt" dagegen sein.

Doch die wird nicht darin einmünden, stellte er bereits in der Reichstagsrede am 13. Dezember 1897 heraus, "alle Erwerbszweige polizeilich zu reglementieren, um schließlich einen sozialistischen Polizeistaat herbeizuführen, in dem sich die Arbeiter nicht wohler befinden dürften als bisher, in dem aber die besitzenden Klassen sich zu bewußten Gegnern des Staats herausbilden würden."

 

 

Das Kellerfest des Hottentottenblocks. (Grossbild)
Aus: Der Wahre Jacob, Nummer 542, Stuttgart, den 30. April 1907, Seite 5367   zurück

 

Seit der freikonservative Abgeordnete Karl von Camp-Massen (1846-1918) ab Juni 1907 seine Angriffe gegen ihn, den Vizekanzler, richtete, wofür er gleichsam in den Freiherrenstand erhoben, und die Norddeutsche Allgemeine jede Woche vom bornierten Unternehmerstandpunkt aus verleumderische Anklagen gegen die modernen Gewerkschaften erhob, konnte kein Zweifel mehr bestehen, dass die Tage Posas gezählt waren. (VS 25.5.1907) Meist äußern sich, so schildert er die Lage am 9. März 1907 (344) im Reichstag, seine Widersacher öffentlich nicht in schroffer Weise. Doch sie bekämpfen jeden einzelnen (Fort-) Schritt und sorgen dafür, dass für den Schwachen nur das Notwendigste geschieht. "Und, meine Herren," streitet Posadowsky am 5. März 1907 für seine Politik vor dem Hohen Hause, "dass gegen mich in der Öffentlichkeit, persönliche gehässige, giftige und verleumderischen Angriffe gerichtet sind, das ist allgemein bekannt ….  Es gibt eben Richtungen, die wollen, dass ein Staatssekretär gegen Sozialpolitik besteht.

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär für Sozialpolitik.
(Lebhafter Beifall in der Mitte, links und bei den Sozialdemokraten.)"

 

 

Kolonialpolitik - Nachtragshaushalt - Weltstellung (Bülow)  zurück

Unter der Kanzlerschaft von Leo von Caprivi (1890-1894) und Carl Viktor Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894-1900), so interpretiert es Paul Wittko (1925), konnte Posadowsky seine Leistungskraft voll entfalten. Als Bernhard von Bülow 1900 übernahm, da brachten die "Temperamentsunterschiede" der Männer bald allerlei Misshelligkeiten zu Tage. "Seine trockene und ernste Art passte überhaupt nicht zu der glitzernden Persönlichkeit des vierten deutschen Kanzlers [Bernhard von Bülow]." (BT 24.10.1932)

 

Auszug aus der Bielefelder Rede von Graf Posadowskys zur Kolonialpolitik aus dem Jahre 1911:

[a] "Wir haben ein ungeheures Kolonialgebiet zu erschließen, wozu gewaltige finanzielle Mittel im Laufe der Zeit notwendig sein werden. Große, wilde Flächen ohne reiche Mittel zu ihrer Erschließung sind aber rein imaginäre Werte. Ein Land wo die Europäer nicht arbeiten können, und die Eingeborenen nicht arbeiten wollen, bedeutet keine Verstärkung unserer wirtschaftlichen und politischen Macht."

[b] "Alle kolonialen Erwerbungen hat man bisher damit begründet, dass wir bei unserer schnell wachsenden Volkszahl Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. Es ist aber falsch, zurzeit von einer Überbevölkerung Deutschlands zu sprechen."

Quelle: Graf Posadowskys Kandidatenrede. "Lands-Zeitung". Bregenz, den 1. Dezember 1910

 

Posadowsky zweifelt an der Sinnhaftigkeit der Kolonialpolitik, weil sie keine Verstärkung der wirtschaftlichen und politischen Macht Deutschlands bedeutet. Mit ihr sollte die Überbevölkerung bekämpft werden, die aber eigentlich nicht existierte. Reichskanzler Bernhard von Bülow, sein einstiger Dienstherr, erteilt 1906 (3958) die Direktive: "Die Frage steht nicht so: ob wir kolonialisieren wollen oder nicht, sondern wir müssen kolonialisieren, ob wir wollen oder nicht." Zwischen dem Kanzler und seinem Stellvertreter bestanden offenbar in Kernfragen der "Weltpolitik" kontroverse politische Auffassungen. Allerdings erscheinen Posadowsky`s Auffassungen logisch widersprüchlich, wenn er am 18. Januar 1912 im Volkshaus von Jena erklärt: "Wir müssen verlangen, dass wir an der noch nicht besetzten Erde unseren Anteil haben. Wir können uns nicht ausschließen lassen, wir haben einen Anspruch auf Kolonien, wo der Deutsche arbeiten und Leben kann."

Im Morgengrauen des 20. Juli 1905 reißen in Nandete im Matumbiland (Deutsch-Ostafrika) eine Frau und zwei Männer Baumwollpflanzen aus dem Boden. Eine Aktion die zum Signal für den Aufstand der Maji-Maji wurde. Es folgen Massaker und Strafexpeditionen bis Chief Chabruma´s Kämpfer durch die deutsche Schutztruppe am 25. Juni 1906 in Ungoni eingeschlossen und vernichtet. Der Aufstand der Maji-Maji gegen die repressive Kolonialherrschaft endet am 18. Juli 1908 mit der Erschießung von Rebellenführer Mpangiro.

1904 traten in Deutsch-Südwestafrika die Herero und Nama (von den Deutschen abschätzig als "Hottentotten" bezeichnet) in den Aufstand. Nach der verlorenen Schlacht am Waterberg, wollten sie durch Omaheke ins Betschuanaland (Botswana) ziehen. Deutsche Truppen verhinderten ihre Wasseraufnahme und ließen sie verdursten. Wer dem Massensterben entkam, vegetierte dahin oder starb oft im Konzentrationslager.

Matthias Erzberger (1875-1921), 1907 Kandidat für die Reichstagswahl im Wahlkreis Biberach, Leutkirch, Waldsee, Wangen, wandte sich gegen die Kolonialkriege mit ihren Grausamkeiten, Morden und Terrorismus. Durch die Veröffentlichung skandalöser Zustände, zum Beispiel zur Tätigkeit der Firma Tippelskirch & Co. GmbH, forcierte er die politische Krise, die 1907 in die Reichstagsauflösung einmündet.

 

Der Wahre Jacob aus Stuttgart stellt im Juli 1907 die Bülow-Schlächterei vor. Heute gibt es Metzelsuppe.

 

Bernhard von Bülow (1849-1929), Reichskanzler von 1900 bis 1909, hetzt seine Hunde auf Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, der in der Karikatur "Metzel Suppe" symbolisch als Wurst dargestellt ist.

Die originale Bildunterschrift lautet: "Man sieht doch gleich die gute Rasse, - sie läst keinen `ran und schnappt den besten Happen weg."

Metzel Suppe. In: Der Wahre Jacob.
Jahrgang 24. Heft 548. Stuttgart, den 23. Juli 1907, Seite 5473

Paul Wittko schreibt 1925 im Kontext der Krise von 1906/07: "Posadowsky, stets unbedingt wahrheitswillig und von großer, fast zu großer Ehrlichkeit ...."

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Kanzler Bernhard von Bülow legt im August 1906 dem Reichstag einen Nachtragshaushalt vor, der zusätzlich 29 Millionen Mark für die Kolonialtruppen und den Bau einer angeblich kriegswichtigen Eisenbahn vorsieht. Erzberger vom Zentrum fordert die Reduzierung der Truppen und der von der Regierung beantragten Gelder. August Bebel, SPD, prangert die deutsche Ausrottungsstrategie an. Laviert aber. Er kann sich eine "Kolonisation als große Kulturmission" vorstellen. "Man will

Weltpolitik großen Stils treiben,

man will endlich die langersehnte Kolonialarmee schaffen", konkretisiert es am 14. Dezember 1906 der Vorwärts aus Berlin. Mindestens 5000 Mann, gegebenenfalls auch mehr, sollen in Südwestafrika bleiben. Reichskanzler Bernhard von Bülow interveniert am 13. Dezember 1906 gegen die widerspenstigen Abgeordneten des Reichstages:

"Die Regierung kann sich von den Parteien nicht vorschreiben lassen, wieviel Truppen sie für kriegerische Zwecke braucht." "Nochmals, es handelt sich um unsere Weltstellung."

Die SPD (78 Abgeordnete), das Zentrum (103 Abgeordnete) die Fraktion der Polen (16 Abgeordnete), und mit ihnen Posadowsky-Wehner, stimmen am 13. Dezember 1906 gegen den Nachtragshaushalt für das Kolonialamt. Die Regierungsvorlage wird mit 178 zu 168 Stimmen ablehnt. Unmittelbar danach löste Reichskanzler Bülow auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II. das Parlament auf. Als Termin für die Neuwahl des Reichstages wurde der

25. Januar 1907 festgesetzt.

 

 

Die Reichstagswahlen 1907  zurück

Deutsch Konservative, Nationalliberale und Linksliberale bildeten ein Wahlbündnis, um Reichskanzler von Bülow zu stützen, dass gegen das katholische Zentrum und die Sozialdemokratie gerichtet.

 

 

 

Foto: Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Wahlkampf 1907

Auf einem Plakat steht der Schriftzug "aller Freisinnigen Wähler". Vielleicht ist es eine Aktion der Freisinnigen Volkspartei gegen die Kolonialpolitik und Militärvorlagen? Schwerlich zu glauben, weil bekannt, dass sie allmählich in das Lager der Flottenrüstung und Weltpolitik wechselten.

Herkunft, Datum und Autor der Fotografie sind unbekannt. Am linken Bildrand ist auf dem Plakat der Name "Kaempf" zu lesen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den ehemaligen Stadtrat von Berlin, den Juristen und Reichstagspräsidenten (1912-1918) Johannes Kaempf (1842-1918). Seit 1901 war er Mitglied des Reichstages und Fraktionsvorsitzender der Freisinnigen Volkspartei. Er kandidiert im Wahlkreis Alt-Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorothenstadt und Friedrichstadt-Nord. Am 25. Januar 1907 finden die Wahlen zum 12. Deutschen Reichstag statt. Das obige Foto, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner ist darauf gut zu erkennen, könnte eine Szene aus diesem Wahlkampf darstellen.

 

 

Es war doch wohl so: Mit der Auflösung des Reichstages am 6. Dezember 1906, hoffte man durch anschließende Neuwahlen mit den Nationalliberalen und Freisinnigen, einen konservativen Block im Reichstag zu formieren, um auf diese Weise die Kolonial-Gegner zurückzudrängen.

Am Wahltag - den 25. Januar 1907 - entscheiden sich 28,9 Prozent der Wähler für die SPD, womit sie 2,8 Prozent der Stimmen einbüßte und 38 Sitze verlor. Das Zentrum erreichte fast unverändert 19,4 Prozent, die Nationalliberale Partei 14,5 Prozent, die Deutschkonservativen 9,4 Prozent. Im Ergebnis war der Reichstag jetzt ohne Stimmen des Zentrums mehrheitsfähig, gestützt auf: Nationalliberale Partei + Deutsche Volkspartei + Deutschkonservative + Freisinnige Volkspartei + Freisinnige Vereinigung.

 

 

Verteilung der 397 Abgeordnetensitze
gemäss den Ergebnissen der Reichstagswahl
am 25. Januar 1907

 

SPD
Zentrum
NLP
DtVP
DRP
FVp
43 / -38
105 / +5
55 / +4
7 / +1
24 / +3
28 / +7
   
FVg
Region.
Bauern
DKP
Antisem.
Unabhä.
14 / + 5
29 / -3
9 / +1
60 / +6
21 / +10
2 / -1
           

Wahlbeteiligung: 84,7 Prozent

SPD - Sozialdemokratische Partei Dtl.

Zentrum - Deutsche Zentrumspartei

NLP - Nationalliberale Partei

DtVP - Deutsche Volkspartei

FVp - Freisinnige Volkspartei

DRP - Deutsche Reichspartei


FVg - Freisinnige Vereinigung

Antisemiten - Antisemitenparteien

DKP - Deutschkonservative Partei

Region. - Regionalparteien, Minderheiten

Bauern - Bauernpartei

 

Die SPD ist vom Wahlergebnis tief enttäuscht. Auch der Wahlkreis Naumburg-Zeitz mit dem Kandidaten A. Thiele ging verloren. Das "Einströmen neuer Wählermassen," analysiert die Volksstimme aus Magdeburg, "die bisher unterhalb des politischen Bewußtseins lebten, hat den bürgerlichen Parteien für den Augenblick ein starkes Übergewicht verschafft".  "Das Kennzeichen der Wahlen", kommentiert am 28. Januar 1907 die Leipziger Volkszeitung, "ist das Aufhören der bürgerlichen Opposition. Was übrig geblieben, ist ein trostloser Brei."

Die Einschätzung von Franz Mehring (1907) fällt drastischer aus. Für ihn ist die Wahlniederlage Ausdruck der Hohlheit und Nichtigkeit des Geredes, als seien die Wahlverluste eine Erfrischung oder Erneuerung des nationalen oder liberalen Gedankens. Jetzt soll die liberale Bourgeoisie die willige Dirne der ostdeutschen Junker spielen. Mit einem "Platzregen notorischer Reden" heißen die konservativen "Verbündeten" sie willkommen.

 

 

Der Sturz  zurück

Gelegentlich einer Beratung am 28. Februar 1907 traten zwischen Posadowsky und Bernhard von Bülow erhebliche Unstimmigkeiten auf. Der Reichskanzler wirft ihn später vor, über eine bestimmte Sachlage nicht ausreichend informiert zu haben. Außerdem erwartete er von ihm bei der Vertretung seiner Politik mehr Unterstützung. Der Chef wurde krank und sein Staatssekretär für Inneres übernahm regulär die Leitung der Reichsgeschäfte. Obwohl hierfür zweifellos zuständig, führte die Reichskanzlei sie selbständig, sozusagen parallel, weiter und unterzeichnete Dokumente mit "Im Auftrage des Reichskanzlers". Das führte natürlich zu weiteren ernsten Verstimmungen. (Arnim / v. Below 1925) Als dann noch bekannt wurde, dass der Staatssekretär Bestrebungen des Zentrums unterstützt haben soll, geredet wurde gar über die parteipolitische Unterstützung des Zentrums aus dem Reichsamt heraus, war das Maß voll.

 

"Reichskanzler darf Graf Posadowsky auf keinen Fall werden. Denn wo soll das hinaus, wenn einer für sein Amt den nötigen Verstand gleich mitbringt! Das ist gegen alle preußische Traditionen."

Posadowsky Hetze. In: Der Wahre Jacob.
Jahrgang 24. Heft 540, Stuttgart, den 2  April 1907, Seite 5367

Ende März kreisen Gerüchte, dass die Position des Grafen erschüttert ist. Zum 24. Juni 1907 verlässt er das "Staatsschiff". Es traf ihn tief, beobachtete die Vossische Zeitung (29. Juni 1907). Mit Würde sein "hippokratisches Antlitz" tragend, saß er während der "erregendesten Debatten auf seinen Platz, wie der steinerne Gott. Mitunter lächelte er still und ironisch in sich hinein ....", um dann "wieder sein Antlitz in Falten zu legen". Es wird so sein, dass er die Kriegserklärung an das Zentrum nicht verstanden und nicht billigte. Warum?

(a) Er war gegen die Auflösung des Reichstags. Ein radikaler Bruch mit dem Zentrum, worauf das Vorgehen vom Kaiser und Reichskanzler abzielt, kommt ihm ungelegen, da er es zur Durchsetzung seiner Sozialpolitik braucht. Wird es mit seinen 103 Abgeordneten gestutzt, beeinträchtigt dies die Weiterführung seiner Sozialpolitik. Sein Abschied als Staatssekretär des Innern war ein Opfer an die Blockpolitik.

(b) Gewiss spielen beim Sturz Rivalitäten eine Rolle. Die Freie Presse aus Wien tratsch am 25. Oktober 1900 aus, dass Graf Posadowsky und Miquel nicht nur stille Rivalen für das Reichs-Kanzleramt sind, sondern noch als Bülow´s Rivalen gehandelt werden.

"Man hatte freilich dem Kaiser geflissentlich eingeredet," erzählen am 3. Juni 1930 die Danziger Neueste Nachrichten, "dass der Graf krankhaft ehrgeizig sei und durchaus Kanzler werden wolle. Unter Hohenlohe war er verschiedene Male dicht dran, den Posten zu bekommen, bis Bülow als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes die Gunst des Kaisers erwarb und Dauphin der Wilhelmstraße 77 wurde."

(c) Was befürchten die Gegner von einem Reichskanzler Graf von Posadowsky? Die Infragestellung der Kolonialpolitik, vielleicht sogar der "Weltpolitik"? Sicher überliefert ist, dass er in ihr kein Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit sah. Ob es als Streitthema reichte, die institutionalisierte Politik des Reiches weiter auszudifferenzieren, ist fraglich.

Ähnlich verhält es sich mit der Möglichkeit einer gründlichen Revision der Nationalitätenpolitik. Bülow bringt am 26. November 1907, wie oben bereits erwähnt, in das preußische Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Gesetzes ein, der es erlaubt, polnischen Grundbesitz zu enteignen. War das nach Art eines Posadowsky-Wehner?

 

"Wat rausschmeissen wollen Se mir. Ich habe vierzehntägige Kündigung. Mit mir jeht det nicht so wie mit Posadowsky`n."

Simplicissimus. 12. Jahrgang, No. 16. München, den 15. Juli 

 

"Sein Sturz entspricht", kommentiert am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg, "mehr noch als den Wünschen des Fürsten Bülow jenen der scharfmacherischen Reichspartei, die den ehemaligen Vertreter der Zuchthausvorlage, den Hauptmitarbeiter des Hochschutzzolltarifs, den Vertrauensmann der Landbündler und Industriebündler, seit er sich in der Auffassung seines Amtes zu etwas modernen Anschauungen gewandelt hatte, als ihren Todfeind zu behandeln pflegte."

"Über die Entlassung von Posadowsky", reicht am 26. Juni 1907 das Jenaer Volksblatt nach, "ist noch zu bemerken, dass er schon längst all den Kreisen der Großindustrie und des unsozialen Junkertums verhasst war, denen selbst die unvollkommene, zögernde und reaktionäre Sozialpolitik Posadowsky noch zu "revolutionär" erscheint." Besonders von den Montanindustriellen bekam der Sozialpolitiker den Unwillen zu spüren.

Mit ihm scheidet ... aus der Reichs- und preußischen Staatsregierung, bemerkt die Volksstimme (Magdeburg) drei Tage später,

"die einzige bedeutende Persönlichkeit, der letzte, dem auch der Gegner Achtung entgegenbringen konnte."

Die nachgesuchte Dienstentlassung, so heißt die amtliche Formulierung, ist am 26. Juni 1907 erteilt worden. Nachfolger wird der preußische Polizeiminister und spätere Reichskanzler Theodor von Bethmann Hollweg.

Der Staatssekretär des Innern ist am Tag des Rücktritts 62 Jahre alt. Er verlegt jetzt seinen Wohnsitz nach Naumburg An der Saale, wo er bereits seit 1901 dem Domkapitel angehört.

Seine Entlassung vergißt die politische Öffentlichkeit nicht so schnell. Im Bericht über die Reichstagssitzung vom 7. Februar 1913 kommt sie erneut unter Überschrift "Kampf um die Macht" zur Sprache. Hier heißt es: "Das Auftreten des Staatssekretärs Dr. Delbrück erinnerte an die letzte Rede, die im Reichstage sein Amtsvorgänger Graf Posadowsky als Staatssekretär gehalten hat. Auch Graf v. Posadowsky erklärte damals den ostdeutschen Junkern, dass er ein "grundsätzlicher" Gegner ihrer Politik sei. Er wolle kein Minister gegen, sondern für die Sozialpolitik sein. Herr von Delbrück hat am Freitag [den 7. Februar 1913] dasselbe, wenn auch mit anderen Worten gesagt. Graf v. Posadowsky war kurze Zeit nach jener Rede aus seinem Amt ausgeschieden worden."

 

 

"Die Wohnungsfrage ist nicht mehr
eine soziale Frage,
sie ist jetzt die soziale Frage."  Posadowsky-Wehner, 6. Februar 1913, Reichstag  zurück

Kinderreiche Familien, Geringverdiener, Erwerbslose, Invalide, und Greise hausen in Löchern mit stickiger Luft und unzureichendem Sanitär. Besonders in den industriellen Zentren des Landes herrscht große Wohnungsnot. Alkoholismus und andere die Gesundheit zerstörende Laster haben in nicht unerheblichem Maße hier ihre Ursache. "Es ist in immer tiefere Kreise unsere Bevölkerung das Bewußtsein eingedrungen," stellt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner 1913 im Reichstag fest, "dass ein großer Teil der körperlichen und sittlichen Leiden der minderbemittelten Schichten aus den ungenügenden Wohnverhältnissen hervorgeht, die namentlich in den großen Städten bestehen. (Lebhafte Zustimmung rechts und links im Zentrum)."

Dennoch bleibt die Wohnung das materiell-soziale Fundament für die Gestaltung des familiären und persönlichen Lebens. Hundert freundliche Arbeiterhäuschen lösen das Problem nicht. Geräumige, hygienisch einwandfreie Großblöcke sind für den sozialen Wohnungsbau der Maßstab der Stunde. Daß die Lösung der Wohnungsfrage für die Besitzer von Schlössern anders aussieht als in den Arbeitervierteln von Berlin, war Posa immer gegenwärtig, ohne dass er sich deshalb in den Klassenkampf stürzte. Er tritt schlicht der Ausbeutung der Mieter durch die Hausbesitzer und Grundbesitzer entgegen, bemerkt 1907 die "Volksstimme" aus Magdeburg.

"Wir unterstützen die Säuglingspflege, wir schaffen Jugendgerichtshöfe, wir verfolgen Laster und Verbrechen;" aber schränkt Posadowsky ein, "damit kurieren wir aber nur auf die Symptome, wenn wir nicht die Hauptkrankheitsursachen, die sittliche bedenklichen Wohnungszustände, beseitigen." (6.2.1913, 3548/3549)

In der Reichstagsdebatte 1912 erweitert er den Ersten Hauptsatz der Sozialpolitik um die Aufgaben der praktischen Wohnungsbaupolitik. Für ihn kommt es darauf an, dass die Wohnverhältnisse in der Unterschicht und den Arbeiterfamilien schnell und spürbar verbessert werden. Denn: "Die Wohnungsfrage ist nicht mehr eine soziale Frage, sie ist jetzt die soziale Frage", erklärt er am 6. Februar 1913 (3548/3549) vor dem Reichstag.

"Will man die Wohnungsverhältnisse der Bevölkerung positiv fördern, so muß man auch finanzielle Maßregeln treffen - und solche erwarte ich vorzugsweise von den Bundesstaaten und den Gemeinden die es denen ermöglichen, die nur ein kleines Sparkapital besitzen und im Übrigen für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen nichts als ihre redliche Arbeitskraft bieten können, sich damit in unserem Vaterlande ein gefundenes Heim zu schaffen." Bei Posadowsky verflechten sich normative Ansprüche der gesellschaftlichen Moral mit einem komplementären christlichen Menschenbild und passenden ökonomischen Leitorientierungen.

Posadowsky stellt die Bedürfnisse der Arbeiter und kleinen Angestellten in den Mittelpunkt der Wohnungspolitik. Seine wichtigsten Vorschläge sind: gesetzliche Festlegungen zum Bau von ausreichend Kleinwohnungen, städtische Wohnungspolitik unter Nutzung des Erbbaurechts, finanzielle Förderung des Wohnungsbaus für die minderbemittelten Schichten. Es ist besonders der Mangel an gesunden hellen Kleinwohnungen, der die Mieten weiter in Höhe steigen läßt.

All dies ist von enormen, eigentlich nicht zu überschätzenden sozialpsychologischen und politischen Einfluß auf die Haltung der werktätigen Massen zu Staat und der Regierung. "Es ist nicht das Denken der Menschen, das ihr Sein bestimmt, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Denken bestimmt", formuliert Karl Marx 1859 (9) das Verhältnis von materiellen Lebensbedingungen und Bewußtsein in der Zur Kritik der politischen Ökonomie. Vorwort.

Vom 16. bis 19. Oktober 1904 findet in Frankfurt am Main der

Erste Allgemeine Deutsche Wohnungskongress,

statt. Er unterstützt dies nachdrücklich. Um die Mieten für die Reichsangestellten zu senken, schlägt er den Bau von eigenen Wohnungen vor.

Die Ergebnisse des Wohnungskongresses lassen unschwer die tiefen Gegensätze und Unterschiede erkennen, die in der Gesellschaft allgemein und bei den verantwortlichen (Fach-) Politikern zur Lösung des Wohnungsproblems als soziales Problem bestehen. Die Interessenlage der involvierten sozialen Gruppen sind sehr unterschiedlich.

Zur Eröffnung füllt sich ein riesen Kongressaal bis auf den letzten Platz. Erschienen sind Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, zum Beispiel der Nationalökonom und Sozialreformer Professor Lujo Brentano, der Journalist und SPD-Mitglied Albert Südekum, der Arzt und Soziologe Franz Oppenheimer, Doktor Baumert, als Syndikus der Hausbesitzervereine aus Berlin-Spandau sowie Fachleute aus der Wohnungswirtschaft. Eine bunte Gesellschaft. Tief bewegt sind die Krongreßteilnehmer von Berichten über das Schlafgängerwesen oder die Not einer Familie mit 10 Personen, die nur in einem Zimmer lebt. Die Spaltung der Versammlung tritt in dem Moment ein, als der Organisationsausschuss des Allgemeinen Deutschen Wohnungskongress nur eine von ihm zugelassene Erklärung zur Abstimmung zulassen will.

Dagegen protestiert die sozialdemokratische Gruppe und veröffentlicht am Sonntag, den 18. Oktober ein Dokument, worin sie den preußischen Wohnungsgesetzesentwurf zur Linderung der Not als völlig ungeeignet bezeichnet, weil der Landtag die Klassenprivilegien pflegt und die Gemeinden rücksichtslos das Hausbesitzervorrecht realisieren.

 

Am

5. Januar 1910

bittet der Bayerische Verband für Wohnungsförderung
in München
Posadowsky-Wehner zum Vortrag unter dem Thema:

Die Wohnungsfrage
als Kulturproblem.

Zunächst analysiert er die Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, derweil bald kritische Untertöne zur Kolonialpolitik anklingen: In den besten Kolonien, wie Südwestafrika, die 26 Jahre zu Deutschland gehören, siedelten lediglich 6 210 Deutsche, während sich die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 18 Millionen erhöhte. "Auch die wärmsten Vertreter einer starken Kolonialpolitik werden hiernach die Hoffnung kaum mehr aufrechterhalten können, dass unsere Kolonien imstande wären, einen irgendwie nennenswerten Teil unserer wachsenden Bevölkerung aufzunehmen."

Wenn wir den jetzigen Kulturstand halten wollen, kalkuliert der Graf, dann müssen ausreichend Wohnstätten geschaffen werden, die den gesundheitlichen und sittlichen Anforderungen genügen. Gegenwärtig lebt die Stadtbevölkerung zu vier Fünftel in Kleinwohnungen mit zwei bis drei Räumen. "Aber nur in sehr großen Entfernungen von ihrer Arbeitsstelle können sie sie finden `zum Schaden ihrer Arbeits- und Nachtruhe und ihres Familienlebens`". Etwa 63 Prozent der Bevölkerung leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. In einzelnen Orten sind sie bis zu 59 Prozent mit zwei, ja sogar mit drei Schlafgängern belegt, was "die kaum glaubliche Zerrüttung des Familienlebens in den Arbeiterfamilien" bedingt. Staat, Städte und Gemeinden müssen deshalb eine neue Richtung im Wohnungsbau einschlagen.

"..... gerade von der Entwicklung des Erbbaurechts, glaube ich," präzisiert er am 6. Februar 1913 (3548) vor dem Reichstag seine Vorstellungen, "ist eine sehr wirksame Förderung des Wohnungswesens zu erwarten; denn das Erbbaurecht hat den großen Vorzug, erstens, dass das bebaute Grundstück nicht aus dem Hypothekenverbande des Stammgrundstücks ausgelöst zu werden braucht; ferner erlaubt es auch minder bemittelten Personen, ein derartiges Grundstück im Wege des Erbbauvertrages zu erwerben, weil kein Kapital zu zahlen ist, sondern nur eine fortlaufende Rente, und endlich hat er für den Besitzer des Grundstücks den wesentlichen Vorteil, dass er Eigentümer seines Grundstücks bleibt, und ihm deshalb auch der Gewinn aus der Steigerung des Preises für den Grund und Boden zufließt, sobald die Erbbaufläche nach Ablauf des Erbbauvertrages wieder in sein Eigentum zurückkehrt."

Um den Wohnungsbau mit angemessenen Preisen realisieren zu können, müssen die Gemeinden endlich reichlich und vorsorgend Grund und Boden ankaufen.

Für dringend notwendig hält er den Bau von Wohnungen für Reichsangestellte, damit, wie er es ausspricht, die Mieter der Ausbeutung durch die Hausbesitzer und Grundeigentümer entrinnen können.

Über den Münchner Vortrag 1910 fällt die sozialdemokratische Wochenschrift Die Neue Zeit (1910) ein vielsagendes Urteil:

"Und wenn Posadowsky noch nicht a. D. wäre, die Kreise, deren Interessen er als Minister vertreten hat, würden, ihn nach dieser Rede schonungslos wegjagen. Doch freilich als er noch im Amte war, hat er an den geheiligten Privilegien der Kapitalisten nicht gerüttelt."

 

Auf dem

Zweiten Deutschen Wohnungskongress
vom 11. bis 14. Juni 1911 in Leipzig

hält Doktor Graf von Posadowsky-Wehner als Ehrenpräsident die Eröffnungsrede. Er gilt auf dem Gebiet der Wohnungspolitik als Fachmann und findet in der deutschen Presse weithin Beachtung. Der ehemalige Staatssekretär und Stellvertreter des Reichskanzlers fordert Wohnungsgesetze und Vorschriften, die sicherstellen, dass gewisse mit dem Bebauungsplan einbezogene Landstücke nur mit Kleinwohnungen bewirtschaftet und die darauf errichteten Häuser ebenfalls nur als Kleinwohnungen benutzt werden dürfen. Sozialpolitisch und wirtschaftlich ist es falsch, beklagt er, die minderbemittelten Klassen in weitentfernten Vororte zusammenzudrängen. Höchst wichtig hingegen bleibt, die Ausgabe von Land zum Erbbaurecht, was die Möglichkeit eröffnet, mit geringen Kostenaufwand den Besitz von Grund und Boden für Wohnungszwecke auf die Lebensdauer mehrere Geschlechter hinaus zu erwerben. Dies erhärtet er nochmal in seiner Rede vor dem Reichstag am 6. Februar 1913 (3549).

Dazu sind, legt er am vom 28. Februar 1912 im Reichstag dar, zwei Maßregeln notwendig.

A) Das Erbbaurecht ist für die Städte, die möglichst große Ländereien erwerben, das geeignete Mittel, um auf dem Wege des Kleinwohnungsbaus für die minderbemittelten Volksklassen gesunde und preiswerte Wohnungen zu schaffen. Allerdings müssen dazu die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zum Erbbaurecht entsprechend ergänzt werden.

B) Die Städte können die Aufgabe nicht alleine lösen. Das Großkapital muss Mut und Luft haben, die Förderung des Wohnungsbaus mittels dem Erbbaurechts zu unterstützen. Die Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem ist nur mittels öffentlicher und privat-unternehmerischer Investitionen möglich. Durch entsprechende Ergänzungen der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches würde sich, dass Großkapital interessiert zeigen. Zurzeit ist das nicht der Fall, weshalb rechtlich an der Liquidität der Anlagen oft Zweifel bestehen.

Das Konzept der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, welches die Sozialdemokraten noch immer im "Erfurter Programm" (1891) favorisieren, ist mit diesen Aufgaben logisch nicht vereinbar. Trotzdem, ächzt Posadowsky, halten sie daran fest. Allerdings fallen jetzt Teile der SPD davon ab, nahm er bei seinem vorbereitenden Literaturstudium wahr. Nun wäre es, rät er, an der Zeit festzustellen, dass die "Vergesellschaftung" ein Irrtum, also nicht ausführbar ist. Auf diese Weise drängte sich so am 27. Februar 1912 - was nicht überraschend kam - der entscheidende Unterschied zwischen konservativer und sozialistischer Denkweise, die Haltung zum Privateigentum an Produktionsmitteln, in die Reichstagsdebatte.

 


Preußische Wohnungs-Gesetz vom 28. März 1918

Noch bevor der Krieg beendet, erlässt Preußen am 28. März 1918 das Wohnungs-Gesetz. Artikel 1 sieht "Enteignung mit Rücksicht auf das Wohnungsbedürfnis" vor. Posadowsky stellt das Wohnungsbedürfnis der wirtschaftlichen Unterklasse in den Mittelpunkt der Bemühungen. Die Entlassung der Kriegspflichtigen und die Abwanderung vom Lande in die Industriegebiete verstärkt den Wohnungsmangel. Von jedem Zuziehenden ist jetzt ein Nachweis über eine Wohnung zu fordern oder der Arbeitgeber stellt ihm eine solche bereit. Nur so lässt sich eine gewisse Ordnung im städtischen Wohnungswesen aufrechterhalten. Gefragt ist die Verantwortung des Arbeitgebers. Das aber gemeinnützige Vereine das Risiko übernehmen, die benötigten Wohnungen auf Vorrat zu bauen, hält er für Unwahrscheinlich. Es ist dringend ein Gleichgewicht zwischen vorhandenen Kleinwohnungen und dem Wachstum der Bevölkerung zu schaffen. Vor allem müssen Kleinwohnungen gebaut werden. (Wohnungsnot und Freizügigkeit, 12. Oktober 1918, 136 bis 139)

 

1920 legt Graf von Posadowsky in

"Die Berliner Wohnungsfrage"

erneut Vorschläge vor und wiederholt:

"Von allen Fragen sind die Wohnungsfrage und die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs diejenigen, die am tiefsten in das Volksleben eingreifen."

Typisch hier wieder, der Realismus mit dem er vorgeht. Offensichtlich reichen, muss er registrieren, alle bisherigen Bemühungen, besonders wegen des schnellen Bevölkerungswachstums, nicht aus. Sie zeigen keinen durchschlagenden Erfolg. Und der wird weiter ausbleiben, warnt Posadowsky, solange nicht für die Benutzung der Wohnungen allgemein gültige Mindestanforderungen aufgestellt und deren Durchführung überwacht werden. Speziell für den Bau von Kleinwohnungen und deren Nutzung sind dringend Gesetze notwendig. Um zu niedrigen Mietpreisen zu gelangen, favorisiert er erneut das Erbbaurecht. "Entschliesst man sich nicht zu durchgreifenden Massnahmen," warnt er, "so wird Laster und Verbrechen der Großstadt sich in einem Masse weiterentwickeln, das für das Volksleben nicht nur in den Großstädten, sondern des ganzen Landes bedrohlich wird."


