zurück

Gustav Winter (1882-1936)
Tausend-Markschein-Winter

"Im Gerichtsgefängnis zu Naumburg hat ein Mann jenen ominösen angeblichen Selbstmord begangen, der sich in braunen Haftzellen immer wieder ereignet. Dieser Mann hat ganz ohne Zweifel für das Dritte Reich eine ähnliche Rolle gespielt, wie sie Johannes der Täufer in der Welt der Bibel zukommt. Er war", erinnert der Neue Vorwärts (SPD) am 15. November 1936, "der direkte Vorläufer des Herren und Messias! Gustav Winter hiess der Mann."

Zur Lage von Großjena bei Naumburg an der Saale

Viele hörten von seinen Eskapaden. Im kollektiven Gedächtnis der Naumburger Region leben bis heute Anekdoten über ihn weiter. Die Zeitgenossen nannten ihn Tausend-Markschein-Winter. Doch wir wissen nur wenig über ihn. Woher auch? Bisher kümmerte sich weder die Regional- noch die Nationalgeschichte nicht um ihn. Allgemein bekannt ist sicherlich, dass er am 13. März 1932 zur Reichspräsidentenwahl als Vorsitzender des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht" kandidierte. An seinem Wohnort Großjena votierten 15 Wähler für ihn, 97 für Duesterberg (Stahlhelm + Kyffhäuser-Bund), 26 für Hindenburg (SPD, DVP, DStP, Zentrum, BVP), 225 für Hitler (NSDAP) und 8 für Thälmann (KPD). Im Reich summierte sich die Zahl der Winter-Enthusiasten auf 111 470 Personen. Das entsprach 0,3 Prozent aller abgegebenen Stimmen.

 

Gustav Winter, am 11. Mai 1882 in Magdeburg geboren, absolvierte die Volksschule, erlernte danach den Beruf des Schriftsetzers, worauf ab 1903 nacheinander eine Reihe anderer Tätigkeiten folgten: Zunächst bis 1913 zweiter Lokalredakteur und Berichterstatter der Leipziger Zeitung, anschliessend Reklamechef der Ufa-Theater in Leipzig. Er galt als Feld- und Garnisonsunfähig. Seiner nahm sich die städtische Kriminalpolizei an und delegierte ihn umgehend nach Wesel. Bis 1917 bereiste er als Aufklärer die verschiedensten Länder. Zurückgekehrt leitete er als Geschäftsführer die Leipziger Kinos. Dann machte er sich in der alten Messehalle am Fleischerplatz mit einem Filmatelier selbstständig. Wenngleich "Winters Weltmarktfilme" nicht überzeugen konnten, begleiteten sie doch tolle Werbeeinfälle. "Sein sechsjähriges Söhnchen, das er Heros nannte," drang bis zur Wiener Tageszeitung Die Stunde, "führte er in Leipzig in langen Hosen und mit Melone" spazieren und stellte ihn den Mitbürgern als Jackie Coogan vor, der 1921 durch den Auftritt neben Charlie Chaplin in The Kid berühmt geworden war. Die ersten Film-Experimente zogen sich bis 1922 hin. Zwei Jahre später bezog er in Leipzig Arbeitslosenunterstützung. Im Jahr darauf stellte ihn der Reichsbankgläubigerverband für 40 Reichsmark als Redner ein. Auch nach dem die Organisation sich spaltete und in Leipzig neu gegründet wurde, behielt er diese Stellung. Nebenher führte Winter gegen die Reichsbank wegen Aufwertung von vier Tausendmarkscheinen einen Prozess. Es kam zum Krach. Der Verband bezeichnete ihn als Schwindler und stellte ihn kalt. Daraufhin machte er sich selbstständig, gründet den Deutschen Volksbund "Wahrheit und Recht".

 

 

Der Taylorismus-Experte

Waren einst Dampf, Elektrizität und Spinnmaschine, rekapitulierte Marx am 14. April 1956 in London aus Anlass der Jahresfeier der People`s Paper, "Revolutionäre von viel gefährlicherem Charakter als selbst die Bürger Barbes, Raspail und Blanqui", dann heissen die neuen Umstürzler: Fliessband, Serienproduktion und Principles of Scientific Management. Gustav Winter suchte ihre Gesellschaft und widmete ihnen die Schrift:

Der Taylorismus.
Handbuch der wissenschaftlichen Betriebs-
und Arbeitsweise für die Arbeitenden
aller Klassen, Stände und Berufe.

Ein Trendsetter, über Einhunderttausendmal verkauft, ein beachtlicher Verkaufserfolg in Zeiten von Unruhen und wirtschaftlicher Not. Sein Autor gerierte sich als Promotor des neuen Produktionskonzepts und schmückte sich mit dem Titel "Betriebsanwalt". Im Vorwärts (Berlin) bewarb er am 17. Juni 1919 sein Werk mit dem Slogan:

Taylorisieren Sie!
Sie verdienen das Vierfache.

Das Thema war hoch aktuell, stand doch die deutsche Industrie nach dem Ersten Weltkrieg unter hohen Kostendruck. Speziell die von einem Ingenieur der Bethlehem Steel Corporation kreierten Produktionsmethoden könnten für die Lösung dieser Aufgabe hilfreich sein. Winslow Taylor (1856-1915) zerlegte, atomisierte und normierte industrielle Arbeitsabläufe, reorganisierte die Produktionsprozesse mit Stopp-Uhr, Typung und Pensumsystem. Ein gewisser Wladimir Iljitsch Lenin blieb skeptisch, weil damit Die Versklavung des Menschen durch die Maschine vollendet, teilt er am 13. März 1913 aus Sankt Petersburg in der Prawda mit. "Entseelte Arbeit macht die meisten unserer Brüder und Schwestern zu Werkzeugen", wehklagt Knud Ahlborn am 11. Oktober 1913 in seiner Feuerrede auf dem Hohen Meissner, "und hetzt sie bis zur Austilgung der letzten Selbstbestimmung." Nun brauchte es keine oder zumindest viel weniger gelernte Arbeiter. S i e, stellt Raoul Heinrich Francé (1874-1943) im Jahrgang 1924/25 in der kulturbiologischen Zeitschrift Telos fest, "müssen nur einen einzigen Handgriff lernen, den auch der Dümmste in zwei Tagen" fertigbringt. Mit dem Taylorismus, der Serienproduktion und Fliessbandarbeit nahm die repetitive Arbeit stark repressive Formen an. So war es nur Willkommen, wenn Taylorismus-Experte Winter (1920, 244) in der für ihn typischen Art den gewünschten Optimismus versprühte:

"Wir waren und werden sein:
Deutschland in der Welt voran!"

Der opferreiche Krieg war vorbei. Hungerepidemien überstanden. Die Sehnsucht nach ein wenig Wohlstand kehrte zurück. Da kam der Fordismus mit seinem unheimlichen Begleiter, den Taylorismus, und versprach die Löhne zu steigern, gerade recht. Aber trostloser als im Krieg, mochten viele es sich zunächst ausgemalt haben, konnte es in diesem neuen Produktionskonzept auch nicht zugehen. Schliesslich waren die Produzenten an Befehl, Unterordnung und Disziplin gewöhnt. Zudem traf es erstmal verhältnismässig wenige. Ende der zwanziger Jahre bedienten die ArbeiterInnen in Deutschland am Fliessband schätzungsweise zwischen 50 000 und 100 000 Arbeitsplätze.

Nicht alles nimmt sich in Winters Schrift so progressiv aus, wie man es vielleicht erwartet, zum Beispiel, wenn er fragt: "Ist der Hauptberuf des Weibes nicht der, Frau und Mutter zu sein?" Durch die berufliche Bildung der Frau würde seiner Ansicht nach eine starke Konkurrenz für den Mann grossgezogen, die den Kampf ums Dasein weiter erschwert. Ungeachtet solcher eingebauten Elemente der Anti-Moderne, zählt Winters Schrift zur überbetrieblichen Rationalisierungsbewegung der zwanziger Jahre.

Die Umwälzung der Produktions- und Verwaltungsorganisation war nicht allein die Tat des Taylorismus. Als die rationalisierte, geregelte und institutionalisierte Akkumulation der Kapitalgesellschaften in der Grossproduktion die individualistische Gewinnmacherei ablöste, übernahmen die Manager das Ruder und reorgansierten die Leitungs- und Entscheidungsprozesse im Industriebetrieb neu. Henry Ford reflektierte 1923 in Mein Leben und Werk die Neuerungen und Implikationen der Modernisierung der Industrieproduktion. In der Debatte bildet sich das vorherrschende Urteil, dass seine Anschauungen mit der europäischen Arbeitswelt nicht vereinbar sind. Wieder war Gustav Winter zur Stelle. Ein Alarmsignal für das gesamte deutsche Volk lautet der Untertitel seiner Schrift

Der falsche Messias Henry Ford,

die 1924 erschien. Die Illustrierte Motorzeitung aus München preist sie an:

Der falsche Messias enthält "manchen guten Rat für Geschäftsleute und Industrielle". Es ist offensichtlich, dass die Entwicklung der industriellen Arbeit manche Gefahren aufweist. Dies in "klarer und grosszügiger Weise aufgedeckt zu haben, ist

das Verdienst des bekannten Volkswirts
und Schriftstellers Gustav Winter.

In seiner Schrift Der falsche Messias, zeigt er uns den Despoten und Automobilkönig in seiner wahren Gestalt. Ford ist keineswegs der grosse Wohltäter, als den er sich selber hinstellt, sondern ein genialer Ausbeuter und rücksichtsloser Geschäftsmann, den die deutschen Industriellen und Arbeiter gleichermassen zu fürchten haben."

Anfang Oktober 1930 reiste der falsche Messias direkt von den Passionsspielen in Oberammergau zur Grundsteinlegung seines Auto-Werkes in Köln an. Bald lugte der Mechaniker auf dem Industriegelände über den Bauzaun, um zu erkunden, ob denn die Halle für das Montageband schon steht. Schon fragt die arbeitslose Sekretärin im Personalbüro nach einer Stelle. Und die Gewerkschaften hofften auf die Fünftagewoche. Aus dem genialen Ausbeuter wurde ein Wohltäter. Wer sprach jetzt noch über die ökonomische Gewalt des Taylorismus und die antisemitischen Ausfälle des Henry Ford?

 

In Grossjena bei Naumburg

Blick nach Großjena,
Weinberge, mit ehemaligen Wohnhaus von Gustav Winter (2007)

Mitte der zwanziger Jahre übersiedelte Gustav Winter nach Großjena bei Naumburg. Sein Haus liegt am Hang eines Hügels, unweit der Unstrut, die wenige hundert Meter weiter in die Saale mündet. Der Neue nahm am Dorfleben teil, pflegte reichlich Kontakte und verkörperte, was man landläufig einen geselligen Typ nennt. Viele schätzten seine Offenheit und Grosszügigkeit. In Großjena führte er die in Nordholz begonnenen Experimente fort. Mittels einer magnetischen Versuchsanlage soll das Pflanzenwachstum ohne Anwendung von künstlichen Dünger, allein unter Ausnutzung des Erdmagnetismus, gesteigert werden.

1924/25 gab er ohne grossen Erfolg die Zeitschrift Der Diktator heraus.

 

Schrei nach Aufwertung (Heimann)

Jetzt rückten immer mehr die Folgen der Geldpolitik in das Zentrum des Interesses von Gustav Winter.

Die Hyperinflation hatte die Ersparnisse und Altersrücklagen des kleinen Mannes entwertet und die Geldschöpfung der Privatiers zerstört, was wiederum Teile des Adels und des wilhelminischen Offizierskorps in ihrem sozialen Stolz traf. Während der Staat sich sanierte, seine Schulden schmolzen durch die Entwertung der Mark von etwa 200 Milliarden Goldmark 1918 auf 20 Goldpfennige im Oktober 1923 zusammen, waren grosse Teile der Mittelschicht und des Kleinbürgertums enteignet worden. Es war

"die grösste wirtschaftliche und soziale Revolution der ganzen bisherigen [deutschen] Geschichte" (Heimann1925).

Ein Aufschrei nach Aufwertung hallt durch das Land. Die Ansprüche lassen sich in vier Gruppen unterteilen (siehe Heimann 1925, 6):

Erstens in diejenigen, die in der Hauptsache aus Forderungen von Privaten an Private entspringen. Im Verhältnis von privaten Gläubiger und Schuldner erscheint hier das zugefügte Unrecht am sinnfälligsten.

Zweitens konnten Ansprüche zur Aufwertung aus Sparkassenguthaben, Lebensversicherungsverträgen und Pfandbriefen der Hypothekenbanken erwachsen. Als Vorkämpfer der Aufwertung (Heimann) trat der Reichstagsabgeordnete Doktor Adelbert Düringer hervor, der am 1. März 1923 dem Reichstag einen Antrag auf

Erlass eines Hypothekensperrgesetzes,

vorlegte. Er sah vor, dass Hypotheken oder Grundschulden, die vor dem 1. Januar 1922 eingetragen worden sind, bis zum 1. Januar 1927 nur mit Zustimmung des Gläubigeres zurückgezahlt werden konnten. Das Dokument wurde an den Ausschuss zurücküberwiesen und verblieb dort unerledigt.

Drittens waren es Forderungen, die Besitzer von Reichs-, Staats- und Kommunalanleihen geltend machten. Freilich dürften, worauf Hugo Heimann (1925) hinweist, Reich, Länder und Gemeinden eine Aufwertung nur in dem Verhältnis vornehmen, wie ihnen durch Steuern neue Mittel zur Verfügung standen.

Viertens. Die Reichsbank legte am 5. März 1925 ein Umtauschverhältnis für die Reichsbanknoten von einer Billion Mark gegen eine Goldmark zugrunde. Im Gerichtsprozess von 1928 wurde zu Gunsten von Gustav Winter angenommen, dass er bis zu diesem Zeitpunkt (!) auf ein günstigeres Umtauschverhältnis hoffte. Konsequenterweise hätte das, argumentiert die Verteidigung, zum Freispruch führen müssen. Ausserdem insistierte Winter auf den Unterschied zwischen Reichsbanknoten der Vorkriegs- und Inflationszeit. Damit bezweifelt er die Rechtsgültigkeit eines einheitlichen Umtauschsatzes für alle Reichsbanknoten, also für Papiergeld und Goldmarknoten.

Die Regierung und besonders der Reichsjustizminister Doktor Heinze wiesen am 4. Juli 1923 ausdrücklich jede Form der Aufwertung zurück. Ebenso der Reichsfinanzminister Hans Luther in den Kabinetten Stresemann II (6. Oktober bis 30. November 1923), Marx I (bis 26. Mai 1924) und Marx II (bis 15. Januar 1925) ein strikter Gegner der Aufwertung. In dieses politische Dogma brach das Urteil des Reichsgerichts vom 28. November 1923 ein, als es sich für eine Hypothekenaufwertung aussprach. (Heimann 1925, 6 bis 7) Damit war klar, dass eine gesetzliche Regelung geschaffen werden musste.

