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Tausendmarkschein-Winter

 

"Im Gerichtsgefängnis zu Naumburg hat ein Mann jenen ominösen angeblichen Selbstmord begangen, der sich in braunen Haftzellen immer wieder ereignet. Dieser Mann hat ganz ohne Zweifel für das Dritte Reich eine ähnliche Rolle gespielt, wie sie Johannes der Täufer in der Welt der Bibel zukommt. Er war", erinnert der Neue Vorwärts (SPD) am 15. November 1936, "der direkte Vorläufer des Herren und Messias! Gustav Winter hiess der Mann."

Zur Lage von Großjena bei Naumburg an der Saale

In Naumburg und Großjena hörten viele von seinen Eskapaden. Im kollektiven Gedächtnis der Region überlebte bis heute manche Anekdote. Aber ansonsten wissen wir wenig bis nichts über ihn. Woher auch? Stadt- und Regionalgeschichte kümmerten sich bisher nicht um den Tausendmarkschein-Winter. Allgemein bekannt ist, dass er am 13. März 1932 in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht" zur Wahl für das Amt des Reichspräsidenten kandidierte. An seinem Wohnort in Großjena votierten 15 Wähler für ihn, 97 für Duesterberg (Stahlhelm + Kyffhäuser-Bund), 26 für Hindenburg (SPD, DVP, DStP, Zentrum, BVP), 225 für Hitler (NSDAP) und 8 für Thälmann (KPD). Im Reich summierte sich die Zahl der Winter-Enthusiasten auf 111 470, was 0,3 Prozent aller abgegebenen Stimmen entsprach.

Gustav Winter, am 11. Mai 1882 in Magdeburg geboren, war Schriftsetzer, Journalist und lebte seit Anfang der 20er Jahre in Großjena bei Naumburg an der Saale. Sein Name schmückt der Titel "Betriebsanwalt", wobei speziell der zweite Wortstamm "Anwalt" beeindrucken soll. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Nach dem Krieg war er als Wirtschaftsberater unterwegs. Hierfür empfahl ihn seine Schrift Das Taylorsystem, das der Vorwärts (SPD) am 19. November 1919 angekündigt hatte.

 

"Taylorisieren Sie!
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Das Taylorsystem.

und wie man es in Deutschland einführt von Gustav Winter.

Praktisches Lehrbuch für Praktikanten, Ingenieure und Betriebsleiter, Gewerkschaftsführer und Arbeiter. ...."

 

Vorwärts. Berliner Volksblatt, Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin, den 17. Juni 1919

 

In den zwanziger Jahren war er als Direktor einer Kleinbühne, Publizist, Freizeit-Forscher, Filmproduzent auf Kredit, Bundesleiter des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht", Herausgeber der gleichnamigen Wochenschrift und Wanderprediger in Aufwertungs-Angelegenheiten tätig. Eine Zeit lang arbeitete er als Kriminal-Reporter bei der Leipziger Abendzeitung. Bald wandte sich der Fachmann für die Taylorisierung der Arbeit anderen Arbeitsgebieten und Einnahmequellen zu. 1927 erzielte Gustav Winter ein Jahreseinkommen in Höhe 50 000 Reichsmark. Weitere 160 000 Reichsmark bewahrte die Bank für ihn auf.

Blick nach Großjena,
Weinberge, mit ehemaligen Wohnhaus von Gustav Winter (2007)

Vermutlich übersiedelte Gustav Winter um 1920 nach Großjena. Sein Leben bestimmen jetzt der Orga-Kult, die rotgestempelten Tausendmarkscheine, der Deutsche Volksbund "Wahrheit und Recht" und Schlusskampf gegen die Reichsbank. Eine beachtliche Zahl von Schriften, Aufsätzen und Artikeln, die für ihn eine notwendige und, wie sich herausstellte, zugleich verführerische Einnahmequelle darstellten. Allein in den Jahren 1926/27 setzte er 600 000 Druckschriften ab (Hans Bauer 1928). Nimmt man einen Verkaufspreis von 1 Mark und Selbstkosten von 30 Pfennige pro Exemplar an, ergibt dies Brutto-Einnahmen in Höhe von 420 000 Reichsmark.

 

Wahrheit und Recht

Von 1924 / 25 gab Gustav Winter ohne grossen Erfolg die Zeitschrift Der Diktator heraus. Immer mehr rückt der erlittene Inflationsverlust in den Vordergrund. Er will von der Reichsbank die rotgestempelten alten Tausendmarkscheine auf Grund des noch auf ihn befindlichen Einlösungsvermerk gewechselt oder aufgewertet haben. Hierzu gründet er 1926 den

Deutschen Volksbund "Wahrheit und Recht".

Winter, der sich ein um das andere Mal in einer weltgeschichtlichen Situation begreift, versucht allen Ernstes den patriotischen Geist und Elan der Befreiungskriege von 1813/15 für den Schlusskampf gegen die Reichsbank fruchtbar zu machen. Die Losung des Volksbundes

Frisch auf, mein Volk,
die Flammenzeichen rauchen!

lieh er sich aus dem Gedicht Aufruf von Theodor Körner (1791-1813). Beim Mitglied des Lützowschen Freikorps waren die “Flammenzeichen” ein Symbol für den Krieg in Europa und Kampf gegen Napoleon. Wir werden noch klären müssen, was genau sie bei Gustav Winter bedeuten.

In einigen Städten entstehen Verbände, die dem Deutschen Volksbund "Wahrheit und Recht" angegliedert sind. Das Münchhausen-Talent beziffert die Gesamtmitgliederzahl 1927 auf drei Millionen. Als Bundesleiter zeichnet er mit:

"Sieghaft wie immer trotz allem
und Treudeutsch Euer G. Winter".

Gustav Winter nutzte den Bund, um in die Reichspolitik einzugreifen. So wirft er vor Wahlen mal diese oder jene politisch konkurrierende Losung, also radikal rechte und radikal linke, in die Öffentlichkeit. Dies hinterlässt einen chaotischen Eindruck, folgt jedoch seiner Strategie, zu demonstrieren, dass die ausschlaggebenden Stimmen vom Deutschen Volksbund "Wahrheit und Recht" kommen. Zum 4. Deutschen Reichstag dient der Volksblock der Inflationsgeschädigten seine Kandidaten an. Was läge näher, als dass der Volksbund sich dieser Wählervereinigung anschließt und ihm seine Stimme gibt. Doch Winter unterstützt sie nicht und preist zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928 für die Teutschen Gaue nördlich des Mains die Listen 5 und 10, für Bayern noch die Liste Sahr und Genossen an. "Seine Schafe sollte eben niemand außer ihm scheren!!" (LVZ 29.10.1928)

 

Der Deutsche Volksbund "Wahrheit und Recht" rannte nicht als einziger gegen die Geldpolitik des Staates an, sondern war nur einer unter vielen Aufwertungs- und Sparergruppen-Initiativen. Beliebt waren sie bei den Politikern nicht. Vielmehr reagierten die großen Parteien nervös, registriert 1928 Carl von Ossietzky, "wenn jemand an ihrer Majestät rütteln möchte". "Diese Gruppen wirtschaftlich Geschädigter, deren einziges Band die Enttäuschung ist, sollten durch Mittel der Gesetzgebung, durch völlig verfassungswidrige Mittel kaputt gemacht werden. ….

Es handelt sich nicht darum, ob diese schnell improvisierten Parteichen nützlich oder sympathisch sind."

Carl von Ossietzky berührte, "wie sehr alle großen Parteien plötzlich einig sind, wenn sich Außenseiter melden, die vor den großen Herren keinen Respekt haben."

 

Gustav Winter (1882-1936)
in seiner Lieblingspose

Unter der Leitung von Gustav Winter erscheint ab 1926 die

Wochenschrift für Wiederaufbau
und Ausbau der deutschen Wirtschaft

Wahrheit und Recht.

Im Schlusskampf mit der Reichsbank nimmt sie die Inflationsidioten, das Bonzentum, die verfreimauerte Presse und ekelhaft Hörigen des internationalen Grosskapitals unter Dauerfeuer. Das Überparteiliche Kampforgan für das gesamte arbeitende und denkende deutsche Volk der Aufwertungsbewegung fordert 1931:

Nieder mit Bonzentum und Freimaurerei!
Weiter feuern! Nicht nachlassen!

"Bald ward Gustav Winter, nicht zuletzt durch seine forschen Auftritte,

Der grosse Held
der kleinen Leute 
(Hans Bauer 1928).

Das hielt ihn nicht davon ab, Kampagnen gegen die Inflationsidioten zum monetären Massenbetrug auszugestalten. So war er, titelt zum 17. September 1928 die AZ am Abend in München,

Der einzige,
der von den "Rotgestempelten" leben konnte
.

 

 

Der verrückte Winter?

Fraglos wusste Gustav Winter den Schlusskampf gegen die Reichsbank aufregend und öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Der Obervertrauensmann der Inflationsgeschädigten plante, organisierte, publizierte, agitierte, reüssierte, intervenierte, provozierte (die Inflationsidioten) und finanzierte, einmal sogar erstaunliche 100 000 Reichsmark, kassierte und betrog.

Gustav Winter (1882-1936). Zeichnung

Und er fühlte sich verfolgt. Dazu trugen die Polizei- oder Kriminalbeamten bei, die an den öffentlichen Zusammenkünften teilnahmen und sie beobachteten. Dem Verfolgungsgefühl erlegen, zog er in einer Gläubiger-Versammlung die Schreckschusspistole heraus, knallte damit in den Saal und rief:

"Mir soll nur einer kommen!
Der erste Schuss geht in die Luft,
der zweite sitzt!"

Der "v e r r ü c k t e  Winter", wie in viele nannten, lobte Benito Mussolini und zieht die Scheide- und Stresemänner durch den Kakao. Verrückt? - Dies hätten die Bürger - hoffentlich - ausgehalten. Zudem könnte man einem Münchhausen-Nachfolger Heiteres und Komisches abgewinnen. Doch beerben, kann er den Baron nicht. Vielmehr sind seine Aktivitäten in der Aufwertungs-Bewegung, was er nie verhehlte, mit einer antidemokratischen Haltung vergesellschaftet und puren nationalistischem Denken durchzogen. Die

Winter-Bewegung,

beseelt von der Sehnsucht nach dem Führer, ist eine Strömung in der antidemokratischen Rechten und flankiert die nationalsozialistische Bewegung. Unverblümt heisst es im April 1931 in Wahrheit und Recht:

Wir "sind nun einmal die
natürlichen Gegner des heutigen Systems."