 

Abgeordneter des Reichstags  zurück

1915 gehört er zu den „Berliner Reichstagsköpfen“, die man öfter auf den Straßen der Stadt sieht. Der Mann mit der überaus schlanken Figur und dem aristokratischen Gelehrtengesicht wurde am 12. Januar 1912 bei den letzten Wahlen zum Reichstag in Bielefeld als Kompromiss-Kandidat von Konservativen, Zentrum, Wirtschaftlicher Vereinigung des Bundes der Landwirte und Nationalliberalen als Sieger ausgezählt und schlug damit den Sozialdemokraten Carl Severing (1875-1952) aus dem Feld. Er ist Hospitant bei der Reichspartei, die einst unter der Führung des Großindustriellen Freiherrn v. Stumm stand.

Im Januar 1916 bildet sich im Reichstag die "Deutsche Fraktion" als Zusammenschlussvon zwölf Mitgliedern der Freikonservativen, fünf aus der Wirtschaftlichen Vereinigung, zwei aus der Deutschen Reformpartei, fünf Deutschhannoveranern, zwei bayerischen Bauernbündlern und dem Grafen Posadowsky. (Vgl Reichspartei)

In der Nationalversammlung, beobachtet 1919 "Der Welthandel", sitzt er in den Reihen der Deutschnationalen, teilt mit Clemens von Delbrück deren geistige Leitung in den politischen staatsrechtlichen Fragen.

 

"Bei der letzten Reichstagswahl vor dem I. Weltkrieg 1912 errangen in der Stadt Bielefeld die Kartell Parteien (Nationalliberale und Konservative) mit dem Zentrum unter Führung des Kandidaten Posadowsky 28,9 Prozent, die Fortschrittspartei / der Freisinn mit Schepp 18,5 Prozent der gültigen Stimmen, zusammen 47,40 Prozent. In der folgenden Stichwahl konnte Posadowsky allerdings nur 37,7 Prozent auf sich vereinigen." (Bielefeld)

 

Die Kandidatur als Reichstagsabgeordneter begann im November 1911 in Bielefeld. Aus seiner Rede auf einer Volksversammlung sind folgende Gedanken überliefert:

  • Um ein "ungeheures Kolonialgebiet zu erschliessen, will man zu dessen Finanzierung "Besitzsteuern" einführen. So wurde die Notwendigkeit kolonialer Erwerbungen durch Deutschland damit begründet, dass wir bei unserer schnell wachsenden Bevölkerung Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. "Es ist aber falsch, zur Zeit von einer Übervölkerung Deutschlands zu sprechen."

  • Der Kern der Landesverteidigung bildet das Landheer. Darauf muss sich der Staat konzentrieren. "Ein etwaiger Krieg wird neue Ansprüche stellen. "Dazu ist im Offizierskorps ein frischer Geist und ein frischer Mannesmut erforderlich ...."

  • Mit der Landesverteidigung steht die Frage der Finanzierung. Die Reichsfinanzreform sieht eine Tilgung der Schulden vor. "In keinem Fall dürfen wir in die alte Schuldenwirtschaft zurückfallen." Wir sollten in der Ausgabenpolitik etwas Sparsamkeit walten lassen.

  • Wir sind stolz auf die epochemachenden Leistungen von Deutschland auf dem Gebiet der Sozialpolitik.

  • Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschland ist erstarkt. "Dass sie jemals zu herrschenden Partei wird und so ihre programmatischen Ziele verwirklichen könnte," ist "völlig ausgeschlossen."

Wahlkampfauftritte erledigte er pflichtbewusst. Und man hörte wenig Tadel. Doch ein großer Wahlkämpfer war er nicht. Von einem Szenarium der Signale und Symbole hielt er nicht viel. Stimmung, Beliebtheit und Redegewandtheit, was das Wahlvolk so liebte, interessierte den Parlamentarier Posadowsky wenig. Ihm lag die vom demokratischen Wahlbetrieb generierte populistische Effekthascherei nicht. Das steigerte in Wahlzeiten nicht unbedingt seine Popularität.

Hinzu kam, allgemeine Reden, zumindest denen im Reichstag, misst er eine geringe Wirkung bei. Ich glaube nicht, reflektiert er in der Reichstagssitzung am 12. Dezember 1905 (238), dass der Abgeordnete Herr von Kardorff überzeugt worden ist von einer Rede des Herrn Abgeordneten Bebel. Und so glaube ich umgekehrt nicht, dass der Herr Bebel durch eine Rede des Abgeordneten von Kardorff wesentlich beeinflusst wurde.

 

  Impressionen  zurück

 

 

Posa und das deutsche Volk.
Simplicissimus. 18. Jahrgang, No. 40. München, den 29. Dezember 1913, Seite 687

 

Der Landrat Graf Posadowsky, bisher Kreischef in Lowicz, meldet am 25. Juli 1916 das "Fremden-Blatt" aus Wien, wurde in die Zentralverwaltung nach Warschau berufen.

 

Vom 8. April 1917 findet sich folgende Nachricht: Wilhelm II. sprach Posadowsky-Wehner, der seit August 1915 das Landratsamt in Elbing führte, seinen Dank für vorbildliche Pflichterfüllung aus. Der übernahm einst diese Aufgabe, um den Inhaber des Postens, seinen Sohn, den Eintritt in den Heeresdienst zu ermöglichen. Zum 1. April 1917 bat er den Kaiser, ihn von dieser Funktion zu entbinden.

 

 

Mars regiert die Stunde (Posadowsky)  zurück

Die Eroberung von Lüttich löste im August 1914 in Naumburg große Begeisterung aus. Ein Jahr danach ist von dieser Stimmung nichts mehr zu spühren. Der Krieg herrscht über die Stadt. Infolge der "Absperrungen" der Alliierten und dem Lebensmittelwucher droht ihr Not und Hunger. Das Leben verschlechtert sich. Um Wucherpreise zu verhindern, legt man Höchstpreise, zum Beispiel für Schlachtschweine, fest. Ab Mitte November 1915 können bei der 2. Ersatzabteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 55 in Naumburg Weihnachts-Liebesgaben abgegeben werden, von wo sie an die im Feld stehenden Truppen des Feldartillerie-Regiment 55 weiterbefördert werden. Die Kriegsmaschine muß in Gang gehalten werden: psychologisch, materiell und finanziell. "Mars regiert die Stunde" (1915), überschreibt zu Beginn des zweiten Kriegsjahres Posadowsky einen Aufsatz. Die "Erkenntnis von der entscheidenden Bedeutung dieses Krieges für das Dasein unseres Volkes und für das Leben eines jeden Deutschen" drang erst allmählich "in das Bewusstsein" der Bürger. Deshalb ist wichtig, dass er den historischen Charakter des Krieges erkennt, die täglichen kriegsbedingten Beschwernisse versteht und Opfer für das Vaterland erbringt.

Öffentliche Äußerungen von Posadowsky erwecken den Eindruck, als ob ihn die Abschaffung der Golddeckung der Mark und die Finanzierung des Krieges auf Kredit keine besonderen Sorgen bereitet. Eine Notiz vom 5. August 1915 erhärtet das, wo er zu den Kriegsfolgen ausführt: "Die Beantwortung der Frage, welche wirtschaftlichen und finanziellen Folgen der Krieg nach sich ziehen wird, scheint mir noch nicht reif zu sein. Erst wenn die Abrechnung des Krieges erfolgt sein wird, und es sich darum handelt, wie die Kriegslasten zu decken sind, wird sich sachgemäß beantworten lassen. Jetzt ist noch gar nicht zu übersehen, welche wirtschaftlichen und finanziellen Verschiebungen der Krieg mit sich bringt." (Kriegsfolgen) - Somit unterschätzt er die finanziellen Auswirkungen (Zinszahlungen, Steuererhöhungen) des Krieges auf die Bevölkerung und Wärungsstabilität des Deutschen Reiches. Von allen Wirkungen des Krieges erweisen sich die Vermögensumschichtungen, trägt Walter Rathenau am 18. Dezember 1916 (821/822) über Friedenswirtschaft vor, als die folgenschwersten und sorgenreichsten.

"Mars regiert die Stunde" (1915) erfüllt Erziehungsaufgaben. Posa doziert über den Krieg, der nicht, wie der von 1870 ein historisches Zwischenspiel darstellt, sondern ein Historischer ist. Jeder möge sich vorstellen was passiert, gibt er zu bedenken, wenn wir nicht den Sieg erringen. Deshalb muss der Staat hohe Anforderungen an den Bürger stellen. "Je mehr dieser Riesenkampf zur Entscheidung drängt, desto gewaltiger sind naturgemäß die Anstrengungen, die zu fordern sind, und je mehr wachsen die Opfer, die jeder einzelne zu bringen hat."

"Die Starken und Schwachen, die Hoffnungslosen und die Besorgten, die Wohlhabenden und Armen, sie fahren alle in einem Boot und müssen deshalb alle ihre letzte Kraft anstrengen." (Mars 1915)

"Wer wäre lau genug, um einen Augenblick zögern in Erfüllung dessen, was das Land von ihm erwartet ...." Fahren wirklich alle in einem Boot? Zweifel kommen auf. Seit Beginn des Krieges finanziert der Staat den Krieg auch über Kredite. Posadowsky wirbt am 28. September 1917 in Berlin auf einer Kundgebung der deutschen Mittelstände für die 7. Kriegsanleihe.

Walter Rathenau referiert am 18. Dezember 1916 vor der "Deutschen Gesellschaft 1914" über die "Probleme der Friedenswirtschaft". Er erklärt, warum der Luxuskonsum auf den Handel, Lebensstandard negativ zurückwirkt und die volkswirtschaftliche Kraftentfaltung behindert. Zur Debatte steht nicht die Kultur der Quäker oder ein weltfremder Puritanismus. Überwunden werden muss aber der in der Allgemeinheit weit verbreitete Irrglaube: "Luxus bringt Geld unter die Leute". Das ist falsch. Posadowsky unterliegt diesem Irrtum nicht, aber in "Mars regiert die Stunde" fehlt eine deftige Moralpredigt gegen den Luxuskonsum, den man mit Luxussteuern und -zöllen bekämpfen muß, weil die Importe von Luxusgütern den außenwirtschaftlichen Ertrag schmälern. Arbeits-und Maschinenkraft, die für Luxusprodukte aufgewendet werden müssen, schwächen die Kriegswirtschaft. "Jeder Mann wird gebraucht kein Werkzeug darf feiern", lautet die Losung des "roten Millionärs". Abstrakt, also rein fiskalisch und rechnerisch, ist die Lösung des Problems einfach: Zölle verringern die Einfuhr von Luxuswaren und Abgaben an den Staat verkleinern die inländische Produktion von Luxusgütern.

Am 13. Juni 1916 führte die Reichsregierung einen Warenumsatzstempel als Steuer auf Warenlieferungen ein.

 

Kundgebung der deutschen Wirtschaftsstände
für die 7. Kriegsanleihe
am 28. September 1917
zurück

 

Kundgebung der deutschen Mittelstände für die 7. Kriegsanleihe. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den Freitag den 28. September 1917, Seite 6

 

Gläubiger ist jeder der Kriegsanleihen erwirbt. Schuldner ist die Gesamtheit. Das Land spaltet sich in Gläubiger und Schuldner. In der Hyperinflation 1923 kentert das Boot. Die Schuldner waren längst ausgestiegen und die Gläubiger ertranken im Schmerz über den finanziellen Verlust oder in sozialer Not.

Wer soll einst die Zinsen für die Kriegsanleihen bezahlen? Die müssen durch Steuern aufgebracht werden, entscheidet Matthias Erzberger, Reichsminister der Finanzen. - - - Dies erfordert die Abschaffung der Zinsknechtschaft, erklärt Gottfried Federer (1883-1941) am 16. Januar 1920 im Gasthof "Deutsches Reich" zur Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei. Es helfe kein anderes Mittel, rechnet der Ingenieur vor, denn aus dem Gesamtschuldenbetrag von 300 Milliarden Mark, resultiert eine Schuldenlast von 15 Milliarden Mark, weshalb die Zinsknechtschaft unter allen Umständen verschwinden muss.

 

 

Friedensresolution 1917  zurück

Im Kampf um die Mandate der Deutschen Nationalversammlung eröffnet er am 15. Januar 1919 den Naumburgern in der Reichskrone:

"Ich habe seinerzeit gegen die Friedensresolution vom Juli 1917 im Reichstag gestimmt ….".

Damit war klar, DER gehört zur nationalen Opposition. Dem können, sagte der konservative Wähler, wir vertrauen, der will den Siegfrieden. Und es verlor sich etwas ihre Furcht vor dem billigen und faulen Frieden.

Die militärische Lage war kritisch. Deutschland eröffnet Ende Januar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Reichskanzler Theobald Bethmann Hollweg stand ihm skeptisch gegenüber, weil er nicht den erhofften Erfolg zeitigte, eine Fehlentscheidung war. Die USA treten am 6. April 1917 in den Krieg gegen Deutschland ein. Der von US-Präsident Woodrow Wilson verkündete "Kreuzzug für die Demokratie" destabilisierte das europäische Staatensystem weiter. Um das Interesse Deutschlands an einem "Frieden ohne Annexionen" zu signalisieren, bringt am 17. Juli 1917 Matthias Erzberger (Zentrum), nach Absprache mit der Regierung und der OHL (Oberste Heeresleitung), getragen von Sozialdemokraten, Zentrum und Fortschrittlern, in den Deutschen Reichstag

die Friedensresolution

ein. Einen ersten Entwurf akzeptierte Bethmann Hollweg bereits am 10. Juli. Er fand, verbunden mit der Zusage, dass in Preußen geltende Dreiklassenwahlrechts durch das gleiche Wahlrecht zu ersetzen, die Zustimmung des Kaisers. Zwei Tage später erfährt davon die Öffentlichkeit. (Fritz Fischer 339) Die Reaktion darauf war heftig. Besonders die Alldeutschen polemisierten gegen Bethmann Hollweg. Angeblich stände er, hiess es, unter "jüdischen Einfluß". Der alldeutsche Chemieprofessor Hans von Liebig in Gießen bezeichnet ihn als "Kanzler des Judentums" (Bernd 75).

Konservative, antidemokratische und rechtsradikale Kreise antworten auf die Friedensresolution Anfang September 1917 mit der Gründung der Vaterlandspartei (DVLP). Die nationale Opposition erblickt in der Friedensresolution ein Zeichen des Verrats, weil sie nicht dem Willen der Mehrheit des Volkes zum Ausdruck bringt. Wer möchte denn keinen Frieden, fragt sie?, und untermauert ihr Vorgehen mit: "Nervenschwache Friedenskundgebungen verzögern aber nur den Frieden. Unsere auf die Vernichtung Deutschlands bedachten Feinde erblicken in ihnen nur den Zusammenbruch deutscher Kraft." (Vorwärts 10.09.1917)

"Wer eine solche Friedensresolution fasst," lässt Graf von Posadowsky-Wehner verlauten, "weckt den Verdacht, dass er die Hoffnung auf den Sieg aufgegeben hat, und erschüttert damit auch die Siegeszuversicht des Heeres." Das sagt er nicht einfach dahin. Bereits 1915 auferlegt er in Was regiert die Stunde, dem Bürger die Pflicht zu prüfen, was er für die Heimat in dieser Stunde tun kann.

Georg Schiele aus Naumburger schliesst sich der Friedensresolution ebenfalls nicht an. Dessen politische Schlussfolgerungen zum Kriegsverlauf fallen alldeutsch radikalisiert und zur volkswirtschaftlichen Entwicklung marktwirtschaftlich aus. Das Größere Deutschland braucht nach seiner Überzeugung nicht Maß, Zurückhaltung, Vorsicht und Achtung gegenüber anderen Nationen. Ihn bekümmert vorrangig die mangelnde "Bausicherheit" des deutschen Welthandels. Es war "zu wenig auf Macht," heisst es in Waffensieg und Wirtschaftskrieg (1918), "auf Eigentum, auf Respekt gegründet."

 

 

Kühlmann-Episode  zurück

"Weder die Regierung noch das Volk", das ist seine feste Überzeugung, "hat den Krieg gewollt." Er "ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant". Deshalb empfindet er es als ungerecht und empörend, wenn die Alliierten Deutschland jetzt in die Rolle des Kulturschänders drängen. So scheint es, als ob der Gedemütigte auf die Rede von Staatssekretär Richard von Kühlmann (1873-1948) vom Auswärtigen Amt schon lange gewartet hat, um endlich am 27. Juni 1918 der Presse mitteilen zu können:

"Bezüglich der Schuld Rußlands am Kriege bin ich doch der Meinung des Herrn v. Kühlmann, England und Frankreich war aber dieser Krieg nicht unwillkommen. Ich bedauere, dass gegenüber den Verleumdungen unserer Gegner unsere Regierung nicht immer prompt geantwortet hat. Durch diese Unterlassung hat sich in den Köpfen unserer Feinde der Aberglaube festgesetzt, dass wir die Schänder der Kultur sind. Die Welt muss dagegen erfahren, welche Verbrechen gegen uns und unseren Gefangenen täglich begangen werden. Dank der deutschen Siege haben sich die Randvölker befreit."

 

 

Jede Zeit ist eine Sphinx,
die sich in den Abgrund stürzt,'
sobald man ihre Rätsel gelöst hat.
 zurück
Heinrich Heine: Romantischen Schule (1836)

Hinter dem Dreiundsiebzigjährigen liegen arbeitsreiche Jahre: Referendar am Breslauer Stadtgericht, Gutsverwalter, Landrat, Landeshauptmann der Provinz Posen, Chef des Schatzamtes, Staatssekretär des Innern, Stellvertreter des Reichskanzlers, Landtags- und Reichstagsabgeordneter und die Vertretung in Elbing.

U n d  j e t z t ?

Ein Posadowsky wartet und vertraut nicht auf Wunder, er nimmt die Sachen selbst in die Hand. Im Unterschied zu vielen anderen Persönlichkeiten aus dem konservativen, alldeutschen, völkischen, deutschnationalen und wilhelminischen Lager, lehnt er die Revolution nicht ab.

[Revolution  zurück] "Wir sind keine Revolutionäre", trotzt er sich am 7. Oktober 1919 vor dem Parlament ab, "aber wir sind Evolutionisten." Mehr noch, er anerkennt den Anspruch der Massen an der Gestaltung und Führung des Staates teilzunehmen. "Zu lange schon hat man gezögert," kritisiert er im März 1919 in den Schicksalsstunden (65/66), "diesen aufstrebenden Massen einen entsprechenden Anteil am politischen und öffentlichen Leben einzuräumen." Er hilft, ihre Fähigkeiten wahrzunehmen und zu nutzen. Seit langen entfalten die handarbeitenden Massen eine rege politische und wirtschaftliche Tätigkeit. "Gerade durch diese Tätigkeit sind aber in den Massen geistige hervorragende führende Kräfte herangebildet, und dadurch ist ihr Wunsch verstärkt, sich in weiterem Umfang öffentlich betätigen zu können. Diese Forderung lässt sich nicht abweisen .…" (Schicksalsstunden, 17.3.1919, 65/66)

Bald drängt die Geld-, Inflations- und Aufwertungspolitik in sein Gesichtsfeld. Die Untersuchungen und politischen Aktivitäten auf diesem Gebiet entfremden ihn Schritt für Schritt von der deutschnationalen Politik, was sich bis 1925 zum unversöhnlichen Gegensatz auswächst. Er war einer der wenigen Experten, die auf der Seite der enteigneten Schichten standen, würdigt der Sozialdemokrat Hugo Heimann (1859-1951) in "Der Kampf um die Aufwertung" (1925, 38) seine Tätigkeit auf diesem Gebiet (siehe Kapitel Gegen Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit).


Das Auswärtiges Amt der Vereinigten Staaten von Amerika in Washington übermittelt am 23. Oktober 1918 als Antwort auf die Note der deutschen Regierung vom 20. Oktober 1918 folgende Botschaft des Präsidenten, um auszusprechen, "daß die Völker der Welt kein Vertrauen zu den Worten derjenigen hegen und hegen können, die bis jetzt die deutsche Politik beherrschten, und abermals zu betonen, daß bei Friedensschluß und beim Versuche, die endlosen Leiden und Ungerechtigkeiten dieses Krieges ungeschehen zu machen, die Regierung der Vereinigten Staaten mit keinem anderen als mit den Vertretern des deutschen Volkes verhandeln kann, welche bessere Sicherheiten für eine wahre verfassungsmäßige Haltung bieten, als die bisherigen Beherrscher Deutschlands." (Wilson 23.10.1918)

 

[Dunkle Drohungen  zurück] US-Präsident Woodrow Wilson ist nicht bereit mit den "bisherigen Beherrschern Deutschlands" zu verhandeln. Er spricht ihnen am 23. Oktober 1918 sein Misstrauen aus. Für solche diplomatische Aufgaben kommt Posadowsky seit seinem Abschied 1907 aus der Reichsleitung regulär nicht in Frage. Dennoch trifft ihn die darin verpackte Schuldfrage schwer.

Stefan Zweig (1881-1942) fordert 1918: "Die neue Republik darf nicht von den alten Akrobaten der Gesinnung geführt sein."

Ihn erreichen dunkle Drohungen.

Ist die Frage der moralischen Verantwortung damit ausgestanden? Nach der historisch singulären Staatspleite müssen die Alten einen ungeheuren, Reputationsverlust hinnehmen. Ihr moralisches Ansehen ist gründlich ramponiert, und wie es schien, irreparabel. Es sei nur an den aufsehenerrenden und begeisternden Zug der Neuen Schar durch Franken und Thüringen im Jahre 1920 erinnert, deren Losung lautete: Kampf der Jungnaturen gegen die Alten. Wieder und wieder trug vor dem Krieg die Freideutsche Jugendbewegung ihre Zweifel an der wilhelminischen Elite vor: Unfähig zur sozialen Empathie, unwillig zu Reformen. Radikalopportunistisch und indolent, zu wenig am Aufbau einer friedlichen Welt interessiert, so lautete ihr Urteil. Da haben wir es doch! D i e s e r Graf von Posadowsky ist doch einer von diesen Alten! Ist der nicht durch die hohen Ämter verdorben? Und dann gibt er am 14. Februar 1919 in der Nationalversammlung noch diese provokative Vorstellung seiner Uneinsichtigkeit:

"Wir haben nichts zurückzunehmen von dem, was wir bisher vertreten haben. Wir sind treue und überzeugte Diener unserer Herrschaftshäuser gewesen, mit denen das deutsche Volk durch jahrhundertelange Arbeit durch Freud und Leid unauflöslich schien."

Was bedeutet das? Uneinsichtigkeit? Reaktionäres Festhalten am überlebten Gesellschaftskonzepten? Selbstschutz vor dem Zusammenbruch? Oder Sturheit als Protestform? - Was nun? Theodor Heuss postioniert sich vor der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) am 17. Januar 1919 (857) in Stuttgart, der in sich einer ganz ähnlichen Situation befindet so: "Das alte Deutschland liegt hinter uns - wir wollen es nicht schmähen." Ähnlich hält es Posa, er lehnt (in dieser Situation) jede "Herabsetzung des alten Staates" ab. Ihn wegen der zitierten Redepassage, dass Urteil vom rückwärtsgewandten Politiker oder Gegner der Republik aufzuherrschen, wäre falsch und extra-ungerecht, weil sie quer zur Tendenz seiner politischen Entwicklung liegt und den Blick auf seinen Einsatz für Republik verstellen könnte.

"Unlängst erklärte Herr Philipp Scheidemann (SPD) in Kassel, die Revolution sei mit den Vertretern des alten Regimes "so großmütig verfahren, wie noch nie eine Revolution verfahren ist". "Ich weiss nicht recht," antwortet hierauf Posadowsky am 7. Oktober 1919 in der Nationalversammlung,

"was diese dunkle Drohung bedeuten soll.

Hat er geglaubt, daß es in Ordnung gewesen wäre, wenn die Revolution mit den Personen, die Träger des alten Regimes waren, mit den Beamten und Offizieren, die kraft ihres Diensteides die Monarchie vertreten haben, so zu verfahren, wie ihr großer Vorgänger, die Revolution von 1789, wie die Jakobiner, von denen der größte demokratische Geschichtsschreiber Frankreichs Taine sagt: "Die Jakobiner bestanden aus Verbrechern, aus Narren und vertierten Taugenichtsen. (Heiterkeit rechts. Zurufe links)"".

Ihn erscheckt, verständlich, dass "Dunkle", was hier nur ein diplomatischer Audruck für das Böse.

[Entwicklung und Wandlung   zurück] Die Kriegsniederlage und Versailles lassen ihn innerlich nicht zur Ruhe kommen. Überhaupt, es sind weniger die Schattenseiten der Revolution als die ungeheuerlichen Zumutungen des Versailles Friedensvertrages, die ihm großen politischen Kummer bereiten. "Dieser Vertragsentwurf", daraus macht er am 12. Mai 1919 in der Nationalversammlung keinen Hehl, "ist ein Gemisch von französischer Rachsucht und englischer Brutalität". "Man will eine ungeheure Brandschatzung am deutschen Goldbestand durchführen." Deutschland verliert die gesamte Handels- und Fischereiflotte, was die Ernährungsnöte verewigt. So darf man das deutsche Volk nicht behandeln. Dieser Vertrag kann nicht erfüllt werden. (GA 13.5.1919) "Für die Feinde Deutschlands" werde der Tag kommen, zitiert ihn 1921 Arthur Crispien (USPD / SPD), wo "die Rache der Götter" auf sie niederstürze".

"Wir haben uns gutgläubig auf die Wilsonschen Vorschläge verlassen, offenbar zu gutgläubig, denn sonst hätte Präsident Wilson gegen die uns gestellte Forderungen längst offenen Widerspruch erheben müssen .... An die Stelle der Wilsonschen Vorschläge," zieht er am 27. März 1919 Aus tiefer Not (55) Bilanz, "die eine vereinbarte Gundlage für den künftigen Frieden darstellen sollten, ist jetzt ein unbegrenztes Recht des Siegers getreten." Das bringt Posadowsky in Gegensatz zur deutschen Regierung und Volksvertretung, wenn sie Bedingungen für den Frieden genehmigen, "wie sie unsere Feinde planen". Notwendig ist vielmehr, dass das gesamte deutsche Volk gegen eine "solch schmachvolle Vergewaltigung" seine Stimme ehebt und alle anruft, "die noch ein Gefühl für Recht und Menschlichkeit haben. Von Frankreich und dem alten Hass seiner Bevölkerung haben wir nichts zu erwarten." (56)

U n d  w i e  n u n w e i t e r?

Aus tiefer Not (54ff.) klagt er am 27. März 1919 die völkerrechtswidrige Blockade der Engländer an, die Hunger und Entbehrung der Bevölkerung bringt. Vor der Nationalversammlung in Weimar lässt er am 7. Okober 1919 (17) "Druck aus dem Kessel": "Dieser Friedensvertrag ist eine geschichtliche Urkunde volkswirtschaftlichen Unverstandes."

 

Max Klinger (1857-1920): Erste Zukunft. Blatt 2 aus "Eva und die Zukunft", Opus III; 1880. Radierung und Aquantinta. Stadtmuseum
Naumburg (Saale)

 

Er hat Angst, dass Deutschland unter den Lasten und Folgen des Krieges zerbrechen könnte, womit es auf lange Zeit die entscheidende Voraussetzung für Wohlfahrt und Entfaltung der Kultur - die staatliche Einheit - einbüßen würde. Ihm scheint, die Sozialdemokraten könnten es retten, also den Zusammenhalt der deutschen Einzelstaaten in der Republik bewahren. Möglicherweise, wahrscheinlich, genauer ist es jetzt nicht zu sagen, gewisse Anzeichen sprechen dafür, verändert dies sein Verhältnis zur Sozialdemokratie positiv. Sie, räumt er im Aufsatz Gegen Bauer und Noske (4) vom 7. Oktober 1919 ein, wartete nach dem 9. November mit den zielstrebigeren und entschlosseneren Politikern auf, währenddessen die Bürgerlichen danebenstanden.

[Deutschtum  zurück] Große Sorgen bereitet ihn die Zukunft des Deutschtums. In "Unsere Auslandsdeutschen" (1919) legt hierzu seine Erfahrungen und Gedanken dar: "Jetzt kommen infolge des Friedensvertrages große gemischtsprachige Gebiete unter polnische Herrschaft oder sind in Gefahr, unter polnischen Einfluss zu kommen …. " (100). In der West- und Ostmark werden viele Deutsche gezwungen sein durch feindliche Anordnung oder durch persönliche Verhältnisse, "ihre bisherige Heimat zu verlassen". Für alle die solchen Bedingungen nicht unterliegen, "sollte es eine heilige Pflicht sein, auf ihrem Posten auszuhalten. Sie sollten sich als Vorposten der deutschen Sache betrachten und stets eingedenk bleiben, dass jeder, der kleinmütig dem Kampf um die Stellung des Deutschtums in jenen gefährdeten Gebieten ausweicht, damit auch die deutsche Zukunft jener Länder preisgibt." Jetzt wird sich zeigen, ob die deutsche Gesinnung nur Festbegeisterung und Redegut auf Versammlung war, oder der Ausdruck opferbereiter Liebe zum Vaterland und zum eigenen Volke." (101) Durch die traurigen Verhältnisse werden viele Deutsche gezwungen sein, das Mutterland zu verlassen, um in fremden Ländern einen neuen Lebensraum zu suchen. "Die Auswanderung kann deshalb nicht mehr bekämpft, sondern muss planmäßig gefördert werden. Pflicht der heimischen Volksgenossen wird es sein, alle die abgetrennten und in der Welt verstreuten Glieder unseres Volksstammes dem Deutschtum innerlich zu erhalten." (102) "…. um jede deutsche Seele da draußen müssen wir kämpfen; die große deutsche Familie muss sie alle, wo immer sie auch den harten Kampf des Lebens kämpfen, geistig zu umfassen suchen." "Die nächste deutsche Pflicht ist jetzt, dafür zu sorgen, das in den gefährdeten Gebieten keine deutsche Stimme fehlt ...." (103)

[Überfordert  zurück] Deutschland und seine Bürger sind überfordert. "Das deutsche Volk hat ungeheure Lasten aufzubringen," rechnet Posadowsky am 9. Juli 1919 in der Nationalversammlung aus Anlass der ersten Beratung zu Steuerfragen vor, "die seine harte Lage noch verschlimmern". Die Jahreslast von 25 Milliarden Mark, die das Land aufnehmen muss, entspricht einem Volksvermögen von 500 Milliarden Mark, dass in Friedenszeiten lediglich auf 300 Milliarden Mark geschätzt wurde. Der Steuerbetrag (25 Milliarden Mark) kann sich noch erhöhen. Bei diesen riesigen Verpflichtungen ist der Ausbau von indirekten Steuern unbedingt geboten. "Hinsichtlich der Erbschaftssteuer wollen wir angesichts der Not der Zeit von unseren Grundsätzen nachlassen."

Matthias Erzberger widerspricht dann im weiteren Verlauf der Reichstagsdebatte Posadowsky´s Behauptung, dass die Kapitalflucht eine Folge der Revolution ist. Vielmehr benutzen besitzende Kreise die Revolution, um Steuern zu vermeiden. Ihrer Vaterlandsliebe stellen sie damit ein äußerst trauriges Zeugnis aus. Das Kapital soll für die Volkswirtschaft arbeiten, jawohl. Aber es kommt darauf an, betont der Reichsfinanzminister, für wen es arbeitet, wer die Gewinne einstreicht. Seiner Auffassung nach wird das Kapitaleinkommen nicht genügend scharf besteuert. Zudem ist die Vergeudung von Heeresgut nicht nur den Arbeiter- und Soldatenräten zuzuschreiben. Prompt folgt der Zuruf von den Unabhängigen: "Die Offiziere haben alles verschoben."

Posadowsky (7.10.1919, 2895) leidet an seinem Land, am Verlust des Deutschtums und dem Staatsbankrott. Große Unsicherheit macht sich breit. Überall Gewalt alle Tage. "Schiebertum und der verächtliche Wucher mit Lebensmitteln blühen in unerhörter Weise." Das Land könnte zerbrechen und die staatliche Einheit verloren gehen. "Jetzt denken wir an keinen 18. Brumaire," stösst er am 7. Oktober 1919 in der Nationalversammlung heraus. Es hört sich an, als wollte sich jemand Mut zusprechen, wenn er sagt: "Uns fehlt vor allem ein Napoleon, der aus einem siegreichen Kriege zurückkehrt. ….

Nur ein Wunder kann uns retten: Wenn das deutsche Volk aus eigener Kraft sich sammelt und aufrafft aus seinem Elend." (Beifall rechts.)

Diese Stimmung erfasst weite Teile des Volkes. "Es wäre eine Übertreibung, zu behaupten," analysiert 1932 Volk und Regierung im neuen Reich (96) die Situation 1918/19, "dass all das politische Elend, wirtschaftliche und sittliche Elend, unter dem unser Volk leidet, eine Folge der Revolution sei. Die Ursache hierfür liegt in der seelischen, körperlichen und sittlichen Erschöpfung des Volkes als Folge eines 4 ½ jährigen Kriegs, der uns überanstrengt und unsere Widerstandsfähigkeit geschwächt. Die Revolution trägt aber die unzweifelhafte Schuld, dass sie Staat und Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert, den Beamtenkörper und sein dienstliches Pflichtgefühl vielfach gelockert und so den Wiederaufbau des Staates unendlich erschwert hat."

 

 

Abrechnung mit der wilhelminischen Politik
in der Reichskrone von Naumburg  
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Reichskrone um 1910. Zeichnung.

Am 15. Januar 1919 lädt Dr. med. Jebsen, Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Naumburg, zur Volksversammlung in die Reichskrone am Bismarckplatz ein. Vor einer außerordentlichen Zahl von Frauen und Männern aller Parteien referiert der DNVP-Kandidat für die Nationalversammlung Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Über die heutige Lage
und die Aufgaben der Zukunft.

Eine Stunde vor Beginn ist der grosse Saal des Hauses überfüllt. Als er eintritt, empfängt ihn lebhafter Beifall. Bedenkt man die gesellschaftlichen Umstände, ist die Stimmung gut, erstaunlich gut. Im Raum stehen die Fragen: Warum und wann verlor Deutschland seine Zukunft? Wie kam es zum Verlust moralischer Lebensformen? Wie geht es weiter?

Der Referent beginnt:

  • "Wir sind militärisch niedergebrochen .... damit brachen wir aber auch politisch zusammen." Unser Volk hat jetzt fast die ganze Welt zum Feinde.

  • Deutschland baute bekanntlich mit viel Kraft und Geld eine Flotte auf.

  • "Nach dem Ausscheiden des Fürsten Bismarck, fuhren wir mit vollen Segeln in die Weltpolitik. Wir suchten uns eine starke Flotte zu schaffen und einen grossen Kolonialbesitz zu erwerben." Es stiegen die Heeresausgaben. Sich schnell wiederholende Flottenvorlagen wurden damit begründet, "unseren Handel zu schützen. Im Frieden hat unser Handel, ....., des Schutzes einer Schlachtflotte nicht bedurft." Doch im Krieg war sie England zahlenmässig nicht gewachsen. Die Flotte konnte "keine ihrer Aufgaben lösen". Sie konnte weder unseren Handel schützen noch zur Verteidigung der Kolonien beitragen. Damit nicht genug. Nicht mal die Überführung der Truppen der feindlichen Länder auf die belgischen und französischen Schlachtfelder verhinderte sie. So war die Flottenrüstung völlig umsonst.