 

Die Tragödie der Sparer
und das Gefühl des erlittenen Unrechts
Dritte Steuernotverordnung vom 14. Februar 1924

Die Dritte Steuernotverordnung vom 14. Februar 1924, wogegen speziell die Nichtregierungsparteien zu Felde zogen, verfügte für Pfandbriefe, Sparkassenguthaben, Lebensversicherungsverträge, Reichs-, Staats- und Kommunalanleihen eine Aufwertung um 15 Prozent. Aus den unterschiedlichsten Gründen wurde diese Marge nur selten erreicht. Überhaupt war die Wirkung der Massnahmen unbefriedigend, weshalb Forderungen nach Aufwertung nicht nicht verstummen wollten. Carl-Ludwig Holtfrerich (1980, 326) weist daraufhin, dass 1926 und 1927 zwei Volksbegehren zur Revision der Aufwertungs-Gesetzgebung durch Beschluss des Innenministerium vereitelt wurden.

Der Gegenwartswert der Hypotheken - schätzt Hugo Heimann (1925) - beträgt etwa 8 Prozent, bei Sparkassenguthaben werden letzten Endes bis 1932 nach den jetzigen Bestimmungen höchstens 4 Prozent zur Verteilung kommen. Damit war ein allgemeiner Grundsatz der Geschäftsmoral von Treu und Glauben aufgehoben und das Grundvertrauen des Bürgers in den Staat unterminierte. Ungeachtet dessen unterstützen die Vertreter des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, des Zentralverbandes des Deutschen Banken- und Bankiersgewerbe, des Zentralverbandes des Deutschen Großhandels und die Lebensversicherer die Vorgehensweise der Regierung mit der Dritten Steuernotverordnung und hielten daran fest: Jede weitergehende Aufwertung führt zur Inflation. (Heimann 1925, 15) Am Tag nach Erlass der Dritten Steuernotverordnung lieferte die Berliner Börsen-Zeitung die Anschlussargumentation: "Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass die Erhöhung des grundsätzlichen Aufwertungsbetrages auf 15 Prozent eine kaum ertragbare Belastung für die Wirtschaft ist." Deshalb und weil sie den Interessen des Großkapital entgegenkommt, darf sie nicht geändert werden.

Zur sozialen Auswirkung der Aufwertungsgesetzgebung bestehen bis heute unterschiedliche bis gegensätzliche Auffassungen fort. Nachdenklich stimmt, wenn 1980 (326) Carl-Ludwig Holtfrerich von "einer  a n g e b l i c h  unzureichenden Aufwertung" spricht. Im Gegensatz dazu steht Einschätzung des ehemaligen Staatsministers, Staatssekretärs des Inneren und Stellvertreter des Reichskanzlers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (Naumburg) an. Im Dezember 1925 kritisiert der allseits hochgeschätzte Fachmann für Staatsfinanzen: Von den Gläubigern verlangte die Steuernotverordnung einen individuellen Nachweis der Ansprüche. Dafür vermochten sie oftmals nicht die erforderlichen urkundlichen Nachweise vorzulegen. In genügend Fällen schafften es auch die Bankhäuser nicht. Sie waren mit den Formalien überlastet. Mit anderen Worten, die Dritte Steuernotverordnung vom 14. Februar 1924 machte den Gläubigern die Vertretung ihrer sachlichen Rechte oftmals unmöglich. "Das Gefühl des erlittenen Unrechts", prophezeite Posadowsky-Wehner, "wird nicht ruhen."

Und so kam es.

 

Der Deutsche Volksbund "Wahrheit und Recht"

Ebensowenig wie die Dritte Steuerverordnung, brachte auch das am 16. Juli 1925 vom Reichstag verabschiedete Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken .... und das Gesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen keine Wende in der Aufwertungsfrage, was bei den betroffenen Interessengruppen tiefe Enttäuschung auslöste und auf heftige Kritik stiess.

"Diese Aufwertungsgesetzgebung wird ein dunkles Blatt in der deutschen Rechts- und Sittengeschichte bilden",

urteilt am 25. Juni 1924 Graf Arthur von Posadowsky-Wehner (Naumburg) im Aufsatz "Schutz dem versinkenden Mittelstand".

Gustav Winter (1882-1936). Zeichnung

In dieser Situation gründet Gustav Winter 1926 den Deutschen Volksbund "Wahrheit und Recht". Er verspricht die rot gestempelten alten Tausendmarkscheine, beschriftet mit Einlösungsvermerk der Reichsbank, einzuwechseln oder einhundertprozentig aufzuwerten. Die Wahrheit-und-Recht-Bewegung dockte am Gefühl des erlittenen Unrechts an und befeuerte die Hoffnung auf eine hundertprozentige Aufwertung des Papiergeldes. Ihr Bundesführer zeichnete stets mit:

"Sieghaft wie immer trotz allem und
Treudeutsch Euer G. Winter".

Die unsoziale und undurchschaubare Geldpolitik trieb dem Volksbund die Mitglieder zu. Bald gehörten ihm gut 100 000 Personen an. Das Münchhausen-Talent zählte 1927 sogar drei Millionen Mitglieder.

Nun beginnt der

Schlusskampf gegen die Reichsbank.

"Jetzt bereist Gustav Winter", eröffnet Hans Bauer Anfang 1926 im Grazer Arbeiterwille dem Leser, "mit seinem Aufwertungsvortrag ganz Deutschland und hat brechendvolle Säle. Der Eintritt beträgt 50 Pfennig. Aber das ist nicht das Geschäft, sondern dies, dass er seinen verbitterten Plüschgarnitur-Kleinbürgern glaubhaft zu machen versteht, dass der Beitritt zu seiner Organisation der Reichsbankgläubiger dem Aufwertungsgedanken auf die Beine hilft."

Binnen kurzem eilte ihm der Ruf des Aufwertungs-Rebellen voraus. Regierung und Behörden nehmen seine politischen Aktivitäten mit wachsendem Unbehagen wahr. Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht spielt im Brief an Reichswirtschaftsminister vom 26. April 1926 auf ihn an und warnt davor, seine Forderungen zu erfüllen. Denn allein von den braunen Tausendern mit Datum 30. April 1910 sind etwa 128 Milliarden nicht wieder zur Reichsbank zurückgelangt. Folglich müsste die Reichsbank nur für diese Tausender 128 Milliarden Reichsmark zahlen, "was natürlich den sofortigen Zusammenbruch der neuen Währung bedeuten würde".

Was der Reichsbankpräsident vorträgt, klingt plausibel, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Der sozialdemokratische Abgeordnete Wilhelm Keil kommt am 10. Juli 1925 in der Beratung des Reichstages zum Aufwertungsgesetzes schnell zum Kern der Sache: Es geht darum, sagt er, dass die Regierung nicht bereit ist die erforderlichen Mittel dort zu beschaffen, wo sie zu holen sind. "Es ist ein Skandal, der zum Himmel schreit, dass sich die Regierungsparteien um die Besteuerung der großen Inflationsgewinne herumzudrücken versuchen."

 

.... die Flammenzeichen rauchen!

Als Führer des Volksbundes "Wahrheit und Recht" sieht sich Gustav Winter ein um das andere Mal in eine weltgeschichtliche Situation versetzt. Im Schlusskampf mit der Reichsbank reklamiert er allen Ernstes den patriotischen Geist und Enthusiasmus der Befreiungskriege von 1813/15, wenn er die Losung ausgibt:

Frisch auf, mein Volk,
die Flammenzeichen rauchen!

Der Vers ist dem Gedicht Aufruf von Theodor Körner (1791-1813) entliehen. Der Dichter war Mitglied des berühmten Lützowschen Freikorps. Er wollte die Landsleute zum Kampf gegen Napoleon mitreissen. Was genau die Flammenzeichen beim Aufwertungs-Rebellen bedeuten, muss jetzt geklärt werden.

In einigen Städten entstehen dem Deutschen Volksbund "Wahrheit und Recht" angegliederte Verbände. Sie sollen in die Reichspolitik eingreifen. Deshalb wirft, was oft einen chaotischen Eindruck hinterliess, ihr Führer vor Wahlen mal diese oder jene radikal rechte oder radikal linke politische Losung in die Öffentlichkeit, womit demonstriert werden soll, dass die ausschlaggebenden Stimmen vom Deutschen Volksbund "Wahrheit und Recht" kommen. Zum 4. Deutschen Reichstag dient der Volksblock der Inflationsgeschädigten seine Kandidaten an. Was läge näher, als dass der Volksbund sich dieser Wählervereinigung anschließt. Doch Winter unterstützt ihn nicht und preist zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928 für die Teutschen Gaue nördlich des Mains die Listen 5 und 10, für Bayern noch die Liste Sahr und Genossen an. "Seine Schafe sollte eben niemand außer ihm scheren!!" (LVZ 29.10.1928)

 

Zum Ärger der Parteien

Der Deutsche Volksbund "Wahrheit und Recht" rannte nicht als einziger gegen die Geldpolitik des Staates an, sondern war nur einer unter vielen Aufwertungs- und Sparer-Initiativen. Genannt sei hier stellvertretend für die vielen anderen die Deutsche Aufwertungs- und Aufbaupartei, die bei den Landtagswahlen am 7. Dezember 1924 in Preußen 41 228 Stimmen erhielt. "Leider", beklagt Hjalmar Schacht am 26. April 1926, "gibt es keine gesetzliche Handhabe zur Unterdrückung dieser Agitation."

Bei den arrivierten Politikern waren diese Vereinigungen und Organisationen nicht beliebt. Vielmehr reagierten, teilt 1928 Carl von Ossietzky seine Beobachtungen mit, die großen Parteien nervös, "wenn jemand an ihrer Majestät rütteln möchte". "Diese Gruppen wirtschaftlich Geschädigter, deren einziges Band die Enttäuschung ist, sollten durch Mittel der Gesetzgebung, durch völlig verfassungswidrige Mittel kaputt gemacht werden. ….

Es handelt sich nicht darum, ob diese schnell improvisierten Parteichen nützlich oder sympathisch sind."

Den Herausgeber und Chefredakteur der Weltbühne berührte, "wie sehr alle großen Parteien plötzlich einig sind, wenn sich Außenseiter melden, die vor den großen Herren keinen Respekt haben."

 

Die Reichsbank warnt

Doch es war nicht allein verletzte Eitelkeit, die den Ärger bei Parteien über die Bürger-Initiativen hervorrief. Die Regierung lehnte alle Bestrebungen für Zinsen zur Ablösung öffentlicher Anleihen, die Umwertung von Hypotheken oder Aufwertung von alten Papiergeld mit der Begründung der gesamtwirtschaftlichen Verantwortung ab. Allein eine Aufwertungs-Debatte zum Papiergeld, fürchtet 1926 Reichsbankdirektor Hjalmar Schacht, könnte "ungleich schärfere Erschütterungen des gesamten Wirtschaftslebens" als im verflossenen Jahr hervorrufen, was wiederum die Kreditwürdigkeit und -fähigkeit Deutschlands beschädigen würde. Kurzfristige Kredite würden dann storniert oder gänzlich ausbleiben, warnt er im Brief vom 26. April 1926 an das Reichswirtschaftsministerium. Das hätte die Verschlechterung der Devisenrentabilität zur Folge. Ferner würde eine Abänderung des Bankgesetzes ohne vorherige Zustimmung der Reparationskommission und der Vertragsmächte des Londoner Abkommens einen Verstoß gegen internationale Vertragsverpflichtungen darstellen und ist deshalb dem deutschen Gesetzgeber nicht anzuraten.

 

Der grosse Held
der kleinen Leute

Gustav Winter (1882-1936)
in seiner Lieblingspose

Unter der Leitung von Gustav Winter erscheint ab 1926 die

Wochenschrift für Wiederaufbau
und Ausbau der deutschen Wirtschaft

Wahrheit und Recht.

Im Schlusskampf mit der Reichsbank nimmt sie die Inflationsidioten, das Bonzentum, die verfreimauerte Presse und ekelhaft Hörigen des internationalen Grosskapitals unter Dauerfeuer. Das Überparteiliche Kampforgan für das gesamte arbeitende und denkende deutsche Volk der Aufwertungsbewegung fordert 1931:

Nieder mit Bonzentum und Freimaurerei!
Weiter feuern! Nicht nachlassen!

Bald ward Gustav Winter, nicht zuletzt durch seine forschen Auftritte:

Der grosse Held
der kleinen Leute 
(Hans Bauer 1928).

Die Kampagnen gegen die Inflationsidioten gestaltete er zum monetären Massenbetrug aus. So war Winter, titelt zum 17. September 1928 in München die AZ am Abend,

Der einzige,
der von den "Rotgestempelten" leben konnte
.

Das war nicht immer so. Im April 1925 leistete er den Offenbarungseid. Damals nannte er, stellte Landgerichtsdirektor Franke im Juni 1929 während des Revisions-Prozesses am Leipziger Landgericht fest, noch ganze drei Hemden, zwei Anzüge und sechs Kragen sein Eigen. Nicht gerade viel für einen verheirateten Mann mit zwei Söhnen. "Seitdem hat er sich", vermerkt am 5. Juni 1929 die Leipziger Volkszeitung, "dank seines Volksbundes Wahrheit und Recht ganz beträchtlich aufgewertet." 1927 beträgt sein Jahreseinkommen laut Selbstauskunft 50 000 Reichsmark. Weitere 160 000 Reichsmark bewahrte die Bank für ihn auf. Ausserdem verfügt er über 100 Reichsbankanteile a `100 Mark. Seine Verpflichtungen belaufen sich auf 80 000 Mark. "Der Führer der Armen", lästert die Leipziger Volkszeitung 4. Oktober 1928, "besitzt 250 000 RM Vermögen."

Im Schlusskampf mit der Reichsbank bringt Tausend-Markschein-Winter eine beachtliche Zahl und in scharfer Polemik von ihm verfasste Schriften, Aufsätze und Artikel unter die Leute. Zeitweise schwemmten sie viel Geld in die Kasse. Als 1927 die Polizei zur Hausdurchsuchung anrückte, musste die Kontoristin Frau Anna Siegel, die die Kasse führte, eine Tasche voller Geld von Frau Winter in Empfang nehmen und zu deren Mutter schaffen. Wie sich im Herbst 1928 vor dem Schöffengericht in Leipzig herausstellte, rechnete der Vereinsvorsitzende nicht alle Einnahmen exakt ab.

 

Der verrückte Winter?