Auf dem Weg ins Gefängnis ruft er 1931 seinen Sympathisanten zu:

"Zeigt dem Volke, wie es durch seine Bonzen in allen politischen Parteien belogen und betrogen wird so lange, bis der ganze elende, heuchlerische Parlamentarismus zusammengekracht ist und der Weg frei wird für eine vernunftgemäße, überparteiliche Diktatur seitens eines ehrlichen Volksführers in Deutschland." (WuR 24.4.1931, 3)

Aus gutem Grund tauften ihn die SPD-Genossen auf den Namen "brauner Betriebsanwalt".

 

 

Beste Voraussetzungen für die Volksverdummung:
Aufwertungsgläubige mit Bekenner- und Führersehnsucht!

Als Folge des Krieges kommt es in der Bevölkerung zu einer enormen Verschiebung im Besitz von Eigentum und Vermögen. Aus angesehenen Bürgern machte die Hyperinflation gescheiterte Existenzen. Nicht selten verloren sie achtzig bis neunzig Prozent ihres Geldvermögens. Einige mussten die herrschaftliche Wohnung mit einem kleinen Zimmerchen tauschen. Viele stürzten ins bodenlose, schlugen sich schwere soziale Verletzungen.

Überhaupt stand die Geldpolitik der Regierung nicht im hohen Ansehen. So beklagte Graf Arthur von Posadowsky-Wehner (Naumburg) in Vorfeld der zweiten Beratung zum Aufwertungsgesetz am 10. Juli 1925 im Reichstag: "Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung, dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Nach Keil 1925)

Unter diesen Gegebenheiten konnte sich der Deutsche Volksbund "Wahrheit und Recht" ohne grosse Mühe aus dem Heer der sozial Deprivierten eines gewissen Zulaufs erfreuen.

"Jetzt bereist Gustav", eröffnet dem Leser Hans Bauer Anfang 1926 im Grazer Arbeiterwille, "mit seinem Aufwertungsvortrag ganz Deutschland und hat brechendvolle Säle. Der Eintritt beträgt 50 Pfennig. Aber das ist nicht das Geschäft, sondern dies, dass er seinen verbitterten Plüschgarnitur-Kleinbürgern glaubhaft zu machen versteht, dass der Beitritt zu seiner Organisation der Reichsbankgläubiger dem Aufwertungsgedanken auf die Beine hilft."

Weihnachten seid ihr wieder zu Hause, versprach im August 1914 Kaiser Wilhelm II. seinen Soldaten. Im Herbst 1926 gelobte Gustav Winter in Dresden seinen Jüngern:

Weihnachten habt ihr euer Geld.

 

Gustav Winter

geboren am 11. Mai 1882 in Magdeburg

1922: Experimente mit "magnetischen Kohl" in Norddeutschland

Etwa 1922 Umzug von Leipzig nach Großjena bei Naumburg

1924: Der falsche Messias Henry Ford. Ein Alarmsignal für das gesamte deutsche Volk. Leipzig

1926: Mein Schlußkampf mit der Reichsbank und ihren heimlichen Helfern!
Leipzig, Hainstr. 23, Selbstverlag

1925: Herausgeber der Wochenschrift für Wiederaufbau und den Ausbau der deutschen Wirtschaft Wahrheit und Recht

etwa 1926:
Gründung des Deutschen Volksbundes Wahrheit und Recht

1926/27: Dokumentarfilm Bahn frei - der Völkerfrieden kommt!. Schwarz-weiss, stumm, 2835 Meter

1927: Der grosse Betrug - der Inflation und Deflation, Verlag Wahrheit und Recht, Leipzig

1928: Wahrheit und Recht über den Betrug mit den "Rotgestempelten", Nordholz, Kreis Lehe, Verlag "Wahrheit u. Recht"

3. Oktober 1928:
Beginn des Betrugs-Prozesses gegen Gustav Winter am Schöffengericht in Leipzig

8. November 1928: Verurteilung wegen fortgesetzten Betrugs zu einem Jahr drei Monate Gefängnis und 20 000 Reichsmark Strafe

1928/29: Aktivitäten
um die Deutschen Volkslichtspiele GmbH (Devoli) - gegründet am 3. August 1927. Auf Winters Initiative hin Überleitung in Deutsche Volksbund Lichtspiele

25. Februar 1929: Gründung von Philanthropa, internationales Kultur-Film-Propaganda-Institut E. Linke & Co. Kommanditgesellschaft (Leipzig)

11. Juli 1929: 6. Grosse Strafkammer des Leipziger Landgerichts erklärt das Urteil von 1928 gegen Winter für gültig

15. Februar 1930:
Gustav Winter trifft auf der Generalversammlung der Aktionäre der Reichsbank mit dessen Präsidenten Hjalmar Schacht zusammen

Mai 1931: Ehefrau Anna stirbt nach vierjährigen Magenkrebsleiden

Platon [= Gustav Winter]: Die Freimaurerei als Zerstörerin Deutschlands und Europas. Was steht dahinter? Verlag "Wahrheit und Recht", Leipzig 1931

1932: Winter im Gefängnis

13. März 1932:
kandidiert zur Wahl des Reichspräsidenten

Orga-Kult Kampagne

1931: Die Freimaurerei als Zerstörerin Deutschlands und Europas. Großjena bei Naumburg, Verlag "Wahrheit und Recht"

1933: Die Rettung Deutschlands ohne neues Geld. Verlag Wahrheit und Recht, Inhaber: Gustav Richter. Großjena bei Naumburg

5. November 1935:
Brief an Adolf Hitler

16. Dezember 1935:
Verhaftung

Sondergerichtsprozess in Halle

31. Oktober 1936 - Tod von Gustav Winter

 

Sagen wir mal Ungereimtheiten dazu, die die Aufwertungsschafe nicht bemerken wollten. Wie hypnotisierte und willenslose Geschöpfe laufen sie ihm nach. Mit Bekennersucht, Führerkult und, was Historiker Ernst Borkowsky den Deutschen bereits 1914 attestierte, grosser Glaubensfreudigkeit. Es fehlte nur noch, dass sie ihn küssten, so wie Mario unter Hypnose, in der Annahme es sei die Geliebte, den hässlichen Zauberer Cipolla. Und doch umgab die Winter-Aufwertungs-Versammlungen ein anderes Fluidum von Hoffnung und Illusion als es die 1930 erschienende Novelle Mario und der Zauberer spiegelt, nicht gedrückt und unheilvoll, sondern gehoben, dynamisch und aktivistisch. Cavaliere Cipolla war ein unangenehmer Typ. "Es war greulich," so beschreibt ihn Thomas Mann, "wie der Betrüger sich lieblich machte, die schiefen Schultern kokett verdrehte, die Beutelaugen schmachten liess und in süsslichen Lächeln seine splittrigen Zähne zeigte." Ganz anders Gustav Winter, der das Image des Lebemanns mit der Ernsthaftigkeit des Taylorismusinspektors und Ausstrahlung eines Börsengurus zu vereinen wusste. Seine Anhänger liebten und verehrten ihn abgöttisch. Über 20 000 Protestbriefe sandten sie an das Schöffengericht in Leipzig, wo er sich 1928 wegen Betrugsverdacht verantworten musste. Als er im Juli 1929 nach Abschluss der Revisionsverhandlung das Leipziger Gerichtsgebäude verliess, schenkte ihm eine bald siebzigjährige Frau einen Strauss roter Rosen. Drei Jahre später sammelten die Winter-Hörigen 35 000 Unterschriften, damit ihr Führer zur Präsidentenwahl kandidieren konnte.

Auf Versammlungen in Berlin, Zittau, Mannheim, Breslau, Dresden, Leipzig, Köln, Elberfeld, Krefeld und vielen anderen Städten warb der Betriebsanwalt aus Großjena für den Volksbund und die Aufwertung um 100 Prozent. Bei ihrer Vorbereitung tauchten manchmal Schwierigkeiten auf. Angeblich unterbreitete Reichsbankpräsident Doktor Hjalmar Schacht den Inhabern der alten deutschen Reichsbanknoten ein Vergleichsangebot von 66 2/3 Prozent. So stand es zumindest in Köln auf einem Winter-Plakat geschrieben. Einige trauten dieser Botschaft nicht und fragten sich, war es vielleicht doch ein Angebot a n  Doktor Schacht? Ein Bürger richtete an Winter eine Anfrage, erhielt aber keine Antwort. Kurz darauf kam er als Referent zu einer Aufwertungs-Versammlung in die Stadt. Sollte man jetzt vielleicht mit ihm sprechen können? Dazu kommt es nicht, denn Winter führte sich wie ein Diktator auf und warnte die Dissidenten:

"Wer sich erlaubt, mir zu widersprechen, wird an die Luft gesetzt. Ich mache sofort von meinem Hausrecht Gebrauch."

Für die Ausführung seiner Befehle hatte er immer eine Leibgarde zur Hand. "Die Leute, die ihm widersprachen," berichtete die Leipziger Volkszeitung (LVZ) am 11. Oktober 1929 vom Winter-Prozess, "wurden als Reichsbankspitzel verschrien und in seiner Zeitschrift "Wahrheit und Recht" heruntergerissen."

Als Mann der Ordnung, sorgte er zunächst für viel Unordnung. Wo und wann er immer eintraf, ging es hoch her. In Hamburg musste die Staatsmacht zur Gewährleistung elementarer Formen von Ordnung Sicherheit eine Sipo-Kommando mit 1000 Mann einsetzen.

Von einer dieser Winter-Versammlung nahm die AZ am Abend in München Witterung auf. Am 1. März 1927 benachrichtigte sie die Leser: "Wegen Irreführung der gutgläubigen Massen" verbietet die Polizei das Treffen.

Selbstbewusst verkündet er dem Gericht 1928: "Mein Bild hängt auf jeden Bahnhof". Einige Monate später, im Revisionsverfahren, das war Juli 1929 in Leipzig, erklärte er vor Gericht:

Ein Drittel, ja die Hälfte aller Deutschen
sind meine Anhänger
.

Wenn Winter den Saal betrat, standen die Gäste auf, jubelten und klatschten. Ihm war an der Aufwertung des Geldes und an der eigenen Höherstufung gelegen. Seine Brust dekorierte er mit allen möglichen Auszeichnungen. Vor dem Gericht in Leipzig klärte sich, dass es alles Ehrenzeichen von nationalistischen Klubs und Vereinen waren.