  • "Man kann sehr zweifelhaft sein, ob es richtig war, durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg uns die gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Macht Amerikas zu offenem Feinde zu machen; die U-Boot-Waffe hatte aber grossen Erfolg, wenn auch nicht den erhofften und in bestimmter Aussicht gestellten Erfolg ...." Besser wäre gewesen, den Bau von U-Booten nicht so zögerlich und spät zu betreiben. Dann hätte "das Resultat des Weltkrieges ein wesentlich anderes" sein können.

  • Deutschland leitete eine verfehlte Kolonialpolitik. Der Wunsch nach Kolonien scheint wirtschaftlich verständlich. "Die Begründung aber, dass wir Kolonien haben müssten, um dorthin unseren Menschenüberfluss abzuführen und dem Vaterlande zu erhalten, war für ein Land wie Deutschland, welches jährlich 1 ¼ Million fremder Arbeiter einführte, um seine Bergwerke auszubauen, seine Fabriken zu betreiben und den deutschen Acker zu bestellen, tatsächlich unrichtig."

  • Wenn er sagt, "Es würde sich empfehlen, bei den Friedensverhandlungen zu versuchen, unsere Kolonien, teilweise wenigstens, gegen ein geschlossenes Kolonialgebiet einzutauschen", dann erscheint dies unrealistisch.

  • "Wollten wir erfolgreich Weltpolitik treiben, so durften wir uns bei der Annexion Bosniens und der Herzogowina nicht als Sturmbock Oesterreichs gegen Russland ausnutzen lassen."

  • "Heute kann kein Zweifel mehr darüber sein, dass diese verfehlte Weltpolitik die Möglichkeit geschaffen hat, einen Ring von Feinden um uns zu schmieden, der schliesslich droht, zur Sklavenfessel für uns zu werden."

  • Das System des multilateralen Bündnisgeflechts war eine ganz wichtige Ursache für die unheilvolle Entwicklung zum Weltkrieg.

  • Deutschland darf seine nationalen Kräfte nicht überschätzen, deshalb muss es der Rüstungs-, Kolonial- und Außenpolitik Fesseln anlegen.

  • "Am traurigsten und für Deutschland am gefährlichsten sind die Verhältnisse in der Ostmark. Als Preußen die ehemaligen polnischen Landesteile erwarb, waren sie ein armes verwahrlostes Land mit anarchischen öffentlichen Zuständen. Wenn aus diesen Landesteilen blühende Provinzen geschaffen sind, so ist das das alleinige Verdienst der Staatswirtschaft Preußens."

Im überlieferten Reichskronen-Referat erscheint die Kriegsschuldfrage nicht. Wahrscheinlich opferten die Redakteure sie der Schere. In seiner Rede als Faktionsvorsitzender der DNVP am 14. Februar 1919 vor der Nationalversammlung in Weimar (82) führt er hierzu aus:

"Wir lehnen es, .... ab, die Schuld des Krieges auf Deutschland zu schieben. Wir mögen durch unsere auswärtige Politik an manchen Stellen Verstimmung hervorgerufen haben, ein sachlicher Grund gegen uns Krieg zu führen, lag in keiner Weise vor; die sachlichen Gründe, uns mit Krieg zu überziehen, lagen auf der Seite unserer Feinde.

In Russland war es der Panslavismus, der immer mehr zum Krieg mit Deutschland drängte, der Panslavismus, der auch am russischen Hof seine mächtigen Vertreter hatte. Dazu kam die Furcht der russischen Zarenregierung vor dem Nihilismus, und man suchte in der Art anderer leichtfertiger Regierungen den billigsten und leichtesten Ausweg in einem auswärtigen Kriege. Russland hat den Krieg gewollt, das steht unzweifelhaft fest."

Nicht alle Feuer konnte der Referent, was in den Tagen der Revolution kaum jemand erwartete, während der zweistündigen Rede löschen. So war die Überraschung nicht gar zu groß, als sich tags darauf aus der Zuhörerschaft ein Deutschdemokrat mit einer

"Offene(n) Anfrage an den Grafen Posadowsky"

meldet. Er wirft, wie am 17. Januar im Naumburger Tageblatt zu lesen, der DNVP vor, dass sie seine politische Abteilung mit dem Schlagwort "Schutzzollfeinde" bekämpft und speziell auf ländlichen Wahlversammlungen damit Bauernfang treibt. Dies ist deplatziert und weltfremd, weil die Bevölkerung darauf angewiesen ist, dass Lebensmittel und Rohstoffe in das Land fliessen. Um dies zu erhärten, verweist der unerwartete Diskussionspartner auf den Zusammenhang mit den sozialen Fragen:

"Wir alle wissen, unser Brot reicht nicht bis zur nächsten Ernte und auch später nicht. Unsere Kranken können nur nach langen zeitraubenden Laufreien auf Grund eines ärztlichen Attestes eine weiße Semmel bekommen, dass Kind bekommt nur ganz wenig, der Säugling ungenügend Milch, Fett fehlt gänzlich. Der Krieg hat alle Handelsbeziehungen aufgelöst. Der Feind blockiert uns und die Entente hat`s Wort. Und da wagt es jemand, eine solche Frage aufzuwerfen. Ja, kennen denn diese Leute noch immer nicht die Not der Zeit? Wissen sie allein nicht, dass Hungerrevolten kommen müssen, wenn das Ausland nicht bald und reichlich hilft? Sind diese Leute selbst so satt, dass sie die Not ihres Volkes übersehen?

Herr Graf! Man sagt ihnen nach, dass sie von jeher sich von vielen ihrer Standesgenossen vor allem dadurch ausgezeichnet hätten, dass sie ein Herz für das Volk und Verständnis für die Nöte derselben gehabt hätten, dass sie gewußt hätten, was die Stunde erfordert."

Zum Schluss klärte es sich auf, der Referent gebrauchte die irreführende Formulierung von den "Schutzzollfeinden".

Ungleich wichtiger als diese Kontroverse ist, dass Posadowsky am 15. Januar 1919 in der Reichskrone zu Naumburg die "entscheidende [Macht-] Frage der Gegenwart" formuliert:

"Volksstaat unter Mitwirkung sämtlicher Klassen unseres Volkes oder sozialistischer Staat unter alleiniger Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

Vier Tage später finden die ersten Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung statt. Für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) stimmen national 10,3 Prozent und in Naumburg 21,8 Prozent der Wähler.

 

Oppositionsführer in der Nationalversammlung  zurück

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner unterliegt am 11. Februar 1919 in der Wahl zum Reichspräsidenten dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert mit 49 gegen 277 Stimmen der Weimarer Koalition (SPD, Zentrumspartei, DDP).

Drei Tage darauf hält er als DNVP-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung die Gegenrede. Was kann, was muss der Bürger und Parlamentarier angesichts der tiefen politischen Krise des Konservatismus und desolaten Lage der bürgerlichen Parteien von ihm erwarten? Verheddert sich der Dreiundsiebzigjährige in programmatische Debatten? Oder ufert alles in Anwürfen oder personellen Streitereien aus? Nicht ohne Grund forderte Theodor Heuss am 17. Januar 1917 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei, dass die Parteien jetzt ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Darauf ist die DNVP aber nicht vorbereitet. Was kann der Graf in dieser wahrlich historischen Situation vor der Weimarer Nationalversammlung leisten?

Er beginnt:

"Wir haben in den letzten vier Jahren Gewaltiges und Furchtbares erlebt, und wie steht es jetzt? Die staatliche und bürgerliche Ordnung ist auf das schwerste gestört und fortgesetzt gefährdet." Die Staatsfinanzen sind schwer in Unordnung. Das Verkehrswesen liegt danieder. Unsere Ernährung ist bedroht. Das Wirtschaftsleben ist gelähmt. Die Waffenstillstandsbedingungen lassen alle Gerechtigkeit vermissen. Das ist die Lage. Was ist jetzt zu tun?

Die Demokratie muss sich als Staatsform in Deutschland erst bewähren. Im alten System erblickt er weder einen Obrigkeitsstaat noch staatliche Gewaltherrschaft. Daraufhin hört man aus dem Saal Rufe wie Kastenregierung, Obrigkeitsstaat, Junkerherrschaft. Flugs schreibt er den Genossen auf der Regierungsbank in ihr Poesiealbum den Merksatz:

In Deutschland war es möglich aus den niedrigsten Schichten bis in die höchsten Funktionen des Staates aufzusteigen.

Bezogen auf ihre Karriere als Abgeordnete, machte dies Sinn, nicht aber mit Blick auf die Gesellschaft. Forschungsergebnisse bestätigen dies. "Die Regierung machte ausgiebig von ihrem Recht Gebrauch," fand John C. G. Röhl (1987, 147) heraus, "qualifizierte Kandidaten aus politischen oder anderen Gründen abzulehnen." ".... in der Praxis wurden mehr als die Hälfte aller Bürger aus Gründen, die nichts mit ihrer Befähigung zu tun hatten, ausgeschlossen."

Ja bitte, spricht Posa der Opposition freundlich zu, es gibt keinen Staat, der auf eine Obrigkeit als Führungsschicht verzichten kann. Sie ist die "Grundlage jeder kultivierten Staatsverfassung".

[Zweikampf Posadowsky-Juchacz   zurück] Im angeblichen "Zustand der Freiheit", klagt er der Nationalversammlung, müssen wir "gewaltsame Eingriffe in die Rechtsordnung erleben. Fortgesetzt werden Gesetze verletzt, die Presse wird durch Gewalt unterdrückt, Versammlungen werden gesprengt, die freie Meinungsäußerung wird unterdrückt." Marie Juchacz lässt ihm das nicht durchgehen und stellt die Frage, wo denn die Pressefreiheit während des Krieges war. Eine durchschlagende Wirkung erzielt sie damit nicht, schließlich gehört sie als SPD-Abgeordnete zur politischen Hintergrund-Abteilung des Kabinetts Scheidemann, bestehend aus Zentrum, Deutsche Demokratischer Partei, einem Parteilosen und SPD (also: 7 SPD, 3 Zentrum, 3 DDP, 1 Parteiloser).

Keine Partei ohne Ideologie. Den Konsequenzen muss die ParteiGenossin huldigen. Hingegen erkannte Posadowsky früh die Deformationskräfte des Parteiwesens und entzog sich ihnen so gut er konnte. ".… Was sind parlamentarische Reden wert, wenn nicht Staatsweisheit dahintersteht und ein sittliches Rechtsbewusstsein?", so fasst er seine Erfahrungen am 27. Februar 1929 als Abgeordneter den Preußischen Landtag zusammen. In der Politik, dass ist seine Überzeugung, muss die Wahrheit unbedingt leitender Grundsatz sein. Ihm wird unheimlich, wenn er daran denkt, dass "parlamentarische Politiker" "aus wahltaktischen Gründen, häufig zu sehr auf wechselnde und irrende Volksbestimmungen zu hören" pflegen, "statt unter Umständen auf Gedeih und Verderb auch gegen den Strom anzugehen." (1932, 227)

Wesentlich ungünstiger verläuft der Zweikampf für Posa in der Runde zum Junkertum. Sofort trumpft die SPD-Frau auf: "Was ist unter Junkerherrschaft zu verstehen? (Lachen bei den Soz.) Das weiß alle Welt (Sehr richtig!) ...." Ihre Frage deutet auf die Schwäche im Vortrag vom Oppositionsführer hin und läuft in der Anklage zusammen: "Der Einfluss der Junker war stets stärker, als er ihnen zahlenmäßig gebührte." (Juchacz) Als Sozialistin erwartet sie eine durchdachte Haltung zum Junkertum in Deutschland. Posadowsky pflegte mit dem Junkertum keinen unkritischen Umgang. Dies war in den verschiedenen Situationen und Entscheidungszenarien zu beobachten. Den Ersten Hauptsatz der Sozialpolitik formulierte nicht ein Junker-Knecht. Franz Mehring schilderte im April 1902 in "Posadowskys Osterfahrt", dass er den Junkern in der Zolltariffrage auf den Hühneraugen (Mehring) rumtrat. Warum verteidigt er sich nicht? Es bleibt der Eindruck, dass sich der Oppositionführer kampflos dem Angriff von Marie Juchacz ergibt.

Eine neue Runde im Zweikampf Juchacz-Posadowsky läutet Posa`s Frage ein: Warum musste Deutschland die Bedingungen des Waffenstillstandes annehmen? Marie Juchacz antwortet: "Weil dieser Krieg durch ihre Politik bis zum moralischen Zusammenbruch unseres Volkes geführt hat." Wahr ist, Posadowsky trat für den Siegfrieden ein. Würde er verwirklicht, kostete dies tausende Menschenopfer. Doch an der Politik bis zum moralischen Zusammenbruch - und da verschluckt die Abgeordnete Marie Juchacz einige klärende Worte - war die SPD, wie der Fall Paul Lensch zutage fördert, beteiligt und mitverantwortlich. "Erst nach dem Ausbruch der russischen Februarrevolution griff Scheidemann unter dem Druck der in Bewegung geratenen Arbeiterschaft die russische Formel "Keine Annexion und Kontributionen" auf und propagiert sie nachdrücklich, daß sie von nun an zur Bezeichnung eines "Verzichts" diente." (Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht, 150)

[Kriegsschuldfrage   zurück] Dann biegt die Rede zur Kriegsschuldfrage ab. "Wir lehnen es .... ab," stellt er im unnachgiebigen Ton fest, "die Schuld des Krieges auf Deutschland zu schieben." "Dieser Krieg ist aus dem übelwollen unsere Feinde fast automatisch entstanden. Nur aus diesem verschiedenen Gründen konnte sich dieser Ring bilden, der jetzt allerdings droht, für uns zu einer wahren Sklavenfessel zu werden. Ich halte es aber für die größte Ungerechtigkeit und Lüge, wenn unsere Gegner fortgesetzt wiederholen: Deutschland hat den Krieg gewollt. Deutschland hat den Krieg nicht gewollt, weder die deutsche Regierung nicht das deutsche Volk. (Lebhafte Zustimmung rechts)"

Ansonsten darf man im außenpolitischen Teil der Weimarer-Rede, den über die Aufgabe der Opposition weit hinausreichenden Versuch sehen, dass allgemeine deutsche Staatsbewußtsein zu stabilisieren. Lebhafter Beifall dringt von den Sozialdemokraten herüber, als er sagt: "Frei will das deutsche Volk seine Kräfte entfalten, frei nach innen und frei nach außen zum Wohle seiner selbst und zum Wohle der Menschheit."

Der "bevorstehende Friede droht uns mit fürchterlichen Prüfungen", dünkte ihn bereits im Dezember `18. Nahezu in Panik versetzt ihn die Vorstellung einer kommunistischen Steuergesetzgebung. Das "müsste schließlich den Niederbruch des Kulturlebens für alle Schichten der Gesellschaft herbeiführen". Die finanziellen Heilmittel liegen seiner Meinung nach in der Vereinfachung der Staatsregierung, "in der Streichung aller Ausgaben, die nicht auf erworbenen Rechten beruhen" (Weltwende 52). Man darf, warnt er, das Kapital nicht "wegsteuern". (Aber es darf auch nicht flüchten und sich der nationalen Verantwortung entziehen.)

[Spitzen beschneiden, Wilhelm Keil, SPD.  zurück] Der Angriff auf die Steuerprivilegien der Reichen und Wohlhabenden drohte noch aus anderer Richtung. "Den Luxus," darauf besteht der SPD-Finanzexperte Wilhelm Keil (1870-1968), "der bisher von einer kleinen Oberschicht unseres Volkes betrieben worden ist, kann sich unser verarmtes Volk in der Zukunft nicht mehr gestatten und nicht mehr ertragen." "Besonders auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung werden wir Gelegenheit bekommen, sozialistische Gedanken zu vertreten," kündigt er im Reichstag frohen Sinnes an. "Hier stehen wir vor geradezu gigantischen Aufgaben." Veränderungen auf diesem Gebiet waren unumgänglich, war doch die Kriegssteuerpolitik unbestreitbar "eine verfehlte, nicht nur, weil sie den Grundsätzen der Gerechtigkeit nicht entsprach, sondern weil mit der Schonung, die sie dem Besitz gewährte, eine kriegsverlängernde Wirkung verbunden war." Noch am selben Tag wie Posadowsky trat der SPD-Reichstagsabgeordnete an das Rednerpult und veranschaulichte zügig, wie sich das die SPD vorstellte:

"Die wirtschaftliche Lage unseres Volkes erfordert, dass mit der Steuergesetzgebung die Spitzen oben beschnitten werden, so etwa wie man bei den Bäumen die Spitzen beschneidet, damit der Unterbau nicht verkürzt."

[Für und Wider der Demokratie  zurück] Weiter fließt die Rede des Fraktionsvorsitzenden der DNVP in der Weimarer Nationalversammlung zum Demokratie-Thema. "Kein Volk eignet sich so wenig für die parlamentarische Regierungsform," postuliert Posadowsky in Der starke Mann (118), "wie das deutsche mit seinem ausgeprägten politischen und sozialen Individualismus, der unaustilgbar zu sein scheint."

Aus historischer Sicht zeigte sich noch ein weiteres Problem. Unversehens tauschte das Proletariat 1918 beim Aufbau der parlamentarischen Demokratie den Widerspruchsgeist zum Klassenstaat gegen den Glauben an die selbsttätige therapeutische Wirkung der Demokratie ein. Daß dazu bei der regierenden Linken kein ausreichendes Problembewußtsein bestand, gehört zu den tragischen Umständen des politischen Fortschritts dieser Jahre.

Wiederum hegten die Konservativen tiefen Zweifel an der Kraft des demokratischen Votums. Bildet es wirklich den Volkswillen ab? Und wenn, kann man es dann zulassen? "Eine mechanisch demokratische Abstimmung im dritten Kriegsjahr würde mit kläglicher Wahrscheinlichkeit eine erdrückende Majorität zugunsten eines sofortigen und bedingungslosen," argumentiert Thomas Mann 1918 in den Betrachtungen eines Unpolitischen (394), "dass heisst ruinösen Frieden ergeben." Mitnichten verkörpert sie den Willen des Volkes und führt so das Prinzip der Volksabstimmung (280 ff.) selbst ad absurdum. Als demokratische Idee fungiert hier im Hintergrund allein die Bismarcksche "Fürstenversammlung" von 1870, eine Form von verstaatlichter Demokratie, wo es am Ende nur auf Eins ankam:

"Der Wille eines historisch aufstrebenden Volkes soll übereinkommen mit seinem Schicksal."

Und über den bestimmen allein die Herrschenden.

Außerdem stapeln die Konservativen in ihrem ideologischen Vorratslager zur Ablehnung des gleichen und allgemeinen Wahlrechts noch andere Gründe. Posadowsky zieht im Aufsatz Wahlfragen vom 8. April 1918 (83) ein weiteres Argument heran:

"Dem nach Besitz abgestuften Klassenwahlrecht lag über dem die wirtschaftliche Auffassung zugrunde, dass ein Gleichgewicht bestehen müsse zwischen den Leistungen an den Staat und den politischen Rechten im Staat."

Die parlamentarische Demokratie ist eine Parteiendemokratie. Gefährlich scheint ihm daran, dass aufkommende überbordende "Parteiinteresse", was problematische Entwicklungen hervorbringt, wenn es "maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt". Auf diese Weise wird, was den Konservativen missfällt, der Staat zu einer grossen Versorgungsanstalt. Schuld daran ist eine versteinerte Parteiauffassung. (V&R 115)

In der Schrift "Gegen Bauer und Noske", veröffentlicht am 7. Oktober 1919, offenbar als Wahlkampfhilfe gedacht, mahnt er einigen Reparaturbedarf im System der parlamentarischen Demokratie an. Zum Beispiel wirkt sich der fortgesetzte Wechsel der Mandatsträger oft nicht positiv aus, entweder weil sie gar nicht über die nötige berufsmäßige Vorbildung verfügen oder weil sie keine Zeit haben.

[Selbstzucht und entbehrungsstarke Einsicht  zurück] Nach dem militärischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch hört man aus den Zeitungen und Versammlungen immer öfter den Ruf nach dem starken Mann. Das ist verständlich, soweit sich dahinter der Wunsch, nach einem weitblickenden und selbstsicheren Staatsmann verbirgt, der über die Kraft verfügt, eigene Wege zu gehen. Doch eignet er sich nicht zur Neuordnung des Staatswesens. Selbst ein "staatspolitischer Herkules" (Posadowsky) wird die Aufgaben nicht erfüllen können. Einen Führer, schreibt er am 16. April 1920 im Aufsatz Der starke Mann (113), "der wie mit einem Zauberstabe unsere unsäglichen äußeren und inneren Schwierigkeiten nur durch die Kraft seiner eigenen Persönlichkeit" abwendet, den wird es nicht geben.

Er erkennt darin einen "äußerst bedenkliche und verhängnisvoll" wirkende Tendenz (Reichstagsrede vom 13.12.1899).

Vielleicht könnte er, argumentiert er im Der starke Mann (114) zum Wiederaufbau richtigen Weg weisen, "das Ziel selbst kann aber nur durch die politische Selbstzucht und entbehrungsstarke Einsicht einer Reihe von Geschlechtern erreicht werden.

Ein Volk, das in allen Kreisen seiner Gesellschaft fortgesetzt mit selbstsüchtigen Forderungen an den Staat herantritt, aber gleichzeitig die nötigen Machtbefugnisse des Staates in Zweifel zieht oder offen bekämpft, wird dieses Ziel nicht erreichen." 

Dies ist seine moralische Grundüberzeugung, die in typischer Weise seine Ansprüche und Visionen zum Verhältnis von Bürger und Staat zum Ausdruck bringt.

Die Kritik am Absentismus, vorgetragen in der Reichstagssitzung am 26. April 1906 (Seite 2708), sollte nicht in Vergessenheit geraten:

"Zunächst ist es unzweifelhaft ein anormaler Zustand, der leider seit Jahrzehnten im Deutschen Reichstage besteht, daß die allerwichtigsten Gesetze nicht von der Volksvertretung in ihrer Gesamtheit, nicht von der verfassungsmäßigen Mehrheit der Volksvertretung beraten und beschlossen werden, sondern unter Umständen von einer ganz verschwindenden Minderzahl der Abgeordneten. (Sehr richtig! rechts.)

Dieser Absentismus, wie Sie ihn im Reichstage erlebt haben, hat meines Erachtens eine sehr bedenkliche Wirkung auf den inneren Gehalt und Wert unserer Gesetzgebung geübt."

 

Zur Überwindung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

"1901 hatten auch in Naumburg eine Anzahl Arbeiter ihre Aufnahme in die Wählerliste beantragt. Und da gab es wieder den Beweis, daß die Besitzenden stets bemüht waren, Arbeiter um ihre Rechte zu bringen. Einer Anzahl ärmerer Eltern waren Schulbücher für ihre Kinder von der Armenverwaltung genehmigt worden. Das wurde als Armenunterstützung angesehen, die betreffenden Väter erhielten somit nicht das Wahlrecht." (Leopoldt 238)

Das Dreiklassenwahlrecht galt von 1849 bis 1918 für die Wahl des Abgeordnetenhauses und der Stadtverordneten in Preußen. Vor der Wahl werden die Urwähler entsprechend der von ihnen gezahlten direkten Steuern in drei Wahlklassen eingeteilt, die jeweils zu gleichen Teilen Steuern aufbringen. Dann wählt jede dieser Wahlklassen die gleiche Anzahl von Wahlmännern. Diese bestimmen in einem weiteren Wahlgang die Abgeordneten. Folglich entscheidet eine reiche, oder doch zumindest wohlhabende Minderheit, vertreten in der ersten bzw. zweiten Wahlklasse, mit zwei Drittel der Wahlmänner über die zu wählenden Abgeordneten. Damit gewährt das Dreiklassenwahlrecht ein allgemeines, aber kein gleiches Wahlrecht. Es ist schlicht gesagt undemokratisch! Hiergegen formiert sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wahlrechtsbewegung. Beispielsweise streiken in Hamburg am 17. Januar 1906 die Arbeiter für ein demokratisches Bürgerschaftswahlrecht.

 

Seine Darstellung des preußischen Wahlrechts lässt Fragen offen, zumal er herausfordern in den Raum wirft:

"Wir hatten also in Deutschland das freieste Wahlrecht, das man in Europa kennt ....".

Dass er mit der politischen Beurteilung des preußischen Wahlrechts quer zur Sozialdemokratie lag, war längst sichtbar. So verkündet er in der Reichstagssitzung am 22. Februar 1905 (4699) coram publico: "Wir haben das radikalste Wahlrecht der Welt, darüber kann gar kein Zweifel bestehen." Nach seiner Meinung gewährleistet die konstitutionelle Monarchie als Staatsform am besten "den sicheren Gang der Staatsmaschine" (PWc 2893). Wo hingegen es fraglich ist, stellt er 1926 seine Erfahrungen im Aufsatz im Lichte der Wirklichkeit zur Diskussion, ob der Parlamentarismus fähig ist, "eine Regierung zu bilden, die sich auf eine sichere Mehrheit stützen kann."

Leider brachte der November 1918, bedauert der Oppositionsführer, einen "Schlag gegen die Religion selbst". Die Kirche darf man nicht wie einen Privatverein behandeln, denn sie ist eine "tausendjährige öffentliche Korporation" (PWd).  Die überzogene nationalistische Erziehung und ihre Folgen kommen nicht zu Sprache. Und das scheint symptomatisch, denn in Fragen der Bildungspolitik und Erziehung verharrt der Redner lange in traditionell-konservativen Anschauungsweisen.

[Hauptsache keine kommunistischen Experimente  zurück] Vor 1918 herrschte nach seiner Ansicht nicht der Militarismus, doch jetzt ist er in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte "in der weitesten Form zur Macht gelangt". Hauptsache, so seine Devise, "keine kommunistischen Experimente" (PWb 752). Die Arbeiter- und Soldatenräte, die "fortgesetzt in die lokale Verwaltung" eingreifen und zur "Desorganisation" beitragen (PWb), betrachtet er als unerwünscht.

Doch es ist zu beachten, was er bereits am 7. Oktober 1919 in der Parlamentsdebatte zum Gesetz über die Betriebsräte ausführte, "dass die Arbeiter und Angestellten in größeren Betrieben auch ein Organ haben sollen, das ihre Rechte in geordneter Weise vertritt." Das Betriebsrätegesetz ist vernünftig, doch dürfen die Arbeitnehmer nicht "in die Art des Betriebes selbst hineinsprechen können, dass ihnen die Bilanzen vorgelegt werden müssen" (PWc 2898).

Die Vergesellschaftung der Betriebe ist für den DNVP-Frontmann eine Frage, ob dadurch "die Produkte billiger und besser gestaltet" werden können. Es dürfe keine "unsinnigen Lohnsteigerungen" geben, weil das zur Inflation führt. Drohungen gegen das "arbeitslose Einkommen" sind volkswirtschaftlich gefährlich und zersetzend, denn die Betriebe benötigen dringend Kredite und Investitionen. Deshalb darf man das Kapital nicht wegsteuern.

Unter  F ü h r u n g  von Posadowsky-Wehner will die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Nationalversammlung helfen, die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. "Wir werden daher", formuliert der Oppositionsführer, "an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes sachlich und gewissenhaft mitarbeiten. Den gewaltsamen Umsturz haben wir jederzeit verurteilt und halten auch jetzt …. an dieser Auffassung fest." Die DNVP hält sich nicht daran, sie organisiert im März 1920 den Kapp-Putsch.

 

Kapp-Putsch   zurück

DNVP-Mitglied Wolfgang Kapp (1858-1922) putscht im März 1920 zusammen mit Walther Freiherr von Lüttwitz (1859-1942) gegen die Reichsregierung. Andere Deutschnationale taten heimlich mit oder bezogen taktische Positionen (vgl. Bernd 2004, 364).

Kapp war nicht Der starke Mann als den er sich verstand. "Er hat indes übersehen," hält Posadowsky-Wehner dem Rädelsführer vom 13. März vor, "dass starke Zuversicht sich im öffentlichen Leben auf politische Erkenntnis aufbauen muss." Diese Voraussetzung fehlte dem Putsch vollkommen.

Kapp beachtete nicht, dass Deutschland kein Einheitsstaat ist, sondern föderativen Charakter trägt. Selbst wenn der "Gewaltstreich" in der Hauptstadt gelungen, so war damit kein entscheidender Erfolg im übrigen Deutschland erreicht, namentlich nicht im Westen und Süden. "Infolgedessen nahm das Unternehmen nicht die Gestalt einer Volkserhebung gegen die bestehende Regierung an, sondern sank zu einem politischen Abenteuer herunter." Es ".... zeugte ebenso sehr von mangelndem Verständnis der politischen Lage wie von irriger Einschätzung des eigenen politischen Schwergewichts." (Der starke Mann 114-115)

Posadowsky putschte im März 1920 nicht mit! Zum einen wäre dies ein arger Verstoß gegen seine Überzeugung vom demokratischen Verfassungsstaat. Zum anderen ist er grundsätzlich gegen die Politisierung des Heeres. Ein Heer, "das nicht unbedingt ein zuverlässiges Werkzeug in der Hand der Regierung ist, bedeutet eine Gefahr für jede Regierung" (16.4.1920). Diese staatspolitische Grundüberzeugung nahm er bereits am 28. Mai 1906 (3569) vor dem Reichstag ein:

"Meine Herren, zunächst, ein Soldat ist kein Politiker (Zurufe bei den Sozialdemokraten), soll es nicht sein (erneute Zurufe bei den Sozialdemokraten), - wollen Sie die Güte haben, mich sprechen zulassen! -, und ich würde den Tag beklagen, wo die Mitglieder unseres Offizierskorps Politiker würden und Politik trieben."

 

Die Ostjuden-Frage    zurück

"Ebenso kommen Russen herüber," lässt am 7. Oktober 1919 Posadowsky-Wehner in "Gegen Bauer und Noske" (11) verlauten, "die hier ganz offen bolschewistisch agitieren. Dieser Zustand darf nicht weitergehen. (Beifall rechts.) Die Grenze muß geschlossen werden. Wir können diese wilde Einwanderung nicht in einer Zeit dulden, wo wir an dem größten Wohnungsmangel leiden, wo wir in den Gefahren der Ernährungsmöglichkeiten stehen."

Seit 1914 wanderten verstärkt Ostjuden nach Deutschland ein. Judenpogrome, der Gegensatz von Juden und Polen und ihre sich deutlich verschlechternde Wirtschaftslage stimulierten im Lauf der Zeit die Abwanderung aus Polen. In der zweiten Jahreshälfte von 1919 kamen nach Angaben des Arbeitsamtes 6 000 Ostjuden nach Deutschland. Graf Posadowsky verlangt am 29. September 1919 in der Sitzung des Programm-Ausschusses der Deutschnationalen Volkspartei, dass die "Türen und Tore des Ostens" gegen die "verderblichen Einwanderer" endlich geschlossen werden müssen, weil sie das "Deutschtum" verseuchen und die Lebensmittelknappheit verschärfen. Als Parteipolitiker folgt er hier einem Paradigma, dass die Ostjuden potentiell als Revolutionäre darstellt, die undeutsches Gedankengut nach Deutschland bringen, um in Deutschland blutigen Terror wie in Russland herzustellen. Die Klassifizierung von Menschen und Herabsetzung von definierten sozialen Gruppen durch den Propagandaapparat der DNVP, worauf Hans Dieter Bernd 2004 (108, 188) hinweist, verabsolutiert Urteile, die ideologischen Ursprung sind, nicht aber biologischen Charakter und Intentionen tragen. Graf Arthur von Posadowsky-Wehner war und bleibt Antisemit und -rassist.

Gegen die böswillige und gedankenlose Behandlung der osteuropäischen Juden in Deutschland, erhebt Anfang 1920 der Schriftsteller Herbert von Eulenburg (1876-1949) in der "Vossischen Zeitung" Einspruch. Den ganzen Hintergrund für den alldeutsch-antisemitischen Feldzug gegen die Ostjuden, entblättert am 1. Juli 1920 die "Freiheit", das Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands, ist ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit auf dem Gebiet des Wohnungswesens und zur Arbeiterwanderung mit irgendwelchen positiven Vorschlägen aufzuwarten.

 

Am 5. November 1919 tagt in den Thaliasälen von Halle, Geiststraße 42, der 1. Landesparteitag der Deutschnationalen Volkspartei. Die Eröffnungsansprache hält Exzellenz Generalleutnant Lothar von Trotha. Neben Rektor Herrman aus Naumburg und Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, der zu Verfassungsfragen spricht, sind weitere bekannte Persönlichkeiten als Referenten erschienen, zum Beispiel der Russland-Experte Professor Otto Hoetzsch (Russland als Gegner Deutschlands) und Kuno Graf von Westarp.

 

 

Die liberal-konservative Wende  zurück

Das Berliner Tageblatt charakterisiert Graf Posadowsky am 24. Oktober 1932 als "ein Fremdkörper in der wilhelminischen Regierungswelt, in die ihn das Schicksal gestellt hatte. Sein Ernst und sein reines Wollen hat stets in allen politischen Lagern, und oft am meisten bei den Gegnern seiner konservativen Anschauungen, Anerkennung gefunden." In der wilhelminischen Zeit prominent, beliebt bei den Liberalen und beim Zentrum, oszillierende Ab- und Zuneigung bei den Konservativen. Mit der deutschen Revolution 1918/19 ändert sich das. In Staat und Gesellschaft wächst das Bedürfnis des Bürgers nach Transparenz und Selbstbestimmung. Posadowski führt Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Republik im liberal-konservativen Gesellschaftskonzept zusammen. Als dessen Krönung, will er alle Bürger in ein gemeinschaftlich zu schaffenden Staatswesen integrieren, der die "Grundrechte des Menschen" (Posadowsky-Wehner) achtet und wahrt. Dieser Entwicklungsprozeß erfolgt in vielen Teilschritten, die bis 1920 eng verbunden mit seiner Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter sind, aber ebenso insperiert und geformt von den aktuellen Ereignissen: Versailler Vertrag (1919), Wahlen zur Nationalversammlug (Januar 1919), Kapp-Putsch (1920), Streikbewegung (1923), Ruhrkrise (1923), Hyperinflation (1923) und Fürstenentscheid (1926).

Allgemeine Anerkennung genoß der Liberalismus in seinem politischen Umfeld nicht. Viele ehemals Gleichgesinnte aus der Kaiserzeit werden ihm nicht folgen .....

Zahlreiche Nationalkonservative können sich, worauf Gustav Stresemann im April 1919 in "Zur Lage der Nation" freudlos hinweist, von der politischen Denkweise der wilhelminischen Zeit nicht lösen. Typisch hierfür ihre Ablehnung des demokratisch werden des Weltzeitalters. Posadowsky übersprang diese Hürde ohne zu reißen. Doch es gab noch andere, die im Wege lagen, viel Höhere und Schwierigere. Die gemeinste und vielleicht folgenreichste sowohl im Hinblick auf die politische Fernwirkung wie in Bezug auf sein Verhältnis zu den Deutschnationalen, war der Antisemitismus und -rassismus.