Fraglos wusste Gustav Winter den Schlusskampf gegen die Reichsbank aufregend und öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Der Obervertrauensmann der Inflationsgeschädigten plante, organisierte, publizierte, agitierte, reüssierte, intervenierte, provozierte - die Inflationsidioten - und finanzierte, einmal sogar erstaunliche 100 000 Reichsmark, kassierte und betrog.

Er fühlte sich verfolgt. Er fühlte sich bedroht. Nicht nur von der Polizei- und den Kriminalbeamten, die seine Versammlungen observierten. Auch von seinem Geschäftsführer. Seine Frau hatte ihm ein schönes Stück Gänseleber eingepackt, Als er dieses unterwegs gegessen, bekam er gleich Durchfall und wusste, dies war ein Giftmordversuch. Bald darauf erstattete er Anzeige gegen seinen Geschäftsführer, die er aber zurückziehen musste. (LVZ 5.6.1929) Dem Verfolgungsgefühl erlegen, zog er in einer Gläubiger-Versammlung die Schreckschusspistole heraus, knallte damit in den Saal und rief:

"Mir soll nur einer kommen!
Der erste Schuss geht in die Luft,
der zweite sitzt!"

In Berlin fragten ihn auf der Strasse zwei Strassenkehrer, ob sie auch Mitglieder seiner Bewegung werden können.

"Jawohl, hat Winter ihnen geantwortet. Sie können die Wilhelmstrasse [Sitz der Regierungsbehörden] mit einem eisernen Besen kehren!" (LVZ 16.10.1928)

Der  v e r r ü c k t e  Winter, wie ihn viele nannten, lobte Benito Mussolini und zieht die Scheide- und Stresemänner durch den Kakao. Verrückt? - Dies hätten die Bürger - hoffentlich - ausgehalten. Zudem könnte man einem Münchhausen-Nachfolger Heiteres und Komisches abgewinnen. Doch den Baron kann er nicht beerben. Vielmehr sind seine Aktivitäten in der Aufwertungs-Bewegung, was er nie verhehlte, mit purem nationalistischen Denken durchzogen und einer antidemokratischen Haltung vergesellschaftet. 1931 ruft er seinen Sympathisanten auf dem Weg ins Gefängnis zu:

"Zeigt dem Volke, wie es durch seine Bonzen in allen politischen Parteien belogen und betrogen wird so lange, bis der ganze elende, heuchlerische Parlamentarismus zusammengekracht ist und der Weg frei wird für eine vernunftgemäße, überparteiliche Diktatur seitens eines ehrlichen Volksführers in Deutschland." (WuR 24.4.1931, 3)

Beseelt von der Sehnsucht nach dem Führer, verkörpert die

Winter-Bewegung

eine Strömung in der antidemokratischen Rechten und flankiert die nationalsozialistische Bewegung. Unverblümt heisst es im April 1931 in Wahrheit und Recht:

Wir "sind nun einmal die
natürlichen Gegner des heutigen Systems."

Aus gutem Grund tauften ihn die SPD-Genossen auf den Namen "brauner Betriebsanwalt".

 

Die Aufwertung als soziale Frage

Bereit im Krieg kam es in der Bevölkerung zu einer enormen Verschiebung von Eigentum und Vermögen. Dann trieb die Hyperinflation die Besitz-Unterschiede zwischen den sozialen Schichten und Klassen in ungeahnte Höhen. Aus angesehenen Bürgern machte sie gescheiterte Existenzen. Nicht selten verloren sie achtzig bis neunzig Prozent ihres Geldvermögens. Einige mussten die herrschaftliche Wohnung mit einem kleinen Zimmerchen tauschen und lebten von einer monatlichen Unterstützung in Höhe von 30 oder 35 Mark. (Keil 1925) Viele stürzten ins Bodenlose, schlugen sich dabei schwere soziale Verletzungen.

Einer nachträglichen Aufwertung ihrer Vermögens-Rester entgegneten besonders die Grossindustrie, die Banken und konservativen Politiker mit dem Argument der fehlenden finanziellen Mittel beim Reich, der Länder und Gemeinden. So fiel die Aufwertung laut Gesetz über Ablösung der öffentlichen Anleihen vom 16. Juli 1925 wesentlich dürftiger aus als die privatrechtlichen Schuldforderungen.

Für die Aufwertung könnte insgesamt eine befriedigendere gesamtstaatliche Lösung gefunden werden, wenn, wie Wilhelm Keil (1870-1968) am 11. Juli 1925 im Vorwärts (SPD) darlegte, eine durchgreifende Besteuerung der Inflationsgewinne und der in Notzeit erhalten gebliebenen grossen Vermögen erfolgen würde. So wäre die Umwandlung der reell erworbenen Anleihen zu 20 Prozent ihres Nennwertes möglich. "Die Mehrheitsparteien [Deutsche Demokratische Partei, Deutsche Volkspartei, Bayerische Volkpartei] scheuen aber die Erfassung der Kreise, die trotz Krieg und Inflation reich geblieben, reich oder reicher geworden sind …." Hingegen erklärte tags zuvor der SPD-Abgeordnete vor dem Deutschen Reichstag zum Aufwertungsgesetz, dass seine Partei den "Kampf für die Interessen der verarmten Gläubiger" führt. Bei dieser Gelegenheit bedauerte er nochmal, dass "die gewaltige Verschiebung des Vermögensbesitzes, der mit dem Krieg und der Inflation verbunden war, niemals restlos ungeschehen zu machen ist". Die Folgen der Inflation könnten durch eine gezielte Aufwertungs-Politik lediglich gemindert werden, wogegen aber bedeutende Schuldnergruppen immer wieder Einspruch erheben. "Jede entgegengesetzte Meinung versucht man zu unterdrücken." So fand die Aufwertung im parlamentarischen Rahmen keinen Anklang. Man ist einen rechtlichen Weg gegangen. Den versucht man jetzt mit Schönheitspflästerchen zu versehen. Es ist eine Lösung entstanden, beschreibt Wilhelm Keil die Lage, die weder Rechtsgrundsätzen noch sozialen Gesichtspunkten entspricht.

"Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung," beurteilt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (Naumburg) die Geldpolitik im Vorfeld der Beratungen des Reichstages zum Aufwertungsgesetzes im Juli 1925, "dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Keil 1925)

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede
zwischen
Cavaliere Cipolla und Gustav Winter

Ihr werdet wieder zu Hause sein, ehe noch das Laub von den Bäumen fällt, versprach Kaiser Wilhelm II. im August 1914 den Soldaten. Seinen Jüngern gelobte Gustav Winter im Herbst 1926 in Dresden: Weihnachten habt ihr euer Geld. Derartige Lügen und Ungereimtheiten wollten die Aufwertungsschafe nicht bemerken. Winter war für sie doch ein durch und durch echt deutscher Mann: tüchtig, fleissig, ehrlich und natürlich deutschnational. Ausgestattet mit Bekenner- und Führersehnsucht und, was Historiker Ernst Borkowsky den Deutschen bereits 1914 attestierte, grosser Glaubensstärke, traben sie ihm wie hypnotisierte und willenlose Geschöpfe hinterher. Es fehlte nur noch, dass sie ihn küssten, so wie Mario unter Hypnose, in der Annahme es sei die Geliebte, den hässlichen Zauberer Cavaliere Cipolla, der im Grand Hotel des virtuellen Torre di Venere seine abendliche Vorstellung gab. Die Hausgäste liebten das Spektakel und die Wanderung entlang der Grenze zur Katastrophe, etwa wenn er Auserwählten durch Hypnose den Willen raubte oder sie lächerlich machte.

Gasthaus zum Höfjäger mit Veranstaltungshalle. Magdeburg, vielleicht um 1920

Das Publikum war süchtig nach d e m berauschenden Erlebnis. Es war verführbar, worin es den am 6. April 1926 im Hofjäger von Magdeburg um Gustav Winter versammelten Vorkriegsgeldbesitzern, die an das Aufwertungswunder glaubten, ähnelte. Aber während die Novelle

Mario
und der Zauberer
(1930)

eine von "Ärger, Gereiztheit, Überspannung" (Mann) geprägte Atmosphäre spiegelt, herrschte bei den Winter-Versammlungen eine gehobene, dynamische und aktivistische Stimmung. Der Taschenspieler und Hypnotiseur Cavaliere Cipolla war ein unangenehmer Typ. "Es war greulich," hinterliess uns Thomas Mann als Schilderung, "wie der Betrüger sich lieblich machte, die schiefen Schultern kokett verdrehte, die Beutelaugen schmachten liess und in süsslichen Lächeln seine splittrigen Zähne zeigte." Ganz anders der Betriebsanwalt aus Grossjena. Charismatisch vereinte er das Image eines guten Deutschen mit dem des Taylorismus-Inspektors und der Ausstrahlung eines Börsengurus. "Wo Winter auftrat", hebt die Leipziger Volkszeitung am 12. Juli 1929 hervor, "wurde er bejubelt." Seine Anhänger liebten und verehrten ihn abgöttisch. Als er sich 1928 vor dem Schöffengericht in Leipzig wegen Betrugsverdacht verantworten musste, sandten seine Anhänger über 20 000 Protestbriefe an das Gericht. Im Juli 1929 kam es zur Revisionsverhandlung. Als er das Leipziger Gerichtsgebäude verliess, schenkte ihm eine bald siebzigjährige Frau einen Strauss roter Rosen. Dahinter hatte ein Background-Chor von jubelnden Anhängern Aufstellung genommen. Drei Jahre später sammelten seine politischen Weggefährten 35 000 Unterschriften, damit der Führer von Wahrheit und Recht zur Präsidentenwahl kandidieren konnte.

Mit dem 9. Verhandlungstag hörte das Leipziger Gericht 43 Zeugen, was im Oktober 1928 den Gerichtsreporter der Leipziger Volkszeitung zur Feststellung inspirierte:

"Man weiss wirklich nicht, was man mehr bewundern soll: die Dummheit und Leichtgläubigkeit von Winters fanatischen Anhängern, oder Winters gerissenen Geschäftsgeist und seine Überzeugungskunst."

Tatsächlich erscheint weniger der Aufwertungsrebell als der "gefährliche Mann", umso mehr jedoch seine von Bekennermanieren und Führersehnsucht getriebene Anhängerschaft. "Warum sollen die Leute, wenn sie an die Aufwertung glauben," prolongiert 1932 der Sozialdemokratische Pressedienst, "nicht auch an die sogenannten Protokolle der Weisen des Zions glauben, an die dümmste antisemitische Fälschung, die es gibt. .... Steht der Glaube an Hitlers Versprechungen und Phrasen im Grunde genommen nicht auf der gleichen Stufe, wie der Glaube an die Weisen von Zion oder an die rotgestempelten Tausendmarkscheine?"

 

Die Leute sind viel dümmer, als sie glauben

 

Gustav Winter

geboren am 11. Mai 1882 in Magdeburg

1920: Der Taylorismus.
Handbuch der wissenschaftlichen Betriebs-
und Arbeitsweise für die Arbeitenden
aller Klassen, Stände und Berufe.

Experimente mit "magnetischen Kohl" in Norddeutschland

Umzug von Leipzig nach Großjena bei Naumburg

1923: Winter, Gustav: Der Weg zur Produktionssteigerung: Praktische Anleitung zur Anwendung des Taylorsystems. Bonneß & Hachfeld, Potsdam

1924: Gustav Winter: Der falsche Messias Henry Ford. Ein Alarmsignal für das geamte deutsche Volk. Verlag Freie Meinung, Leipzig

1926: Mein Schlußkampf mit der Reichsbank und ihren heimlichen Helfern!
Leipzig, Hainstr. 23, Selbstverlag

1925: Herausgeber der Wochenschrift für Wiederaufbau und den Ausbau der deutschen Wirtschaft Wahrheit und Recht

etwa 1926:
Gründung des Deutschen Volksbundes Wahrheit und Recht

1926/27: Dokumentarfilm Bahn frei - der Völkerfrieden kommt!. Schwarz-weiss, stumm, 2835 Meter

1927: Der grosse Betrug - der Inflation und Deflation, Verlag Wahrheit und Recht, Leipzig

1928: Wahrheit und Recht über den Betrug mit den "Rotgestempelten", Nordholz, Kreis Lehe, Verlag "Wahrheit u. Recht"

3. Oktober 1928:
Beginn des Betrugs-Prozesses gegen Gustav Winter am Schöffengericht in Leipzig

8. November 1928: Verurteilung wegen fortgesetzten Betrugs zu einem Jahr drei Monate Gefängnis und 20 000 Reichsmark Strafe

1928/29: Aktivitäten
um die Deutschen Volkslichtspiele GmbH (Devoli) - gegründet am 3. August 1927. Auf Winters Initiative hin Überleitung in Deutsche Volksbund Lichtspiele

25. Februar 1929: Gründung von Philanthropa, internationales Kultur-Film-Propaganda-Institut E. Linke & Co. Kommanditgesellschaft (Leipzig)

11. Juli 1929: 6. Grosse Strafkammer des Leipziger Landgerichts erklärt das Urteil von 1928 gegen Winter für gültig

15. Februar 1930:
Gustav Winter trifft auf der Generalversammlung der Aktionäre der Reichsbank mit dessen Präsidenten Hjalmar Schacht zusammen

Mai 1931: Ehefrau Anna stirbt nach vierjährigen Magenkrebsleiden

Platon [= Gustav Winter]: Die Freimaurerei als Zerstörerin Deutschlands und Europas. Was steht dahinter? Verlag "Wahrheit und Recht", Leipzig 1931

1932: Winter im Gefängnis

13. März 1932:
kandidiert zur Wahl des Reichspräsidenten

Orga-Kult Kampagne

1931: Die Freimaurerei als Zerstörerin Deutschlands und Europas. Großjena bei Naumburg, Verlag "Wahrheit und Recht"

1933: Die Rettung Deutschlands ohne neues Geld. Verlag Wahrheit und Recht, Gustav Winter. Großjena bei Naumburg

5. November 1935:
Brief an Adolf Hitler

16. Dezember 1935:
Verhaftung

Sondergerichtsprozess in Halle

31. Oktober 1936 - Tod von Gustav Winter

 

Auf Versammlungen in Berlin, Zittau, Mannheim, Breslau, Dresden, Leipzig, Köln, Elberfeld, Krefeld und vielen anderen Städten warb der Betriebsanwalt aus Großjena für den Volksbund und die Aufwertung um 100 Prozent. Bei ihrer Vorbereitung tauchten manchmal Schwierigkeiten auf. Einmal kreiste die Nachricht umher, Reichsbankpräsident Doktor Hjalmar Schacht unterbreitet den Inhabern der alten deutschen Reichsbanknoten ein Vergleichsangebot von 66 2/3 Prozent. So stand es auch in Köln auf einem Winter-Plakat geschrieben. Einige trauten dieser Botschaft nicht und fragten sich, war es vielleicht doch ein Angebot  a n  Doktor Schacht? Ein Bürger versuchte Winter hierzu eine Klarstellung zu entlocken, scheiterte aber. Kurz darauf kam er als Referent zu einer Aufwertungs-Versammlung in die Stadt. Sollte man jetzt vielleicht mit ihm sprechen können? Dazu kommt es nicht, denn Winter führte sich wie ein Diktator auf und warnte die Dissidenten:

"Wer sich erlaubt, mir zu widersprechen, wird an die Luft gesetzt. Ich mache sofort von meinem Hausrecht Gebrauch."