Immer wieder dachte sich der Führer des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht" phantastische Geschichten aus. Zum Beispiel: "Jetzt kommt Frankreich. Die Kanonen sind schon auf der anderen Seite des Rheins aufgefahren. Wenn Deutschland jetzt die alten Noten nicht aufwertet, so kommen die Franzosen nach Deutschland, um die Aufwertung zu erzwingen." Derartiges purzelte Gustav Winter nur so aus dem Kopf, was ihm nicht die geringsten Gewissensbisse bereitete. Wie gesagt, 1927 schwor er seinen Gläubigern Stein und Bein, dass das Geld Weihnachten ausgezahlt wird. Als das nicht geschah, sprach ihn ein Mitstreiter auf die Ungeheuerlichkeit des Schwindels an, worauf er geantwortetet haben soll:

"Die Leute sind viel dümmer, als sie glauben. Wenn ich nicht mit einer saudicken Lüge komme, so halte ich die Leute nicht zusammen." (LVZ 17.10.1928)

Nach der Rede feierten sie ihn ab. Mitunter trugen sie ihn auf Schultern durch den Saal und er rief: Sieg! Sieg! Die Bühne war, erklärte ein Zeuge im Gerichtsprozess 1928, mit Blumen und Lorbeerbäumen geschmückt und mittendrin stand eine Winter-Büste. Darüber strahlte die aufgehende Sonne von Wahrheit und Recht. Als er einmal in Dresden seinen Vortrag beendet hatte, erzählte Winter, kamen Mitglieder des Deutschen Offiziersbundes und der deutschen Fürstenhäuser gerannt, um ihm die Hand zu schütteln.

Alles in allem ideale Bedingungen, um auf dem Gebiet der Volksverdummung epochale Leistungen zu erbringen.

 

Dass eine Bewegung gegen die Geldpolitik der Regierung entstanden war, kann freilich nicht allein Winters Redetalent oder dem Engagement desVolksbundes zugerechnet werden. Vielmehr forderten gewisse Politiker durch ihre Worte gegen die Arbeits- und Brotlosen, "deren kein Kartätschenprinz sich zu schämen brauchte" (Lewinsohn), Widerstand und Renitenz niederer Art, aber auch den Protest der Anständigen heraus. So verstieg sich beispielsweise der Reichsbankpräsident und spätere Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht am 14. Februar 1930 in der Rede zur Schaffermahlzeit im Bremer Haus der Schifffahrt zu der Leistung: ".... wir haben nirgends mehr das Gefühl in der Bevölkerung, dass der Einzelne für sein Schicksal verantwortlich ist, dass der Einzelne kämpft und ringt und sich einsetzen muss, wenn er etwas im Leben erreichen will. Unser Ideal in Deutschland ist

das Ideal des Sozialrentners,

der mit dem Augenblick, wo er in die Wiege gelegt wird, sämtliche Versorgungsscheine, einschließlich der Sterbeklasse mitbekommt. Wir fühlen uns nicht als Bürger des Staats, sondern wir fühlen uns als Wohlfahrtsempfänger ...."

Die Schaffer spendeten reichlich Beifalll.

Hingegen erkannte die Vossische Zeitung am 16. Februar 1930 in der Schacht-Rede nur eine "schlechte Wirkung des sicheren Reichtums". Das Jahreseinkommen des Reichsbankdirektors lag laut Leipziger Volkszeitung vom 17. Februar 1930 bei einer halben Million Reichsmark. Dafür wetterte er schon mal gegen die erwerblosen Proleten und Hilfebedürftigen, legte "der öffentlichen Hand kräftige Handschellen" an, half wacker den Hohenzollern bei der Abfindung und beschuldigt im Buch die "Stabilisierung der Mark" Beamte der Banque de France des Raubes, des Einbruchs und der Fälschung (Lewinsohn). "Durch eine falsche Politik" hat er, moniert Rudolf Hilferding (SPD) am 3. Dezember 1927 vor dem Reichstag, die Schwächung des deutschen Kapitalmarktes zu verantworten.

Nicht nur Hajalmar Schacht, auch andere Gegner der Winter-Bewegung lieferten ihr, so muss man es schon sehen, von Zeit zu Zeit höchst persönlich die Munition für den Schlusskampf frei Haus.

 

Der große Betrug

1927 erscheint von Gustav Winter

Der große Betrug -
der Inflation und Deflation
,

eine Kampf- und Aufklärungsschrift des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht".

Wie eine Lawine rollte die Inflation über Deutschland hinweg, erklärt der Wirtschaftsexperte aus Großjena. Sie vernichtete gewaltige Werte und Güter. Schuld sind die dunklen Kräfte Rathenau, Erzberger, Scheidemann und ihre Vorder- und Hintermänner. Schuld ist Hjalmar Schacht (1877-1970), der mit den Worten zitiert, dass sich die wirtschaftlich Geschulten auf Kosten der Unwissenden bereicherten. Gleichzeitig wirkt er maßgeblich an der künstlichen Verlängerung der Inflation mit. Noch im Frühjahr 1923, meint Gustav Winter, wäre es mit guten Willen möglich gewesen, die Inflation zu stoppen. Einige hundert Millionen Goldmark reichten aus, um das Übel zu beheben. Aber nein, der wahnwitzige und ehrgeizige Streber Hjalmar Schacht - erst Reichswährungskommissar und dann ab 22. Dezember 1923 Präsident der Reichsbank - ruiniert alles planmäßig, indem er die Papiermark durch Einführung der Rentenmark ab 15. November 1923 saniert. Zunächst besteht diese neben der alten Papiermark. Dann wird sie bei der Reichsbank zum Kurs von 1 Billion Papiermark = 1 Rentenmark = 1 Reichsmark umgetauscht. Als Gewinner sieht er das internationale Finanzkapital und das Reich, die Länder und Gemeinden, die nun frei von Schulden sind. Eigentlich erwartete man Steuererleichterungen. Aber, im Gegenteil, dem Volk werden weitere Kosten aufgebürdet. Virtuos jongliert Winter mit den Begriffen "Versailler Diktat", "Inflation", "Deflation", "Dawes-Plan", "Wirtschaftsniedergang", "Volksverrat" und "Volksbetrug". Zu oft gleitet er in theatralische Vorwürfe gegenüber dem Reichsbankpräsidenten ab. Diktion und Sprache seiner Argumentation erinnern mehr an die heutige Yellow-Press als an soliden politischen Journalismus.

 


Vor Gericht in Leipzig

Am 19. September 1928 trompeten die "Innsbrucker Nachrichten" hinaus:

Riesenbetrugsprozess in Deutschland.

Der Führer des Deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht" muss sich ab 3. Oktober 1928 vor dem Schöffengericht in Leipzig verantworten. Nicht weil Winter das Volk erregte, was oft genug vorkam und die Presse immer gerne aufgriff, sondern weil der Verdacht des Betrugs an seinen Mitgliedern aufkam, dass heisst, ob er die Einnahmen aus dem Verkauf von Broschüren, regelkonform an den Volksbund abführte - deshalb musste Winter vor Gericht. Ausserdem standen Fragen der kreativen Buchführung zur Klärung an.

 

Im April 1925, als er den Offenbarungseid leisten musste, stellte im Juni 1929 im Revisions-Prozesss Landgerichtsdirektor Franke fest, besass er noch ganze drei Hemden, zwei Anzüge und sechs Kragen. (LVZ 5.6.1929) Angesichts dessen äusserte der Staatsanwalt wiederholt Zweifel, ob der Angeklagte im von ihm dargestellten Umfang überhauopt rotgestempelte Tausendmarkscheine besitzt. Schliesslich unterbreitete Gustav Winter den Vorschlag, worauf der Richter einging, die rotgestempelten Reichsbanknoten umgehend beizubringen. Am Mittwoch, den 5. Juni 1929 übergab er im Landgericht von Leipzig nach Eröffnung der Sitzung einen Lederkoffer mit Geldscheinen. Sogleich überzeugte sich das Gericht davon, dass neben grüngestempelten, in der Hauptsache eine Unmenge von rotgestempelten Tausendmarkscheine vorhanden waren. (Vgl. Winters "Panzerautos")

 

Im Betrugs-Prozess, der wie bereits erwähnt, im Oktober 1928 in Leipzig begann, nahm sich das Gericht zur Prüfung und Beurteilung der Sachverhalte über zwanzig Verhandlungstage Zeit. Wegen der chronischen Gallenerkrankung des Angeklagten, musste gelegentlich ein Termin ausfallen. Allein bis zum 9. Verhandlungstag erschienen 43 Zeugen. Wenn Winter das Wort erteilt wurde, hörte man aus dem Publikum immer mal wieder Zustimmungsbekundungen, worüber der Vorsitzende natürlich verärgert.

Als erstes greift das Gericht zur Broschüre "Aufwertung zu 100 Prozent". Dann folgt "Mein Schlusskampf mit der Reichsbank und ihre heimlichen Helfer". Jeden Zweifel des Richters und Staatsanwalts, hält der Gerichtsreporter fest, wehrt er mit der Gewandtheit eines begabten Redners ab. An einem Tag befasst es sich mit der Schrift "Der grosse Betrug".

Dann ging es, wie Gustav Winter in einem Brief schrieb, um das prima Geschäft mit den Schriften, also um die merkantile Seite der Propaganda des Volksbundes. 1926/27 verkaufte er, wie der Staatsanwalt ermittelte, annähernd 600 000 Broschüren zum Preis von je einer Reichsmark, deren realer Wert jedoch nur 10 Pfennige entsprach. Es kam heraus, dass er nicht alle Einnahmen aus dem Verkauf von Broschüren an die Organisation abführte, sondern in die eigene Tasche steckte. Hinzu kamen weitere Einkünfte. Je Vortrag und Auftritt in einer Aufwertungs-Versammlung erhielt er zunächst 50 Reichsmark nebst Unkosten für Reise und Verpflegung. Später waren es sogar 10 Prozent der Bruttoeinnahmen des jeweiligen Abends.