"Wer wirklich auf christlichen Boden steht,"  [zurück]  erklärt Graf Posadowsky am 18. Januar 1912 auf einer Wählerversammlung im großen Volkshaussaal (Bild) zu Jena, "der muß wahre Toleranz üben gegen jede Religion und jede Konfession (….). Ich gestehe das ganz offen, dass ich deshalb ein Gegner der antisemitischen Agitation bin (….)." Indes war die Deutschnationale Volkspartei, der er von 1919 bis (wahrscheinlich) 1921 angehörte, stark antisemitisch orientiert. Dagegen unternahm Doktor Max Naumann (1875-1939), 1922 bis 1932 Herausgeber der Zeitschrift Der nationaldeutsche Jude" eine bemerkenswerte Attacke. Im Dezember 1921 rief der von ihn geleitete Verband nationaldeutscher Juden zur Versammlung, wo nichtjüdische Deutsche aus allen Lagern eingeladen und sehr willkommen waren. Es erschienen unter anderen der deutschnationale Friedrich von Oppeln-Bronikowski (1873-1936), der sich energisch gegen den antisemitischen Rummel in der Partei wandte und scharfe Kritik an Ludendorff übte. Ebenso wollten einige andere die antisemitische Agitation nicht mitmachen, darunter der Abgeordnete Ritter, Clemens von Delbrück (1856-1921) und Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Aber, kommentiert am 10. Dezember 1921 der Vorwärts (SPD), "das geistige Wesen der Deutschnationalen wird .... nicht von Delbrück und Posadowsky präsentiert, sondern von [Reinhold] Wulle [1882-1950]."

Wer konnte sich nach dem Gaskrieg und Verdun dazu aufschwingen, den Staat als eine Vernunft entfaltende Idee anzuschauen, die feststellt, was Recht und Unrecht ist? Mit der deutschen Revolution 1918/19 war der Untergang der wilhelminischen Staatsidee und der Ansehensverlust der konservativen Anschauungen unabwendbar. Das Alte, dem wilhelminischen System immanente, war verbraucht. Besonders die Begiffe Ehre, Treue, Nation und Staat gerieten mit ihrem traditionellen Inhalt schwer ins wanken.

Eine anderen Ansatz zur Überwindung der Identitätskrise des konservativen Denkens entwirft und popularisiert 1923 Moeller van den Bruck mit der Idee des Dritten Reiches. Eudomisten und Opportunisten versicherten ihn zu seiner Verwunderung, dass dieses bereits aus den Trümmern des 9. November hervorgegangen ist. Warum sind dann, fragt er, die Parlamente lediglich Sprechart des politischen Lebens, statt Tatwort geworden? Das kann also nicht sein! Und er zerpflückt im Brief an Heinrich von Gleichen vom Dezember 1922 diese Erzählung. Wer öffentlich politisch tätig sein will, der muss sich den Parteien anschließen. So schaffen diese Organisationen den Parteienmenschen und verleiben sich den politischen Menschen ein, weshalb Moeller van den Bruck sie weltanschaulich zertrümmern will. An ihre Stelle tritt die Idee vom Dritten Reich. Posadowsky lehnt die Konservative Revolution ab, betrachtet indes die Arbeitsweise der Parteien durchaus kritisch, stärkt aber aus der Einsicht für die Konstituierung des Parlamentarismus ihre gesellschaftliche Stellung. Als eine essenzielle Voraussetzung betrachtet er die Entfaltung der öffentlichen Meinung und Gestaltung durch den Bürger als Vor-Forum der parlamentarischen Demokratie.


V e r s a i l l e s


"Sie hören - er bekennt sich schuldig!" (Originalbildunterschrift am unteren Rand des Bildes)

Simplicissimus. 29. Jahrgang, Nummer 13. Stuttgart den, 23. Juni 1924, Titelbild


Der Krieg war verloren. Im Ergebnis der Russischen Revolution 1917, von Brest-Litowsk 1918 und dem Versailler Vertrag 1919 entstand ein neues internationales Kräfteverhältnis. Hinzu kam, dass der Abschied vom Kaiser nicht wenigen Naumburgern schwer viel, was die Auflösung kultureller Muster und Gewohnheiten verzögerte. Begonnen hatte alles mit den Waffenstillstandsverhandlungen. Nach deren Unterzeichnung am 10. November 1918 erging ein Notschrei an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, dass die Bedingungen nach einer Blockade von fünfzig Monat nicht durchführbar sind. Andernfalls würde im Deutschen Reich das Gegenteil der Gesinnung von dem erzeugt, was die eigentliche Voraussetzung für die Errichtung der Völkergemeinschaft ist. Später sprach man im Strasser-Umfeld oder im Tat-Kreis, einer Gruppe um den Journalisten Hans Zehrer, von 97 Prozent Deklassierter im deutschen Volk, was eine Übertreibung war, aber eine Vorstellung von der Wahrnehmung dieses Konflikts vermittelt.

Die alte europäische Ordnung bricht zusammen. Im Januar 1919 stempelt Posadowsky in der Reichskrone von Naumburg auf die Welt- und Kolonialpolitik des Kaiserreichs das Verfallsdatum "1918".

Freilich konnte darüber auf dem Hintergrund des Versailler Vertrages und dem Streit um Kriegsschuldfrage mit vielen anderen konservativen Köpfen und Gruppen keine Einigung erzielt werden.

Die verbreitete Abwehrhaltung gegen den Friedensvertrag und Revitalisierung der antiwestlicher Konzepte resultierte nicht nur daraus, dass der Kriegsschuldparagraphen als ungerecht empfunden wurde, sondern mindesten ebenso, wenn nicht sogar etwas stärker, war es die Enttäuschung über die Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts und die Verletzung der Souveränität des Landes. Zusammen mit bürgerlichen und sozialistischen Kreisen beteiligte sich Posadowsky 1919 an öffentlichen Protesten gegen den Schandparagraphen von Deutschlands Alleinschuld. Immer wieder flammte der Widerstand zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten auf. In einigen politischen Gruppierungen bildete er das einigende Band im Kampf gegen die Republik. Von weitem meinte man gelegentlich, den ideologischen Kanonendonner des Revanchekrieges zu hören.

Die Entente und der Bolschewismus
(Originalüberschrift)

 

"Also mein lieber Lenin, wir nehmen unsere Handelsbeziehungen wieder auf, bleiben aber sonst auf dem Kriegsfuß.

"Der Wahre Jacob". Nr. 828. Stuttgart, den 23. Februar 1920, Titelblatt

 

 

Versailles brachte Deutschland in eine unmögliche Lage, unterweist Lenin am 11. April 1921 die Teilnehmer der Sitzung der kommunistischen Fraktion des Gesamtrussischen Zentralrates der Gewerkschaften. Das eröffnete dem Bündnis von Deutschland-Russland völlig neue Wege. Geistig und ideologisch neu aufkommende Bewegungen sponserten diesen Gedanken. (Vgl. Lenin 11. April 1921)

In schwer zu übertreffender sarkastischer Tonlage, agitiert Lenin 1921: "Der Frieden von Brest-Litowsk, von dem monarchistischen Deutschland diktiert, und dann der weitaus bestialischere und niederträchtigere Frieden von Versailles, von "demokratischen" Republiken, Amerika und Frankreich, sowie vom "freien" England diktiert, haben der Menschheit einen überaus nützlichen Dienst geleistet, indem sie sowohl die gedungenen Tintenkulis des Imperialismus entlarvten wie auch die reaktionären Spießer - mögen diese sich auch Pazifisten und Sozialisten nennen -, die den "Wilsonismus" priesen und zu beweisen suchten, daß unter dem Imperialismus Frieden und Reformen möglich seien." (Imperialismus das höchste Stadium .... )

 

In der Einschätzung der Ziele und Absichten der Entente (Frankreich, Vereinigtes Königreich, USA, Italien) bildet sich 1919 bei den unterschiedlichsten Politikern, die ansonsten in ihren Meinungen und gesellschaftlichen Zielen stark divergieren, eine Übereinstimmung. Posadowsky läßt am 17. März 1919 (8) in seiner Rede vor der Nationalversammlung keinen Zweifel, daran, dass der Feind, die Entente, uns nicht nur verwirren will, sondern "wucherisch auszubeuten entschlossen ist". Wladimir Iljitsch Lenin definierte ihre Rolle, veröffentlicht am 23. August 1919 im "Sozial-Demokrat" unter dem Titel "Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa", als "Ausraubung von rund einer Milliarde Erdenbewohner durch ein Häuflein von Großmächten". So bleibt das vereinigte Europa eine Illusion.

Ausgelöst durch das Ausbeutungsverhältnis, in das die Siegermächte nach Anschauungsweise von Lenin und Posadowsky Deutschland vermittels des Versailler Vertrages versetzten, verschoben sich die ideologischen Klassenkämpfe an die nationalen Grenzen. Im explosionsartig erweiterten politischen Raum kreuzen sich zwei Ideen, dass N a t i o n a l e, vaterländisches Empfinden und Nation, und dass I n t e r n a t i o n a l e, die Globalisierung und Weltrevolution. Vergeblich versuchte ihnen am 29. Juni 1927 Außenminister Gustav Stresemann in der Aula der Universität Oslo vor dem Storthing-Nobelpreiskomitee, genau diesen Gegensatz zu nehmen. Ein großer Fortschritt auf diesem Weg war der Locarno-Pakt vom 16. Okober 1925, der "erstmals den Krieg materiell" verbot (Dreist 266). Aber auf Locarno folgte kein Warschau oder Moskau.

Bedeutende Teile der Arbeiterklasse nehmen die Versailler Friedensbedingungen als eine typische Erscheinung der imperialistischen Politik war. Das zentrale Argument der antiwestlichen Haltung in dieser Zeit war, dass die imperialistischen Mächte das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volks verletzten. In Teilen der politischen Rechten verband sich der Reichsgedanke mit einer pro-russischen und prosowjetischen Stimmung.

Die neue Signatur des Imperialismus provoziert die Bildung entsprechender internationale Phalanxen. Moeller von den Bruck diskutiert 1920 mit Oskar Spengler, ob Deutschland zu Europa gehöre, oder zu einem zweiten Abendland, das jenseits vom Westen liege und Russland mit umfasse (Schüddekopf 237).

Noch war der Hass auf die "Kabelabschneider", die Deutschland 1914 vom Weltnetz der Kommunikation getrennt hatten, gegenwärtig. Immer wieder glimmt, wie beim Galeristen und Kunsthändler Wilhelm Uhde (1874-1947), trotz "völliger Amerikanisierung" in "den alten Kratern" das Feuer der nationalen Revolution auf.

Im Frühjahr 1930 eröffnet die NSDAP-Ortsgruppe Naumburg den "Kulturkampf am Domgymnasium". Die Bannerträger der heldischen Weltauffassung finden sich im Nationalsozialistischen Schülerbund zusammen, um den verderblichen Einfluß der größstädtischen Literatur zurückzudrängen. Hierzu war am 23. März 1930 in den Ratskeller von Naumburg Parteigenosse Papenbrock aus Weimar einbestellt. Friedrich Uebelhoer, später NSDAP-Kreisleiter und Oberbürgermeister von Naumburg, wetterte pflichgemäß gegen die schmutzigen Machwerke der Judenliteraten und den Marxismus.

Noch war im Volk genügend heldisches Blut. Nur musste jetzt schnell der Kampf um Macht beginnen. Der phallische einzelne Held stand allein in sturmumbrauster Schlacht und genoss im Rausch des Kampfes den Tod. Es begann, was wenige Jahre später sich zum allgegenwärtigen Topos der nationalsozialistischen Ideologie mauserte, mit der Entpersönlichung und Vermassung des Schülers, dem später als politischen Bürger, das Aufgehen in der Masse eine inneres Bedürfnis war.

Entpersönlichung und Vermassung war mit dem Welt- und Gesellschaftsbild von Posadowsky unvereinbar.

Die Abwehrstellung gegen den Westen war in Deutschland kein neues historisches Phänomen. Zum Beispiel wurde sie nach der Reichsgründung 1870/71 in auserwählten Kreisen des Bürgertums gepflegt. Die Anziehungskraft von Friedrich Nietzsche auf die Konservativen rührte wesentlich aus dessen Renitenz gegenüber dem Nivellierungsprozess Bismarcks-Reichsgründung her.

Eine Form des Neokonservatismus dieser Tage war Nationalbolschewismus. Die Narben sind mit dem historischen Blick in Naumburg und Umgebung noch sichtbar. Das ist der brüllende Denkmal-Löwe für die gefallenen Korpsstudenten, das am 16. Oktober 1926 unweit von Bad Kösen eingeweiht wurde. Von Schmerzen geinigt, brüllt er gegen den Westen. Unter den Ehengästen, die reichlich erschienen, war Posadowsky nicht zu sehen.

Der Widerstand gegen die Unterjochung Deutschlands durch den Young Plan (Georg Schiele "Warum Volksbegehren") im Oktober 1929 revitalisiert in bestimmten Kreisen antiwestliche Einstellungen.

Ziemlich unerwartet stand die antiwestliche Bewegung nach der deutschen Revolution 1918/19 vor der Frage des "Klassenkampfes". Konnte er vielleicht ein Durchgangsstadium zum Neubau der Nation sein? "Mit oder gegen Marx zur Deutschen Nation?", war die zentrale Frage über die der III. Reichskongresses der Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten (KGRNS) verhandelte. Georg Strasser rief mit der "Schwarzen Front" am 8. / 9. Oktober 1932 zum Treffen auf die Leuchtenburg bei Kahla. Es kamen, vereint in der Idee von der unterdrückten Nation, die Vertreter von 140 Ortsgruppen der NSDAP, SPD, KPD und Jungendorganisationen. Adolf Reichwein stärkte mit nationalen Sozialismus die Brückenfunktion zu den Nationalrevolutionären. Wolfgang Abendroth (1960, 183) betont, dass die Strasser-Gruppe keinesfalls die Beherrschung anderer Völker durch ein imperialistisches Deutschland wollte.

 

Ultralinks und ultrarechts. "Der Wahre Jakob". Berlin, den 7. Juli 1928. Grafiker Jacob Beisen

 

Vielmehr bereiteten ihre Anhänger eine "antitotalitäre Haltung" vor, "die der realen Interessenpolarität in der Gesellschaft durch Repräsentation der Ansprüche der Unterschicht Ausdruck geben wollte".

Mit dem Nationalbolschewismus liebäugeln Mitglieder der streng nationalen Familie, Mitglieder vom Stahlhelm, einige Völkische, Alldeutsche und Nationalkonservative aus dem Heer. Den "Blick nach Osten" richten Freikorps-Männer, Revolutionäre Nationalsozialisten oder der Leuchtenburg-Kreis (1932). Nicht jedoch Posadowsky-Wehner! Der bolschewistische Umgang der Sowjets mit der Eigentumsfrage und das brutale Verbot der Religionsfreiheit waren ihm höchst Suspekt.

Im Kraftfeld der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) formiert sich um Georg Schiele in Naumburg eine Abteilung der Konservativen mit völkisch-alldeutschen Profil. Sie stützt sich auf eine Synthese von kanonisierter Wehrhaftmachung, Revision (Gesamt-) europäischer Verhältnisse und Verdammung des Westens. Posadowsky erachtet die darauf aufbauende Politik als nicht konsens- und gesellschaftsfähig. Mittlerweile hält er die DNVP, detailliert am 29. August 1925 im Jenaer Volksblatt dargelegt, für politikunwürdig (siehe Kapitel Gegen Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit).

Zusammen mit den Vaterländischen Verbänden und wilhelminischen Generälen organisiert der Stahlhelm zum Deutschen Tag am 11. Mai 1924 in Halle einen gewaltigen Aufmarsch militaristischer Kräfte. Seine Ziele und Machtambitionen lehnt Posadowsky ab. Er sympathisiert nicht mit den republikfeindlichen Umtrieben des Stahlhelms.

Auf einen anderen Irrweg bugsiert Thomas Mann die Konservativen 1918  in den "Betrachtungen eines Unpolitischen" (257) mit Kulturaxiom: Die "deutsche Nation" muss "keinen Charakter" ausbilden, da sie sich "durch Vernunftbildung zu einem Weltvolke generalisiert und geläutert" hat. Das war eine befremdliche Weltbetrachtung, vor der sich Posadowsky nicht verbeugt. Am Gedenkstein für die Gefallenen im Naumburger Dom fordert er am 24. August 1924 Selbsterkenntnis und außenpolitische Selbstbeschränkung. Zuvörderst musste das von Otto von Bismarck gepflegte deutsche Überlegenheitsdenken - ".... wir haben die Möglichkeit, stärker zu sein als irgendeine Nation von gleicher Kopfstärke" (1887, 639) - überwunden werden.

Posadowsky liberal-konservative Wende wäre nicht ohne sein politisches Talent möglich, was sich vor allem in der bemerkenswerten Fähigkeit äußerte, und bereits 1932 Doktor Andreas Grieser (1868-1955) ins Auge stach, konservative Ideen und Werte, organisch mit dem Fortschritt verbinden zu können.

Überhaupt ist es so eine Sache, wenn sich Posadowsky zum Konservativen erklärt, zeitgleich aber in den entscheidenden Lebensfragen progressive Ziele verfolgt, etwa in der Sozial- und Wohnungspolitik, zur Arbeit als Grundlage des Fortschritts, Moralbildung in der Gesellschaft, Gerechtigkeit als Herrschaftsprinzip oder Erhaltung der Geldwertstabilität als Krisenabwehr. Konventionell formuliert, tendiert er damit nach links. Auf jeden Fall ist zutreffend, was die "Volksstimme" aus Magdeburg vom 25. Oktober 1932 ausspricht:

"Mit seiner konservativen Gesinnung behielt er einen klaren Blick für die Aufgaben."

 

Austritt aus der DNVP  zurück

Posadowsky zieht aus dem Kapp-Putsch und Beteiligung der DNVP Konsequenzen, verlässt die Partei und sucht die Zusammenarbeit mit dem Zentrum.

Staatssekretär a. D. Graf Posadowsky-Wehner,

informiert am 16. April 1920 die Presse,

hat den Merseburger Verband der Deutschnationalen Partei (DNVP) gebeten, von seiner Wiederaufstellung als Kandidat zur Nationalversammlung Abstand zu nehmen.

Im vor allem völkisch-, alldeutsch-konservativen Naumburg von Georg Schiele, im Kraftfeld des mächtigen Stahlhelms, von Kolonialverein und reaktionären Kriegervereinen, kann er nunmehr mit einer Einladung zum Treffen der streng nationalen Familie nicht mehr rechnen. Und er will das auch nicht!

 

Vielleicht, wir wissen es nicht genau, unternahm er jetzt, nach der Loslösung von der Deutschnationalen Volkspartei, Urlaubs- und Erholungsreisen. Sein Englisch, dass er im Alter von zweiundfünfzig Jahren erlernte, war nahezu perfekt. Neugierig begab er sich damals mehrmals auf England-Reise. Nach seinem Abgang 1907 als Staatssekretär des Innern zog es ihn an die Universität Grenobel. Dort sah man ihn im Studienjahr 1907/08 unter den Studenten sitzen.

 

 

Fürstenentscheid  zurück  

Am 20. Juni 1926 findet in Deutschland der  

Volksentscheid über die entschädigungslose
Enteignung des Fürsteneigentums

statt.

"Die deutschen Fürsten haben die Rechte deutscher Staatsbürger und begründen ihre Ansprüche auf Herausgabe ihres Privateigentums mit den Vorschriften desselben bürgerlichen Rechts." Darauf gedanklich aufbauend, befürwortet Posadowsky ihre Enteignung nicht, weil es mit seinem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit in der Gesellschaft unvereinbar ist. "Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen darf niemals das Recht des privaten Eigentums ausgeschaltet werden. .... Es wäre auch sittlich verwerflich, aus persönlicher Verbitterung für die Enteignung des Fürstenvermögens zu stimmen, weil man selbst Unrecht erlitten hat. Sparer und Rentner sollten deshalb grundsätzlich der Abstimmung am 20. Juni [1926] fernbleiben ...." (V&R 229)

 


Gegen Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit  zurück
Er bricht mit der deutschnationalen Politik - absolut und für immer.

Erleichtert nimmt Posadowsky nach den Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920 auf, dass die Deutsche Volkspartei (Gustav Stresemann, Rudolf Heinze) sich entschließt, der neuen Regierungsform beizutreten. Dem zollt er Lob und Anerkennung. Den Drehpunkt der Regierungsgeschehen verkörpert das Zentrum. Wohltuend für ihn hier, die sie begleitende Abneigung gegen radikale Wirtschaftsexperimente.

Die rechtsstehende Deutschnationale Volkspartei (DNVP), rekapituliert "Rechts oder links" (1920), ist in die Gruppe Regierungsbildung nicht einbezogen. Entscheidend ist, "nur wenn unsere innere Staatsverwaltung

das Vertrauen der Welt wieder erwirbt,

wird der Wert unserer Banknoten und damit ihre Kaufkraft wieder steigen. Hier muss die Heilung beginnen." (Totes Rennen 12.6.1920) Dies ist, erkennt Posadowsky, mit der Deutschnationalen Volkspartei nicht realisierbar.

Er ist schon im Juni 1920 abgesägt worden, lässt am 19. Dezember 1921 der Vorwärts aus Berlin mal kurz fallen. In alter konservativer Unart sahen die Strippenzieher nur, was man verlieren konnte, nicht aber was es zu gewinnen gab, nämlich das Konzept einer modernen konservativen Partei neuen Typus: antimonarchistisch, demokratisch, parlamentarisch, kooperativ, das Privateigentum schützend, mittelstandskompetent, arbeiterfreundlich, rechts- und sicherheitsbewußt auf Grundlage der Verfassung, realistisch - also die Interessen der sozialen Klassen anerkennend - und kritisch gegenüber permanenten Konsumexzessen.

1920 erscheint im Walter Hädecke Verlag in Stuttgart sein Buch

"Weltwende".

Eine Aufsatzsammlung über drängende aktuelle politische Fragen, oft mit philosophischen Impetus und heftigen Schlägen gegen den Zeitgeist. In ihr ringen die Kräfte der Kontinuität und des Umbruchs, der Bewahrung und Reform. Die Akzeleration zum Demokraten ist nachlesbar. Posa bleibt ein Konservativer, und was viele, weil unerklärlich, irritiert, mit einem fast mythischen Hang zur Modernen. Wie kann ein Konservativer, wie kann er nur? Er kann! Aber es ist anstrengend. Es erfordert von ihm die Zuwendung zu neuen Arbeitsfeldern, etwa zur Finanz-, Geld- und Verfassungspolitik.

Es ist ein tiefgreifender Erkenntnisprozess, in dessen Verlauf er absolut und für immer mit der DNVP-Politik bricht. Die Trennung

beginnt mit dem Kapp-Putsch im März 1920

und endet

1925 mit der konsequenten Absage an die Prinzipien- und Grundsatzlosigkeit deutschnationaler Politik ab (siehe Jenaer Volksblatt 29.8.1925).

Ein ziemlich langer Zeitraum. Wahrscheinlich ist er durch die in dieser Untersuchung angewandten Methoden und genutzten historischen Quellen etwas gestreckt. Möglicherweise kann mit einer anderen Kategorie von Quellen, die dem Autor nicht zur Verfügung stand, dieser Wandlungsprozess präziser erfasst und dargestellt werden.

Dass sich Graf von Posadowsky endgültig und konsequent von der deutschnationalen Politik distanziert und abwendet, ist aber eine durch authentische Quellen gut gesicherte Aussage. Die von der DNVP in einem unvorstellbaren Ausmass praktizierte Prinzipienlosigkeit, empfindet er politisch und menschlich unerträglich. Diese Art von Politik zerstört die politische Konstruktivität, sie ist höchst manipulativ und mit seinem Bild vom selbsttätigen, vernünftigen, gesetzesbewußt handelnden und sozial-empathischen Staatsbürger unvereinbar. Zwischen Graf Posadowsky und Hugo Heimann in "Der Kampf um die Aufwertung" (1925, 54) entsteht ein bemerkenswerter Gleichklang, wenn Letzterer schreibt:

"Sobald aber die Deutschnationale Partei ihr Ziel erreicht und von der Regierungsmacht Besitz ergriffen hatte, wurde wiederum alles beiseite geschoben, was man vorher den mit allen Mitteln der Demagogie umworbenen Sparern und Gläubigern auf das Bestimmteste zugesagt hat. Statt die für jede gerechte Aufwertung unbedingt notwendigen Mittel von denen zu holen, die durch die Inflation sich auf Kosten der Nicht-Sachwertbesitzer bereichert hatten, beugte man sich widerspruchslos dem Diktat der Schwerindustrie und des Großagrariertums, lehnte jede Besteuerung der Inflationsgewinne ab und verriet so zum zweiten Male die Interessen der Sparer und Gläubiger, die zu schützen und zu fördern man hoch und teuer versprochen hatte."

Mittlerweile deckt die DNVP ein großes Themenfeld ab und versucht, seine Massenbais zu erweitern. Reichstagsabgeordneter Walther Lambach mobilisiert das volkskonservative Potential, wendet sich ab von dem extrem rechten Kurs des Alfred Hugenberg, versucht die Partei für den Weg zur Republik zu öffnen. Posadowsky nimmt 1925 den Fall Walther Lambach zum Anlass, um die krassesten logischen Widersprüche der Deutschnationalen Partei (DNVP) bloß zu legen:

"Man kann nicht fortgesetzt für die Monarchie eintreten

und gleichzeitig der Verlängerung des Gesetzes zum Schutze der Republik zustimmen, wodurch die entthronten Regentenfamilien, obgleich sie die Rechte deutscher Staatsbürger haben, vom deutschen Boden verbannt werden können.

Man kann nicht flammende Reden gegen das Dawesabkommen halten, durch welches der Vertrag von Versailles bestätigt wird,

und demnächst bei der Abstimmung über dieses feindliche Abkommen zur wirtschaftlichen und finanziellen Verelendung des Volkes sich zum Teil der Abstimmung enthalten und zum anderen Teil für das mit durchschlagenden Gründen bisher bekämpfte Abkommen stimmen.

Man kann nicht den enteigneten Gläubigern vor der Wahl zurufen:

"Denkt an das euch widerfahrene Unrecht; tretet ein für euer gutes Recht!" Und dann einen Canossa-Gang unternehmen und in die Regierung für ein Gesetz stimmen, dessen Aufwertungsquote zum großen Teil geringer ist wie der Betrag der für richtig erklärten Zinsen, also eine entschädigungslose Enteignung.

Man kann sich nicht zu konservativ-monarchistischen Kundgebungen bekennen

und sich gleichzeitig, um in die Regierung zu gelangen, den Richtlinien der früheren Regierung des Reichskanzlers Marx fügen." (Posadowsky 29.8.1925)

Dies bringt ihn endgültig und unwiderruflich in Gegensatz zur deutschnationalen Politik und bedingt den endgültigen Bruch mit ihr.

 

 

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Verantwortung der Eliten.  zurück

"Deutschland ist seit 25 Jahren ein wesentlich reicheres Land geworden; je mehr unser Reichthum steigt, desto mehr haben meines Erachtens die besitzenden Klassen die Verpflichtung," empfiehlt Posadowsky am 13. Dezember 1897 (173) im Reichstag,

"von ihrem Ueberschuß abzugeben
an die besitzlosen Klassen,

deren Hände Arbeit wir unzweifelhaft unsere industrielle Entwicklung mit verdanken." Es ist ein allemal ehrbarer moralischer Standpunkt und keineswegs wirkungslos. Die Grenzen des Arrangements liegen im Wesen und der Funktionsweise der gesellschaftlichen Moral begründet, die durch kapitalistische Mechanik oft desavouiert wird.

Meine Herren," warnt er am 12. Dezember 1905 (241) im Reichstag die Wirtschaftselite, "ich glaube aber auch ferner, dass mit unserem wachsenden Wohlstand nicht in gleichem Maße die Opferfreudigkeit gestiegen ist, die Großherzigkeit in wirtschaftlichen Dingen, die die besitzende Klasse auszeichnen muss!"

Posa`s

Aufforderung zum Teilen

erinnert an die legendären Worte von Adolph Wagner (1835-1917) vom 12. Oktober 1871 in der Garnisonskirche von Berlin:

"Also die besser situierten Stände, die Gelehrten, Künstler, Kauflaute haben keinen "Rechtsanspruch" auf eine reichlichere Befriedigung ihrer Bedürfnisse, als die niederen Stände."

Warum er das vom Ökonom erneuerte und gegen die Manchester-Leute gerichtete egalitäre Prinzip des gerechten Teilens am 13. Dezember 1897 (175) im Reichstag aushebelt, indem er es für wirtschaftlich unproduktiv erklärt, bleibt unklar. Damit nicht genug, setzt er dem egoistischen Lebensprinzip noch die Krone des Fortschritts auf:

"Das Lebensprinzip allen Fortschritts ist der menschliche Egoismus, der sich durch Arbeit und Intelligenz eine bessere Situation schaffen will als die der Nebenmenschen; und wenn Sie dem Menschen diesen seinen Lebenstrieb nehmen [sagt er in Richtung August Bebel], dann stockt auch der menschliche Fortschritt." (Posadowsky)

Oder sind die Mühen um die institutionalisierte Sozialpolitik gar umsonst? Liegt über den Unterschichten unabänderlich das Schicksal der Armut? Hegel postuliert [1833] im § 245 in den "Grundlinien der Philosophie des Rechts": "Es kommt hierin zum Vorschein, daß bei dem Übermaße des Reichtums die bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug ist, d. h. an dem ihr eigentümlichen Vermögen nicht genug besitzt, dem Übermaße der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern." Sollte sich dies im epochalen politischen Raum bewahrheiten, sind tiefgreifende Folgen für die Ökonomie der Gesellschaft, Klassenstruktur und Lebensweise zu erwarten, wird die bürgerliche Gesellschaft in tiefe soziale und politischen Krisen fallen, wenn nicht sogar Endzeitstimmug erleben. Posadowsky hat die Probleme klar erkannt.

Andere Abgeordnetenkollegen, zum Beispiel Gutsbesitzer Graf Hans Wilhelm Alexander von Kanitz-Pondangen (1841-1913) von der Deutschkonservativen Partei, handhaben dies anders, indem sie die Frage nach dem "Materialismus des Besitzes" abwimmeln und sagen, die Landwirtschaft sei gar nicht in der Lage sich dem "Materialismus" hinzugeben.

Es steht viel auf dem Spiel. Die wirtschaftliche Lage der Weimarer Republik verbessert sich nach dem Ende der Hyperinflation, aber stabil ist sie nicht. Arm und Reich driften auseinander. Was sagt man den Bürgern? Macht man ihnen Hoffnungen? Schon, aber auf keinen Fall Illusionen! Das lehnt Posadowsky ab. Damit wurde 1914 schon einmal Schindluder getrieben und die Massen in verbrecherischer Weise irregeführt. "Absichtliche Täuschung und gutgläubiger Irrtum hat schon zu lange geschadet", so formuliert er seine Erkenntnis. "Das deutsche Volk muss erkennen, was ist, um sich aus dieser Erkenntnis heraus ein nüchternes Bild politisches Bild und wirtschaftliches Urteil [!] zu bilden und sein Privatleben zu regeln." (V&R 227)

Posadowsky nimmt die Produktionsmittel-Besitzenden, die Oberschicht, Reichen und Eliten für die Gestaltung und Förderung eines gedeihlichen Staatswesens in Verantwortung. Sie, die Elite, muss die Initiative übernehmen und helfen. Nur in einem Land, lautet seine Überzeugung, wo die Gebildeten die Führung übernehmen, erhält die Zukunft eine Chance. Doch sie müssen diesen Anspruch, so seine Erwartung, durch ihr persönliches und öffentliches Verhalten rechtfertigen. Dies korrespondiert nicht mit seinen Erfahrungen: "Leider steht die Lebensführung weiter Kreise der Oberschicht im verletzendem Gegensatz zu dieser Forderung sowie zu dem schweren Schicksal ihrer notleidenden Mitbürger und des Vaterlandes." (V&R 228)

 
Impressionen Naumburger Dom 2007.
Links: Blick zum Dom. Rechts: Domplatz mit Dreikönigskappelle

[Materialismus des Besitzes zurück] Er übersieht nicht,  die entstandenen gesellschaftlichen Probleme mit dem Materialismus der besitzenden Klasse, beobachtete 1907 die Volksstimme in Magdeburg, die oft eine gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft behindern:

"Wenn er vom Materialismus der besitzenden Klasse sprach, wenn er erklärte, dass der Besitz, immer eine Annehmlichkeit, selten ein Verdienst und niemals eine Tugend sei."

Im Sinne die Wahrheit ist das Ganze (Hegel) vervollständigt Posadowsky am 13. Dezember 1897 (173) in der Reichstagsrede das Bild von der Oberklasse: "Die besitzenden Klassen haben aber noch mehr gethan; sie haben sich nicht beschwert, so oft ich auch mit Arbeitgebern gesprochen habe (ach! bei den Sozialdemokraten), - nein, meine Herren! - über die materiellen Opfer, die sie zu bringen haben aus Grund der sozialpolitischen Gesetze. Viel drückender sind die persönlichen Arbeitsleistungen, die ganzen öffentlich-rechtlichen Pflichten, welche die besitzenden Klassen im Interesse der Durchführung dieser Gesetzgebung zu leisten haben. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen .…"

 

 

Kritisch gegenüber Subventionen  zurück

Subventionen sind in der Weimarer Republik ein politisches Dauerthema. Was soll, was darf der Staat tun? Den Fürsten die Millionen hinterherwerfen oder sie für den Siedlungsbau der Arbeiter einsetzen?

Der Staat gewährt der Industrie Kredite, zum Beispiel 1921 den Junkers Werken 21 Millionen Goldmark für den Flugzeugbau in Russland. Als das Geld nicht reicht, kommt es zum Krach. Das Reich hilft 1925 noch einmal. Aber das Werk kommt erneut in Schwierigkeiten ….

Posadowsky-Wehner steht der sogenannten Förderungspolitik von Unternehmen skeptisch gegenüber. "Ein Staat, der auf Kosten der Steuerzahler fortgesetzt ungeheure Subventionen und Bürgschaften für privatwirtschaftliche Unternehmungen gewährt, verlässt den wirtschaftlichen Grundsatz, dass jeder das Risiko seines Unternehmens tragen muss, wenn nicht der Staat Gefahr laufen soll, in den Strudel des wirtschaftlichen Lebens in einem Maße zu geraten, dass die Grundlage jedes geordneten Staates, geordnete Finanzen, aufs schwerste erschüttert wird." (V&R 213)

Mit dieser Anschauungsweise eines rechnenden Finanzpolitikers stößt er öfter nicht auf Gegenliebe. Im Reichshaushalt haben wir 771 Millionen Mark Defizit, rekapituliert er am 19. Dezember 1930 vor dem Preußischen Landtag; "Es ist traurig, dass der Parlamentarismus im Reichstage so versagt hat, dass eine Notverordnung ergehen musste, um die Ordnung der Finanzen des Reiches zu sichern." In dieser Situation sollte man sparen, keine Steuersenkungen vornehmen oder gar das ganze Steuersystem umbauen.