Für die Ausführung seiner Befehle hatte er immer eine Leibgarde zur Hand. "Die Leute, die ihm widersprachen," berichtete am 11. Oktober 1929 die Leipziger Volkszeitung (LVZ) vom Winter-Prozess, "wurden als Reichsbankspitzel verschrien und in seiner Zeitschrift "Wahrheit und Recht" heruntergerissen." Als Mann der Ordnung, sorgte er zunächst für viel Unordnung. Wo und wann er immer eintraf, da ging es hoch her. In Hamburg musste die Staatsmacht zur Gewährleistung elementarer Formen von Ordnung Sicherheit eine Sipo-Kommando mit 1000 Mann einsetzen.

Von einer dieser Winter-Versammlung nahm die AZ am Abend in München Witterung auf. Am 1. März 1927 unterrichtete sie die Leser: "Wegen Irreführung der gutgläubigen Massen" verbietet die Polizei das Treffen.

Wenn Winter den Saal betrat, standen die Gäste auf, jubelten und klatschten. Seine Brust war mit allen möglichen Auszeichnungen dekoriert. Vor dem Gericht in Leipzig klärte sich, dass es alles Ehrenzeichen von nationalistischen Klubs und Vereinen waren. Ihm war an der Aufwertung des Geldes und an der eigenen Höherstufung gelegen.

Immer wieder dachte sich der Führer des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht" phantastische Geschichten aus. Zum Beispiel: "Jetzt kommt Frankreich. Die Kanonen sind schon auf der anderen Seite des Rheins aufgefahren. Wenn Deutschland jetzt die alten Noten nicht aufwertet, so kommen die Franzosen nach Deutschland, um die Aufwertung zu erzwingen." Derartiges purzelte Gustav Winter nur so aus dem Kopf. Und bereitet ihm nicht die geringsten Gewissensbisse. Wie gesagt, 1926 schwor er seinen Gläubigern Stein und Bein, dass das Geld Weihnachten ausgezahlt wird. Als das nicht geschah, sprach ihn ein Mitstreiter auf die Ungeheuerlichkeit des Schwindels an, worauf er geantwortetet haben soll:

"Die Leute sind viel dümmer, als sie glauben. Wenn ich nicht mit einer saudicken Lüge komme, so halte ich die Leute nicht zusammen." (LVZ 17.10.1928)

Nach der Rede feierten sie ihn ab. Mitunter trugen sie ihn auf Schultern durch den Saal und er rief:

S i e g ! S i e g !

Die Bühne war, legte ein Zeuge im Gerichtsprozess 1928 dar, mit Blumen und Lorbeerbäumen geschmückt und mittendrin stand eine Winter-Büste. Darüber strahlte die aufgehende Sonne von Wahrheit und Recht. Als er einmal in Dresden seinen Vortrag beendet hatte, erzählte Winter, kamen Mitglieder des Deutschen Offiziersbundes und der deutschen Fürstenhäuser gerannt, um ihn die Hand zu schütteln.

Alles in allem ideale Voraussetzungen, um auf dem Gebiet der Volksverdummung epochale Leistungen zu erbringen.

 

Winters Munitionslieferanten

Dass eine Bewegung gegen die Geldpolitik der Regierung entstanden war, kann freilich nicht allein Winters Redetalent oder dem Engagement des Volksbundes zugerechnet werden. Vielmehr forderten gewisse Politiker durch ihre Worte gegen die Arbeits- und Brotlosen, "deren kein Kartätschenprinz sich zu schämen brauchte" (Lewinsohn), Widerstand und Renitenz in verschiedener Abstufung heraus. So verstieg sich beispielsweise der Reichsbankpräsident und spätere Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht am 14. Februar 1930 in der Rede zur Schaffermahlzeit im Bremer Haus der Schifffahrt zu der Leistung: ".... wir haben nirgends mehr das Gefühl in der Bevölkerung, dass der Einzelne für sein Schicksal verantwortlich ist, dass der Einzelne kämpft und ringt und sich einsetzen muss, wenn er etwas im Leben erreichen will. Unser Ideal in Deutschland ist

das Ideal des Sozialrentners,

der mit dem Augenblick, wo er in die Wiege gelegt wird, sämtliche Versorgungsscheine, einschließlich der Sterbeklasse mitbekommt. Wir fühlen uns nicht als Bürger des Staats, sondern wir fühlen uns als Wohlfahrtsempfänger ...."

Die Schaffer spendeten reichlich Beifall.

Hingegen erkannte die Vossische Zeitung am 16. Februar 1930 in der Schacht-Rede nur eine "schlechte Wirkung des sicheren Reichtums". Laut Leipziger Volkszeitung vom 17. Februar 1930 betrug das Jahreseinkommen des Reichsbankdirektors eine halbe Million Reichsmark. Dafür wetterte er schon mal gegen die erwerbslosen Proleten und Hilfebedürftigen, legte "der öffentlichen Hand kräftige Handschellen" an, half wacker den Hohenzollern bei der Abfindung und beschuldigt im Buch die "Stabilisierung der Mark" Beamte der Banque de France des Raubes, des Einbruchs und der Fälschung (Lewinsohn). Durch eine falsche Politik" hat er, moniert Rudolf Hilferding (SPD) am 3. Dezember 1927 vor dem Reichstag, die Schwächung des deutschen Kapitalmarktes zu verantworten.

Nicht nur Hajalmar Schacht lieferte der Winter-Bewegung von Zeit zu Zeit die Munition für den Schlusskampf frei Haus.

 

Der große Betrug

1927 erscheint von Gustav Winter

Der große Betrug -
der Inflation und Deflation
,

eine Kampf- und Aufklärungsschrift des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht". Wie eine Lawine rollte die Inflation über Deutschland hinweg, erklärt der Wirtschaftsexperte aus Großjena. Sie vernichtete gewaltige Werte und Güter. Schuld sind die dunklen Kräfte Rathenau, Erzberger, Scheidemann und ihre Vorder- und Hintermänner. Schuld ist Hjalmar Schacht (1877-1970), der mit den Worten zitiert, dass sich die wirtschaftlich Geschulten auf Kosten der Unwissenden bereicherten. Gleichzeitig wirkt er maßgeblich an der künstlichen Verlängerung der Inflation mit. Noch im Frühjahr 1923, meint Gustav Winter, wäre es mit guten Willen möglich gewesen, die Inflation zu stoppen. Einige hundert Millionen Goldmark reichten aus, um das Übel zu beheben. Aber nein, der wahnwitzige und ehrgeizige Streber Hjalmar Schacht - erst Reichswährungskommissar und dann ab 22. Dezember 1923 Präsident der Reichsbank - ruiniert alles planmäßig, indem er die Papiermark durch Einführung der Rentenmark ab 15. November 1923 saniert. Zunächst besteht diese neben der alten Papiermark. Dann wird sie bei der Reichsbank zum Kurs von 1 Billion Papiermark = 1 Rentenmark = 1 Reichsmark umgetauscht. Als Gewinner sieht er das internationale Finanzkapital und das Reich, die Länder und Gemeinden, die nun frei von Schulden sind. Eigentlich erwartete man Steuererleichterungen. Aber, im Gegenteil, dem Volk werden weitere Kosten aufgebürdet. Virtuos jongliert Winter mit den Begriffen "Versailler Diktat", "Inflation", "Deflation", "Dawes-Plan", "Wirtschaftsniedergang", "Volksverrat" und "Volksbetrug". Zu oft gleitet er in theatralische Vorwürfe gegenüber dem Reichsbankpräsidenten ab. Diktion und Sprache seiner Argumentation erinnern mehr an die Asphalt-Presse als an soliden politischen Journalismus.

 

Vor Gericht in Leipzig

Am 19. September 1928 kündigen die Innsbrucker Nachrichten einen

Riesenbetrugsprozess in Deutschland

an. Der Führer des Volksbundes "Wahrheit und Recht" muss sich ab 3. Oktober 1928 vor dem Schöffengericht in Leipzig verantworten. Nicht weil er das Volk erregte, was oft genug vorkam, sondern der Verdacht auf Betrug an den Mitgliedern bestand. Das Gericht mit fünf Richtern und zwei Staatsanwälten tagt unter Vorsitz von Landgerichtsrat Timmermann. "Die Anklage legte ihm zur Last, von 1926 bis 1928 durch Wort und Schrift Leute, die an die Aufwertung der rotgestempelten Tausend-Mark-Scheine glaubten, getäuscht und ihnen durch bewusst falsche Angaben über die Aussichten dieser Bewegung Geld abgenommen zu haben." (LBV 4.10.1928)

Winter hielt in vielen Städten Reden, um neue Mitglieder zu gewinnen und den Volksbund zu stärken. Als Aufnahmegebühr musste jede Person 4 Reichsmark entrichten. Der Eintritt kostete bis zu einer Mark pro Person. Ausserdem wurden bei dieser Gelegenheit oft Broschüren über den Kampf gegen die Reichsbank verkauft. So kamen enormen Summen zusammen. Ein Grossteil dieser Einnahmen, klagt der Staatsanwalt, wurden nicht regelkonform an Wahrheit und Recht abgeführt. Doch der Angeklagte bestritt stets jede betrügerische Handlung.

Über zwanzig Tage verhandelte das Gericht. Wegen des chronischen Gallenleidens des Angeklagten, musste manchmal ein Termin ausfallen. Allein bis zum 9. Verhandlungstag erschienen 43 Zeugen. Erhielt der Angeklagte das Wort, dann hörte man öfter, worüber der Richter natürlich verärgert, aus dem Publikum Zustimmungsbekundungen.

Als erstes griff das Gericht zur Broschüre "Aufwertung zu 100 Prozent". Anschliessend folgte "Mein Schlusskampf mit der Reichsbank und ihre heimlichen Helfer". Jeden Zweifel des Richters und Staatsanwalts, hält der Gerichtsreporter fest, wehrte er mit der Gewandtheit eines begabten Redners ab. Am nächsten Verhandlungstag befasste sich das Gericht mit der Schrift "Der grosse Betrug". Dann ging es, schrieb Gustav Winter in einem Brief, um das prima Geschäft mit den Schriften, also um die Einkünfte aus der Propagandatätigkeit des Volksbundes. Allein 1926/27 setzte er 600 000 Druckschriften ab. Nimmt man einen Verkaufspreis von 1 Mark und Selbstkosten von 30 Pfennige pro Exemplar an, ergibt dies Brutto-Einnahmen in Höhe von 420 000 Reichsmark. Der Staatsanwalt kalkulierte gar mit nur 10 Pfennigen Selbstkosten pro Stück.

Wie man es immer rechnete, es kam heraus, dass er nicht alle Einnahmen aus dem Verkauf von Broschüren an die Organisation abführte, sondern einen Teil davon in die eigene Tasche steckte. Weitere Einkünfte flossen aus Auftritten für den Volksbund. Für einen Vortrag zu einer Aufwertungs-Versammlung erhielt er zunächst 50 Reichsmark nebst Unkosten für Reise und Verpflegung. Später waren es sogar 10 Prozent der Bruttoeinnahmen des jeweiligen Abends.

Überdies genügte die Buchhaltung des Volksbundes nicht den allgemein anerkannten Anforderungen. Trotzdem gestaltete sich die Beweisaufnahme für den Staatsanwalt schwieriger als gedacht. Der Angeklagte übernahm, was nicht geleugnet, von den ihn unterstellten Verbänden des Volksbundes in Dortmund und Leipzig die Kasse. Es wurde damit begründet, dass ihre Arbeit keine Aussicht auf Erfolg versprach. Ausserdem musste Winter, so seine Rede, viele Kosten der Bewegung übernehmen. (WuR 24.4.1931, 17)

Irgendwann "kamen die Gläubiger aus Hamburg angezottelt, die nach Leipzig geeilt waren, um ihre diversen Hände für Winter in das bekannte Feuer zu legen." Es existierte kaum eine gute Eigenschaft, die der Angeklagte nicht in ausgiebiger Weise besass. Ein erhebender Anblick, kommentierte am 25. Oktober 1928 die Leipziger Volkszeitung (LVZ) weiter, wie der Reihe nach ein Milcharbeiter, ein Kaufmann und ein Staatsarbeiter auf die Frage des Vorsitzenden nach dem Ziel der Bewegung die Hacken knallend zusammenschlugen und im germanischen Heldentenor erklärten:

"Die Errettung des deutschen Volkes
und der deutschen Heimat aus tiefster Not"!

Immer wieder überwältigte den Angeklagten das Imponiergehabe. "Mein Bild hängt auf jeden Bahnhof", verkündete er. "Die ganzen Süddeutschen ständen hinter ihm, 20 bis 30 Direktoren der Reichsbank zählten sich zu seinen Anhängern." (LVZ 17.10.1928) Einige Monate später erklärte er im Revisionsverfahren:

Ein Drittel, ja die Hälfte aller Deutschen
sind meine Anhänger.

Durch die Zeugen oder Winter selbst kamen vor Gericht die verschiedensten Geschichten zur Sprache. Angeblich bot man ihm einen Ministerposten an, den er jedoch abgelehnt hatte. Oder: Gustav Stresemann bat er in direkter Vorsprache, aber ohne Erfolg um eine Unterredung.

Im Flugblatt Nummer 1, "das bald zur Verlesung kam, empfahl "Winter die Beteiligung seines Bundes [Wahrheit und Recht] an der Industrie und die Gründung einer Goldmarkbank." Er verwies dazu auf seine Filmproduktionsfirma. Angeblich waren schon zehn deutsche Grossfilme fertiggestellt. Zehn weitere sollen in Arbeit sein. "Die Anklage stellte hier fest, dass die Propagierung dieser Unternehmen nur dazu dienen sollten, Winter die Taschen zu füllen und nicht wie Winter behauptet, den Interessen seiner Anhänger." (LVZ 5.10.1928)

Am 19. Verhandlungstag spitzte sich die Stimmung im Saal zu. Zwar sah die Staatsanwaltschaft seinen Film Bahn frei, der Völkerfriede kommt! als wichtiges Beweismittel an, jedoch beschlossen aber die Richter, diesen nicht aufzuführen. Daraufhin warf ihnen Gustav Winter Justizmord vor. Der Vorsitzende wies dies zurück und bat, sich zur Beschlussfassung zurückzuziehen. Nach kurzer Beratung erschien das Gericht wieder und verurteilte den Angeklagten wegen ungebührlichen Verhaltens zu drei Tage Haft. Dies blieb, erklärte der Angeklagte nach Vollzug öffentlich, nicht ohne erzieherische Wirkung. Zum Zeichen der Sühne stellte er Stahlhelm und Rot-Front eine grössere Summe Geld zur Verfügung.