Überdies genügte die Buchhaltung des Volksbundes nicht elementaren und allgemein anerkannten Anforderungen. Doch die Beweisaufnahme gestaltete sich für die Staatsanwaltschaft schwieriger als gedacht. Der Angeklagte übernahm, was nicht geleugnet, von den ihn unterstellten Verbänden des Volksbundes in Dortmund und Leipzig die Kasse, was damit begründet wurde, dass ihre Arbeit keine Aussicht auf Erfolg versprach. Ausserdem musste Winter, so seine Rede, viele Kosten der Bewegung übernehmen. (WuR 24.4.1931, 17)

Irgendwann "kamen die Gläubiger aus Hamburg angezottelt, die nach Leipzig geeilt waren, um ihre diversen Hände für Winter in das bekannte Feuer zu legen." Es existierte kaum eine gute Eigenschaft, unterrichtete am 25. Oktober 1928 die Leipziger Volkszeitung (LVZ) ihre Leser, die der Angeklagte nicht in ausgiebiger Weise besitzt. Ein erhebender Anblick, kommentiert das Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes, wie der Reihe nach ein Milcharbeiter, ein Kaufmann und ein Staatsarbeiter auf die Frage des Vorsitzenden nach dem Ziel der Bewegung die Hacken knallend zusammenschlugen und im germanischen Heldentenor erklärten:

"Die Errettung des deutschen Volkes
und der deutschen Heimat aus tiefster Not"!

Immer wieder brach beim Angeklagten das Imponiergehabe durch. Im Flugblatt Nummer 1, "das bald zur Verlesung kam, empfahl "Winter die Beteiligung seines Bundes an der Industrie und die Gründung einer Goldmarkbank." Angeblich waren schon zehn deutsche Grossfilme fertiggestellt und zehn weitere in Arbeit sind. "Die Anklage stellte hier fest, dass die Propagierung dieser Unternehmen nur dazu dienen sollten, Winter die Taschen zu füllen und nicht wie Winter behauptet, den Interessen seiner Anhänger." (LVZ 5.10.1928)

"Wenn ich für das Volk schreibe," rechtfertigte er sich gleich zu Beginn des Leipziger Prozesses, "so muss ich mich hart und großsprecherisch ausdrücken, sonst verstehen sie mich nicht." (LVZ 6.10.1928) Das Gericht musste die Informationen prüfen, welche der Angeklagte oft eloquent in seine Erzählungen einbaute. Denn auf dem Gebiet der Grosssprecherei verfügte der Bundesführer des Deutschen Volksbundes Wahrheit und Recht über enorme Fähigkeiten. Über 14 000 Briefe liefen bei ihm in Grossjena täglich ein, entfährt seinen Munde vor Gericht. Ausserdem sollte in Leipzig für Wahrheit und Recht ein extra Postamt eingerichtet werden. Dazu wurde der Zeuge Postinspektor Wolf vom Postamt C 1 Leipzig befragt, der sich jedoch nicht daran erinnerte, je mit dem Angeklagten darüber gesprochen zu haben. Angeblich arbeitete er täglich 20 Stunden. Trotz grossem Fleiss und Eifer, liegen noch 80 000 Zuschriften ungeöffnet in seinem Zimmer. (LVZ 16.10.1928)

 

Das Gericht erlebte mit dem Angeklagten manchen "weltgeschichtlichen Augenblick".

Am 9. Verhandlungstag tischte er dem Schöffengericht folgende Geschichte auf: Die Reichsbank erteilte ihm die Erlaubnis zum Prägen von Goldstücken. Ihm gefiel aber der Adler nicht, weshalb er jetzt seinen Kopf aufbringen werde. (LVZ 16.10.1928)

Das Gericht brachte Gustav Winter aus einer seiner Broschüren Folgendes zu Gehör: "So ist es mit gelungen, durch innereuropäische Verhandlungen die Anerkennung unserer Forderungen im Ausland zu erhalten, so dass sie als Wechsel diskontiert werden." Auf die Nachfrage vom Vorsitzenden, ob er eine Börse nennen kann, die mit ihm verhandelt hat, fiel er in Schweigen.

Am 8. November 1928 verurteilte das Gericht Gustav Winter wegen Betrugs zu einem Jahr drei Monate Gefängnis und 20 000 Reichsmark Strafe.

Ansich war die Erhebung von unberechtigten Ansprüchen nicht strafbar. "Die Rechtslage änderte sich aber", sondierten die Bremer Nachrichten am 1. November 1936 die Lage, "als durch die Entscheidung des Reichsgerichts vom 20. Mai 1926 die Aufwertungsansprüche endgültig als haltlos festgestellt wurden. Nun lag Winter schief, schwindelt aber weiter."

Das Gericht kam nicht umhin, ihn als einen der größten Aufwertungsschwindler zu bezeichnen. "Die Dreistigkeit und Skrupellosigkeit, mit der er vorgegangen sei, um sich und seiner Familie eine sorgenfreie Existenz zu schaffen," kommentierte am Tag darauf die Münchner AZ am Abend, "müsse als strafverschärfend angesehen werden." Dem Vorwärts (SPD) aus Berlin war zum Abschluss des Prozesses wichtig mitzuteilen, wie der Inflationsheilige seine Gläubiger einschätzte. Dies "gehe aus seinen eigenen mit zynischer Offenheit dargelegten Ausführungen hervor, als er sagte, er müsse den Leuten, die dümmer seien als dumm, mit grossen Lügen als Bluff kommen."

Davon unbeeindruckt überschütten die Aufwertungsschafe Winter und Verteidiger nach der Urteilsverkündung mit Blumen. Vor der Tür des Gerichtsgebäudes, empfingen ihn die Getreuen mit:

"Unser großer Führer,
er lebe hoch!"

Bei soviel Zuspruch aus deutschnationalen Kreisen, hiess es jetzt: weitermachen. Es folgte der Skandal um die Deutschen Volksbund - Lichtspiele (1929). Dann folgte die Affäre um den Dokumentarfilm Der grosse Betrug. 1930 gerät die Reichsbank in den Wintersturm. Zwei Jahre später kandidiert er für das Amt des Reichspräsidenten. Schliesslich wirbt Winter 1935 bei Adolf Hitler für den magnetischen Kohl.

Das Urteil wegen Betrugs an seinen Mitgliedern empfand er immer als ungerecht. Nie, argumentiert er im Vorwort zu

Die Freimaurerei
als Zerstörerin Deutschlands und Europas
 (1931),

hatte sich ein einziger Geschädigter gemeldet. Vielmehr war die "Hetze" gegen ihn planmäßig organisiert. "Als wirkende Organisation erwies sich endlich: die geheime Oberleitung der internationalen Freimaurerei."

Sein Rechtsanwalt legte gegen das Urteil vom 8. November 1928 Widerspruch ein. Einige Monate später wurde darüber vor der 6. Grossen Strafkammer des Leipziger Landgerichts in der Eisenstrasse verhandelt. Nach vielen Sitzungen bestätigte am 11. Juli 1929 der Richterspruch das Urteil von 1928 und verwarf damit die Berufung auf Kosten des Angeklagten. Eine Strafmilderung auszusprechen, kam für das Gericht nicht in Frage, weil der Verurteilte seine Betrügereien fortsetzte. Vielmehr stellte es erneut fest, dass der Bundesführer von Wahrheit und Recht seine Gefährten über die realen Möglichkeiten einer Aufwertung planmässig täuschte, obwohl er recht gut wusste, dass dies nicht mehr möglich war.

Am 2. Januar 1931 stellt Winter beim Oberreichsanwalt des Reichsgerichts Leipzig "Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Urkundenfälschung und Betrug, begangen 1924 im Amt, gegenüber dem Reichsrat, dem Reichstag und dem Volke, betreffend der Bewertung der alten Roten der Reichsbank."

 

 

Der grosse Betrug und
die Filmgesellschaft Philanthropa

Gustav Winter produziert den Film

Bahn frei, der Völkerfriede kommt,

der 1927 erscheint. Anklang findet er nicht. Mit der Geste des tragisch-verkannten Genies, registriert die Leipziger Volkszeitung am 25. Oktober 1928, beklagte er sich über die erbitterte Feindschaft der Kinounternehmer. Statt seinen Film aufzuführen, spielen sie wochenlang soziale Zersetzungsprodukte wie den Potemkin von Sergei Eisenstein.

Das Belgard-Polizner Kreisblatt warnt am 28. Dezember 1929 öffentlich vor den Wanderredner Gustav Winter. Hierzu verweist es auf das Leipziger Gerichtsurteil vom 11. Juli 1929. Dessen ungeachtet scheint er seine Tätigkeit, die zur Bestrafung geführt hat, weiter fortzusetzen, wozu neuerdings der von ihm produzierte Dokumentarfilm

Der große Betrug

aufgeführt werden soll. Im Betrugs-Prozess 1928 verweigerte das Schöffengericht in Leipzig die Aufführung dieses Films im Gerichtssaal. Es führte ihn aber als Beweis für die informationellen Manipulationen, die er oft vornahm. Das Kreisblatt veröffentlicht ein Schreiben des Landrats von Belgard an der Persante (Woiwodschaft Westpommern), worin er ausführt, dass für eine Genehmigung bisher nicht nachgesucht worden ist. Mit einer Zulassung, hebt der Runderlass des Ministeriiums des Inneren vom 10. Dezember 1929 hervor, ist nach dem, was bisher bekannt geworden ist, gemäß den gesetzlichen Bestimmungen kaum zu rechnen. Der Landrat, ersucht die Bürger, gegen jede unerlaubte Vorführung des Films einzuschreiten. Die Behörden befürchten, dass Gustav Winter versuchen wird, den Film trotz Verbot aufzuführen.

Philanthropa - 15. Februar 1929

Denn Philanthropa, Kultur-Film-Gemeinde deutsche Städte e.V., verkaufte bereits Filmpässe, ohne jedoch die Gegenleistung zu garantieren.

Die Organisation ist ein Ableger der Philanthropa - Internationales Kultur-Film-Propaganda-Institut E. Linke & Co. Kommanditgesellschaft (Leipzig). Sie wurde am 25. Februar 1929 gegründet. Gustav Winter und E. Linke (Leipzig) zeichnen als Geschäftsführer. Direktor E. Linke ist dem Cineasten als Produzent und Regisseur von Satan Diktator (Leipzig 1919) und Orientfieber (Leipzig 1923) bekannt. Wer will, teilt man öffentlich mit, kann auch für 100 Reichsmark Anteile an Philanthropa kaufen.