In der Debatte vom 23. Januar 1932 über die Spar- und Reichsnotverordnungen im Preußischen Landtag wendet er sich gegen Subventionen. "Die Städte", argumentiert er, "können nicht einerseits, weil sie notleidend sind, Staatshilfe in Anspruch nehmen und andererseits Subventionen an Theater zahlen ..... ein großer Teil theatralischen Aufführungen dient nicht der seelischen und geistigen Bildung, sondern oberflächlichem Zeitvertreib." Die Haltung ist tief verankert. Schon einmal argumentierte er gegen die Theaterfinanzierung, nämlich in der Landtagsdebatte am 19. April 1929: "Wir werden gegen diesen Antrag stimmen, weil wir der Ansicht sind, daß bei der ungeheuren Steuerbelastung unseres Volkes man dem Steuerzahler nicht noch zumuten kann, Opfer für die Unterhaltung von subventionierten Staatstheatern zu bringen. Die Städte, die solche Theater haben, haben auch den Nutzen davon, namentlich von dem Fremdenzufluß. Diese subventionierten Staatstheater sind eine Erbschaft der monarchistischen Regierung .... Es liegt keine Veranlassung vor diese Erbschaft zu übernehmen."

 

 

Bürgersinn - Verantwortung - Pflicht   zurück

Nach Überzeugung von Graf Posadowsky braucht der Staat dringend ein beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen. Das bedeutet, "dass im republikanischen Staatswesen die Pflichten des einzelnen Staatsbürgers erheblich höher sind als in der Monarchie, wo die monarchische Regierung als selbständige Machtquelle der gesetzgebenden Versammlung gegenübersteht und das Recht hat, Gesetzesentwürfe, welche ihr bedenklich erscheinen, abzulehnen."

"Die deutsche Republik aber, die dem Volke als die freiheitlichste Verfassung der Welt in so begeisterten Tönen gepriesen ist, hat leider nur einen Mangel - es fehlt ihr an Republikanern. Eine Republik, wenn sie nicht eine Verfassungslüge sein soll, setzt zu ihrem Bestehen ein tief innerliches, das ganze öffentliche und private Leben beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen voraus. Nur so ist es möglich, dass das Volk selbst Träger der Regierungsgewalt ist. In einer Republik, in der man den Staat als große Versorgungsanstalt betrachtet, wo man gestützt auf weit verzweigte Interessenverbände rücksichtslose Interessenpolitik treibt und von dem schwer bedrängten Staate immer neue Vorteile zu erkämpfen sucht, wo man zwar fortgesetzt Sparsamkeit fordert, gleichzeitig aber Parteiinteresse maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt, wo versteinerte Parteiauffassungen schließlich jede vernünftige stetige Staatsverwaltung unmöglich machen, da fehlt die unentbehrlich Grundlage der Volksherrschaft, der seiner Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen bewusste Bürgersinn." (V&R 115)

Leider ist in weiten Kreisen diese größere Verantwortlichkeit der Staatsbürger bisher noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Es gibt sogar eine Richtung, welche offen erklärt, dass sie mit Politik nichts zu tun haben will. Es ist dies eine Auffassung, welche nur bedacht auf den eignen, behaglichen Lebensgenuss, für keine öffentliche Angelegenheit zu haben ist, die sich nicht auf ihre eignen persönlichen Bestrebungen und Wünsche bezieht." (V&R 72)

Der moderne Staatsbürger ist bei Posadowsky aktiv, engagiert, urteilsfähig und empathisch in seiner sozialen Welt tätig. Der Antiheld ist der unpolitische Bürger. Vorzugsweise beschränkt er sich bei der Teilhabe an den Staatsgeschäften darauf, die Zeitung zu lesen, womit er meint, seine Pflicht erfüllt zu haben. Diesem Typus Bürger liegt eine selbstständige geistige Prüfung der politischen Ereignisse fern. Infolgedessen findet man selbst bei Personen, die nach ihrer Lebensstellung als "gebildet" gelten, tut Posadowsky seine Erfahrungen kund, ein überraschendes Maß an politischer Unkenntnis, Urteilslosigkeit und Gleichgültigkeit. Ein grausen, dieser "bescheidene Mensch". ".... wo sie von der Gesetzgebung oder den Ereignissen selbst empfindlich betroffen werden," pflegen sie "in herbster Form ihr Urteil über diese politischen und wirtschaftlichen Folgeerscheinungen abzugeben, zu deren Vermeidung oder Beseitigung sie selbst durch ihre öffentliche Tätigkeit nichts getan haben." (V&R 76).

Die Masse dieser Schwächlinge zeichnen sich durch Untätigkeit und Trägheit aus, erwarten aber von anderen Herkules-Leistungen.

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

Das Volk ist in seiner Gesamtheit für die Führung der Staatsgeschäfte verantwortlich. Die erste Bürgerpflicht heißt deshalb, Abgabe der Wahlstimme. Wer nicht zur Wahl geht ist ein "politischer Deserteur" und vernachlässigt in unentschuldbare Weise die vaterländische Pflicht. Man kann "das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes" an Hand der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen beurteilen (V&R 73). "Weite Kreise scheinen aber diese veränderte Grundlage des öffentlichen Lebens gegenüber der konstitutionellen Monarchie noch nicht erkannt zu haben .... Das höchste Recht und die wichtigste Pflicht jedes Staatsbürgers ist die Abgabe seiner Wahlstimme .... " (NBT 25.4.1925)

Aber diese Forderung erhebt er nicht allein aus praktischen Erwägungen, sondern sie steht in einem untrennbaren Zusammenhang mit der Idee der Republik, als die Form der Regierung, wie Immanuel Kant in "Zum ewigen Frieden" (1795/1981, 427) sagt, und betrifft die Konstituierung des allgemeinen Willens. Erfolgt er durch Eigenmächtiges vollziehen der Gesetze, handelt es sich um eine Despotie. In einer Demokratie trennt der Gesetzgeber sich vom Vollzug der Gesetze. Die Entstehung der Exekutive enthält potentiell den Widerspruch zum allgemeinen (Volks-) Willen, insofern das parlamentarische Präsenzprinzip nicht oder nur schwach erfüllt ist. Um das notwendige Maß an Identität darüber herzustellen, bedarf es der hohen Wahlbeteiligung. "Alle Regirungsform nämlich, die nicht repräsentativ ist," lehrt Immanuel Kant, "ist eigentich eine Unform ...."

Im Demokratie-Konzept von Posadowsky erhält die Kommunikation der Öffentlichkeit eine sinnstiftende und gestaltende Kraft zugewisen. Es gilt die Maxime: "Ein jeder pflegt im öffentlichen Leben soviel Recht zu haben, wie er vertritt. Das gilt vor allem in einem parlamentarischen Staatswesen, in welchem die Entscheidung aller öffentlichen Angelegenheiten tatsächlich bei den unverantwortlichen Volksvertretern liegt und die verfassungsmäßig verantwortlichen Minister sich dieser Entscheidung zu fügen oder auf ihr Amt zu verzichten haben." (V&R 228)

 

 

Popularität der Staatsform   zurück

In den Fragen: Worauf kann sich die neue Ordnung stützen?, Was macht sie attraktiv?, Und wie kann sie ihre Konflikte lösen? - kumuliert sein theoretisches und praktisches Interesse am Rechtsstaat. "Die

Popularität der neuen Staatsform

muss darauf gegründet werden," antwortet er am 19. Dezember 1930 (16638), "daß der Staat ein Staat des unbedingten Rechts gegen alle Parteien des Reichstags und alle Volksschichten in gleicher Weise ist, sie muss damit begründet werden, daß das Recht auch im Privatleben mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt wird, daß das Volk das Vertrauen hat:

wir leben in einem Rechtsstaat,

der nicht regiert wird vonwechselnder Politik, sondern nur von den Buchstaben des Gesetzes und den Geboten des Rechts."

 

Rechtsbewusstsein wider Durchbrechungstheorie  zurück

Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit verkörpern bei Posadowsky-Wehner zentrale Kategorien des staatspolitischen Denkens und organisieren die Leitideen "Macht" und "Demokratie". Sie sind unerläßlich für die Schaffung eines gerechten Staates, dem der Bürger vertrauen kann. Nach seiner Überzeugung ist ohne Rechtsstaatlichkeit in der gesellschaftlichen Praxis eine Stabilisierung der Weimarer Republik nicht möglich, weil ohne sie die Durchsetzung dem Allgemeinwohl verpflichtender Normen und Ordnungsprinzipien undenkbar ist. Hierbei stützt er sich auf die Erfahrungen in der Revolution von 1918/19 und der Tätigkeit als "Oppositionsführer in der Nationalversammlung", was oben im gleichnamigen Kapitel bereits dargestellt wurde. Er nahm nicht am Kapp-Putsch teil, weil dies a) ein Affront gegen sein Rechtsgefühl und b) mit seinen rechtstheoretischen Grundsätzen unvereinbar gewesen wäre.

Ägidienkurie, Naumburg 2007

Intensiv und nachhaltig, sein gesamtes soziales Gefühl erfassend, beschäftigt ihn die Zerstörung tragender Prinzipien der Rechtsordnung durch die Inflations- und Aufwertungsgesetzgebung. (Siehe Urteil des Reichsgerichts vom 28. November 1923, Dritte Steuernotverordnung vom 14. Februar 1924, Bankengesetz vom 30. August 1924.) Er charakterisiert dies als die "ungerechteste und unsittlichste Gesetzgebung des ganzen Reichsgesetzblattes". Mit "genialen Feinsinnigkeiten" hat man alles getan, "um die Partei der Schuldner zu begünstigen". So brachte man den Mittelstand um die Früchte seiner Arbeit und die Kinder "um das Erbe ihrer Eltern", "um andere Kreis zu bereichern ...." (Posadowsky 1929, 4194, 4195)

Posadowsky (19.12.1930) erkennt, die Popularität der "neuen Staatsform" wächst und gedeiht, wie der "Staat ein Staat des unbedingten Rechtes gegen alle Parteien des Reichstages und alle Berufsschichten in gleicher Weise ist". Auch im Privatrecht muss das Recht mit pünktlicher Genauigkeit durchgesetzt und geschützt werden.

Während einer Debatte im Preußischen Landtag fragt Posadowsky den Justizminister, ob ein Gesetz beschlossen werden darf, dass gegen die Grundrechte der Weimarer Reichsverfassung verstösst. In seiner schriftlichen Antwort eröffnet der Minister zwei Möglichkeiten: Erstens. Mit einer Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Körperschaft kann die Verfassung geändert werden. Zweitens könnte als Lösung die sogenannte

Durchbrechungstheorie

An der Nordseite vom Naumburger Dom, 2007

in Anwendung kommen. Empört weist dies Posadowsky

am 19. Dezember 1930

vor dem Preußischen Landtag mit Bezug auf Artikel 76 der Reichsverfassung als glatten Verfassungsbruch zurück. "Ich verstehe es nicht," stellt er konsterniert und im Ton tiefer Enttäuschung fest, "dass die Mehrheit des Reichstages ein solch verfassungswidriges Verfahren wiederholt gebilligt hat. Das gilt für die Aufwertungsgesetze und für die Kürzung der Beamtengelder als wohlerworbene Rechte." Auch im Rahmen der Geldpolitik ist dies schon mehrfach geschehen. Als Beweis zitiert er aus der Rede von Finanzminister Doktor Luther am 23. August 1924 vor dem Reichstag, wo dieser darlegt, dass die Regierung "künstliches Geld" einsetzte, "um Werte abzulösen". Ein Privatmann, der künstliches Geld macht, schiebt Posa wütig bei seinem Auftritt im Preußischen Landtag am 23. Januar 1932 nach, begeht ein Münzvergehen und ist nach dem Strafrecht ein Verbrecher. Mit künstlichem Geld darf man keine Schulden tilgen, "deshalb sind die sogenannten Aufwertungsgesetze null und nichtig".

"Als die Reichsregierung die Aufwertungsgesetzte erließ, wo sie hundertaussende um ihr Hab und Gut brachte unter Ausschaltung des § 607 des Bürgerlichen Gesetzbuches, was die Rückzahlung von Schulden in gleichem Wert fordert, hatte sie dies Zartgefühl nicht. Aber jetzt, wo sichs darum handelt

die verbrecherischen Personen festzustellen,

die die Inflation im In- und Auslande künstlich herbeigeführt und dann zu ihrer Bereicherung benutzt haben, da tritt die Reichsregierung vor diese Spekulanten. Man sieht ja ganz klar: man soll nicht wissen,

wer die Verbrecher sind,
die die Inflation herbeigeführt haben." 
(19.12.1930)

"Es genügt nicht", fasst Graf von Posadowsky-Wehner 1932 seine Erfahrungen zusammen, "dass die gesetzgebenden Körperschaften fortgesetzt je nach den bestehenden Mehrheitsverhältnissen Gesetze beschließen und die Regierung aus politischen Gründen denselben willfahrt. Gesetze müssen sich durch jahrelange Anwendung im Rechtsbewusstsein des Volkes einbürgern, um tatsächlichen Gesetzeswert zu erlangen; durch die Veröffentlichungen in den Gesetzblättern wird die Rechtskraft nur urkundlich festgestellt, aber kein Rechtsbewusstsein geschaffen." (V&R 72)

 

 

Geburtstag

Bischofskurie am Domplatz 2007

Zum 80. Geburtstag gratulierten ihm: Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichskanzler Doktor Hans Luther, Reichswirtschaftsminister Albert Neuhaus, General der Infanterie Friedrich Sixt von Armin, Domherr von Naumburg und Großadmiral Hans von Köster, der Vizepräsident des Reichstages Doktor Jakob Riesser, der Ministerpräsident des Freistaates Preußen Otto Braun, der Bund der Domschüler, die Direktion des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und andere.

 

 

Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom   zurück 

Am

24. August 1924

wird an der westlichsten Seite der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden eine steinerne Gedenktafel enthüllt. 148 Namen sind hier eingemeißelt. Zwei, Ewald und Würzig, fügt man später noch hinzu. "Von den 16 Abiturienten von Ostern 1912 finden sich sieben auf der Tafel wieder, von 15 Kriegsbegeisterten, die es im August 1914 nicht abwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, sind acht Namen in den Stein gehauen," ermittelte Julia Ziegler (2009) in einer Studie über die Kriegsgefallenen des Naumburger Domgymnasiums.

 

Auf der langen Ehrenliste steht der

Kreuzgang des Naumburger Doms mit Gedenktafel (2005)

Inschrift: Ruhmvoll ist das Schicksal des Gefallenen, glücklich ihr Los.

Name

Peter-Paul Hollaender.

Er fiel am 26. Oktober 1917 im Alter von 25 Jahren in Flandern. Sein Vater Doktor Ludwig Hollaender war Oberlehrer am Domgymnasium. Mutter Julie Hollaender lebte nach dem Tode ihres Mannes noch etwa zwanzig Jahre in der Grochlitzer Straße 18. Seinen Bruder Doktor Otto Hollaender verfolgten die Nationalsozialisten.

An 57. Stelle in der Liste Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums steht der Name

Gerhard Hemprich.

Sohn des grossartigen Lehrers und Jugendpflegers

Karl Hemprich, geboren am 17. Dezember 1867,

der 1908 aus Freyburg an der Unstrut kam und die Knabenschule (Georgenschule) als Rektor übernahm. 1913 wechselt er an das Königlicher Seminar-Oberlehrer als Bezirksjugendpfleger von Merseburg und leitet bei Kriegsausbruch die Mobilmachung der Jugend. Was und wie alles zu geschehen hat, auf welchen gesetzlichen Grundlagen, wie dies organisiert wird, was die Bezirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Jugendpflege zu tun haben, legt Karl Hemprich  1 9 1 4  auf 16 Seiten Format A 5 unter dem Titel

Die militärische Vorbereitung der Jugend
während des mobilen Zustandes

dar. Ein Jahr später zerfleischt die Kriegsbestie seinen Sohn Gerhard, eines der vier Kinder aus der Ehe mit Gertrud, geborene Wächter. Der Primaner, blond, blauäugig, hochgewachsen, gesund und immer heiter, hatte sich freiwillig zum Infanterieregiment 67 nach Metz gemeldet. Ein anderer Sohn von Gertrud und Karl Hemprich, Siegfried, starb früh. Ihr Töchterchen Kätchen raffte im Alter von acht Jahren eine unheilbare Erkrankung dahin. "Diese Wunde hat sich nie wieder geschlossen." Aufopferung und Einfühlungsvermögen des Jugendpflegers haben wahrscheinlich hier ihre Quelle. (Vgl. Weicker 45-47)

 

Am Sonntag, den 24. August 1924 um ½  9 Uhr finden sich alle Domschüler auf dem Schulhof ein. Eine Stunde später sitzen sie brav in der Marienkirche und hören die Predigt mit der Botschaft an die Jugend von Pfarrer Mühe:

"Brüder, deutsche Treue bis in den Tod! So waren die unsern, so wollen auch wir werden: Männer der Treue."

 

Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums

PDF-Dokument hier (etwa ein Megabyte).

Quelle: Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeit

 

Nach dem Gottesdienst ziehen Schüler, Lehrer und Gäste im geschlossenen Zug zum Denkmal in den Kreuzgang des Doms um, wo dann bald die Worte über Deutschland von einer sittlichen Weltmacht, in des Wortes edelster Bedeutung zu hören sind. Doch war der Einmarsch der deutschen Truppen 1914 in Belgien nicht selbst schon ein sittlicher Grenzdurchbruch?

Der Ort ist feierlich geschmückt. Vor der Tafel aus Krensheimer Kalkstein wachen je zwei Offiziere von der Marine und den Feldgrauen, Angehörige des Bundes Alter Naumburger Domschüler (BAND). Auf ein Zeichen hin entfernen sie die Hülle. Zuvor hielt der Architekt des Denkmals, Herr Graumüller aus Saaleck, eine kurze Ansprache. Er dankte dem Bildhauer Josef Heise für das Gesamtwerk und Kunstmaler Professor Hugo Gugg (1878-1956) für den überkrönten Aufsatz der Steintafel, die den Kopf eines jugendlichen Kämpfers mit Stahlhelm darstellt. Dann hebt der Vorsitzende vom BAND zur Ansprache an. Dies ist eine Stätte der Trauer, des Dankes und des Trostes, gedenkt Professor Flemming der Toten. Aber dies ist kein Denkmal, das mahnen soll, wie es Julia Ziegler (2009) treffend formuliert, sondern es soll eine Erinnerung an die Kämpfenden sein.

 

 

Erinnerungsarbeit

Hans-Gert Kirsche, um 1930:

..... Der Fackelzug endete auf dem Kreuzganghof, wo in einer Ecke die Gedenktafel für die Gefallenen der Schule angebracht war (1914-1918 stand oben, und darunter 165 Namen), gruppierte sich vor den Schwibbogen im Geviert, und die Fackeln wurden in der Mitte zu einem lodernden Scheiterhaufen zusammengeworfen. Irgendwo aus dem Dunkel des Kreuzgewölbes rezitierte ein Sprechchor raunend vaterländische Verse, der flackernde Flammenstoß warf gespenstische Lichter auf die im Hintergrund düster aufragende viertürmige Kulisse des Domes, und uns alle durchschauerte weihevolle Rührung, während die Musik intonierte: "Ich hatt' einen Kameraden...". Nicht mehr als vier Jahre später wurde es Zeit, an eine neue, noch größere Tafel zu denken: man hatte wieder angefangen, massenhaft fürs Vaterland zu töten und zu sterben."

Hans-Gert Kirsche

 

 

Dann werden die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen 150 Domschüler feierlich verlesen.

Anschließend trägt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz zur Einweihung der Gedenktafel seine Gedanken über den Krieg, den Folgen und die persönliche Verantwortung des Bürgers vor.

Er hebt zur Rede an: Staatsmänner verwenden ihre Macht zu Handlungen, "die jedem Völkerrecht und jeder sittlichen Auffassung von dem gegenseitigen Verhalten gebildeter Völker widersprechen. Weil das Herz Europas, Deutschland leidet, krankt ganz Europa. Gegenüber dieser Vergewaltigung muß das ganze deutsche Volk von einem großen Gedanken beseelt sein, heiliger Ernst im öffentlichen und Privatleben sollte die Grundstimmung unseres Volkes, Herz und Verstand auf das eine große Ziel gerichtet sein, das jeder Deutsche mit der ganzen Kraft seiner Seele in sich aufnehmen muss. Das ist die Schuld, welche wir gegenüber unseren Toten einlösen, das ist der Dank, den wir ihnen zahlen wollen."

Er fragt: Warum musste eine "sittliche Weltmacht wie Deutschland" untergehen? Warum fand sich ein "Weltbund ungeheurer Übermacht gegen uns" zusammen? Wie konnte das Geschehen? Im feierlichen Unterton hebt der Dechant des protestantischen Domkapitels zur Festrede an:

"Der Krieg hat ungezählten Familien unheilbare Wunden geschlagen und über unser gesamtes Vaterland unsägliches Leid gebracht. Die Ereignisse der Vergangenheit erscheinen uns bisweilen wie ein böser Traum, man fragt sich immer von Neuem, wie es möglich war, dass dieses mächtige Deutschland, von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Staatsmann auf unabsehbare Zeit geschaffen, nach kaum einem halben Jahrhundert von seiner stolzen Höhe sinken konnte. Deutschland ist ein Kontinentalstaat; es ist das Herzstück Europas. Wie ein Felsen schien es zu stehen inmitten unseres Erdteils, in der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde ringsum. Seine sozialen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen, seine Bildungsstätten, sein Beamtentum und seine Staatseinrichtungen wurden trotzdem in aller Welt bewundert. Auf seinem Heere ruhte seine staatliche Sicherheit: Es war unser Stolz, unsere Hoffnung, unsere Zukunft. .... Weder die Regierung noch das deutsche Volk haben den Krieg gewollt; er ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im stillen jahrelang gegen uns geplant, militärisch vorbereitet und uns schließlich aufgezwungen [worden]. …. Das große deutsche Volk darf niemals auf seine Zukunft verzichten, die seiner großen Vergangenheit würdig ist."

"So möge" dieser Gedenkstein, fährt die Rede fort,

"einen Merkstein bilden zur Aufrichtung des von Unrecht geknechteten Vaterlandes."

Salbungsvoll bringt die Metapher die deutschnationalen, völkischen und alldeutschen Vordenker vorzugsweise bei Ehrungen und Kranzniederlegungen oder in Feierstunden zur Geltung. Im September 1933 gießen sie der Stahlhelm-Studentenring "Langemarck" und die Stadtverwaltung in den Beton des Langemarck-Denkmals. Doch Posadowsky ist kein Vorkämpfer des Stahlhelms und geo-politischen Revisionismus Gesamteuropas. "Man dient seinem Volke nicht," warnt er, "wenn man es über seine eigenen Eigenschaften schmeichelnd täuscht und andere Völker einseitig herabsetzt." (V&R 227)

Und wie man die Worte am Gedenkstein immer interpretiert, wir sollten nicht vergessen, in Totalität bemühte er sich um die ökonomische und politische Stabilisierung der Weimarer Republik, mahnte stets die Rechtsstaatlichkeit an, wandte sich als Politiker den Erwartungen der Unterschicht zu, verteidigte die Mittelschicht gegen die staatliche Enteignung des privaten Geldvermögens und stritt für Rechtsgleichheit und -sicherheit.

Der englischen, französischen und russischen Nation stand er im Lichte der Reziprozität der Feinbilder kritisch gegenüber, weil sie vor dem Weltkrieg darauf bedacht, im Ausland eine starke deutschfeindliche Abneigung hervorzurufen. Pars pro toto nennt er Lord Rosebery (1847-1919) von der Liberal Party und ehemaliger englischer Außenminister, der als erster den Weckruf ausstieß:

"Wir sind bedroht, von einem fürchterlichen Nebenbuhler, der uns nagt wie das Meer an den schwachen Stellen der Küste - ich meine Deutschland."

Bevor Sigmund Freud 1938 die Bewusstseinsspaltung im medizinischen Fortschrittsbericht über "Die Ichspaltung im Abwehrvorgang" beschrieb, diagnostizierte sie 1920 Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Aufsatz "Mr. Pecksniff" (23) beim freiheitsliebenden Engländer, der für sich, nicht aber für die bürgerliche Freiheit anderer Völker "die gleiche Rücksicht" empfindet.

Deutschland hat sich mit seiner "verfehlten Weltpolitik" (Posadowsky) viele Feinde gemacht. Das weiß er und stellt dies überhaupt nicht Frage. Gut erkennbar war dies ein zentraler Kritikpunkt der Reichskronen-Rede vom 15. Januar 1919. Ihm ist also gegenwärtig, Deutschland muss sich zügeln und Grenzen auferlegen. Eine neue Weltpolitik, davon ist er nicht abzubringen, wäre sein Ruin.

"Nur Selbsterkenntnis und Selbstbeschränkung kann uns wieder zu alten Höhen führen." "Das deutsche Volk sollte sich aber in dieser ernsten Zeit gewissenhaft prüfen .… ob es die politische, wirtschaftliche und soziale Selbstbeschränkung geübt hat, die zur Ausgleichung widerstrebender Richtung und zur inneren Festigung eines auf der gesamten Volkskraft des ausgebauten Staates unbedingt notwendig sind." (Posadowsky Rede 24.8.1924)

Ist das außenpolitisch gewendet vielleicht die Bismarck-Schule? - Verzicht auf territoriale Forderungen, keine expansionistischen Bestrebungen, keine europäischen Kriege und Beteiligung an überseeischer Kolonialpolitik. Und wenn schon, in Euphorie sollten wir darüber nicht verfallen, denn der erste Reichskanzler hinterließ uns, beispielsweis in der Nationalitätenpolitik, kaum zu tilgende Hypotheken. Aber Selbsterkenntnis und Selbstbeschränkung bieten unter den Bedingungen der 20er Jahre Ansätze zur Friedenspolitik. Auf jeden Fall kontert er die Naumburger Wilhelmisten (Kolonialverein, Alldeutsche, militante Kriegervereine) und Revisionisten (Völkische, Nationalsozialisten, Stahlhelm).

Der Krieg fordert stets den Verlust an Individualität und Charakter einer Rechtsperson ein, sukzessive eine Enthumanisierung aller Verhältnisse. Je mehr das Volk im Verlaufe des Krieges zu immer höheren Leistungen aufgerufen war, erkennt Posadowsky-Wehner (V&R 40), desto mehr verliert der Einzelne an Rechten, was immer größere Opfer von ihm verlangt. Selbstlose Menschen treten ans Licht, die Helden, sie geben das gute Beispiel. Dem Verlust an Humanität ist damit nicht vorgebeugt. Mit der Aufopferung bis in den Tod verliert er seine sinnlich-gegenständiche Individualität. Vor der steinernen Gedenktafel an der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms lebt jetzt wieder die Moral des heroischen Zeitalters auf, wenn Posadowsky aus dem 1800 entstanden siebenstrophigen Wechselgesang des Vorspiels zur Trilogie Wallenstein, Ein dramatisches Gedicht von Schiller, den Vers zitiert:

"Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein."

Dies steht im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und trägt nicht zur Überwindung der gesellschaftlichen Moralauffassung bei, die zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte. Die Dialektik der Aufklärung (91) persifliert:

"Wer stirbt, ist gleichgültig, es kommt aufs Verhältnis der Vorfälle zu den Verpflichtungen der Kompanie an."

Und doch sollten wir uns s o  n i c h t  aus dem Gespräch mit Graf Posadowsky über die Einweihung der Steintafel zu Ehren der Gefallenen im Ersten Weltkrieg verabschieden. Wahrscheinlich wäre dann vergessen, dass er [a] öfter entschieden gegen den Missbrauch staatlicher Autorität auftrat, [b] vor überhöhten Vollmachten staatlicher Zentralgewalt unter Umgehung der Parteien und föderativer Einheiten warnte und [c] die von ihn vorgetragene Kritik an Feindbildern den Zweck verfolgte, den Bürgern die Lust an staatlicher Aggression zu nehmen. Exakt diese realgeschichtlichen Momente verursachen, provozieren oder begleiten die Entstehung von Kriegen. Sigmund Freud erörtert dies im Brief vom September 1932 an Albert Einstein. Zwischen Freud "Warum Krieg?" und dem politischen Denken von Posadowsky-Wehner besteht eine aufschlußreiche und frappierende Kohärenz. Wir sollten uns dies weiter erschschließen.

 

 

29. November 1925
Wahlen zum Preußischen Provinziallandtag
der Provinz Sachsen  zurück

Am 29. November 1925 dürfen die Bürger der Provinz Sachsen die Sitze im Preußischen Provinziallandtag verteilen. Die letzte Nominierung der Kandidaten fand 1921 zusammen mit den Wahlen zum Preußischen Landtag statt. Schon deshalb, vermutet die lokale Presse, war damals die Beteiligung besser. Indes nahmen diesmal nach ihrer Schätzung nur etwa die Hälfte der Bürger ihr Wahlrecht an Anspruch.



Ergebnisse der Wahlen
zum Preußischen Provinziallandtag der Provinz Sachsen
29. November 1925

 
Abgeordneten-
Sitze
 

Nationale Ordnungsblock

20
 

Sozialdemokraten

34
 

"Sparer", Liste Posadowsky

2
 

Zentrum

4
 

KPD

17
 

Völkische Liste

3
 
DNVP
12
 
DVP
2
 

DDP, Demokraten

5
 
     

Gesamt

113
 


Gewählte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung

 

 

 

Posadowsky-Wehner zieht für die "Sparer" in den Provinziallandtag ein.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP)  zurück

Ende Juni 1925 publizierte Posadowsky in der deutschnationalen Presse mehrere Aufsätze zum Aufwertungsgesetz, dass am 16. Juli 1925 im Deutschen Reichstag zur Abstimmung stand. Ihm war klar:

"Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung, dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Nach Keil 1925)

Dies auszusprechen, fällt ihm nicht leicht. Denn er leidet unter diesen Verhältnissen, an dessen Horizont abgrundtiefe Gefahren für die zivilisierte Existenz der Bürger lauern. Seine Kritik an der Hyperinflation und Aufwertungsgesetzgebung rief alte und neue Gegner auf den Plan. Einer war Carl Severing (1875-1952), der 1912 die Bielefelder Niederlage zu den Reichstagswahlen nicht verwunden hat. Am 15. Oktober 1925 meldet er sich im "Vorwärts", Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, zu Wort, und verbreitet folgende Geschichte: "Jetzt aber, in diesen Sommertag, sind Ihre politischen Freunde, meine Herren von der Deutschnationalen Volkspartei, an mich herangetreten bzw. an die Herren meines Ministeriums mit dem Ersuchen diesen Landrat recht bald abzuberufen. (Lebhafte rufe: Hört! Hört! links)" Das hatte etwas Ungeheuerliches: "Es war ja vor allem die Deutschnationale Partei," wie SPD-Experte Hugo Heiman eben in diesem Moment in Der Kampf um die Aufwertung (1925, 54) klar stellte, "die durch ihr Tun und Lassen das ganze Unglück verschuldet hatte."

Die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) war eine Splitterpartei. In weiten Teilen der Öffentlichkeit entstand der Eindruck, als ob die Sozialdemokraten ihr gegenüber Wahlrechtsbeschränkungen befürworten. Ja mehr noch, teilt Wilhelm Keil 1928 im "Vorwärts" (Berlin) mit, aus zahlreichen Zuschriften ist abzulesen, dass im Lande die Meinung herrscht, "als sei die Sozialdemokratie eifrig bemüht, die sogenannten Splitterparteien durch neue gesetzliche Vorschriften zu erdrosseln." "Niemand aber denkt daran," betont der Sozialdemokrat, "durch Änderung der Verfassung oder des Wahlgesetzes die Bildung neuer Parteien oder die Entwicklung bestehender kleiner Parteien zu unterbinden."

Wilhelm Keil (1870-1968), einst Landtagsabgeordneter der zweiten Kammer der Württembergischen Landstände und nach 1918 SPD-Abgeordneter in der Nationalversammlung und im Reichstag, befaßte sich tiefgründig mit der Entstehung, Entwicklung und Folgen der Hyperinflation. Nach seiner Auffassung, hatte die Sozialdemokratie keinen Grund, den Kampf gegen die Splitterparteien aufzunehmen. Das Auftreten verarmter Sparer und Gläubiger als besondere Partei, muss man deshalb trotzdem nicht unterstützen. Aber wir haben kein Recht, die Entwicklung dieser Parteien zu unterbinden. Besser wäre, schlägt Wilhelm Keil vor, wenn die Bürger in Parteien aktiv werden, die seither für ihre Interessen eingetreten sind.

Aber das Vertrauen in die Parteien ist schwer gestört. Das Bild, was sie abgeben, bleibt oft unter den Erwartungen der Bürger. Zum Beispiel, wenn während der Debatte über das Gesetz zur Aufwertung der Hypotheken am 13. Juli 1925 im Reichstag nicht mehr als ein Dutzend Abgeordnete ständig anwesend waren, kommen ernste Fragen über die Arbeitsweise der Parlamentarier auf. Unter anderen sprachen Genosse Keil (SPD), Dr. Korsch (KPD) und Dr. Best. Es war unmöglich irgendwelche Verbesserungen durchzusetzen. Ein SPD-Antrag wurde mit 177 gegen 224 Stimmen abgelehnt. Dass die Deutschnationale Fraktion dem Aufwertungskompromiss zustimmen könnte, erschien Posadowsky unmöglich, weil dies im schärfsten Gegensatz zu ihren bisherigen Forderungen und Versprechungen stand.

Um den 16. Oktober 1926 berichten die Zeitungen, dass die verschiedenen Sparergruppen die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) ins Leben gerufen haben. Ihr Führer ist Arthur Graf von Posadowsky-Wehner aus Naumburg. Die Partei trotzt der Regierung, weil das Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen vom 16. Juli 1925 einen Vermögensverlust bis zu 97 Prozent brachte.

Am

21. Oktober 1927

tagen die VRP-Anhänger im Preußischen Hof. Der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe des Sparer- und Hypothekengläubiger-Verbandes eröffnet die Versammlung. Besonders begrüsst er Arthur Graf von Posadowsky-Wehner mit den Worten, "der Kampf, den er führe, habe sich gerichtet gegen Regierung und Volksvertreter, die ihr Volk entrechtet und enteignet hätten; nicht ein Knechtsstaat, sondern ein Rechtsstaat müsse erst wieder geschafft werden ...." Dann wurde die Auflösung der Ortsgruppe bekannt gegeben. Anschliessend hält der Gast einen ansprechenden und inhaltsreichen Vortrag, von dem die Passage überliefert: "Der Ausfall der Zinsen, welche die Gläubiger zu beanspruchen hätten, ziehe jetzt der Staat in Form einer Hauszinssteuer ein, darunter hätten Wirtschaft, Mittelstand, Hausbesitzer und Mieter zu leiden." Dann erläutert er die Notwendigkeit der Gründung der

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP).