An sich war die Erhebung von unberechtigten Ansprüchen nicht strafbar. "Die Rechtslage änderte sich aber", woran nochmal die Bremer Nachrichten aus Anlass des Todes von Gustav Winter erinnern, "als durch die Entscheidung des Reichsgerichts vom 20. Mai 1926 die Aufwertungsansprüche endgültig als haltlos festgestellt wurden. Nun lag Winter schief, schwindelt aber weiter." - Es sei dahingestellt, ob die Undurchführbarkeit der Aufwertung von Reichsbanknoten nicht bereits in Ansehung von Paragraph 3 des Bankgesetzes vom 30. August 1924 gegeben war, worauf Hjalmar Schacht im Brief vom 26. April 1926 an den Reichswirtschaftsminister hinwies. Ungeachtet der anhaltend schweren parlamentarischen Kämpfe um die Geld- und Finanzpolitik der Republik, war dem informierten politischen Bürger klar, dass die Besitzer von Bargeld keine Aufwertung mehr erwarten konnten. Dieser Einsicht verschloss sich der Deutsche Volksbund Wahrheit und Recht. Vielmehr bemächtigt sich nun, wie Doktor Rudolf Schetter (1880-1967) vom Zentrum registrierte, die Aufwertungs-Bewegung immer mehr zugespitzter Losungen, wie Raubzug des Staates gegen das Sparkapital, großer Volksbetrug oder Vernichtung von Gläubigerrechten. In seiner Rede vom 10. Juli 1925 wies der Reichstagsabgeordnete darauf hin, dass diese Maßlosigkeiten und Schlagworte den Initiativen im Kampf um das Recht "unendlich geschadet" haben.

"Wenn ich für das Volk schreibe," rechtfertigte Gustav Winter seine aufgeschäumte Darstellungsweise zu Beginn des Leipziger Prozesses, "so muss ich mich hart und großsprecherisch ausdrücken, sonst verstehen sie mich nicht." (LVZ 6.10.1928) Und das tat er mit Eifer und Talent. Deshalb war das Gericht gut beraten, wenn es seine Geschichten, die er so eloquent vortrug, prüfte.

Winter sprach gern von seinen 1 200 Arbeitern und Angestellten in der Filmproduktion. Über 14 000 Briefe, entfuhr es seinem Munde, liefen bei ihm täglich ein. Trotz grossem Fleiss, liegen noch 80 000 Zuschriften ungeöffnet in seinem Zimmer. Angeblich arbeitete er täglich 20 Stunden. Ausserdem sollte in Leipzig für Wahrheit und Recht ein extra Postamt eingerichtet werden. Hierzu wurde der Zeuge Postinspektor Wolf vom Postamt C 1 Leipzig befragt, der sich jedoch nicht daran erinnerte, je mit dem Angeklagten darüber gesprochen zu haben.  (LVZ 16.10.1928)

Ein Zeuge berichtet dem Gericht, Winter habe behauptet, dass die Reichsbank schon wieder 250 Milliarden Mark Reingewinn machte. "Nur nicht kleinlich sein!", kommentierte der Gerichtsreporter.

Eine andere Geschichte. In Breslau zeigte Winter seinem Publikum eine Goldmünze. Die Reichsbank hatte ihm angeblich die Erlaubnis zum Prägen von Goldstücken erteilt. Der Adler gefiel ihm aber nicht, weshalb er jetzt seinen Kopf darauf prägen wird.  (LVZ 16.10.1928)

Aus einer der Winter-Broschüren brachte der Staatsanwalt Folgendes zu Gehör: "So ist es mit gelungen, durch innereuropäische Verhandlungen die Anerkennung unserer Forderungen im Ausland zu erhalten, so dass sie als Wechsel diskontiert werden." (LVZ 6.10.1928) Auf die Nachfrage vom Vorsitzenden, ob er eine Börse nennen kann, die mit ihm verhandelt hat, fiel er in Schweigen.

Zum Abschluss des Prozesses war dem Vorwärts (SPD) aus Berlin wichtig mitzuteilen, wie der Aufwertungs-Rebell seine Gläubiger einschätzte. Dies "gehe aus seinen eigenen mit zynischer Offenheit dargelegten Ausführungen hervor, als er sagte, er müsse den Leuten, die dümmer seien als dumm, mit grossen Lügen als Bluff kommen."

Am 8. November 1928 verurteilte das Schöffengericht Gustav Winter wegen Betrugs zu einem Jahr drei Monate Gefängnis und Zahlung einer Strafe in Höhe von 20 000 Reichsmark. Es kam nicht umhin, ihn als einen der größten Aufwertungsschwindler zu bezeichnen.

"Die Dreistigkeit und Skrupellosigkeit, mit der er vorgegangen sei, um sich und seiner Familie eine sorgenfreie Existenz zu schaffen," kommentierte am Tag darauf die Münchner AZ am Abend, "müsse als strafverschärfend angesehen werden. "Davon unbeeindruckt überschütten die Aufwertungsgläubigen nach der Urteilsverkündung Winter und seinen Verteidiger mit Blumen. Sie standen vor der Tür des Gerichtsgebäudes und riefen:

"Unser großer Führer,
er lebe hoch!"

Bei so viel Sympathiebekundungen besonders aus der deutschnationalen Szene, hiess es jetzt: weitermachen. Es folgte folgte der Skandal um die Devoli (Naumburg). Dann die Affäre um den Dokumentarfilm Der grosse Betrug. 1930 bläst der Wintersturm in der Reichsbank. Zwei Jahre später kandidiert Winter für das Amt des Reichspräsidenten. Schliesslich wirbt er 1935 als Schöpfer des Orga-Kults bei Adolf Hitler für den magnetischen Kohl.

Das Leipziger Urteil wegen Betrugs an seinen Mitgliedern empfand er immer als ungerecht. Nie, argumentiert er im Vorwort zu

Die Freimaurerei
als Zerstörerin Deutschlands und Europas
 (1931),

hatte sich ein einziger Geschädigter gemeldet. Vielmehr war die "Hetze" gegen ihn planmäßig organisiert. "Als wirkende Organisation erwies sich endlich: die geheime Oberleitung der internationalen Freimaurerei."

Sein Rechtsanwalt legte gegen das Urteil vom 8. November 1928 Widerspruch ein. Einige Monate später begann vor der 6. Grossen Strafkammer des Leipziger Landgerichts der Revisionsprozess. Nunmehr hegte der Staatsanwalt Zweifel, ob der Angeklagte überhaupt rot gestempelte Tausendmarkscheine besitzt. Daraufhin unterbreitete Winter den Vorschlag, worauf der Richter einging, die rot gestempelten Reichsbanknoten umgehend beizubringen. Die Verhandlung wurde unterbrochen. Winter konnte nach Grossjena reisen. Am nächsten Morgen, Mittwoch, den 5. Juni 1929, fuhr er, was in der Stadt einige Aufmerksamkeit erregte, mit seinem Panzerauto vor. Gleich nach Eröffnung der Sitzung übergab er dem Gericht einen Lederkoffer mit Geldscheinen, dass sich sofort von seinem Inhalt überzeugte. Neben grün gestempelten, fand es in der Hauptsache eine Unmenge von rot gestempelten Tausendmarkscheinen.

Nach vielen Sitzungen bestätigte am 11. Juli 1929 der Richterspruch das Urteil von 1928 und verwarf damit die Berufung auf Kosten des Angeklagten. Eine Strafmilderung auszusprechen, kam für das Gericht nicht in Frage, weil der Verurteilte seine Betrügereien fortsetzte. Vielmehr stellte es erneut fest, dass der Bundesführer von Wahrheit und Recht seine Gefährten über die realen Möglichkeiten einer Aufwertung, obwohl er recht gut wusste, planmässig täuschte, dass dies nicht mehr möglich war.

 

Der grosse Betrug und
die Filmgesellschaft Philanthropa

Gustav Winter produzierte den Film

Bahn frei, der Völkerfriede kommt,

der 1927 erschien. Dabei kamen nach seiner Aussage zwölfhundert Personen als Schauspieler, Statisten, Kulissenschieber und dergleichen zum Einsatz (LVZ 12. Oktober 1928). Anklang fand der Film nicht. Mit der Geste des tragisch-verkannten Genies, registrierte die Leipziger Volkszeitung am 25. Oktober 1928, beklagte er sich über die erbitterte Feindschaft der Kinounternehmer. Statt seinen Film aufzuführen, spielen sie wochenlang soziale Zersetzungsprodukte, zum Beispiel Panzerkreuzer Potemkin von Sergei Eisenstein.

Das Belgard-Polizner Kreisblatt warnt am 28. Dezember 1929 vor den Wanderredner Gustav Winter und verweist auf das Leipziger Gerichtsurteil vom 11. Juli 1929. Ungeachtet dessen, scheint er seine Tätigkeit, die zur Bestrafung geführt hat, weiter fortzusetzen, wozu neuerdings der von ihm produzierte Dokumentarfilm

Der große Betrug

aufgeführt werden soll. Bereits im Betrugs-Prozess von 1928 verweigerte das Leipziger Schöffengericht die Aufführung des Films im Gerichtssaal, betrachtete ihn aber als Beweis für die informationellen Manipulationen, die er oft vornahm. Das Kreisblatt veröffentlicht ein Schreiben des Landrats von Belgard an der Persante (Woiwodschaft Westpommern). Darin heisst es, dass für eine Genehmigung der Filmveranstaltung bisher nicht nachgesucht worden ist. Mit einer Zulassung, hebt der Runderlass des Ministeriums des Inneren vom 10. Dezember 1929 hervor, ist nach dem, was bisher bekannt geworden ist, gemäß den gesetzlichen Bestimmungen kaum zu rechnen. Der Landrat, ersucht die Bürger, gegen jede unerlaubte Vorführung des Films einzuschreiten. Die Behörden befürchten, dass Gustav Winter versuchen wird, diesen trotz Verbot aufzuführen.

Philanthropa - 15. Februar 1929

Denn Philanthropa, Kultur-Film-Gemeinde deutsche Städte e.V., verkaufte bereits Filmpässe, ohne die Gegenleistung garantieren zu können.

Die Organisation ist ein Ableger der Philanthropa - Internationales Kultur-Film-Propaganda-Institut E. Linke & Co. Kommanditgesellschaft (Leipzig). Sie wurde am 25. Februar 1929 gegründet. Gustav Winter und E. Linke (Leipzig) zeichnen als Geschäftsführer. Direktor E. Linke ist dem Cineasten als Produzent und Regisseur von Satan Diktator (Leipzig 1919) und Orientfieber (Leipzig 1923) bekannt. Wer will, teilt man öffentlich mit, kann auch für 100 Reichsmark Anteile an Philanthropa kaufen.

Im Kampf gegen Überfremdung und Monopolherrschaft entfaltete die Filmgesellschaft eine eigentümliche Geschäftsphilosophie:

"Wir spucken den internationalen Hetzern wiederum in die Suppe, wir stellten schon längst den amerikanischen Hetzfilmen eine scharfe Gegenpropaganda und europäische Friedensfilme gegenüber (italienische, deutsche, französische, schwedische!) und werden dafür sorgen, dass statt Zersetzung der Staaten von Europas - die Vereinigten Staaten von Europa entstehen, ob nun die Herren beamteten Diplomaten Europas dies heute schon völlig begreifen oder nicht."

Dadurch wird überall, doch "zunächst aber in Deutschland Wahrheit und Recht zum Siege kommen" (WuR 22.2.1929, 13). Intendiertes Ziel der Kulturkampfgruppe blieb, die Aufführung des nicht zugelassenen Films Der grosse Betrug.

 

Kampfmaschine gegen das internationale
Finanzkapital oder Hugenberg-Kutsche?

1928/29 mischt Gustav Winter bei der Ertüchtigung von Panzer-Propagandawagen für die Devoli in Naumburg mit. Die Deutsche Volkslichtspiele GmbH wurde am 3. August 1927 unter Drangabe von 800 000 Reichsmark von Adelbert Karl Werner Graf von der Schulenburg (Burgscheidungen) und Erich Claudius (1889-1940), ehemaliger Hofschauspieler am Sächsisch-Meiningschen Hoftheater, gegründet. Ihre Film- und Tonstudios, die Lager-, Material-, Verpackungs- und Verwaltungsräume befinden sich in Naumburg im früheren Garnisonslazarett (Nordstraße) auf dem Spechsart.

 

 
Aus: Volksstimme. Tageszeitung der Sozialdemokratischn Partei im Regierungsbezirk Magdeburg. Magdeburg, den 7. Januar 1928, Seite 5

 

Endlich können jetzt, verleiht Winter seiner Hoffnung Ausdruck, nationale Kinoproduktionen gezeigt werden, die nach Beseitigung der friedensstörenden Verträge (Versailles, Dawespakt) der Völkerverständigung dienen sollen. "Musste das Kinopublikum sich bisher die ekelhaften Hetz- und Zersetzfilme amerikanischen Ursprungs einfach gefallen lassen, weil weder gute Filme greifbar, noch Kinos frei waren, so vermögen wir heute mit unserer Devoli Wandel zu schaffen; Wir bringen das Gute vor das Volk." (WuR 22.2.1929, 10)

Nach sechs Monaten, im März 1928 meldete die Firma Konkurs an.

Der moderne Heiland (Leipziger Volkszeitung) erblickt in der Devoli GmbH ein großartiges, billiges und wirksames Propagandainstrument im Kampf gegen die Bonzen und das internationale Kapital. Besonders begeisterten ihn die von ihr betriebenen Propaganda-Mobile. Eine Werkstatt hatte auf ausgedienten Panzerautos der Firma Ford Kinovorführgeräte und Leinwände montiert. Beim Anblick der Vehikel überkommt Winter kindische Freude und er ruft aus:

Damit kann man überall
hinfahren und Kino machen.

Hingegen war es für die Arbeiterparteien schlicht nur die Hugenberg-Kutsche.

Wahrheit und Recht erzählt am 22. Februar 1929 die Devoli-Geschichte so zu Ende: "Der Gegenschlag der Koalitionsparteien gelang, die Firmen zogen ihre Aufträge zurück, die "Devoli" wurde für den Filmbezug boykottiert, die Polizeibehörden wurden gegen sie mobil gemacht und nach rund sechs Monaten war dieses ungeheuerliche und gefürchtete Kampfinstrument - zerschlagen? - ach wo - nur außer Gefecht gesetzt. Wohl kam die Firma in Konkurs und alles lag brach - große liquide Werte lagen illiquid auf einem Lagerplatz in - Naumburg an der Saale - ausgerechnet dort, wo unser Führer jetzt sein Domizil aufgestellt hat."