Die Filmgesellschaft organisiert und führt den Kampf gegen Überfremdung und Monopolherrschaft. Zur Geschäfts-Philosophie heisst es:

"Wir spucken den internationalen Hetzern wiederum in die Suppe, wir stellten schon längst den amerikanischen Hetzfilmen eine scharfe Gegenpropaganda und europäische Friedensfilme gegenüber (italienische, deutsche, französische, schwedische!) und werden dafür sorgen, dass statt Zersetzung der Staaten von Europas - die Vereinigten Staaten von Europa entstehen, ob nun die Herren beamteten Diplomaten Europas dies heute schon völlig begreifen oder nicht."

Dadurch wird überall, doch "zunächst aber in Deutschland Wahrheit und Recht zum Siege kommen" (WuR 22.2.1929, 13).

Intendiertes Ziel der Kulturkampfgruppe blieb, die Aufführung des nicht zugelassenen Films Der grosse Betrug.

 

 

Kampfmaschine gegen das internationale
Finanzkapital oder Hugenberg-Kutsche?

1928/29 mischte der moderne Heiland (Leipziger Volkszeitung) in Naumburg bei der Ertüchtigung von

Panzer-Propagandawagen

mit.

Ein großartiges, billiges und wirksames Propagandainstrument im Kampf gegen die Macht des internationalen Kapitals und die Bonzen erblickt Gustav Winter in der

Devoli.

Gegründet wurden die Deutschen Volkslichtspiele GmbH am 3. August 1927 unter Drangabe von 800 000 Reichsmark, die Adelbert Karl Werner Graf von der Schulenburg (Burgscheidungen) und der ehemalige Hofschauspieler am Sächsisch-Meiningschen Hoftheater (1907-1914) Erich Claudius (1889-1940) aufbrachten. Ihre Film- und Tonstudios sowie Lager-, Material-, Verpackungs- und Verwaltungsräume befinden sich in Naumburg im früheren Garnisonslazarett (Nordstraße) auf dem Spechsart.

Winter meint mit Devoli nicht die Firma Deutsche Volkslichtspiele, sondern die mit gleichen Namen ausgestatteten

Propaganda-Kampfmaschinen,

eine Art Propaganda-Mobil. Konstrukteure montierten 1927 auf ausgedienten Panzerautos Kinoprojektoren mit Projektionswänden. Für die Arbeiterparteien war es schlicht eine Hugenberg-Kutsche.

Damit kann man, ruft Winter mit kindischer Freude aus, überall hinfahren und Kino machen. "Musste das Kinopublikum sich bisher die ekelhaften Hetz- und Zersetzfilme amerikanischen Ursprungs einfach gefallen lassen, weil weder gute Filme greifbar, noch Kinos frei waren, so vermögen wir heute mit unserer Devoli Wandel zu schaffen; Wir bringen das Gute vor das Volk." (WuR 22.2.1929, 10) Endlich können jetzt, gibt er seiner Hoffnung Ausdruck, nationale Kinoproduktionen gezeigt werden, die nach Beseitigung der friedensstörenden Verträge (Versailles, Dawespakt) der Völkerverständigung dienen sollen. Nach sechs Monaten, im März 1928 folgt der Konkurs.

Wahrheit und Recht erzählt am 22. Februar 1929 die Devoli-Geschichte so zu Ende:

"Der Gegenschlag der Koalitionsparteien gelang, die Firmen zogen ihre Aufträge zurück, die "Devoli" wurde für den Filmbezug boykottiert, die Polizeibehörden wurden gegen sie mobil gemacht und nach rund sechs Monaten war dieses ungeheuerliche und gefürchtete Kampfinstrument - zerschlagen? - ach wo - nur außer Gefecht gesetzt. Wohl kam die Firma in Konkurs und alles lag brach - große liquide Werte lagen illiquid auf einem Lagerplatz in - Naumburg an der Saale - ausgerechnet dort, wo unser Führer jetzt sein Domizil aufgestellt hat."

Es war geplant, die Propaganda-Tanks in Naumburg zu entsorgen. Als der Kämpfer gegen das internationale Finanzkapital davon erfährt, posaunt er aus: Für so etwas hat der Winter Geld. Die Tanks werden leicht rekonstruiert, die Projektionsflächen für das Kinobild vergrössert und mit Lautsprecher ausgestattet. Jetzt können alle Filme vorgeführt werden. Auch Benito Mussolini (1883-1945) besitzt, protzt der Bundesführer von Wahrheit und Recht, so einen Panzer-Propaganda-Wagen.

"Die Devoli ist in unserer Hand!", triumphiert die Zeitschrift Wahrheit und Recht am 22. Februar 1929. Die Devoli, heisst jetzt:

Deutsche Volksbund - Lichtspiele.

Allmählich versiegen die Nachrichten.

Aus Anlass der Revisions-Verhandlungen zum Betrugsprozess gegen Gustav Winter taucht am 5. Juni 1929 das Devoli-Panzerauto in Leipzig, Eisenstrasse, vor dem Landgericht auf. Zwei Tage später berichtet darüber die AZ am Abend aus München: "Gegen halb 9 Uhr fuhr am Gerichtsgebäude ein eigenartig geformtes, gelbgestrichenes Auto vor, das eine Art Panzerwagen darstellen sollte. Die Panzerwände waren allerdings dünn, die Nieten um so grösser. Das Aussehen eines Panzerwagens war jedoch recht gut imitiert. Gesteuert wurde der Wagen von zwei jungen Leute, die Reichswehrähnliche Uniformen trugen. Ihre Schirmmützen waren an der Stirnseite mit Eichenkränzen verziert. An Stelle der Konkarde war ein grosses lateinisches "W" angebracht, was wahrscheinlich "Wintergarde" bedeuten sollte. Bald darauf entstieg Winter einem Privatauto, öffnete die Tür und entnahm dem Wappen eine grosse braune Ledertasche. Darin waren die Tausendmarkscheine. Winter wollte eben unbedingt auch in diesem Prozess eine "Sensation" haben. Aus diesem Grunde inszenierte er einen theatermässigen Auftritt vor dem Gerichtsgebäude. Damit der "historische Augenblick" der Nachwelt erhalten bleibe, hatte er einen Filmoperateur mitgebracht, als ein Polizeibeamter den "Panzerwagen" untersuchen wollte. Ein besserer Dienst konnte Winter kaum erwiesen werden. Das passte ihm in den Filmstreifen: Die Polizei gegen ihn Aktion. Zu allem hatte sich Publikum eingefunden, Winters Reklamebedürfnis war also befriedigt und darüber hinaus der Ernst der Gerichtsverhandlung herabgewürdigt."

 

 

Wintersturm
in der Generalversammlung der Reichsbank
Leipziger Volkszeitung, 18. Februar 1930

Gustav Winter wusste, er konnte seinen Hauptfeind, die Reichsbank, nicht zu Verhandlungen zwingen. Aber was tun? Schacht stand der Aktionärsversammlung der Reichsbank vor. Damit sich die Tür zu ihr öffnete, musste man nur deren Aktien erwerben, womit Winter nicht viel Zeit verlor. Dann kündigte er an: "Die Wahrheit wird gesagt, auch wenn sie für mich gefährlich ist." (WuR 24.4.1931)

Er wird krank. Trotz "Haft- und Verhandlungsunfähigkeit", erklärt Leonidas, Mitglied der Redaktion von Wahrheit und Recht, nimmt der Bundesführer unter "denkbar grössten gesundheitlichen Vorsichtsmassnahmen"

am 15. Februar 1930

den Weg nach Berlin. Vier Mann postiert der Aufwertungs-Heilige mit schweren Knüppeln am Eingang zum Reichsbankgebäude. Mit ".... bleichen Gesichtern und schlotternden Knien drückten sich die Herren Aktionäre und die Mitglieder des Direktoriums an ihnen vorbei", registrierte der schwierige Teilnehmer aus Großjena genüsslich.

 

Diese Erotisierung von leichter Gewalt wiederholt sich öfters. Als 1928 die Presse deutschlandweit über den mehrere Wochen währenden Winterprozess in Leipzig berichtete, landete am 5. November 1928 in der Redaktion des Lübecker Volksboten ein Brief an. Er war unterzeichnet mit:

"Ein treudeutsches Mitglied und Anhänger
unseres Führers Gustav Winter
sowie Abonnent seines Blattes "Wahrheit und Recht"".

Zunächst kritisiert der Leser das "elende Gekläffe" der Zeitungsschreiber und beklagt deren "Gemeinheiten" gegenüber Gustav Winter. Wegen der "fabelhaften Verlogenheit", hält er es für angebracht, das "Blättchen" in "Lübecker Volksbetrüger" umzubenennen. Vom Standpunkt der Meinungsfreiheit muss man dies akzeptieren. Vergeblich sucht man jedoch in seinem eine Widerlegung einzelner Aussagen der Zeitung oder Gegendarstellung betreffender Ereignisse. Im Vergleich zu dem, was noch kommt, ist das alles nicht so wichtig. Größeres und Schlimmeres kündigt sich an. Zunächst vergisst der Autor nicht den Hinweis unterzubringen, dass wir es im Fall Gustav Winter mit einem "Deutschen anderer Art und Gesinnung als Ihres gleichen zu tun" haben, um dann die Drohung anzuhängen:

"Jammern Sie nicht, wenn einer von uns Sie Bursche gelegentlich einmal über die Barriere ziehen und Ihnen den - anscheinend angeborenen Idiotismus liebevoll am lebendigen Leibe auskurieren - dann aber auch "Mister", ist`s zu spät, ein Testament zu machen!"

Ein leichter Hang zur Gewalt und nahezu permanente Kraftmeyerei ist typisch für den politischen Stil von Winter.

 

In der Reichsbank schreiten die Ereignisse voran. Gustav Winter erschien zur Generalversammlung als Vertreter von 202 Stimmen und forderte die Ausschüttung einer Dividende von 20 Prozent. Schacht verabreichte ihn eine kalte Dusche. (Bremer Nachrichten 1.11.1936). "Jetzt kam Leben in die Bude!", setzte der Aufwertungsphantast bei Gelegenheit einer Aufwertungs-Versammlung den Anwesenden Stolz auseinander. "Während sonst immer nur etwa fünfzehn oder weniger Aktionäre anwesend waren und die Zusammenkünfte in einem ruhigen Geplätscher verliefen, erschienen diesmal, als ich einzog, sechzig bis siebzig, darunter prominente Finanziers des In- und Auslands." Die erschienenden Herren sollten lediglich den

Entwurf eines neuen Bankgesetzes

zustimmen, den Wirtschaftsminister Robert Schmidt (SPD) bereits am 3. Februar 1930 in einer Ministerbesprechung folgendermassen erläuterte:

Das Reich will im neuen Bankgesetz die Gewinnverteilung so regeln, daß ihm ein wesentlich größerer Anteil am Gewinn zukommt als bisher. Die Reichsbank beabsichtigt, den Anteilseignern auf vier Reichsbankanteilen einen Gratisanteil und zwei Gratisaktien der Golddiskontbank zuzugestehen, wenn sie sich mit der Neuregelung der Gewinnverteilung einverstanden erklären und auf weitere Ansprüche verzichten.