Nach längerer Aussprache über die Richtlinien der Partei, wurden diese für gut befunden und einstimmig beschlossen einzutreten für:

erweiterten Schutz der Verfassung,

volle Unabhängigkeit der Gerichte,

die Beseitigung der Daweslüge,

die Aufwertung nach Treu und Glauben,

die Abschaffung der Hauszinssteuer,

den Schutz der Mieter,

die Selbständigkeit der Privatwirtschaft,

die wohlerworbenen Rechte der Beamten,

die Sicherstellung aller freien Berufsangehörigen und

die Erhaltung des rechtmässigen Besitzes.

Die Anwesenden delegieren Graf von Posadowsky-Wehner vom 22. bis 23. Oktober 1927 zum Parteitag nach Stuttgart.

 

Bei den preußischen Landtagwahlen am 20. Mai 1928 erringt die Volksrechtspartei zwei Mandate. Eins nimmt Posadowsky wahr.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung
(Volksrechtspartei, VRP)

 

       

Wahlen

Stimmen
Prozent
Mandate
       

Landtag Preussen
20. Mai 1928

234.033
0,05
2

Naumburg

462
   
       

Reichstag
20. Mai 1928

428.697
1,6
 

Naumburg

498
   
       

Reichstag 1930

217.198
0,9
 
       

Landtag Preussen
24. April 1932

44.119
   

Naumburg

59
   
       

Reichstag Juli 1932

40.825
0,1
 
       

Reichstag November 1932

46.202
0,1
 
       

 

Obwohl sich die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung ein halbes Jahr nach seinem Tod in Hitlers Arme wirft, darf man nicht sagen, dass Arthur Graf von Posadowsky-Wehner dem nationalsozialistischen Herrschaftsmodell irgendwie nahegestanden hat. Nicht die Diktatur war sein Ziel, sondern der Volksstaat, der die faire Beteiligung aller Klassen und Schichten an der Machtausübung garantiert.

 

 

Im Streit für eine wirtschaftspolitisch
verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik  zurück

1928 delegiert die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung Posadowsky als Abgeordneten in den Preußischen Landtag. Besonders widmet er sich den Folgen der Hyperinflation und Aufwertungspolitik. Dieses

"ungeheuere Unglück über unser Vaterland",

fordert er am 10. Oktober 1930, muss genau untersucht werden. Sein Ziel ist eine rechtsstaatliche, wirtschaftspolitisch verantwortungsvolle und sozial gerechte Geldpolitik. Dazu ist es nach seiner festen Überzeugung notwendig, die ideologische Verschleierung der betreffenden Vorgänge zu enttarnen und die Ursachen der Hyperinflation aufzuklären. Unbeirrt hält formuliert er am 15. Dezember 1928 vor dem Preußischen Landtag folgende Prämisse:

"Der Herr Reichsbankpräsident Schacht hat seinerzeit erklärt, die Inflation wäre ein Erdbeben gewesen. O nein, die Inflation war nicht das Werk von Naturkräften, sondern sie war das Werk von gewinnsüchtigen, gewissenlosen und kurzsichtigen Menschen außerhalb und leider auch innerhalb Deutschlands."

"Zuruf links: Sie müssen nach rechts sehen! Das sitzen die Kerle! - Gegenruf: Er guckt ja nach rechts; Ihr müsst nur die Stellung nehmen! - Heiterkeit."

Aus Anlass seines 85. Geburtstags erwies ihn der Rechtsausschuss des Preußischen Landtags eine ehrende Geste. Er beschloss, dass Staatsministerium möge untersuchen, "welche Elemente und Personen die Inflation hervorgerufen haben". Das war endlich eine Entgegnung auf die freche Lüge, dass die Inflation einfach gekommen sei. Hierauf warteten alle brennend, die in ihr eine kalte und verbrecherische Tat sahen. "Aber es ist leider nicht anzunehmen, dass die Annahme des Antrags eine andere Bedeutung hat als ein Blumenstrauß, der am selben Tag auf dem Platz des Jubilars gelegt wurde. Eine Höflichkeit. Der Staatsgerichtshof ist kein Untersuchungsausschuss, - er wäre für diese Frage nicht zuständig, selbst wenn sie ihn überraschenderweise interessierte". (Tagebuch 1930)

Am 18. Oktober 1930 trägt er dem Preußischen Landtag erneut vor:

"Es ist ein sittliches Gebot, diesen verbrecherischen Unternehmen nachzugehen und festzustellen, wer diese schuldigen Personen gewesen sind. Das muss durch den Staatsgerichtshof geschehen."

Zu diesem Zweck ergeht an das Hohe Haus ein Antrag, der fordert, schleunigst ein Gesetz zu verabschieden, durch welches der Staatsgerichtshof beauftragt wird, zu untersuchen, ob und welche ausländische Stellen und welche amtliche Personen und ob und welche Privatpersonen im Inland auf die planmäßige Steigerung des Dollarpreises gegenüber der deutschen Mark hingewirkt und damit planmäßig die deutsche Währung zerrüttet haben. Ein Jahr vergeht und die Regierung antwortete noch immer nicht darauf. Dann bitter er persönlich den preußischen Ministerpräsidenten um eine Erklärung. Am 23. Januar 1932 tagt wieder der Preußische Landtag. Und wieder keine Antwort! Erneut rollt Posadowsky die Sache im Plenum auf und rüttelt verzweifelt am Gewissen der Abgeordneten:

"Aus diesem Verhalten der Regierung muss man schliessen, dass die Inflation mit Wissen und Unterstützung der Regierung und in Verbindung mit Finanzkräften des Auslandes herbeigeführt ist."

Was meint er mit "Finanzkräften des Auslandes"? Wenig Monate nach dem im November 1918 in einem Eisenwahnwaggon auf einer Lichtung im Wald von Compiègne der französische Marshall Ferdinand Foch den Deutschen die Bedingungen des Waffenstillstandes aushändigte, stürzte die Mark im Kurs gegenüber dem Dollar ab. Jetzt wurde das Ausmaß der Kriegswirtschaft und -inflation sichtbar. Sofort erhöhten sich die Verbraucherpreise und die Reallöhne sanken. Eine Stützung der Mark unterblieb, was bei der Aufklärung und politischen Bewältigung der Hyperinflation eine große Rolle spielen wird. "Die Deutschen ließen die Inflation traben, um sich zahlungsunfähig zu machen und dadurch den Reparationen zu entgehen." Die "deutsche Politik", konstatiert Sebastian Haffner 2001 in Von Bismarck zu Hitler (186f.), nahm "eine soziale Katastrophe in Kauf, die sich auf die deutsche innenpolitische Stimmung vernichtend ausgewirkt hat, nämlich eine Dauerinflation ...." Die Hyperinflation 1923 bewirkte "eine ungeheure Umverteilung der deutschen Vermögen zu Lasten der Geldsparer und Geldbesitzer und zugunsten der Sachwertbesitzer". Posadowsky versuchte die für nachfolgende Generationen in Ausmass und Tiefe nicht zu erahnende Bitterkeit bei den Betroffenen auzuhellen, indem er die Lage aufklärt, Vorschläge für Aufwertungspolitik unterbreitet und nach den Verantwortlichen forscht.

 

Haushaltskrise in Preußen
fordert vom Volk Opfer   zurück

Während der Wirtschafts-, Staats- und Haushaltskrise 1929/32 unterbreitet Posadowsky als Abgeordneter des Preußischen Landtags Vorschläge zu ihrer Überwindung. Angesichts der desolaten und sich weiter verschlechternden finanziellen Lage der meisten Kommunen, tat er sich schwer, dafür salbungsvolle Worte zu finden. "Man muß im Gegenteil dem Volke sagen: Die Grundlage des Haushalts sind gesunde Finanzen, und diese Finanzen müssen selbst mit den Opfern des Volkes in Ordnung gebracht werden." (Posa 19.12.1930, 16638) Sparsamkeit, effektiviten Mitteleinsatz und Diszplin - bei strikter Einhaltung der Verfassung - bedarf die Haushaltskrise zu ihrer Überwindung. Man konnte sich noch unbeliebter machen, wenn man gegen die (manchmal unsinnigen) sozialen Subventionen polemisierte. Auch diese Möglichkeit nutzte der Landtagsabgeordnete aus Naumburg und äußert etwas wütig: "Mit einer Subventionspolitik wird das Geld des Steuerzahlers in einen Abgrund geworfen, der nicht mehr ausfüllen ist."

Große Sorgen bereitete ihm, dass im Land Preußen die Personalausgaben 1929 um 49,5 Millionen Mark stiegen und der Haushaltsfehlbetrag sich damit auf 88,5 Millionen Mark erhöht. "Das ist viel für den Staat Preußen", erläutert Posadowsky seinen Kollegen am 13. Dezember 1929 im Preußischen Landtag. "Es ist dringend notwendig, dass unsere Verwaltung wesentlich vereinfacht wird. Wir können die sehr aufgebauschte Verwaltung, wie sie nach der Revolution entstanden ist, finanziell nicht mehr länger tragen." (Posa 23. Januar 1932, 23886)

Verärgert darüber, das "drei Finanzminister hintereinander" "eine Senkung der Steuern versprochen" haben, sagt er in seinem Debattenbeitrag am 10. Dezember 1930 (16638) vor dem preußischen Landtag: "Wie die Herren Finanzminister diese Erklärung abgeben konnten, das kann ich nicht verstehen. Denn daß in einem Lande, das solche Reparationslasten zu tragen hat und durch die wirtschaftliche Krise so traurig darniederliegt, es nicht möglich sein würde, eine ernstliche Senkung der Steuern herbeizuführen, das ist klar."

Scharfe Kritik übte er an den Monstergehältern der Oberbürger- und Bürgermeister. Zwei von ihnen ließen in einem Ort mit 22 000 Einwohnern die Gewerbesteuern erhöhen, damit sie ihre Gehälter anheben konnten. (Posa 15.12.1928, 1628)

Statt der versprochenen Steuersenkung bekamen die Bürger eine fünfprozentige Erhöhung der Einkommensteuer, die Ledigensteuer, die Bürgersteuer und die Beamten-Steuer (in Form der Verkürzung der Beamtenbesoldung) (Posa 10.12.1930, 16638).

 

Kürzung der Lehrergehälter am Domgymnasium Naumburg 1931

Schülerzahl 1928/29: 176.

 

 

Quelle: Domarchiv Naumburg

 

Zur Bekämpfung der "Verbrecherseuche" forderte er eine starke Polizeitruppe. Als Gegenfinanzierung könnte nach seiner Ansicht der Ausbau der Akademien unterbleiben. Genussmittel wie Alkohol und Tabak, was ebenfalls nicht populär war anzukündigen, sollen stärker besteuert werden. Vor der Absenkung der wichtigen Steuern, ist aus finanzpolitischen Gründen zu warnen.

Als notwendiger denn je, begreift er das Weiterbestehen einer selbständigen Kirche und die Wahrung der Religionsfreiheit. In der natürlichen Autorität der Institutionen und Persönlichkeiten erblickt er notwendiges Moment der sozialen Erziehung und vernünftigen staatlichen Herrschaft. Ein unbequemer Gedanke, den nicht alle verstehen.

 

 

Konservativer Vordenker
der staatsbürgerlichen Erziehung   zurück

Als Dechant des protestantischen Domkapitels Rechtsritter des Johanniterordens übernimmt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner für die Domschule eine Vordenkerfunktion in der staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend.

Vom 29. August bis 1. September 1930 feiert die Domschule das neunhunderste Jahr ihres Bestehens, woran Vertreter der höchsten Staatsbehörden, der Kirche und benachbarten Universitäten als Gäste teilnahmen.

"Ich entsinne mich noch gut an die 900-Jahr-Feier der Schule im Sommer 1930," schreibt der Zeitzeuge Hans-Gert Kirsche (2006), "die mit großem Pomp begangen wurde. Als Vierjähriger sah ich aus einem Fenster unserer Wohnung am Bismarckplatz (der jetzt nicht mehr so heißt) den Festzug unter mir vorbeiziehen, in dem mein Bruder unter den Sextanern und mein Vater unter den Abiturienten des Jahrgangs 1907 mitmarschierten. Rührend und zugleich imponierend das Defilee dieser unzähligen dickbäuchigen, glatzköpfigen oder grauhaarigen alten Herren, die aus aller Welt gekommen waren, um mit der blauen Schülermütze auf dem Kopf das Jubiläum ihrer alten Schule zu feiern." 

Viele hundert Schüler und Gäste reisen Ende August 1930 nach Naumburg. Vor Beginn der Feierstunde müssen die Teilnehmer von der Aula in die Marienkirche am Dom umziehen. Auf dem

Festakt zum 900-jährigen Jubiläum
der Domschule

hält der 85-jährige Dechant Arthur Graf von Posadowsky-Wehner die Festrede. Sie kreist um die sittliche und ethische Erziehung der Jugend, deren Ziel er am 2. April 1918 in Dresden auf dem Christlich-Sozialen Kongress so absteckte:

"Wir sollten uns enger an das eigene Vaterland anschliessen und unsere Heimat höher schätzen lernen, die Jugend zu glühendem Staatsbewusstsein, zu Sparsamkeit, Sittenstrenge, Tüchtigkeit erziehen."

 

Stiftisches Domgymnasium

Studiendirektor Dr. Bruno Kaiser

Patronat
Domkapitel zu Naumburg an der Saale

Herr Staatsminister a.D.
Dr. Graf von Posadowsky-Wehner

 

"Das selbstlose Staatsgefühl ist es," betont er, "welches zur Größe eines Volkes führt, erhaben über den Streit der Parteien. Die höchste Aufgabe der Schule ist es deshalb, dieses Staatsgefühl in den Herzen der Jugend zu entwickeln .… Die Schule soll nicht nur wissenschaftlich lehren, ihre hohe Pflicht ist, sittlich zu erziehen." Von dieser Aufgabe hegt er programmatische Vorstellungen. "Religiöses Gefühl, Achtung vor dem Rechte der anderen, strenge Selbstbeschränkung, sachliches und damit gerechtes Urteil über den Menschen und Zustände, körperliche Selbstzucht, das sind die Aufgaben der ethischen Erziehung, welche der Schule neben der Bahn der Wissenschaft obliegen." (Zitiert nach Büchner 1933, 28)

Der von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner präsentierte Wertekanon der schulischen Erziehung gilt bei den Nationalsozialisten als nicht erstrebenswert, worin sich der Unterschied und Gegensatz zwischen wertkonservativer und nationalsozialistischer Denkweise spiegelt.

Das Projekt einer "weltanschaulichen Erziehungsgemeinschaft", die Baldur von Schirach in "Hitler Jugend. Idee und Gestalt" (1934) mit dem Rückgriff auf Kameradschaftlichkeit und Gemeinschaft aus der Gründerzeit der HJ um 1929/30 herleitet, lehnt Posadowsky strikt ab.

 

 

Aber man hörte kaum die Sätze,
in denen er von Recht
und Pflicht der Regierung sprach. Vossische Zeitung, 9. Juni 1928    zurück

Erst am 8. Juni 1928 sah der Vorwärts in Berlin eine besonders widerwärtige und beschämende Szene. Den Anlass bot die Konstituierung des neugewählten Preußischen Landtags. Zunächst fing es feierlich an. Vor der Sitzung fanden in der Hedwigskirche und im Dom Gottesdienste statt. Anschließend traten die Abgeordneten im Gebäude des Preußischen Landtages in der Prinz-Albrecht-Strasse (Niederkirchnerstraße) zur ersten Sitzung zusammen. Eröffnet wurde sie, berichtet am Tag darauf der Sozialdemokratische Pressedienst, durch den ehemaligen kaiserlichen Staatssekretär und Vizekanzler Posadowsky-Wehner "mit einem klugen Bekenntnis zur Republik". Leider waren die äußeren Umstände nicht dazu angetan, um dies von Seiten der Parlamentarier würdigen zu können. Der Alterspräsident erlaubte sich, ihnen ans Herz zu legen, den Rechtsstaat zu schützen und zu verteidigen, ihn vor jeder Art der Vergewaltigung zu bewahren. Zum gelungenen Staatsleben gehört bekanntlich auch etwas Kompromissbereitschaft, weshalb von ihm die Aufforderung erging, es möge doch jeder sich in einem natürlich gegebenen Maß mit der Staatsordnung abfinden, egal ob der Aufbau des Staates seiner innerlichen Auffassung Rechnung trage oder nicht. Das war für die parlamentarisch-kommunistischen Linke zu viel des Guten. "Schon während der Rede des 84-jährigen Posadowsky, der doch wahrhaftig keiner Partei wehtun konnte, gefielen sich einige Kommunisten darin, mit sinnlosen Zwischenrufen und Gebrüll die Stimme des Alten zu übertönen." (Vorwärts) Ihre Fraktion besaß im neugewählten Landtag 56 Mandatsträger, damit zwölf mehr als in der vorhergehenden Sitzungsperiode. Unmittelbar nach den ersten Worten stießen sie gegen Posadowsky die wildesten Schimpfworte aus: "Nieder mit der Regierung!", "Arbeitermörder!", "Amnestie!". Alles mit der kalten Ruhe, registrierte die Vossische Zeitung, die beinahe auf eine lange Vorübung schließen lassen könnte.

Als die Kommunisten die Freilassung zweier ihrer Abgeordneten, die vom Reichsgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Festungshaft verurteilt waren, beantragten, heizte sich die Stimmung schnell weiter auf. Über einen entsprechenden Antrag wollte die Fraktion ihre Teilnahme erwirken. Das Reglement verlangte dazu unbedingt die Zustimmung aller Abgeordneten, was jedoch Doktor Ponsick von der Christlich-Nationalen Bauernpartei wenig interessierte. Er dachte nicht daran, dies zu unterstützen, worauf es nun so weiterging: "Ein paar kommunistische Abgeordnete unter Führung des Abgeordneten Gohlke spazierten in aller Ruhe auf die rechte Seite des Hauses herüber, holten sich Ponsick heraus und schlugen ihm langsam aber gründlich die geballte Faust ins Gesicht." (LVZ 9.6.1928)

"Eine ganz andere Frage ist aber die", auf deren Beantwortung der Vorwärts (Berlin) drängt, "ob das Faustrecht mit der verstärkten kommunistischen Fraktion seinen Einzug ins Parlament halten darf."

Bei der Stimmungsmache zur Eröffnungssitzung, tat sich besonders der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Kaspar (1892-1985) hervor. So wie die Dinge liegen, darf daran erinnert werden, dass, während er einst noch beim tief reaktionären Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, der den Streikenden im März 1920 in den Rücken gefallen war, herumtollte, warf sich der Graf mit dem Verfassungsstaat gegen die Kapp-Lüttwitz Leute auf. Als Staatssekretär und Abgeordneter des Reichstages gestaltet er vom liberal-konservativen Standpunkt die ökonomischen Lebensfragen der arbeitenden Klasse und erreichte über die Sozialgesetzgebung historische Fortschritte. Ihm schlechterdings vorzuwerfen, dass er jetzt nicht auf die Barrikade klettert und die revolutionäre Sozialpolitik vollendet, löst den Verstand völlig von den Verhältnissen ab. Als er von den Rechten und Pflichten des Bürgers sprach, drohten seine Worte im Saal endgültig im Krach und Lärm unterzugehen.

Fünf Jahre später verhallen wieder ungehört Stimmen. Diesmal das Stöhnen und die quälenden Schreie der bürgerlich Oppositionellen, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Kommunisten, die in den Kellern der SA-Feldpolizei misshandelt und gefoltert werden.

 

 

Diese Politik ist nicht mehr erträglich  zurück
Posadowsky-Wehner am 16. Februar 1932

In der Besprechung des Reichkanzlers mit Gewerkschaftsvertretern am 15. Juni 1931, 12 Uhr, erheben einige Teilnehmer gegen die Politik der Notverordnungen ernste staatsrechtliche Einwände. "Die Notverordnung enthalte" Dinge, bringt ein Gesprächspartner zum Ausdruck, die nicht zu verteidigen seien." Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), Herr Theodor Leipart, erklärte in dieser Beratung, "daß er trotz des Gehörten, das für ihn kaum Neues gebracht habe, nicht davon überzeugt sei, daß die Notverordnung unabänderlich sei. Die Gewerkschaften seien vielmehr überzeugt, daß die praktische Durchführung der Notverordnung ins Chaos führe." Der Gewerkschaftsmann fürchtet (a) die gefährliche Volksstimmung, (b) einen Rechtsrutsch und (c) die sozialen Folgen. Posadowsky-Wehner macht hingegen vor dem Preußischen Landtag vor allem verfassungs- und staatsrechtliche Einwände geltend. Für ihn steht fest:

"Man hat das Notverordnungsrecht missbraucht, um Gesetze durchzubringen, die mit der öffentlichen Ordnung nichts zu tun haben .…"

"Nein, meine Herren von der Regierung," reibt er ihnen am 16. Februar 1932 unter die Nase, "man kann einen Verfassungsstaat, von dem man behauptet, dass er der freieste Staat der Welt sei, und ein Volk mit mehr als tausendjährige Kultur nicht mit solchen Notverordnungen regieren." Um die Tragweite zu verdeutlichen, zitiert er die englische "Times" mit dem Satz: "Die jüngste Notverordnung stellte Eingriffe in die bisherigen Rechtsverhältnisse insbesondere privatrechtlicher Art dar, wie sie bisher außerhalb der Sowjetrepublik noch nicht dagewesen seien."

 

 

Sein Herz schlug für Deutschland!    zurück

Am 23. Oktober 1932 stirbt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner im Alter von siebenundachtzig Jahren in Naumburg.

 

Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1845-1932)

Nach einem Porträt von
Fritz Amann (1878-1969)
aus dem Jahr 1912.

 

Jetzt trauern sie um ihn. Begleiten ihn auf seinem letzten Weg. Ein respektables Staatsbegräbnis, wie man hörte, soll es gewesen sein. Doch wo waren sie, als es darauf ankam, der bürgerlich-nationalen Politik eine demokratische und volkwirtschaftlich reale Reformperspektive zu geben? Da hießen ihre Helden und Sympathieträger Max Jüttner (1, 23), Theodor Duesterberg (123), Franz Seldte (Stahlhelm), Kamerad Löwe (Stahlhelm), Georg Schiele (DNVP), nach 1930 Friedrich Uebelhoer , NSDAP-Ortsgruppe, und 1932 Doktor Wolfgang Schöbel, Vorsitzender des Kreisvereins der Deutschnationalen Volkspartei. Warum hakten sich die Bürger nicht bei Posa unter? W a r u m?

Sein sittlich-christlicher Verhaltenscodex von antisemitischer und -rassistischer Dignität stößt Ende der zwanziger Jahre zunehmend auf den Rassenwahn der Rechten. Dazu kam noch die oft zelebrierte peinliche Kraftmeierei, die Überschätzung Deutschlands wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. All dies war überhaupt nicht nach Art des Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, weshalb ihn die streng nationale Familie nicht ästimierte.

Die politische Sprache von Posadowsky-Wehner ist sachlich und korrekt, vielfältig, anspruchsvoll und durchschlagskräftig. Aber sie passte nicht zur herrschenden politischen Mode: Hetze gegen die Juden, moralisch überbordendes Deutschtum, Vitalisierung der Feinbilder von 14/18, Produktion antiwestlicher Stimmungen, selbstverliebter, aggressiver deutscher Nationalismus, offene und versteckte, intensive Diskreditierung der Demokratie, Verdammung der Friedensaktivisten, Sozialisten und Kommunisten.

Wiederholt setzt sich Posa mit der Entstehung, der schrecklichen und tragischen Wirkung von Feindbildern in der Literatur, Kunst und Politik auseinander. Eine Fortschreibung oder Vitalisierung des Feindbildes 14/18 kam ihn nicht in den Sinn. Wiederum dachte und politisierte die streng nationale Familie darüber völlig anders.

In der Rede am 24. August 1924 zur Einweihung der Gedenktafel im Naumburger Dom setzt er kritische Akzente zum Westen, verwirft aber nicht sein Fortschrittskonzept. Der ehemalige Handelspolitiker wollte den Fehler der "Kabelabschneider" von 1914 nicht wiederholen. Für ihn war kaum vorstellbar, was Thomas Mann 1918 i den "Betrachtungen eines Unpolitischen" (1918) anzettelte, die deutsche Kultur von der Politik des Westens und seiner zersetzenden Kultur abzuschirmen.

Und die Linke? Was tat sie? Etwa so:

`Höre ich Posa? - Ach nee, der ist doch konservativ!`

Das reichte vor allem für den Kommunikationsabbruch. Außerordentlich erschwerend kam hinzu, dass sie nicht zwischen "konservativ" und "reaktionär" unterscheiden wollte.

Trotzdem, die Linken brauchten ihn mit seinem Wissen und den Erfahrungen auf dem Gebiet der Sozial-, Haushalts-, Rechts- und Geldpolitik. Und in der Frage der Verteilung und Schwerpunkte staatlicher Investitionen, Fördermaßnahmen und Unterstützungen zugunsten der breiten Masse, konnten sie - wenn sie wollten - voneinander lernen.

Posa definierte die Wohnungsfrage als die wichtigste politische Frage überhaupt, was das Herz eines jeden Linken höherschlagen lassen musste! Aber nein, sie verschmähten ihn, obwohl sein Konzept von bemerkenswert ganzheitlicher Programmatik, mit fast sozialrevolutionärem Charakter aufwartete. In ihren Augen machte er den Fehler, privates Kapital zur Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem heranzuziehen. In der Tat, er erachtete dies für unbedingt notwendig.

Eine durchgreifende Wirkung im Verhältnis der Linken, speziell der kommunistischen Linken, zu Posadowsky, haben die Konflikte zu Religion und Kirche. Als Abgeordneter des Preußischen Landtages plädierte er 1931 für die Selbständigkeit der Religionsgemeinschaften zur Regelung ihrer inneren Angelegenheiten und für eine freie, starke, selbständige Kirche. Darüber dachte die kommunistische Linke völlig anders. Ihr Schlachtruf lautete: "Heraus aus der Kirche!" Antiklerikale Affekte gingen in Naumburg, was hier lediglich angedeutet werden kann, von einer religionspolitisch initiierten Wohnungsräumung, Debatten um das Langemarck-Denkmal und einem starken Hang der Kirchenmitarbeiter zur Deutschnationalen Volkspartei aus. Möglicherweise übertrugen sich die damit verbundenen Stimmungen und sie begleitende negativen Emotionen auf die Person Posadowsky-Wehner. Wobei er, getragen von christlich-humanistischen und allgemeinen Tugendkoventionen sich gegenüber  a l l e n  Bürgern hochanständig verhielt.

Enorme menschliche und politische Potenzen blieben ungenutzt, weil ein Ensemble von traditionellen Meinungsmachern aus SPD, Reichsbanner, sozialistischen Sportvereinen, KPD, Gewerkschaften und Kulturkartell in Naumburg die Bündnisfrage in der Sphäre der Progression konstruierte. Hiervon die Anpassung, die Erhaltung und den Verfall abtrennte und damit die Einheit des historischen Prozesses zerstörte. Andernfalls wäre die Handlungsnot als zwingend erkannt. Außerdem kamen eine Reihe handfester organisatorischer und ideologischer manifester Parteiinteressen hinzu, die das nicht zuliessen.

Posadowsky`s demokratischer Wille entstand nicht erst nach 1918. Schon als kaiserlich Ministerieller offenbarte er hierzu manchmal Neigungen, nimmt hierfür Schwierigkeiten und Ungemach auf sich, etwa, wenn er die verantwortungsvollen Aufgaben eines Staatssekretärs durch Einbeziehung des Parlaments und der Parteien lösen will. Gleichwohl vermittelt ihm die Deutsche Revolution 1918/19 und die Parlamentarisierung essenzielle Impulse. Nichtzuletzt schlug sich dies bei ihm in der Hinwendung zu schwierigen, hoch anspruchsvollen sozio-ökonomischen Problemen nieder. Wie ernst es ihm mit dem Aufbau einer demokratischen Gesellschaft ist, beweist er nach 1918 mit seiner Staats- und Rechtstheorie, den Beiträgen zur demokratisch-sozialen Wohnungspolitik und persönlichen Einsatz für eine volkwirtschaftlich vernünftige Geldpolitik, der prinzipiellen Wertschätzung der Öffentlichkeit als Meinungsbildner im Vorfeld der Herrschaft des Volkes - nicht aber ihrer Führer! - und strikten Ablehnung der Notverordnungen.

Am 13. Dezember 1929 erweist er der Linken im preußischen Landtag seine Referenz, indem ihre Leistung als Bewegung würdigt: "Wir haben in keinem Land Europas so eine aufsteigende Klassenbewegung wie in Deutschland." Den gedanklichen Bogen schließt er mit dem Einsetzen des Schlußsteins: Darüber kann man sich nur freuen.

Nicht allen, nichtsdestoweniger fundamentalen Forderungen der Arbeiterbewegung trat er achtungs- und verständnisvoll gegenüber. Zwar führte er phasenweise einen energischen ideologischen Kampf gegen die Linken und ihre Parteien. Niemals wollte oder würde er je den Streit mit ihren Anhängern vor den Toren von Zuchthäusern und Konzentrationslagern austragen. Demokratie nach Kassenlage, Notverordnungen, lehnte er ab! All das bleibt von der Progressions-Linken unreflektiert und unbeantwortet. Der Ball wird nicht zurückgespielt. Und doch war er der Linken ein fairer, menschlich und moralisch anständiger Gegner! Von diesem Politiker-Format sah die deutsche Geschichte nicht viele.

"Jedenfalls bleibt er in Erinnerung," gedenkt die Frankfurter Zeitung 1932 seiner, "als einer der Aufrechten aus der wilhelminischen Zeit." Ungeachtet dessen warten bis heute namhafte Publikationen mit dem Fehlurteil vom "Gegner der republikanischen Staatsordnung" auf.

 

 

Unser nationales Erbe:
Der Deutschland-Plan, Posadowsky-Codex, Erste Hauptsatz der Sozialpolitik und die volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik

 

Der Deutschland-Plan   zurück

Zu wichtigen Fragen der Zeit nahm Posadowsky, gemessen an den Bedürfnissen der Gesellschaft, eine fortschrittliche und moderne Haltung ein. Für alle, die nicht dem Aberglauben verfallen, dass man dies nur als Sozialdemokrat, Politiker der Mitte oder Linkspolitiker kann und darf, entsteht daraus kein Problem.

Viele Konservative befürchteten wie es Thomas Mann den "Betrachtungen eines Unpolitischen" (1918) prophezeit, dass der geistige Krieg mit den westlichen Literaten, die das Wörterbuch der französischen Revolution hüten, verloren geht und Deutschland zum westlichen Demokratismus konzediert. Zwar war ihm der Missionarismus des US-Präsidenten Woodrow Wilson (1856-1924) nicht geheuer, litt aber nicht unter "stramm" deutschnationalen Okkupations- und Verlustängsten.

Als Alternative entwarf Posadowsky nach der Revolution in mehreren Etappen und zu unterschiedlichen Anlässen eine Sammlung von Ideen und Vorschlägen über die Zukunft der Nation, den

Deutschland-Plan.

Er stützt sich nicht auf das Fundament eines militärisch, aggressiven Nationalismus, sondern unterscheidet genau zwischen dem gefährlichen, militanten, rassistisch aufgeladenen Nationalismus und der Notwendigkeit einer kulturvollen deutschen nationalen Identität.

Im Ergebnis seiner Studien zum Völkerbund, der Polen-Frage, zur Entstehung staatspolitisch relevanter Feindbilder und der Zukunft des Deutschtums gewann Posadowsky die Einsicht, dass Deutschland das Vertrauen der Staaten und ihren Respekt nicht durch eine Neue Weltpolitik gewinnen kann, wohl aber mit Arbeit, Tüchtigkeit, technischem Erfindergeist und einem funktionstüchtigen Rechtsstaat im Inneren. Das Projekt ruht auf dem Fundament des demokratischen Verfassungsstaates, der Republik, wovon er zu keinem Zeitpunkt abrückt. In dieser Frage lehnt er jeden Kompromiss ab und steht jeden Durchbruch der Verfassung und Missachtung der Gesetze, und sei es durch die Exekutive oder Legislative, ablehnend gegenüber. Der Naumburger entschied sich aus Anlass der Landtags- und Reichstagswahlen anders, eigentlich deutlich dagegen, nämlich für die Politik des Stahlhelms, der militanten Kriegerverbände und Kolonialgesellschaft, also deutschnational in der alldeutschen, völkischen Diktion von Georg Schiele, dessen Ziel es war, die Verfassung der Weimarer Republik, also letztlich den Staat, zu deligitimieren.

[Demokratie zurück] Bei Posa schrumpft die Demokratie nicht auf die Lehre von den Institutionen (Parlament, Verfassungsgericht, Wahlrecht, Wahlkreisgestaltung) zusammen. Ohne ein Repertoire bestimmter sozialer Verhaltensweisen, wie Offenheit, Wahrhaftigkeit, Achtung der Öffentlichkeit, kann sie nicht ins Leben treten, erweisen ihr die Massen nicht den notwendigen Respekt. Das erkannten wohl nur wenige so genau wie er. Dies erfordert, woran er keinen Zweifel hegte, dass die politische Erziehung mittels Gewalt in den unterschiedlichsten und versteckten Existenzformen zu ächten, das gesellschaftliche Leben bis in die Familien hinein frei von Unterdrückung, Androhung oder Einsatz von Gewalt zu gestalten. Eine demokratische Großtat für Gerechtigkeit gelang ihm mit der konsequenten Ablehnung der antisemitischen Hetze und Propaganda. Der Posadowsky-Codex bereichert die demokratische Kultur um die Überwindung des Großmachtdenkens und die politische Überheblichkeit. Sein Deutschland ringt mit Qualitätsarbeit, technischem Erfindergeist, Rechtsstaatlichkeit um Anerkennung in der Welt. Selbstverständlich ist ihm die Religionsfreiheit und Selbstständigkeit der Kirche gegenüber dem Staat eine hohes, unveräußerliches Gut.

[Gerechtigkeit   zurück] Getreidehalunken, Schieber, Mädchen- und Frauenhändler, Schuhwucherer, Nahrungsmittelfälscher, KursjägerKriegstreiber und -gewinnler bedrohen unseren Glauben an die Gerechtigkeit. Trotzdem darf der Staat und seine Regierung diese politische Idee niemals aufgeben. "Das Ziel, auf das jede Regierung hinarbeiten muss, ist die Gerechtigkeit; sie ist das Ziel, das die Menschen sich setzen, wenn sie sich zusammenschließen", schreibt 1831 Alexis de Tocqueville in Über die Demokratie in Amerika (158). Dieser Tradition fühlt sich Arthur Graf von Posadowsky-Wehner verpflichtet. Ihm ist ferner wichtig, den Bürger vor der Unterdrückung durch die Regierung zu bewahren und die Minderheit vor dem Terror der Mehrheit zu schützen. Letzteres sind Momente, die in der deutschen Demokratietheorie und -praxis oft eine untergeordnete Rolle spielen, sehr wohl aber aus der utilitaristischen Lehre des John Stuart Mill (Über die Freiheit, 1859) gut bekannt sind. Über Posadowsky liegen flüchtige Angaben zu längeren Aufenthalten in England vor ....