Es war geplant, die Propaganda-Tanks in Naumburg zu entsorgen. Als der Kämpfer gegen das internationale Finanzkapital davon erfährt, posaunt er aus:

Für so etwas hat der Winter Geld.

Die Tanks werden leicht modernisiert, die Projektionsflächen für das Kinobild vergrössert und mit Lautsprecher ausgestattet. Jetzt können alle Filme vorgeführt werden. Auch Benito Mussolini (1883-1945) besitzt, protzt der Bundesführer, so einen Panzer-Propaganda-Wagen. Am 22. Februar 1929 triumphiert Wahrheit und Recht: "Die Devoli ist in unserer Hand!" und heisst jetzt:

Deutsche Volksbund - Lichtspiele.

Dann versiegen allmählich die Nachrichten.

Am 5. Juni 1929 hatte der Komödiant mit dem Panzerwagen (LVZ) in Leipzig, Eisenstrasse, seinen letzten grossen Auftritt: "Gegen halb 9 Uhr fuhr am Gerichtsgebäude ein eigenartig geformtes, gelbgestrichenes Auto vor, das eine Art

Panzerwagen

darstellen sollte. Die Panzerwände waren allerdings recht dünn, die Nieten um so grösser. Das Aussehen eines Panzerwagens war jedoch recht gut imitiert. Gesteuert wurde der Wagen von zwei jungen Leute, die Reichswehrähnliche Uniformen trugen. Ihre Schirmmützen waren an der Stirnseite mit Eichenkränzen verziert. An Stelle der Konkarde war ein grosses lateinisches "W" angebracht, was wahrscheinlich

"Wintergarde"

bedeuten sollte. Bald darauf entstieg Winter einem Privatauto, schritt selbstbewusst nach der Panzerwagenattrappe, öffnete die Tür und entnahm dem Wappen eine grosse braune Ledertasche. Darin waren die Tausendmarkscheine. Winter wollte eben unbedingt auch in diesem Prozess eine "Sensation" haben. Aus diesem Grunde inszenierte er einen theatermässigen Auftritt vor dem Gerichtsgebäude. Damit der historische Moment der Nachwelt erhalten bleibe, hatte er einen

Filmoperateur

mitgebracht, der einen besonders grossen Eifer entwickelte, als ein Polizeibeamter den "Panzerwagen" untersuchen wollte. Ein besserer Dienst konnte Winter kaum erwiesen werden. Das passte in den Filmstreifen: Die Polizei gegen ihn in Aktion. Zu allem hatte sich Publikum eingefunden, Winters Reklamebedürfnis war also befriedigt und darüber hinaus der Ernst der Gerichtsverhandlung herabgewürdigt."

 

Wintersturm
in der Reichsbank
Leipziger Volkszeitung, 18. Februar 1930

Natürlich wusste Gustav Winter, dass er die Reichsbank nicht zu Verhandlungen zwingen konnte. Was aber tun? Schacht stand der Aktionärsversammlung der Reichsbank vor. Damit sich die Tür zu ihr öffnete, musste man nur deren Aktien erwerben, womit Winter nicht viel Zeit verlor. Als das erledigt, versprach der kritische Aktionär seinen Anhängern:

"Die Wahrheit wird gesagt,
auch wenn sie für mich gefährlich ist." (WuR 24.4.1931)

Er wird krank. Umgehend erklärt Leonidas, Redaktionsmitglied von Wahrheit und Recht, dass der Bundesführer trotz "Haft- und Verhandlungsunfähigkeit" unter "denkbar grössten gesundheitlichen Vorsichtsmassnahmen"

am 15. Februar 1930

den Weg nach Berlin nimmt.

Am Eingang zum Reichsbankgebäude postiert der Aufwertungs-Heilige vier Männer mit schweren Knüppeln. Süffisant registrierte der Gast aus Großjena, wie sich die Herren Aktionäre und die Mitglieder des Direktoriums mit "bleichen Gesichtern und schlotternden Knien" an ihnen vorbeidrückten. Typisch, sein erotisches Verhältnis zur Gewalt.

 

Als 1928 die Presse deutschlandweit über den mehrere Wochen währenden Winterprozess in Leipzig berichtete, landete am 5. November 1928 in der Redaktion des Lübecker Volksboten ein Brief an, unterzeichnet von:

"Ein treudeutsches Mitglied und Anhänger
unseres Führers Gustav Winter
sowie Abonnent seines Blattes "Wahrheit und Recht"".

Zunächst kritisiert er das "elende Gekläffe" der Zeitungsschreiber und beklagt die "Gemeinheiten" gegenüber Gustav Winter. Wegen der "fabelhaften Verlogenheit" hielt der Verfasser es für angebracht, das "Blättchen" in "Lübecker Volksbetrüger" umzubenennen. Vergeblich sucht man im Brief nach einer Widerlegung einzelner Aussagen der Zeitung oder eine Gegendarstellung betreffender Ereignisse. Alles nicht so wichtig im Vergleich zu dem, was noch kommt. Größeres und Schlimmeres kündigt sich an. Zunächst vergisst der Autor nicht den Hinweis unterzubringen, dass wir es im Fall Gustav Winter mit einem "Deutschen anderer Art und Gesinnung als Ihres gleichen zu tun" haben, um dann die Drohung anzuhängen:

"Jammern Sie nicht, wenn einer von uns Sie Bursche gelegentlich einmal über die Barriere ziehen und Ihnen den - anscheinend angeborenen Idiotismus liebevoll am lebendigen Leibe auskurieren - dann aber auch "Mister", ist`s zu spät, ein Testament zu machen!"

Charakteristisch also für die Winter-Bewegung, der leichte Hang zur Gewalt und die nahezu permanente Kraftmeierei.

 

Die Generalversammlung der Reichsbank-Aktionäre am 15. Februar 1930, so nahm es die Leipziger Volkszeitung wahr, erwartete die Öffentlichkeit mit einer gewissen Spannung. Denn die Herren sollten dem

Entwurf des neuen Bankgesetzes

ihr Wohlwollen aussprechen. Die damit verbundenen Probleme erläuterte am 3. Februar 1930 Wirtschaftsminister Robert Schmidt (SPD) in einer Ministerbesprechung:

Das Reich will im neuen Bankgesetz die Gewinnverteilung so regeln, daß ihm ein wesentlich größerer Anteil am Gewinn zukommt als bisher. Die Reichsbank beabsichtigt, den Anteilseignern auf vier Reichsbankanteilen einen Gratisanteil und zwei Gratisaktien der Golddiskontbank zuzugestehen, wenn sie sich mit der Neuregelung der Gewinnverteilung einverstanden erklären und auf weitere Ansprüche verzichten.

Doch räumte Schmidt ein:

"Es sei zu befürchten, daß eine derartige Regelung in der deutschen Öffentlichkeit stark angegriffen werden würde. Andererseits müsse vermieden werden, durch eine zu ungünstige Behandlung der Anteilseigner den Kredit der Reichsbank im Ausland zu schädigen."

Die finanzpolitischen Massnahmen der Reichsbank waren für den Nicht-Fachmann kaum durchschaubar. Umso mehr rief bei Experten und Kennern die generöse Art der Gewinnverteilung, wie sie Hjalmar Schacht betrieb, einiges Erstaunen hervor. Bereits mit dem ersten Bankgesetz von 1924, legt Richard Lewinsohn (1894-1968) dar, sorgte der Reichsbankpräsident für seine Aktionäre, was ihn zum Liebling der Banken und Börsen machte. Obwohl die auf Tausendmark lautenden Anteile der Havensteinschen Reichsbank gegen Ende der Inflation nur noch mit zwölf Goldmark bewertet wurden, gab Schacht für zwei alte Anteile einen neuen Reichsbankanteil aus. Während die Inhaber von Reichsbanktausendern, gleichviel ob sie grün oder rot gestempelt waren, nicht einen Pfennig erhielten, konnten die Anteilseigner der alten Reichsbank für ihre entwerteten Tausend-Mark-Anteilscheine sich neue über 500 Reichsmark abholen.

Und es sollte noch besser kommen.

Als Hjalmar Schacht vor Monaten sein neues Bankstatut den Reparationsgläubigern in Paris vorlegte, munkelten die Eingeweihten, dass die neue Regelung den Kurs für Reichsbankanteile auf 310 Prozent treiben könnte. Die Börse war skeptisch. Doch die Spekulanten rochen den Braten; sprunghaft gingen die Kurse in die Höhe. Als das Gesetz verkündet wurde, hielt sich der Börsenkurs bereits bei 315. "Die alten Anteilbesitzer erhielten also für dasselbe Papier, das am Ende der Inflation noch 12 Goldmark wert war, und das Schacht ihnen für 500 Reichsmark abgenommen hatte, über 1500 Mark." (Lewinsohn 1930)

 

Reichsbankpräsident Doktor Hjalmar Schacht leitet am 15. Februar 1930 im alten Traditionssaal mit dem intakten Kaiser-Wilhelm-Bild die Generalversammlung der Reichsbank-Aktionäre. "Während sonst immer nur etwa fünfzehn oder weniger Aktionäre anwesend waren und die Zusammenkünfte in einem ruhigen Geplätscher verliefen, erschienen diesmal," erzählt Winter, "als ich einzog, sechzig bis siebzig, darunter prominente Finanziers des In- und Auslands." "Jetzt kam Leben in die Bude!"

Einleitend hielt Schacht wie üblich eine Rede. 500 000 Kilogramm Gold im Werte von 1 1/2 Milliarden Mark haben 1929 die deutschen Grenzen passieren müssen. Die Finanzlage sei insofern günstiger, als die Tilgung der Rentenmark bis 1942 verschoben werden kann und das Reich seinen Beitrag 1930 erstmals aus den Gewinnen der Reichsbank begleichen kann. Weiter heisst es am 18. Februar 1930 in der Leipziger Volkszeitung, die Diskussion war lebhaft, "und durch das cholerische Querulantentum des Betriebsanwalts Winter teilweise stürmisch". Der kritische Aktionär vertrat 202 Stimmen und forderte die Ausschüttung einer Dividende von 20 Prozent. Er nutzte jede Chance für Einwürfe und Anfragen, weshalb der Versammlungsleiter keine leichte Aufgabe hatte. Ausserdem stellte der Bundesführer von Wahrheit und Recht gegen den Reichsbankpräsidenten wegen dessen politischer Haltung im letzten Dezember gegenüber der Reichsregierung einen Misstrauensantrag. Schacht überging diesen Antrag, weil er laut Geschäftsordnung unzulässig sei. Er verabreichte Winter, erinnerten die Bremer Nachrichten am 1. November 1936, eine kalte Dusche.

Im Rückblick auf den Wintersturm in der Reichsbank kritisierte die Wochenschrift Wahrheit und Recht die "gewalttätigen Aktionäre" und sprach vom "Verrat am Volke". Grossspurig und völlig an den Realitäten vorbei verkündet am 24. April 1931 das Sensationsmagazin der Aufwertungsbewegung aus Grossjena:

"Unsere Rechte sind gewahrt; der neue Kampf ist im Gange, des Führers Fesseln bedeuten ein Nichts".

 

Winter in Haft

Bericht in "Wahrheit und Recht" (Vollbild)

Zwei Landjäger wollen ihn am Morgen des 19. April 1931 in Großjena verhaften. Wegen einer erkennbaren Erkrankung, ziehen sie unerledigter Dinge wieder ab. Drei Tage später stellt er sich freiwillig der Polizei. Über Wahrheit und Recht wendet er sich am 24. April an seine Gefolgschaft:

"Die Stunde hat nun doch geschlagen in der ich als der Führer des Deutschen Volksbundes Wahrheit und Recht bis auf weiteres von Euch allen fort und für alle, für unseren gerechten Kampf gegen die Volksbetrüger ins Gefängnis gehen muss."

Sie wollen ihn mundtot machen, prangerte Wahrheit und Recht (22.5.1931) an. In der Ausgabe vom 24. April 1931 eröffnete Gustav Winter seinen Anhängern, dass die Wochenschrift ihr erscheinen einstellt, weil er ins Gefängnis muss.

Ausserdem macht dem Volksbund die Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931 das Leben schwer. Beispielsweise könnte § 10, 1 eine Handhabe gegen seine Umtriebe bieten, wo es heißt: "Plakate und Flugblätter, deren Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gefährden, können polizeilich beschlagnahmt und eingezogen werden."

Mitteilung über den Tod von Anna Winter in "Wahrheit und Recht"

Zu allem kam hinzu, dass Gustav Winter einen schweren Schicksalsschlag verkraften musste. Im Mai 1931 starb nach einem vierjährigen Magenkrebsleiden seine Ehefrau und Bundesmutter Anna Winter. Zu ihrer Beerdigung erschien er in Kapitänsuniform.

"Betriebsanwalt Gustav Winter," meldet das Naumburg Tageblatt am 1. Oktober 1931, "dessen Verurteilung wegen Betrugs zu einem Jahre drei Monate Gefängnis schon seit Jahr und Tag rechtskräftig geworden ist, konnte bisher den Strafantritt immer vermeiden, da er erklärte, infolge eines Leidens nicht haftfähig zu sein und dies auch mit ärztlichen Zeugnissen belegte. Vor kurzer Zeit erschien er aus dem gleichen Grunde auch nicht in einer Berufungsverhandlung, in der er sich wegen Steuerhinterziehung verantworten sollte. Auch hier hatte er ein ärztliches Zeugnis eingeschickt und blieb in seinem Landhaus in Großjena. Das Gericht ordnete aber eine Untersuchung durch den Kreisarzt an, der Winter für verhandlungsfähig erklärte. Nunmehr wollte man Winter auch seine Strafe antreten lassen und er wurde in Leipzig zum Strafantritt vorgeführt."

Schliesslich verbüsst er die Haft in der Sächsischen Gefangenen Anstalt I - Bautzen. Ende Mai 1932 wird er auf dem Wege eines Gnadenaktes entlassen.

 

Kandidat zu den Präsidentenwahlen

"Für Deutschlands Schwachbegabte und alle jene Zeitgenossen, die als Kinder zu heiss gebadet wurden," lästert am 13. März 1932 in München die Zeitung Der gerade Weg, "ist ein Sonderkandidat aufgestellt, der unserem jetzigen Wetter entsprechend eigentlich "Nachwinter" heissen müsste." Immerhin gewährten ihnen seine Anhänger zur Reichspräsidentenwahl problemlos die erforderlichen Unterstützungsunterschriften. Und er kann auf die Hilfe von Erich Ludendorff zählen (vgl. Pressedienst). Als ob das nicht peinlich genug war, sass der

Anwärter für das
höchste Amt des Staates

auch noch im Bautzener Gefängnis ein. Seit dem vergangenen Juni. Erst im April wird Gustav Winter wahrscheinlich nach Großjena zurückkehren können, teilt am 9. März 1932 Der Abend (Berlin) mit.