Das war nicht unproblematisch und veranlasste den Bundesleiter des Volksbundes Wahrheit und Recht in der Generalversammlung der Reichsbank zu Einwürfen und Anfragen. Obwohl es laut Geschäftsordnung unzulässig ist, wollte er einen Misstrauensantrag gegen den Reichsbankpräsidenten stellen. Die Diskussion wurde lebhaft und zeitweise stürmisch. Wie gewohnt fallen starke Worte.

Robert Schmidt (1864-1943) muss so etwas geahnt haben, als er in der besagten Ministerbesprechung zum Bankgesetz - also vor der Generalversammlung - einräumte:

"Es sei zu befürchten, daß eine derartige Regelung in der deutschen Öffentlichkeit stark angegriffen werden würde. Andererseits müsse vermieden werden, durch eine zu ungünstige Behandlung der Anteilseigner den Kredit der Reichsbank im Ausland zu schädigen."

 

Natürlich stiess die Reichsbank mit ihren finanzpolitischen Massnahmen, die insgesamt nicht leicht zu durchschauen waren, bei Experten und Kennern auf Kritik und Ablehnung. Es war besonders die generöse Art der Gewinnverteilung durch Hjalmar Schacht, die bei seinen politischen Gegnern auf entschiedene Ablehnung stiess. Bereits mit dem ersten Bankgesetz von 1924, legt 1930 Richard Lewinsohn (1894-1968) ausführlich dar, sorgte der Reichsbankpräsident für seine Aktionäre, was ihn zum Liebling der Banken und Börsen machte. Obwohl die auf tausend Mark lautenden Anteile der Havensteinschen Reichsbank gegen Ende der Inflation nur noch mit zwölf Goldmark bewertet wurden, gab Schacht für zwei alte Anteile einen neuen Reichsbankanteil aus. Während die Inhaber von Reichsbanktausendern, gleichviel ob sie grün oder rot gestempelt waren, nicht einen Pfennig erhielten, konnten die Anteilseigner der alten Reichsbank für ihre entwerteten 1000-Mark-Anteilscheine sich neue über 500 Reichsmark abholen.

Und es sollte noch besser kommen.

Als Hjalmar Schacht vor Monaten sein neues Bankstatut den Reparationsgläubigern in Paris vorlegte, munkelten die Eingeweihten, dass die neue Regelung den Kurs für Reichsbankanteile auf 310 Prozent treiben könnte. Die Börse war skeptisch. Doch die Spekulanten rochen den Braten, und sprunghaft gingen die Kurse in die Höhe. Als das Gesetz verkündet wurde, hielt sich der Börsenkurs bereits bei 315. "Die alten Anteilbesitzer erhielten also für dasselbe Papier, das am Ende der Inflation noch 12 Goldmark wert war, und das Schacht ihnen für 500 Reichsmark abgenommen hatte, über 1500 Mark." (Lewinsohn 1930)

 

Im Rückblick auf diese Reichsbanksitzung erkennt die Wochenschrift Wahrheit und Recht auf "gewalttätige Aktionäre" und sprach vom "Verrat am Volke". Es kann aber keine Rede davon sein, was das Sensationsmagazin der Aufwertungsbewegung aus Grossjena am 24. April 1931 grossspurig den Lesern verkündet:

"Unsere Rechte sind gewahrt; der neue Kampf ist im Gange, des Führers Fesseln bedeuten ein Nichts."

 

 

Winter in Haft

Bericht in "Wahrheit und Recht" (Vollbild)

Zwei Landjäger wollen ihn am Morgen des 19. April 1931 in Großjena verhaften. Wegen einer erkennbaren Erkrankung, ziehen sie unerledigter Dinge wieder ab. Drei Tage später stellt er sich freiwillig der Polizei. Über Wahrheit und Recht wendet er sich am 24. April an seine Gefolgschaft:

"Die Stunde hat nun doch geschlagen in der ich als der Führer des Deutschen Volksbundes Wahrheit und Recht bis auf weiteres von Euch allen fort und für alle, für unseren gerechten Kampf gegen die Volksbetrüger ins Gefängnis gehen muss."

Sie wollen ihn mundtot machen, prangerte Wahrheit und Recht (22.5.1931) an. In der Ausgabe vom 24. April 1931 eröffnete Gustav Winter seinen Anhängern, dass die Wochenschrift ihr erscheinen einstellt, weil er ins Gefängnis muss.

Ausserdem macht dem Volksbund die Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931 das Leben schwer. Beispielsweise könnte § 10, 1 eine Handhabe gegen seine Umtriebe bieten, wo es heißt: "Plakate und Flugblätter, deren Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gefährden, können polizeilich beschlagnahmt und eingezogen werden."

Mitteilung über den Tod von Anna Winter in "Wahrheit und Recht"

Gustav Winter muss einen heftigen Schicksalsschlag verkraften. Im Mai 1931 starb nach einem vierjährigen Magenkrebsleiden seine Ehefrau und die Bundesmutter Anna Winter. Zur Beerdigung erschien er in Kapitänsuniform.

"Betriebsanwalt Gustav Winter," meldet das Naumburg Tageblatt am 1. Oktober 1931, "dessen Verurteilung wegen Betrugs zu einem Jahre drei Monate Gefängnis schon seit Jahr und Tag rechtskräftig geworden ist, konnte bisher den Strafantritt immer vermeiden, da er erklärte, infolge eines Leidens nicht haftfähig zu sein und dies auch mit ärztlichen Zeugnissen belegte. Vor kurzer Zeit erschien er aus dem gleichen Grunde auch nicht in einer Berufungsverhandlung, in der er sich wegen Steuerhinterziehung verantworten sollte. Auch hier hatte er ein ärztliches Zeugnis eingeschickt und blieb in seinem Landhaus in Großjena. Das Gericht ordnete aber eine Untersuchung durch den Kreisarzt an, der Winter für verhandlungsfähig erklärte. Nunmehr wollte man Winter auch seine Strafe antreten lassen und er wurde in Leipzig zum Strafantritt vorgeführt."

Schliesslich verbüsst er die Haft in der Sächsischen Gefangenen Anstalt I - Bautzen. Ende Mai 1932 wird er auf dem Wege eines Gnadenaktes entlassen.

 

Kandidat zu den Präsidentenwahlen

1932 kandidiert der Bundesleiter des Volksbundes Wahrheit und Recht zur Reichspräsidentenwahl. Problemlos brachte er, wie bereits erwähnt, die erforderlichen Unterstützungsunterschriften zusammen. Nur, wie peinlich, der

Anwärter für das
höchste Amt des Staates

sitzt im Bautzener Gefängnis. Seit dem vergangenen Juni. Erst im April wird er wahrscheinlich nach Großjena zurückkehren können, schreibt Der Abend (Berlin) am 9. März 1932.

Die Wahlkommission zählt am 13. März für ihn 111 470 Stimmen (= 0,3 Prozent). Sieben Tage später richtet Winter aus der Haftanstalt in Bautzen an den Reichswahlleiter folgendes öffentliches Schreiben:

"Es wird mir vertraulich mitgeteilt, daß die fanatischsten meiner Anhänger beabsichtigen; unter allen Umständen eine neue Kandidatur meinerseits für den zweiten Wahlgang durchzusetzen. Ich erkläre deshalb generell, daß ich aus staatspolitischen Gründen nicht wieder kandidiere. Schon die erste Kandidatur war ja, weil an sich unbedeutend und nicht störend, nur als eine Vertrauensdemonstration eines Teiles meiner Anhänger zu betrachten, die die meisten in der politischen Betätigung nicht beeinträchtigt hat.

Mit ausgezeichneter Hochachtung!
Betriebsanwalt Gustav Winter,
Großjena,
Sächsische Gefangenen Anstalt I." (Vertraulich)

Zum zweiten Wahlgang am 10. April 1932 tritt er nicht mehr an.

 

Magnetischer Kohl und Orga-Kult

Als die Vehikel in der bankrotten Devoli (Deutsche Volkslichtspiele Naumburg) verrotteten, die Rotgestempelten nicht mehr zum Gewinnmachen taugten, die Kandidatur zum Reichspräsidenten gescheitert, stürzte er sich mit neuen Elan auf den Orga-Kult. Mittels spezieller Experimente, immer ohne Anwendung von Düngemitteln, untersuchte Gustav Winter den Einfluss des Magnetismus auf Pflanzen und die Möglichkeit der Ertragssteigerung landwirtschaftlich genutzter Böden. Die ersten Versuche fanden in Nordholz bei Lehe statt. Erst die Kampagne in den 30er Jahren machte ihn aber national und international bekannt.

Am 5. November 1935 sendet er sein Buch

Der Orga-Urkult (Erdmagnetokultur)

mit folgendem Anliegen an Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin:

"Der Unterzeichnete gestattet sich hierfür unter Hinweis auf verschiedene Aufrufe seitens der hohen Reichsregierung zur Mitarbeit jedes Einzelnen am Wiederaufbau Deutschlands beiliegende Abhandlung zur gefälligen Einsicht vorzulegen und nachstehendes Angebot zu machen."

Orga heisst lebendige Höchstspannung der Organismen und ist eine Eigenschaft aller Organismen. "Urkult ist", erklärt Gustav Winter, "die umgekehrte, aber richtige Bezeichnung für Kultur" (1935). Der Effekt des Orga-Urkult - gesunde Ernte auf allen Böden ohne jede Düngung und Fachpflege - beruht auf der Beobachtung, dass in der Umgebung von in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Eisenbahnschienen oder Eisendrähten, ein verstärktes Wachstum von Pflanzen zu verzeichnen ist.