Seine Grundsätze stehen im Einklang mit der modernen Verfassungstheorie: "Die wirkliche Demokratie ist zur gleichen Zeit auch der Schutz der Minderheiten und zwar selbst der Minderheiten," lehrt Karl Löwenstein (351), "die unpopuläre politische Meinungen vertreten. Nach den demokratischen Grundsätzen ist die Ächtung irgendeiner politischer Auffassung, was immer auch ihr unterstelltes, vorgegebenes oder wirkliches politisches Ziel sei, unzulässig …."

Gewiss traf er politische Entscheidung, etwa auf dem Gebiet der Zollpolitik, die hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit ambivalente Auswirkungen zeitigten. Das war so und ist in der Klassengesellschaft unvermeidlich. Zugleich mühte er sich redlich, den Maßstab der Gerechtigkeit in den verschiedenen Politikfeldern Anerkennung zu verschaffen. Darunter die Geldpolitik, im Rechtsstaat durch die Gleichheit vor dem Gesetz oder in der Sozialpolitik als Ausgleich von unternehmerisch und volkwirtschaftlich bedingten Einkommensunterschieden.

[Rechtsbewusstsein   zurück] Nur ganz wenige seiner Profession durchdrangen die Fragen der Zeit so tief und gründlich wie Graf Posadowsky. Sein Beitrag zum sozialen Fortschritt der Nation und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der werktätigen Klasse leben über die Zeiten fort. Er verwarf die politische Idee, die Weimarer Republik rechtlich zu delegitimieren, wie es DNVP-Politiker Georg Schiele aus Naumburg beabsichtigte und natürlich das Konzept vom Kapp-Lüttwitz Putsch. Weitsichtig trat er als Abgeordneter des Preußischen Landtages für die Konstituierung und den Schutz des Verfassungsstaates ein. Das Bedürfnis des Bürgers nach Freiheit und persönlicher Sicherheit soll sich entfalten können, was durch die Innen- und Rechtspolitik adäquat begleitet werden muss.

Rechtssicherheit als Vorbedingung für die Freiheit, dies sollte aufhorchen lassen, besonders die kommunistische Linke. Tat es aber nicht. Für sie war Posadowsky wohl ehr ein Reaktionär. Gewiss trennte sie, was nicht zu übersehen, in der Kirchen-, Schul- und Bildungspolitik, sowie in der Sozialisierungs- und Kriegsschuldfrage tiefgreifende Wertekonflikte. Trotzdem gab es gesellschaftspolitische Interferenzen zu Themen, die eine Gestaltung ermöglichten: Reform, Republik, Herrschaft durch gerechte Verhältnisse, Demokratie als Mitbestimmung, Geldwertstabilität, Kontinuität der Sozialpolitik, Wohnungen für die Unterklasse, Ablehnung der Notverordnungen.

[Der Posadowsky-Codex  zurück] In diesem Kontext ist für den demokratischen Staat die Herausbildung eines modernen, menschenwürdigen und von allen Bürgern gepflegten Rechtsbewusstsein von existentieller Bedeutung. Darauf legte der Graf größten Wert.

Der Posadowsky-Codex

verpflichtet, die Rechte des anderen zu achten, ihn nicht zu verletzen, stets um ein sachliches und gerechtes Urteil über Bürger, Zustände und Verhältnisse zu ringen, körperliche Selbstzucht und strenge Selbstbeschränkung zu üben, die vom Citoyen verlangen, ein selbstloses Staatsgefühl und hohes Rechtsbewusstsein auszubilden.  (Vgl. Posadowsky Rede 25.08.1924)

Nah bei den Bürgern und seinen wirklichen Nöten, engagiert sich der 80-jährige weiter für eine gerechte und volkswirtschaftlich vernünftige Geldpolitik. Als Parlamentarier beeindruckt er in der Inflations-, Aufwertungs- und Geldpolitik durch eine hohe Strategiefähigkeit und Resilienz gegen Anfeindungen. Er stritt und bekämpfte, wie er in der Rede vom 27. Februar 1929 vor dem Preußischen Landtag darlegt, die Verantwortungslosigkeit der Aufwertungsgesetzgebung, die das Vertrauen vieler Bürger in die Institutionen des Staates von Grund auf zerstörte.

[Identität Sozialstaat  zurück] Nach allen Erfahrungen, Niederlagen, verheerenden ökonomischen Krisen und Kriegen, entstand in Deutschland das gesellschaftliche Bedürfnis nach einer historisch neuen Identität. Der Sozialstaat auf Grundlage einer technisch-ökonomisch leistungsfähigen Volkswirtschaft kann ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sein.  zurück   In ihm stehen die Bürger aller Klassen und Schichten gleichberechtigt und anerkannt unter der Herrschaft des Gesetzes eines liberal, humanen und auf gesetzlicher Grundlage tätigen Staates, der soziale Lebenschancen für alle sichert. Synchron dazu, auf dem konkreten historischen Niveau der Produktivkräfte, muss er immer wieder neu auf gerechte Verhältnisse im Arbeitsleben, Bildungs-, Schul- und Gesundheitssystem sowie in der Wohnungs- und Geldwirtschaft  d r ä n g e n.

[Die anstrengende Republik   zurück] Den Bürger erwartet mit Posa´s Deutschland-Plan die

anstrengende Republik.

Sie verlangt von ihm die Übernahme umfangreicher gesellschaftlicher Pflichten, vornan die unbedingte Achtung der Gesetze und der demokratisch erstimmten Verfassung. Doch die Einen - Welt- und Rassenpolitiker, Blitzkrieger, Lebensraumeroberer, Sozialisten- und Kommunistenhasser - wollten dies nicht. Andere träumten von der klassenlosen Gesellschaft und wussten die sozial-ökonomischen Fortschritte der 20er Jahre nicht angemessen zu würdigen. Ungeachtet aller Erfahrungen mit Gewalt in der Politik, Rassenhass, Kriegslüsternheit, Notstandsverordnungen und Arbeitslosigkeit, pflegten die Legalisten weiter ihre Illusionen von der unendlichen Reichweite der politischen Macht der Demokratie. Es blieb die Herrschaft der Masse. Gleichgültig gegen ihre eigenen Interessen, erschien ihr sowieso alles belanglos. Dummerweise bildeten sie - die Unpolitischen - die große Mehrheit! "Diese politisch und wirtschaftlich wertlose Masse verschuldet es," schimpft Posadowsky (V&R 228) verärgert, "wenn die überwiegende Volksmeinung durch rührige und skrupellose Berufspolitiker entstellt oder unterdrückt wird."

Jedenfalls konnte die Hitler-Bewegung so nicht niedergeworfen werden.

Unverzagt ging Arthur Graf von Posadowsky-Wehner seinen Weg durch die Umbrüche, Wirren und Stromschnellen der Geschichte. Unter seiner Führung und Obhut wählte Deutschland nicht den Weg in die faschistische Diktatur und überzog die Völker der Welt nicht mit Krieg. Größere Ehre und Würdigung kann einem deutschen Politiker dieser Epoche nicht zuteilwerden.

 

 

 

Quellen   zurück

 

Abkürzungen im Text:

BT = Berliner Tageblatt

BZ = Berliner Zeitung

FZ = Frankfurter Zeitung

GA = Grazer Abendblatt

JV = Jenaer Volksblatt

NBT = Naumburger Tageblatt

LVZ = Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes

VZ = Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen

V&R = Arthur Graf von Posadowsky-Wehner: Volk und Regierung im neuen Reich, 1932

VS = Volksstimme. Sozialdemokratisches Organ für den Regierungsbezirk Magdeburg

Vorwärts = Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

 

 

Inhaltsverzeichnis

Reden und Vorträge von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet.

Über Arthur Graf von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet

Arbeiterbewegung, SPD, Karl Marx, Karl Kautsky, Eduard Bernstein, Franz Mehring, Wilhelm Keil - alphabetisch geordnet

Politiker

Wissenschaftliche Beiträge

Weitere Literatur, besonders auf Ereignisse orientiert

 

 

Reden und Vorträge von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet.

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede im Reichstag. 6. Sitzung am 27. November 1893. In: Parlamentsberichte. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 28. November 1893

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede im Reichstag. 7. Sitzung des Reichstages am 28. November 1893. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 29. November 1893

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. 37. Sitzung des Reichstages am 29. Januar 1894. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. II. Session. Zweiter Band. Von der 33. Sitzung am 23. Januar 1894 bis zur 63. Sitzung am 5. März 1894. Von Seite 809 bis 1615 Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1894, Seite 908 bis 911

[Posadowsky-Wehner: Rede im Reichstag]. Deutscher Reichstag. "Ostdeutsche Rundschau." Wien, den 30. Jänner 1894

Posadowsky-Wehner: [Rede im Reichstag.] Reichshaushaltetat für 1894/95. am 14. März 1894. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1907, Seite 192 ff.

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. 38. Sitzung des Reichstages am 30. Januar 1894. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 31. Januar 1894

Posadowsky-Wehner: Rede. Reichstag. 16. Februar 1895. 39. Sitzung. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des "Vorwärts". Berlin, den 17. Februar 1895

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. [Diskussion des Antrages Friedberg = von Kardorff = Lieber = Graf Mirbach betreffend die Veranstaltung einer internationalen Konferenz für die Währungsfrage]. 16. Februar 1895. 39. Sitzung des Reichstages. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 17. Februar 1895

Zuckersteuer. [Rede Reichstag 12. März 1897] In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1907, Seite 488 bis 503

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 4. Sitzung des Reichstages. 6. Dezember 1897. Erste Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die deutsche Flotte. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 58 bis 60

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 13. Dezember 1897 [U.a: Kritik an August Bebel, Koalitionsverbot]. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung]. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 171 bis 176

Posadowsky-Wehner. Rundbrief. Aktenstück vom 11. Dezember 1897. [Abgedruckt in] Arbeitertrutz, kein Arbeiterschutz!. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1898, Seite 1

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 12. Sitzung des Reichstages. 16. Dezember 1897. Fortsetzung und Schluss der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 287 bis 288

Posadowsky-Wehner: 65. Novelle zum Flottengesetz. Am 8. Februar 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 294 bis 299

Posadowsky-Wehner: 65. Novelle zum Flottengesetz. Am 10. Februar 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 299 bis 303

Posadowsky-Wehner: 2. Verfassungsfragen. Am 12. Dezember 1898. [Rede vor dem Reichstag] In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 4 bis 9

Posadowsky-Wehner: Elsaß Lothringen. [Rede vor dem Reichstag] 13. Dezember 1898. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 9 ff.

Posadowsky-Wehner: Wieder Bebel. Am 15. Dezember 1898. [Rede vor dem Reichstag] In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 10 bis 13

Pro domo. Am 13. Dezember 1899. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 233 bis 236 [Reichstagsrede vom 13. Dezember 1899]

Posadowsky: Rede. Buren - Landwirtschaft - Flotte. [Reichstagsrede vom 14. Dezember 1899]: In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 237 bis 241

Enqueten des Grafen Posadowsky. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 4. Okober 1900

Posadowsky-Wehner: Rede. 12. Dezember 1900. 18. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. X. Legislaturperiode. II. Session 1900/02. Erster Band. Von der Eröffnung am 14. November 1900 bis zur 35. Sitzung am 28. Januar 1901. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1901, Seite 488

Posadowsky-Wehner: Gegen den Abgeordneten Bebel. Am 12. Dezember 1900. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 397 bis 398

Posadowsky-Wehner: Eröffnung des Deutschen Fes. Am 8. Januar 1901. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 398 bis 399

Posadowsky-Wehner: Rede. [Affäre Buck-Woedtke-Posadowsky]. Reichstag. 33. Sitzung 12.01.1901. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 13. Januar 1901

Posadowsky: Rede auf der 30. Versammlung des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose am 23. März 1901. In: Graf Posadowsky als Finanz- Sozial- und Handelspolitiker. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig 1908, Seite 499

Posadowsky, Staatssekretär Graf von: Rede. 111. Sitzung des Reichstags. 12. Dezember 1901. [Erste Beratung des Zolltarifgesetzes] In: Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 13. Dezember 1901

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von, Staatsminister, Staatssekretär des Inneren:
Rede vor dem Reichstag. Zweite Beratung des Reichshauhalts-Etats für das Rechnungsjahr 1902. 124 Sitzung. 22. Januar 1902. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. X. Periode. 10. Legislaturperiode, II. Session 1900/03. Vierter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags Anstalt, Berlin 1902, Seite 3583 bis 3586

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Januar 1904. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, I. Session. Erster Sessionsabschnitt1903/04 Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 3. Dzember 1903 bis zur 29. Sitzung am 10. Januar 1904. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1904, Seite 267 bis 270

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Debattenbeitrag am 29. November 1904 auf der 101. Sitzung des Deutschen Reichstages. In: "Jenaer Volksblatt". Jena, den 1. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner: Rede vor dem Reichstag am 13. Dezember 1904. In: Dämmerung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 16. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner [Bericht über seinen Debattenbeitrag zur Zwangsversicherung des Handwerks am 13. Dezember 1904 im Reichstag] In: Dämmerungen "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. Dezember 1904

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 145. Sitzung des Reichstages. 22. Februar 1905. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, I. Session. 1903/05. Zweiter Sessionsabschnitt vom 29. November 1904 bis zu Schluss der Session 30. Mai 1905. Sechster Band. Von der 127. Sitzung am 25. Januar 1905 bis zur 150. Am 27. Februar 1905. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1905, Seite 4697 bis 4700

Verfügung des Staatssekretärs des Inneren Dr. Arthur Gaf von Posadoswsky. 19. Juni 1905. In: Aufbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904). 1. Band: Grundfragen der Sozialpolitik. Bearbeitet von Wolfgang Ayass. (Quellensammlung. Zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914). Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz 2016, Seite 663 bis 664

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 19. Sitzung des Reichstages. 12. Dezember 1905. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. 1906/06. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 28. November 1905 bis zur 31. Sitzung am 30. Januar 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, 237-241

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Von der 32. Sitzung am 31. Januar 1906 bis zur 58. Sitzung am 6. März 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1047 bis 1051

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 88. Sitzung des Reichstages. 26. April 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis zur Vertagung der Session. Vierter Band. Von der 88. Sitzung am 26. April 1906 bis zur 115. Sitzung am 28. Mai 1906. Von Seite 2701 bis 3589. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 2708 bis 2711

Posadowsky-Wehner: Rede. 139 Sitzung. Reichstag. 12. Dezember 1906. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 13. Dezember 1906

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 5. März 1907 In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I. Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30.Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 252 bis 253

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Sitzung des Reichstages. Sonnabend, den 9. März 1907. Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, Befähigungsnachweis, Ausverkaufswesen, Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen, Arbeitskammer. In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I. Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 344 bis 347

Posadowsky-Wehner: Rede. Reichstag. 14. Sitzung. 9. März 1907. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 10. März 1907

Posadowsky, Arthur Graf von: Ansprache zur Elften Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose [Auszug]. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 24. Mai 1907

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Luxus und Sparsamkeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1909

[Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von]: Sparsamkeit und Luxus. "Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokratie". Wien, den 8. Juni 1909

Posadowsky. Die Wohnungsfrage als Kulturproblem. Vortrag, gehalten in München am 5. Januar 1910 in einer öffentlichen Versammlung des Bayerischen Verbandes für Wohnungsförderung. München Ernst Reinhardt, 32 Seiten. Rezension. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der Sozialdemokratie. 28 (1909-1910), Zwei Bände (1910), Heft 42, Seite 541 bis 542

Posadowsky-Wehner: Die Wohnungsfrage, ein Kulturproblem. [1910]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 140 bis 150

Posadowsky-Wehner: Eröffnungsrede auf dem Wohnungskongress. Der zweite deutsche Wohnungskongress. "Der Arbeiter-Zeitung". Wien, 25. Juni 1911

[Bielefelder-Rede] Graf Posadowskys Kandidatenrede. "Lands-Zeitung". Bregenz, den 1. Dezember 1911

[Jenaer Rede] Eine Rede des Grafen Posadowsky über die politische Lage. [Gehalten am 18. Januar 1912 im Volkshaus-Saal von Jena.] "Jenaer Volksblatt". Jena, 20. Januar 1912

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. Mittwoch, den 28. Februar 1912. 15. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 283 Stenographische Berichte. Von der Eröffnungssitzung am 7. Februar 1912 bis zur 28. Sitzung am 16. März 1912. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1912, Seite 329 bis 333

Posadowsky-Wehner: Rede vor dem Reichstag 1912. Reichstag. 46. Sitzung. 25. April 1912. Erste Beratung der Wehr- und Deckungsvorlagen wird fortgesetzt. "1. Beilage des "Vorwärts". Berliner Volksblatt. Vorwärts. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 26. April 1912

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. 25. April 1912. 46. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 284. Stenographische Berichte. Von der Eröffnungssitzung am 18. März 1912 bis zur 50. Sitzung am 29. April 1912. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1912, Seite 1426 bis 1428

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede im Reichstag. 6. Februar 1913. 105. Sitzung. In: Verhandlung des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session. Band 287 Stenographische Berichte. Von der 92. Sitzung am 16. Januar 1913 bis zur 110. Sitzung am 12. Februar 1913. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin SW, Wilhelmstraße Nr. 32, Berlin 1913, Seite 3548 bis 3549

[Posadowsky-Wehner] Was regiert die Stunde. 1915. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 38 ff.

[Kriegsfolgen] Dr. Graf von Posadowsky-Wehner [Stellungnahme zu Kriegsfolgen]. "Neues Wiener Journal." Wien, den 5. August 1915

Posadowsky-Wehner, Graf von: Wahlfragen. 8. April 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 82 ff.

Posadowsky-Wehner erklärt. Nochmals die Kühlmann-Reden. Abgeordneter Graf von Posadowsky-Wehner erklärt. "Neues Wiener Journal. Unparteiisches Tagblatt". Wien, den 27. Juni 1918

Posadowsky-Wehner: Stimmungen. Verfasst am 4. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 17 bis 26

Posadowsky-Wehner: Am Scheideweg. Verfasst am 28. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 42 ff.

Posadowsky-Wehner, D. Dr. Graf: Vor und nach dem Kriege: Vortrag des Grafen Posadowsky. Schlusswort: Franz Behrens. [Hefte der freien kirchlich-sozialen Konferenz, Heft 57]. 1918

Posadowsky-Wehner: Wohnungsnot und Freizügigkeit. [12. Oktober 1918] In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 136 bis 139

Posadowsky-Wehner: Wider dem Strom. Verfasst am 12. Dezember 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 47 ff.

[Posadowsky-Wehner] Vortrag des Grafen von Posadowsky-Wehner. "Naumburger Tageblatt." , Naumburg, den 17. Januar 1919

[PWd] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. 7. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 326. Stenographische Bericht. Von der 1. Sitzung am 6. Februar 1919 bis zur 26. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW 1920, Seite 79 bis 88

Posadowsky-Wehner: Aus tiefer Not [27. März 1919]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 54 ff.

Posadowsky, D. Dr. Graf von: Rede in der Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung in Weimar am 27. März 1919. In: Die Abrechnung mit der Revolution. Reden des D. Dr. Graf von Posadowsky und der Abgeordneten von Kardorff und Hergt in der Verfassungsgebenden Preußische Landesversammlung in Berlin am 26. und 27. März. Deutschnationale Schriftenvertriebsstelle G.b.m.H., Berlin 1919, Seite 3 bis 12

[PWa] Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919. 30. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 836 bis 839

[PWb] Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 13. März 1919. 27. Sitzung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 327. Stenographische Bericht. Von der 27. Sitzung am 13. März 1919 bis zur 52. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 752 bis 754

Posadowsky in der deutschen Nationalversammlung. Debatte über die Friedensbedingungen. In: Deutsche Nationalversammlung. "Grazer Abendblatt". Graz, den 13. Mai 1919

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages. 22. Juni 1919. In: Politische Reden III. 1914 bis 1915. Herausgegeben von Peter Wende unter Mitarbeit von Andreas Fahrmeir. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Mai 1994, Seite 271 bis 287

Posadowsky-Wehner, Graf von: Rede. 9. Juli 1919. Nationalversammlung. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 10. Juli 1919

[PWc] Posadowsky-Wehner, Graf von: Rede. 7. Oktober 1919. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. In: Verhandlungen der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 330. Stenographische Bericht. Von der 91. Sitzung am 4. Oktober 1919 bis zur 112 Sitzung am 29. Oktober 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 2892 bis 2900

Posadowsky-Wehner: Rede. In der Sitzung der Nationalversammlung. am 7. Oktober 1919. In: "Arbeiter-Zeitung, Zentralorgan der Sozialdemokratie Österreichs". Wien, den 8. Oktober 1919, Seite 3

Posadowsky-Wehner, Graf von: Rede. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 7. Oktober 1919. In: Verhandlung der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 330. Stenographische Bericht. Von der 91. Sitzung am 4. Oktober 1919 bis zur 112 Sitzung am 29. Oktober 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW, Berlin 1920, Seite 2892 bis 2900

Posadowsky-Wehner, Graf von: Mr. Pecksniff. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920, Seite 3 ff.

Posadowsky-Wehner, Graf von: Englischer Nebel. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 3 ff.[Posadowsky-Wehner] Stimmungen. Verfasst am 4. September 1918. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 34 ff.

Posadowsky-Wehner: Schicksalsstunden [17. März 1919]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 63 ff.

Posadowsky-Wehner: Der starke Mann. [16. April 1920]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 113 bis 121

Posadowsky-Wehner: Totes Rennen [17. Juni 1920]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 176 bis 179

Posadowsky-Wehner: Unsere Auslandsdeutschen [Zum Deutschtum und drohenden Verlust des eigenen Volkstums]. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 99 bis 103

Posadowsky-Wehner: Die Berliner Wohnungsfrage. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 129 bis 135

Posadowsky-Wehner: Die Wohnungsfrage ein Kulturproblem. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 140 ff.

Posadowsky-Wehner: Rechts oder links. In: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart, 1920, Seite 180 bis 184

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf: Gegen Bauer und Noske. Reden der deutschnationalen Abgeordneten. Dr. Graf von Posadowsky-Wehner am 7. Oktober 1919 und D. Traub am 9. Oktober in der Nationalversammlung in Berlin. Deutschnationale Schriftenvertriebsstelle Berlin. Berlin 1919

Posadowsky: Rede von Posadowsky-Wehner zur Denkmalseinweihung am Sonntag, den 24. August 1924. In: Domgymnasium zu Naumburg an der Saale. Bericht der Hauptversammlung des Bundes der Alten Domschüler und die Denkmalsweihe. Naumburg 1924, Seite 14 bis 15

Posadowsky-Wehner. In: Bund alter Naumburger Domschüler zu Naumburg a. d. Saale, Viertes Mitgliederverzeichnis und Bericht über die Denkmaleinweihe. Druck von H. Sieling, Naumburg an der Saale, Ostern 1925

Posadowsky-Wehner: Die Technik der Aufwertung. "Naumburger Tageblatt". Naumburg, den 5. Dezember 1925

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Wahlbeteiligung ist politische Reife. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. April 1925

Posadowsky über deutschnationale Grundsatzlosigkeit. "Jenaer Volksblatt. Unabhängige demokratische Tageszeitung Thüringens". Jena, den 29. August 1925

Posadowsky, Graf: Im Lichte der Wirklichkeit. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 9. Januar 1926

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: .... In: "Gläubiger und Sparer". 29. Juli 1926. Zitiert hier nach: Dr. Markus Ettinger: Der Aufwertungskampf in Deutschland. Neues Grazer Tagblatt. Graz, den 22. August 1926

Wahlbeteiligung ist politische Reife. "Naumburger Tageblatt", Naumburg den 25. April 1925

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 53. Sitzung. 27. Februar 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 3. Band. 40. bis 53. Sitzung (4. bis 27. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 4194 bis 4196

Posadowsky-Wehner. Bericht über seine Rede als Alterspräsident des Preußischen Landtages am 8. Juni 1928. In: Handgemenge im Landtag. "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 9. Juni 1928

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 25. Sitzung. 15. Dezember 1928. Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 2. Band. 23. bis 39. Sitzung (13. Dezember 1928 bis 2. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 1621 bis 1625, 1628

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 53. Sitzung. 27. Februar 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 3. Band. 40. bis 53. Sitzung (4. bis 27. Februar 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1929, Seite 4194 bis 4196

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 19. April 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 5. Band. 72. bis 88. Sitzung (15. April bis 16. Mai 1929). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 19290, Seite 6218

Rede Graf von Posadowsky-Wehner. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 13. Dezember 1929. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 9486 bis 9495

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 121. Sitzung. 30. Januar 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 7. Band. 105. bis 121. Sitzung (26. November 1929 bis 30. Januar 1930). R. von Deckers Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 10274 bis 10278

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 179. Sitzung. 18. Oktober 1930. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 11. Band. 172. bis 188. Sitzung (8. Juni 1928 bis 14. November 1930). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 15198

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede am 19. Dezember 1930. Preußischer Landtag, 193. Sitzung. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. [Mangel: Weitere Angaben leider nicht notiert.]. R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1930, Seite 16634 bis 16642

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede [zur Kirchenpolitik]. Preußischer Landtag, 240. Sitzung. 8. Juni 1931. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 15. Band. 236. bis 248. Sitzung (9. Mai bis 10.Jumi 1931). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1931, Seite 21000

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede [Sparsamkeit, Verwaltung, Subventionspolitik]. Preußischer Landtag, 271. Sitzung. 23. Januar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 23888

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 16. Februar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285. Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 23886 f.

Graf von Posadowsky-Wehner. Rede [Rechtsstaat, Kritik der Notverordnung, Mißbrauch der Verfassung]. Preußischer Landtag, 274. Sitzung. 16. Februar 1932. In: Sitzungsberichte des Preußischen Landtages. 3. Wahlperiode. 1. Tagung: begonnen am 8. Juni 1928. 17. Band. 267 bis 285 Sitzung (19. Januar bis 12. April 1932). R. von Decker`s Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linsstraße 35, Berlin 1932, Seite 24108ff

[V & R] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart von Dr. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin. Richard Schröder Verlag, Berlin 1932

 

Über Arthur Graf von Posadowsky-Wehner - zeitlich geordnet

[Gratza] Pfarrer Gratza`s Erzählung vom 12. Februar 1874 über die Tätigkeit von Majoratsherr-Graf v. Posadowsky. In: Deutscher Reichstag, Aktenstück 176, Beginn Seite 1122. Bericht der Zweiten Abtheilung. Über die Wahl im 3. Oppelner Wahlkreis (Groß-Strelitz - Cosel). Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstages. 2. Legislatur-Periode. II. Session 1874/75. Vierter Band. Anlagen zu den Verhandlungen des Reichstages Nr. 77 bis 248 Sachregister von Seite 831 bis 1625. Verlag von Sittenfeld, Berlin 1875, Seite 1129 bis 1132

Ein neuer Reichs-Schatzsekretär. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 13. August 1893

Der neue Reichsschatzsekretär, Graf Posadowsky. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 8. Jui 1893

Die Sparthätigkeit des Reichsschatzsekretärs Graf Posadowsky. "Jenaer Volksblatt. Illustriertes Sonntagsblatt und Allgemeine Mitteilung für Land- und Hauswirtschaft." Jena, den 4. Oktober 1893

Ernennung von Posadowsky-Wehner zum Staatssekretär des Inneren und … In: "Das Vaterland". Nummer 181. Wien, den 3. Juli 1897, Seite 3

Die Neugestaltung der Regierung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, den 3. Juli 1897

Über Herrn v. Posadowsky bemerkt die "Berliner Zeitung". In: Die Neugestaltung der Regierung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, den 3. Juli 1897

[Zuchthausgesetz] Arbeitertrutz, kein Arbeiterschutz!. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1898

Der gelehrige Schüler. [Gedicht] In: Kladderadatsch, Nummer 24. Berlin, den 12. Juni 1898, Seite 99

Wien, 24. Oktober. [Politischer Kommentar zur "Zuchthausvorlage" und Posadowsky Karriere-Ambitionen]. "Freie Presse. Morgenblatt". Wien, den 25. Oktober 1900

Deutscher Handelstag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des Vorwärts Berliner Volkblatt." Berlin, den 9. Januar 1901

Das Kesseltreiben gegen Grafen Posadowsky. Beilage Nummer 15. des "Grazer Volksblatt. Tagblatt für das christliche Volk." Graz, den 15. Januar 1901

Zur Tuberkulosebekämpfung. Verhandlungen des Deutschen Zentralkomites zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke. 23. März 1901. Redigiert von Dr. Gotthold Pannwitz. Berlin 1901. Verlag des Deutschen Centralkomites. [Mit Begrüßungsrede von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner]. Laut Nachricht in: "Wiener Klinische Wochenschrift". Nummer 52. 1901, Seite 1304

Mehring, Franz: Posadowskys Osterfahrt. In: Die Neue Zeit. 20. Jahrgang, 2. Band. Nummer 2, 1901-1902, 9. April 1902, Seite 33 bis 36

Soziale Politik. In: Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst. 63. Jahrgang. Viertes Vierteljahr. Verlag von Fr. Wilhelm Grunow, Leipzig 1904, Seite 570 ff.

Zur Tuberkulosebekämpfung 1904. Verhandlungen des Deutschen Zentralkomites zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke in der 8. Generalversammlung am 20.Mai 1904.. Redigiert von Dr. Nietner. Generalsekretär des Zentralkomites. Berlin 1904. [Mit Begrüßungsrede von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner]. Laut Nachricht in: "Wiener Klinische Wochenschrift". Nummer 50. 1904, Seite 1355

Mehring, Franz: Siegestaumel und Siegesangst. [Posadowsky`s und die Role der Handelsverträge]. 22. Februar 1905. In: Die Neue Zeit. 23. Jahrgang, 1904/05. Erster Band, Seite 667-700

Der Schlussakt. [Über Posadowsky`s Rolle beim Abschluss der Handelsverträge] "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen", Berlin, den 23. Februar 1905

Wirtschaftlicher Wochenbericht. "Vorwärts. Berliner Wochenblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 26. Februar 1905

[Reaktion auf die Rede von Posadowsky am 6. Februar 1906] Der Starke ist am mächtigsten allein. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werkthätigen Volkes". Leipzig, den 8. Februar 1906

[Tuberkulose] Die Bekämpfung der Tuberkulose. "Die Zeit." Wien, den 24. Mai 1907 [Eröffnungsreferat am 23. Mai 1907 auf der 11. Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose in Berlin]

Es wird eine neue Kiste angebrochen. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 24. Juni 1907

Ministerieller Massensturz. "Volksstimme. Tageszeitung der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei". Magdeburg, den 25. Juni 1907

Zum Ministerwechsel. "Jenaer Volksblatt". Jena, den 26. Juni 1907

Graf Posadowkys Kandidatenrede. "Voralberger Landes-Zeitung". Bregenz, den 1. Dezember 1911

Die Umgestaltung der Regierung. "Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Vossische Zeitung." Berlin, den 29. Juni 1907

Berliner Reichstagsköpfe. "Fremde Blatt." Wien, den 16. September 1915

Die deutsche Verwaltung in Russen-Polen. "Fremden-Blatt". Wien, den 25. Juli 19....

Posadowsky-Wehner .... "Sport und Salon". Wien, den 8. April 1917

Offene Anfrage an den Grafen Posadowsky. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Januar 1919 [unterzeichnet mit "Ein deutscher Demokrat."]

Führende Männer der Nationalversammlung. "Der Welthandel". Berlin, den 15. August 1919

Meldung zu Arthur Posadowsky-Wehner. "Freiheit. Organ Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. April 1920

[Arnim, Hans von Arnim. Im Text mit "H. von Arnim / v. Below" zitiert) Graf Arthur von Posadowsky-Wehner von ... In: Dr. Hans von Arnim und Professor Dr. Georg v. Below: Deutscher Aufstieg. Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der rechtsstehenden Parteien. Franz Schneider Verlag, Berlin, Leipzig, Wien und Bern 1925, Seite 387 bis 406

Wittko, Paul: Graf von Possadowsky. "Weser-Zeitung". Nummer 276, 2. Juni 1925

Gesundheit ist Lebensglück. "Neues Wiener Tagblatt. Demokatisches Organ". Wien, den 22. April 1926

Wohl keiner der hohen Beamten ….. "Danziger Neueste Nachrichten", 03. Juni 1930

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 03. Juni 1930

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 19342

Der rastlose Alterspräsident. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 9. Juni 1928

Die Eröffnung des preußischen Landtages. Blutige Schlägereien in der ersten Sitzung. "Salzburger Volksblatt". Salzburg, den 9. Juni 1928

Ein intressanter Antrag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 01. März 1930

Graf Arthur von Posadowsky-Wehner ….. In: Tagebuch der Zeit. Jahrgang 11, Heft 23. Berlin, den 7. Juni 1930, Seite 882 bis 883

Graf Posadowsky-Wehner. "Berliner Tageblatt", Berlin, den 24. Oktober 1932

Graf Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 1932

Handgemenge im Landtag. "Vossische Zeitung. Berliner Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 9. Juni 1930

Büchner, P. (Braunschweig): Erinnerungen an Dr. Graf. von Posadowsky-Wehner.