Die Wahlkommission zählt am 13. März für ihn nur 111 470 Stimmen (= 0,3 Prozent) aus. Sieben Tage später richtet Winter aus der Haftanstalt in Bautzen an den Reichswahlleiter folgendes öffentliches Schreiben:

"Es wird mir vertraulich mitgeteilt, daß die fanatischsten meiner Anhänger beabsichtigen; unter allen Umständen eine neue Kandidatur meinerseits für den zweiten Wahlgang durchzusetzen. Ich erkläre deshalb generell, daß ich aus staatspolitischen Gründen nicht wieder kandidiere. Schon die erste Kandidatur war ja, weil an sich unbedeutend und nicht störend, nur als eine Vertrauensdemonstration eines Teiles meiner Anhänger zu betrachten, die die meisten in der politischen Betätigung nicht beeinträchtigt hat.

Mit ausgezeichneter Hochachtung!
Betriebsanwalt Gustav Winter,
Großjena,
Sächsische Gefangenen Anstalt I." (Vertraulich)

Zum zweiten Wahlgang am 10. April 1932 tritt er nicht mehr an.

 

 

Magnetischer Kohl und Orga-Kult

Als die Vehikel in der bankrotten Devoli (Deutsche Volkslichtspiele Naumburg) verrotteten, die Rotgestempelten nicht mehr zum Gewinnmachen taugten, die Kandidatur zum Reichspräsidenten erledigt, stürzte er sich mit neuen Elan auf den Orga-Kult. Erst die Kampagne gesunde Ernte auf allen Böden ohne jede Düngung und mit Fachpflege machte ihn in den 30er Jahren als Pflanzenexperte national und international bekannt. Unter Orga versteht der Grossjenaer eine lebendige Höchstspannung der Organismen, die eine allgemeine Eigenschaft ist. "Urkult ist", erklärt er (1935), "die umgekehrte, aber richtige Bezeichnung für Kultur".

Experimentell und ohne Anwendung von Düngemitteln, untersuchte Winter den Einfluss des Magnetismus auf Pflanzen und die Möglichkeit der Ertragssteigerung landwirtschaftlich genutzter Böden. Er protokolliert, dass in der Umgebung von in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Eisenbahnschienen oder Eisendrähten, die Pflanzen stärker, also besser wachsen. Die ersten Versuche fanden in Nordholz bei Lehe statt, bis ihn der Reichsfinanzminister den Pachtvertrag kündigte. Vergeblich wendet er sich mittels "Volksbegehr" an den Reichspräsidenten, um von ihm eine Entschädigung für die aufgewandten Kosten und den entgangenen Gewinn zu erhalten.

 

Im Begleitschreiben zum Buch

Der Orga-Urkult (Erdmagnetokultur)

welches Gustav Winter am 5. November 1935 an Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin sendet, heisst es:

"Der Unterzeichnete gestattet sich hierfür unter Hinweis auf verschiedene Aufrufe seitens der hohen Reichsregierung zur Mitarbeit jedes Einzelnen am Wiederaufbau Deutschlands beiliegende Abhandlung zur gefälligen Einsicht vorzulegen und nachstehendes Angebot zu machen."

Beim Führer des Deutschen Reiches wirbt er mit den Worten:

"Der Autor ist der Entdecker und Erfinder des in dem Buche geschilderten Orga-Kultes, der zunächst für die deutsche Landwirtschaft höchstleistend nutzbar gemacht werden kann. Schon bei Antritt der Regierung des Herrn Reichskanzlers und Reichspräsidenten hat der Autor seine Sache der Regierung angeboten, jedoch keinerlei Antwort erhalten, was er auf den Drang der Geschäfte der neuen Regierung zurückführte. Die widrigen Umstände und das ungünstig veränderte Klima in den letzten Jahren und andre Hemmungen lassen jedoch heute das Problem der gesicherten Volksernährung außerordentlich aktuell und dringend erscheinen. Der Autor bietet deshalb der Reichsregierung von neuem den Erwerb der Entdeckung und Erfindung als Monopol zu den denkbar günstigsten Bedingungen an. Wenn die hohe Reichsregierung die Erfindung annimmt und die Lizenz bzw. das Nutzungsrecht kostenlos an die deutschen Bauern, Gärtner und Siedler abgibt, so würde der Autor nur ein Drittel seiner persönlich aufgewendeten Kosten (von über dreihunderttausend Reichsmark), also eine einmalige Abfindung für die Gesamtlizenz in Höhe von 100 000 RM [Reichsmark] beanspruchen.

Die Sache selbst ist, soweit dies heute möglich, in dem überreichten Buche dargestellt. Für die Richtigkeit des darin Dargestellten können jederzeit die angedeuteten Zeugen genannt werden. Bei schnellster Annahme der Erfindung wäre ein sofortige Prüfung noch in diesem Jahre möglich bzw. einzuleiten …." (Orga-Kult)

War seinerzeit der Schlusskampf gegen die Reichsbank mit einem Volksbetrug verkoppelt, wagte der Gärtner aus Gross-Jena diesmal den Staatsbetrug. Denn der Inhalt seiner Mitteilung widerspricht den Ergebnissen seiner Experimente zur Erdmagneto-Kultur, die erst im Februar 1935 einmal mehr öffentlich publiziert worden sind. Die Landesanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz München überließ ihn im Jahre 1933 auf einem Versuchsgut Grundstücke, die er selbst auswählen und nach seinem Verfahren ausrüsten durfte. Er durchzog, berichtet die Frankfurter Zeitung am 7. Februar 1935 weiter, die Grundstücke mit 35 Zentimeter tiefen, ein Meter voneinander entfernten Gräben, in die er nach einer von ihm geheim gehaltenen Anordnung verzinkte Eisendrähte legte. Das Ergebnis war, dass die Erträge auf den mit Erdmagneto-Kultur behandelten Grundstücken bedeutend niedriger waren als bei der allgemein üblichen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Anbauweise.

Die Zeitschrift für praktische Landwirtschaft und Heimatpflege, Der fortschrittliche Landwirt, berichtet 1937 Nachstehendes über Gustav Winters Experimente: Direktor Strobel von der Versuchsanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz in München, trat bei einem Prozess in Halle als Sachverständiger auf und bezeichnete den Orga-Kult "als laienhaft, oberflächlich und völlig wirr". Durch die Erdmagnetokultur stiegen die Erträge nicht an, sondern blieben um etwa ein Drittel hinter der allgemein üblichen Anbauweise zurück. Der Autor des Buches trickste, indem er sein Anbauland als unfruchtbar und steinig bezeichnete, um so seine Erfolge augenfälliger zu machen. Hingegen beurteilten die Fachleute die Qualität des Anbaulandes als sehr gut. "Würde die Wintersche Antidüngerpropaganda auch nur die Hälfte unserer deutschen Bauern überzeugen," sagte Strobel vor Gericht in Halle, "so ständen wir vor einer Ernährungskatastrophe."

 

Der Tod

Gemäß der Verordnung von 4. Februar 1933 werden in Sachsen sämtliche Druckschriften von Gustav Winter beschlagnahmt und eingezogen. Der Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle vom November 1935 hält dazu fest:

"Die zu gleicher Zeit in zentraler Bearbeitung durch die Stapo Halle in größtem Ausmaße geführten Erhebungen gegen Funktionäre und Anhänger Winters in Bayern, Dresden, Berlin und anderen Orten haben bisher umfangreiches Beweismaterial erbracht; u. a. konnten größere Mengen Devisen und Schriften sichergestellt werden." (Stapo 1933m, 542)

Der Festgenommene steht unter dem Verdacht der Missachtung des Gesetzes gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen vom 20. Dezember 1934.

 

Am 16. Dezember 1935 wird Gustav Winter nach einer Hausdurchsuchung in Großjena in Schutzhaft genommen. Im März 1936 meldet die Staatspolizei Halle:

"Winter und seine Anhänger versuchten, den verbotenen Volksbund erneut aufzubauen zu dem Zweck, zumindest den Einsatz Winters an maßgeblicher Stelle in der Regierung zu erzwingen. Bei dieser Gelegenheit ist es auch zu weiteren strafbaren Handlungen wie Betrug, Verletzung der Devisenbestimmungen und des Heimtücke-Gesetzes gekommen." (Stapo 1933n)

Betriebsanwalt i.R.
Gustav Winter
(1882-1936)

Gegen Gustav Winter und vier seiner Anhänger in München und Dresden wird am 25. März 1936 Haftbefehl erlassen. Der Prozess vor dem Sondergericht in Halle beginnt am 26. Oktober 1936, angeklagt zusammen mit weiteren sieben Personen wegen Verbrechen gegen das Gesetz über die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933. Vier Tage später melden die Bremer Nachrichten seinen Selbstmord. Der ungünstige Verlauf des Prozesses, mutmasst die Salzburger Chronik am 2. November 1936, könnte die Ursache für den Selbstmord gewesen sein.

Im Sterbe Nebenregister 1936 des Standesamtes Halle dokumentiert der Polizeipräsident der Stadt mit seiner Unterschrift am 4. November 1936:

"daß Gustav Winter im Alter von vierundfünfzig Jahren in Halle, Kleine Steinstraße 7, am 31. Oktober 1936, vormittags 7 Uhr, tot aufgefunden worden sei."

Keiner braucht den Deutschen Volksbund für Wahrheit und Recht. Er ist ein Störfaktor. Wie stellte doch die Stapo 1936 fest:

"Winter und seine Anhänger versuchten, den verbotenen Volksbund erneut aufzubauen zu dem Zweck, zumindest den Einsatz Winters an maßgeblicher Stelle in der Regierung zu erzwingen.... "

"…. seine Kongenialität mit der Hitlerei", urteilt der Neue Vorwärts 1936, "hat ihm das Leben gekostet." Doch es ist hinzuzufügen: Gustav Winter wurde auf Grundlage von Gesetzen verfolgt und verurteilt, die die Würde und Naturrechte des politischen Bürgers missachteten.

 

 

LBV = Lübecker Volksbote. Tageszeitung für das arbeitende Volk

LVZ = Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes, Leipzig

WuR = Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft, Leipzig

 

[Ahlborn] Feuerrede von Knud Ahlborn [am 11. Oktober 1913 auf dem Hohen Meissner]. In: Freideutscher Jugendtag 1913. Reden von Bruno Lemke, Gottfried Traub, Knud Ahlborn, Gustav Wyneken, Ferdinand Avenarius. Durchgesehene zweite Auflage. Herausgegeben von Gustav Mittelstrass. Freideutscher Jugendverlag Saal, Hamburg 1919, Seite 29 bis 32

Aufwertungsapostel Winter. "Lübecker Volksbote. Tageszeitung für das arbeitende Volk." 1. Beilage, Nummer 26, Lübeck, den 9. November 1928

Bahn frei - der Völkerfrieden kommt! Deutschland 1926/1927, Dokumentarfilm, schwarz-weiss, stumm, 2835 Meter. Zensur: Jugendverbot.
Pädagogische Kulturfilm Ges. Althoff-Film-Comp (Leipzig). [Produzent: Gustav Winter] Filmportal.de. https://www.filmportal.de/film/bahn-frei-der-voelkerfrieden-kommt_cc3700db7e1e414493fb08fbc2845365

Bauer, Hans: Der grosse Held der kleinen Leute. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 9. Oktober 1928

Bauer, Hans: Ein moderner Alchimist. "Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark und Kärnten." Graz, den 24. Januar 1926

Betriebsanwalt Winter vor Gericht. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes".  1. Beilage zu Nummer 232, Leipzig, den 3. Oktober 1928

"Betriebsanwalt" Gustav Winter zur Strafverfügung vorgeführt. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 1. Oktober 1931

Borkowsky, Professor Ernst: Unser Heiliger Krieg. Mit 25 Bildern von Professor Walter Klemm, Emil Preetorius und Hans Baluschek. Gustav Kiepenheuer Verlag, Weimar 1914

Das Aufwertungsexperiment. "Berliner Börsen-Zeitung", Berlin den 15. Februar 1920

Der "Tausend-Mark-Schein-Winter" vor dem Sondergericht. "Bremer Nachrichten mit Weser-Kurier". Bremen, den 27. Oktober 1936. (Staatsarchiv Bremen der Freien Hansestadt Bremen)

Der Diktator. Die Wochenschrift des ganzen deutschen Kulturvolkes. Diktator-Verlag, Leipzig, Bosestr. 3, Gustav Winter, erschienen 1924-1925

"Der einzige, der von den "Rotgestempelten" leben konnte". "AZ am Abend, 8- Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München den, 17. September 1928, Seite 1

"Der grosse Betrug". "Vorwärts. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. Dezember 1929

Der Prozeß gegen Winter. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 234, Leipzig, den 5. Oktober 1928

Der Prozeß wird immer lustiger. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 241, Leipzig, den 13. Oktober 1928

Der Tausendmarkscheinwinter. "Neuer Vorwärts. Sozialdemokratisches Wochenblatt". Berlin, den 19. Januar 1936

Der Prozess gegen Winter. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes", Leipzig, den 4. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 237, Leipzig, den 9. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 243, Leipzig, den 16. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 247, Leipzig, den 20. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 251, Leipzig, den 25. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 254, Leipzig, den 29. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 258, Leipzig, den 3. November 1928

De-vo-li. In: Eine "nationale Idee", die im Gefängnis endet. "Vorwärts. Morgen Ausgabe. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 21. Juni 1931, Seite 2

Die Rächer der Enterbten [Sparkonten-Aufwertung]. Der Spiegel. Hamburg 1953, Heft 3, Seite 6f.