Beim Führer des Deutschen Reiches wirbt er mit den Worten:

"Der Autor ist der Entdecker und Erfinder des in dem Buche geschilderten Orga-Kultes, der zunächst für die deutsche Landwirtschaft höchstleistend nutzbar gemacht werden kann. Schon bei Antritt der Regierung des Herrn Reichskanzlers und Reichspräsidenten hat der Autor seine Sache der Regierung angeboten, jedoch keinerlei Antwort erhalten, was er auf den Drang der Geschäfte der neuen Regierung zurückführte. Die widrigen Umstände und das ungünstig veränderte Klima in den letzten Jahren und andre Hemmungen lassen jedoch heute das Problem der gesicherten Volksernährung außerordentlich aktuell und dringend erscheinen. Der Autor bietet deshalb der Reichsregierung von neuem den Erwerb der Entdeckung und Erfindung als Monopol zu den denkbar günstigsten Bedingungen an. Wenn die hohe Reichsregierung die Erfindung annimmt und die Lizenz bzw. das Nutzungsrecht kostenlos an die deutschen Bauern, Gärtner und Siedler abgibt, so würde der Autor nur ein Drittel seiner persönlich aufgewendeten Kosten (von über dreihunderttausend Reichsmark), also eine einmalige Abfindung für die Gesamtlizenz in Höhe von 100 000 RM [Reichsmark] beanspruchen.

Die Sache selbst ist, soweit dies heute möglich, in dem überreichten Buche dargestellt. Für die Richtigkeit des darin Dargestellten können jederzeit die angedeuteten Zeugen genannt werden. Bei schnellster Annahme der Erfindung wäre ein sofortige Prüfung noch in diesem Jahre möglich bzw. einzuleiten …." (Orga-Kult)

Diesmal war es kein Volksbetrug, was Gustav Winter 1935 anschob, sondern Staatsbetrug. Denn die Ergebnisse seiner Experimente zur Erdmagneto-Kultur waren einmal mehr erst im Februar 1935 öffentlich publiziert worden. Die Landesanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz München überließ ihn im Jahre 1933 auf einem Versuchsgut Grundstücke, die er selbst auswählen und nach seinem Verfahren ausrüsten durfte. Er durchzog, berichtet die Frankfurter Zeitung am 7. Februar 1935 weiter, die Grundstücke mit 35 Zentimeter tiefen, ein Meter voneinander entfernten Gräben, in die er nach einer von ihm geheim gehaltenen Anordnung verzinkte Eisendrähte legte. Das Ergebnis war, dass die Erträge auf den mit Erdmagneto-Kultur behandelten Grundstücken bedeutend niedriger waren als bei der allgemein üblichen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Anbauweise.

Die Zeitschrift für praktische Landwirtschaft und Heimatpflege, Der fortschrittliche Landwirt, berichtet 1937 Nachstehendes über Gustav Winters Experimente: Direktor Strobel von der Versuchsanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz in München, trat bei einem Prozess in Halle als Sachverständiger auf und bezeichnete den Orga-Kult "als laienhaft, oberflächlich und völlig wirr". Durch die Erdmagnetokultur stiegen die Erträge nicht an, sondern blieben um etwa ein Drittel hinter der allgemein üblichen Anbauweise zurück. Der Autor des Buches trickste, indem er sein Anbauland als unfruchtbar und steinig bezeichnete, um so seine Erfolge augenfälliger zu machen. Hingegen beurteilten die Fachleute die Qualität des Anbaulandes als sehr gut. "Würde die Wintersche Antidüngerpropaganda auch nur die Hälfte unserer deutschen Bauern überzeugen," sagte Strobel vor Gericht in Halle, "so ständen wir vor einer Ernährungskatastrophe."

 

Der Tod

Gemäß der Verordnung von 4. Februar 1933 werden in Sachsen sämtliche Druckschriften von Gustav Winter beschlagnahmt und eingezogen. Der Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle vom November 1935 hält dazu fest:

"Die zu gleicher Zeit in zentraler Bearbeitung durch die Stapo Halle in größtem Ausmaße geführten Erhebungen gegen Funktionäre und Anhänger Winters in Bayern, Dresden, Berlin und anderen Orten haben bisher umfangreiches Beweismaterial erbracht; u. a. konnten größere Mengen Devisen und Schriften sichergestellt werden." (Stapo 1933m, 542)

Betriebsanwalt i.R.
Gustav Winter
(1882-1936)

Der Festgenommene steht unter dem Verdacht der Missachtung des Gesetzes gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen vom 20. Dezember 1934.

 

Am 16. Dezember 1935 wird Gustav Winter nach einer Hausdurchsuchung in Großjena in Schutzhaft genommen. Im März 1936 meldet die Staatspolizei Halle:

"Winter und seine Anhänger versuchten, den verbotenen Volksbund erneut aufzubauen zu dem Zweck, zumindest den Einsatz Winters an maßgeblicher Stelle in der Regierung zu erzwingen. Bei dieser Gelegenheit ist es auch zu weiteren strafbaren Handlungen wie Betrug, Verletzung der Devisenbestimmungen und des Heimtücke-Gesetzes gekommen." (Stapo 1933n)

Gegen Gustav Winter und vier seiner Anhänger in München und Dresden wird am 25. März 1936 Haftbefehl erlassen. Der Prozess vor dem Sondergericht in Halle beginnt am 26. Oktober 1936, angeklagt zusammen mit weiteren sieben Personen wegen Verbrechen gegen das Gesetz über die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933. Vier Tage später melden die Bremer Nachrichten seinen Selbstmord. Der ungünstige Verlauf des Prozesses, mutmasst die Salzburger Chronik am 2. November 1936, dürfte die Ursache für den Selbstmord gewesen sein.

Im Sterbe Nebenregister 1936 des Standesamtes Halle dokumentiert der Polizeipräsident der Stadt mit seiner Unterschrift am 4. November 1936:

"daß Gustav Winter im Alter von vierundfünfzig Jahren in Halle, Kleine Steinstraße 7, am 31. Oktober 1936, vormittags 7 Uhr, tot aufgefunden worden sei."

Keiner braucht den Deutschen Volksbund für Wahrheit und Recht. Er ist ein Störfaktor. Wie stellte doch die Stapo 1936 fest:

"Winter und seine Anhänger versuchten, den verbotenen Volksbund erneut aufzubauen zu dem Zweck, zumindest den Einsatz Winters an maßgeblicher Stelle in der Regierung zu erzwingen.... "

"…. seine Kongenialität mit der Hitlerei", urteilt der Neue Vorwärts 1936, "hat ihm das Leben gekostet."

 

 

LVZ = Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes, Leipzig

WuR = Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft, Leipzig

 

Quellen

Aufwertungsapostel Winter. "Lübecker Volksbote. Tageszeitung für das arbeitende Volk." 1. Beilage, Nummer 26. Lübeck, den 9. November 1928

[Aufwertungsdebatte] Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2934 ff.

[Aufwertungsgesetz] Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen (Aufwertungsgesetz) vom 16. Juli 1925. Verlag Julius Springer, Berlin 1926

Bahn frei - der Völkerfrieden kommt! Deutschland 1926/1927, Dokumentarfilm, schwarz-weiss, stumm, 2835 Meter. Zensur: Jugendverbot.
Pädagogische Kulturfilm Ges. Althoff-Film-Comp (Leipzig). [Produzent: Gustav Winter] Filmportal.de. https://www.filmportal.de/film/bahn-frei-der-voelkerfrieden-kommt_cc3700db7e1e414493fb08fbc2845365

Bauer, Hans: Der grosse Held der kleinen Leute. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 9. Oktober 1928

Bauer, Hans: Ein moderner Alchimist. "Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark und Kärnten." Graz, den 24. Januar 1926

Betriebsanwalt Winter vor Gericht. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes".  1. Beilage zu Nummer 232, Leipzig, den 3. Oktober 1928

"Betriebsanwalt" Gustav Winter zur Strafverfügung vorgeführt. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 1. Oktober 1931

Borkowsky, Professor Ernst: Unser Heiliger Krieg. Mit 25 Bildern von Professor Walter Klemm, Emil Preetorius und Hans Baluschek. Gustav Kiepenheuer Verlag, Weimar 1914

Der "Tausend-Mark-Schein-Winter" vor dem Sondergericht. "Bremer Nachrichten mit Weser-Kurier". Bremen, den 27. Oktober 1936. (Staatsarchiv Bremen der Freien Hansestadt Bremen)

Der Diktator. Die Wochenschrift des ganzen deutschen Kulturvolkes. Diktator-Verlag, Leipzig, Bosestr. 3, Gustav Winter, erschienen 1924-1925

"Der einzige, der von den "Rotgestempelten" leben konnte". "AZ am Abend, 8- Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München den, 17. September 1928, Seite 1

"Der grosse Betrug". "Vorwärts. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 16. Dezember 1929

Der Prozeß gegen Winter. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 234, Leipzig, den 5. Oktober 1928

Der Prozeß wird immer lustiger. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 241, Leipzig, den 13. Oktober 1928

Der Tausendmarkscheinwinter. "Neuer Vorwärts. Sozialdemokratisches Wochenblatt". Berlin, den 19. Januar 1936

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 237, Leipzig, den 9. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 243, Leipzig, den 16. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 247, Leipzig, den 20. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 251, Leipzig, den 25. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 254, Leipzig, den 29. Oktober 1928

Der Winter-Prozeß. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 258, Leipzig, den 3. November 1928

De-vo-li. In: Eine "nationale Idee", die im Gefängnis endet. "Vorwärts. Morgen Ausgabe. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Berlin, den 21. Juni 1931, Seite 2

"Devoli". In: "Wahrheit und Recht. Wochenzeitschrift für Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft". Jahrgang 4, Nummer 8. Leipzig, den 22. Februar 1929, Seite 10

Die Absichten der Reichsbank "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 5, Nummer 8, Leipzig, den 21. Februar 1930, Seite 2

Die wahre Ursache der Verhaftung Winters. In: "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 20, Leipzig, den 15. Mai 1931, Seite 1

Die Wiederherstellung von Winters Freiheit und Ehre. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 29, Leipzig, den 17. Juli 1931, Seite 2

Die heutige Verhandlung. [Bericht über den Prozess gegen Gustav Winter] "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten Werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 234, Leipzig, den 5. Oktober 1928

[Diktator] Der "Diktator" Winter. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 239. Leipzig, den 11. Oktober 1928

[Leserbrief] Ein treues Mitglied und Anhänger unseres Führers Gustav Winter sowie Abonnent seines Blattes "Wahrheit und Recht" [schreibt am 5. November 1928 an den "Lübecker Volksboten"]. In: "Lübecker Volksbote. Tageszeitung für das arbeitende Volk." 1. Beilage, Nummer 26 Lübeck, den 9. November 1928