"Posener Tageblatt". Posen, den 24. November 1932

Freiherr: Ein Naumburger. Von Klaus-Dieter Kramer. "Naumburger Tageblatt". Online: http://www.naumburger-tageblatt.de/freiherr-ein-naumburger-366786, 03. Dezember 2014

Staatsmann aus Glogau: Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. "Neuer Glogauer Anzeiger." Nummer 6, Juni 2001

Verboten - Verweigert - Abgelehnt. "Volksbote. Sozialdemokratisches Organ für die Kreise Zeitz, Weißenfels. Naumburg". Zeitz, den 26. Juli 1930

Kramer, Klaus Dieter: Freiherr. Ein Naumburger. NT. Naumburger Tageblatt. 3. Dezember 2014. https://www.naumburger-tageblatt.de/freiherr-ein-naumburger-366786

 

Arbeiterbewegung und SPD.
Karl Marx, Wilhelm Liebnecht, Rosa Luxemburg, Karl Kautsky, Eduard Bernstein, Franz Mehring, Wilhelm Keil und andere (alphabetisch geordnet)

[Agrarfrage] Resolution der Agrarfrage betreffend. Aus Resolution des sozialdemokratischen Parteitags zu Frankfurt am Main. In: "Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen." 4. Jahrgang. Nummer 23. Stuttgart, den 14. November 1894

Bebel, August: Rede. 9. März 1893. 62. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. VIII. Legislaturperiode. II. Session 1892/93. Dritter Band. Von der 61. Sitzung am 8. März 1893 bis zur 91. Sitzung am 6. Mai 1893. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1893, Seite 1522 bis 1525

Bebel, August: Rede. 11. Dezember 1897. 8. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. IX. Legislaturperiode. V. Session 1897/98. Erster Band. Von der Eröffnung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 154 bis 167

Bebel, August: Rede. 15. Dezember 1897. 11. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. IX. Legislaturperiode. V. Session 1897/98. Erster Band. Von der Eröffnung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 245 bis 261

Bebel, August: Rede. 12. Dezember 1900. 18. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. X. Legislaturperiode. II. Session 1900/02. Erster Band. Von der Eröffnung am 14. November 1900 bis zur 35. Sitzung am 28. Januar 1901. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1901, Seite 477 bis 488

Bebel, August: [Kolonial-] Rede. 1. Dezember 1906. 131. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. 1905/06. Fünfter Band. Von der 116. Sitzung am 13. November 1906 bis zur 140. (Schluß-Sitzung am 13. Dezember 1906). Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin 1906, Seite 4052 bis 4071

Bernstein, Eduard: Der preußische Partikularimus und die deutsche Sozialdemokratie. In: Sozialistische Monatshefte. Jahrgang 20. Heft 3191403. 1914, Seite 152 bis 158

Crispien, Arthur: Kriegs- und Friedenspolitik. "Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands". Berlin, den 21. Juni 1921

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Fischer [Richard], Berlin, Abgeordneter: Rede. Reichstag. 33. Sitzung 12.01.1901. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Nr. 11. 18. Jahrgang. Berlin, den 13. Januar 1901

Heimann, Hugo - siehe Klassiker

[Juchacz, Marie] Rede der SPD-Abgeordneten Marie Jucharez am 19. Februar 1919 vor der Nationalversammlung in Weimar. In: Die erste Parlamentsrede einer Frau in Deutschland. "Die Gleichheit. Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen". Stuttgart, den 14. März 1919, Seite 89 bis 93

Kautsky, Karl - siehe Klassiker

Kautsky, Mina: Helene". "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 24. Dezember 1893

Keil, Wilhelm: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. 7. Sitzung. In: Verhandlung der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung. Band 326. Stenographische Bericht. Von der 1. Sitzung am 6. Februar 1919 bis zur 26. Sitzung am 9. Juli 1919. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW 1920, Seite 76 bis 79

Keil, Wilhelm. Redebeitrag des Abgeordneten Keil, SPD. Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2934 bis 2941

Keil, Wilhelm: Die Anleiheaufwertung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 11. Juli 1925

Keil, Wilhelm. Die Splitterparteien. Kein doppeltes Recht für große und kleine Parteien.
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Leopoldt, Adolf: Rote Chronik der Kreise Zeitz, Weißenfels, Naumburg. Herausgeber SPD. Unterbezirk Zeitz-Weißenfels-Naumburg 1931

Liebknecht, Wilhelm: Dem Militarismus keinen Mann und keinen Groschen. Flugblatt zur Reichstagswahl (14. Januar 1887). In: Wilhelm Liebknecht, Gegen Militarismus und Eroberungskrieg, Berlin 1986

Liebknecht, Wilhelm: Rede. Reichstag. 3. Sitzung. 7. Juli 1893. "Vorwärts. 1. Beilage zm "Vorwärts" Berliner Volksblatt". Berlin, den 8. Juli 1893

Luxemburg, Rosa - siehe Klassiker

Marx, Karl: Die "Kölnische Zeitung" über die Wahlen. [Neue Rheinische Zeitung, Marx, Karl: Die "Kölnische Zeitung" über die Wahlen ["Neue Rheinische Zeitung", Nr. 210 vom 1. Februar 1849]. In: Karl Marx / Friedrich Engels Werke. Band 6, Dietz Verlag, Berlin 1961, Seite 214 bis 217

Marx, Karl: Zur Kritik der politischen Ökonomie. Vorwort. In: Karl Marx und Friedrich Engels. Werke, Band 13, Dietz Verlag, Berlin 1961, Seite 6 bis 11

Schultze, Carl: Rede. Reichstag. 44. Sitzung. 15. Februar 1893."Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 16. Februar 1893

Severing erledigt die Opposition. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin den 15. Oktober 1925

[SPD-Reichstagsfraktion] Nothstands-Interpellation der SPD-Reichstagfraktion an den Herrn Reichskanzler. Berlin, den 3. Januar 1893. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 4. Januar 1893

Wurm, Emanuel: Rede. Reichstag. 46. Sitzung. 25. April 1912. Erste Beratung der Wehr- und Deckungsvorlagen wird fortgesetzt. "1. Beilage des "Vorwärts". Berliner Volksblatt. Vorwärts. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 26. April 1912

 

 

Politiker

Bachem, Karl: Abgeordneter. Rede in der Reichstagsdebattte. 38. Sitzung des Reichstages am 30. Januar 1894. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 31. Januar 1894

[Berlepsch] Der Rücktritt von Berlepsch. "Znaimer Wochenblatt". 1. Juli 1896, Seite 4

[Berlepsch] Votum des Handelsministers Hans Freiherr von Berlepsch für das preußische Staatsministerium. 20. April 1894. In: Aufbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904). 1. Band: Grundfragen der Sozialpolitik. Bearbeitet von Wolfgang Ayass. (Quellensammlung. Zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914). Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz 2016, Seite 283 bis 287

Besprechung mit Gewerkschaftsvertretern vom 15. Juni 1931, 12 Uhr. In: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Die Kabinette Brüning I/II, Band 2, Dokumente, Nr. 331. Besprechung mit Gewerkschaftsvertretern vom 15. Juni 1931, 12 Uhr / TOP [Notverordnung vom 5. Juni 1931; Einberufung des Reichstags], Seite 1194. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/bru/bru2p/kap1_1/kap2_79/para3_1.html

[Bismarck-Rede Varenzin] "Leitmeritzer Zeitung". Leittmeritz, den 25. Juli 1888, Seite 819

[Bismarck] Fürst Bismarck. Jenaer Volksblatt. Jena, den 17. Juni 1893

Bismarck, Otto von: Rede über die europäische Lage. [Rede am 6. Februar 1888 zur Wehrvorlage im Deutschen Reichstag]. In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Philipp Reclam, Stuttgart 1972, Seite 643 bis 682

Bülow, Freiherr von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Montag, den 14. Dezember 1897. Fortsetzung der Beratun des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die deutsche Flotte. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session 1897/98. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 235

Bülow, Fürst von: Rede im Reichstag. 128. Sitzung, 28. November 1906. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. XI. Legislaturperiode. II Session, 1905/06, Fünfter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin 1906, Seite 395f.

Bülow, Fürst Bernhard von, Reichskanzler: Rede [Einkreisungs-Theorem]. Reichstagsprotokolle. 117. Sitzung, 14. November 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. XI. Legislaturperiode. II. Session. 1905/1906, Fünfter Band. Von der 116. Sitzung am 13. November 1906 bis 140. (Schluss-) Sitzung am 13. Dezember 1906. Von Seite 3591 bis 4385. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin 1906, Seite 3619 ff.

Bülow, Bernhard von: Rede. 140 Sitzung. 13. Dezember 1906. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 14. Dezember 1906

Bülow, Freiherr von: Rede. 4. Sitzung des Reichstages. 6. Dezember 1897. Erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die deutsche Flotte. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session 1897/98. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 60 bis 61

Caprivi, Graf von, Reichskanzler: Rede. Reichstag. 3. Sitzung. 7. Juli 1893. "Vorwärts. 1. Beilage zm "Vorwärts" Berliner Volksblatt".Berlin, den 8. Juli 1893

Dziembowski-Pomian, Sigismund von: Rede [Lagebeschreibung in Polen]. 9. Sitzung des Reichstages. Montag, den 13. Dezember 1897. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 177 bis 180

Erzberger, Matthias: Rede. 9. Juli 1919. Nationalversammlung. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 10. Juli 1919

[Federer, Gottfried] Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei am 16. Januar 1929 im Gasthof "Deutsches Reich". In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. Jahrgang 7 (1959), Heft 2, München, Seite 210

Heuss, Theodor: Deutschlands Zukunft [Rede am 17. Januar 1919 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei]. In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 857 bis 881

Holland-Mohrungen, Pr.-, Reichstagsabgeordneter. Unseren vorgestrigen Mittheilungen über eine Rede des Grafen Kanitz fügen wir noch hinzu .... In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen, Vossische Zeitung". Berlin, den 10. Januar 1901, Seite 2

Kanitz-Pondangen, Graf Hans Wilhelm Alexander von Graf: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1036 bis 1039

[Kardorff] Zu dem Vortrag von Kardorff … "Königlich privilegirte Berliner Zeitung. Vossische Zeitung". Berlin, den 11. Februar 1894

Lenin, W. I.: Der Kapitalismus in der Landwirtschaft. (Über das Buch von Kautsky und einen Artikel des Herrn Bulgakow). [Geschrieben im April - Mai 1899. Veröffentlicht im Januar und Februar 1900 in der Zeitschrift "Shisn"). In: Lenin Werke. Band 4, 1898 - April 1901. Dietz Verlag, Berlin 1955, Seite 94 bis 150

Lenin, Wladimir Iljitsch: Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa. In: Lenin Werke. Band 21. Dietz Verlag, Berlin 1972, Seite 342-346 (Erstveröffentlichung in: Sozial-Demokrat" Nr. 44, 23. August 1919)

Lenin. W.I.: Schlusswort zum Referat über die Konzessionen. [Zum ersten Mal veröffentlicht 1932. Nach dem Stenogramm.] In: Sitzung der kommunistischen Fraktion des Gesamtrussischen Zentralrates der Gewerkschaften. 11. April 1921. Lenin. Werke. Ergänzungsband 1917-1923. Dietz Verlag, Berlin 1971, Seite 288 bis 301

Lenin, W.I. - siehe Klassiker

Liebknecht, Wilhelm, Abgeordneter: Rede. 7. Juli 1893. Deutscher Reichstag. [Gesetzesentwurf "Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres"]. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt". Berlin, den 18. Juli 1893

Manteuffel, Abgeordneter: Rede. 14. Februar 1893. Deutscher Reichstag. [Novelle zur Militärgesetzgebung] "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt", Berlin, den 15. Februar 1893

Miquel, Johannes von: Rede. 37. Sitzung des Reichstages am 29. Januar 1894. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. II. Session. Zweiter Band. Von der 33. Sitzung am 23. Januar 1894 bis zur 63. Sitzung am 5. März 1894. Von Seite 809 bis 1615. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags- Anstalt, Berlin 1894, Seite 919 ff.

[Über] Miquel als Konkursverwalter. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. November 1893

[Über] Miquel, Bevollmächtigter zum Bundesrat, für das Königreich Preußen und Finanzminister: Rede. 37. Sitzung des Reichstages am 29. Januar 1894. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. II. Session. Zweiter Band. Von der 33. Sitzung am 23. Januar 1894 bis zur 63. Sitzung am 5. März 1894. Von Seite 809 bis 1615 Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1894, Seite 919 bis 923

[Über Miquel] Der preußische Finanzminister. "Jenaer Volksblatt". Jena, den 17. Juni 1893

Radziwill, Ferdinand: Rede Reichstag am 27. Februar 1907. "Leipziger Volkszeitung. Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 28. Februar 1907

Rathenau, Walter - siehe Klassiker

Reichskanzler, Der. Reichsamt des Inneren. Berlin, den 11. Dezember 1897. [Unterzeichnet] In Vertretung: Graf Posadowsky. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 15. Januar 1897, Seite 1

Richter, Eugen: Rede. 28. November 1893. 7. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. IX. Legislaturperiode. II. Session 1893/94. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 16. November 1893 bis zur 32. Sitzung am 22. Januar 1894. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1894, Seite 126 bis 138

Richter, Eugen: Rede. 30. Januar 1894. 38. Sitzung des Reichstages. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. IX. Legislaturperiode. IV. Session 1895/97. Fünfter Band. Von der 120. Eröffnungssitzung am 10. November 1896 bis zur 149. Sitzung am 16. Dezember 1896. Von Seite 3129 bis 3959. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1897, Seite 3600 bis 3614

Richter, Eugen: Rede. [Diskussion des Antrages Friedberg =von Kardorff = Lieber = Graf Mirbach betreffend die Veranstaltung einer internationalen Konferenz für die Währungsfrage] 16. Februar 1895. 39. Sitzung des Reichstages. In: Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. "Vorwärts. 1. Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt." Berlin, den 17. Februar 1895

Richter, Eugen: Rede. 136. Sitzung des Reichstages. 30. November 1896. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 67 bis 80

Richter, Eugen: Rede. 5. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 7. Dezember 1897. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der deutschen Flotte. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 67 bis 80

Richter, Eugen: Rede. 9. Sitzung des Reichstages. Montag, den 13. Dezember 1897. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 182 bis 193

Richter, Eugen: Rede. [Deutsche Reichstag, zur Flottenpolitik] 14. Dezember 1899 . In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 696 bis 712

Rickert: Rede. 14. Dezember 1897. 10. Sitzung. In: Stenographische Berichte über die Richter, Eugen: Rede. [Deutsche Reichstag, zur Flottenpolitik] 14. Dezember 1899 . In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 696 bis 712

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Schiele, Georg Wilhelm: Zur Polenfrage. In: Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst. Jahrgang 56 (1897), Seite 7 bis 15

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Schiele, Georg Wilhelm: Von einer neuen und anderen Sozialpolitik. In: Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst. Jahrgang 72 (1913). Erstes Vierteljahr, Seite 304 bis 312

Schiele, Georg Wilhelm: Waffensieg und Wirtschaftskrieg. Verlag das Grosse Deutschland. Dresden 1918

Schirach, Baldur von: Die Hitler Jugend. Idee und Gestalt. Koehler & Amelang, Leipzig 1934

Stoecker, Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 12. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Von der 32 Sitzung am 31. Januar 1906 bis zun58 Sitzung am 6. März 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1211 bis 1215

Stresemann, Gustav: Zur Lage der Nation [13. April 1919]. In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 882 bis 920

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[Varzin, über Bismarck, Huldigungsdeputation] "Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie". Wien, den 24. September 1894

[Varzin, über Bismarck, Huldigungsdeputation] Kurze Nachrichten. "Volksblatt für Stadt und Land." Nummer 39. Wien, den 27. September 1894, Seite 2

[Varzin, über Bismarck, Huldigungsdeputation] Die letzte Münze. "Wierner Journal. Unparteiisches Tagblatt". Wien, den 19. September 1894

Wilhelm II. Thronrde [am 16. November 1893] . In: Zur Eröffnung des Reichstages. "Vorwärts, Berliner Volksblatt. Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 16. November 1893

[Wilhelm II.] Reden des Kaisers. Ansprachen, Predigten, und Trinksprüche Wilhelms II. Herausgegeben von Ernst Johann. München 1966, Seite 55 bis 56

[Wilson, Woodrow] Die neue Antwort von Wilson. (Das Auswärtiges Amt der Vereinigten Staaten von Amerika in Washington übermittelt am 23. Oktober 1918 als Antwort auf die Note der deutschen Regierung vom 20. Oktober folgenden Text]. "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 24. Oktober 1918

 

Wissenschaftliche Beiträge

Abendroth, Wolfgang: Das Problem der Widerstandstätigkeit der Schwarzen Front. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. München, 8. Jahrgang, 1960, Heft 2, Seite 181-187

[Ayass, Wolfgang, Bearbeiter:] Aufbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904). 1. Band: Grundfragen der Sozialpolitik. Bearbeitet von Wolfgang Ayass. (Quellensammlung. Zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914). Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz 2016

Bahlcke, Joachim: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). In: Silesia Nova, 4/ 2006, Seite 93 bis 100

Bahlcke, Joachim: Arthur Graf von Posadowsky Wehner. Website Preußisch-deutscher Staatsmann. Ostdeutsche Biographien. Biographien des historischen deutschen Ostens.

Bahlcke, Joachim: Arthur Graf von Posadowsky Wehner. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. https://kulturstiftung.org/biographien/posadowsky-wehner-arthur-graf-von-3, ohne Datum

Bernd, Hans Dieter: Die Beseitigung der Republik auf "legalem" Weg. Die Funktion des Antisemitismus in der Agitation der Führungsschicht der DNVP. Dissertation. FernUniversität Hagen, Neuere Deutsche Geschichte. Gutachter Professor Dr. Peter Brandt und Priv.-Doz. Dr. Arthur Schlegermilch, Aachen, Dezember 2002

[Bielefeld] Wolfgang Hofmann: Die Bielefelder Stadtverordneten. Ein Beitrag zu bürgerlicher Selbstverwaltung und sozialem Wandel 1850 bis 1914, Matthiesen Verlag, Januar 1962 und Becherer, Ernst: Der Weg der Bielefelder NSDAP an die Macht 1924 - 1933 Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Dr. phil. der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld vorgelegt von: Ernst Becherer, Twellbachtal 82, 33619 Bielefeld. Gutachter: Heinz-Gerhard Haupt, Universität Bielefeld. Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, Abteilung Geschichtswissenschaft, Sozialgeschichte. Juli 2007

Dreyer, Michael, Oliver Lembcke: Die deutsche Diskussion um die Kriegsschuldfrage 1918/19. Duncker & Humblot GmbH, Berlin 1993

Dreist, Peter: Kriegsrecht (ius ad bellum). In: Völkerrecht. Lexikon zentraler Begriffe und Themen. Herausgegeben von Prof. Dr. Burkhard Schöbener. C. F. Müller, Hamburg 2014, Site 260 ff,

Deutschland Ein- und Ausfuhr von Waren. In: Der Tresor. Zeitschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen. Nummer 1688, 16. September 1904, Seite 302

Einleitung, Seite I bis XXXVI. In: Aufbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Neuen Kurses (1890-1904). 1. Band. Grundfragen der Sozialpolitik. ([In der Reihe:] Quellensammlung. Zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914.) Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz 2016

Eickhoff, Richard: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Von der 32. Sitzung am 31. Januar 1906 bis zur 58. Sitzung am 6. März 1906. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, 1113 bis 1115

Fesser, Gerd: Reichskanzler Bernhard von Bülow. Deutscher Verlag der Wissenschaften GmbH, Berlin 1919

Fischer, Fritz - siehe Klassiker

Frank, Ludwig: Die bürgerlichen Parteien des deutschen Reichstags. Verlag J.H.W. Dietz Nachfolger G.m.b.H., Stuttgart 1911

Freud, Sigmund - siehe Klassiker

Freud, Sigmund: Die Zukunft einer Illusion. In: Sigmund Freud. Essay III. Auswahl 1920 -1937. Herausgegeben von Dietrich Simon. Verlag Volk und Welt, Berlin 1989, Seite 238 bis 295

Grieser, Dr. A.: Zum Geleit Graf Posadowsky. In: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart v. Dr. theol. (h.c.), Dr. med. (h.c.), Dr. jur. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin. Richard Schröder Verlag, Berlin 1932, Seite 6

Gladen, Albin: Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland. Eine Analyse der Bedingungen, Formen, Zielsetzungen und Auswirkungen. Franz Steiner Verlag GmbH, Wiesbaden 1974

Grieser, Dr. Andreas: Zum Geleit Graf Posadowsky. In: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart v. Dr. theol. (h.c.), Dr. med. (h.c.), Dr. jur. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin. Richard Schröder Verlag, Berlin 1932

Haffner, Sebastian: Von Bismarck zu Hitler. Ein Rückblick. Droermersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf, München 2001

Hagenlücke, Heinz: Deutsche Vaterlandspartei. Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V., Bonn. Droste Verlag, Düsseldorf 1997

Henning, Hansjoachim: Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). In: Kurt G. A. Jeserich / Helmut Neuhaus (Herausgeber): Persönlichkeiten aus der Verwaltung. Biographien zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1648-1945. Stuttgart-Berlin-Köln 1991, Seite 245-249

Hemprich, Karl: Die militärische Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zustandes. Verlag A. W. Zickfeldt, Osterwieck (Harz) und Leipzig 1914

Herzig, Simone: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im Deutschen Kaiserreich. Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Band 11, Heft 1, 2012, Seite 47-59

Holzbach, Heidrun: Das "System Hugenberg". Die Organisation bürgerlicher Sammlungspolitik vor dem Aufstieg der NSDAP. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1981

Kirsche, Hans-Gert: Der Primanerkreuzgang. Internetseite des Stadtmuseums Naumburg, www.museumnaumburg.de, Januar 2006

Liebe, Werner: Die Deutschnationale Volkspartei 1918-1924. Droste Verlag, Düsseldorf 1956

Löwenstein, Kar l - siehe Klassiker

Martin, Rudolf - siehe Klassiker

Mommsen, Wolfgang J.: War der Kaiser an allem Schuld? Wilhelm II. und die preußisch -deutschen Machteliten. Ullstein, Berlin 2005

Oertzen, Dietrich von: Von Wichern bis Posadowsky. Zur Geschichte der Sozialreform und der christlichen Arbeiterbewegung. Hamburg 1908

Röhl, John C. G.: Der "Königsmechnismus" im Kaiserreich. In: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. Verlag C.H. Beck, Nördlingen 1887, Seite 116 bis 140

Röhl, John C. G.: Die höhere Beamtenschaft im wilhelminischen Deutschland. In: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. Verlag C.H. Beck, Nöedlingen 1887, Seite 141 bis 161

Schmidt, Carsten: Zwischen Burgfrieden und Klassenkampf Sozialpolitik und Kriegsgesellschaft in Dresden 1914-1918. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie an der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Dresden vorgelegt von Carsten Schmidt, geboren am 16. März 1978 in Halle (Saale), 20. April 2007

Schüddekopf, Otto-Ernst: Nationalbolschewismus in Deutschland 1918-1933. Ullstein Buch. Frankfurt / Main - Berlin - Wien 1973

Tennstedt, Florian: Ministerialbürokratie in Preußen um im Reich - ihr Anteil bei der Grundlegung der sozialpolitischen Gesetzgebung von 1869 bis 1911. In: Ayaß, Wolfgang, Wilfried Rudloff und Florian Tennstedt: Sozialstaat im Werden. Band 2. Schlaglichter auf Grundfragen, Franz Steiner Verlag, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 2021, Seite 11 bis 55

Uhde, Wilhelm: Der Untergang der deutschen Malerei. In: Weltbühne. XXIV. Jahrgang. Nummer 45. 6. November 1928, Seite 705 bis 707.

Wagner, Adolph- siehe Klassiker

Weicker, Hans, Stadtjugendpfleger von Weissenfels: Der Mensch, sein Werden und sein Wirken. In: Hans Weicker und Emil Saupe: Karl Hemprich. Ein Leben im Dienste der Jugend. Verlag Friedrich Stollberg (Ernst Schnelle), Merseburg (Saale) 1927, Seite 5 bis 94

Ziegler, Julia: Versuch der Rekonstruktion der Lebensgeschichte WK I - Kriegsgefallener des Naumburger Domgymnasiums. Universität Leipzig, Historisches Seminar, Abgabe: 10. Juli 2009, Erstkorrektor: Professor Dr. A. Kenkmann

Zimmerer, Jürgen, Joachim Zeller (Herausgeber): Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg 1904 - 1908 in Namibia und seine Folgen. Ch. Links Verlag, Berlin 2003

 

Weitere Literatur, zeitlich geordnet

Kröben, Kreis. Preußischer Landkreis von 1793 und 1805 und von 1815 bis 1887. https://dewiki.de/Lexikon/Kreis_Kr%C3%B6ben#Einwohnerentwicklung

Wongrowitz, Kreis. Preußischer Landkreis von 1793 und 1919. Geschichte, Zahlen, Informationen. https://dewiki.de/Lexikon/Kreis_Wongrowitz#Einwohnerentwicklung

Der Reichshaushalt. Etat für 1894/95. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 17. November 1893, Seite 2

Politische Übersicht. Der Neuhjahrstag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Centralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 3. Januar 1894

[Bewegung] Die polinische Bewegung. (Ein Brief aus dem Deutschen Reich). "Mährisches Tagblatt", Olmütz, den 4. September 1885

Polen. Debatten über Polenvorlagen im preußischen Abgeordnetenhaus], Wien, 24. Februar [1886]. "Neue Freie Presse. Morgenblatt". Wien, den 25. Februar 1886

Deutscher Reichstag 7. Juli 1893. 3, Sitzung. Beratung des Gesetzesentwurfs betr. der Friedenspräsenzstärke. "Vorwärts. 1. Beilage zur "Vorwäerts" Berliner Volksblatt". Berlin, den 8. Juli 1893

Die Reichsschuldentilgung". "Vorwärts, Berliner Volksblatt. Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 8. August 1893

[Miquel, Johannes von] Politische Übersicht: Die öffentliche Sittlichkeit des Klassenstaates. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 1. September 1893

Frankfurter Zeitung. 15. September 1893. In: Aufbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904). 1. Band: Grundfragen der Sozialpolitik. Bearbeitet von Wolfgang Ayass. (Quellensammlung. Zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914). Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz 2016, Seite 280 bis 283

Die Reichstag. "Vorwärts, Berliner Volksblatt. Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 16. November 1893

Der Neuhjahrstag. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Centralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 3. Januar 1894

Deutscher Reichstag. "Ostdeutsche Rundschau". Wien, den 30. Jänner 1894

[Finanzreform] Die deutsche Finanzreform. "Ostdeutsche Rundschau". Wien, den 26. Februar 1895

Deutscher Reichstag. "Voralberger Volksblatt", Bregenz, den 16. Mai 1895

Dresden, In. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 9. März 1897 [Nachricht über eine Versammlung der Deutsch Konservativen Partei)

[Der Neue Kurs] Zum Wahlkampf. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 3. Juni 1898

"Die schärfsten Mittel rücksichtslos!". "Vorwärts, Berliner Volksblatt. Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 5. Juli 1900

Reichstagssitzung am 8. Januar 1901. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des Vorwärts Berliner Volksblatt." Berlin, den 9. Januar 1901

Der Zolltarif und der Herr Möller. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Centralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 4. Januar 1902

An das arbeitende Volk Deutschlands. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 19 . Dezember 1902

Beschluß des Reichstags. 30. April 1903. In: Aufbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904). 1. Band: Grundfragen der Sozialpolitik. Bearbeitet von Wolfgang Ayass. (Quellensammlung. Zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914). Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz 2016, Seite 621

[Wohnungskongress] Vom allgemeinen deutschen Wohnungskongress. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 19. Oktober 1904

Die Arbeitspflicht der Volksvertreter. "Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Vossische Zeitung." Berlin, den 22. Februar 1905

Reichstag. 140. Sitzung. Donnerstag, den 13. Dezember 1906. In: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Volksblatt 1. Beilage des Vorwärts Berliner Volksblatt." Berlin, den 14. Dezember 1906

[Reichstag.] Der Reichstag aufgelöst. Auf zum Wahlkampf! "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 14. Dezember 1906

"Die Hottentottenwahlen". "Leipziger Volkszeitung". Leipzig, den 18. Januar 1907

Der Kampf um die Macht: "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 8. Februar 1913, Seite 2

[Reichspartei] Die Neugestaltung der Reichspartei. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 19. Januar 1916

Deutsche Vaterlandspartei. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 10. September 1917

Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Bauer, Band 1, Dokumente, Nr. 71. Bericht des Preußischen Staatskommissariats für die Überwachung der öffentlichen Ordnung über gegenrevolutionäre Bestrebungen. [2. Oktober 1919], Seite 281-284. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei1919-1933/cocoonAdR/AdR/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_72.html

Die Ostjudenfrage. "Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands." Berlin den, 1. Juli 1920

[Ostmark] Unsere Ostmark ist in Gefahr. [Aufruf vom Chef des Generalstabes Oberstleutnant v. dem Hagen]. "Naumburger Tageblatt.", Naumburg den 5. Februar 1919

Das Aufwertungsgesetz. "Der Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 6. Juli 1925

Nationaldeutsche Juden. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei". Berlin, den 10. Dezember 1921

Voigt, Arno: Bilder vom Jagow-Prozess. "Die Weltbühne". 18. Jahrgang, 12. Januar 1922, Heft Nummer 2, Seite 31 ff.

[Nationalsozialistische Freiheitspartei Naumburg] Vorwärts zur Freiheit. [Aufruf der Nationalsozialistischen Freiheitspartei]. "Naumburger Tageblatt". Naumburg, den 6. Dezember 1924

Ortsgruppe der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 27. Oktober 1927

Parlament, wehre Dich! "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 9. Juni 1928

Schemann, Ludwig: Wolfgang Kapp und das Märzunternehmen vom Jahre 1920. J. F. Lehmanns Verlag München, Berlin 1937

 

 

Klassiker

Fischer, Fritz: Griff nach der Weltmacht: Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschlands 1914/18. Athenäum / Droste, Taschenbücher der Geschichte. Kronberg / Ts. 1977 (erste Auflage 1961)

Freud, Simund: Warum Krieg? Brief an Albert Einstein, September 1932. In: Sigmund Freud. Essay III. Auswahl 1920 -1937. Herausgegeben von Dietrich Simon. Verlag Volk und Welt, Berlin 1989, Seite 411 bis 425

Heimann, Hugo: Der Kampf um die Aufwertung. Von Helfferich bis Hindenburg. Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1925

Kant, Immanuel: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht [1784]. In: Immanuel Kant: Von den Träumen der Vernunft. Kleine Schriften zur Kunst, Philosophie, Geschichte und Politik. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1981, Seite 203 ff.

Kant, Immanuel: Zum ewigen Frieden [1795] In: Immanuel Kant: Von den Träumen der Vernunft. Kleine Schriften zur Kunst, Philosophie, Geschichte und Politik. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1981, Seite 415 ff.

Kautsky, Karl: Die Agrarfrage: Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirthschaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Dietz, Stuttgart 1899

Kautsky, Karl: Der politische Massenstreik. Ein Beitrag zur Geschichte der Massenstreikdiskussion innerhalb der deutschen Sozaildemokratie. Berlin, Vorwärts, 1914

Lenin, W.I.: Der Imperialismus das höchste Stadium des Kapitalismus. In: Lenin. Werke. Band 22, Dietz Verlag, Berlin 1971, Seite 189 ff.

Löwenstein, Karl: Verfassungslehre. Mohr Siebeck, Tübingen 2000

Luxemburg, Rosa: Die Akkumulation des Kapitals. Berlin 1913

Mann, Thomas: Betrachtungen eines Unpolitischen. Fischer Taschenbuch Verlag, Erstausgabe 1918, Frankfurt a. Main 2004

Martin, Rudolf: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Württemberg und Hohenzollern. Berlin, 1914

Mill, John Stuart: Über die Freiheit. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1974

Rathenau, Walter: Ein dunkler Tag. "Vossische Zeitung. Königlich privilegirte Berliner Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen." (Ausgabe A), Berlin, den 7. Oktober 1918

Tocqueville, Alexis de: Über die Demokratie in Amerika. Philipp Reclam, Stuttgart 1985. Es wurde besonders die Textstelle Seite 158 bis 159 genutzt.

[Wagner, Adolph] Rede von Adolph Wagner am 12. Oktober 1871 in der Garnisonskirche in Berlin. In: Urtheile über der Presse über den Leipziger Hochverrathsprozeß. "Der Volksstaat. Organ der Sozial-demokratischen Arbeiterpartei und Internationalen Gewerkschaftsgenossenschaften". Leipzig, den 17. April 1872

Weber, Max: Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland (Preußische Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg, Großherzogtümer Mecklenburg, Kreis Herzogtum Lauenburg): Dargestellt auf Grund der vom Verein für Socialpolitik veranstalteten Erhebungen. Die Verhältnisse der Landarbeiter in Deutschland. Dritter Band. (Schriften des Vereins für Socialpolitik LV) Duncker & Humblot reprints 1892

Zweig, Stefan: Opportunismus, der Weltfeind. In: Die schlaflose Welt. Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1909-1941. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1990, Seite 132 ff.

 

 

Bunsen, Marie von: Zeitgenossen die ich erlebte. 1900-1930. Verlegt bei Koehler & Amelang GmbH, Leipzig1932

Heine, Heinrich: Die romantische Schule. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1985

Horkheimer, Max: Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Fischer Verlag, Frankfurt am Mai 1997


 

Grafiken aus
"Der Wahre Jacob" (Stuttgart), "Jugend" (München) und "Simplicissimus" (Stuttgart und Berlin).

Militärvorlagen werden überflüssig. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 10. Nummer 183, Titelblatt, Stuttgart, den  31. Juli 1893,

Moses in der Wüste beschwört den Felsen um Wasser. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 10. Nummer 175, Stuttgart, den 10. April 1893, Titelblatt

Militärvorlagen werden überflüssig. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 10. Nr. 221, Stuttgart, den 31. Juli 1893, Titelblatt,

Vorbereitung zur der nächsten Reichtags-Session. Jahrgang 10. Nummer 187, Titelblatt, Stuttgart, den 25. September 1893, Tttelbild

Die gefährliche Ladung. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 10. Nr. 1919, Stuttgart, den 20. November 1893, Titelblatt,

Handwerks leid. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 11. Nr. 205. Stuttgart, den 5. Juni 1894, Titelblatt

Venus die Auftauchende. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 11. Nummer 213. Stuttgart, den 25. September 1894, Seite 1784

Großes Eröffnungs-Ballet. [Grand pas du Finanzreform]. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 11, Heft 218, Stuttgart, den 1. Dezember 1894, Titelblatt

Klassengegensätze." Der Wahre Jacob". Jahrgang 11. Nummer 19, Stuttgart , den 18. Dezemeber 1894, Titelblatt

Nachdem der Schäfer gefesselt, können die Schafe bequem geschoren werden. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 12. Nr. 221. Stuttgart, den 15. Januar 1895, Titelblatt.

Auf zur Sammlung. "Kladderradatsch. Humoristisch-satirisches Wochenblatt". LI Jahrgang. Nummer 24. Berlin, den 12. Dezember 1898, Seite 100

Zur Zuchthausvorlage. "Simplicissimus. Illustrierte Wochenschrift". Nummer 13, Stuttgart, den 24. Juni 1899

"Immer drauf". Unten: "Gewerkschaftliche Thätigkeit". " Der Wahre Jacob". Jahrgang 18. Nr. 391. Stuttgart, den 16. Juli 1901, Seite 3544

Man werfe oben 12000 Mark hinein und ein fertiges Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter fällt unten heraus. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 17, Heft 376, Stuttgart 1900, Seite 3395

Im Arbeiterzug. "Der Wahre Jacob." Jahrgang 18. Nr. 391. Stuttgart, den 16 Juli 1901, Seite 3551

Etwas zum Gruseln!. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 19. Nummer 425. Stuttgart; den 7. Oktober 1902, Titelblatt.

Prügelknabe Posadowsky. "Jugend". Nummer 9. München, den 18. Februar 1904

Das Kellerfest des Hottentottenblocks. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 24. Nummer 542, Stuttgart, den 30. April 1907, Seite 5367

Metzel Suppe. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 24. Heft 548, Stuttgart, den 23. Juli 1907, Seite 5473

Posadowsky Hetze. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 24. Heft 540, Stuttgart, den 2. April 1907, Seite 5367

Die Entente und der Bolschewismus. "Der Wahre Jacob". Jahrgang 37 Nr. 828, Titelblatt. Stuttgart, den 1920

Versailles. Simplicissimus. 29. Jahrgang, Nummer 13. Stuttgart den, 23. Juni 1924, Titelbild

Ultralinks und ultrarechts. "Der Wahre Jakob". Nummer 14. Berlin, den 7. Juli 1928. Grafiker Jacob Beisen

 

Gemälde, Radierung

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932).
Nach einem Porträt von Fritz Amann (1878-1969) aus dem Jahr 1912

Eisenwalzwerk
Adolph von Menzel (1815-1905). Öl auf Leinwand. 158 mal 254 Zentimeter. Entstanden von 1872 bis 1875. Standort: Alte Nationalgalerie, Berlin.

Max Klinger (1857-1920): Erste Zukunft. Blatt 2 aus "Eva und die Zukunft", Opus III; 1880. Radierung und Aquantinta. Stadtmuseum Naumburg (Saale)

 

Quellen Anfang   zurück

Autor: Detlef Belau


Urfassung: 2005.
2014 überarbeitet.

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