"Devoli". In: "Wahrheit und Recht. Wochenzeitschrift für Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft". Jahrgang 4, Nummer 8. Leipzig, den 22. Februar 1929, Seite 10

Die Absichten der Reichsbank "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 5, Nummer 8, Leipzig, den 21. Februar 1930, Seite 2

Die rotgestempelten Tausender. "Lübecker Volksbote. Tageszeitung das arbeitende Volk". Lübeck, den 4. Oktober 1930

Die wahre Ursache der Verhaftung Winters. In: "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 20, Leipzig, den 15. Mai 1931, Seite 1

Die Wiederherstellung von Winters Freiheit und Ehre. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 29, Leipzig, den 17. Juli 1931, Seite 2

Die heutige Verhandlung. [Bericht über den Prozess gegen Gustav Winter] "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 234, Leipzig, den 5. Oktober 1928

[Diktator] Der "Diktator" Winter. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 239. Leipzig, den 11. Oktober 1928

[Enterbten] Die Rächer der Enterbten. DER SPIEGEL. Hamburg, 14. Januar 1953, Nummer 3, Seite 6 bis 9

"Erdmagneto-Kultur." "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 7. Februar 1935

Endkampf um die "Rotgestempelten". "Vorwärts Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 9. November 1928

[Entlassen] Gustav Winter aus der Haft entlassen. "Tagblatt. Organ für die Interessen des werktätigen Volkes." Linz an der Donau, den 26. Mai 1932

Ford, Henry: Mein Leben und Werk. Zusammen mit Samuel Crowther. Übersetzung aus dem Englischen von Curt Thesing zusammen mit Marguerite Thesing. Paul List Verlag, Leipzig 1923

France, R. H.: Das Ford`sche Arbeitssystem. Telos, 1924/25, Heft 9. Wiederabdruck in: "Salzburger Volksblatt", Salzburg, den 24. Oktober 1925

Gustav Winter und der Reichspräsident. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 269, Leipzig, den 17. November 1928

Heimann, Hugo: Der Kampf um die Aufwertung. Von Helfferich bis Hindenburg. Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1925

Herr "Minister" Winter. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes." Leipzig, den 10. Oktober 1928

Holtfrerich, Carl-Ludwig: Die deutsche Inflation 1914-1923. Ursachen und Folgen in internationaler Perspektive, Walter de Gruyter, Berlin, New York 1980

Illustrierte Motorzeitung. Zeitschrift für das gesamte Motorwesen. Verlag: Dr. V. Hauser, München. München-Wien, den 1. Oktober 1924, Seite 360

Irrungen und Wirrungen. In: Der fortschrittliche Landwirt. Zeitschrift für praktische Landwirtschaft und Heimatpflege. 19. Jahrgang, Nummer 29, Graz, den 17. Juli 1937, Seite 460 bis 461

Keil, Wilhelm: Die Anleiheaufwertung. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 11. Juli 1925

Komödie in der Reichsbank. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 5, Nummer 8, Leipzig, den 21. Februar 1930, Seite 1

Larsen, Egon: Der 5. Präsidentschaftskandidat in Deutschland. "Vorarlberger-Landeszeitung. Amtsblatt für Vorarlberg". Bregenz, den 7. März 1932, Seite 2

Larsen, Egon G.W.: Der fünfte Kandidat. "Der Abend. Spätausgabe des Vorwärts", Beilage. Berlin, den 9. März 1932

Lechter, Reinhold: Die Sekte und der Betriebsanwalt. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 160, Leipzig, den 12. Juli 1929

Lenin, W. I.: Das Taylorsystem - Die Versklavung des Menschen durch die Maschine. Prawda, 14. März 1914. In: Lenin Werke, Band 18, Dietz Verlag Berlin 1974, Seite 146 bis 147. Siehe auch: Lenin, W. I.: Ein "wissenschaftliches" System zur Schweissauspressung. Prawda, 13. März 1913. In: Lenin Werke, Band 18, Dietz Verlag Berlin 1974, Seite 588 bis 589

Leonidas: Die wahre Ursache der plötzlichen Verhaftung. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft". Verlag"Arbeit und Recht", Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig, den 24. April 1931, Seite 5

Leonidas: Vergleich mit der Reichsbank oder ihre Verurteilung. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Verlag "Wahrheit und Recht", Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig 24. April 1931, Seite 17

[Leserbrief] Ein treues Mitglied und Anhänger unseres Führers Gustav Winter sowie Abonnent seines Blattes "Wahrheit und Recht" [schreibt am 5. November 1928 an den "Lübecker Volksboten"]. In: "Lübecker Volksbote. Tageszeitung für das arbeitende Volk." 1. Beilage, Nummer 26 Lübeck, den 9. November 1928

[Lewinsohn, Richard =] Morus: Behrenstrasse. Die Weltbühne. XXVI. Jahrgang, Nummer 7. Berlin, den 11. Februar 1930, Seite 253 bis 255

Ludendorff und Winter. In: Sozialdemokratischer Pressedienst. Berlin, den 10. März 1932, Seite 9

Mann, Thomas: Mario und der Zauberer. Verlag Philipp Reclam, Leipzig 1980

Marx, Karl: Rede auf der Jahresfeier des "People`s Paper" am 14. April 1956 in London. In: Karl Marx, Friedrich Engels: Gesammelte Werke. Band 12, Dietz Verlag, Berlin 1965, Seite 3

Mitteilungen der "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes" zum Prozess gegen Gustav Winter (Großjena) vor der 6. Grossen Strafkammer des Leipziger Landgerichts. 1. Beilage zu Nummer 160, Leipzig, den 12. Juli 1929

Nachtsitzung im Reichstag. Die Zweite Lesung des Aufwertungsgesetzes. "Vorwärts Berliner Volksblatt, Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 11. Julio 1925

Nieder mit Bonzentum und Freimaurerei! "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 21, Leipzig, den 22. Mai 1931, Seite 1

[Orga-Urkult] Platon [Pseudonym für Gustav Winter]: Der Orga-Urkult Erdmagneto-Kultur. Dreifach gesunde Ernte auf allen Böden ohne jede Düngung und Fachpflege. Herausgegeben in den Jahren des Heils 1935. Verlag Wahrheit und Recht, G. Winter, Großjena bei Naumburg (Saale)

[Orga-Kult] Bundesarchiv Berlin, R 2 (Reichsfinanzministerium) 18 339

Ossietzky, Carl von: Auftakte. Die Weltbühne, XXIV. Jahrgang, Nummer 2. Berlin, den 10. Januar 1928, Seite 41 bis 44

Ossietzky, Carl von: Ist Schacht geeignet? Die Weltbühne, XXIV. Jahrgang, Nummer 48, Berlin, den 27. November 1928, Seite 797 bis 801

"Philanthropa" Kulturfilm. Gemeindeblatt. Jahrgang 1, Nummer 2, Leipzig, den 28. Juni 1929

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf: Die Technik der Aufwertung. "Naumburger Tageblatt", Naumbuirg, den 5. Dezember 1925

Prozessbeginn gegen Gustav Winter. "AZ am Abend, 8- Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München, den 4. Oktober 1928, Seite 2

Rache an einem peinlichen Vorläufer! "Neuer Vorwärts. Sozialdemokratisches Wochenblatt". Karlsbad, den 15. November 1936

[Replik auf Gustav Winter] In: Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht. Herausgeber: Dr. Fritz Gerlich. München, den 13. März 1932, Seite 2

Ruhiger Tag im Winter-Prozess. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes" zum Prozess gegen Gustav Winter (Großjena) vor der 6. Grossen Strafkammer des Leipziger Landgerichts. 1. Beilage zu Nummer 249, Leipzig, den 23. Oktober 1928

Schacht, Hjalmar: Rede am 16. Februar 1930 zur Schaffermahlzeit im Bremer "Haus der Schifffahrt". In: Schacht verhöhnt die Armen. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Mittwoch, den 17. Februar 1930, Seite 1

Schluss im Prozess Winter. "AZ am Abend. 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München, den 9. November 1929, Seite 3

Vor einem Riesenbetrugsprozess in Deutschland. "Innsbrucker Nachrichten. Unabhängige Tageszeitung mit Wochenbeilage und mit der illustrierten Monatsschrift "Bergland"". Innsbruck, den 19. September 1928

Selbstmord Gustav Winter. "Bremer Nachrichten mit Weser-Kurier". Bremen, den 1. November 1936. (Staatsarchiv Bremen der Freien Hansestadt Bremen)

Der Sonderling als Präsidentschaftskandidat. "Die Stunde". Wien, den 10. März 1932

Unglück und Verbrechen. "Salzburger Chronik. Tagblatt mit der illustrierten Beilage "Österreichische Woche"". Salzburg, den 2. November 1936

Unsere "Devoli". In: "Wahrheit und Recht. Wochenzeitschrift für Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft". Jahrgang 4, Nummer 8. Leipzig, den 22. Februar 1929, Seite 10ff.

Verbotene Aufwertungsversammlung. Ein Geschäftemacher. "AZ am Abend, 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München den, 1. März 1927, Seite 3

Vergleich mit der Reichsbank oder ihre Verurteilung. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Verlag "Wahrheit und Recht", Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig 24. April 1931, Seite 17

Vertraulich, generell und staatspolitische Gründe. "Die Weltbühne. Wochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft." XXVIII. Jahrgang, 12. April 1932 Nummer 15, Seite 575-576

Vor einem Riesenbetrugsprozess in Deutschland. "Innsbrucker Nachrichten". Innsbruck, den 19. September 1928

Wegen Betruges verurteilt. Schluss im Prozess Winter. "AZ am Abend, 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München den, 9. November 1928, Seite 3

Winter, Gustav: Das Taylorsystem und wie man es in Deutschland einführt
Findeisen, Leipzig 1919

Winter, Gustav: Der Taylorismus. Handbuch der wissenschaftlichen Betriebs- und Arbeitsweise für die Arbeitenden aller Klassen, Stände und Berufe. Verlag von S. Hirzel, Leipzig 1920

Winter, Gustav: Der Weg zur Produktionssteigerung: Praktische Anleitung zur Anwendung des Taylorsystems. Bonneß & Hachfeld, Potsdam 1923

Winter, Gustav: Der falsche Messias Henry Ford. Ein Alarmsignal für das geamte deutsche Volk. Verlag Freie Meinung, Leipzig 1924

Winter, Gustav: Mein Schlußkampf mit der Reichsbank und ihren heimlichen Helfern! Leipzig, Hainstrasse 23, Selbstverlag, 1926

Winter, Gustav: Der grosse Betrug der Inflation und Deflation. Kampf und Aufklärungsschrift des deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht". Mitgliederzahl am 15. Februar 1927: 3 Millionen! Verlag von "Arbeit und Recht", Leipzig, Hainstrasse 23, Leipzig 1927

Winter, Gustav: Wahrheit und Recht über den Betrug mit den "Rotgestempelten". Nordholz, Kreis Lehe, Verlag "Wahrheit und Recht", um 1928

Winter, Gustav: "Bis auf Weiteres"!. Kampfgenossinnen und Kampfgenossen. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig, den 24. April 1931, Seite 2

Winter, Gustav: In eigener Sache. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 20, Leipzig, den 15. Mai 1931, Seite 1

Winter, Gustav: Die Freimaurerei als Zerstörerin Deutschlands und Europas
Großjena bei Naumburg, Verlag "Wahrheit und Recht", 1931

Winter, Gustav: Die Rettung Deutschlands ohne neues Geld. Verlag "Wahrheit und Recht" G. Winter, Grossjena 1933

Winter, Gustav: Der Orga-Urkult - Dreifache gesunde Ernte auf allen Boeden ohne jede Düngung und Fachpflege. Verlag Wahrheit und Recht. Inhaber Gustav Winter, Großjena bei Naumburg,1935

Winter macht in Sensation. Fortsetzung des Winter Prozesses. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 5. Juni 1929

Winter mit den Grüngestempelten. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 6. Juni 1929

Winters Börsenintervention. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 6. Oktober 1928, 3. Beilage zu Nummer 235

Winters "Panzerautos". "AZ am Abend, 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München, den 7. Juni 1929

Winters 1 200 Arbeiter und Angestellte. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 240, Leipzig, den 12. Oktober 1928

Winters "Spitz". "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 244, Leipzig, den 17. Oktober 1928

Wintersturm in der Generalversammlung der Reichsbank. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 18. Februar 1930, 1. Beilage zu Nummer 41

Zwischenrufe [Reaktion auf die Rede von Hjalmar Schacht am 16. Februar 1930 zur Schaffermahlzeit im Bremer Haus der Schifffahrt]. "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 16. Februar 1930

 

Dokumente aus der Verwaltung und Administration (zeitlich geordnet)

Denkschrift über den Ausbau der Besteuerung der Inflationsgewinne. Reichstagsprotokolle. N 803, 1924/ 28,17. Der Reichsminister der Finanzen. Herausgegeben vom Reichsfinanzministerium. Berlin, April 1925 (ausgegeben am 23. April 1925)

[Aufwertungsdebatte] Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2934 ff.

[Keil, Wilhelm] Redebeitrag des Abgeordneten Keil, SPD. Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2934 bis 2941

[Aufwertungsgesetz] Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen (Aufwertungsgesetz) vom 16. Juli 1925. Verlag Julius Springer, Berlin 1926

Zweite und dritte Beratung des Gesetzentwurf über die Verlängerung der Fristen für der Dritten Steuernotverordnung. Reichstagssitzung am 20. März 1925, Seite 1191 ff. Hergt 1202 bis 1204 in Verhandlungen des Reichstages III. Wahlperiode 1924. Band 385, Stenographische Berichte (von der 37. Sitzung am 18. März 1925 bis zur 70 Sitzung am 10. Juni 1925). Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925

[Schetter] Redebeitrag des Abgeordneten Dr. Schetter. Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2950 bis 2959

[Schacht] Das Reichsbankdirektorium an den Reichswirtschaftsminister. 26. April 1926. Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Die Kabinette Luther, I/II, Band 2, Dokumente, Nummer 344, Seite 1302 bis 1308, http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/m11/lut/lut2p/kap1_1/para2_175.html

Hilferding, Dr., SPD: Debattenbeitrag. 350. Sitzung. Sonnabend, den 3. Dezember 1927. Schluss der Beratung der Interpellation Müller (Franken) über die Wirtschaftspolitik. In: Verhandlungen des Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Stenographischer Bericht. Band 394, Druck und Verlag der Reichsdruckerei, Berlin 1928, Seite 11818 bis 11821

Öffentliche Warnung vor Gustav Winter. Rd. Erl. d. MdI. vom 10.2.1929, I f 421/4. In: Belgard-Polziner Kreisblatt. No. 102, Jahrgang 1929. Sonnabend, den 28. Dezember 1929

Reichswirtschaftsminister auf der Ministerbesprechung vom 3. Februar 1930, 10 Uhr. In: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik online. Das Kabinett Müller II. Reichsbankgesetz. Nr. 429. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0pa/mu2/mu22p/kap1_1/kap2_173/para3_1.html

Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931

[Stapo 1933m] Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle für Dezember 1935. In: Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei zur Provinz Sachsen 1933 bis 1936. Herausgegeben von Hermann-J. Rupieper und Alexander Sperk, Band 2: Regierungsbezirk Merseburg, mdv, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2004, Seite 533 ff.

[Stapo 1933n] Aus dem Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle für März 1936. In: Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei zur Provinz Sachsen 1933 bis 1936. Herausgegeben von Hermann-J. Rupieper und Alexander Sperk, Band 2: Regierungsbezirk Merseburg, mdv, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2004, Seite 640 ff.

Standesamt Halle. Sterbe Nebenregister, Jahrgang 1936. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 131 II, Sterberegister Nr. 1952, Nr. 2802

 

Autor:
Detlef Belau
Geschrieben: 2007. Aktualisiert:
18. Juli 2011
zurück