"Erdmagneto-Kultur." "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 7. Februar 1935

Endkampf um die "Rotgestempelten". "Vorwärts Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 9. November 1928

[Entlassen] Gustav Winter aus der Haft entlassen. "Tagblatt. Organ für die Interessen des werktätigen Volkes." Linz an der Donau, den 26. Mai 1932

Irrungen und Wirrungen. In: Der fortschrittliche Landwirt. Zeitschrift für praktische Landwirtschaft und Heimatpflege. 19. Jahrgang, Nummer 29, Graz, den 17. Juli 1937, Seite 460 bis 461

[Keil, Wilhelm] Redebeitrag des Abgeordneten Keil, SPD. Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2934 bis 2941

Komödie in der Reichsbank. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 5, Nummer 8, Leipzig, den 21. Februar 1930, Seite 1

Larsen, Egon: Der 5. Präsidentschaftskandidat in Deutschland. "Vorarlberger-Landeszeitung. Amtsblatt für Vorarlberg". Bregenz, den 7. März 1932, Seite 2

Larsen, Egon G.W.: Der fünfte Kandidat. "Der Abend. Spätausgabe des Vorwärts", Beilage. Berlin, den 9. März 1932

Lechter, Reinhold: Die Sekte und der Betriebsanwalt. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 1. Beilage zu Nummer 160, Leipzig, den 12. Juli 1929

Leonidas: Die wahre Ursache der plötzlichen Verhaftung. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft". Verlag"Arbeit und Recht", Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig, den 24. April 1931, Seite 5

Leonidas: Vergleich mit der Reichsbank oder ihre Verurteilung. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Verlag "Wahrheit und Recht", Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig 24. April 1931, Seite 17

[Lewinsohn, Richard =] Morus: Behrenstrasse. Die Weltbühne. XXVI. Jahrgang, Nummer 7. Berlin, den 11. Februar 1930, Seite 253 bis 255

Mann, Thomas: Mario der Zauberer. Verlag Philipp Reclam, Leipzig 1980

Mitteilungen der "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes" zum Prozess gegen Gustav Winter (Großjena) vor der 6. Grossen Strafkammer des Leipziger Landgerichts. 1. Beilage zu Nummer 160, Leipzig, den 12. Juli 1929

Nachtsitzung im Reichstag. Die Zweite Lesung des Aufwertungsgesetzes. "Vorwärts Berliner Volksblatt, Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 11. Julio 1925

Nieder mit Bonzentum und Freimaurerei! "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 21, Leipzig, den 22. Mai 1931, Seite 1

Öffentliche Warnung vor Gustav Winter. Rd. Erl. d. MdI. vom 10.2.1929, I f 421/4. In: Belgard-Polziner Kreisblatt. No. 102, Jahrgang 1929. Sonnabend, den 28. Dezember 1929

[Orga-Urkult] Platon [Pseudonym für Gustav Winter]: Der Orga-Urkult Erdmagneto-Kultur. Dreifach gesunde Ernte auf allen Böden ohne jede Düngung und Fachpflege. Herausgegeben in den Jahren des Heils 1935. Verlag Wahrheit und Recht, G. Winter, Großjena bei Naumburg (Saale)

[Orga-Kult] Bundesarchiv Berlin, R 2 (Reichsfinanzministerium) 18 339

Ossietzky, Carl von: Auftakte. Die Weltbühne, XXIV. Jahrgang, Nummer 2. Berlin, den 10. Januar 1928, Seite 41 bis 44

Ossietzky, Carl von: Ist Schacht geeignet? Die Weltbühne, XXIV. Jahrgang, Nummer 48, Berlin, den 27. November 1928, Seite 797 bis 801

Philanthropa Kulturfilm. Gemeindeblatt. Jahrgang 1, Nummer 2, Leipzig, 28. Juni 1929

Prozessbeginn gegen Gustav Winter. "AZ am Abend, 8- Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München, den 4. Oktober 1928, Seite 2

Rache an einem peinlichen Vorläufer! "Neuer Vorwärts. Sozialdemokratisches Wochenblatt". Karlsbad, den 15. November 1936

Reichswirtschaftsminister auf der Ministerbesprechung vom 3. Februar 1930, 10 Uhr. In: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik online. Das Kabinett Müller II. Reichsbankgesetz. Nr. 429. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0pa/mu2/mu22p/kap1_1/kap2_173/para3_1.html

Ruhiger Tag im Winter-Prozess. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes" zum Prozess gegen Gustav Winter (Großjena) vor der 6. Grossen Strafkammer des Leipziger Landgerichts. 1. Beilage zu Nummer 249, Leipzig, den 23. Oktober 1928

Schacht, Hjalmar: Rede am 16. Februar 1930 zur Schaffermahlzeit im Bremer "Haus der Schifffahrt". In: Schacht verhöhnt die Armen. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Mittwoch, den 17. Februar 1930, Seite 1

Schluss im Prozess Winter. "AZ am Abend. 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München, den 9. November 1929, Seite 3

Vor einem Riesenbetrugsprozess in Deutschland. "Innsbrucker Nachrichten. Unabhängige Tageszeitung mit Wochenbeilage und mit der illustrierten Monatsschrift "Bergland"". Innsbruck, den 19. September 1928

Selbstmord Gustav Winter. "Bremer Nachrichten mit Weser-Kurier". Bremen, den 1. November 1936. (Staatsarchiv Bremen der Freien Hansestadt Bremen)

Standesamt Halle. Sterbe Nebenregister, Jahrgang 1936. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Merseburg, Rep. C 131 II, Sterberegister Nr. 1952, Nr. 2802

[Stapo 1933m] Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle für Dezember 1935. In: Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei zur Provinz Sachsen 1933 bis 1936. Herausgegeben von Hermann-J. Rupieper und Alexander Sperk, Band 2: Regierungsbezirk Merseburg, mdv, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2004, Seite 533 ff.

[Stapo 1933n] Aus dem Lagebericht der Staatspolizeistelle Halle für März 1936. In: Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei zur Provinz Sachsen 1933 bis 1936. Herausgegeben von Hermann-J. Rupieper und Alexander Sperk, Band 2: Regierungsbezirk Merseburg, mdv, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2004, Seite 640 ff.

Unglück und Verbrechen. "Salzburger Chronik. Tagblatt mit der illustrierten Beilage "Österreichische Woche"". Salzburg, den 2. November 1936

Unsere "Devoli". In: "Wahrheit und Recht. Wochenzeitschrift für Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft". Jahrgang 4, Nummer 8. Leipzig, den 22. Februar 1929, Seite 10ff.

Verbotene Aufwertungsversammlung. Ein Geschäftemacher. "AZ am Abend, 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München den, 1. März 1927, Seite 3

Vergleich mit der Reichsbank oder ihre Verurteilung. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Verlag "Wahrheit und Recht", Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig 24. April 1931, Seite 17

Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen. Vom 28. März 1931.

Vertraulich, generell und staatspolitische Gründe. "Die Weltbühne. Wochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft." XXVIII. Jahrgang, 12. April 1932 Nummer 15, Seite 575-576

Vor einem Riesenbetrugsprozess in Deutschland. "Innsbrucker Nachrichten". Innsbruck, den 19. September 1928

Wegen Betruges verurteilt. Schluss im Prozess Winter. "AZ am Abend, 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München den, 9. November 1928, Seite 3

Winter, Gustav: Der Taylorismus. Verlag von S. Hirzel, Leipzig 1920

Winter, Gustav: Mein Schlußkampf mit der Reichsbank und ihren heimlichen Helfern! Leipzig, Hainstrasse 23, Selbstverlag, 1926

Winter, Gustav: Der grosse Betrug der Inflation und Deflation. Kampf und Aufklärungsschrift des deutschen Volksbundes "Wahrheit und Recht". Mitgliederzahl am 15. Februar 1927: 3 Millionen! Verlag von "Arbeit und Recht", Leipzig, Hainstrasse 23, Leipzig 1927

Winter, Gustav: Wahrheit und Recht über den Betrug mit den "Rotgestempelten". Nordholz, Kreis Lehe, Verlag "Wahrheit und Recht", um 1928

Winter, Gustav: "Bis auf Weiteres"!. Kampfgenossinnen und Kampfgenossen. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 17, Leipzig, den 24. April 1931, Seite 2

Winter, Gustav: In eigener Sache. "Wahrheit und Recht. Wochenschrift für den Wiederaufbau und Ausbau der deutschen Wirtschaft." Jahrgang 6, Nummer 20, Leipzig, den 15. Mai 1931, Seite 1

Winter, Gustav: Die Freimaurerei als Zerstörerin Deutschlands und Europas
Großjena bei Naumburg, Verlag "Wahrheit und Recht", 1931

Winter, Gustav: Die Rettung Deutschlands ohne neues Geld. Verlag Wahrheit und Recht. Inhaber: Gustav Richter. Großjena bei Naumburg 1933

Winter, Gustav: Der Orga-Urkult - Dreifache gesunde Ernte auf allen Boeden ohne jede Düngung und Fachpflege. Verlag Wahrheit und Recht. Inhaber Gustav Winter, Großjena bei Naumburg,1935

Winter macht in Sensation. Fortsetzung des Winter Prozesses. "Leipziger Volkszeitung. Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 5. Juni 1929

Winter mit den Grüngestempelten. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 6. Jnui 1929

Winters Börsenintervention. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 6. Oktober 1928, 3. Beilage zu Nummer 235

Winters "Panzerautos". "AZ am Abend, 8-Uhr-Abendblatt. Allgemeine Zeitung." München, den 7. Juni 1929

Winters 1 200 Arbeiter und Angestellte. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 2. Beilage zu Nummer 240, Leipzig, den 12. Oktober 1928

Winters "Spitz". "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". 3. Beilage zu Nummer 244, Leipzig, den 17. Oktober 1928

Wintersturm in der Generalversammlung der Reichsbank. "Leipziger Volkszeitung, Organ der Interessen des gesamten werktätigen Volkes". Leipzig, den 18. Februar 1930, 1. Beilage zu Nummer 41

Zwischenrufe [Reaktion auf die Rede von Hjalmar Schacht am 16. Februar 1930 zur Schaffermahlzeit im Bremer Haus der Schifffahrt]. "Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen". Berlin, den 16. Februar 1930

 

Autor:
Detlef Belau
Geschrieben: 2007. Aktualisiert:
18. Juli 2011
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